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vierteljährlich 1^0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh. DieHumoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: SelterSweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Herausgeber: Albin Klein & Otto Fischer.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen èâ des Großherzoglichen

Bürgermeisterei

Polizei-Amtes

sowie vieler anderer \^^> Behörden Gberhessens Expedition: Selters weg 83.

(Haus Brüder Schmidt.)

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auSwärtS 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Re klameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50° 0 Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung desZahlungs- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfa ll. Platzvorschriften ohne Verbindlichleit.

Gcsamtleitung: Albin Klein.

Nr. 60

Telephon: Nr. 362.

Samstag den 11. März 1911 Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Stichwahl zwischen Beckmann

und Werner.

Gießen, 11. März 1911.

Die gestrige Ersatzwahl in unserem mehr ländlichen Neichstagswahlkreis Gießen-Erünberg-Nidda hat das Resultat gebracht, wie es wohl die allermeisten voraus­gesagt haben. Auf der einen Seite das treue Bürger - tum, dem die Erhaltung deutscher christlicher Sitten neben den politischen Wünschen die Richtschnur bei der Ab­stimmung gab; es hat sich gut behauptet. Aus der anderen Seite ist infolge der fortwährenden Agitation die rote Flut, die Sozialdemokratie, weiter vorgedrun- gen; ihre Stimmenzahl hat sich wohl auch eine Folge der letzten Reichsfinanzreform merklich erhöht. Und in der Mitte findet man die Uneinigkeit zweier Par­teien, die sonst Schulter an Schulter in die Wahlkämpfe gezogen sind; die Freisinnigen und die Nationalliber- alen blieben deshalb in starker Minderheit. Es haben nach dem amtlich festgestellten Resultat erhalten: Krankenkassenkontrolleuä Beckmann (Sozialdemokrat)

7976 Stimmen, Oberlehrer Dr. Werner (Wirtschaftliche Vereinigung)

7958 Stimmen, Pfarrer Korell (freisinnige Volkspartei) 5059 Stimmen, Professor Dr. Gisevius (nat.-lib.) 2511 Stimmen.

Es hat sich also ferner gezeigt, daß der Liberalis­mus zurückgegangen ist, trotz der ganz gewaltigen Agitation der beiden Parteien.

Die sich nun in der Stichwahl gegenüberstehenden bei­den Parteien haben noch einen harten 10tägigen Wahl­kampf vor sich; beide werden ihre Reserven, die W a h 1= lauen aufrütteln müssen; beide werden mit den in der Minderheit gebliebenen Fühlung nehmen. Auf der ganzen Linie fragt man sich: werden beide Parteien, die sich im jetzt beendeten Wahlkampf so ost n a t i o - n a l und monarchisch genannt haben, für den aus streng monarchisch-nationalem Boden stehenden Ober­lehrer Dr. Werner die Parole ausgeben man sollte voraussetzen, sie könnten und dürften nicht anders han­deln oder wird die freisinnige Volkspartei das wahr machen, was seit langem ein öffentliches Geheimnis ist, daß sie dem Sozialdemokraten ihre Gunst bezeugt. Ge­schieht das durch Parteibeschluß, so werden viele Wäh­ler ihr untreu. Ein alter Freund einer offenen Aus - spräche in Gießen, der Land und Leute des Wahlkrei­ses kennt, hat gestern abend offen erklärt:

Von beiden Uebeln das kleinere gewählt. Der nationalen Partei in der Stichwahl die Stimme ge­geben, die für den Ausbau aller sozialen Gesetze mit ruhiger Ueberlegung eintritt, die auch eintritt für den Mittel-, Handwerker- und Beamtenstand, für den klei­nen Kaufmann, der furchtbar unter der Konkurrenz der sozialdemokratischen Konsumvereine leidet."

Prinzregent Luitpold von Bayern begeht morgen in staunenswerter Frische das neunte Jahrzehnt seines ebenso erfolgreichen wie arbeitsvollen Lebens. Er hat sich stets in gleicher Weise bewährt als der erste Soldat seines Heeres wie als umsichtiger Lei­ter der Staatsgeschäfte, als Wohltäter der Armen und Bedrängten, als Hort der Religion und guten Sitte, als Förderer alles künstlerischen und wissenschaftlichen Stre­bens. Sein einfaches, schlichtes, gegen jedermann wohl­wollendes Wesen erschloß ihm den Weg zu den Herzen aller Bayern. Dabei hielt er st e t s s e st zu Kai - s e r u n d R e i ch. Der Reichsgedanke, die Ueberzeug­ung, daß ein guter Bayer selbstverständlich ein guter Deutscher sein müsse, ist durch sein leuchtendes Beispiel, durch die innige persönliche Freundschaft, die ihn mit Kaiser Wilhelm 1. verband und auch mit unserem jetzi­gen Kaiser verbindet, innerhalb der blauweißen Grenz- pfähle volkstümlich und das Gemeingut aller geworden. Deshalb richten sich auch nicht nur in den Gauen des Bayernlandes, sondern im ganzen Deutschen Reiche die Blicke auf den greisen Fürsten, dessen Ehrentag dadurch zu einem nationalen Festtage des gesamten deutschen Volkes emporgehoben wird.

Ihm dem tapferen Soldaten, dem weisen Staatslen- ker, dem edlen Manne gilt zu seinem 90. Geburtstage unser ehrerbietigster, herzlichster Glückwunsch.

Bus Stadt und Land.

Giehen, den 11. März

. Gießen. Am Montag, 27. März, vormittags 11 Uhr findet eine ordentliche Sitzung des Provinzial- tages im Negierungsgebäude statt. Die Tagesordnung enthält u. a.: Prüfung der Ergänzung-wahlen zum Pro- »imialtoq; Voranschlag der Provmzmlkasse fm 1911. Wahlen von 2 Ersatzmitgliedern des Provmzml-Aus -

schusses und eines Mitgliedes und eines Stellvertreters in den Vorstand der Genossenschaftskasse für Kommu - nal-Forstwarte und Antrag des Provinzial-Ausschusses, die Versorgung der Provinz Oberhessen mit elektrischer Energie betreffend.

Gießen. Die hessische Landwirtschaftskammer veranstaltet landwirtschaftliche Vorträge in Groß-Felda und Glashütten. Am Samstag spricht in ersterem Ort Landwirtschaftslehrer Dr. Lung-Alsfeld über Fortschritte auf dem Gebiete des Getreidebaues und am Sonntag nachmittag Oekonomierat Andrä-Büdingen über:Wich­tigkeit des Saatgutes und Saatgutbezuges und ihr Ein­fluß auf die Ernte", sowieWelche Kartoffelsorten eignen sich für die verschiedenen Verhältnisse am besten?" Die zwei letzten Vorträge werden in Glashütten gehalten.

* Gießen. Der etwa 1000 Mitglieder zählende Soldatenverein ehemaliger 116er hält am 9. Juli zu Ober-Widdersheim sein Jahresfest ab.

* Gießen. Der Provinzialausschuß tritt am Mitt­woch, den 15. d. Mts., vorm. 9 Uhr, zu einer Sitz­ung zusammen. Es wird verhandelt über: Die Gemeinde­ratswahl zu Vilbel, die Klage des Ortsarmenverbandes Berlin gegen den Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung des Schlossers Nosolowski von Kams - Wicken, und über den Nekurs gegen einen Polizeibefehl des Kreisamtes Büdingen wegen Milzbrand in Rin­derbügen.

* Gießen, 11. März. Eine Sitzung des Wahl­ausschusses für die Kandidatur Dr. Werner findet, wie aus dem Anzeigenteil der heutigen Nummer ersicht­lich ist, am Sonntag, 12 März, nachmittags 3% Uhr, im Eisenbahnhotel (Hopseld) in Gießen statt. Wir werden noch gebeten, daraus hinzuweisen, daß wegen der Kürze der Zeit diesmal besondere briefliche Einlad­ungen nicht erfolgen.

* Gießen. Am 29. März findet hier der Früh- jahrs-Pserdemarkt, verbunden mit Prämiierung statt.

* Wiesbaden. Donnerstag, den 15. März, abends 8 Uhr, wird in dem hiesigen Schulgebäude Weißfrauenstraße 1 ein neuer handwerklicher Fortbild- ungskursus von der Handwerkskammer eröffnet.

* Marburg. Gegen die Universität Frankfurt legte der Vertreter des Kreises Marburg bei dem Kom­munallandtag für den Regierungsbezirk Kassel Protest ein, da irgend ein Bedürfnis für ihre Gründung nicht vorliege. Der Landtag wird in einer der nächsten Ple­narsitzungen hierzu Stellung nehmen.

* Hungen. Nach einer Zeitungsmeldung hatte in einer Gemeinde der Wetterau ein neu gewähltes Ortsoberhaupt für in der Nacht nach der Wahl gespen­dete Speisen und Getränke 1500 Mk. zu entrichten.

* D a r m st a d t, 10. März. In der heutigen Sitz­ung der Zweiten Ständekammer erklärte Abg. Köhler- Worms beim Kapitel Schulen, daß die Errichtung von Frauenschulen in Hessen noch keine Berechtigung habe. Aus den Schulen gingen nur Handarbetts- und Turn­lehrerinnen hervor. Zu Kapitel Provinzial- und Kreis­ämter beantragt der Ausschuß die Bestätigung von vier Kreisamtmännern auf den Inhaber. Weiter beantragt der Ausschuß, 1912 eine neu^Kreiseinleilung von Rhein­hessen vorzunehmen, und zwar derart, daß ein Kreis - amt ein geht. Abg. Winkler und Genossen beantragen den Strich des letzten Absatzes. Die Arbeitslast der Kreisämter sei von Jahr zu Jahr gestiegen, und man hätte zu den Beratungen auch die Mitglieder der Kreis­ämter und des Provinzialausschusses einladen sollen, da diese die Arbeit der Aemter am besten beurteilen könn­ten. Das Eingehen des Sireisamtes in Oppenheim be­deute für die alte Reichsstadt den Todesstoß. Diese Verantwortung wolle die Kammer wohl kaum auf sich nehmen. Die Beratungen dauern fort.

* Kirchhain. Der für den 21. März anstehende Viehmarkt fällt wegen der drohenden Gefahr der Maul- und Klauenseuche aus.

* Frankfurt. Das Husarenregiment König Humbert von Italien (1. Kurhess.) Nr. 13, z. Z. in Diedenhofen, feiert in der zweiten Hälfte des Jahres 1913 das Fest seines hundertjährigen Bestehens.

Wetzlar, 11. März. Anläßlich des 90. Ge­burtstages des Prinzregenten Luitpold von Bayern fin­det heute abend 7 Uhr in dem oberen Saale der Min­neburg eine Feier statt.

Wetzlar, 11. März. Morgen nachmittag 5 Uhr findet in der Hospttalkirche ein Kirchen-Kon­zert des Jenner'schen Chores aus Marburg unter Leitung des Universitäts-Musikdirektors Professor Dr. Jenner statt.

Wetzlar, 11. März. Am 14. März sind die hiesigen Katasterämter 1 und 2 geschlossen. Vom 15. März ab befinden sich dieAmtsräume im nördlichen Flügel des neuen Amisgerichtsgebäudes.

* Weilburg. Nachdem das Plenum des Reichs­tages am Dienstag den Militäretat in dritter Lesung bewilligt hat, ist die Kasernenneubausrage endgültig enh schieden.

* Dillenburg. Die hiesige Ortsgruppe des ev. Bundes hält morgen Sonntag einen Vortrag ab. Herr Universitäts-Professor Dr. Baldensperger-Gießen spricht über das Thema:Wissen wir etwgs sicheres über Je­sus von Nazareth".

* H e r s s e l d. Die Abhaltung des Viehmarktes in Hersfeld am 15. d. Mts. wurde aus veterinärpolizei- lichen Gründen untersagt.

Soziales.

Ein Streik zweks Vrotlosmachunq christlicher Arbeiter

ist von den Sozialdemokraten im Danziger Polsterer- und Tapezierergewerbe am 1. März in Szene gesetzt worden. Ende Februar lief dortselbst der bisher gültige Tarifvertrag ab. Das Anerbieten der im Zentral-Ver- bande christlicher Holzarbeiter organisierten Polsterer und Tapezierer zu einem gemeinsamen Vorgehen wurde von den Sozialdemokraten gar nicht beantwortet, woraus die ersteren für sich einen Vertragsentwurf einreichten. Bei den Verhandlungen setzten die unduldsamen Genossen es durch, daß getrennt verhandelt wurde. Als zwischen den Arbeitgebern und Sozialdemokraten bereits eine Ver­ständigung erzielt war, und erstere darauf bestanden, daß auch der christliche Verband als Vertragskontrahent zuzuziehen sei, warfen die Genossen das ganze Resultat der Verhandlungen über den Haufen und traten am 1. März in den Ausstand; einzig und allein, um die Ausschaltung der christlichen Arbe'ter gewaltsam durch­zudrücken. Gelänge ihnen dieser brutale Gewaltakt, so würde das die Vrotlosmachung sämtlicher Gehilfen im Danziger Polsterer- und Tapezierergewerbe bedeuten, die die Mitgliedschaft im sozialdemokratischen Verbände nicht mit ihrer Ueberzeugung vereinbaren können. DieGe­nossen" handeln hier wieder nach dem, Motto:

Und willst du nicht werden rot, Hungern wir dich einfach tot !

Dem frechen Uebermut des sozialdemokratischen Tape­ziererverbandes werden bie1 christlich-organisierten Tape­zierer wirksam zu begegnen wissen.

Beschauliches.

Vei praktischen Landwirten begegnet man auch heute noch öfters der Ansicht, daß ThoDas- mehl zu Sommergerste nicht am Platze sei, weil man früher glaubte, die Gerste habe zu geringes Wurzelver­mögen und zu schnelle Entwickelung, um die Thomas- mehlphosphorsäure gut auszunutzen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, daß auch die Gerste das Thomasmehl voll­kommen befriedigend auszunutzen vermag, selbst bei An­wendung desselben im Frühjahr.

Literarisches.

Kleidet sich eine Dame chik, so wird sie, selbst wenn sie nicht hübsch ist, immer noch eine weit hübschere ausstechen, die sich auf Toilette nicht versteht. Wie aber kleidet man sich billig und chik zugleich? Die­ses Rätsel löst aufs einfachste das tonangebende Welt­modenblattGroße M o d e n w e l 1" mit bunter Fächervignette. Abonnements auf dieselbe zu 1 Mark vierteljährlich nehmen sämtliche Buchhandlungen und Postanstalten entgegen. Gratisprobenummern bei er­steren und dem Verlag John Henry Schwerin, B e r l i n W. 57.

Schule und Leben. Die Schule soll die jungen Menschenkinder zum Eintritt ins Leben vorbe­reiten, und doch, wenn die Zeit da ist, wie jetzt wie­der, wo der Mensch hinaustreten soll in die Welt, be­ginnt erst die rechte Sorgeder Eltern. Wichtige Finger­zeige gibt in dieser Beziehung der hochinteressante Ar­tikelSchule und Leben", den die neueste, soeben er­schienene Nummer der über die ganze Erde verbreiteten Moden- und FamilienzeitschriftMode und Hau s". Gratisprobenummern durch den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57.

Die Oberitalienischen Seen und M a i l"a n d." Griebens Reiseführer. Vd. 15. 8. Auflage (Mk. 2.) Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. Die Neubearbeitung wurde von Dr. Ed. Platzhoff-Lejeune besorgt, der als Kenner der Seen durch zahlreiche Reisen und langen Aufenthalt in der Gegend den Ruf der Kompetenz genießt. Eine neue Karte (Jseo- See) ist dem Suche beigegeben. Der Führer erscheint wiederum als der kundige und ^werlätzige Reisebeglei­ter, als welchen ihn seine alten Freunde längst kennen.