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Nr. 193.
Telephon: Nr. 362.
Samstag, den 9. September 1911.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Hallstadt und Land.
Gi ehen, den 9. September 1911.
* -Vom Manöver, 7. Sept. Gestern traf der türkische Thronfolger Prinz Jussuf Jzzedin mit Gefolge, unter dem sich der General Sali-Pascha, der vor 20 Jahren in Deutschland bei den roten Husaren gedient hatte, und der Major Enver Bey, Militärattachee in Berlin, befanden, im Manövergelände ein. Voraus fuhr der kommandierende General von Eichhorn. Bei Heinzenberg sand das erste Gefecht statt. Aus der Anhöhe hatten neben den deutschen Generalen die türkischen Offiziere Aufstellung genommen. Der Thronfolger interessierte sich lebhaft für den Gang des Gefechts.
* D i e G e r i ch t s f e r i e n sind am 15. September zu Ende. Von diesem Tage ab wird die Tätigkeit der Zivil- und Strafgerichte wieder in unvermindertem Umfange ausgenommen.
* ) L a n d e s u n i v e r s i t ä t. Eine bemerkens - werte Neuerung wird das kommende Wintersemester in die Vorträge und Vorlesungen an der Universität bringen, indem ein Missionar über „Indische Studenten" Vorlesungen halten soll. Auch im Wartburgverein wird von nun an Sonntags abends ein Missionar regelmäßig Missionsvorträge halten.
* Fl ei sch preise bei Militärliefer- unge n. Die Zentralstelle der Deutschen Landwirt - schaftskammer hat mit Hilfe der Militärbehörden festge- stellt, daß für Lieferung der Fleisch- und Wurstwaren jetzt folgende Durchschnittspreise gezahlt werden: Ochsenfleisch pro Pfund 68, Kuhfleisch 65, Rindsleber 75, Kalbfleisch 67, Hammelfleisch 70, Schweinefleisch 60, Schweinebraten 67, Schweineleber 75, Blut- und Leberwurst 60, Fleischwurst 70 Pfg.
* Gewerbliche Kinderarbeit in Hes - s e n. Wiederholt hat sich das hessische Ministerium mit der gewerblichen Kinderarbeit beschäftigt, es sind mancherlei Vorschriften für die Volksschullehrer erlassen worden, aber noch immer laufen viele Klagen ein über die Heranziehung schulpflichtiger Kinder zu allerhand ge - werblichen Arbeiten und die dadurch veranlaßten Schulversäumnisse, bezw. das schlechte Fortkommen solcher Kinder. Die Kreisschulkommissionen sind nun angewiesen worden, von den Lehrern bis 15. Oktober sowohl vollständige Verzeichnisse der gewerblich tätigen Kinder wie auch Verzeichnisse der Schulversäumnisse in den Monaten Mai bis September einreichen zu lassen, die nachträglich entschuldigt wurden. Zugleich sollen die Lehrer über den Verdienst der gewerblich tätigen Kinder und auch darüber berichten, ob ihnen bei der Herstellung des Verzeichnisses Schwierigkeiten bereitet worden sind.
* Strenger Winter. Eine eigentümliche Erscheinung kann man zur Zeit in den Gärten beobachten. Die Würmer sind eifrig bemüht, dürre Blätter und dergleichen in ihre Löcher zu ziehen, was sonst erst in der Regel im Oktober zu beobachten ist. Die Gärtner glauben aus dieser Tätigkeit der Regenwürmer auf den frühen Eintritt eines strengen Winters schließen ju können. Auch sonstige Anzeichen, wie Sammeln der Störche und anderer Zugvögel scheinen darauf hinzudeuten.
* Wie ist dieses Jahr dem Ausfallen des Gemüses entgegenzutreten? Ueber diese Frage, die auch unsere Leser interessieren dürfte, äußerte sich Herr Kunstgärtner Breitenborn in der Monatsversammlung des Fuldaee Gartenbauvereins. Er rät, alle verfügbaren Beete jetzt vorzurichten und bei eintretendem Regen, der doch bald kommen müsse, sofort für den Herbst- und Winterbedarf zu säen und zwar Spinat, Schmalzkräutchen (Wintersalat), ja sogar noch Radies und Salat. Auch Winterkohl (Blaukohl) sei mit Vorteil noch zu pflanzen; die im Herbst abgeschnittenen Strünke schlagen im Frühjahr wieder aus und seien als junges Gemüse recht schätzbar. Ferner könnten die hier nur wenig bekannten Pastinaken, ein ganz schmackhaftes Gemüse, noch gesät werden. Damit die Pflanzen im Wachstum rasch vorwärts iommen, |ei ein Untergraben von Guano oder Mist, bei Spinat Chilisalpeter, empfehlenswert. Als ein gutes Frühjahrsgemüse wurden noch die Blätter der Schwarzwurzel uni des Rhabarbers bezeichnet.
* Erhebungen über bie Füll er not. Wie uns mitgeteilt wird, bat der Landwirtschaftsmim- fter über die Futternot Erhebungen durch die Landwirt- schaftskammern angeordnet. Das Ergebnis dieser Erhebungen, die augenblicklich überall im Gange und ist darum noch nicht abzuschätzen, weil erst der Aussall der Kartoffelernte abgewartet werden mutz der auf das Ergebnis besonderen Emflutz haben wird. Außerdem kommt in Betracht, wie die WMerungsverhall-
Nisse sich gestalten werden, von denen die Weideverhätt- | Nisse abhängig werden. Die Möglichkeit, das Vieh auf den Weiden zu lassen, hat natürlich großen Einfluß aus die Futterverhältnisse. Jedenfalls sind vom Ministerium die größtmöglichen Maßnahmen zur Verminderung einer etwa eintretenben Futternot getroffen worden. Alle in Betracht kommenden Instanzen, die Landwirtschafts - kammern, Genossenschaften, Landräte usw. sind angewiesen, die geeigneten Maßnahmen zur rechten Zeit zu reffen. Da die Maßnahmen sehr von den örtlichen Verhältnissen abhängen, so sind die Einzelheiten dem Ermessen der beauftragten Behörden anheim gegeben.
*) Gießen, 9. Sep. Der Herbstpserdemarkt findet wegen der Maul- und Klauenseuche nicht statt. Die Verlosung wird dagegen am 21. September abgehalten.
* Gießen. Das Kolosseum ist in den Beitz des Direktors Karl Ohm übergegangen, der die vorderen Räume, in denen ständig humoristische Konzerte stattfinden werden, heute eröffnet. Die Aufführunzen des Spezialitätentheaters beginnen am 30. Septem- )er. Näheres siehe Inserat.
* Der Männer-Turnverein veranstaltet morgen Sonntag seinen letzten Turngang. Mit der Bahn fahren die Mitglieder bis Borsdorf. In Laubach wird Mittagsrast gehatten. Nachmittags geht die Wanderung d-urch Wald nach Grünberg, wo gemütliches Zusammensein mit den dortigen Turnern vorgesehen ist.
-t- B u tz b a ch, 9. Sept. Oberst a. D. Oskar von Frankenberg und Proschlitz wurde zum Kurdirektor von Bad-Nauheim ernannt.
* Bad - Nauhei m, 9. Sep. Zu ber kommenden Sonntag, den 10. d. Mts., im hiesigen Kurhaus stattfindenden Sitzung des Verbandes hessischer Verkehrsvereine sind die Einladungen bereits an die dem Verband angehörenden Vereine gesandt worden. Die Tagesordnung befaßt sich u. a. mit dem Geschäftsbericht, Bild schmuck in den Eisenbahnwagen, DioramemAusstellung in Bad-Nauheim, Herausgabe einer „Hessen"-Nummer in ,J. J. Webers „Leipziger Illustrierten Zeitung" usw. Nach Schluß des geschäftlichen Teils findet gemeinsames Essen im Kurhaus und Besichtigung des Kur- und Konzerthauses, der neuen Bade- unb Trinkkur-Anlagen statt.
-e- Ober-Mörlen, 8. Sep^ Auf dem Felde zwischen Ziegenberg und Haselheck sieht man die Wirkung der schweren Artilleriegeschütze und der Haubitzen der Brandenburger gelegentlich des Scharfschießens in voriger Woche. Melertiese Löcher sind anzutreffen, Steine und Erde wurden weit fortgeschleudert. Die Geschoß - bahn betrug 4% Kilometer. Zahlreiche Geschohstücke wurden aufgesunden und von den erfreuten Findern als „Andenken" mitgenommen.
-d- Friedberg, 8. Sep. Der Fuhrmann Frank aus Schwalbach wollte einem Auto ausweichen. Hierbei geriet sein Fuhrwerk gegen einen Ehausseestein, der Mann wurde herausgeschleudert, vom eigenen Fuhrwerk überfahren und auf der Stelle getötet.
-o- Lollar, 8. Sep. Gestern früh dreiviertel 6 Uhr erschoß sich der von hier stammende Seminarist Martin Jughard in seiner Wohnung in Friedberg. Was den jungen Mann in den Tod getrieben hat, ist noch nicht bekannt.
-h- Grünberg, 8. Sep. Aus der Bahnstrecke nach Mücke entzündeten Funken der Lokomotive die Schutzhecke an der Böschung. Die zum Teil ausgedörrte Fichtenhecke stand bald in Hellen Flammen. Als der nächste Zug von Grünberg die Stelle passierte, schlugen die Flammen über die Eisenbahnwagen und in die Fenster der Abtelle. Ein jäher Schrecken ergriff die Reisenden. Der Lokomotivführer fuhr Volldampf burd) die brennende Strecke. Bahnarbeiter eilten von Station Mücke aus die Brandstätte, um dadurch einen drohenden Waldbrand zu verhindern.
- d- Nidda, 9. Sep. Trotzdem der Austrieb von Rindvieh aus dem Herbstmarkt verboten war, stand eine Menge mit Kühen bespannter Wagen aus den verschiedensten Ortschaften auf dem Schweinemarkte, wo die Besitzer Ferkel verkauften.
- a- Marienberg (Westerwald), 8. Sep. Im hiesigen Steinbruch platzte eine gußeiserne Riemenscheibe. Ein Teil flog durch das Dach und traf im Nied erschien den Arbeiter Reeh derart auf den Kopf, daß der Tod sofort eintrat. „
♦ R ü s s e l s. h e i m, 7. Sep. Gestern Mittag brach in der Teppichfabrik von Stöckich, gegenüber dem Opel'schen Fabrik-Kompler ein großer Brand aus der I das Hauptgebäude des Anwesens vollständig emascherte.
* Koblenz, 8. Sept. Das in einem Seitentale in der Nähe gelegene Bad Laubach soll verkauft wer den. Im Jahre 1840 gegründet, bat es mancherlei Bandel erlebt und war Nervenheilanstalt, Heilstätte für Lungenkranke, Sommerausenthall, Gasthof und Tonten- zaus. Seine besten Zeiten hatte es als Kaltwasserheilanstalt, in der Fritz Reuter seine Waterkunst-Schilderung verfaßt hat.
* Wetzlar, 9. Sept. Gemeinschaftliche Viehweiden. Ein Erlaß des Landwirlschastsmi nisters ersucht die Generalkommissionen, zur Förderung der Viehzucht bei Grundstückszusammenlegungen auf die Einrichtung gemeinschaftlicher Viehweideplatze Bedacht zu nehmen. Zur zweckmäßigen Durchführung dieser Maß nahmen sollen die zuständigen Organe der Landwirt schaftskaMmern (Tierzuchtinspektoren, Wanderlehrer) zu gezogen werden.
*) Garben heim, 8. Sep. Im Zusammen Hang mit der Zusammenlegung der Feldmark hatte die Gemeinde auf der Pserdsweide eine Obstpslanznng von 220 Aepfelbäumen vornehmen lassen, die sich leider sehr schlecht bewährt hat. Die Bätlmchen zeigten schon von Anfang an kein rechtes Gedeihen uub sind jetzt infolge der fortgesetzten Dürre vielfach cingcgangcn.
* Erda, 8. Sep. Hier wurde in dieser Woche ein kleiner Ballon der Pariser Zeitung „Le Matin" ausgesunden. An dem Ballon war eine Postkarte be festigt, welche die Adresse trug. Aus der Rückseite befand sich in französischer, deutscher, englischer, spanischer, portugiesischer, italienischer und russischer Sprache solgeirder Vermerk: ^.Finder dieser Postkarte wird ersucht, die Karte mit einer Marke zu versehen und sie auf dem nächstgelegenen Postamte auszugeben, um umgehend eine prachtvolle Prämie zu erhalten. Nicht srairkierte Karten erhalten keine Prämie."
- r- Marburg, 8. Sep. Im nahen Amöneburg machte sich Donnerstag ein 9jähriges Kind am Herd zu schaffen. Die Kleider singen Feuer und das Kiiid wurde so schwer verbrannt, daß es noch am selben Tag starb.
-u- Marburg, 8. Sep. Ein Student stellte am Felsenkeller in Gießen einen Bahnzug, indem er den Beamten falsche Signale vortäuschte. Die Beamten nahmen ihn fest und übergaben ihn der Polizei.
-r- Herborn, 8. Sep. Die Staats-Nebenbahn Haiger-Langenaubach-Breitscheid-Gusternhain soll definitiv genehmigt und die Eisenbahndirektion Frankfurt bereits beauftragt sein, die Ausführung sofort vorzu nehmen.
*) Weilburg, 8. Sep. Aus Angst vor einer schlechten Kartoffelernte halten die Landwirte in der ganzen Gegend mit der Schweinezucht zurück. In Laubuseschbach, Wolsenhausen und Münster wurden Ferkel von 6 bis 8 Wochen mit 9 Mark bezahlt. In anderen Orten waren sie noch billiger.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde in Gießen.
Sonntag, den 10. September, 13. nach Trin.
Gottesdienst
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Christenlehre für die Neukonsirmierten aus der Matthäusgemeinde.
Vorm. 9^ Uhr: Pfarrer Schwabe.
In der Johanneskirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Vechtolsheimer.
Christenlehre für die Neukonsirmierten aus der Lukasgemeinde.
Vorm. 9% Uhr: Pfarrer Ausfeld.
Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal.
Kath lischt Grmcil.de in Gießen
Samstag, den 9. September.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 10. September.
14. Sonntag nach Pfingsten.
Fest Mariä Geburt.
Vorm, von 6^ Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.
Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
Vorm, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Vorm. 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Muttergottes-Andacht.