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Beträgen, wie 5 Ji 45 ^, bis zu den größten Summen, die sich nach Millionen berechnen. Die ftirma Thyssen & Co. und Thyssen senior sollen etwa 20 Millionen Mark Forderungen angemeldet haben. Von den anderen größe­ren und interessanteren Forderungen sind ferner zu erwäh­nen: 4,43 Mill Mark von Dr. Borchardt, dem früheren Generalbevollmächtigten von Thyssen junior, 200,000 Mark von der Volksbank in Hamburg, 7,3 Millionen Mark von der Schwester des Gemeinschuldners (wird zurückgezogen) usw.

Die Tragödie eines Schiffsarztes. An Bord des Nord­deutschen LloyddampfersGeorge Washington" überfiel auf der Fahrt von Neuyork nach Plymouth ein Amerika­ner, der als Passagier der zweiten Klaffe reiste, den Assi­stenzarzt des Schiffes, Dr. Vogtherr, der ihn nach dem La­zarett bringen wollte, da er bei dem Amerikaner Ausbrüche von schwerem Verfolgungswahnfinn festgestellt hatte. Der Amerikaner glaubte sich von Agenten oerSchwarzen Hand" verfolgt, die die Absicht hätten, ihn zu töten. Es gelang dem Amerikaner, sich den Händen des Arztes zu entwinden und ihm einen Dolch in den Rücken zu bohren. Der Stich war so heftig, daß die Lungen des Arztes schwer verletzt wurden. Das Befinden des Arztes gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Die Passagi-re ,die auf Deck der ent­setzlichen Szene beiwohnten, erzählten, der Geisteskranke habe geglaubt, er solle über Bord geworfen werden.

Von siebzehn Primanern drei durch Selbstmorde ge­endet. Noch sind wir nicht über den Eindruck hinweg, den der Selbstmord der beiden Natiborer Obertertianer und der des Untertertianers aus Halle gemacht hat, und schon lenkt etwas Neues unsere Aufmerksamkeit auf sich, das ge­eignet ist, noch viel mehr Unrube zu erwecken. Der Direk­tor des Königin-Karola-Eymnastums zu Leipzig bericht-t nämlich in demJahresbericht der Schule", daß sich wäh­rend des letzten Schuljahres drei von den siebzehn Ober­primanern das Leben genommen haben. Er schreibt wört­lich: ,Zn der Nacht vor Beginn des neuen Schuljahres schied der Oberprimaner Friedrich Hammer, als vierter nach 1 a versetzt, Inhaber einer vollen Freistelle und eines königlichen Stipendiums von hundert Mark, freiwillig aus dem Leben. Was eigentlich ibn zu dem traurigen Ent­schluß getrieben bat, wird wohl nie aufgeklärt werden; es scheint, als habe er durch ungeeignete Lektüre das in­nere Gleichgewicht verloren. Wir werden des liebens­würdigen, begabten Schülers, an dessen Beisetzung sich die Schule auf den bestimmten Wunsch der Angehörigen nicht beteiligte, immer gern, wenn auch mit Wehmut geden­ken. Am 9 Januar 1911 starb der Oberprimaner Wer­ner Naundorf, einer der begabtesten Schüler, die das Gymnasium bisher gehabt hat, durch eigene Hand. In ei­nem hinterlassenen Briefe hat er ausdrücklich bekundet, daß die Tat mit dem Schulleben in keinerlei Zusammen­hang stehe. Die Aufzeichnungen ergaben, daß N. Kraft und Mut zum Leben verloren zu haben glaubte. In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar endete der Oberprimaner Erich Pösckimann sein Leben durch einen Sturz aus dem Fenster. Nach einer Mitteilung des tief beklagenswerten Vateroscheint er nach harten inneren Kämpfen den Mut zum Leb^ verloren zu haben", ander­seits hat er in seinen hinterlassenen Abschiedsworten aus­drücklich ausgesprochen, daß die Schule an dem traurigen Ereignis durchaus unbeteiligt ist. Pöschmann war ein sehr begabter Schüler, der bei der Reifeprüfung 1 bis 2 a erhalten haben würde und zu den besten Hoffnungen be­rechtigte. Wir werden dem so früh Geschiedenen ein freund­liches Andenken bewahren."

Der Schatz im Fi^cherne-^. Holländische Fischer fanden in dem sogenannten Logger-Meer, unweit der Stelle, wo vor einigen Wochen, wie erinnerlich, die beiden deutschen Luftschiffer Kayser und Schröder mit dem Ballon ^Kre­feld" verunglückten, in ihren Netzen zwei goldene Ringe gezeichnetO. S", und einen Reichsbankschein über 100 Mark. Die Annahme, das diese Funde den beiden Luft- schiffern gehörten, bat sich bestätigt, und zwar sind der Geldschein und die Ringe Herrn Schröder in Krefeld über­mittelt worden, der bekanntlich bei dem Unfall mit einer Verwundung davon kam, während Kayser sein Leben ein­büßte.

Neuer Bierkrieg in München. Auf ine jüngsten und die noch ausstehenden Schenkkellner-Vrozesse hin sind die Münchener Wirte sehr ungemütlich geworden, und die Saalbesitzer suchen sich für das verboteneBortenmachen" durch Zuschläge aller Art zu entschädigen. Einzelne ver­langen von Vereinen von jetzt ab, abgesehen von der Lust- barkeitssteuer, bis zu 50 Mark Saal- oder Nebenzimmer­miete, unter Erhöhung des Bierpreises und Garderoben- geldes und fordern überdies die Garantie eines ziemlich hohen Bierabsatzes. Ein Teil der Münchener Presse er­mahnt bereits das Publikum, die Münchener Wirte ein­fach sitzen zu lassen.

Spiritistische Ueberführung eines Mörders. Die Ver­urteilung eines wegen Mordes Angeschuldigten auf Grund einer hellseherischen Vision, die soeben vor einem ameri­kanischen Schwurgericht Ereignis geworden, dürfte in der Gerichtspraxis bisher wohl ohne Gleichen sein. Es han­delt sich um einen Farmer namens William Strong, der sich vor dem Schwurgericht in New-Jersey auf die Anklage, seine Frau ermordet zu haben, zu verantworten hatte. Als Belastungszeugin stand ihm das Medium Pauline Gerard gegenüber, auf deren Aussage die Geschworenen trotz des Protestes des Verteidigers den Angeklagten schul­dig sprachen. Strong hatte sich überreden lassen, die Hell­seherin aufzusuchen, ohne zu wissen, daß hinter einem Schrank des Wohnzimmers zwei Detektivs versteckt waren, die als Zeugen dem Verlaufe der Sitzung beiwohnten. Wie Frau Gerard vor Gericht bekundete, hatte sie in Trance den Mörder der Frau ihres Besuches als einen Mann beschrieben, der eine Brille trug und blonde Haare hatte. Er saß lange Zeit auf der Leiche, hatte die Frau in ersichtlichem Entsetzen über die grauenhafte Situation hinzugefügt. Bei diesen Worten war Strong nach der Be­kundung der beiden verborgenen Zeugen der spiritistischen Sitzung zusammengebrochen und hätte aufschluchzend be­kannt, daß der Mörder, den sie beschrieb, er selbst gewesen. Vor Gericht behauptete Strong, daß ihm das Bekenntnis in der Hypnose, in die ihn Frau Gerard versetzte, entlockt worden war. Obwohl der Verteidiger das Anklagever­fahren, das sich der fragwürdigen Beihilfe einer als ge­werbsmäßige Schwindlerin zu bezeichnenden Spiritistin bedient hatte, als die Grenzen des Erlaubten weit über- imreitcnbe Ungehörigkeit kennzeichnete, sprachen die Ge­schworenen den sechsjährigen Angeklagten schuldig, den den Gerichtshof zu dreißig Jahren Gefängnis verurteilte.

Flottcnvcrcius-Sondcrfahrt zur Turiner Weltaus­stellung. Hm feinen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, eine größere Seereise auf einem Uebeseedampfer zu ma­chen und um Die Weltausstellung in Turin zu besuchen, veranstaltet der Hauptausschuß deS Deutschen Flottenver­eins eine Sonderfahrt, die am 8. Mai in Bremerhaven au Bord des LloyddampfersMord* ihren Anfang nimmt. Auf dieser Fahrt werden Rotterdam, Antwerpen (dreitägiger Aufenthalt!. Southampton, Gibraltar und Algier angelau- fen. ES wird Gelegenheit sein, diese Hafenstädte unter sach­kundiger Führung zu besichtigen. Am 16. Mai erfolgt die Ankunft in Genua. Nach Besichtigung dieser Stadt wird am 17. Mai die Weiterfahrt nach Turin fortgesetzt. Für den dreitägigen Aufenthalt in Turin hat der deutsche Reichs- kommiffar Geheimer Regierungsrat Professor Busley ein sehr inhaltreiches Programm in Aussicht genommen. Er ladet u. a. die Teilnehmer auch zu einem Frühstück im Deutschen Restaurant der Ausstellung ein. Ter Preis dieser Fahrt beträgt einschließlich Verpflegung. Unterbrin­gung, Dampfer- und Eisenbahnfahrten 1. Kl.. Besichtigun­gen, Ausflüge 42h Ji. Die Reise endlgt in Turin. Aus­führliche Programme sind vom Geschäftszimmer des Haupt- auSschusses für Berlin und die Mark Brandenburg des Deutschen Flottenvereins Berlin W 85, Schöneberger Ufer 30I, kostenlos zu beziehen. Der Anschluß unterwegs ist möglich. Auch Damen können an der Reise teilnehmen. D^ Anmeldungen müssen möglichst zeitig erfolgen, späte- st-nS bis zum 19. April, da am 20. April die Plätze an Bord desBorck" belegt werden müssen.

Ein Aprilscherz von Primanern. DemB. T." wird geschrieben: In Osterode am Harz gelang es den Prima­nern des dortigen Realgymnasiums ihre Lehrer folgender­maßen in den April zu schicken. Sie verfertigten eine le­bensgroße Puppe, setzten ihr eine Primanermütze auf und hingen dieses Monstrum während der Nacht auf dem Schul­hofe hoch oben in einem Baume auf. Darunter wurde ein Brief gelegt mit den Worten:Da ich Ostern nicht versetzt werde, konnte ich nur diesen Schritt wählen." Im Lehrer­kollegium herrschte am anderen Morgen beim Anblick des schwebenden Menetekels große Aufregung, man wurde aber schließlich den Scherz gewahr und am Nachmittag sah man zum Gaudium des ganzen Städtchens den Stadtpo­lizisten mit einem Polizeihund von Haus zu Haus laufen. Nach Enthüllung der Freveltat wurden die Herren Pri­maner vom Direktor auf vier Stunden in den Arrest ge­schickt.

Falsch anfgcfaßt (Vor Gericht.) Richter zu einem in einer Körperverletznngssache geladenen Zeugen:Was hat der Angeklagte zu Ihnen gesagt?" Zeuge:Er schlägt mir das Dach ein." Richter:Sind Sie Hauswirt?"

Kindliches Spiel. Herr:Was spielt Ihr da, Kinder?" Klein Else:. . . . Wir spielen verkaufen! Olga ist die Ver­käuferin, ich bin Käuferin . . ." Herr:Und Max, der dabei sitzt und ein so böses Gesicht macht?" Klein Else: . . . Das ist der Papa, der alles bezahlen muß."

Ein Festtag in Württemberg.

Zur silbernen Hochzeit deS württembergischen Königspaares.

Am 8. April sind es 25 Jahre, daß sich der damalige präsumtive Thronfolger, der jetzige König Wilhelm II. von Württemberg, in zweiter Ehe mit der Prinzessin Charlotte zu Schaumburg-Lippe vermählt hat. Jedermann wußte, datz der Prinz seine vier Jahre früher verstorbene Gemah­lin, die Prinzessin Marie zu Waldeck und Pyrmont, mit der ihn die innigste Liebe verbunden hatte, noch immer aufs schmerzlichste betrauerte und sich zu einer neuen Ver­bindung nur im Bewußtsein entschloß, daß es eine Fürsten­pflicht zu erfüllen galt. Das evangelische Württemberg wußte seinem künftigen Könige dafür warmen Dank: war doch damit von neuem die Möglichkeit einer Fortpflanzung der evangelischen Linie des württembergischen Königshau­ses geboten eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllen sollte.

Das württembergische Königspaar fühlt sich eins in der Netzung zu einer schlichten Lebensführung von bür­gerlich vornehmen Zuschnitt. Das hat sich sofort beim Re­gierungsantritt Wilhelm II. gezeigt, als er das riesige Kö­nigsschloß zu beziehen verschmähte und in seiner vorher schon innegehabten Privatbehausung, dem sogenannten Wilhelmspalast, wohnen blieb. Die Pflichten der Reprä­sentation werden erfüllt, soweit es eben die Würde der Krone erheischt, aber von Freude an irgendwelcher Prunk- entsaltung ist keine Rede. Die stattliche Erscheinung des Monarchen ist kaum einem Bewohner der Residenz fremd. Obgleich Wilhelm II. im Lande große Sympathien genießt, wird er doch auf seinen Gängen vom Publikum mehr neu­gierig angestarrt als ehrerbietig begrüßt: das ist nun ein­mal die formlose Art der Schwaben. Man kann dem Kö­nig ohne jede Begleitung an allen Enden und Ecken der Stadt begegnen. Häufig, zumal zur Weihnachtszeit, besucht er die großen Magazine der Stadt, um selbst Einkäufe zu machen. Menn er dabei auch feinen offiziellen Gesellschaf­ter bei sich hat, so trotten dafür unfehlbar seine beiden weißen Spitze vor oder hinter ihm her.Sauspitzer" nennt' sie das Volk mit gutmütiger Respektlosigkeit. Es heißt, daß die zwei reizenden, aber etwas gar zu tempe­ramentvollen Tiere schon manchmal ihren hohen Herrn genötigt haben, Schadenersatz für zerrissene Hosen zu leisten. Auch die Königin, eine Freundin jeglichen Sports, mischt sich gerne, radelnd wie rodelnd, unter das Volk.

Dem König ist nur ein Kind aus erster Ehe geblieben: die mit dem Fürsten Friedrich zu Wied vermählte Prin­zessin Pauline. Der Vater hängt an seiner Tochter wie an seiner Enkelin mit außerordentlicher Zärtlichkeit, und die fürstlich Wiedsche Familie kehrt immer wieder zu Gast am württembergischen Hoftager ein.

Prunkvolle Festlichkeiten werden zur silbernen Hochzeit von König Wilhelm II. und Königin Charlotte nicht ver­anstaltet werden. Das wäre zu wenig im Sinne des Ju­belpaares. Um ihm auch einen äußeren Beweis ihrer Liebe darbringen zu können, haben sich die Württemberger etwas anderes ausgedacht. Von einem sich über das ganze Land erstreckenden Blumentag großen Stils verspricht man sich einen reichen Ertrag, der den Majestäten zu wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt werden soll. Damit wird ihnen gewiß die ihrem Geschmack am besten entsprechende Festfreude bereitet werden.

Die Hnldignngsfahrt des Grafen Zeppelin zur Feier der silbernen Hochzeit des württembergischen Königspaares, die zunächst infolge des überaus ungünsti- geu Wetters stark in Frage gestellt war, ist am Freitag wie wir schon kurz meldeten, doch zur Ausführung gekom­men und hat eine sinnige und würdige Einleitung der dem Königspaar im ganzen Lande darzubringenden Huldigungs- akte gebildet. Um 8 Uhr 25 Minuten stieg das Luftschiff unter Führung des Grafen Zeppelin in Friedrichshafen empor. Kurz nach 10 Uhr wurde es in Biberach gesichtet: cs hatte in der dortige» Gegend gegen einen sehr starken, wohl 6 bis 8 Sekundenmeter messenden Nordwind allzu- kämpfen, und kam infolgedessen ziemlich langsam vorwärts. Um 10 Uhr 45 Minuten passierte das Luftschiff Ulm und nun ging es in rascher Fahrt der Residenzstadt zu. In Stutt­gart hatte sich auf dem Schloßplätze und in seiner Umge­bung, besonders aber vor dem Residcnzschlosse eine große Menschenmenge eingefunden. Um 1411 Uhr betrat das- nigspaar mit den Mitgliedern der Königlichen Familie und den eingetroffenen Fürstlichkeiten den Balkon des Schlosses. Beim Erscheinen des Königspaares brach das Publikum in begeisterte Hochrufe aus. Ibn ^k Uhr tauchte

der Lustkreuzcr hiutcr den Türmen der Stiftskirche auf. Unter dem stürmischen Jubel der Mcuschcn flog er in wunderbar schöner Fahrt über den Schloßplatz in gerader Richtung auf die Iubiläumssäule zu, unmittelbar vor die­ser schwenkte er ab und fuhr bei den Klängen einer Mi­litärkapelle in mäßiger Höhe über den Schloßplatz hiriwea, das Königspaar durch Neige« der Spitze begrüßend. Gleich­zeitig wurde aus der Passagierkabine deS Luftschiffes daS an einem fallschirmartigen Gestell befestigte Blumeuarran- gement berabgeworfen, alS Huldigung des Grafen Zeppe­lin und der Stadt Friedrichshafen. Mit lebhaften, In­teresse verfolgten das KönigSpaar und seine Gäste die Fahrt des Luftschaffes, das in langsamem Fluge nach Eannstatt verschwand. Das Luftschiff nahm um 1 Uhr aus den Cauu- statter Wasen eine Zwischenlandung vor, wobei eine AuS- wechselung der Passagiere zur Wetterfahrt «ach Badeu-Ba- den vorgcnommeu wurde. Nach 114stündigem Aufenthalt des Luftschiffes stieg cs um 142 Uhr unter Führung von Dr. Eckner zur Fahrt uach Badcu-Baden auf. Graf Zep­pelin verblieb in Stuttgart. In Baden-Baden landete das Luftschiff kurz uach 4 Uhr. Zur Begrüßung hatte sich der Oberbürgermeister auf dem Landungsplatz eingebunden. Zehn Passagiere hatten die Fahrt mitgemacht.

Drahtnachrichten und neuestes.

Wünsche der Landwirte deß Stheinlanbes.

Eöln 8. April. Während einer mehrtägigen Sitzung deß Zentralvorstandes der landwirtschaftlichen Vereine für Rheinpreußen svrach man sich für Zwangsversichcrnng der Viehbesitzer gegen Maul- und Klauenseuche aus. Die ge­genwärtigen Fleischpreise wurden als im großen Mißver­hältnis zu den Viehpreisen stehend bezeichnet. Letztere seien verhältnismäßig gering. Eine regelmäßige Vcrösfentli- chung der Vieh- und Fleischpreise wurde als crwünfdjf an­gesehen.

Ausschreitungen streikender Grubenarbeiter.

Siegen, 8. April. Zwischen den Ausständigen der bei­den Gruben Sizilia und Siegena und den Beamten ist cs zu schweren Zusammenstößen gekommen, die bedrohliche Formen annahmen. Telegraphisch wurde Geudarmerie her- beigerufeu. Zwischen den Ausständigen und der Polizei kam es zu einem Kampf, bei dem die Ausständigen von ihren Revolvern Gebrauch machten. Die Villa des Direk­tors der Grnbe wurde durch ein Steinbombardemertt schwer beschädigt.

Verheerendes Großseuer.

Oh* Wiesbaden, 8. April. I» dem Orte Frickhofen bet Hadamar entstand gestern mittag gegen 12 Uhr in der Nähe des Kriegerdenkmals Großseuer, dem bis jetzt fünf Wohn­häuser zum Ops"r gefallen sind. Die Entstehnngsursache ist unbekannt. Sämtliche Wehrender Umgegend sind tätig. BiS gegen abend war es nicht möglich, des Feuers Herr an werden. 37 Personen sind obdachlos.

Eine Probefahrt des neuen M. 4.

Berlin, 8. April. Mit dem neuen Militärluftfchiff M. 4 wurde gestern bei böigem Nordostwind eine Probe­fahrt unternommen. Während der l'/,stündigen Fahrt war von unbekannten Händen ein großer Heidebrand auf dem Schießplatz verursacht worden. Das alarmierte Schießplatz- kommando löschte das Feuer, bevor dos Luftschiff wieder eintraf.

Der Revolver als Spielzeug.

Posen, 8. April. Aus Unvorsichtigkeit hat ein lOJäs)* riger Schulknabe einen verwandten gleichaltrigen Knaben erschossen.

Den eigenen Sohn erwürgt.

* Prag, 8. April. In Nieder-Aehrenberg in Böhmen kam der 65jährige Hausbesitzer Franz Liebisch mit seinem 20jährtgen Sohne wegen dessen leichtsinnigen Lebenswan­del in Streit. Als der Sohn seinen Vater angriff, schlug ihn dieser mit einem Beil nieder und erwürgte ihn dann. Darauf stellte er sich selbst der Polizei.

Ernste Demonstrationen in Portugal.

G-£ Lissabon. 8. April. Etwa 100 Angestellte und Ar­beiter des Marinearsenals veranstalteten vor dem Marine- ministerium eine Kundgebung gegen den Minister, dem sie Verzögerung der Veröffentlichung einer sie betreffenden Verfügung vorwerfen. Polizei und Bürgergarde, unter­stützt von einem Kreuzer, gingen gegen die Manifcstauten vor und zerstreuten sie. Einige flüchteten sich an Bord des KreuzersSao Gabriel", wo sie verhaftet wurden.

Schweres Grubenunglück in Amerika.

Nenyork, 8. April. In der Tancroffmbne in Scranton lPcnnsylvanien) ist Feuer ausgebrochen. 50 bis 75 Berg­leute befinden sich noch unter Tage. Es soll kaum eine Möglichkeit vorhanden sein, sie zu retten. Nach einer spä­teren Meldung soll der Brand im Maschinenhaus ausge- brocben sein. Zurzeit des Ausbruchs des Feuers befanden sich 300 Bergleute unter Tage. Bei der allgemeinen Ver­wirrung ließ sich bisher nicht feststellen, wie viele sich retten sonnten. Das Feuer wütet 750 Fuß tief.

Die geretteten Passagiere derPrinzeß Irene".

Neuyork, 8. April. Sämtliche Passagiere des aufgelau­feneu DampfersPrinzeß Irerce" wurden gestentt nach einem Telegramm des Kapitäns aus dem DamvserPrinz Friedrich Wilhelu," untergebracht.

w> Neuyork, 8. April Die glückliche Heberbringung der Reisenden des DampfersPrinzeß Irene" auf den DampferPrinz Friedrich Wilhelm" innerhalb fünf Stun­den bedeutet ine Rekordleistung. Zunächst wurden die Zwischendeckspassagiere ousgeschissi, um bei etwa losbrechen- dem Sturm eine Panik zu vermeiden. Der Kapitän der Prinzeß Irene" erklärte einem Pressevertreter, in der Nacht zum Donnerstag habe dichter Nebel geherrscht, wes­halb er sehr langsam gefahren sei. Gegen 2 Uhr fei der Nebel gewichen und das Schiff habe mit Volldampf seine Fahrt fortgesetzt. Gegen 4 Uhr sei der Dampfer dann auf- gelaufen.

Heftige Rombeuexplosion.

or Neuyork. 8. April. Eine heftige Vombenexplosion fand in der 45. Straße statt. Zahlreiche Hotels in der Um­gebung der Explosionsstelle wurden erschüttert. Tausende von Hotelgästen stürzten erschreckt auf die Straße. Der an- gerichtete Schaden ist jedoch gering.

IwJcl und OerKebr.

Frankfurt, 6. April. Viehmarktpreise. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast (Lebendge­wicht) .#, (Schlachtgewicht) .Ä, 0) feinste Mast (Voll- milch-Mast) uno beste Saugkälber (Lebendgewicht) JI 62 bis 66, (Schlachtgewicht) JI 103110, c) mittlere Mast- und beste Saugkälber (Lebendgewicht) JI 5561, (Schlachtgewicht) J( 93103, d) geringere Saugkälber (Lebeudgewichi) Ji 50 bis 54, (Schlachtgewicht) JZ 8592. Schafe: A. Stallmast- schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Lebend­gewicht) Ji 41, (Schlachtgewicht) .Ä 8586. b) ältere Mast- yämmel, geringere Mastlännner und gut genährte junge Schafe (Lebendgewicht) Ji, ^Schlachtgewicht) Ji, c) mäßig genährte Hammel und Schafe (Märzschafe) (Lebend­gewicht) Ji, (Schlachtgewicht) JI. d) Marschschase oder Niedern ugsschafe (Lebendgewicht) Ji, (Schlachtgewicht)

. B. Weidemastschafe: Jl. Schweine: a) vollfleischige Schrveiue von 80 bis 100 Kilogr. Lebendgewicht (Lebendge­wicht) Jl 4749, (Schlachtgewicht) Ji 6062, b) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgewicht (Lebendgewicht) Ji 4747*4, (Schlachtgewicht) Ji 6061, c) vollftcifcbige Schweine von 100120 Kilogr. Lebendgewicht (Lebendge­wicht) Ji 461449, (Schlachtgewicht) Ji 5961, d) vollflel- schige Schweine von 120150 Kilogr. Lebendgewicht (hebend» aewicht) Ji 4749, (Schlachtgewicht) J( 5961.