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Gießener Zeitung

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Verlag derGictzeuer Zeitung" G. m. b. H.

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der Großherzoglichen ^^^ des Großherzoglichen

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Nr. 208.

Telephon: Nr. 302.

Dienstag, dcn 10. Oktober 1911.

Telephon: Nr. 362. 23. ^Ü^A.

Parteipolitische*.

Hessische Landtagswahlen 1911.

Am Freitag, den 3. November, haben die hessischen Staatsbürger in 33 Wahlkreisen unseres engeren Vater­landes zu entscheiden, welche Vertreter sie in die hessi­sche 2. Stammer entsenden wollen, um dort über das Wohl und Wehe des Landes zu entscheiden. Die 2. Kammer besteht künftig aus 58 Abgeordneten, es sind also diesmal 8 Vertreter mehr als die Hälfte der Ab­geordneten neu zu wählen.

Das Stärkeverhältnis der Parteien war im verflos- senen Landtag Nationalliberale 18, Bauernbund 12, Zentrum 8, Sozialdemokraten 5, Freisinnige 5, Ohne Fraktion 2. Es scheiden aus: Nationalliberale 8, Bau­ernbund 7, Zentrum 5, Sozialdemokraten 3, Freisinnige 1 und Fraktionslose 1, wofür die Neuwahlen vorzu - nehmen sind. Auf Grund des neuen Gesetzes über die Landstände werden zu den ausscheidenden noch 8 wei­tere Vertreter aus dem neugebildeten Wahlkreisen ge­wählt.

Die von dem letzten Landtag erledigte Arbeit ist in der Hauptsache dem Zusammenarbeiten der 3 größten Parteien des Landes zu danken. In 113 Plenarsitzun­gen und 222 Sitzungen der Ausschüsse sind 87 Regier­ungsvorlagen, 226 Vorstellungen und Beschwerden, 59 Interpellationen und 35 Wahlprüfungen erledigt wor­den. Insbesondere waren es die Gesetzentwürfe über die zukünftige Zusammensetzung der Stände (die Wahl­rechtsvorlage), die Aenderung der Städte- und Landge­meindeordnung, die Verwaltungsrechtspslege, der Gesetz­entwurf über die Gemeindeumlagen usw., welche die Tätigkeit der Abgeordneten in Anspruch nahm. Unter Zurückstellung besonderer Wünsche und Parteirücksichten haben die Mehrheilsparteien dem Lande endlich das direkte Wahlrecht gegeben, Fortschritte in der Städte- und Landgemeindeordnung, die Verwaltungsrechtspflege geschaffen.

*

§ Die nationalliberale Partei Hessens ist am Sonntag mit einer Sitzung ihres Landesausschusses, der in Darmstadt zu einer Beratung zusammengetreten war, in die Agitation für die am 3. November stattfindenden Qandtagswahlen eingetreten. Die Sitzung, zu der die Mitglieder des Landesausschusses aus allen Teilen des Großherzogtums erschienen waren und an der auch die Landlagssraktion fast vollzählig teilnahm, beschäftigte sich ausschließlich mit den Fragen der bevorstehenden Wahl. Der Vorsitzende der Landes- partei, Abg. Dr. Osann, hielt einen einleitenden Vor­trag, in dem er in kurzen Zügen unter lebhafter 3ut [timmung der Vertrauensmänner die hauptsächlichsten Gesichtspunkte für die Stellung der Partei näher dar­legte. Nachdem noch eine Aussprache über die politische Situation in den einzelnen Wahlkreisen stattgesunden hatte, beschloß der Landesausschuß den Erlaß eines allgemeinen Wahlaufrufs.

Avt Stadt und Land.

Gietzen, 10. Oktober 1911.

* Der Groß Herzog hat zur Anerkennung her­vorragender Verdienste auf allen Gebieten der W o H 1= fahrtspflege das Ernst Ludwig-Eleonoren-Kreuz gestiftet. Das Kreuz wird solchen Personen zur Veloh- nung verliehen, die sich in hervorragender Weise um die Wohlfahrtspflege verdient gemacht haben, und es kann dieses Kreuz jeder, sowohl Hesse als auch Nichthesse, er­halten, dessen Würdigkeit anerkannt ist und keinem Zwei­fel unterliegt. Das Kreuz ist aus Silber hergestellt und trägt auf der Vorderseite das Brustbild des Großher­zogs, sowie das der Großherzogin, auf der Rückseite ein allegorisches Herzschild, darum die Umschrift: Für Ver­dienste in der Wohlfahrtspflege". Es wird an einer silbernen Spange neben oder unterhalb der Ordens - schnalle getragen. Damen befestigen es an der linken Schulter.

* Finanzminister Dr. Braun ist aus dem Ur­laub zurückgekehrt und hat die Leitung der Geschäfte des Finanzministeriums wieder übernommen.

* Sta 1 istisches aus Hessen. Nach der Volkszählung am 1. Dezember 1910 verteilte sich die Einwohnerzahl des Großherzogtums Hessen auf die einzelnen Kreise wie folgt: Darmstadl 137 773, Bens­heim 65 760, Dieburg 62 023, Erbach 48 426, Groh - Gerau 62 920, Heppenheim 51 909, Offenbach 161 569, Gießen 94 026, Alsfeld 37 883, Büdingen 40 827, Fried­berg 79 034, Lauterbach 29 719, Schotten 27 744, Al­

zey 42 648, Mainz 158 668, Worms 93 275 Einwoh­ner. In den drei Provinzen betrug die Bevölkerungs - zahl: in Starkenburg 590 380, in Oberhessen 309 233 und in Rheinhessen 382 438 Einwohner. Insgesamt hatte das Großherzogtum Hessen demnach 1 282 051 Einwohner.

* V l u m e n 1 a g. Voraussichtlich wird im Okto­ber, im Bereiche der preußischen Staatseisenbahnen, zum Besten des Erweiterungsbaues des Christianheims in Erfurt (Töchterhort) ein Blumentag im Zeichen der Christrose veranstaltet werden. Diese wohltätige Samm­lung soll lediglich von den Beamten und Arbeitern der preußischen Staatseisenbahnen unterstützt werden. Das Christianheim ist eine wohltätige Stiftung, welche zur Unterkunft von Töchtern der Beamten und Arbeiter der preußischen Staatseisenbahnen dient.

* Die auffallende Preis st eigerung des Zuckers, die wohl einzig dasteht, wurde durch die große Trockenheit dieses Jahres bedingt, die es mit sich brachte, daß in Deutschland gegenüber einer Ernte von etwa 52 Millionen Zentner Zucker im Vorjahre in die­sem Jahre nach Schätzung bedeutender Landwirte nur 30 bis höchstens 35 Millionen Zentner geerntet werden. Vom 1. September 1910 bis 31. August 1911 hatte Deutschland einen Verbrauch von etwa 28 Millionen Zentner, während derselbe noch vor 10 Jahren nur 20 Millionen Zentner betrug.

* Das 2. diesjährige Reserve-Infanterie- Regiment des XVIII. Armeekorps trat am 5. ds. auf dem Truppenübungsplatz zusammen. Die Führung des Regiments ist dem Oberstleutnant v. Wright vom Stabe des Inf.-Leib-Regts. Großherzogin Nr. 117 übertragen; an die Spitze der Bataillone sind gestellt: die Majore v. Fischer-Treuenfeld (I. Bat.) vom Stabe des Jnf.= Regts. Nr. 81, Leineweber (II.) vom Stabe des 3nf.= Regts. Nr. 88 und v. Foller (III.) vom Stabe des Inf.- Regts. Kaiser Wilhem Nr. 116.

*

n Uebertragen wurde dem Pfarrverwalter Karl Frank zu Hutzdorf die evangelische Pfarrstelle zu Crainfeld.

n Verliehen wurde dem Kommunalforstwart Ruppert Agel zu Birklar aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste.

n Veterinärral Dr. Güngerich in Bensheim hat durch die Schenkung einer größeren Anzahl von veteri­närwissenschaftlichen Werken an die Universitäts­bibliothek Gießen deren Bestände in äußerst dankenswerter Weise bereichert.

o S t e i n s u r t h. In voller V l ü 1 e n p r a ch t stehen gegenwärtig noch unsere Rosenkulturen; bei dem trüben Herbstwetter dieser Tage ein ungewöhn­licher Anblick. Viele Rosen blühen in diesem Jahre zum zweiten und dritten Male. Neben dem Blumenversandt beginnt jetzt auch schon das Verschicken von Ablegern und Stecklingen.

s Vom Odenwald. Die Kartoffelernte, um die man schon besorgt war, fällt ausnehmend gut aus, und zwar sowohl nach Quantität wie auch Qualität.

! Bingen. Landtagsabgeordneter Jak. Pennrich, der schon seit mehreren Monaten schwer erkrankt ist, ist in der Nacht zum Sonntag plötzlich gestorben. Der im 73. Lebensjahre Verstorbene war neben dem Abg. Horn das älteste Mitglied der Zweiten Hessischen Kammer, der er als Zentrumsabgeordneter für seine Vaterstadt Bingen seit über 32 Jahren angehörte. Penn­rich war auch seit dem Jahre 1874 Mitglied der Stadt­verordnetenversammlung von Bingen und langjähriger Vorsitzender der hessischen Zentrumssraktion. Er hat sich in der Kammer namentlich durch die geschickte Behand­lung der Weinfrage und die Anregung zur Ablösung der hessischen Landeslotterie verdient gemacht.

r Kinzenbach. Die hiesige Schäfereigesellschaft hat sich aufgelöst, die Schafherde wurde an einen Händ­ler aus Kirchhain verkauft.

):( Dillenburg. Die Vorführung der König!. Gestütshengste dahier findet Mittwoch, den 18. Oktober, von 11^ Uhr an statt.

):( Limburg. Durch eine Ministerialkommission und Beamte der Wasserbauinspektion in Diez fand ver- gange Woche eine Bereisung der Lahn statt, an die sich nachmittags eine Konferenz in den Räumen der Wasserbauinspeküon in Diez anschloß. Die Vereisung hatte den Zweck, über die technische Durchführbarkeit des von Direktor Vansa von der Kerkerbachbahn ausge­arbeiteten Lahnkanalisierungs - Projektes für 210 Tonnen-Schiffe Informationen zu sammeln.

):( Kirchhain, 7. Okt. Vergangene Nacht wurde der langjährige frühere Landrat des Kreises Kirchhain, Kammerherr Freiherr Schenck zu Schweinsberg von sei nem langen Leiden durch den Tod erlöst.

):( Marburg. Der Konkreß deutscher Schulmän ner und Philologen, der seine Tagung in Posen ab­hielt, wählte Marburg zum nächsten Tagungsort.

):( Marburg. Erschossen hat sich hier ein Stu­dent, cand. med. Rübesam aus Limburg.

):( Frankfurt a. M. Oberbürgermeister Dr. Adickes hat sich für eine Arbeitslosenversich­erung ausgesprochen, wenn sie vom Reich eingeführt wird.

):( Frankfurt. DieVolksstimme" verzeichnet ein Gerücht, wonach zwischen demFrankfurter General- Anzeiger" und denFrankfurter Nachrichten" eine Einig­ung und Verständigung erzielt worden ist. Der Besitzer des General-Anzeigers Horstmann soll eingewilligt ha­ben, daß sein Blatt von dem Frankfurter Nachrichten- Concern übernommen wird. Als Abfindungssumme, die Horstmann erhält, nennt man zwölf Millionen. In Anwaltskreisen sei man längst davon überzeugt, daß die angekündigten Prozesse zwischenFrankfurter Nach­richten" undGeneral-Anzeiger" nicht zur Verhandlung kommen.

):( Homburg v. d. H. Der^ Magistrat beschloß zur Linderung der Teuerungsnot einens städtischen Ver­kaufsstand für Kartoffeln.

):( Biedenkopf. Die Zahl der diesjährigen Kurgäste betrug 800, hat also die des Vorjahres um fast 200 überschritten.

):( Treysa. Um die Verlin-Koblenzer-Eisenbahn, die seither auf dem Main-Weser-Bahngleise in den hie­sigen Bahnhof eingeführt wurde, direkt einmünden zu lassen, hat die Eisenbahnverwaltung eigene Gleise für die zuerst genannte Zwecke legen lassen.

):( Hemfurth. Durch den Tripoliskrieg ist auch die Vauverwaltung der Edertalsperre in unangenehmer Weise in Mitleidenschaft gezogen. Es ist nämlich eine große Anzahl der an der Talsperre beschäftigten Italie­ner zu den Waffen gerufen worden.

):( Kassel. Obstmarkt. Bezahlt wurden für den Zentner Aepfel Kaiser Wilhelm 14 Mk., Goldpara- mänen 24 Mk., Geflammter Kardinal 17 Mk., grüne Reinette 17 Mk., Wellington 18 Mk., Silberpepping 11 bis 13 Mk., Orleans-Reinette 1'5 Mk., Kaiser Alexan­der 15 Mark, Christapfel 16 Mark, Prinzenapfel 16 M., Grüne Stettiner 12 Mk., Gold-Reinetten 18 Mk., Kas­seler Reinette 16 Mk., Süßäpfel 15 Mk.

):( Hanau. 16 Landwirte aus Langenselbold wurden von dem Hanauer Schöffengericht wegen Ver­gehens gegen das Viehseuchengesetz zu Gefängnisstrafen von 15 Tagen verurteilt. Der Gerichtshof gab sein Bedauern zu erkennen, daß er gegen die meistens un­bescholtenen Angeklagten auf Gefängnisstrafen erkennen mußte und nicht Geldstrafen aussprechen konnte.

Literarisches.

Fr. Hashagen, Prof. D., Nefanda Jnfanda. Wider den modernen unsittlichen Ro­man. 2., umgearbeitete und bedeutend erweiterte Aus­gabe. Preis Mk. 2.. Verlag E. Ungleich, Leipzig. Der Verfasser verbindet mit einer großen Weite des Blickes und einer umfassenden Stoffkenntnis ein so klares, entschiedenes, völlig unabhängiges, allein an Gottes Gesetz und Offenbarung gebundenes Urteil, daß seine warnenden Worte in allen Kreisen gehört zu wer­den verdienen, welchen die sittliche Wohlfahrt unseres Volkes am Herzen liegt. Namentlich sollten Eltern, Leh­rer und Erzieher, welche Ratschläge betreffs der zu wäh­lenden Lektüre zu geben haben, Hashagens auf reiche Erfahrung gegründete Warnung und Mahnung nicht unberücksichtigt lassen.

Die Erfolge sind glänzend.

Von Aerztcn sowie von dem Publikum laufen täg­lich Anerkennungsschreiben ein über die glänzenden Er­folge, welche durch Leciferrin erzielt werden. Es ist dieses ein Präparat, welches sich in kurzer Zeit durch seine überaus günstige Wirkung bei Schwäche;ufiänden, nervösen Störungen, Klutarmut, Zleichsucht, in der Rekonvaleszenz nach erschöpfenden Krankheiten 2C., als Liebling in den meisten Familien Eingang geschaffen hat.

Leciferrin (Ovo-Lecithin-Eisen ist sehr angenehm von Geschmack, leicht bekömmlich und befördert zugleich den Appetit und die Verdauung. Preis Wk. 3. die Flasche; beim Einkauf achte man genau auf das Wort:Leci­ferrin." In Apotheken erhältlich.