Hietzener Jeitung
Vezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1^0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. — Erscheint jeden Werktag früh. — Die „Humoristischen Blätter- liegen wöchentlich einmal gratis bei. — Redaktion: SellerSweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein & Cito Fischer.
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen
Polizei-Amtes
Behörden Gberheffens
Expedition: Zeltersweg 85.
lHaus Brüder Schmidt.)
Anzeigenpreis 15 pfg.
die 44 mm breite Petitzcile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg. - die 90 mm breite Petitzeile im Re klameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 5O°/o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Überschreitung deSZahlungszieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bet Konkurs in WegfaU. Plapvorschriften ohne Verbindlichkeit.
(tzcsamtlcitung: Albin Klein.
Nr. 33
Telephon: Nr. 362.
Mittwoch den 8. Februar 1911
Telephon: 9fr. 362.
23. Jahrg.
Lokal - Nacdrlcbten.
Gießen, den 8. Februar.
Wer ist wahlberechtigt?
Wählen kann jeder Deutsche, der am Wahltage 2 5 Jahre a l 1 ist, wenn sein Name in der Wählerliste steht.
Wer also sein Wahlrecht sichern will, muh sich davon überzeugen, daß sein Name in der Wähle r l i st e st e h t. Die Wahllisten müssen mindestens 4 Wochen vor dem Wahltage und mindestens 8 Tage lang zu Jedermanns Einsicht öffentlich ausgelegt werden. Es ist also jeder berechtigt, die Listen einzusehen.
Jeder wählt dort, wo er in die Wählerliste eingetragen ist. Jeder Wähler muß dort eingetragen sein, wo er zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten wohnt. Die Wähler sind dort in die Wählerlisten auszunehmen, wo sie zur Zeit der Aufstellung der Listen wohnen. Wer wahlberechtigt ist, aber nicht in der Wählerliste steht, muh auf sein Verlangen nachträglich eingetragen werden. Der Antrag muh aber innerhalb 8 Tagen nach Beginn der Auslegung der Listen beim Gemeindevorstande mündlich zu Protokoll, oder schriftlich gestellt werden. Der Antragsteller hat die Beweismittel beizubringen. Wird ein Antrag auf nachträgliche Eintragung in die Wählerliste abgelehnt, so ist davon unter Angabe der Gründe dem Wahlkomitee Mitteilung zu machen. Wählen kann jeder Deutsche; es ist also nicht nötig, dah man Angehöriger des Staates ist, in dem man wohnt.
Von der Berechtigung zum Wählen sind nach § 3 des Wahlgesetzes ausgeschlossen:
1. Personen, welche unter Vormundschaft oder Kuratel stehen;
2. Personen, über deren Vermögen Konkurs- oder Fallitzustand gerichtlich eröffnet worden ist und zwar während der Dauer dieses Konkurs- oder Fallit-Verfahrens;
3. Personen, welche eine Armenunterstützung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln beziehen, oder im letzten der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen haben;
4. Personen, denen infolge rechtskräftigen Erkennt - nisses der Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte entzogen ist, für die Zeit der Entziehung, sofern sie nicht in diese Rechte wieder eingesetzt sind.
Ist der Vollgenuh der staatsbürgerlichen Rechte wegen politischer Vergehen oder Verbrechen entzogen, so tritt die Berechtigung zum Wählen wieder ein, sobald die außerdem erkannte Strafe vollstreckt oder durch Begnadigung erlassen ist.
Schulgeldreste, erlassenes Schulgeld, unentgeltliche Lieferung von Lehrmitteln für die Kinder, Steuerrückstände bilden keinen Grund, einen Wähler vom Wahlrechte auszuschliehen. Als Armenunterstützung ist auch nicht anzusehen, wenn jemand infolge eines großen Unglücksfalles, wie Feuersbrunst, Ueberschwemmung, Mißernte K. eine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat.
* Gießen. Eine ordentliche Sitzung des hiesigen Kreistages findet Mittwoch, den 15. Februar, statt. Die Tagesordnung enthält u. a.: Wahl von Provinzialtags-Abgeordneten und Ergänzungswahl zum Kreisausschuß.
♦ Gießen. Taub st ummengottesdien st e finden im Konfirmandensaal (Liebigstraße) am 19.März (mit Abendmahl), 18. Juni, 17. September und 12. November statt.
- o- Gießen, 6. Febr. Ueber die Aufgaben unserer Marine draußen und daheim sprach heute Abend auf Einladung der Ortsgruppe Gießen des deutschen Flot- tenvereins Herr Marinepfarrer Wangemann in anregender und zum Teil humorvoller Weise. Wohl haben die Ansichten über den Wert der Flotte in den letzten Jahren eine bedeutende Wandlung erfahren und mancherlei Mißverständnisse sind aus dem Wege geräumt worden, doch ist die Ueberzeugung, daß die Marine eine zwingende Notwendigkeit ist, noch nicht überall im Volke durchgedrungen. Ausgehend von dem Gedanken, daß nach der letzten Volkszählung gegen anfangs der 70er Jahre wir ein Mehr von 25 Millionen Einwohner im deutschen Reiche haben, muß für diese nicht allein Brot, sondern auch Beschäftigung geschaffen werden. Die deutsche Landwirtschaft hat wohl durch technische Fortschritte und auch durch Kulturarbeit eine bedeutende Steigerung der Erzeugnisse erzielt, doch gehen noch jährlich viele Millionen ins Ausland für Produkte, die wir nicht erzielen können. An Weizen, Fleisch, Obst und Südfrüchten werden jährlich für über 500 Millionen auf dem Seewege nach Deutschland befördert. Allein an Baumwolle zahlt Deutschland jetzt jährlich etwa 570 Millionen nach Amerika. Zwar geht der große Teil als fertige Ware wieder an das Ausland, aber vorwie
gend auf dem Seewege. Wenn das deutsche Nationalvermögen zur Zeit etwa 30 Milliarden beträgt, so besteht in der Tat Grund genug, dieses Vermögen zu schützen; dazu ist auch unsere Flotte berufen. Wie die Notwendigkeit der Flotte in anderen Kulturstaaten erkannt wird, zeigt Japan. Dort hat der Kaiser aus 10 Prozent seines Einkommens verzichtet zu Gunsten des Ausbaues der japanischen Marine und hat alle seine Beamten ausgesordert, dies ebenfalls zu tun. Der Krieg Japans mit Rußland zeigte denn auch des ersteren Ue- berlegenheit. Die Tatsache, daß die deutsche Marine allen voran ist, zeigt sich in der guten Besatzung der Schiffe. Das leider kürzlich stattgefundene Unglück mit dem Unterseeboote zeigte, wie wacker unsere blauen Jungen ihren Pflichten nachgehen. Eine Reihe von Lichtbildern illustrierte die Tätigkeit der Marine und wurde dem Redner für seine vorzüglichen Darbietungen lebhafter Beifall und Dank zum Ausdruck gebracht.
-l- Gießen. Es sei hiermit auf das von der Minna Körner'schen Schule für höheres Klavierspiel veranstaltete Wohltätigkeits-Konzert zum Besten der beiden hiesigen Schwesternhäuser am Sonntag, den 19. Februar, abends 5 Uhr, in der neuen Aula hingewiesen, das nicht nur durch die Vorträge der vorgeschri,lenen Schüler von immer strebendem Bemühen auf dem Gebiete einer edlen Musik zu uns reden will, sondern das auch einen klingenden Erfolg für unsere Schwestern zu erreichen wünscht. Möchten sich recht viele finden, die für diesen Zweck etwas übrig haben! Hinlänglich bekannt ist ja das segensreiche Wirken unserer Schwestern, wie sie in manches Haus in trüben Stunden Licht bringen und im Dienste einer Liebe stehen, von der in besonderem Maße das Wort gilt: „sie suchet nicht das Ihre." — Eintrittskarten sind zu haben bei Herrn E. Challier, die Vortragsordnüng ist in den verschiedenen einschlägigen Geschäften ausgehängt.
*) Gießen, 7. Febr. Der „n aturmensch 9 u st a f nagel" (nach seiner Schreibart) überraschte uns heute vormittag mit seinem Besuch. Er wird kommenden Montag abend in Steins Saalbau einen Vortrag über sein Leben, seine Jerusalemreise und seine Schreibart halten. Interessenten finden näheres im Inseratenteil am Samstag.
- p- R o d h e i m a. d. B., 8. Febr. Im Saale des Gastwirts Karl Schlierbach 4. wird am nächsten Samstag abend 8 Uhr der Tierzuchtinspektor Stanjek aus Biedenkopf einen Vortrag halten über „Die D ü n g- u n g", wozu alle Landwirte in ihrem eigenen Interesse eingeladen werden. Immer mehr bricht sich ja die Erkenntnis Bahn, daß eine große Bedeutung im landwirtschaftlichen Betriebe auch der künstlichen Düng- ung. zukommt, — aber auch diese will verstanden und richtig betrieben sein. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein tut Recht, durch Veranstaltung des obigen Vortrags in dieser Beziehung aufklärend zu wirken.
- m- Steinfurth, 8. Febr. In der nordöstlichen Wetterau finden gegenwärtig Felddienstübungen des Hanauer Ulanen-Regiments mit den 168er (Butzbach) statt.
— Wetzlar, 8. Febr. Der Evang. Bund, Zweigverein Wetzlar, veranstaltet heute Abend im Schützengarten einen Lichtbildervortrag über Dr. Martin Luther.
- l- Wetzlar. Die schriftliche Abiturienten- Prüfung, an der 16 Oberprimaner teilnehmen, hat gestern begonnen.
- l- W e tz l a r. Die außerordentliche Mitglieder-Ver- sammlung der H e r d b u ch g e s e l l s ch a f t des Kreises Wetzlar für das Vogelsberger Rind beschloß vom 1. April einen jährlichen Mitgliederbeitrag von 1 Mark zu erheben, die in erster Linie für die lausenden Aufgaben verwendet werden sollen; ferner wurde wegen der vermehrten Arbeit das Gehalt des Assistenten um 100 Mk. erhöht. Mit Bezug auf die Beschickung des diesjährigen Tierschaufestes wurde geäußert, daß es wünschenswert sei, wenn bei Anmeldungen auch Angaben über Abstammung 2C. gemacht würden. Der Vorsitzende bemerkt hierzu, daß dies bereits bei der letzten Tierschau geschehen sei und auch in diesem Jahre wieder der Fall sein werde. Auf Anfrage erklärt sich der Zuchtinspektor Luther bereit, in Reiskirchen demnächst einen Vortrag über Herdbuchgesellschaften zu halten. Er empfiehlt, daß möglichst alle Landwirte bestrebt sein müßten, die Eintragung ihrer Tiere in das Herdbuch zu erwirken, und daß der Zuchtwahl und der Aufzucht des Jungviehes mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, um diesem Ziele näher zu kommen.
* Wetzlar. In Nr. 27 unserer Zeitung berichteten wir, daß die M e tz g e r i n n u n g e n von Marburg, Siegen, Wetzlar 2C. beschlossen hatten, bei Einkauf von Schlachtvieh 5 Prozent Lebendgewicht in Abzug zu bringen. Zur Motivierung dieses Beschlusses wird dem
„Hinterl. Anz." geschrieben: Hierzulande, wo das Vieh nach Lebendgewicht an den Metzger verkauft wird, war es bisher Brauch und Sitte, ein dem Metzger ver auf« tes und zum Schlachten bestimmtes Tier 12 Stunden vor der Ablieferung weder zu füttern noch zu tränken. Dieses Handelsgebot ist nun von den Viehhändlern immer häufiger übertreten worden, da die Verkäufer daraus ausgingen, ein möglichst hohes Lebendgewicht zu erzielen und deshalb das Vieh kurz vor dem Schlachten nochmals tüchtig fütterten und tränkten. Dies blieb natürlich den Metzgern beim Schlachten nicht verborgen und so war das Verhalten der Verkäufer eine stete Quelle des Aergers. Die Versammlung einigte sich am Sonntag nun dahin, den Viehbesitzern das Tränken der Tiere bis kurz vor dem Schlachten zu gestatten, hierfür aber dem Verkäufer fünf Prozent des Kaufpreises zu kürzen. Sämtliche Vieheinkäuse sollen in Zukunft nur unter dieser Bedingung getätigt werden.
— V i s k i r ch e n. Bei der stattgefundenen Besichtigung ist der Stier (Simmentaler Rasse) der hiesigen Stier- Haltungsgenossenschaft für schweres Fleckvieh onge» kört worden.
* Marburg. Für den hiesigen Reichstagswahl- kreis kommen neben den zwei Deutsch-Sozialen, Schneidermeister Rupp und Dr. Böckel, der konservattv-na- tionalliberale Kandidat Bredt, der Demokrat v. G e r- l a ch, der Sozialdemokrat und ein Zentrumskandidat in Frage. Im ganzen also 6 Kandidaten, das gibt eine nette Schlacht.
* Darmstadt. Dem am Sonntag stattgefundenen F e st b a l l des Staatsministers Ewald wohnte auch der Großherzog und die Großherzogin bei.
* Darmstadt. Am Freitag hielt der Hessische Verband für Jugendfürsorge hier eine stark besuchte Versammlung ab. Den Verhandlungspunkt bildete die Einleitung einer Fürsorgeaktion für die schulentlassene männliche und weibliche Jugend.
* Darm st ab t. Einige Landtagsabgeordnete wollen demnächst die hessische Regierung in der Zweiten Ständekammer interpellieren, ob es aus Wahrheit beruht, daß die an hessischen Staatsanstalten angestellten katholischen Theologen den vom Papste vorgeschriebenen Antimodernisteneid geleistet haben. Man ist der Ansicht, daß staatlich angestellte und besoldete Religionslehrer, die den Modernisteneid geleistet haben, nicht Staatsbeamte sein können.
* Mainz. Seit Genehmigung zur Einführung französischen Schlachtviehs tobt ein wütender Konkurrenzkampf zwischen einem hiesigen Metzgermeister, der in Biebrich versuchte, durch Errichtung einer Filiale den einheimischen Schlächtern den Rang abzulaufen. Das Endergebnis ist nun, daß die Mainzer Schlächterei das Pfd. Fleisch und bessere Wurst um 20 Pfennige billiger verkauft als die Biebricher Metzger. Der lachende Dritte ist in diesem Falle das Publikum.
* Mainz. Der Großherzog von Hessen äußerte sich dem hiesigen Theaterdirektor Hosrat Behrend gegenüber in anerkennender Weise über Schönherrs neues Drama „Glaube und Heimat". Nach Auffassung des Großherzogs sei es kein Tendenzstück. Am 15. Februar wird sich der Großherzog auch,%en „Rosenkavalier" hier ansehen.
* Mainz. Am letzten Sonntag fand hier eine Vertreterversammlung des Rhein-Main-Eaues des Alldeutschen Verbandes unter dem Vorsitz des Gymnasiallehrers Grünschlag statt. Der Vorsitzende des Verbandes, Rechtsanwalt Claß-Mainz, berichtete über die politische Lage. Den nahezu zweistündigen Vortrag schloß der Redner mit der Genugtuung, daß immer weitere Kreise des gebildeten Mittelstandes und der politisch führenden Schichten Verständnis gewinne für die politische Arbeit des Alldeutschen Verbandes. Dem folgte eine angeregte Aussprache. Im Anschluß hieran wurde eine einstimmige Entschließung angenommen, die besagt, daß die Einverleibung Elsaß-Lothringens in das Königreich Preußen für das einzige Mittel angesehen wird, dem Lande Ruhe und Ordnung wiederzugeben. Schriftleiter Baßler sprach dann über „Das Deutschtum in Ungarn nach den Wahlen". Die „Deulsch-Ungarländische Volkspariei" habe dabei zum ersten Male Kandidaten ausgestellt. Die Deutschen seien nur unterlegen durch die Bajonette der Gendarmen, durch den Stimmenkaus der Regierung, kurz durch die unerhörteste Bedrückung: Das Deutschtum in Ungarn sei erwacht und wird sein gutes Recht durchsetzen. Wirtschaftlich entwickelt es sich.
— B ei Magenkranken mit Appetitlosigkeit bildet „Kufek e" entweder in Milch oder in Fleischsuppe gekocht, oft das einzige Nahrungsmittel, welches die Kranken ohne Widerwillen nehmen und leicht verdauen.