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vierteljährlich 1,50 SIL, vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh. DieHumoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Herausgeber: Albin Klein & Otto Fischer.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen MID ^^ Großherzoglichen DüraermeittereiMM Polizei - Amtes sowie vieler anderer X^^ Behörden Gberhessens Expedition: Seltersweg 85.

(Haus Brüder Schmidt.)

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeilc oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50° o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deSZahlungs­zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Gesamtleitung : Albin Klein.

Nr. 9

Telephon: Str. 362.

Mittwoch den 11. Januar 1911 Teleph on: Nr. 362.

23. Jahrg.

Abgeordneter Köbler t.

Heute morgen traf aus Langsdorf die Trauer- kunde ein, daß Philipp Köhler 6. gestorben ist. Nicht unverhofft, denn in weitesten Kreisen war es be­kannt, daß unser Reichstagsabgeordneter schon seit län- gcrer Zeit an der nicht aufzuhaltenden Zuckerkrankheit wemgen Monaten körperlich ein Riese hatte ihn die Krankheit in den letzten Wochen doch der- maßen zugesetzt, daß seine Familie und Freunde das Ende nicht allzusern mehr sahen. War er auch nicht mehr die imponierende Gröhe, geistig groß ist Köhler- Langsdors bis zu seinem Tode geblieben. Gewacht hat er für seine Bauern, mit denen er lebte und wirkte- da- rum wird gerade draußen in den Dörfern seines Wahl­kreises die Trauerkunde tiefstes Mitleid erregen.

Von einem einfachen Bauer heraus hat er sich einen Namen gemacht, der nicht allein in Hessen, sondern in weiten Gauen Deutschlands stets dankbar genannt wird Gr wurde am 6. August 1859 zu Langsdorf als Sohn eines Landwirts geboren. Seine Vorfahren waren stets Bauern und haben oft, wie auch er, Ehrenämter- kleidet. Von 1865 1872 besuchte er die Volksschule und von 187274 das Gymnasium in Darmstadt. Seit 1884 ist er verheiratet gewesen; der Ehe entstammen 3 Sohne. 1882 hat er beim Kaiser-Regiment zu Gießen ferner Militärpflicht genügt. Für seine ihm ans Herz gewachsene Landwirtschaft ist der Verstorbene stets in die Bresche gesprungen. Köhler-Langsdorf war Mitbe­gründer des Hessischen Bauernbundes, gehörte dem Vor­stand des Bundes der Landwirte an und stand seit 1890 ununterbrochen an leitender Stelle in der hessischen Bauernbewegung. Er war mit dem Langsdorfer Leh­rer Leidlich Reformator des obligatorischen ländlichen Fortbildungsschulwesen, hat für Ausgestaltung des na­turkundlichen Unterrichts zu landwirtschaftlichen Zwecken gesorgt, trat energisch für Beschaffung der Ackerbauschu­len ein und hat sich für die landwirtschaftliche Literatur sehr verdient gemacht.

Nicht minder verdienstvoll ist Köhler-Langsdorf auch als Politiker. Dem hessischen Landtage gehört er lange Jahre an, seit 1890 ist er dessen 2. Präsident. Im Reichstag hat er unseren Wahlkreis Gießen von 18931903 und von 1907 bis jetzt vertreten. Zuletzt gehörte er keiner bestimmten politischen Partei an. Seine persönlichen Anschauungen waren oft demokratische und doch blieb er mit der deutsch-sozialen Partei in enger Fühlung und damit stand er auch bis zu seinem Tode im Reichstag der Wirtschaftlichen Vereinigung nahe.

Sein Geburtsort ehrte sein Wirken für die Gemeinde und die Allgemeinheit, daß er 1897 zum Bürgermeister gewählt wurde. Von 1896 bis 1907 war er auch Post- verwatter. Zahlreiche Vereine, darunter auch solche der Volks-, Heimat- und Altertumskunde verlieren in Ph. Köhler 6. ein eifriges Mitglied.

Ein arbeitsreiches Leben voll Kampf und Ehren ist mit Köhler-Langsdorf erloschen. Möge dem Führer der hessischen Bauern nun die Erde leicht sein.

Zur kommenden Relcbstagswabl.

* Offenbach a. M. Die Vertrauensmänner der Wirtschaftlicheil Vereinigung, der christlich-sozialen und der deutsch-sozialen Partei des Wahlkreises Offenbach - Dieburg werden kommenden Sonntag in Groß-Umstadt zusammentreten, um die nächste Reichstagswahl zu be­sprechen und ev. einen Kandidaten zu ernennen.

* Zu Mitgliedern des Landesausschusses der na­tionalliberalen Partei wurden an Stelle der ausgeschiedenen Abgeordneten Frhr. v. Heyl, Gras Oriola und Reinhart die Herren Landlagsabgeordneten Oberbürgermeister Köhler- Worms, Syndikus Dr. M e e s m a n n-»Mainz und Mühlenbesitzer S ch u d 1- Friedberg gewählt.

* Marburg. Der Bauernbund erkMrt, daß die Unterstützung von Gerlachs und des deutsch-so­zialen Kandidaten Rupp bei den kommenden Reichs­lagswahlen vollständig ausgeschlossen sei.

* Marburg. Von den Sozialdemokraten wurde der Vorsitzende des Frankfurter Dachdeckerverbandes, J. Diehl, als Kandidat für die kommende Reichstags - wähl im Marburger Wahlkreis aufgestellt.

Aus der Keimat.

Gießen, den 11. Januar.

-st- Gießen. Morgen Donnerstag findet die erste diesjährige Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung statt. Nur die Einführung und Verpflichtung der neu bezw. wiedergewählten Mitglieder der Stadtverordneten- Versammlung steht auf der Tagesordnung.

Gießen. Die hiesige Israelitische Religionsge- sellschast bemüht sich wegen Errichtung eines konfessio- netten 5rtebf)ofs Gegen die ablehnende Stellungnahme der Stadtverwaltung hat sie jetzt das Vcrwaltungsqe- richt angerufen und beim Kreisausschutz beantragt, ben Zander-Friedhof zu genehmigen.

^? Di° Vereinigung für gerichtliche djy ch ° l o g i e und Psychiatrie in Hessen halt ihre 13. Hauptversammlung am Samstag 4 Fe- bruar, vormittags 10^ Uhr in Eießen ab. Den Ee- &, der Verhandlungen bildet die Beurteilung der Sittlrchkeitsverbrechen- Prof. Dr. M i t t e r m a i e r-Gie- tzen wird die Frage an Händen der Deutschen, Oester- re, chischen und Schweizer Strafrechts-Entwürfe von der luristrschen Seite behandeln, während Professor Dr A^??" ° ""èßen über die Psychopathologie der Sittlichkeitsverbrecher sprechen wird. Am Nachmittag fin­det Besichtigung der neuen Irrenanstalt bei Gießen statt.

* * 1 ® fr ®cflügel= und Bogelzuchtver- ein Gießen und Umgegend 1897 beabsichtigt mit bet am 12. und 13. März stattsindenden Landes - ausstellung der Hess. Geflügelzuchtvereine eine Verlosung von Rassegèslugel, Brutapparaten und Eebrauchsqeqen- standen für Geflügelzucht zu verbinden. Das Hess Mi­nisterium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung cr= teilt, daß bis zu 10 000 Lose, zu 0,50 Mark das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 Prozeni bes Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose abzüglich des Reichsstempels zum Ankauf von Gewinngegenstän­den zu verwenden sind. Zugleich wurde der Vertrieb der Lose im Großherzogtum Hessen gestattet.

Gewerbliche Revision in Gießen.

In den Monaten Oktober, November und Dezember wurden revidiert: 1. Die Steinbrüche und Grübeleien (in einem Falle wurde Anzeige erhoben wegen Ueber- tretung des § 7 dieser Verordnung); 2. Die Borstenzu- nchtereien inbezug aus ausländische Ware; 3. Drucker­eien bezüglich Mittagspause der Arbeiterinnen; 4. Die Pfandleiher und Trödler; 5. Earbidlager bei den Ge­werbetreibenden; 6. Die Petroleumtankwagen der Ame­rikanischen Petroleumsgesellschaft und verschiedene Pe­troleumlager; 7. Die Warenhäuser inbezug aus Feuer­sicherheit; 8. Die Dampskesselanlage derHassia"-Pneu- matikwerke; 9. Fellhandlungen und Lumpensortierereien inbezug aus die- und Umkleideräume der Arbeiter; 10. Die Geschäftsbücher ^der Güterhändler; 11. Biogra­phen und Kinematographen; 12. Hausierhandel nach 9 Uhr abends; 13. 99 Betriebe mit mehr als 10 Ar­bitern und diesen gleichstehenden, in denen jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen über 16 und 21 Jahre be­schäftigt werden (in drei Fällen wurde Anzeige wegen Vergehens erhoben); 14. Die gewerbliche Nebenbeschäf­tigung schulpflichtiger Kinder; 15. Die Unlerkunstsräume und Aborte auf den Baustellen; 16. Die gewerbsmäßi­gen Stellenvermittler; 17. Getreidemühlen; 18. 37 Bar­bier- und Friseurgeschäfte; 19. 37 Benzin- und Benzol- lager; 20. 40 Bäckereien und die damit verbundenen Konditoreien; 21. 71 Verkaufsstellen, in denen Mar­garine, Margarinekäse oder Kunstspeisefett gewerbsmäßig verkauft wird (in 4 Verkaufsstellen fehlte die Aufschrift Verkauf von Margarine"; da diese in Unkenntnis han­delten, trat Verwarnung ein); 22. 80 Verkaufsstellen, in denen der Kleinhandel mit Stearin und Parafinkerzen betrieben wird; 23. 36 Kleider- und Wäsche-Konfektio­nen, sowie Putzmachereien; 24. Die Sitzgelegenheit für Bedienstete in den offenen Verkaufsstellen; und 25. 119 Milchhändler auf spezifisches Gewicht der Milch, Rein­lichkeit der Gefäße und Wagen. Bei einer Probe stellte das chemische Untersuchungsami sehr erheblichen Wasser­zusatz fest. Anzeige gegen den Beschuldigten wurde er- boben wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelge­setz. Außerdem wurden 52 Nahrungs- und Genuß- mittel-, darunter 15 Milchproben, sowie Proben von Verbrauchsgegenständen erhoben und dem chemischen Un- tersuchungsamt übergeben. 3 Milchproben wurden we­gen Schmutzgehatts und 2 Proben, weil sie den vorge- schriebeneni Fettgehalt nicht erreichten, beanstandet. In allen Fällen trat Verwarnung ein, da die Beanstand­ungen geringfügig waren.

* * *

* Garbenteich, 9. Jan. Der Schäserver- e i n für Oberhessen hielt gestern im GasthausZum grünen Baum" seine Hauptversammlung ab. Die Ver­sammlung beschäftigte sich mit den Lohnverhättnissen, mit der Hundesteuer und mit den Seuchegesetzen.

* * Großen-Linden. Am 26. März findet hier eine Wanderversammlung mitteldeutscher Kaninchen­züchter statt.

* Beuern. In dem Gehöft der iKatharina Som­merlad ist die Schweinepest ausgebrochen.

* Nonnenroth, 8. Jan. Der bündlerische Red­ner Redakteur Th. Reuther, welcher gegenwärtig den ganzen Wahlkreis bearbeitet, hielt heute hier eine Ver­sammlung ab, in der er über das Themadie nächsten Reichstagswahlen" sprach.

* * Lützellinden. Hier findet in diesem Jahre die Verbandsausstellung des Mitteldeutschen Kaninchen- und Geflügelzüchterverbandes statt.

-b- Allendorf, 8. Ian. Heute hielt unser ReichL- tagsabgeordnete Behrens hier eine Versammlung ab, die sowohl aus dem Orte als auch aus den Nachbar­gemeinden, insbesondere Vissonberg, sehr besucht und in­folgedessen die Versammlungsräume überfüllt waren.

*) Wetzlar, 11. Ian. Medizinalrat Dr. Braun wird heute Abend imDeutschen Haus" einen Vortrag überDie Frau im Dienste der Volksgesundheit" halten.

*) Wetzlar. Der neueMusikalische Verein" un­serer Stadt veranstaltet kommenden Samstag eine kar­nevalistische Damen-Sitzung.

*) Wetzlar.Unter dem Reichskammergericht", dieses Schauspiel wird nächste Woche, am 19. Januar, im hiesigen Geschichtsverein aufgeführt.

*) Wetzlar. Der hiesige Taunusklub unternahm am vergangenen Sonntag als erste Wanderfahrt in diesem Jahre eine Tour auf den Dünsberg. Der Ab­stieg erfolgte nach der Fellingshäuser Seite hinunter. Das Mittagsmahl wurde in Rodheim bei Gastwirt Bechthold eingenommen. Während desfelben murde einem unverdrossenen Tauniden, Herrn Stationskassenrendant Knoop, als Anerkennung für die 50. ununterbrochene Klubwanderung der übliche Ehrenwanderstock überreicht. Die Heimfahrt erfolgte von der Station Abendstern aus.

* Limburg, 9. Jan. In der am Sonntag hier stattgefundenen Hauptversammlung des Lahnkanal- Vereins wurde von Direktor Bansa-Limburg ein anderes Projekt der Lahnkanalisierung für 200 Tonnen- Schiffe zur Kenntnis gegeben. Interessant ist es zu hören, daß die vorhandenen Lahn-Schleusen zum Teil nur etwas verlängert werden brauchen und daß dieses neue Projekt nur einen Kostenaufwand von höchstens 11 Mil­lionen Mark erfordert. Die anwesenden Abgeordneten Cahensly, Dahlem und Dr. Lieber sagten ihre Unter - stützung für dieses Projekt sowie der Aufnahme der Lahn in das demnächst zur Beratung stehende Reichsgesetz über die Schiffahrtsabgaben zu.

* Marburg. Der Kommunallandtag für den Re­gierungsbezirk Kassel ist für den 6. März nach Kassel einberufen worden.

* Bad-Nauheim. Laut Ministerialverfügung vom 5. Januar 1911 wurde Lehramtsassessor Kraus in Darmstadt mit der Verwaltung einer Lehrerstelle für den erkrankten Oberlehrer Dr. Strecker beauftragt.

* Nieder-Ramstadt. In Frankfurt starb vor drei Jahren der Metzger K i l.i a n, der von hier stammt, als Geselle nach Frankfurt kam und dort ein reicher Mann wurde. Sein 400 000 Mk. betragendes Vermö­gen vermachte er seiner Heimatsgemeinde Nieder-Ram­stadt. Die Erben fochten das Testament an. Es kam ein Vergleich zustande. Die Gemeinde hat sich mit Mk. 200 000 abfinden lassen.

* Mainz. Der Mainzer Karnevalverein veranstal­tet einen Wettbewerb für eine Idee für den Ro- senmontagszug. Offerten und Zeichnungen sind an den Präsidenten Reen zu senden.

* Mainz. Der Zentralausschuß der deutschen Ka­tholikentage faßte den Beschluß, den diesjährigen Ka­tholikentag in der Zeit vom 6.10. August abzuhalten. Kardinal Dr. Fischer-Köln hat sein Erscheinen in sichere Aussicht gestellt.

* Bingen. Der reichste Mann der Rheinprovinz, wohl auch Südwestdeutschlands, Rittergutsbesitzer und Kommerzienrat Karl Puricelli, ist aus Rheinböller- Hütte im Atter von 87 Jahren g e st o r b e n.

* Rodelunsälle sind in den letzten Tagen in erschreckender Zahl vorgekommen, so in Dörnberg b. Diez, in Marburg, in Eltville, in Dillenburg, in Bad-Nau- Heim, im Habichtswald bei Kassel, im Erbacher Tal bei Heppenheim und in Nieder-Ramstadt. Mehr Vorsicht müßte beachtet werden!

* Miltenberg. Der verstorbene Kommerzienrat C. Winterhelt hat der Stadt für wohltätige und ge­meinnützige Zwecke eine Million Mark vermacht.

* H ö ch st a. M. Der Unteroffizier Moll vom hiesigen Bezirkskommando ist verschwunden. Er hat 3000 Mark Menagegelder unterschlagen.

* Kassel. Wie verlautet, besteht die entfernte Aus­sicht, daß die hiesige Garnison durch ein Fußartillerie- Regiment verstärkt wird, das seine Kaserne dicht vor den Toren von Kassel auf Niederzwehrener Gemarkung erhalten würde.