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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Enthält alle amtt. Bekanntmachungen der Großherzoglichen ^HA ^ Großherzoglichen
Amtes sowie vieler anderer ^ZId Behörden Gberhessens
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Nr. 87.
Telephon: Nr. 362.
Mittwoch den 12. April 1911
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Bus Stadt und Land.
Gießen, den 12. April 1911.
—) Gießen. Der bisherige Kommandeur der 25. (Großh. Hess.) Division Generalleutnant v. S 1 r a n tz ist zum kommandierenden General des 5. Armeekorps befördert worden.
)( Gießen. Im Mai. wird Graf Zeppelin bei einer Fahrt mit eines seiner Luftschiffe nach Gotha die Richtung auch über Gießen nehmen und hoffentlich auf wenige Stunden auch hier landen.
*) Gießen. Landgerichtsrat Weisfenbach in Darmstadt wurde zum richterlichen Mitglieds der Landeskommission für Feldbereinigungssachen ernannt.
*) Gieße n. Die Gemeinde st euerget- t e l werden jetzt ausgetragen und damit kommt für manchen wieder die Frage, wo das Geld hernehmen bei den teuren Zeiten?
() Gießen. Im Schuljahre 1910—1911 hatte das Landgraf Ludwigs-Gymnasium 366 Schüler, davon 115 in der Vorschule. — Das Realgymnasium besuchten 437 Schüler und die O b e r- r e a l s ch u l e 593. An vorgenannten 3 Schulen sind insgesamt 102 Schüler nicht aus dem Großherzogtum Hessen.
Gießen. Die hessische Kohlenproduk- tlo n weist für Monat März folgende Zahlen aus: An Rohbraunkohle wurden gefördert 45 138 Tonnen, verpust 156 Tonnen. Der größte Teil wurde weiter verarbeitet. 3955 Tonnen Braunkohlenbriketts und 929 Tonnen Naßpreßsteine wurden erzeugt. Auf Lager befinden sich 3463 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwert von 36 300 Mark.
* Gießen. Der Taunusklub hat zur Förderung seiner Wanderbestrebungen auch unter der Jugend folgende Lehrlingsherbergen eingerichtet: In Cransberg im Gasthof „Zur Burg Cransberg" (Jos. Walter); in Grävenwiesbach im Gasthaus „zum Löwen" (Karl Born); in Langhecke im Gasthaus „Zum Englischen Hof" (Joses Hingott); in Oberems im Gasthof „Zum Taunus" (Karl Usinger); in Oberjosbach im Gasthof „Zum Lindenkopf" (Johann Jüngels); in Rod a. d. Weil im Gasthof „Zur Post" (Heinrich Haibach). In der Zeit vom 1. Mai bis 30. September erhalten Lehrlinge, deren Väter oder Lehrherren Mitglieder des Taunusklubs sind, hier freies Nachtquartier und Frühstück.
* ) G i e ß e n. Die Vorturner des Gau Hessen hatten am letzten Sonntag in der Turnhalle des Turnvereins Gießen ihre Gauvorturnerstunde. Der Leiter war Eauturnwart Will. — Für die Bezirkswetturnen sind Freihoch, Gewichtheben, Hindernislausen. und Weitsprung bestimmt worden.
— Wetzlar. Hier beabsichtigt man die Errichtung eines Goethe-Denkmals.
-r- Wetzlar, 12. April. Der Generaldirektor der Buderuswerke, Herr Kaiser, hat aus Anlaß der Feier seiner silbernen Hochzeit, für die Arbeiterschaft des Hüttenwerkes ein Kapital von 40 000 Mk. gestiftet. Den Bestimmungen gemäß sollen die Zinsen alljährlich dazu verwendet werden, den Kindern der Arbeiter vom Hüttenwerk den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen. Die Arbeiter dankten ihrem verehrten General - d'rektor dadurch, daß sie Herrn Kaiser gestern abend inen Fackelzug brachten. Der imposante Zug nahm .einen Weg unter Vorantritt einer Musikkapelle durch die Bahnhofstraße, Langegasse, über die hintere Lahnbrücke nach der Wohnung des Jubelpaares. Man konnte hier beobachten, daß Herr Kaiser, der seit 1892 mit unermüdlicher Kraft das Amt eines Generaldirektors der Buderuswerke verwaltet, während dieser Zeit auch stets die Liebe und Verehrung der Arbeiterschaft sich bewahrte. Am deutlichsten kam dies zum Ausdruck bei der Ueberreichung der Blumenspende. Nach der Ovation vor der Wohnung bewegte sich der Zug nach dem Schützengarten, wo ein Festessen stattfand. — Es ist wahrlich kein Leichtes 4500 Arbeitern gerecht zu werden. Die gestrige Feier legte aber Zeugnis dafür ab, daß es dem verehrten Herrn Generaldirektor dennoch gelungen ist, sich die Sympathie der Arbeiterschaft zu erringen.
(♦) Krofdorf, 11. April. Am vergangenen Sonntag wurden hier 65 Konfirmanden eingesegnet, davon von hier 34, von Gleiberg 13 und von Kinzenbach 18.
* ) G l e i b e r g. Hier wütet zur Zeit unter den Kindern die Scharlachkrankheit. Leider ist auch eine erst 23jährige Frau dieser heimtückischen Krankheit zum Opfer gefallen.
* * Schotten, 10. April. Heute starb im Alter von nahezu 86 Jahren der ä l t e st e Einwohner Konrad Nie s. Er war noch sehr rüstig und hätte am 28. September die diamantene Hochzeit gefeiert.
* L i n d h e i m. Die oberhessische Haushaltungsschule erfreut sich seit Jahren eines! sehr starken Zuspruchs, so daß die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr genügen. Die Landwirtschaftskammer hat den Erweiterungsbau genehmigt, und schon vor Pfingsten soll damit begonnen werden.
* ) Grünberg. Rendant Friedrich Bitsch in Schlitz ist als Vezirkskassierer nach hier versetzt.
* Lich, 10. April. Zu einem Konflikt zwischen den Bürgern und der Gemeindeverwaltung kam es anläßlich der Verpachtung der Gemeindejagd. Diese war freihändig für 3600 Mk. vergeben worden. Hiergegen wandten sich die Bürger in einer Eingabe an das Ministerium. Jetzt ist angeordnet worden, daß die Jagd öffentlich meistbietend zu versteigern sei.
* ) Alsfeld. Der an unserem Kreisamt schon längere Zeit tätige Kreisamtsassessor ist zum Kreisamt- mann ernannt worden.
* Fulda, 11. April. Zum Bau und Betrieb der Ueberlandzentrale Fulda und Umgegend hat sich eine vorbereitende Gesellschaft gebildet, die über ein Kapital von 1 Million Mark verfügt. In der Form einer Tk- tiengesellschaft, deren Sitz Fulda ist, will dann die Unternehmerin an den Bau und Betrieb der Elektrizitäts- zentrale herangehen.
— Homburg v. d. H. Zu der Einweihung des Zeppelin-Gedenksteins in Homburg v. d. H., der zur Erinnerung an die vorjährige Luftschiffparade errichtet wird, hat Graf Zeppelin, dessen Neffe seit 1. April Kurdirektor in Homburg ist, sein Erscheinen zugesagt.
— Wiesbaden. Kriegsminister von Heeringen ist zu längerem Kurgebrauch hier eingetroffen.
— Wiesbaden. Der Landesausschuß hat in seiner hier abgehaltenen Sitzung am 8. April einen von der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden geforderten Zuschuß zur Verbesserung der Weiden auf dem Westerwald abgelehnt, ebenso die Mitwirkung Sachverständiger bei der Durchführung der Weidenmeliorationen.
* Kassel. Hier wurde der Tuchfabrikant Günther Katz wegen fahrlässiger Tötung zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Er hatte im Februar d. Js. die Ehefrau des Schlossers Hauck mit seinem Automobil überfahren und dadurch ihren Tod herbeigeführt.
— Guntersblum. In unserem Ort waren die Schwalben zu früh zurückgekehrt. Die große Kälte der letzten Tage und . der dadurch hervorgetretene Nahrungsmittelmangel hat viele getötet.
* N e u st a d t. Die Oberpostdirektion ist mit einem Gesuche an die hiesige Stadtvertretung herangetreten, dieselbe möge eine Geldunterstützung für die Fortsetzung der Fahrten der Post Alsseld-Neu stadt bewilligen, widrigenfalls die Einstellung erfolgen müsse.
* Staden i. H. In unserem kleinen Sladen ist vor ein paar Tagen ein interessantes Stückchen passiert. Eine alte Frau, die sich allzu großer Sparsamkeit rühmen wollte, wollte sich 30 Mark sparen. Sie wußte aber kein anderes Sparbüchslein, wie ein Mauseloch, sie nähte das Geld in ein Säckchen und versteckte es in das Loch, das in ihrem Zimmer sich befand. Als die sparsame Frau vor einigen Tagen mal nach ihrem verborgenen Schatz sehen wollte, gewahrte sie zu ihrem Schrecken, daß die Mäuslein das Säckchen zerfressen hatten und 20 Mark in die Tiefe gerollt waren und sie nur noch 10 Mars retten konnte. Die Frau wird sicher nichts mehr im Mauseloch ausheben.
* Frankfurt, 11. April. Volksbildung und Kinematograph. Der Rhein-Mainische Verband für Volksbildung versammelte am letzten Samstag Mitglieder und Freunde, sowie Vertreter von Schul-, Kreis- und Gemeindebehörden aus Hessen, Nassau und den angrenzenden Gebieten, um die Frage zu besprechen, ob und wie der Kinematograph als Volksbildungsmittel nutzbar zu machen sei. Die Versammlung war sich darüber einig, daß der Kinematograph sowohl in den Dienst der Volksbelehrung wie der edlen Volksunlerhaltung gestellt werden könne, und daß er namentlich ein wichtiges Mittel zur Darbietung • edler Lebensfreude für das flache Land -sei. Auch für die Jugenderziehung könne der Kinematograph, wenn seine Vorführungen pädagogisch richtig geleitet würden, von Bedeutung sein. Die Versammlung empfahl deswegen dem Verbandsvorstand, kinematographische Vorführungen mit erziehlicher Tendenz in die Wege zu leiten. Be- 3 sonders wichtig erscheint diese Ausgabe deswegen, weil
sonst zu erwarten sei, daß sich auf dem Land ein dem Theaterschmierenwesen und den minderwertigen mufita* lischen Darbietungen ähnliche nichtsnutzige kinematographische Vorführungen entwickeln würde. Diesem vorzubeugen sei eine notwendige Ausgabe. Der Verband wird deswegen schon in nächster Zeit mit der versuchsweisen Veranstaltung von kinematographischen Veranstaltungen beginnen und wäre dankbar, wenn ihm Interessenten des neuen Arbeitsgebietes recht bald Vorschläge für die Ausgestaltung der volksbildnerischen Kinematographie, sowie ihn darüber benachrichtigen wollten, ob sie der Veranstaltung kinematographischer Vorstellungen näher treten möchten.
* ) Frankfurt, 10. April. Gestern fand in der „Harmonie", Sachsenhausen, eine außerordentliche Hauptversammlung der Vereinigten Landwirte von Frankfurt a. M. und Umgegend statt. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung begrüßt es mit Genugtuung, daß der Kampf um den erhöhten Milchpreis mit Erfolg durchgeführt ist, und fordert alle Landwirte aus, unter allen Umständen an dem bewilligten Mehrpreis festzuhalten. Die noch ausstehenden Ortsgruppen der vereinigten Landwirte werden aufge- fordert, die Forderung nachzuholen und bedingungslos daran festzuhalten. Die Versammlung spricht die tiefste Mißbilligung gegen das Vorgehen der Stadtverwaltungen in Frankfurt a. M. und in Offenbach aus.
* Darmstadt. Der seit Anfang des Jahres mit der Führung der Geschäfte der hessischen Gesandtschaft und des Bundesratsvertreters in Berlin beauf- tragte Geh. Staatsrat Krug von Nidda weilt seit einigen Tagen wieder in Darmstadt und dürste auch nicht mehr aus seinen Posten nach Berlin zurückkehren. Gutem Vernehmen nach wird Geheimrat Frhr. v. Biegeleben demnächst zum hessischen Gesandten in Berlin ernannt werden.
* D a r m st a d t, 11. April. Der Oberbürgermeister von Darmstadt, Dr. Wilhelm G l ä s s i n g, hat sein Mandat als Landtagsabgeordneter n i e d e r g e - legt, sodaß demnächst auch in Darmstadt eine Ersatzwahl stattzusinden hat. Als Ursache gibt Dr. Glässing an, daß ihm sein arbeitsreiches Amt als Oberbürger meister der Residenzstadt eine weitere Ausübung der parlamentarischen Tätigkeit nicht gestatte. Die Darmstädter Ersatzwahl dürfte die letzte sein, die unter dem bisherigen indirekten Wahlrecht in Hessen vollzogen wird.
* D a r m st a d t. Bei der Landtagswahl in Lampertheim wurde der Kandidat des Zentrums, Rechtsanwalt Dr. Borheimer-Worms mit 32 Stimmen gewählt. Nur 3 Stimmen entfielen auf den nationalliberalen Kandidaten Friedrich Groh-Nohrheim, 3 Stimmen waren ungültig.
— D a r m st a d t. Herr Wilhelm Lehrbach stiftete aus Anlaß seines 25jährigen Geschäftsjubiläums und seiner silbernen Hochzeit 1200 Blumenkörbchen für den Darmstädter Blumentag.
* Worms. Hier sind eine ganze Anzahl Einwohner einem Jnseratenschwindler zum Opfer gefallen. Ein Herr Knöfler aus Leipzig inserierte, daß ein Mädchen diskreter Geburt gegen einen einmaligen Erzieh- ungsbeitrag von 4000 Mk. zu vergeben sei. Allen sich Meldenden ging ein gleichlautendes Schreiben zu, in dem es hieß, sie möchten zunächst 6,50 Mk. für Porto rc. einsenden. Darauf aber kam es dem Schwindler an, denn nachher ließ er nichts mehr von sich hören.
— Bingen. Nach dem Voranschlag stellt sich die Schuld der Stadt Bingen auf 8 026 725,13 Mk., das Vermögen beläuft sich auf 11 400 972,70 Mark.
— Siegen. Bei entern Zusammenstoß zwischen Streikenden und Polizei machten die Streikenden von ihren Revolvern Gebrauch. Die Villa des Hüttendirektors wurde durch ein Steinbombardement schwer beschädigt.
— Weltrokord fuhr der Breslauer R. Scheuermann am Sonntag, den 2. April, in Frankfurt a. M., indem er auf seinem schnellen Brennaborrade 50 Kilometer in 34 Minuten 50,3 Sekunden zurücklegte und den Großen Frühlingspreis gewann. Den ersten Platz im dortigen Hauptfahren belegte B. Wegener. In Straßburg i. E. ging Jean Böschlin aus dem 30 Kilometer-Rennen um den großen Eröffnungspreis als Sieger hervor und A. Ritzenthaler wurde sowohl im Prämienfahren wie im Rennen um den Elisen-Fliegerpreis Erster. Die drei letztgenannten fahren die Marke Brennabor, welche auch der Europameister Theile benutzt, der am Sonntag, den 9. April, auf der Dresdener Rennbahn alle drei Läuse des 70 Kilometer-Rennens um den Frühlingspreis gewann.