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Gießener SeiLnnn

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Verlag der(Siebener Zeitung" G. m. b. H.

Enthält alle amll. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

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sowie vieler anderer

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

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Expedition: Selters weg 85.

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Nr 182.

Telephon: Nr. 362.

Donnerslag, den 10. August 1911.

Telephon: Nr. 362. 23. Hühlg.

Der llrulscde Bauer.

Ini August-Heft derPreußischen Jahrbücher" (her­ausgegeben von H. Delbrück) veröffentlicht R. Walthe- math einen Aufsatz:Der deutsche Bauer, der den gewaltigen Aufschwung unseres Bauernstandes in den letzten Jahrzehnten schildert. Wir hatten früher ein Landvolk, das, in dem Uebergang von bem letzten Sta­dium der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft begriffen, unter dem Mangel an barem Geld und gesundem Kre­dit schwer litt. Die Arbeitslöhne und überhaupt alle Preise stiegen fortwährend, der Bauer aber, dessen Pro­dukte eine immer noch unreife Städtewirtschaft nur in geringen Quantitäten auszunehmen und nach wie vor nicht genügend zu bezahlen vermochte, siel Wucherern in die Hände. Aus den meisten Bauernwirtschaften Deutsch­lands sah man Stillstand, ja Rückgang. Aus dieser Misere hat sich der Bauernstand Deutschlands durch seine eigene Energie und Einsicht zu retten verstanden. Die glänzenden wirtschaftlichen Erfolge, welche der deut­sche Bauer in den letzten Jahrzehnten erzielt hat, wi­derlegen nach Walthemath vollständig das vielfach ge­äußerte Vorurteil, das Landvolk sei zu einer weitgehen­den Selbstverwaltung nicht befähigt. Der deutsche Bauer hat das Genossenschaftswesen dermaßen entwickelt, daß der Kredit der kleinen deutschen Landwirte heute auf breiter und solider Grundlage ruht. Er hat landwirt­schaftliche Maschinen und ausländische Futtermittel an- geschafst und sich die Fortschritte der Chemie für Acker und Wiese dienstbar gemacht. Walthemath verhehlt sich nicht, wieviele stagnierende und rückwärtsgehende Aus­nahmen es innerhalb unseres prächtig gedeihenden Bau­ernstandes noch gibt. Er führt das Beispiel Flanderns an, um zu beweisen, daß unser Bauer noch manchen Schritt vorwärts zu tun hat, bevor er den allerbesten seines Standes gleichkommt. Aber unleugbar ist jeden­falls, daß der deutsche Bauer nicht, was vor Jahrzehn­ten von kompetenten Volkswirten befürchtet wurde, das Schicksal des englischen Landvolkes teilen wird. Anstatt von dem Grohbesitz aufgesogen zu werden, sängt der deutsche Landmann im Gegenteil an, jenen aus vielen Gebieten zu überflügeln. Sogar auf dem Felde der Pferdezucht, die stets für eine unantastbare Domäne des Großbetriebes galt, machen heute unsere Bauern den Besitzern der ausgedehnten Gjster eine empfindliche Kon­kurrenz. Ein besonderes Interesse erhält der Watthe- mathsche Aufsatz dadurch, daß er im einzelnen darlegt, wie mit der geschilderten wirtschaftlichen Umwälzung eine andere Revolution Hand in Hand gegangen ist, welche die Sitten und Gebräuche des deutschen Bauernstandes durchgreifend erneuert und sogar seine religiösen Vor­stellungen nicht unberührt gelassen hat.

Hur Stadt und Land.

Wetzl ar, den 10. August 1911.

* Der Hess. Landesverband d e s D e u t- schen Flottenvereins wird seine diesjährige Landesversammlung am Sonntag, 3. September, in Auerbach abhalten.

* Dem Liebigmuseum wurde ein interessan­tes und schönes Geschenk überwiesen. Apotheker Culto- dis aus Heppenheim schenkte ein wertvolles Gemälde, das die bekannte Heppenheimer Apotheke darstellt. Hier kam Liebig bekanntlich, nachdem er mit glänzender Er­folglosigkeit seine Gymnasialstudien vollendet, in die Lehre, an die er immer gern zurückdachte.

* Die Freifischerei in derLahn hat mit dem 1. Aug. ihr Ende erreicht. In Zukunft ist das Fischen mit der einfachen Handangel in den schiffbaren Gewässern nur den Personen gestattet, die eine Angelkarte lösen. Die Rarte wird vom Kreisamt verausgabt und gilt nur auf die Dauer eines Jahres. Der Preis ist für in Hessen wohnende Personen auf 3 Mk., für mcht in Hessen wohnende Deutsche aus 8 Mk. und für Aus­länder auf 15 Mark festgesetzt.

* Für die Kinderklinik hat der Staat ^als Bauplatz das Gelände zwischen dem Anwesen des Dro­gisten Seibel und der Augenklinik zur Verfügung _ ge­stellt. Mit der Klinik soll gleichzeitig eine ^chwejtern- schule errichtet werden. Die Stadt Gießen hat sich be­reit erklärt, zu den Kosten des Baues 15 000 Mk. her­zugeben. , , . . .

* Zum Kaiserpreisschreßen waren rm 18. Armeekorps dieses Jahr folgende Compagnien zu- qelassèN' 5-80, 11-87, 8-115 und 3-117. Letztere Kom­pagnie hat den Preis errungen, der damit zum ersten Mal in ein Mainzer Regiment gekommen ist.

Truppenschau vor dem Kaiser. Der | Kaiser trifft Freitag um 7 Uhr aus dem Großen Sande ein. Nach beendigter Truppenschau werden sich der Kai­ser und der G r o ß h e r z o g an der Spitze der Fah­nenkompagnie nach dem Großherzoglichen Palais be­geben.

* Es bleibt bei der Hitze? Die verschie­denen Wetterdienststellen sind sich darin einig, daß die Hitze vorläusig nicht nur bleibt, sondern daß sie in näch­ster Zeit sich sogar wieder steigern wird. Statt des er­sehnten Regens werden wir uns also noch aus eine neue Hitz-Periode gefaßt machen müssen.

* Vom Siebenschläfer. Bei der andauern­den Trockenheit und Hitze dürfte es gut tun, sich daran zu erinnern, daß es in diesem Jahre am Siebenschläfer- tag geregnet hat. Die Wetterregel, daß es in einem solchen Fall 7 Wochen hindurch (b. h. vom 27. Juni bis zum 15. August) täglich regnet, trifft also in die­sem Jahre ganz und garnicht zu. Das ist aber auch sonst meistens nicht der Fall. Man pflegt sich eben nur die Jahre zu merken, in denen das Wunder geschieht.

* Eine Vogelschutz st ationfür Hessen soll in Darmstadt auf Staatskosten errichtet werden. Sie bezweckt, durch Abhaltung von Kursen Personen im Vogelschutz praktisch auszubilden. Es soll dadurch er­reicht werden, daß im Laufe der Zeit in jeder Gemeinde mindestens eine Person vorhanden ist, die im Vogel­schutz ausgebildet, in der Gemeinde die erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung und Vermehrung der Vo­gelwelt zu leiten und überhaupt im Interesse des Vo­gelschutzes zu wirken imstande ist.

* Der RadklubGermania" errang auf dem 28. Bundesfest des Deutschen Radfahrerbunde's bei der Dauerfahrt über 100 Kilometer die silberne Me­daille und beim Korsofahren den 2. Preis.

* Der Kaufmann Elsoffer mußte sich einer Operation im Munde unterziehen. Trotz ärztlichen Ver­bots rauchte er seine Tabakspfeife und zog sich eine Blut- Vergiftung zu, an der er gestorben ist.

- )(- Butzbach, 10. August. Das Verbot des Läu­tens der großen Glocke in der Markuskirche hat zu dem Antrag Veranlassung gegeben, die Stadt möge den Turm der Markuskirche samt den Glocken der evangeli­schen Kirchengemeinde für 20 000 Mk. verkaufen. Diese Summe solle als Grundstock für ein zu errichtendes Volksbad dienen.

- t- Butzbach, 9. Aug. Das 45jährige Bestehen be­ging am Sonntag unsere Freiwillige Feuerwehr.

- h- Lich, 9. Aug. Der Zugführer Mann der Butz- bach-Licher Bahn erlitt dadurch schwere Verletzungen am Kopf, daß er den Kops zu weit aus dem Zuge beugte und gegen den Signalmast stieß.

- u- Laubach, 10. Aug. Der Wassernot, die in­folge der tropischen Hitze in letzter Zeit besonders fühl­bar dadurch wurde, daß die Wasserleitung des öfteren tagsüber sowohl als auch zur Nachtzeit abgestellt wer­den mußte, wurde dadurch abgeholfen, daß auf An­regung der Bürgermeisterei ein Motor aus der Deutzer Motorenfabrik beschafft wurde, der reichliche Wassermen­gen aus dem Grünemannsbrunnen pumpt und so die Stadt in sehr ergiebiger Weise versorgt.

-u- Hungen, 10. Aug. Die Einkaufspreise für Rindvieh sind erheblich gesunken. Trotz des billigen An­gebots ist Schlachtvieh bei dem Ueberangebot bei un­seren Metzgern schwer unterzubringen. Ochsen in be­ster Ware werden mit 8084 Mk., Rinder 1. Sorte mit 7580 Mk., 2. Sorte mit 6870 Mark, Kälber 1. Sorte mit 7074 Mk., 2. Sorte mit 5765 Mk. per Zentner Schlachtgewicht angeboten und bezahlt. An der Kreisstraße von Hungen nach Nonnenroth steht ein Apfelbaum im vollsten Blütenschmuck und erfüllt das Herz eines jeden Beschauers durch seine überreiche Blü- lenpracht mit Freude und Staunen.

-d- Nidda, 10. Aug. Die Gedenktafel für Haupt­mann Kattrein, des Eroberers von Schloß Ehambord, ist an seinem Geburtshause in der Bahnhofstraße ange­bracht worden. Am 20. August findet die Enthüllung der Gedenktafel statt.

-)(- Götzen, 10. August. Der Landwirtschaft - kammer-Ausschuß für Oberhessen veranstaltete hier seine zweite S ch a f b o ck a u k 1 i o n. Die zur Versteigerung gestellten 30 Bocklämmer waren infolge der Trockenheit vor drei Wochen an Mundfäule erkrankt, sodaß das gute Aussehen etwas beeinträchtigt war. Bei der Versteige­rung erwarben die Gemeinden: Schotten, Nidda, Nre- der-Eemünden, Homberg a. Ohm, Dauernheim Bü­dingen Ober-Ofleiden, Einartshausen und Heinrich Geiß 2-Windhausen Schafböcke zum Durchschnittspreise von

75 Mark, woraus der Landwirlschaftskammer-Ausschuß 20 Prozent Zuschuß gewährt, sodaß der tatsächliche Ge lehungspreis sich auf 60 Mk. stellt. Da die Gefahr einer Seucheneinschleppung beim Bezüge dieses Zucht materiales nicht besteht, sönnen noch weitere Gemeinden und Schäfereieit Schasböcke nachträglich zum Preise von 5070 Mark beziehen, auf die ebenfalls 20prozentige Zuschüsse gewährt werden, wenn die Tiere in Oberhes en zur Zucht Verwendung finden. Anfragen sind an den Landwirlschastskantmerausschuß in Gießen zu richten.

* Mainz, 10. Aug. Die Mainzer Restaurateure hatten sich für die Sonntagsbesucher des Katholikentags, eingedenk der (Erfahrungen beim eucharistischen Kon­gresse in Köln, wo ungeheuer Mangel an Nahrungs­mitteln herrschte, sehr reichlich mit Ehwareil versehest. Es wurde jedoch nur sehr wenig davon konsumiert. Die Wirte verteilen daher ihre Vorräte buchstäblich auf den Straßen. Gestern konnte man hier ein belegtes Bröl chen für 3 Pfg. haben. Brot, Bratenstücke und Kotte- lets wurden heute an arme Kinder und Familien ver­teilt.

* Wetzlar, 10. Aug. Unser Schützenfest hat einen guten Verlauf genommen. Die Preisverteilung für die einzelnen Stände ist folgende: W i l d st a n d: 1. Preis A. Pascoe-Dutenhofen (31 Rg.), 2. Pr. E. Mandler - Wetzlar (24 Rg.), 3. Pr. Schmidt-Gießen (23 Rg.): 3 0 0 Meter: 1. Pr. Gg. Waldschmidt-Wetzlar (52 Rg.), 2. Pr. Hinkel-Bockenheim (51 Rg.), 3. Preis Schmidt-Gießen (51 Rg.); 17 5 Meter: 1. Pr. Jl- lig-Bockonheim (54 Rg.), 2. Pr. Schmitt-Gießen (53 Rg.), 3. Pr. A. Pascoe-Dutenhofen (52 Rg.), 4. Pr. Hinkel-Bockenheim (50 Rg.), 5. Pr. C. Gürthe-Wetzlar (50 Rg.); 10 0 Meter: 1. Pr. Roll-Gießen (34 R.), 2. Pr. A. Pascoe-Dutenhofen (34 Rg.), 3. Pr. Ritter- Laubach (34 Rg.), 4. Pr. F. Kühn-Wetzlar (34 Rg.), 5. Pr. Jllig-Vockenheim (33 Rg.), 6. Pr. Jost-Laubach (32 Rg.), 7. Pr. Apel-Eiehen (32 Rg.); Ehren- scheibe: Moritz Ohlenburger-Wetzlar.

-sch- Naunheim, 10. Aug. Beim Streichen der Eisenibahnbrücke zwischen Wetzlar und Garbenheim fiel dem Arbeiter Ludwig Kern der Pinsel ins Wasser. K. sprang dem Pinsel nach. Beim Zurückschwimmen sank er jedoch plötzlich unter, sodaß man annimmt, daß er von einem Herzschlag betroffen wurde. Der so jäh aus dem Leben Geschiedene ist 39 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und 7 Kinder.

-p' Launsbach, 9. Aug. Gestern nachmittag ge­gen 5 Uhr brannte das Wohnhaus des Metzgers Grei- lich vollständig nieder. Nur mit knapper Not konnte das sich im brennenden Gebäude befindliche Kind gerettet werden.

-l- Weilburg, 10. Aug. Das 3% Jahre alte Töchterchen des Gastwirts Craß erkrankte durch den Ge­nuß unreifen Obstes so schwer, daß es anderen Tages trotz sofortiger ärztlicher Hilfe gestorben ist.

* Dillenburg, 8. Aug. Im Klassen- und Ehrensingen wurden u. a. folgende Preise zuerkannt: 1. Stadtklasse: Männergesangverein Wetzlar (229 Punkte) 5. Preis, MännergesangvereinLiedeckranz" - Marburg (234 Punkte) 4. Preis. Das Ergebnis des höchsten Ehrensingens hatte folgendes Resultats Den1. Preis, die von Sr. Majestät dem Kaiser gestiftete Me­daille, erhielt mit 234 Punkten MännergesangvereinLie- deckranz"-Marburg. 2. Preis, die von Ihrer Majestät der Königin Wilhelmina der Niederlande gestiftete Me­daille, mit 232% Punkten Männer-QuartettWestend"- Frankfurt. 3. Preis, den von Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzen der Niederlande gestifteten Pokal, mit 232% P. Eolophonium"-Frankfuck-Bockenheim. 4. Preis, den Po­kal der Stadt Dillenburg, mit 226 P. der Männerge­sangvereinEuterpe"-Siegen. 5. Preis, den Pokal des Liedeckranz", mit 224 P. der Männergesangverem Wetz­lar.

Dillenburg, 10. Aug. Unser Bahnhof wird demnächst gründlich umgebaut werden. An Stelle der bisherigen 3 Eeleise sollen 5 gelegt werden und um die Betriebssicherheit zu erhöhen werden Unterführungen angebracht. . .

Marburg, 10. August. Am 15. Aug. wird die normalspurige Bahnstrecke Berleburg-Raumland-Ar- seld, Reststieckè der Bahn Raumland-Berleburg-Allen- dock (Ed«r) eröffnet.

Oberlahnstein, 10. Aug. ^m Wer von 80 Jahren ist der bekannte liberale Psarrer Schroder, der in den 70er Jahren einmal im Vordergrund des Interesses gestanden hat, gestorben. Schröder war einer der besten Kenner des nassauischen Kirchenrechls.