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Hietzener JeiLrtng

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oierleljährlich 1,20 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags, LamStags. Redaktion: SelterSweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag der(Siebener Zeitung" G. m. b. H.

Enthält alle amtt. Bekanntmachungen der Großherzoglichen ISS des Größtmöglichen Dür germeiftereiML« P ^ tizei - Amtes sowie vieler anderer ^^M Behörden Gberhessens Expedition: Selters weg 8S.

lHauS Brüder Schmidt.)

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die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen, gesucht und Familien an zeigen 10 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im R e k l a m e 1 e i l 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grstze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deSZahlungS- zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Playvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Verlag der ,,Gicgcncr Zeitung" 0k m. b. H.

Nr 18L

Telephon: Nr. 362.

Dienstag, Den 8. August 1911.

Telephon: 9tr. 362.

23. Jahrg.

Die marokkoUerbandlungtn.

Augenblicklich macht durch die deutschen Blätter wie­der eine Mitteilung der englischen und französischen Presse die Runde, wonach der Inhalt der grund­sätzlichen Einigung sich dahin zusammenfassen läßt, daß Deutschland und Frankreich, soweit es über­haupt noch möglich ist, zu dem deutsch-französischen Ab­kommen von 1909 zurückkehren, und daß Deutschland für die durch Frankreich herbeigesührte Unmöglichkeit, das Abkommen in vollem Umfange wieder herzustellen, eine Gebietsentschädigung außerhalb Marokkos erhält. Frank­reich bekommt in Marokko politisch freie Hand- Deutsch­land bekommt ein Stück von Französisch-Kongo und ohne Anschluß an den belgischen Kongostaat; daneben behält Deutschland die wirtschaftliche Gleichberechtigung in Marokko gemäß dem Abkommen von 1909, und es sollen Garantien geschaffen werden für die wirtschaftliche Freiheit und Parität.

Herzerhebend ist diese Mitteilung nicht. Das Stück Tropenland hinter Kamerun wollen wir nicht gerade ein Dankesgeschenk nennen; aber es sieht doch einem Rumpelkammergeschenk etwas ähnlich. Wert­voll wären die Garantien für die Freiheit und die Gleichberechtigung des deutschen Handels und Unter­nehmungsgeistes in Marokko, wenn es nur wirksame Garanten wären. Aber das ist ja gerade das heillos schwierige Problem, den Schikanen der französischen Machthaber und ihre marokkanischen Kreaturen gegen deutsche Waren und deutsche Unternehmungen einen Rie­gel vorzuschieben. Wenn Herr v. Kiderlen-Wächter und die beteiligten Reichsressorts diese Frage in praktisch und dauernd befriedigter Weise löst, so wollen wir den Scharfsinn hoch preisen. Aber erst schön nachprüsen! Bis dahin werden wir den Zweifel nicht los, ob sich ein wirtschaftliches Verhältnis zwischen Katze und Hund in Marokko schaffen läßt.

So lange wir uns mit diesenAussichten" begnü­gen müssen, bleibt natürlich die Stimmung matt und das geduldige Abwarten" ungemütlich. Die Regierung darf sich nicht verhehlen, daß die Enttäuschung über einen mageren Vergleich um so größer sein wird, je länger die Geduldsprobe dauert und je mehr Aergernisse die ausländischen und inländischen Eiferer und Hetzer noch anzustiften vermögen. Darum ist in der Tat die Bitte berechtigt: Nun laßt genug sein des langwierigen Spie­les, bringt die Verhandlungen zum schnellen Ab­schluß, mag es biegen oder brechen! Sonst bringen uns die Begleiterscheinungen der andauernden Unsicher­heit mehr Schaden, als durch die voraussichtlichen Kom­pensationen ausgeglichen werden kann.

Aus Stadl und Cand.

Giehen, den 8. August 1911.

* Der Hassiabezirk Gießen hielt am ver­gangenen Sonntag im Lenz'schen Felsenkeller seinen Bezirkstag ab, der stark besucht war. Neu ausgenommen wurde der Verein der 116er in Gießen. Nach dem Be­richt des Bezirksvorstehers wurde einstimmig beschlossen, dem verunglückten Kamerad Hamann in Biebesheim eine größere Summe aus den Bezirksbeiträgen zu spenden. Dazu wurde noch eine Sammlung veranstaltet, sodaß 135 Mark zusammengebracht wurden. Der Antrag des Vereins Klein-Linden, die Bezirksvereine möchten tun­lichst die Kriegsveteranen durch Erlassung der Vereins­beiträge und Errichtung von Ehrentafeln ehren, wurde dem Verein empfohlen. Das Bezirksfest für 1912 er­hielt Allendorf a. d. L.

* DerLand-Kalender für das G r o h- herzogtum Hesse n", Ausgabe 1912, ist soeben im Gr. Staatsverlag zu Darmstadt erschienen und durch die in allen Städten und Gemeinden des Großherzog- tums befindlichen Verkaufsstellen zum Preise von 25 Pfennig zu beziehen. DieserLand-Kalender" ist einer der ältesten, wenn nicht überhaupt der älteste acker in Deutschland erscheinenden Kalender, denn er steht jetzt im 202. Jahrgang. Außer dem amtlichen Kalendarium für 1912 und dem amtlichen Verzeichnis aller im ^obre 1912 stattfindenden Messen und Märkte bringt der Land-Kalender" noch zahlreiche jedermann nützliche Mit- teilungen, Ratschläge und Tabellen, sowie erstklassige Oriqinalaussätzè unterhaltenden und belehrenden In­halts. Als Kunstbeilagen erscheinen diesmal em bisher noch ganz unbekanntes, reizendes EruppenbüdDie Großherzoglichen Herrschaften und ihre hohen Anver­wandten aus Schloß Wolfsgarten tm Sommer 1910 ,

und serner ein großes doppelseitiges KunstblattRhein- I Ansicht von Mainz".

' Eine Hitzperiode von so langer Dauer wie die jetzige, die am 18. Juli eingesetzt hat, ist noch selten verzeichnet worden. Seit diesem Datum waren sämtliche Tage sogenannte S o m m e r 1 a g e, d. h. die Temperatur erreichte mindestens 25 Grad Celsius im Schatten. Ferner lieferte der 21. Juli bis 3. August einschließlich eine ununterbrochene Reihe von sogenann­ten Hitz- oder Gluttagen, d. h. solchen, an denen ein Stand von 30 Grad erreicht wurde. Am 6. August wurde der 32. Sommertag gezählt, so daß zur Erreich ung des langjährigen Durchschnitts von 43 jetzt noc 11 fehlen. Wie außerordentlich kühl die Sommer des Jahrzehnts 19011910 meist waren, geht aus der Tatsache hervor, daß nur 1904 und 1905 die Zahl der Sommertage den Durchschnitt überstieg, während der Ausfall in den kühlen Jahren 19071910 12, 10, 23 bezw. 22 betrug.

* M i t eigener Lebensgefahr rettete der Geschäftsdiener Arthur Pitz am Samstag vormittag den 10jährigen Karl Wagner im städtischen Freibade an der Lahn vom Tode des Ertrinkens.

* Alkoholfreier Wein beim Abend­mahl. In Hessen ist kürzlich zum ersten Mal mit ausdrücklicher Genehmigung des Großherzoglichen Ober- konsistoriums bei einer Abendmahlsfeier alkoholfreier Wein verwendet worden. Es geschah dies bei einem Abendmahlsgottesdienst in Haus Burgwald bei Nie- derramstadt, der hessischen Heilstätte für männliche Alko­holkranke.

-t- Bettenhausen, 8. Aug. Die Maul- und Klauenseuche breitet sich hier immer mehr aus. Bis heute sind zirka 30 Gehöfte verseucht; vier Tiere sind an einem Tage gefallen.

-g- Butzbach, 6. Aug. Einem Hitzschlag erlag ein Infanterist des Regiments 168.

-u- Friedberg, 8. Aug. Gegenüber den immer wieder auftauchenden Gerüchten von einem bevorstehen­den Kuraufenthalt des russischen Kaiserpaares in Fried­berg und Bad-Nauheim wird nach Informationen des Frankfurter Polizeipräsidiums mit aller Bestimmtheit versichert, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren, und daß der Besuch in Friedberg und in Bad-Nauheim für dieses Jahr aufgegeben ist.

* Alsfeld, 8. Aug. Das seltsame Schauspiel einer Zebrajagd hatten versliossene Woche die Bewohner unserer Stadt mid Umgebung. Das Zebra des Blu- menfeld'schen Zirkus ging beim Verladen durch. Es entstand eine mehrstündige Jagd. Das flinke Tier konnte sich wiederholt seinen Verfolgern, die zu Pferde waren, entziehen. Mit Lassos wurde es schließlich eingefangen.

-u- Lauterbach, 8. Aug. Ein Einwohner in Lanzenhain hatte in seinem Stall einen Stier, der eines Tages nicht mehr fressen wollte. Ein Nachbar gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß der Stier jedenfalls in etwa 3 bis 4 Wochen schon wieder seine gewöhn - lichen Tagesrationen vertilgen würde, er habe einen gleichen Fall schon früher beobachtet. Nach 3 Wochen zeigte das Tier wieder verstärkten Appetit. Bei dem Besitzer begann sich aber schwarzer Argwohn gegen den Nachbar zu regen. Er glaubte nämlich, der letztere könneHeren", denn wie könnte dieser sonst die Dauer des Krankseins des Stieres vorhersagen? Er häufte eine Flut von Schmähungen auf das Haupt des ahn­ungslosen Nachbarn und beschuldigte ihn offen der Hererei. Und das Ende der verherten Geschichte ist bit­tere Feindschaft an Stelle des früheren sreundnachbar- lichen Verkehrs.

- o- Schotten, 8. Aug. Während des abgelaufe- nen Ferienmonats Juli war das nahe gelegene Lehrer­heim Vogelsberg nicht nur vollständig besetzt, sondern es konnten sogar eine ganze Reihe von Anmeldungen keine Berücksichtigung finden. Von den Erholuugssuchenden weilte eine ganze Anzahl zum wiederholten Male auf dem Heim, ein Beweis, daß der Aufenthalt allen be­rechtigten Anforderungen entspricht, die an einen Luft­kurort gestellt werden.

- -d- Nidda, 8. Aug. Während der Fahrt nach Gießen erlitt der Zugführer Schneider einen Hitzschlag, sodaß er vollständig gelähmt wurde und die Sprache verlor.

* ) Nidda, 8. Aug. Der Lokomotivfüörer Karl Hilgärtner wurde auf sein Nachsuchen wegen geschwäch­ter Gesundheit in den Ruhestand versetzt.

* Stockheim, 8. Aug. In Rohrbach wurde der Landwirt Sauer auf dem Felde von einem Hitz­

schlag betroffen, an dessen Folgen er bald darauf starb.

Darmstadt, 8. Aug. Wegen Unregelmäßig feiten in seiner Kasse und sonstiger Unordnmig in sei neu Verhältnissen hat sich Freitag nachmittag der in das Kasino des Feld-Art.-Regis. Str. 25 abkomman vierte Vizewachtmeister Bade von der 2. Batterie frag lichen Regiments einen Schuh in den Unterleib beige bracht. An seinem Auskommen wird gezweifelt.

* Bingen, 8. Aug. Bei dem niedrigen Wasser stände des Rheines sind S ch i s f s u n f ä l l e im Ge birgs und im Rheingau an der Tagesordnung. Zwi schen Bingen und Mainz ragen die Sandbänke aus dem Wasser hervor, oder sie sind dicht unter dem Was serspiegel bemerkbar.

-)(- Rodheim a. d. Bieber, 8. Aug. Am Sams tag rannte oberhalb derAmtmannsmühle", wo Straße und Biebertal eine scharfe Kurve schneiden, \ber aus dem Gießener Braunsteinbergwerk beschäftigte Bergmann Ri. aus Frankenbach mit seinem Fahrrad so unglücklich mit dem Bähnchen zusammen, daß er in die Klinik gebracht werden mußte.

-n- Dornholzhausen, 8. Aug. An Milz branderkrankung starb in der Klinik zu Gießen der 50 Jahre alte Wasenmeister A. Viehmann. Eine Kuh war an Milzbrand verendet. Beim Oeffnen der Kuh verletzte sich der kräftige Mann leicht und alsbald zeigten sich Spuren des Milzbrandes. Die ebenfalls in filierte Tochter konnte gerettet werden.

-l- Dillenburg, 8. Aug. Dem von hier ge schiedenen Landrat Oberregierungsrat v. Wussow ha ben die Kreisvertretung und die Bürgermeister des Krei ses zur Erinnerung an seine verdienstvolle Tätigkeit im Dillkreise ein Geschenk zugedacht, bestehend in einer silbernen Relief-Tafel. Aus derselben befindet sich eine Ansicht des Kreishauses, ferner sind daraus verzeichnet die Namen der Kreisdepulierten, der Mitglieder des Kreis-Ausschusses, des Kreistages und sämtlicher Bür germeister des Kreises.

* Marburg, 8. Aug. Das hiesige Jägerbatatl- lon wird sich vom 7. bis 21. September an den Ma­növern des 11. Armeekorps beteiligen, die auch dies­mal wieder in Thüringen stattfinden.

* Marburg, 8. Aug. In dem Konkursverfah­ren über das Vermögen des K o n s u m v e r e i n s für Marburg und Umgegend, e. G. m. b. H., zu Mar­burg hat der Verwalter zur Deckung des in seiner Bi lanz berechneten Fehlbetrags von 19 827,92 Mark eine Vorschuhberechnung aufgestellt, nach der die von ihm namhaft gemachten 612 Genossen je 30 Mk. vorschießen sollen. Jetzt ist an sie die Aufforderung ergangen, diese Summe bis zum 15. August an den Konkursverwalter ünzusenden. Von den Mitgliedern sind auch viele zu­gleich Gläubiger, weshalb sie doppelten Schaden haben. Ob die namhaft gemachten 612 Genossen alle bezahlen, ist kaum anzunehmen, da viele von ihnen unpfändbar sind oder gar nicht mehr hier wohnen.

ßefcbäiilicbes.

Die Automobile der Adlerwerke vormals Heinrich Rieper A.-G., Frankfurt a. Main, konnten bei den jüngsten automobilistischen Veranstal­tungen wieder glänzende Erfolge verzeichnen. Auf der Wertungsfahrt des Anhaltischen Automobilklubs errang ein Adlerwagen den ersten Preis und Ehren­preis der Stadt Schmiedeberg. Auf der Sternfahrt des Märkischen Automobilklubs fiel in der Klasse bis 5 PS. der e r st e Preis und die Pla­kette des Deutschen Rad- und Kraftfah­rerbundes ebenfalls einem Adler zu; dieser kleine mit 4 Personen besetzte 5-11 PS.-Wagen fuhr mit einem Durchschnittstempo von 46 Kilometer. Aus der Sternfahrt des Anhaltischen Automobilklubs erhielt ein Adlerwagen den Ehrenpreis des Märkischen Automobil-Klubs, und auf der großen zwer- tägigen Gesellschaftsfahrt des Kartells Bayerischer Au­tomobil-Klubs NürnbergKoburgRegensburg wur­den von 1 5 beteiligten Adlerwagen 1 3 Preisträger. Außer diesen die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Adlerautomobile beweisenden Erfol­gen fand die Anerkennung ihrer außerordentlich ge­fälligen Form mehrfachen Ausdruck. Aus der von dem Märkischen Automobilklub veranstalteten Schon­heilskonkurrenz wurden zwei Adlerwagen ausgezeichnel, und auf derSächs. Kraftsternsahrl" trug ein Adlerwa­gen den Schönheit-s preis desR.-Kl. Anna­burg von 1900" davon.