Hietzener IeiLitng
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sowie vieler anderer
des Großherzoglichen
Polizei-Amtes
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Expedition: Seltersweg 83
lHaus Brüder Schmidt.)
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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 133.
Telephon: Nr. 362.
Freitag, den 9. Juni 1911.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Die neue Rekbsverskberungsordnung.
Nachdem nunmehr die Reichsversicherungsresorm unter Dach und Fach gebracht worden ist, ersteht die Frage, wann sie wohl in Araft treten wird. Hierüber ist nämlich im Gesetz kein bestimmter Termin vorgesehen, vielmehr bleibt dies kaiserlicher Verordnung überlassen, sei es das ganze Gesetz oder einzelne Teile, die in Frage kommen; nur für die Hinterbliebenen ist die gesetzliche Bestimmung getroffen, daß sie mit dem 1. Januar nächsten Jahres zur Durchführung zu gelangen hat. Es liegt auf der Hand, daß eine so schwierige und umsangreiche Neuregelung nicht von heute auf morgen in Straft treten kann, denn es handelt sich hierbei zu einem großen
um eine völlige Umänderung der Versicherungsbe- Hürden, um die Schaffung der Versicherungsämter und höhere Instanzen, deren Einrichtung übrigens Sache der Landesregierung ist. Für all das sind umfangreiche Vorarbeiten zu treffen, insonderheit für Neuorganisationen des Krankenkassenwesens. Hierfür müssen überdies im kommenden Etat die erforderlichen Mittel eingestellt werden, zumal auch eine ganze Reihe neuer Beamten- stellen geschaffen werden soll. Dazu kommt noch eine Anzahl anderer Arbeiten, welche die Neuregelung der Dinge notwendig gemacht hat. So muß der Bundesrat für die in der Krankenversicherung nunmehr einzubeziehenden Kreise, insbesondere für die Hausgewerbetreibenden die allgemeinen Versicherungsbedingungen seststellen, und es liegt aus der Hand, daß hierbei noch eine ganze Reihe schwieriger Fragen der Lösung harrt da es sich hier um ein Gebiet handelt, auf dem man bisher noch kleine oder nur wenig sozialpolitische Erfahrungen gesammelt hat. Des weiteren bringt die Ver- slcherungsresorm für die Krankenkassen die Notwendigkeit der Schaffung eines neuen Normalstatutes, worauf all die zahlreichen Krankenkassen ihre bisherigen Satzungen abändern müssen. Hierzu ist nun aber wiederum die Genehmigung der Verwaltungsbehörde vorgeschrieben, der damit eine Fülle der Arbeit erwächst, die sie nicht so schnell wird bewältigen können. Wenn all die erwähnten Vorarbeiten getroffen und beendet sind, ist es möglich, die neuen Bestimmungen der Krankenkassen in Geltung treten zu lassen. Es ist daher wohl nicht zuviel gesagt, wenn man meint, daß ungefähr ein Jahr in das Land gehen wird, bis die neuen Bestimmungen in Kraft treten; das früheste wäre der erste April, wenn das neue Etatsjahr beginnt. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß man bis dahin fertig sein wird, und so spricht vieles dafür, daß man bis zum ersten Juli, wenn nicht gar ersten Oktober nächsten Jahres zu warten haben wird, bis die neue Reichsversicherungsordnung in Kraft tritt. Zu wünschen wäre, daß man für alle Zweige den Termin einheitlich festsetzt, auch für die noch ausstehende Versicherung der Privatangestellten.
Hus Stadt und Land.
Gießen, den 9. Juni.
Zur Ankunft des Großherzogpaares.
Die Stadt prangt zu Ehren der erlauchten Gäste im reichen Flaggenschmuck. Noch liegt der schlichte Bau am Brandplatz in vornehmer Ruhe da; aber in wenigen Stunden wird sich,'hier ein reges Leben und Treiben entfalten.
Die hohen Herrschaften treffen voraussichtlich zwischen 3 und 4 Uhr im Automobil von Darmstadt hier ein. In Friedberg, wo die baulichen Veränderungen des Schlosses besichtigt wurden, wurde längere Zeit Rast gemacht. Ein offizieller Empfang des Großherzogpaares findet nicht statt.
Es ist ein ganz besonderer Grund, der das Großherzogspaar diesmal zu einem längeren Aufenthalte nach hier führt: die praktische soziale Fürsorge für arme Lungenkranke, wahrlich ein edles Dokument von der hohen Auffassung des Fürstenberufes.
Mögen die Gaben reichlich fließen! Dem Groh- Herzogspaare aber rufen wir ein herzliches Willkommen in Gießen zu!
* Nachdem kürzlich die theologische Fakultät sich in' einer Eingabe an den Großherzog gegen die Vorwürfe der Kirchlich-positiven Vereinigung in Hessen gewehrt hat, ergreift jetzt diese abermals das Wott um die Fakultät zurück zu weisen. Sie veröffentlicht nämlich in Nr. 23 ihres „K o r r e s p o n d e n z b I a t- t e s" einen sehr ausführlich gehaltenen Offenen Brief an die hochwürdige „Theologische Fakultät in Gießen , in dem sie zu deren Eingabe Stellung nimmt.
* Uebertragen wurde am 1. Juni dem Schul- amtsaspiranten Heinrich Kraushaar aus Rödgen, Kreis Gießen, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Trais-Horloff.
* Unkündbar angestellt wurde der Bahnmeister Konrad Rahn zu Nidda.
Die k i r ch^l i ch - p o s i t i v e Vereinigung gedenkt am 15. Juni in der Herberge eine Versamm- lung abzuhalten, auf der Pfarrer A u s s e l d einen Vortrag über Religionsunterricht halten wird.
* Der Senat der freien Stadt Lübeck hat verfügt, daß die erste juristische Prüfung auch vorder Prüfungskommission bei der L a n d e s Universität in Gießen abgelegt werden kann. Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung ist an den Lübeckischen Senat zu richten.
* Das Museum im alten Schloß ist während der Anwesenheit des. Großherzogs und der Großherzogin geschlossen.
* Regatta. Die Meldungen zu der Sonntag 11. Juni, hier stattsindenden 16. Regatta verteilen sich aus die einzelnen Rennen (die Reihenfolge entspricht der Startnummer) wie folgt: 1. B e g r ü ß u n g s v i e - rer: Gießener „Hassia", Kasteler „Germania", Mainzer „Fortuna", Offenbacher „Germania", Frankfurter „Borussia". — 2. Junior-Einer: Frankfurter „Alemannia" (K. Gugler), Gießener „Hassia" (F. Schüßler). — 3. Anfänger-Vierer: Mainzer Klub 1903, Frankfurter „Amicitia", Gießener „Hassia", Kasteler „Germania". — Preis der Stadt Gießen (Vierer): Frankfurter „Amicitia", IGiehener „Hassia", Frankfurter „Borussia". — 5. Junior-Vierer: Limburger R.-K. 1907, Mainzer Kl. 1903, Gießener „Hassia". — 6. Verbandspreis (Vierer): Gießener „Hassia", Offenbacher „Germania", Frankfurter „Amicitia", Mainzer „Fortuna". — 7. Lahnpokal (Einer): Frankfurter „Alemannia" (K. Gugler), Gießener „Hassia" (K. Jödt), Frankfurter „Amicitia" (E. Bech- tols). — 8. Dritte Vierer: Gießener „Hassia" 2 Boote. — 9. Ermunterungsvierer: Limburger R.-Kl. 1907, Mainzer Kl. 1903, Gießener „Hassia". — Prinz Heinrich-Preis (Erster Achter): Gießener „Hassia", Frankfurter „Amicitia", Offenbacher „Germania". Für 1, 3, 6, 7 und 10 sind von vormittags 8 Uhr ab Vorrennen.
* Prinz Heinrich-Fahrt. Der Start zur diesjährigen Prinz Heinrich-Fahrt, die — wie wir bereits mitteilten — auch durch Hen Kreis Wetzlar führt, ist nunmehr definitiv auf den 5. Juli, morgens 7 Uhr, festgesetzt. Die Abfahrt erfolgt von der Kaiser Friedrich-Promenade in Homburg.
* Die Verbündeten kaufmännischen Vereine für weibliche A n g e st e l l 1 e, Sitz Frankfurt a. M., denen auch der hiesige kaufm. Verein für weibl. Angestellte angehört, hielten am 24. und 25. Mai ihre Hauptversammlung in Dresden ab, zu der aus allen Teilen Deutschlands Vertreterinnen erschienen waren. In geschlossener Sitzung wurde außer interner Angelegenheiten die Pensionsversicherungssrage behandelt. Man einigte sich aus die folgende Entschließung: „Die Stellungnahme des Entwurfes gegenüber den weiblichen Privatangestellten ist eine unbefriedigende. Trotzdem diese die gleichen Beiträge wie die Männer entrichten müssen, erhalten sie nicht gleichwertige Leistungen. Die ihnen gewährten Sonderentschädigungen sind kein genügender Ausgleich für die ihnen zu Gunsten der Witwenversorgung auserlegte höhere Belastung. Daher fordern die „Verbündeten Vereine": nach dem Tode einer versicherten Person ist Hinterbliebenen-Rente zu zahlen 1. an den überlebenden erwerbsunfähigen Ehegatten, 2. an die hinterlassenen Kinder unter 18 Jahren, 3. falls Hinterbliebene zu 1. und 2. nicht vorhanden sind, an Eltern, wenn die versicherte Person deren Ernährer war. Ferner verlangen sie: 1. keine weitere Erhöhung der Beiträge, die der Entwurf vorsieht, 2. Erweiterung der Selbstverwaltung, 3. Wählbarkeit der Frauen zu allen Organen der Reichsversicherungsanstatt." Diese Entschließung wurde dem Vorstande überwiesen, um als Material für eine Eingabe zu dienen, die demnächst dem Reichstage zugestellt werden soll. — Jnbezug aus das Fortbildungsschulgesetz schloß man sich der Eingabe der Verbündeten an, die fordert: Ausdehnung des staatl. Fortbildungsschulzwanges auf die kaufm. tätige weibliche Jugend, Festlegung als Hauptzweck der Fortbildungsschule die sachgewerbliche Ausbildung, Ausschaltung des Religionsunterrichts aus der Fortbildungs - schule. — Die Verbündeten umfassen nach dem Jahresbericht jetzt 48 Vereine mit über 17 000 Mitglieder.
♦ Bad-Nauheim, 9. Juni. Der Erzpriester
I bei der russischen Gesandtschaft, Erz. v. M a l tz e w ist hier eingetroffen. Am Mittwoch zelebrierte er bei dein Festgottesidienste, der.zu Ehren des Geburtstages der Kaiserin von Rußland abgehalten wurde, die Messe.
* Aus dem Vogelsberg. In R e b g e s - Hain wurde der seitherige Bürgermeister Rausch, der schon 27 Jahre seines Amtes waltet, einsti m m i g wiedergewählt. — Der 73jährige Bürgermeister ^Nikolaus Obenhack 1 in Hartershausen wurde zum drittenmal einstimmig wiedergewählt.
- sch- Erda, 9. Juni. Am 18. Juni wird hier ein M i s s i o n s s e st abgehalten. Die Festpredigt hätt Pfarrer D u ck h a u s-Essen-Ruhr. Bei der Festversammlung, die am Nachmittage stattfindet, werden Pfarrer Duckhaus, Missionar Vömel-China und Pfarrer Vömel- Rodheim Ansprachen halten.
- m- Limburg, 9. Juni. In E l z wird seit acht Tagen eine barmherzige Schwester aus der Kongregation der Armen Dienstmägde Ehristi vermißt. Wie sich jetzt herausgestellt hat, war die Schwester in einem Schreiben an das Mutterhaus in Dernbach sittlicher Verfehlungen beschuldigt worden. Das Schreiben war unterzeichnet mit dem Namen des Bürgermeister-Stellvertreters und dem eines Gemeindevertreters. Beide Herren wissen jedoch von dem Schreiben nichts. Man hat bisher den Schreiber noch nicht seststellen können. Man glaubt, daß die Schwester sich das Leben genommen hat.
- )(- Hartenrod, 9. Juni. Der Wunderdoktor Dikomeit, der im vorigen Jahr wegen salscher Behandlung zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt worden war, wird am 17. Juni aus dem Gefängnis entlassen. Zum Empfang des Wunderdoktors hat sich ein Komitee gebildet, das alle Vorarbeiten zu dem Empfang erledigt. Das Heilinstitut wird unter der Leitung eines praktischen Arztes sofort wieder eröffnet.
* Marburg, 9. Juni. Heute nehmen die alljährlich dahier stattsindenden akademischen F e st s p i e l e ihren Anfang. Für die diesjährigen Aufführungen sind Stücke von Lessing, Hebbel, Echegaray, Calderon de la Varca, Ibsen und Kotzebue vorgesehen.
* ) Marburg, 9. Juni. In Wehrda begingen die Interessenten des Gemeindewaldes am Pfingstmontag das alle sechs Jahre wiederkehrende Grenz- b e g a n g s f e st. Die Feier bestand im Abgehen der Gemarkungsgrenze mit anschließendem gemütlichen Zusammensein.
* Marburg, 9. Juni. Aus dem Gläubigertermin, der in der Konkurssache des hiesigen Konsumvereins stattfand, wurde mitgeteilt, daß die Ueberschuldung 19 827 Mark beträgt. Mit dem Einziehen der Hast - summe von 30 Mark von den rund 600 Mitgliedern soll jetzt begonnen werden.
* Frankfurt, 9. Juni. Am Mittwoch wurde bei einem aus der Gegend von Hannover im hiesigen Viehhos an der Rampe ausgeladenen Doppelwaggon mit Schweinen die Maul- und Klauenseuche sestgestèllt. In dem Waggon befanden sich etwa 80 Tiere, die sofort abgeschlachtet wurden. Der Viehhos wurde für Schweine und Kälber gesperrt; für Großvieh gelten die Bestimmungen des Beobachtungsgebietes. Als verdächtig kamen noch etwa 500 Tiere in Betracht, die Mittwoch und Donnerstag abgeschlachtet wurden.
-)(- Gelnhausen, 9. Juni. Ein Kommando des in Hanau garnisonierenden Eisenbahnregiments Nr. 3, bestehend aus 2 Offizieren, 6 Unteroffizieren mb 50 Monn, wurde nunmehr auch aus ergangenes Verlangen nach hier beordert, um auch dort bei den umsongrecchen Aufräumungsarbeiten in Gehöften und Feldern, die durch das vor kurzem dort niedergegangene wolkenbruchartige Unwetter notwendig geworden sind, mitzuhelsen. Vom Landrat ist bereits im Namen des Kreisausschusses ein Ausruf zu einer allgemeinen Sammlung für die Geschädigten erlassen worden. Betroffen sind von dem Unwetter in unserem Kreise zwölf Gemeinden, außerdem noch einige Gemeinden des Kreises Büdingen.
* Entgegen den vielfach zirkulierenden Gerüchten, gibt die Firma Henkel u. Co., Düsseldorf, Fabrikanten des Wasch- und Bleichmittels „P e r s i l" sowie „H e n- f e l s B l e i ch s o d a" bekannt, daß durch das kürzliche Großfeuer in Düsseldorf nicht sie, sondern eine andere Firma ähnlichen Namens betroffen wurde. Der gesamte Betrieb der Firma Henkel u. Co. geht nach wie vor glatt vonstatten.