Einzelbild herunterladen
 

voraussichtlich in her -weiten Hälfte des Monats Juni er- folgen, und zwar in Gegenwart des Kaisers, der dann, wie alljährlich, aus Anlaß der großen Horner Rennen nach Hamburg kommen wird. Soweit bis jetzt feststeht, wird der Kaiser, der im Automobil von Hannover kommt, nicht wie sonst die Elbbrücken passieren sondern bei den Auswande- rerhallen der Hambnrg-Amerikalinie sich dem Freihafenge- bict zuwenden uno dann nach der südlichen Einfahrthalle lSteinwärdcr) des Tunnels fahren, wo er mit seinem Au­tomobil in den Tunnel hinabgelasien werden wird. Nach- Durchguerung des Tunnels soll im nördlichen Einfahrt­schacht (St. Pauli) der Empfang durch den Senat stattfin« den und die feierlche Eröffnung des Tunnels erfolgen. Da­rauf begibt sich der Kaiser an Bord derHohenzollern", die, wie immer, unweit des Tunneleingangs an den St. Pauli- LandungSbrücken liegen wird. Der Tunnelbau hat einen

Vermischtes.

Der Großherzog von Hessen als Förderer des Flug­sports. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen sowie Prinz Heinrich von Preußen ließen sich am Mon­tag auf dem Darmstädter Flugplätze eine nach Angaben des Großherzogs erbaute Maschine vorführen. Die neue Maschine entwickelte bei drei Flügen über je 10 Kilo­meter eine außerordentliche Geschwindigkeit. Prinz Hein­rich machte mit dem Flieger August Euler einen Passa- gierflug in etwa 80 Meter Höhe Euler wurde von dem Großherzog mit der Verdienstmedaille für Kunst und Wis­senschaft ausgezeichnet.

Begnadigungen durch den württembergischen König. Aus Anlaß der silbernen Hochzeit des württembergischen Königspaares sind vom König Begnadigungen in um- affender Weise verfügt worden. Unter denjenigen, denen )ie Strafe nachgelasien wurde, befindet sich ein wegen Be­eidigung und Nötigung, verübt an dem Grafen Zeppe- in ,zu mehrmonatiger Gefängnisstrafe Verurteilter, für )en der Graf Zeppelin selbst ein Gnadengesuch eingereicht hatte. Der Mann hatte seinerzeit die Behauptung auf­gestellt, Graf Zeppelin habe ihm die Erfindung eines Luft­schiffes nachgemacht.

Ein dreister Naubmordversuch wurde am hellen lich­ten Tage am Montag in München begangen. In der Lindwurmstraße betrat ein neunzehnjähriger Bursche ei­nen Kaufladen, und als die 28jährige Tochter des Kauf­manns sich bückte, zog der Bursche plötzlich ein kleines Hand­beil hervor und hieb das Mädchen damit fünfmal über den Kopf. Beim letzten Schlag zersprang oer Beilstiel. Im gleichen Augenblick betrat eine Käuferin den Laden, die bei dem Anblick laut schreiend wieder auf die Straße stürzte und die Paffanten alarmierte. Der Bursche floh, wurde aber ergriffen und verhaftet; er ist ein vorbestraf­tes Subjekt, früherer Zwangserziehungszögling, seine Mut­ter ist im Irrenhaus. Das Mädchen, dessen starkes Kopf­haar die Beilhiebe gemildert hat, ist merkwürdigerweise mit nicht allzuschweren Verletzungen davongekommen.

Die Schülertragödie in Natibor. Aus Ratibor wird derTgl. Rdsch." geschrieben: Die Beerdigung der beiden Obertertianer Janitzky und Guder, die durch Selbstmord endeten, fand unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Pastor Gühloff sprach an beiden Gräbern. Er ermahnte die jungen Kameraden, die ihren Freunoen das Ehren­geleit gegeben, nie zu vergeffen, daß ihr Leben nicht ihnen gehört.Ihr spielt wohl manchmal mit dem Gedanken an Selbstmord und meint, ihr habt ein Recht, das Leben von euch zu schleudern, wenn es euch paßt. Nein, das Recht habt ihr nicht. Der euch das Dasein verlieh, dem seid ihr dafür verantwortlich. Und er hat es euch gegeben nicht für euch allein. Euer Leben gehört jetzt euern Eltern, später einmal dem Staat, der Welt, immer aber eurem Herrgott. Für den sollt ihr wirken und werben, aber den Posten verlassen vor der Ablösungsstunde ist Verrat. Ihr begeistert euch für Helden und wollt selber einmal Helden werden, aber ihr haltet nach römischer Anschauung den Selbstmord vielleicht auch für eine Heldentat. Das ist er nicht. Es gibt ein Heldentum der Tat, aber auch eines des Duldens und Tragens. Und letzteres ist das Schwere. Aber gerade das wird vom Menschen am allerehesten ver­langt. Die Schule und das Leben wird euch niemals alle Wünsche in Erfüllung gehen lassen, da lernet euch schicken und fremdem Willen unterordnen. Wer darum gleich ver­zweifeln wollte, ist ein schwacher Charakter. Ein Held ist, wer aushält und Treue hält."

Der Sturm als Schatzgräber. An der Küste von Suf­folk in England hat der große Sturm der letzten Tage ein eigenartiges Resultat zuwege gebracht. In der Nähe von Thorpton schwemmte die Flut mehr als eine Million Tonnen Sand von der Küste weg. Das Wasser kam bis dicht an die Häuser, die bisher 100 Meter von dem Stand der höchsten Flut entfernt waren. Als dann die Ebbe ein­trat, fand man mehrere hundert Gold-, Silber- und an­dere Münzen verstreut, die zum größten Teil aus der frü­hen angelsächsischen Zeit stammen. Eine alteVronzeschnalle mit silberner Inschrift aus der Zeit des Königs Johann ist besonders gut erhalten. Die Römer legten seinerzeit an jener Küste ihre Festungen an, die aber dann später im siebenten Jahrhundert ähnlich wie Vineta im Meere versunken sind.

Vater und Tochter vom Zug überfahren. Sonntag abend um 11 Uhr ereignete sich ein schwerer Eisenbahnunfall auf dem Bahnhöfe von Cannes. Ein 79jähriger Greis namens Ennandi, der fast blind ist, wollte in Begleitung seiner Tochter die Gleise überschreiten, als ein Güterzug einlief. Beide Personen wurden von der Lokomotive er­faßt und zermalmt. Die Tochter des Greises, eine Frau Vitelli, war sofort tot. Der Mann starb gleich nach der Ankunft im Spital. Ueber einen ähnlichen Unfall wird auS Bern gemeldet: Auf Station Herzogenbuchsee wollte der Dachdeckermeister Waelchi mit seiner ihm eben ange­tranten jungen Frau den Bahnzug nach Olten benutzen. Die Frau war schon im Zuge, Waelchi holte noch Billette an der Kasse und wollte dann auf den abfahrenden Zug springen. Hierbei stürzte er unter die Räder, während der Zug mit der Frau abfuhr. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren, außerdem erlitt er schwere Ver­letzungen am Kopf, so daß der Tod bald eintrat.

Im Geldschrank erstickt. Aus London wird derInf." geschrieben: In der City kam vor einigen Tagen zwischen den Angestellten eines großen Bankhauses eine leichtsinnige Wette zum Austrag, die beinahe von sehr tragischen Fol­gen begleitet gewesen wäre. Als der Chef um die Mittags­zeit das Geschäft verließ, wollten die jüngeren Angestellten erproben, wer von ihnen es am längsten in dem geschlosse- nen Geldschrank aushalten könnte. Die Wette wurde auch

1 Aum Austrag gebracht und der jüngste Stift begab sich in den riesigen Geldschrank, dessen schwere Tür von Kollegen zugeschlagen wurde, nachdem vorher die Geschäftsbücher heransgenommen worden waren. Jeder mußte so lange in dem Geldschrank drinbleiben, bis er burct) Klopfen an der Tür zu erkennen gab, daß er keine «utt mehr bekommen und herausgelassen zu werden

wünschte. Mehrere der Angestellten hatten ichon die Probe gemacht und festgestellt, daß man nur wenige Minuten in einem verschlossenen Geldschrank bleiben könnte. Alö nun der erste Buchhalter im Geldschrank cingcschlossen worden war, merkten die anocren, daß der Buchhalter die Schlüssel des Geldschrankes aus Versehen mit sich genommen hatte. Der Eingeschlossene hämmerte und schrie, aber es konnte keiner Hilfe bringen, da der Schlüssel nicht vorhanden war. Endlich, als die Rufe des Eingeschlossenen verstummt wa- ren, kam der Chef zurück, der ein zweites Paar Geldschrank­schlüssel besaß. Jetzt konnte der Geldschrank geöffnet wer­den. Der Eingeschlossene war aber schon durch den Alan- gel an Stuerstoff ohnmächtig geworden und konnte erst nach langer Zeit durch die Bemühungen von Aerzten ins Leben gerufen werben.

Die Fenersbrnnst in derStadt der Liebe". Eine furchtbare Feuersbrunst hat, wie schon kurz gemeldet, die japanischeStadt der Liebe", den bekannten Vorort Tokios, Voshiwara, zerstört. Am Sonnabendmorgen um 11 llhr brach das Feuer auS. Ein heftiger Sturm fachte es in kurzer Zeit zu einem Riesenbrande an. An ein Löschen war nicht zu denken und so stand denn innerhalb einer Stunde ein Häusermeer in einem Umkreis von vier Mei­len in Flammen. Der Anblick war furchtbar. Den hel­denhaften Anstrengungen der Soldaten gelang cs, zu ver­hindern, daß Menschenleben den Elementen zum Opfer fielen. Allerdings konnte es nicht ausbleiben, daß viele Menschen verletzt wurden. Außerdem gefährdet war das Museum von Tokio. Nur durch Sprengungen und Nie- Verlegung ganzer Straßenzüge gelang es, das Feuer auf das eine Viertel zu beschränken. Durch den Abbruch der Häuser sind zahllose Familien obdachlos geworden. Es ist bisher noch nicht gelungne:, das Feuer zu löschen. Der furchtbaren Feuersbrunst sind auch die Stadtviertel Toku und Asakusa zum Opfer gefallen. Sturmwetter und Was­sermangel machten die Lage besonders kritisch. Das euro­päische Stadtviertel ist außer Gefahr.

Der Hosenrock in Spremberg. In den Spremberger Zeitungen ist folgende Einladung einer jungen Benefizian- tin des Spremberger Theaters zu lesen:Mit meincmStücke hoffe ich dem kunstsinnigen Publikum einen genußreichen Abend zu verschaffen. Was man bis heute für unmöglich gehalten, wird zur Wirklichkeit:Ich werde mich dem ge­ehrten Publikum zu meinem Benefizabend im dritten Akte in einem von sämtlichen Blättern der Welt so viel be­sprochenenHosenrock" zeigen. Ich will durchaus keine Sensation heraufbeschworcn, sondern nur dem Publikum das Neueste vom Neuen bieten.: Losung: Spremberg voran!

Der Sturz der Königskrone. Die folgende Szene wird aus Lissabon gemeldet: In der Nähe des Kais, wo der land­wirtschaftliche Markt der Stadt liegt, war bisher noch immer über dem Tor, das zu dem Markt führt, die Königskrone über dem portugiesischen Wawppen zu sehen. Das ärgerte eine Anzahl repub likanischer Arbeiter, die mit einer Leiter, einem Hammer und anderen Werkzeugen der Zerstörung an dem Tor erschienen und sich daran machten, die Krone herunterzuschlagen. Sofort versammelte sich eine große Menschenmenge, die den Verkehr in der Straße und auf dem Markt vollständig störte. Das wurde telephonisch der Poli­zeistation mitgeteilt, von wo aus dann eine Anzahl Polizi­sten unter dem Kommando eines Leutnants geschickt wurde. Dieser erklärte den Leuten, daß ihre Absicht allerdings sehr lobenswert sei, aber sie dürften sich nicht von selbst an die Ausführung einer solchen Arbeit machen, sondern das müsse man der Negierung überlassen. Die Leute ließen sich durch diese Ansprache nicht stören, uno die Polizei beschloß am Ende, eine Abteilung Kavallerie und die republikanische Garde herüetzurufen. Die Soldaten kletterten dann selbst die Leiter hinauf und vollendeten das von den Arbeitern begonnene Werk der Zerstörung. Die Königskrone fiel un­ter dem Jubel aller Anwesenden mit großem Krachen auf den Boden hinunter. Da entdeckte man in den Reihen der Zuschauer einen alten Mann der früher in dem königlichen Schloß angestellt war. Er wurde gefaßt, auf die Krone ge­stellt, und von dort aus mußte er eine Rede gegen die Monarchie halten. Unter anoerem mußte er erklären, daß die Zerstörung der Krone eine gute und patriotische Tat sei und daß es ein Verbrechen sei, wenn die Leute dafür bestraft werden sollten. Nachher wurde die Krone unter dem Beifall der Menge an den Kai herangebracht und ins Wasser geworfen.

Interessante Saccharinschmugglerinen. Der Saccharin­schmuggel in den Grenzgebieten am Bodensee geht Heuer so hoch, wie nie zuvor und zeitigt die schönsten Blüten, deren letzte hier erwähnt sei. In Lindau hat man dieser Tage zwei Schmugglerinnen, die als Eisenbahnpassagiere erster Klasse reisten, als schmuggelverdächtig verhaftet. Die Behörden hatten sich darin nicht getäuscht. Bei der Untersuchung der feinen Passagiere fand sichst in den Unterröcken in besonders angefertigten Taschen Saccharin eingenäht, jedenfalls, um die Spesen erster Klasse rechtfertigen zu können. Aber es kam noch anders. Bei näherer Untersuchung fand sich noch mehr Saccharin. Die untersuchenden Beamtinnen förderten nämlich bei jeder der Schmugglerinnen zwei man ver­zeihe den Ausdrubck Soccharinbusen hervor.

DieDeutschland" in Zrankfurt.

Obwohl in Frankfurt doch schon verschiedene Zeppelin­luftschiffe waren, hat die Begeisterung für das stolze Fahr­zeug des Grafen Zeppelin noch keine Einbuße erlitten. Dies zeigte sich am Montag wiederum, als das neue Luftschiff Ersatz Deutschland" seine Reise von Baden-Baden nach Düsseldorf fortsetzte. Als morgens die Extrablätter ver­kündeten, daß Zeppelin um 11 Uhr von Baden-Baden auf­gestiegen sei, da gab es ein Stürmen auf die Straßenbahnen: sämtliche verfügbare Linien mußten nach dem Luftschiff­hafen durchgeführt werden. Tausende von Menschen hatten dort den weitumspannten Platz umsäumt. Um 1 Uhr 15 Min. wurde ssiolich am Himmel plötzlich

eine Flugmaschine sichtbar,

die direkt aus den Landungsplatz zusteuerte und nach kurzer Zeit landete. Es war der Einjährige Reinhard von den Darmstädter Dragonern, der dem Luftschiff von Darmstadt aus das Geleit gegeben hatte. Dicht darauf folgte das Zep- pelinluftschiff, das den Landeplatz in weitem Bogen umfuhr und um 1 Uhr 86 Min. glatt landete. Das Luftschiff und dessen Führer Eckener wurden mit vieltansendstimmigen Durrarufen begrüßt, und nun gab es kein Halten mehr. Tie Menge durchbrach die Schranken und strömte auf den Kreuzer zu, um ihn sich näher zu besehen. Er ist von seinem Vorgänger, dem im Teutobnrgerwaide gestrandeten Luft­schiff, nicht wesentlich verschieden. Nur die Nase ist etwas spitzer geworden und die Gänge zwischen der Kabine und den Gondeln sind vollständig geschlossen. In der elegant ausgestatteten Kabine saßen 14 Personen, darunter der Frankfurter Rechtsanwalt Joseph, der im Auftrage des Frankfurter Vereins für Luftschiffahrt mitfuhr.

Die hintere Gondel bekam beim Niedergang einen nu- zarten Stoß von dem Ackerfeld, der ihre Rippen beben mach­te. Ganz sorglos fühlten sich dagegen

die Passagiere im Lnftschiffsalon

geborgen. Sie tranken Sekt, der an Bord zu ganz irdischen Preisen verabfolgt wird. Die Speisekarte gibt und) Aufschluß darüber, was es auf der Fahrt zum Mittagstisch gegeben hat: Malossol-Kaviar (4 .//), französischer Mast­schinken (3 ^), Straßburger Gänseleber-Pasteten (3 »M, Sa­late (1 »M, Erdbeeren (8 .M. Eine junge Gräfin machte ihre Geburtstagsfahrt. Sie war heiter und guter Dinge, hielt Redenvon oben herab" an die Menge, die sie bald mit dem vertraulichen NamenElsa anredete. Elsa gefiel es

übrigens so gut im Salon, daß sie auch die Weiteifahrt mitmachen wird

Der Aufenthalt In Frankfurt war ursprünglich nur auf kurze Dauer berechnet. Wasserstoff wurde angefahren, aber eS zeigte sich, daß die Ballonets noch prall waren. So be­schränkte man sich auf das Einnehmen von Wasserballast und Sekt, der im Kühlraum verstaut wurde. Vorher waren schon einige frische Passagiere" eingeladen worden, da­runter Oberbürgermeister A dick es und lein Kollege von Baden-Baden Die Wetternachrichten, die vom Rhein ka­men. lauteten wenig günstig. Der Führer Eckener ent­schloß sich dcilnoch dazu, die Fahrt zu wagen und fünf Minu­ten vor 3 Uhr schwang sich dieDeutschland" wieder in die Lüfte. Reaendrohende schwarze Wolken standen am Hori­zont. Bald kamen die ersten Tropfen und man sah. wie daS Schiff cinschwenkte. Das Publikum, das sich schon zum Gehen gewandt hatte, blieb noch eine Wette und hatte daS nicht zu bereuen . Denn dieDeutschland"

kam alsbald wieder znriick,

machte einen Rundflug über Höchst, Königstein, Hattersheim, Friedberg, Vilbel, erschien gegen 4 Uhr über den Häusern Frankfurts und ging um 4% Uhr wieder im Hafen nieder. Der Grund dieses plötzlichen Zurückkehrens innren die un­günstigen Wetteraussichten am Rhein: in Aachen ging Ge­witter nieder. Das Luftschiff übernachtete in Frankfurt. Vockcnheimer Artilleristen und Mitglieder des Frankfurter Vereins für Luftschiffahrt beschützten eS. Der Eulerpilot Reinhard verließ gleichfalls nach dem Aufstieg der Deutschland" den Platz und flog, um sich vor dem Regen zu schützen, auf das Griesheimer Feld, wo er in einer le er­sehenden Halle seinen Apparat barg. Er nmrtefc auf Ben­zin, das erst aus Darmstadt beschafft werden mußte. Ilm

/« Uhr stieg er wieder auf, flog im weiten Bogen zum Taunus hinüber und wieder herüber zum Lnstschiffhasen und dann in gerader Linie nach dem Griesheimer Exerzier­platz.

Einer der Mitreisenden. Rechtsannmlt Joseph ans Frankfurt, teilte einem Berichterstatter mit: Wir hatten von Baden-Baden bis Heidelberg guten Südwest, dort drehte sich der Wind etwas. Im Durchschnitt fuhren wir ein Tempo von 80 Kilometer in der Stunde in einer Höhe von 150 Me­tern. Ein Automobil, das uns von Rastatt auS verfolgte, konnte das Tempo nicht einhalten, und wir bekamen es erst wieder in Darmstadt zu Gesicht, nachdem infolge des Win­des die Fahrgeschwindigkeit des Luftschiffes sich vermindert hatte.

Die Weiterfahrt nach Düsseldorf hat das LuftschiffDeutschland" heute morgen angetreten. Der Draht nicldet über Die Fahrt:

»B* Frankfurt a. M., 11. April. Das LuftschiffDeutsch­land" ist um 8,30 Uhr mit fünfzehn Passagieren zur direk­ten Fahrt nach Düsseldorf anfgestiegen.

w> Wiesbaden, 11. April. DieDeutschland" überflog Wiesbaden um 9^ Uhr. Während der Fahrt wurde eine Fahne mit einem Bündel Briefe und Telegramme herab­gelassen, in dem gesagt wird, daß an Bord alles wohl ist und die Dieselmotore gut arbeiten.

o-£ Bingen, 11. April. DieDeutschland" überflog gegen 10 Uhr Bingen und setzte die. Fahrt den Rhein ent­lang fort.

Drahtnachrichten und Neuestes.

Die Heimkehr des Kronprinzenpaares.

»B* Berlin, 11. April. Der Kronprinz und die Kron­prinzessin sind um 11,12 Uhr auf dem Schlesischen Bahn­hof eingetroffen und haben von dort aus die Fahrt nach Potsdam fortgesetzt, wo sie um 11,50 Uhr eintrafen. Zum Empfange hatten sich auf dem Bahnhöfe eingefunden Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz und Prin­zessin August Wilhelm, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold. Nach herzlicher Begrüßung begab sich das Kron- prinzenpanr im Automobil nach dem Marmorpalais.

Die deutsch-russischen Abmachungen

»-£ Petersburg. 11. April. Die Börsenzeitung bestätigt aus autoritativer Quelle, daß geraden der letzten Zeit die deutsch-russischen Verhandlungen über die Bahnbauten in Persien sehr bedeutend gefördert worden sind. Was die Bagdad-Bahn betrifft, so verlautet, daß Rußland bereit ist, Deutschland in jeder Weise zu unterstützen. Zum völligen Abschluß sind die Verhandlungen zwischen Berlin und Pe­tersburg noch nicht gelangt.

Ein Fuhrwerk von einem Zuge erfaßt.

Berlin, 11. April. Gestern nachmittag überfuhr ein Güterzug der Reinickendorf-Licbenwalder Kleinbahn in der Nähe des Bahnhofes Wanditzfee ein Fuhrwerk. Das Ge­fährt wurde zertrümmert, der Kutscher lebensgefährlich ver­letzt, das Pferd getötet.

Eine brennende Halde.

Halle a. S.. 11. April. Seit Anfang Dieser Woche brennt ein Teil de- Halde des Theodorschachtes bei Klostermans­feld. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Man nimmt an, daß am Aschenhausen des Schuttabladeplatzes Kinder ein Feuer abgebrannt haben, wodurch die einen star­ken Schwefelgehalt besitzenden Schiefersteine in Brand ge­raten sind und eine große, glühende Masse bilden. Qualm und erstickender Schwefelgeruch erfüllen in weitem Umkreis die Gegend des Glutheröes. Nachts sieht man das helle Feuer. Da die Glut durch Wasser nicht gelöscht werden konnte, wird nun ein großer Graben zwischen dem Feuer­herd und dem Hauptteil der Halde ausgehoben, um dem Feuer den Weg abzuschneiden. Man befürchtet aber trotz­dem, daß die ganze Halde in Brand geraten wird. Würde dies der Fall sein, dann vergingen Jahre darüber, bis die Glut erlöschen würde. Der Flurschaden, der dadurch ent­stände. wäre enorm. Von der Gewerkschaft sind Tag und Nacht Wachen ausgestellt.

Großer Altertumsfund.

Dortmund, 11. April. Eine Menge Waffen, Urnen usw. aus der Römerzeit wurden, wie ans Aplerbeck gemeldet wird, bei den Ausschachtungsarbeiten für den Bahnbau Dortmund-Schwerte gefunden. Man glaubt aus dem Fund schließen zu dürfen, daß dort sich auch ein Römerlager be­funden hat.

Tödlicher Unfall eines Turners.

Remscheid, 11. April. Bei einer patriotischen Feier wurde ein großes Schauturnen abgehalten. Dabei stürzte der 30jährige Handlungsgehilfe Felzer, einer der besten Turner, bei der Vorführung des Riesenschwunges ab, brach die Wirbelsäule und war sofort tot.

Rnthenische Studentenumtriebe.

Wien, 11. April. In Stanislau wurden gestern in den Wohnungen rnssischer Studenten Haussuchungen vorge­nommen, wobei das Bestehen einer geheimen revolutio­nären Bewegung entdeckt wurde, welche besonders unter der ruthenischen O^ymnasialjugenü weit verbreitet ist. Die Schulbehörden sind entschlossen, alle Teilnehmer zu rele­gieren. Ferner wurden Manifeste aufreizenden Inhalts beschlagnahmt, welche zur Verbreitung unter den rutheni­schen Soldaten bestimmt waren.

Der Erbauer der Mittel-Amurbahn ermordet.

$-£ Petersburg, 11. April. Wie aus Blagowechtfchcust gemeldet wird, wurde an dem Leiter des Baues der Mittel- Amurbahn, dem Ingenieur Wrublewski und seinem Kut^ scher in der Nähe der dort projektierten Bahnstation ein Raubmord rerübt.

Kreuzfahrt eines amerikanischen Geschwaders in der Ostsee.

he* Washington, 11. April. Das Marinedepartement veröffentlicht das Programm für die Kreuzfahrt des Ge­schwaders in der Ostsee. Danach soll dasselbe deutsche, dä­nische, schwedisckm und russische Häfen an laufen.