Gießener JeiLnng
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Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei^
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen ^Polizei-Amtes > Behörden Gberheffens
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Nr. 156*
Telephon: Nr. 362.
Donnerstag, den 6. Juli 1911.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Mischer Landtag.
Die E r st e Hammer hielt gestern von 10 Uhr ab zunächst eine vertrauliche Beratung über die G e- m s i n d e st e u er r ef ortm. In der um % 12 Uhr beginnenden öffentlichen Sitzung wurden die Regierungsvorschläge mit wenig Aenderungen a n - genommen. Nur bei Artikel 18 (Warenhaussteuer) beschloß die Erste Rammer, auf ihrem früheren Beschluß zu beharren. Zum Schluß sprach der Vorsitzende des Finanzausschusses, Gras Erbach-Fürstenau, noch sein Bedauern darüber aus, daß es dem Ausschuß nicht möglich gewesen sei, weitere Erleichterungsbestimmungen, na- mentlich hinsichtlich der G e w e r b e st e u e r, in das Gesetz hineinzubringen, wie es der Wunsch der Gesetzgeber gewesen sei. Nach Annahme der Abänderungen über die Gemeindesteuervorlage stimmte die Rammer auch dem Initiativantrag Dr. Weber und Brauer in der ihm von der Negierung gegebenen Fassung zu. Der Antrag be- handelt die Ablösung der Steuerfreiheit einzelner steuerfreier Gemarkungen.
Die Zweite Kammer stimmte in der gestrigen Sitzung zilnächst dem Gesetzentwurf über den Arbeiterschutz u n b die Unfallverhütung bei Bauten zu. Minister von Hombergk gab dabei die Erklärung ab, daß die Regierung eventuell die Anstellung von Hilfskontrolleuren aus dem Arbeiterstand veranlassen werde. Die Regierungsvorlage betreffend den Verkauf des Bor Heimer Hofes wird debattelos nach dem Ausschußantrag abgelehnt. Die Vorlage betr. die Ausübung der Stockholzberechtigung wird angenommen. Darauf erklärte das Haus eine Reihe von Vorstellungen und Anträgen für erledigt und beschließt, den Antrag Dr. Osann u. Gen. betr. die Neuorganisation der Baubehörde der Verein - fachungskommission zuzuweisen. — Die Wahl des Justizrates Grünewald- Gießen wird für giltig erklärt.
Es folgt dann eine Debatte über den Antrag Ulrich, Reh und Molthan betr. die Revision des Eisenbahngemeinschaftsvertrages. Nach kurzen Erklärungen der Antragsteller wird zur Abstimmung geschritten. Die Anträge Ulrich und Reh werden mit großer Mehrheit abgelehnt und der Rompromifiam trag des Ausschusses, der im wesentlichen dem Antrag Molthan entspricht, einstimmig angenommen.
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Die Neuwahlen für den H e s s i s ch e n L a n d- t a g werden voraussichtlich Anfang November stattfin- den. Die Rreisämtcr des Großherzogtums sind soeben vom Ministerium des Innern angewiesen worden, die Feststellung der neuen Wählerlisten für die kommenden Neuwahlen — die bekanntlich die Hälfte der Jammer- mandate und je einen neuen Abgeordneten für die fünf größten Städte, sowie drei neue Abgeordnete für drei weitere ländliche Wahlkreise umfassen werden — bei den Bürgermeistereien zu veranlassen. Den Bürgermeistern wird nach der Verfügung des Ministeriums zur Pskicht gemacht, die Listen. mit größter Gewissenhaftigkeit aufzustellen und vor der Eintragung der Namen aller neuen Wähler genau zu prüfen, ob die Voraussetzungen für
Prinz Beinricb-fdbrl
Braunfels, 5. Juli.
Die grauen, runden Türme des efeuumsponnenen und in stiller Waldabgeschiedenheit liegenden Schlosses des alten Grafen- und Fürftengeschlechts zu Solms - Braunfels sahen heute ein Leben von so eigenartigem Reiz, wie sie es wohl noch nie erblickt haben. Herrlicher Sommersonnenschein blitzte durch die schattigen Alleen, und lustig flatterten die bunten Fahnen zu Ehren der Gäste, die aus allen Teilen des deutschen Reiches und jenseits des Kanals gekommen sind, um im friedlichen Wettbewerb ihre Kräfte zu messen, im Morgenwinde.
Morgens 7 Uhr. Noch sind die holprigen, engen Straßen leer. Aber bald wird es lebendig,, per Rad und Auto kommen sie herbei, die Schaulustigen; Wetzlar und Gießen stellen das größte Kontingent. Kurz nach 9 Uhr donnert der erste Wagen heran; doch das Tempo ist nur mäßig, da die zahlreichen und gefährlichen Serpentinen, bie zum Schlosse emporführen, größte Vorsicht gebieten. Namentlich die letzte haarscharfe Kurve, die außerdem noch von einer größeren Menschenmenge dicht besetzt ist, stellt große Anforderungen an das Können der Fahrer: das Steuer mußte förmlich nach rechts herumgerissen werden, um nicht in die Menge hineinzu - fuhrwerken.
die Berechtigung zur Teilnahme an der Wahl nach den Vorschriften des neuen Wahlgesetzes auch vorhanden sind.
Hut Stadt und Land.
Giehen, den 6. Juli.
* Eine Veränderung in dem Personal der Rrcisbauinfpeftioncn der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach wird am 1. Oktober d. Js. eintreten. Der Kreisbauinspektor Hechler in Lauterbach wird an Stelle des in den Ruhestand tretenden Baurats D i e h m nach Gießen und der Kreisbau - Inspektor Fischer in Alsfeld nach Lauterbach versetzt. Mit Versetzung der Stelle des Kreisbauinspektors in Alsfeld ist der Vorsteher des dortigen Hochbauamtes, Baurat Berth, in Aussicht genommen. Eine Neubesetzung der letzteren Stelle wird vorläufig nicht eintreten, da wohl das Eingehen dieses Hochbauamtes mit der beabsichtigten Neuorganisation im Bauwesen zu erwarten ist. Die Funktionen des Hochbauamtes werden künftig durch die betreffenden Kreisbauinspektoren milversehen.
* Der Fall Sorhlet nennt sich eine umfangreiche Denkschrift, in der Geheimrat Wagner-Darmstadt, der Vorstand der Großh. Landw. Versuchsstation, sich und den Bund der Landwirte sowie das Kalisyndikat gegen die Vorwürfe Sorhlets zu schützen sucht. Das Buch hat zu einem großen Teil fachtechnischen Inhalt und ist in der Hofbuchhandlung von Joh. Waitz-Darmstadt erschienen.
*) Der Plan über die Herstellung unterirdischer Telegraphenlinien in Gießen liegt bei dem Kaiserliches Telegraphenamt in Gießen von heute ab 4 Wochen aus.
* Marktverbot. Nachdem die Maul- und Klauenseuche im Kreise Gießen ausgebrochen ist und besonders in Holzheim den Viehbestand vernichtet, hat die Behörde sämtliche Schweinemärkte in der Stadt Gießen bis auf weiteres verboten.
* Flugtage in Herborn. Der Aviatiker Oswald Kahnt ist für die Tage des 7. bis einschließl. 10. ds. Mts. gewonnen worden. Am Abend des 10. werden mehrere Schauflüge stattfinden. Wie man hört, will K. auch von Herborn nach Wetzlar fliegen.
- a- Bad-Nauheim, 6. Juli. Das amerikanische Unabhängigkeitsfest, das alljährlich hier gefeiert wird, volkzog sich in diesem Jahre in einem glanzvolleren Rahmen. Die ganze amerikanische Kolonie versammelte sich in dem prächtig ausgeschmückten Saal des Konzerthau- ses, der für das am abend stattfindende Blumen- f e st reich mit lebenden und künstlichen Blumen dekoriert war. Mit großen Jubel wurde das Erscheinen des Er-Präsidenlen Diaz von Meriko begrüßt. Auch der frühere ungarische Minister Franz v. Kossuth nahm am Feste teil.
* ) Friedberg, 6. Juli. Der Finanzaspirant Werner Tönges wurde zum Ministerialrevisor bei der
Die Fahrtteilnehmer wurden von den Zuschauern lebhaft begrüßt. Prinz Heinrich hatte sich, wie viele andere Fahrer auch, beim Kilometerstein 51,3 verfahren; statt rechts nach Braunfels abzubiegen, war er geradeaus nach Weilburg weiter gefahren, und so kam es, daß der graue Venzwagen des Prinzen, der die Startnummer 1 trug, erst um 9.45 Uhr eintraf. Da der hohe Fahrer nicht vermummt war, auch keine Autobrille trug, so wurde er sofort von dem Publikum erkannt und mit i lauten Hurrarufen empfangen; von verschiedenen Seiten wurden Blumen in den Wagen geworfen. In dem prachtvollen alten Rittersaal fand die Frühstückstafel statt, zu der auch der Landrat des Kreises, Dr. Sartorius - Wetzlar geladen war. Nach ungefähr einstündigem Auf- I enthalte wurde die Weiterfahrt durch den lieblichen Müh- ; lengrund fortgesetzt. Auf dem Schloßhofe war vorher ! noch eine photographische Aufnahme von den gerade anwesenden Prinz-Heinrich-Fahrern gemacht worden.
Besonderes Interesse erweckten auch die englischen Wagen, die vielfach durch ihre eigenartige Form aus- i fielen. An der Fahrt nahmen u. a. teil: The Duke of i Eonnaught, der bei der jüngst stattgefundenen englischen ! Königskrönung eine Hauptrolle spielte, und Sir Arthur Eonan Doyle, der Schöpfer der weltbekannten Detektiv- ! figur „Sherlok Holmes". Daß der berühmte Autor auch I couragierter Sportsmann ist, dürste vielen neu sein.
Buchhaltung der Ministerien des Innern und der Ju stiz ernannt.
* ) Alsfeld, 6. Juli. Die nationalliberale Par lei will als Kandidaten für die nächste Ncichstagswahl den Direktor der landw. Winterschule, H c ck, aufstellen.
- h- Schotten, 6. Juli. Zwei gute Freunde gerieten in Streit, in dessen Verlauf der eine dem anderen einen Pflasterstein an den Kops warf und sehr schwer verletzte.
* ) M a r b u r g, 5. Juli. Ein eigenartiger studentischer Umzug, der anscheinend das Athletenfest, von dem wir gestern berichteten, illustrieren sollte, durchzog ge steril nachmittag unter dem tosenden Beisall der Menge die Straßen der Stadt. Eröffnet wurde der Zug von einer urkomisch zusammengesetzten Dilettantenkapelle. Die übrigen Zugteilnehmer, deren einzelne Gruppen Schilder mit Dorfnamen vorangelragen wurden, halten sämtlich verbundene Köpfe und Gliedmaßen. Auf der Ketzerbach veranstalteten die Zugteilnehmer ein Meisterschaftsringen.
* * Offenbach, 4. Juli. Durch Offenlassen der Schranken wurde gestern nachmittag beim Bahnübergang bei Mühlheim durch den von Berlin kommenden Schnell zug das Pferd eines durch einen Jungen gelenkten Bau ernfuhrwerks getötet.
- f- Darmstadt, 5. Juli. Im Kaisersaale fand gestern abend eine von der Fortschrittlichen Volkspartei einberufene Versammlung statt, in der im Gegensatz zu den Ausführungen Pros. Biermers-Gießender Stadtverordnete Hennrich für eine Revision der hess.-preuhischenEisenbahngemeinschaft eintrat. Auch Land- lagsabgeordneter Reh sprach sich für die Revision aus und erläuterte seinen in der Kammer gestellten Antrag, der dahin geht, daß die Regierung sestslellen wolle, ob und in welcher Höhe die hessischen Linien seither über das ursprüngliche Teilungsverhältnis hinaus Transporte geleistet haben, für welche der Staat nicht die entsprechenden Bezüge erhalten habe, und ferner, daß und in welcher Höhe Aufwendungen für Neu- und Umbauten, sowie für Fahrzeuge usw. zur Bewältigung dieser Transporte von Hessen geleistet worden sind. Den beiden Reden folgte lebhafter Beifall. Den Verhandlungen wohnten Vertreter aller Parteien bei; auch ein Vertreter der Eisenbahndirektion Mainz war anwesend.
* K o b l e n z, 5. Juli. Die Strafkammer verhängte eine empfindliche Strafe über einen 18 Jahre alten Schreinerlehrling aus Essen, der mit einem anderen an einer gefährlichen Stelle der Hunsrückbahn 2 schwere Steine auf die Schienen gewälzt hatte. Ein herankommender Personenzug konnte eben noch rechtzeitig zum Halten gebracht werden, so daß ein Unglück verhütet wurde. Die Straffammer verurteilte den Lehrling mit Rücksicht auf die Gemeingesährlichkeit seines Tuns zu vier Jahren Gefängnis.
* Nierstein, 4. Juli. Eine Herde von zehn Gänsen und zwei Enten wackelte gestern lustig auf dem Dahngleis in der Nähe der hiesigen Station einher, als plötzlich ein Schnellzug dahergebraust kam. Die Tiere vermochten sich nicht mehr zu retten. Sie wurden alle überfahren und aus der Stelle getötet.
Auf den Kühlern hatten die englischen Wagen neben phantasiereichen Verzierungen vielfach abenteuerliche Gestalten angebracht. Am meisten war der Teddybär vertreten, der hin und wieder in die Gestalt eines Teddyaffen ausartete. Der schon erwähnte Doyle hatte nicht etwa den bekannten „Hund von Baskerville" als Fahrt- begleiter mitgenommen, sondern einen ausgestopsten Pa- ftagei und ein Glückshufeisen aus bunten Blumen. Ziel des heutigen Tages war Köln. Am Freitag werden die Wagen in Bremerhaven verladen und mit dem Dampfer „Großer Kurfürst" nach England transportiert. Montag, den 10. Juli, wird die Fahrt in England fortgesetzt; Donnerstag, den 20. Juli, ist Fest-Bankett und Preisverteilung in London.
Möge die diesjährige Prinz Heinrich-Fahrt, die kein internationaler Wettbewerb ist, sondern eine freundschaftliche Geselligkeitssahrt, alle die Erfolge bringen, die der hohe Stifter des wertvollen Ehrenpreises und die Veranstalter von ihr erhoffen! s^
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* Die Ankunft in Köln. Um 2 Uhr 35 Minuten passierte als erster Wagen der Wagen der Fahrtleitung und als zweiter der Wagen des Prinzen Heinrich die Ziellinie. Es folgt nunmehr Wagen auf Wagen. Bis 7% Uhr hatten 60 Wagen in Konkurrenz die Ziellinie passiert.