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Gießener JeiLnng

Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 ant., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh. DieHumoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein & Ctto Fischer.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

sowie vieler anderer <r^D> Behörden Gberhessens Expedition: Zeitersweg 83.

(Haus Brüder Schmidt.) '

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Naum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklame teil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50" v Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zastlungü. zicleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBcrbindlichleit.

Gesamtleitung: Albin Klein.

Nr 36

(L Blatt.)

Samstag vcn 11. Februar 1911

Telephon: 9tr. 362.

23. Iahrg.

Die heutige Nummer umsaht 6 Seiten, ferner liegen bei:

1) die 8 seitige interessante, sehr lehrreicheIllustrierte Weltrundschau" Nr. 4,

2) die äußerst praktische und nützliche Gemüsegarten- HesteUungstabelle (allen Gartenbesitzern zum Auf­heben empfohlen),

3) die Extra-Beilage der landwirtschaftlichen Maschinen­fabrik Wilh. Stoll in Torgau a. d. Abe.

in kleiner Beitrag zur fordern. Bauern- u. mittelftandspoliiik.

In den Agitationsreden spielen sich die Sozialdemo­kraten gerne als Bauern- und Mittelstandssreunde aus. Was aber sagt ihre Führung zu der Frage:

Genosse Reichstagsabgeordneter Fischer sagte aus dem Parteitage in Breslau 1895:

Die Sozialdemokratie kann den Bauern erst ge­winnen, wenn er von seinem Eigentum losgelöst und bankerott gemacht ist."

DieSächsische Arbeiterzeitung" schrieb im Juli 1890: Wir werden immer bestrebt sein, den U n 1 e r g a n g des Kleingewerbes zu beschleunigen. Je eher es verschwindet, desto besser!"

Genosse Engels schrieb im Mai 1890:

Wenn aber das Kapital die kleinen Hand­werker und Kaufleute vernichtet, so tut es ein gutes Werk."

Genosse, damals Reichslagsabgeordneter, Schippel auf dem Breslauer Parteitage 1895:

Wir sind eine Partei der Besitzlosen Arbeite r."

Genosse, damals Reichstagsabgeordneter, Bock-Go- tha schrieb in seinemSchuhmacher-Fachblatt" am 26. April 1903:

Uns als Arbeitern kann der Untergang des so­genannten M i t t e l st a n d e s gleichgültig sein, im Gegenteil, je eher er verschwindet, desto besser ist es." Genosse Reichstagsabg. Hildebrandt sagte in einer Versammlung in Solingen am 2. August 1910 : W i r sind nicht i m st a n d e, die Interessen der Kleinbauern zu vertreten und versagen auf dem Gebiete des Bauernschutzes, ähnlich gegenüber den Handwerker n."

So reden die Herren Genossen, wenn sie unter sich sind!

Bus Stadt und Land.

Gießen, den 11. Februar.

* Gießen, 10. Febr. In der gestrigen Stadt- verordnetensitzung wurde die Umgestalt - ung der Westanlage genehmigt, ferner soll in der Südanlage am Ausgange der Plockstraße ein Gedenk st ein für den Syndikus Plock errichtet werden. Oberbürgermeister Mecum will ein neues

Kunst und WiJknlchalt

(Wetzlarer Bries.)

Nathan der Weise.

Ein dramatisches Gedicht in 5 Auszügen o. G. 6. Lessing.

Der aus moderne Scnsaüonsstüclc gerichtete Geschmack der Gegenwart bèdars der Klassikervorstellungen als eines natürlichen Gegengewichts, um nicht die zauberische Sprache wahrer Dichter zu verlieren, und niemals wird cs eine bessere Einsührung in die deutsche Geistes- und Kulturwelt geben, als durch das Ansehen und Anhoren unserer groben Dichter. Der moderne sezessionistisch-na- turalislische Dramatiker geht ost genug daraus aus die sittlichen Begrisse zu verwirren. Die wahre Kunst aber, wie wir sie in höchster Blüte bei unseren Klagikein ent­faltet sinken, betrachtet es als ihre Aufgabe, alles Edle zu pflegen und mit sittlichem Ernst zu vertreten.

So kann man es der hiesigen L c s e v e r e i n i g - u n q nur Dank wissen, dah sie gestern abend eine Klap sikervorstèllung veranlaht hatte. Und welches Stück ware hierfür wohl geeigneter gewesen als LèssmgsNathan der Weise". Man hat diesem dramatischen Schwanenge- ianq Lessings die Merkmale des absolut Duchtenschen absprechen wollen, aber solange wir mit Schüler in der Schaubühne eine moralische Anstalt erblicken, gt und bleibt Nathan" ein Kunstwerk von unvergänglichem Werte. Freilich ermangelt hier sein Szenengesuge jener straffen Einheitlichkeit, wie sie Lessing als Dramaturg selbst fordert und z. B. in seinerMmna von Barn-

Rathaus aus der alten Klinik geschaffen wis­sen, in dem alle städtischen Verwaltungen untergebracht werden könnten. Nach langer Debatte kam man zu dem Beschluß, die Angelegenheit, zwecks eingehender Prüfung vorläufig noch nicht zur Entscheidung zu bringen. Die Kosten einrs Umbaues erfordern 400 000 Mk. Stadtv Winn erklärte, daß alte Gebäude müsse abgerissen wer­den, denn für 300 000 Mk. bekäme man schon einen Neubau. Einstimmig wurde sodann beschlossen, die Gel­der für Bearbeitung des V a h n p r o j e k t e s' G i e - ßen Gladenbach zu bewilligen. Ebenfalls mit voller Einmütigkeit genehmigte man die Bewilligung eines Ehrensoldes in Höhe von je 50 Mk. für die hierfür in Betracht kommenden Veteranen, die ein Einkommen von unter 2000 Mk. haben.

* Gießen. Der Vorstand der Landwirtfchafts- kammer für die Rheinprovinz hat sich in seiner Sitzung vom 1. Februar u. a. mit der Frage einer Versicher­ung zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche be­faßt. Er ist hierbei zu folgendem Ergebnis gekommen: Eine Versicherung zur Entschädigung von Verulsten, die durch Eingehen und durch notwendig gewordenes Töten der Tiere zur Vermeidung der Weiterverschleppung der Maul- und Klauenseuche (sofortige Tilgung von Seu­chenherden) erwachsen, ist notwendig und anzustreben.

Es wird einerseits die Einführung von Marktversicher­ungen und andererseits eine Zwangsversicherung der Viehbesitzer im Anschlusse an die bereits für Milzbrand, Lungenseuche 2C. bestehende Provinzialversicherung, die jedoch vollständig voneinander getrennt sein sollen, em­pfohlen. Wegen der Einführung der allgemeinen Zwang­versicherung der Viehbesitzer im Anschlusse an die bereits für Milzbrand, Lungenseuche 2C. bestehende Provinzial­versicherung, die jedoch vollständig voneinander getrennt sein sollen, empfohlen. Wegen der Einführung der all­gemeinen Zwangsversicherung der Viehbesitzer, wozu eine gesetzliche Grundlage erforderlich ist, soll die Zen­tralstelle der preußischen Landwirtschaftskammer ersucht werden, bei Beratung der preußischen Aussührungsbe- stimmungeN zum neuen Reichsviehseuchengesetze eine Be­stimmung aufzunehmen, nach welcher für einzelne Pro­vinzen Zwangsversicherungen gegen die Maul- und Klauenseuche eingeführt werden können. Der Oberprä­sident soll gebeten werden, aus die Bildung von Markt­versicherungen in der Rheinprovinz hinzuwirken.

Herbstsaaten, die durch Frost gelitten haben oder die vor der Bestellung lediglich nur Stall­mist erhielten, gebe man jetzt, wenn es die Witterung einigermaßen gestattet, eine Kopfdüngung mit Thomas­mehl. Ob dann im späteren Frühjahr auch noch eine weitere Kopfdüngung mit Ehilisalpeter nötig ist, zeigt sich erst nach Beginn der Vegetation. Auch die Wiesen, Viehweiden und Kleefelder können jetzt noch mit bestem Erfolg gedüngt werden.

* Frankfurt a. M. Der hiesige M i l ch h ä n d- l e r v e r e i n faßte in einer starkbesuchten Versammlung den Beschluß, jeden Aufschlag abzulehnen und gemeinsam die höheren Forderungen der Milchpro­duzenten zurückzuweisen.

* Homburg. Der älteste Neffe des Grafen Zep­pelin, Gras Eberhard Zeppelin, wurde zum hiesi­gen Kurdirektor gewählt.

* Frankfurt a. M. Die bekannte L a m z e - sche Privat^Klinik wurde in eine E. m. b. Helm" betätigt. Eine verstrickte Handlung wird im Na­than durch eine nicht minder verstrickte Sippschaftsge- schichte unter Verzicht aus psychologische Entwirrung überschnell zusammengeklappt. Aber ist nicht P o l e - m i k auch eine Kunst, wenn sie im Sprachgeschmeide Les­sings mit seinen klugen und adligen Gedanken bekleidet einhergeht?

Der Vorstellung kann im Bereich der gegebenen Ver­hältnisse die Anerkennung nicht versagt werden. Die Mitglieder des Rhein-Mainischen Ver­bandstheaters gaben ihr Bestes und ließen uns den Atem des Dichters spüren. Wenn auch hier und da einige kleine Unebenheiten zu verzeichnen sind, so mieden doch die Darsteller jede Sünde wider Lessing. Bei der Wiedergabe des Werkes mit seinem Dutzend wechselnder Auszüge hatte man die sogenannte Sh.cckes- peare-Bühne gewählt und damit einen sehr geschickten Griff getan. In dem würdigen, schlichten Rahmen ho­ben sich die einzelnen Personen mit ihren teilweise recht dekorativen Kostümen wirkungsvoll ab, und die Zu­schauer huldigten dem Dichter nach jeder Szene.

Großen Beifall zollte man der Ringparabel; auch der Poarombericht verfehlte seine rührende Wirkung nicht. Auf weitere Einzelheiten sachlicher und persönlicher (ie- stalt wollen wir heute nicht eingehen; wir haben auch hierzu umso weniger Veranlassung als uns die Gesell­schaft nurEinlagsbesuche" macht. Wir freuen uns aber aus ihre Wiederkunst, gleichviel welch' Stück pe dann mitbringt. ^

Die Abonnentenzahl unserer Zeitung steigt täglich!

Nicht allein auf dem Lande, sondern auch in der Stadt selbst hat die Zeitung an sehr vielen Stellen eine freundliche Ausnahme gesunden.

Alle unsere gesch. Abonnenten, Inserenten, Mit» arbeitet, Gönner und Freunde wollen davon Kennt» nis nehmen und im Interesse unsrer guten Partei­sache für immer bessere Verbreitung derGießener Zeitung" sorgen.

Der Verlag

H. umgewandelt.

* O s s e n b a ch. Die Stadtverordneten bewilligten den Veteranen eine Ehrengabe von je 25 M., die zu Weihnachten zur Auszahlung kommt.

* Frankfurt a. M. Die im vorigen Sommer bereits gefahrenen direkten Kurswagen Wiesbaden- Homburg-Nauheim-Berlin und zurück, wer­den ab 1. Mai wieder in Dienst gestellt.

Abgelehnte Eifenbahnwünsche.

Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet, daß die Eisenbahnverwaltung ab 1. Mai einen D-Zug mit ZWagenklassen einzuführen gedenkt. Derselbe soll einer bequemen Verbindung der Reichshauptstadt mit den Bädern Wildungen, Nauheim, Homburg, Wies­baden und Ems dienen. Die Abfahrt des Zuges vom Potsdamer Bahnhof in Berlin erfolgt um 9 Uhr vor­mittags, die Ankunft in Homburg 6 Uhr abends, in Wiesbaden 6,50 Uhr. Um 8% Uhr wird der Gegenzug in Wiesbaden abgelassen und um 7% Uhr abends fährt er in Berlin ein.

Der neue D-Zug kommt gegen 5 Uhr nachm. in G i e- ß e n an. Demnach wären die Wünsche der oberhessi- schen Interessenten wieder unerfüllt geblieben denn in der Zeit von 12,3 bis 5,54 nachm. haben wir keinen Eil- oder Schnellzug, der eine Verbindung zwischen Gie­ßen und Frankfurt herstellt. Einen solchen hätten nicht allein Gießens Bewohner, sondern auch solche aus der näheren und weiteren Umgebung am liebsten eingeschal­tet gesehen.

Kirchliche Nachrichten.

Hakh< lischt Crmerbe

Samstag, den 11. Februar.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge­legenheit zur hl. Beicht.

Vorm.

Vorm.

Vorm.

Vorm.

Vorm.

Sonntag, den 12. Februar.

Sonntag Septuagesima.

von 6% Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. um 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.

Nachm. um 5% Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.

-sr- V o l k s k u n st. Gar so lange ist es noch nicht, daß die Fortschritte der Technik auch der Reproduktion neue, ungeahnte Möglichkeiten erschlossen und barmt die Kunst in Vervielfältigungen zu einem Allgemeingut der ganzen Menschheit machten. Jede Familie kann sich jetzt einen weniger künstlerischen Wandschmuck oder eine Kunstmappe leisten. Einen ganz besonderen Ruhm un­ter diesen Kunstgaben beanspruchen dieK u n st g a - b e n" des Verlages Scholz, herausgegeben von der Freien Lehrervereinigung für Kunstpflege, Werke, die ge­nau so eindringlich und nachhaltig aus das reise Alter wie aus die Jugend wirken, die im Salon einer geist­reichen Frau ebenso am Platze sind, wie in der beschei­denen Wohnung einer Arbeiterfamilie oder im Zimmer eines Schülers. Wahre Kunst ist nie an Alter oder Stand gebunden, und diese Kunstmappen vermitteln wahre, und vor allem deutsche Kunst. Diese Kunstmappen schaffen die Gelegenheit, sie führen uns ein in die Schaffensart, in die Kunst jedes einzelnen Meisters. Jeden Tag nur einen kurzen Augenblick vor einem Kunstwerke, und un­ser Leben würde harmonischer und reicher. Jeden Tag nur einen Blick in eine dieser Mappen, nur ein stilles Sichbesinnen vor einer Thoma'schen Landschaft, vor einem Steinhausen'schen Christusbild, vor einer Leibl­ichen Bauerngestalt, und viel von der Hast des bestän­digen Vorwärtsdrängens unserer Gegenwart würde von uns absallen.