Einzelbild herunterladen
 

Hietzener IeiLitng

Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweig auSgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint Mittags 3 Uhr. DieJllustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bet. Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Vertag derGießener Zeitung,, G. m. b. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

^ Behörden Gberhessens

Expedition: Seltersweg 83

lHaus Brüder Schmidt.)

Anzeigenpreis 15 pfg.

bic 44 mm breite I n s era tenzei l c. Stellen­gesuche und Familienan-eigen 10 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitullg des Zahlung^ zteleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Verlag derGießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 133.

Telephon: Nr. 362.

Freitag, den 9. Juni 1911.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Die neue Rekbsverskberungsordnung.

Nachdem nunmehr die Reichsversicherungsresorm un­ter Dach und Fach gebracht worden ist, ersteht die Frage, wann sie wohl in Araft treten wird. Hierüber ist näm­lich im Gesetz kein bestimmter Termin vorgesehen, viel­mehr bleibt dies kaiserlicher Verordnung überlassen, sei es das ganze Gesetz oder einzelne Teile, die in Frage kommen; nur für die Hinterbliebenen ist die gesetzliche Bestimmung getroffen, daß sie mit dem 1. Januar näch­sten Jahres zur Durchführung zu gelangen hat. Es liegt auf der Hand, daß eine so schwierige und umsangreiche Neuregelung nicht von heute auf morgen in Straft tre­ten kann, denn es handelt sich hierbei zu einem großen

um eine völlige Umänderung der Versicherungsbe- Hürden, um die Schaffung der Versicherungsämter und höhere Instanzen, deren Einrichtung übrigens Sache der Landesregierung ist. Für all das sind umfangreiche Vorarbeiten zu treffen, insonderheit für Neuorganisatio­nen des Krankenkassenwesens. Hierfür müssen überdies im kommenden Etat die erforderlichen Mittel eingestellt werden, zumal auch eine ganze Reihe neuer Beamten- stellen geschaffen werden soll. Dazu kommt noch eine Anzahl anderer Arbeiten, welche die Neuregelung der Dinge notwendig gemacht hat. So muß der Bundes­rat für die in der Krankenversicherung nunmehr einzu­beziehenden Kreise, insbesondere für die Hausgewerbe­treibenden die allgemeinen Versicherungsbedingungen seststellen, und es liegt aus der Hand, daß hierbei noch eine ganze Reihe schwieriger Fragen der Lösung harrt da es sich hier um ein Gebiet handelt, auf dem man bisher noch kleine oder nur wenig sozialpolitische Er­fahrungen gesammelt hat. Des weiteren bringt die Ver- slcherungsresorm für die Krankenkassen die Notwendig­keit der Schaffung eines neuen Normalstatutes, worauf all die zahlreichen Krankenkassen ihre bisherigen Satz­ungen abändern müssen. Hierzu ist nun aber wiederum die Genehmigung der Verwaltungsbehörde vorgeschrie­ben, der damit eine Fülle der Arbeit erwächst, die sie nicht so schnell wird bewältigen können. Wenn all die erwähnten Vorarbeiten getroffen und beendet sind, ist es möglich, die neuen Bestimmungen der Krankenkassen in Geltung treten zu lassen. Es ist daher wohl nicht zu­viel gesagt, wenn man meint, daß ungefähr ein Jahr in das Land gehen wird, bis die neuen Bestimmungen in Kraft treten; das früheste wäre der erste April, wenn das neue Etatsjahr beginnt. Es ist wohl kaum anzu­nehmen, daß man bis dahin fertig sein wird, und so spricht vieles dafür, daß man bis zum ersten Juli, wenn nicht gar ersten Oktober nächsten Jahres zu warten ha­ben wird, bis die neue Reichsversicherungsordnung in Kraft tritt. Zu wünschen wäre, daß man für alle Zweige den Termin einheitlich festsetzt, auch für die noch aus­stehende Versicherung der Privatangestellten.

Hus Stadt und Land.

Gießen, den 9. Juni.

Zur Ankunft des Großherzogpaares.

Die Stadt prangt zu Ehren der erlauchten Gäste im reichen Flaggenschmuck. Noch liegt der schlichte Bau am Brandplatz in vornehmer Ruhe da; aber in weni­gen Stunden wird sich,'hier ein reges Leben und Trei­ben entfalten.

Die hohen Herrschaften treffen voraussichtlich zwi­schen 3 und 4 Uhr im Automobil von Darmstadt hier ein. In Friedberg, wo die baulichen Veränderungen des Schlosses besichtigt wurden, wurde längere Zeit Rast gemacht. Ein offizieller Empfang des Großher­zogpaares findet nicht statt.

Es ist ein ganz besonderer Grund, der das Groß­herzogspaar diesmal zu einem längeren Aufenthalte nach hier führt: die praktische soziale Fürsorge für arme Lun­genkranke, wahrlich ein edles Dokument von der hohen Auffassung des Fürstenberufes.

Mögen die Gaben reichlich fließen! Dem Groh- Herzogspaare aber rufen wir ein herzliches Willkommen in Gießen zu!

* Nachdem kürzlich die theologische Fakul­tät sich in' einer Eingabe an den Großherzog gegen die Vorwürfe der Kirchlich-positiven Vereinigung in Hes­sen gewehrt hat, ergreift jetzt diese abermals das Wott um die Fakultät zurück zu weisen. Sie veröffentlicht nämlich in Nr. 23 ihresK o r r e s p o n d e n z b I a t- t e s" einen sehr ausführlich gehaltenen Offenen Brief an die hochwürdigeTheologische Fakultät in Gießen , in dem sie zu deren Eingabe Stellung nimmt.

* Uebertragen wurde am 1. Juni dem Schul- amtsaspiranten Heinrich Kraushaar aus Rödgen, Kreis Gießen, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Trais-Horloff.

* Unkündbar angestellt wurde der Bahn­meister Konrad Rahn zu Nidda.

Die k i r ch^l i ch - p o s i t i v e Vereinigung gedenkt am 15. Juni in der Herberge eine Versamm- lung abzuhalten, auf der Pfarrer A u s s e l d einen Vor­trag über Religionsunterricht halten wird.

* Der Senat der freien Stadt Lübeck hat verfügt, daß die erste juristische Prüfung auch vor­der Prüfungskommission bei der L a n d e s Univer­sität in Gießen abgelegt werden kann. Das Ge­such um Zulassung zur Prüfung ist an den Lübeckischen Senat zu richten.

* Das Museum im alten Schloß ist wäh­rend der Anwesenheit des. Großherzogs und der Groß­herzogin geschlossen.

* Regatta. Die Meldungen zu der Sonntag 11. Juni, hier stattsindenden 16. Regatta verteilen sich aus die einzelnen Rennen (die Reihenfolge entspricht der Startnummer) wie folgt: 1. B e g r ü ß u n g s v i e - rer: GießenerHassia", KastelerGermania", Mainzer Fortuna", OffenbacherGermania", FrankfurterBo­russia". 2. Junior-Einer: FrankfurterAle­mannia" (K. Gugler), GießenerHassia" (F. Schüßler). 3. Anfänger-Vierer: Mainzer Klub 1903, FrankfurterAmicitia", GießenerHassia", Kasteler Germania". Preis der Stadt Gießen (Vierer): FrankfurterAmicitia", IGiehenerHassia", FrankfurterBorussia". 5. Junior-Vierer: Limburger R.-K. 1907, Mainzer Kl. 1903, Gießener Hassia". 6. Verbandspreis (Vierer): Gie­ßenerHassia", OffenbacherGermania", Frankfurter Amicitia", MainzerFortuna". 7. Lahnpokal (Einer): FrankfurterAlemannia" (K. Gugler), Gieße­nerHassia" (K. Jödt), FrankfurterAmicitia" (E. Bech- tols). 8. Dritte Vierer: GießenerHassia" 2 Boote. 9. Ermunterungsvierer: Limbur­ger R.-Kl. 1907, Mainzer Kl. 1903, GießenerHassia". Prinz Heinrich-Preis (Erster Achter): Gie­ßenerHassia", FrankfurterAmicitia", Offenbacher Germania". Für 1, 3, 6, 7 und 10 sind von vormit­tags 8 Uhr ab Vorrennen.

* Prinz Heinrich-Fahrt. Der Start zur diesjährigen Prinz Heinrich-Fahrt, die wie wir bereits mitteilten auch durch Hen Kreis Wetzlar führt, ist nunmehr definitiv auf den 5. Juli, morgens 7 Uhr, festgesetzt. Die Abfahrt erfolgt von der Kaiser Friedrich-Promenade in Homburg.

* Die Verbündeten kaufmännischen Vereine für weibliche A n g e st e l l 1 e, Sitz Frankfurt a. M., denen auch der hiesige kaufm. Verein für weibl. Angestellte angehört, hielten am 24. und 25. Mai ihre Hauptversammlung in Dresden ab, zu der aus allen Teilen Deutschlands Vertreterinnen erschienen waren. In geschlossener Sitzung wurde außer inter­ner Angelegenheiten die Pensionsversicherungssrage be­handelt. Man einigte sich aus die folgende Entschließung: Die Stellungnahme des Entwurfes gegenüber den weib­lichen Privatangestellten ist eine unbefriedigende. Trotz­dem diese die gleichen Beiträge wie die Männer entrich­ten müssen, erhalten sie nicht gleichwertige Leistungen. Die ihnen gewährten Sonderentschädigungen sind kein genügender Ausgleich für die ihnen zu Gunsten der Wit­wenversorgung auserlegte höhere Belastung. Daher for­dern dieVerbündeten Vereine": nach dem Tode einer versicherten Person ist Hinterbliebenen-Rente zu zahlen 1. an den überlebenden erwerbsunfähigen Ehegatten, 2. an die hinterlassenen Kinder unter 18 Jahren, 3. falls Hinterbliebene zu 1. und 2. nicht vorhanden sind, an Eltern, wenn die versicherte Person deren Ernährer war. Ferner verlangen sie: 1. keine weitere Erhöhung der Beiträge, die der Entwurf vorsieht, 2. Erweiterung der Selbstverwaltung, 3. Wählbarkeit der Frauen zu allen Organen der Reichsversicherungsanstatt." Diese Ent­schließung wurde dem Vorstande überwiesen, um als Material für eine Eingabe zu dienen, die demnächst dem Reichstage zugestellt werden soll. Jnbezug aus das Fortbildungsschulgesetz schloß man sich der Eingabe der Verbündeten an, die fordert: Ausdehnung des staatl. Fortbildungsschulzwanges auf die kaufm. tätige weib­liche Jugend, Festlegung als Hauptzweck der Fortbil­dungsschule die sachgewerbliche Ausbildung, Ausschal­tung des Religionsunterrichts aus der Fortbildungs - schule. Die Verbündeten umfassen nach dem Jahres­bericht jetzt 48 Vereine mit über 17 000 Mitglieder.

Bad-Nauheim, 9. Juni. Der Erzpriester

I bei der russischen Gesandtschaft, Erz. v. M a l tz e w ist hier eingetroffen. Am Mittwoch zelebrierte er bei dein Festgottesidienste, der.zu Ehren des Geburtstages der Kaiserin von Rußland abgehalten wurde, die Messe.

* Aus dem Vogelsberg. In R e b g e s - Hain wurde der seitherige Bürgermeister Rausch, der schon 27 Jahre seines Amtes waltet, einsti m m i g wiedergewählt. Der 73jährige Bürgermeister ^Niko­laus Obenhack 1 in Hartershausen wurde zum drittenmal einstimmig wiedergewählt.

- sch- Erda, 9. Juni. Am 18. Juni wird hier ein M i s s i o n s s e st abgehalten. Die Festpredigt hätt Pfarrer D u ck h a u s-Essen-Ruhr. Bei der Festversamm­lung, die am Nachmittage stattfindet, werden Pfarrer Duckhaus, Missionar Vömel-China und Pfarrer Vömel- Rodheim Ansprachen halten.

- m- Limburg, 9. Juni. In E l z wird seit acht Tagen eine barmherzige Schwester aus der Kongrega­tion der Armen Dienstmägde Ehristi vermißt. Wie sich jetzt herausgestellt hat, war die Schwester in einem Schreiben an das Mutterhaus in Dernbach sittlicher Ver­fehlungen beschuldigt worden. Das Schreiben war un­terzeichnet mit dem Namen des Bürgermeister-Stellver­treters und dem eines Gemeindevertreters. Beide Her­ren wissen jedoch von dem Schreiben nichts. Man hat bisher den Schreiber noch nicht seststellen können. Man glaubt, daß die Schwester sich das Leben genommen hat.

- )(- Hartenrod, 9. Juni. Der Wunder­doktor Dikomeit, der im vorigen Jahr wegen sal­scher Behandlung zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt wor­den war, wird am 17. Juni aus dem Gefängnis ent­lassen. Zum Empfang des Wunderdoktors hat sich ein Komitee gebildet, das alle Vorarbeiten zu dem Em­pfang erledigt. Das Heilinstitut wird unter der Leitung eines praktischen Arztes sofort wieder eröffnet.

* Marburg, 9. Juni. Heute nehmen die all­jährlich dahier stattsindenden akademischen F e st s p i e l e ihren Anfang. Für die diesjährigen Auf­führungen sind Stücke von Lessing, Hebbel, Echegaray, Calderon de la Varca, Ibsen und Kotzebue vorgesehen.

* ) Marburg, 9. Juni. In Wehrda begin­gen die Interessenten des Gemeindewaldes am Pfingst­montag das alle sechs Jahre wiederkehrende Grenz- b e g a n g s f e st. Die Feier bestand im Abgehen der Gemarkungsgrenze mit anschließendem gemütlichen Zu­sammensein.

* Marburg, 9. Juni. Aus dem Gläubigerter­min, der in der Konkurssache des hiesigen Konsumver­eins stattfand, wurde mitgeteilt, daß die Ueberschuldung 19 827 Mark beträgt. Mit dem Einziehen der Hast - summe von 30 Mark von den rund 600 Mitgliedern soll jetzt begonnen werden.

* Frankfurt, 9. Juni. Am Mittwoch wurde bei einem aus der Gegend von Hannover im hiesigen Viehhos an der Rampe ausgeladenen Doppelwaggon mit Schweinen die Maul- und Klauenseuche sestgestèllt. In dem Waggon befanden sich etwa 80 Tiere, die so­fort abgeschlachtet wurden. Der Viehhos wurde für Schweine und Kälber gesperrt; für Großvieh gelten die Bestimmungen des Beobachtungsgebietes. Als verdäch­tig kamen noch etwa 500 Tiere in Betracht, die Mitt­woch und Donnerstag abgeschlachtet wurden.

-)(- Gelnhausen, 9. Juni. Ein Kommando des in Hanau garnisonierenden Eisenbahnregiments Nr. 3, bestehend aus 2 Offizieren, 6 Unteroffizieren mb 50 Monn, wurde nunmehr auch aus ergangenes Verlangen nach hier beordert, um auch dort bei den umsongrecchen Aufräumungsarbeiten in Gehöften und Fel­dern, die durch das vor kurzem dort niedergegangene wolkenbruchartige Unwetter notwendig geworden sind, mitzuhelsen. Vom Landrat ist bereits im Namen des Kreisausschusses ein Ausruf zu einer allgemeinen Sammlung für die Geschädigten erlassen worden. Be­troffen sind von dem Unwetter in unserem Kreise zwölf Gemeinden, außerdem noch einige Gemeinden des Krei­ses Büdingen.

* Entgegen den vielfach zirkulierenden Gerüchten, gibt die Firma Henkel u. Co., Düsseldorf, Fabrikanten des Wasch- und BleichmittelsP e r s i l" sowieH e n- f e l s B l e i ch s o d a" bekannt, daß durch das kürz­liche Großfeuer in Düsseldorf nicht sie, sondern eine an­dere Firma ähnlichen Namens betroffen wurde. Der ge­samte Betrieb der Firma Henkel u. Co. geht nach wie vor glatt vonstatten.