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Gießener Weitung

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Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Dürgermeistereil

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen sPolizei-Amtes W Behörden Gberheffens

Expedition: Zeltersweg 85.

(Haus Brüder Schmidt.)

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bic 44 mm breite In seratenzei le. - Stellen- Gesuche und Familie nanzeigen 10 Pfg. Die 90 inm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deüZahlungS- zicles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in WegsaU. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

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Nr. 108.

Telephon: Nr. 362.

Dienstag, den 9. Mai 1911.

Telephon: Nr. 362.

23- Jahrg.

Dtmfcb-fcbwedifcber Randtlsverirag.

Der Handelsvertrag zwischen Deutschland und Schwe­den, der eigentlich schon in neuerer Gestalt am 1. 3a= nuar hätte in Straft treten müssen, ist nunmehr kürzlich vom Staatssekretär Kiderlen-Wächter und dem schwedi- schell Gesandten Taub in Berlin unterzeichnet worden, worauf seine Veröffentlichung erfolgt ist. Gewiß hat auch der Reichstag noch zu sprechen. Seine Befugnisse sind aber bei den Abschlüssen derartiger Verträge sehr er ^un nur ja oder nein sagen. Irgendwelche Aenderungen der einzelnen Bestimmungen können nicht mehr vorgenommen werden. Diese Bedingung hat sich schon mehr als einmal als eine recht nachteilige ermic= fen, zuletzt in hohem Maße beim Abschluß des Han­delsvertrages mit Portugal, der beinahe infolge des ge­ringen Eiitgegenkommens, das von seilen des anderen Kontrahenten gezeigt worden war, gescheitert wäre wenn man nicht im Reichstage schließlich um wenigstens etwas zu haben, ja und Amen gesagt hätte. Daß der neueste Handelsvertrag viel Freude erweckt hätte wird man füglich gleichfalls nicht behaupten sönnen benn feine Vorteile scheinen auch mehr auf Seiten Schwedens zu liegen, während Deutschland, spez. de sen Industrie, gegenüber dem bisherigen Zustande feine âlastung erfährt. Es läßt sich nicht leugnen, daß Schweden in der ganzen Art und Weise seines Vor­gehens bem Beispiele Deutschlands gefolgt ist. Man hat einen autonomen Zolltarif aufgestellt mit hohen- Öcn und sich dann aufs Markten unb Feilschen mit den fremden Mächten verlegt, die etwas abhandeln wollen Ebenso wie seinerzeit Deutschland, hat auch Schweden auf die einzuführenden Waren in weitem Umfange einen erhöhten Zoll gelegt. Ein derartiger autonomer Taris ist im übrigen bei der Führung der Verhandlungen eine sehr wirksame Waffe, da, wenn es zu keinem Vertrage käme, andere Staaten zu niedrigeren Zollsätzen einfüh- reii könnten, während für Deutschlands Waren die dop­pelten Zölle zu entrichten wären. Im übrigen läßt sich nicht leugnen, daß für Deutschland noch einige wert­volle Konzessionen erreicht worden sind. Dies gilt in Sonderheit für die zollfreie Ausfuhr der schwedischen Erze, die für die deutsche Industrie von größerer Be- beutung sind. Auch die mehrfach erörterte Zollfreiheit der Pflastersteine ist keine so unannehmbare Bedingung, auch die zollfreie Einfuhr von Milch und Sahne wird vielfach erwünscht sein, wenngleich landwirtschastl. Kreise hiervon weniger erbaut sein würden. Andererseits aber sind für eine ganze Reihe von Erzeugnissen der deut­schen Industrie ganz beträchtliche Zollerhöhungen fest­gelegt worden, deren Durchführung weiter beteiligte Kreise mit schweren Besorgnissen entgegensehen, weil man verschiedentlich fürchtet, den schwedischen Absatz - markt fast gänzlich zu verlieren, dies um so mehr, als die schwedische Industrie dank treuer Fürsorge der dor­tigen Regierung beträchtlich erstarkt und infolge der nied­rigen Arbeiterlöhne durch die Benutzung der natürlichen Kräfte unter viel leichteren Bedingungen konkurrieren kann. Für verschiedene Zweige der Industrie steht da­her eine schwere Zeit bevor, und es wäre dringend zu hoffen, daß es ihnen gelingen möge, diese glücklich ohne nachhaltige Krisis zu überwinden.

bejedstagrwadlvorbrreitungen.

Nationalliberale Sonderkandi- da 1 u r. Die nationalliberalen Vertrauensmänner des 1. oldenburgischen Wahlkreises stellten unge­achtet der Abmachung der beiden liberalen Zentrallei­tungen einstimmig den Regierungsassessor Dr. Stöver als Reichstagskandidaten auf.

Hus Stadt und Cand.

Dieben, den 9. Mai 1911.

* Konzessiv nspflicht. Bisher war im Großherzogtum Hessen der Ausschank an Minieralwas- ser, Limonade, Milch und dergleichen von der Konzes­sionspflicht befreit. Soeben hat "nun das Ministerium eine Verordnung erlassen, wonach auch der Ausschank von nicht geistigen Getränken der Konzessionspslicht ähnlich wie Gast- und Schankwirtschaft unterliegt.

* Vogelschutz. Zur Erreichung eines wirk- lameren Vogelschutzes hat der Starkenburger Geflügel - Züchterverband an die ihm angeschlossenen 55 Vereine das Ersuchen gerichtet, die Bestrebungen zum Schutze der Vögel mit zu unterstützen und mit den Gemeinde-

I Verwaltungen und Forstbehörden zu einem gemeinsamen | und Landwirte, töricht ist. Mit der Taauna wurde eine Vorgehen ins Einvernehmen zu setzen. interessante Antialkohol Ausstelluna eröffnet die 8 Tan.

* Warnung für Auswanderer. Man schreibt uns: Es ist kein Zweifel, daß das Riesenland Brasilien, besonders im Süden, weite Strecken vorzüg­lichen Kolonistenlandes bietet. Je weiter wir aber nach Norden kommen, um so ungeeigneter wird das Land für diese Zwecke. Das gilt nicht nur von den tropischen Nordstaaten, sondern wesentlich auch schon von dem Staat Minas Geraes, dem Hinterland von Rio de Janeiro. Die Regierung dieses Staates ist mit vollem Recht be­müht, die Bevölkerung durch Anlegen von Kolonien zu vermehren, leider aber hat sie bisher schon ziemlich viele Mißerfolge gehabt. Allen Auswanderungsluftigen, die nach Minas gehen wollen, fei daher dringend zur Vor­sicht geraten. Man ziehe vorher genaue und zuverlässige Erkundigungen ein, und zwar nicht bei geschäftsmäßigen Agenten, sondern bei dem Evangelischen Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswanderer in Witzenhau­sen a. b. Werra, der jedem Deutschen unentgeltlich zu Diensten steht.

Der Deutsche Verband Kaufmän­nischer Vereine, der in 85 angeschlossenen Ver­einen 86 966 Mitglieder umfaßt, lädt in diesem Jahre zu seiner Verbandslagung (am 27.-29. Mai 1911) nach Wiesbaden ein. Die umfangreiche Tagesordnung umfaßt neben Fragen der inneren Organisation, Re­ferate über die freien Hilsskassen, (Erholungsheime für Kaufleute, die staatliche penfionsoerfichcrung der Pri= vatangestellten und Vorschläge zur Regelung der Frauen­arbeit im Handelsgewerbe. Als Redner sind die Herren Vesper-Barmen, Glücklich-Wiesbaden, Fischer-Offenb«ch und Baum-Fra,ckfurt a. M. vorgesehen. Der Jah­resbericht des Verbandes, dem auch der hiesige Kauf­männische Verein angehört, hebt eine erfreuliche Bele­bung innerhalb der Gesamt-Organisation hervor und be­tont, bajV bie Verbandsleitung zu den Fragen der Reichsversicherungsordnung, der Konkurrenzklausel, staat­lichen Pensionsversicherung und zum Stellenvermittler- gesetz wiederholt in Eingaben und persönlichen Vor­sprachen bei den Regierungen Stellung - genommen hat. Im Hauptausschuß für staatl. Pensionsversicherung, im Direktorium des Hansabundes, der Gesellschaft für soz. Reforni und im Ausschuß für kaufmännische Erholungs­heime ist der Verband durch mehrere Herren vertreten. Den Vorsitz des Verbandes führt Carl Ludwig Schä­fer, Frankfurt a. M.

* Lich, 3. Mai. Gastwirt Albach und Frau be­gingen gestern das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Eheleute erfreuen sich noch einer für ihr Alter außer­ordentlichen Gesundheit. Am Dienstag und Mittwoch haben die Aufnahmeprüfungen an der hiesigen Präpa- randenschule stattgefunden.

* Bad-Nauheim, 8. Mai. Hier trafen in­dische Fürstlichkeiten mit Gefolge in einem Salonwagen von Paris zum Kurgebrauch ein.

* Lauterbach, 8. Mai. Am Sonntag mor­gen entstand in dem Dampfsägewerk von Krömmelbein, der Rimlos-Mühle, Feuer, das in den vorhandenen Holz- und Sägespänen reichliche Nahrung fand. Das Bemühen der Feuerwehr und der Einwohnerschaft ge­lang es nach mühevoller Arbeit, das wertvolle Holz - lager zu retten. Der Schaden dürfte sich mit Gebäuden, Maschinen und verbranntem Holz auf 100 000 Mark belasten. Holz und Maschinen waren nicht versichert.

* D a r m st a d t, 9. Mai. Die h e s s i s ch e 2. Kammer tritt Dienstag, den 16. Mai, zu einer kur­zen Tagung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen eine Reihe Petitionen und Anträge sowie die Regie­rungsvorlage über den Bau einer Brikettfabrik nebst elektrischer Zentrale aus dem staatlichen Braunkohlen - Bergwerk Ludwigshoffnung.

= )(= D a r m st a d t, 4. Mai. Die Tagung des Hes­sischen Gauverbandes gegen den Alkoholismus war aus ganz Hessen gut besucht. Der Geschäftsführer, Pfarr­assistent Grein (Bretzenheim) berichtete über die reiche Arbeit des vergangenen Jahres, über die stark fort - schreitende Enthaltsamkeitsbewegung. In einer Reihe von Anträgen wurden Richtlinien aufgestellt für wei­tere Aufklärung und für intensiveren Kampf gegen den Alkoholismus/ In öffentlicher Versammlung behandelte Walter v. Gizycki, Geschäftsführer der Heimstä11en-Ko- lonie Eßlingen (Obstverwertungsstelle) in einem Vor­trag die aktuelle Frage:Weinbau, Landwirtschaft und Alkoholfrage". Durch diese Veranstaltung, zu der alle Obstbauvereine und Bürgermeistereien eingeladen waren, sollte der Nachweis erbracht werden, daß das Gerede, die Nüchternheitsbewegung sei der Feind der Winzer

interessante Antialkohol Ausstellung eröffnet, die 8 Taae dauern soll. ' b

Darmstadt, 8. Mai. Die Hess. L a n dw. Gen o ssett schasts bank hielt heute ihre 27. or- bentt«^ Hauptversammlung ab, zu der ungefähr 300 Aktionäre aus allen Teilen des Großherzogtums erschie­nen waren. Der Reingewinn von 153 103 Mark wurde mit 100 000 Mark zu 4 Prozent Dividende an bic W überwiesen, 50 000 Mk. gehen zur Reserve über, 3103 Mark bleiben Gewinnvortrag. Die Ausschuß- und Aufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt.

* Frankfurt a. M. Als Nachfolger des bis­herigen Polizeipräsidenten Scherenberg ist der Ober- Negierungsrat Ries von Scheurenschloß in Kassel in Aussicht genommen. Oberregierungsrat Ries v. Scheu­renschloß war früher Landrat des Kreises Hofgeismar.

* Frankfurt, 9. Mai. Das Friedenszimmer im Hotel Schwan, in dem vor 40 Jahren am 10. Mai ber Friede nach dem großen Kriege geschlossen wurde, wird am Tage der Friedensfeier füt jedermann von vormittags 10 Uhr an kostenfrei geöffnet sein. Die Di- rektion des Hotels hat dafür Sorge getragen, daß der historische Raum eine der Bedeutung' des Tages wür­dige Ausschmückung erfährt. Die Kriegervereine werden ihre Fahnen den ganzen Tag über dort zur Ausstellung bringen. Für die Besucher des Friedenszimmers ist hier außerdem eine besondere Gedenkpostkarle erhältlich, die nur in der beschränkten Zahl von 500 Stück zur Aus­gabe gelangt, fortlaufende Nummern trägt unb im Naume selbst abgestempelt wird. Ueber 100 Eremplare dieser Karte sind schon heute von Sammlern, die sich dieses wertvolle Erinnerungsdokumeilt nicht entgehen lassen wollen, im voraus fest bestellt. Der Mindestver­kaufspreis dieser Karte ist auf 1 Mark festgesetzt.

* Marburg, 7. Mai. Bei der gestrigen Ge­genüberstellung des wegen Raubanfalls verhafteten K. Schröder mit dem überfallenen Mauß erkannte dieser in Schröder den Täter wieder.

Weilburg. Dem Simmentaler Züchterverein für den Oberlahnkreis wurde vom Landwirtschaftsmi­nister eine Staatsbeihilfe von 14 000 Mk. zu den Ko­sten für Errichtung einer Jungviehweide zu Hof Treis- furt bewilligt und außerdem ein weiterer Beitrag für die Beschaffung von Wasser und Anlage von Vieh - tränken in Aussicht gestellt. Die Eröffnung der Weide zu Treisfurt fand gestern statt, die auf dem Windhos wird heute eröffnet. Es sind zirka 100 Rinder ange­meldet.

* Wiesbaden. Mit einer Riesen-Illumination, bei welcher nicht weniger als 30 000 Jlluminationskör- per zur Aufstellung gelangten, eröffnete die Kurverwal­tung ihre großen Garten-Veranstaltungen. Im Kurgar­ten fand ein Militärkonzert von sechs Kapellen statt'.

* Der Zentralvorstand des Gewerbe­vereins für Nassau hat in seiner letzten Vor­standssitzung beschlossen, daß, soweit sich ein Bedürfnis dafür ergibt, nach Möglichkeit an den gewerblichen Fort­bildungsschulen Lehrer im Hauptamt angestellt wer­den. Besonders soll daraus hingewirkt werden, daß zum 1. April nächsten Jahres schon derartige Anstellun­gen in Höchst, Griesheim, Homburg, Limburg u. Bieb­rich erfolgen. Erhebliche Mehrkosten erwachsen daraus den Gemeinden für den Anfang nicht, da diese, der Staat und der Zentralverein sich in die Kosten teilen.

Mainz. In der Holzindustrie ist zwischen den Vorständen des Möbelfabrikanten- und Schreinermeister­verbandes und den Vertrauensleuten der vereinigten Holzarbeiter ein auf 4 Jahre lautender Vertrag ange­nommen. Die Arbeiter erhalten eine Lohnerhöhung von 6 Pfg., die sich auf die vier Jahre verteilt, die Ver­kürzung der Arbeitszeit um eine Stunde an Samstagen tritt mit nächstem Jahre in Kraft, außerdem wird eine Schlichtungskommission eingesetzt.

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