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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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G
Nr. 85.
Telephon: Nr. 302.
Montag den 10. April 1911
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Die frankfurter Universität.
In der letzten Sitzung des Herrenhauses nahm Oberbürgermeister Dr. Adickes das Wort zu folgenden Ausführungen über die Frage der Universität: Die Frankfurter Anstalt sei kein Plan, der von heute aus morgen ausgesührt werden könne oder solle. Ihre Entwickelung hat eine lange Vorgeschichte. Im übrigen berufe er sich aus den allerhöchsten Erlaß vom Jahre 1866, in dem König Wilhelm von Preußen den Anstalten für Schule, Wissenschaft und Kunst seine besondere Aufmerksamkeit zusichert. Dieses Versprechen sei eines der Fundamente, aus denen der Plan sich ausbaue. Im Jahre 1763, als auf den Universitäten die medizinische Wissenschaft darniederlag, hat der Frankfurter Arzt Dr. Senckenberg die bekannte Anstalt gestiftet zur wissenschaftlichen Fortbildung seiner Berufsgenossen. Während der französischen Zeit sei diese Anstalt der Mittelpunkt einer medizinischen Fakultät gewesen, die nach Beseitigung des französischen Systems trotz der Bemühungen des Freiherrn v. Stein, sie zu erhalten, wieder aufgehoben worden sei. In den Jahren 1817 bis 1824 seien dann die Naturforscher Gesellschaft und der Physikalische Verein gegründet worden, die mit ihren Zweiganstalten Gelegenheit zu Fortbildungskursen geboten haben. So hat sich in Frankfurt durch den unmittelbaren Zusammengang der wissenschaftlichen Anstalten mit dem praktischen Leben die Pflege der Wissenschaft zu einer ungeahnten Blüte entwickelt. Hierzu komme noch, daß Frankfurt eine Reihe von allgemeinen und Spezialkrankenhäusern besitze. Der Universitätsplan bezwecke mit einem Wort, alle diese Einzelheiten zu einem großen akademischen Ganzen zu vereinigen. Die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften sei von ^twa einem halben Tausend Hörer besucht und zwei Semester würden den Hörern schon jetzt angerechnet. Redner geht nunmehr im einzelnen aus die Angriffe im anderen Hause ein und weist namentlich das Bedenken zurück, als ob die Gründung einer freien Universität in Frankfurt das wissenschaftliche Proletariat vermehren könne.
Bus Stadt und Cand.
Gießen, den 10. April 1911.
L. U. Gießen, 10. April. Pros. Dr. Ludwig Schlesinger, der als Nachfolger des ordentlichen Professors der Mathematik Geh. Hofrat Dr. Pasch mit Wirkung vom kommenden Sommersemester an unsere Universität berufen ist, wird in diesem Semester folgende Vorlesungen halten: Synthetische Geometrie, 3[tünbig; Einführung in die Theorie der elliptischen und automorphen Funktionen, 4stündig; Uebungen des mathematischen Seminars, Istündig.
* * ) Gießen, 7. April. Gestern fand im Regierungsgebäude unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialdirektor Dr. Usinger eine Sitzung des Komitees für den Blumentag statt, das fast vollzählig erschienen war. Nach einleitenden Worten der Begrüßung gab der Vorsitzende einen Ueberblick über die beabsichtigten Veranstaltungen und die Organisation des Blumenverkaufs. Hiernach soll der VluMentag in der Stadt Gießen am 6. Mai, in den Landgemeinden, von denen nur die mit mehr als 1000 Einwohner in Frage kommen, am 7. Mai abgehalten werden. An diesen Tagen sollen junge Frauen und Mädchen möglichst aller Bevölkerungskreise künstliche Maßliebchen zum Preise von 10 Pfennig das Stück auf den Straßen, Plätzen, Bahn - Hof und anderen geeigneten Orten verkaufen. Zur Belebung des Straßenverkehrs sind Promenadekonzerte vorgesehen. Wegen Dekoration der Schaufenster und Schmückung der Häuser sind die erforderlichen Schritte eingeleitet. — Die Stadt Gießen wird zum Zwecke des Blumenverkaufs in 3 Bezirke eingeteilt, und zwar bilden der 1. und 6. Armenbezirk den 1. Verkaufsbezirk, der 2. und 3. Armenbezirk den 2., der 4. und 5. Armenbezirk den 3. Verkaufsbezirk. Jede Landgemeinde über 1000 Einwohner bildet für sich einen Bezirk. Jedem Bezirk steht ein Bezirksausschuß vor, dem die Durchführung des Blumenverkaufs innerhalb seines Bezirkes obliegt. Innerhalb jedes Bezirkes wird eine Geschäfts- mit Wechselstelle eingerichtet, von der aus der Blumen- verkauf geleitet wird. Die Blumen werden von den Verkäuferinnen in kleinen, ausgeschmückten Körbchen, die von den Damen selbst zu stellen sind, getragen. Eine allgemeine Aufforderung an die jungen Mädchen (über 15 Jahre) und jungen Frauen Gießens zur Uebernahme des Amtes als Verkäuferinnen wird demnächst ergehen. — Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde alsdann aus dem Komitee ein Hauptausschuß gewählt, der die Einzelheiten des Programmes festsetzen soll. Ihm gehören an: Ihre Durchlaucht die Fürstin Solms-Ho
hensolms-Lich, Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann und Frau, Frau Kommerzienrat Louis Emmelius, Geh. Kommerzienrat Gail und Frau, Frau Geh. Justizrat Gebhardt, Chefredakteur Aug. Götz, Frau Dr. Günge- rich, Bankdirektor Heichelheim, Stadtv. Helm, M. Jas- kowsky, Oberleutnant Jebens und Frau, Beigeordneter Keller, Fabrikant Adolf Klingspor, Stadtv. E. Krumm Oberbürgermeister Mecum und Frau, Architekt Hans Meyer, Vankdirektor Müller, Frau Geh. Medizinalrat Riegel, Frau Ludwig Rinn 19.-Heuchelheim, Kaufm Karl Rohr, Bürgermeister Schomber-Wieseck, Hauptmann Schroder und Frau, Provinzialdirektor Dr. Usinger und Frau, Regierungsassessor Wolf, Eisenbahndirektor Zimmermann. — Aus der Mitte des Hauptausschusses wurde em Vorstand gewählt, der die Geschäfte des Ausschusses fuhren soll. Ihm gehören an: Frau Dr. Usin- ger als Vorsitzende, Frau Dr. Viermann, Frau Dr Gungencl^ Herr Oberbürgermeister Mecum, Herr Hauptmann Schroder, Herr Klingspor, als Geschäftsführer die Herren Regierungsassessor Wolf und Beigeordneter Kel- als Schatzmeister die Herren Bankdirektoren Hei- che heim und Muller— Ferner gehören ihm an 'bie
...der 'Bezirksausschüsse, als welche gewählt wurden, für den 1. Bezirk: Frau Oberbürgermeister Mecilm und Frau Kommerzienrat Emmelius,' für den Bezirk: Frau Geh. Medizinalrad Riegel And Frau Geheime ^ufhärat Gebhardt, für den 3. Bezirk: Frau Geh. Kommerzienrat Gail und Frau Hauptmann Schröder — An die Atzung des Komitees schloß sich alsdann
Hauptausschusses an, in der das mirb^E Zugen festgelegt wurde. Hierüber wird spater näheres mitgeteilt werden.
1 e $u "' ^0. April. Gestern vormittag 12 Uhr < id der alten Klimt die Eröffnung der Ausstellung des Verbandes Hessischer Privat-Architekten statt. In der Nâ"mr"^^"^^ . bezeichnete der Vorsitzende Georg RohEorms als dringlichste Aufgabe des Verbandes die Behörden bezw. die Stadt- und Landgemeinden ru heran ulieben " ^wärchitekten zu öffentlichen Bauten t pXÂ 3 ^ ~ J -S lm cnSetcn oder offenen Wett- W L~ff“lVtet ln â°" Nachbarstaaten längst der ??n J a®W Abgang durch die Ausstellung, die wegen der Kurze der Zeit noch nicht ganz sertiggestellt ist legte ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß der Verband J^9 ^w^ ^'"bt, und es ist ihm wohl zu wün- fchen daß er das gesteckte Ziel bald erreicht. Von der Ortsgruppe Gießen hatten folgende Mitglieder ausge- °b Ä» a*“'9’ ^“ & 3ipp' Christian Freund- ^Q^w-rr^ Öetnruf) Kockerbeck. Paul Müller. L Karl Muller. Ludwig Rohrbach. Ernst Schmidt und ih'r^fÄ Der Besuch der Ausstellung kann wegen ihrer Reichhaltigkeit und Gediegenheit jedem Interessen- ten empfohlen werden.
* Gießen, 8. April. (Gründung eines gemernnutzl^en Bau Vereins.) Auf Einladung der Ortskrankenkasse Gießen waren am Donnerstag abend im Hotel Schütz zirka 80 Personen erschienen um enbgiltig Stellung dazu zu nehmen, ob man die Gründung eines gemeinnützigen Vauvereins E. G. m. b. H. vornehmen solle. Die Gründung wurde beschlos- sen und das vorgelegte Statut der Genossenschaft nach einigen Abänderungen genehmigt. Der Verein trägt den Namen : „Gemeinnützige Baugenossenschaft, E. G. m. b. H. zu Gießens Der Zweck des Vereins ist, minderbemittelten Familien gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen zu billigen Preisen zu verschaffen, und zwar durch Ueberlassung der Häuser zum Eigentum oder Miete. Jede Person, die im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sich befindet^ kann Mitglied der Genossenschaft werden. Außerdem niet) juristische Personen, Stiftungen, eingetragene Genossenschaften und andere Personenvereine. Der Geschäftsanteil jedes Genossen wurde auf 200 Mk. festgesetzt, welcher entweder gleich ganz oder in monatlichen Raten von mindestens 3 Mk. einzuzahlen ist. Die Höchstzahl der Anteile, die ein Genosse nehmen kann, wurde auf 50 festgesetzt. Die Verwaltung der Genossenschaft führt der Vorstand und Aufsichtsrat, ersterer aus 5, letzterer aus 9 Personen bestehend. In den Vorstand wurden gewählt: Geschäftsführer Fourier als 1. Vorsitzender, Pfarrer Vechtolsheimer als 2. Vorsitzender, Bürgermeisterei-Sekretär Mosig als 1. und Spenglermeister Dahmer als 2. Schriftführer, sowie Rechner Lentz als Kassierer. In den Aussichtsrat wurden gewählt: Fabrikant Klingspor als Vorsitzender, Oberlehrer Dr. Klein, Glaser Joseph Maier, Sekretär Scherff, Schriftsetzer Braun, Dr. meb. Schäs - f e r, Gärtner Koch, Werkführer Bräutigam und Glasermeister B i e r a u. Nach Genehmigung der Statuten durch das Amtsgericht wird die Genossenschaft so
fort ihre Tätigkeit beginnen. — In unserer Nachbar - stadt Wetzlar besteht ebenfalls eine Baugenossenschaft, die auf eine fruchtbringende Tätigkeit zurückblicken kann. In diesem Jahre sollen von ihr 16 Neubauten ausge- sührt werden. Zu einem erheblichen Teil war das gedeihliche Wirken dieses Vereins nur dadurch möglich, daß die Stadtverwaltung in loyalster Weise dem Vereine entgegenkam. Anmeldungen zu der Genossenschaft können bei dem 1. Vorsitzenden, Geschäftsführer Fourier, Ortskrankenkasse, bewirkt werden.
— Wetzlar, 10. April. Aus der Ausstellung des Verbandes Hessischer Privat-Architekten im alten Kliniksgebäude zu Gießen ist auch unsere Stadt vertreten. So Hat der Architekt Hamann ausgestellt: Ein Modell und zwei Photographien der Häusergruppe des Spar- und Vauvereins an der Nauborner Straße, ein Modell des Landhauses Weckmüller, 7 Photographien der Badeanstalt und 5 Blatt Zeichnungen zu Häusern des Spar- und Vauvereins für den Baublock an der Babelsberger Straße.
-r- Hungen, 9. April. Der Umbau des Unter - baues der Bahnstrecke Beienheim-Hungen-Laubach ist dieser Tage durch den Unternehmer Hch. Koch in Nonnenroth vollendet worden. Da auch die Elektrizitätsanlagen am Hungener Bahnhof vollendet sind, kann nun ^ahl bald der Betrieb der Triebwagen vor sich gehen; es fehlt nur noch, wie man hört, an der Lieferung ber Magen. Der Umbau des hiesigen Stationsgebäudes schreitet rüstig vorwärts.
-l- Schotten. In einem benachbarten Dorfe hatte die Hausfrau Oel zum Heißwerden in den Ofen gestellt, das bald darauf Feuer fing. Eiligst kam ihr Mann, ein Schmied, mit der großen Zange herbei, zog das Gefäß heraus und goß —Wasser in die Pfanne. Zischend stob die Glut auseinander und zerstörte dem klugen Manne den Schnurrbart.
-r- S ch o t t e n, 8. April. Heute nachmittag wurden beim Ausgraben des Kellers zum Druckerei-Neubau des Buchdruckers Engel zwei Arbeiter durch Einbrechen einer Erdwand verschüttet. Während der eine Arbeiter unerhebliche Verletzungen davon trug, wurde der andere Arbeiter von niedergehenden Steinen getroffen, daß er einen Arm- und Beinbruch erlitt.
* * Frankfurt, 10. April. Trotzdem das Programm für das im August d. Js. stattfindende 28. Bundessest des Deutschen Radfahrer-Bundes schon seit einiger Zeit in festen Umrissen feststeht, setzen die die Veranstaltung vorbereitenden Ausschüsse alles daran, in diesem großen vaterländischen Feste noch möglichst viele Schlager einzubringen. Die großen Frankfurter sportlichen Korporationen, die Turner und die Schützen haben bereits ihre Teilnahme an dem Festzuge fest zugesagt, auch die anderen sportlichen Vereine, Innungen usw. werden natürlich nicht fehlen. Der geschäftssüh- rende Ausschuß ist mit der Fahrleitung der deutschen Luftschiffahrts-Gesellschast in Verbindung getreten und man hofft, daß der neueste Luftkreuzer „Ersatz Deutschland" aus Anlaß des 28. Bundesfestes auf dem Festplatze landen wird.
* Geisa. Ueber Milchmangel und Vutternot in unserer Gegend wird in der „Eis. Ztg." Klage geführt. Danach hat kürzlich die Molkerei Günthers wegen der bestehenden Milchnot den Betrieb Eingestellt. Wenn man nicht zufällig eine sichere Bezugsquelle oder besonderes Glück hat, kann man tagelang die Dörfer des Amtsbezirkes durchfragen, ohne nur ein halbes Pfund Butter aufzutreiben. (?) Wenn man nicht die sehr teure Butter, die von auswärts eingeführt wird, bezahlen will, muß man zu Ersatzmitteln greifen.
* Darmstadt, 10. April. Prinz Heinrich von Preußen, der mit dem Prinzen Sigismund zum Besuch am großherzoglichen Hose hier eingetroffen ist, wird die Osterfeiertage hier verbleiben. Die Prinzessin Heinrich von Preußen wird am Montag hier eintreffen.
* Diez, 7. April. In dem zwischen hier und Kimburg gelegenen Kalkwerkbetrieb der Firma Schäfer formten dieser Tage 7 Arbeiter ihr 25jähriges Arbeiter- jubiläum feiern. Von der Firma wurde jedem der Jubilare ein Geldgeschenk von 50 Mk. überreicht. Es sind dies die Steinbrecher PH. Schupbach, Fr. Moog, Frdr. Dietrich und Wilh. Moog aus Freiendiez, ferner die Einsetzer Daniel Schutzbach aus Dietz und Gg. Reinhardt aus Freiendiez, sowie der Handarbeiter Friedr. Ernst aus Floett.
• Hamburg. Der Lordmayor von London, Sir V e s s e y Strong, der ein langjähriges Mitglied des Guttempler-Ordens ist, wird an der Internationalen Guttempler-Tagung in Hamburg im Juni 1 dieses Jahres teilnehmen,