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Gießener Bettung

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oierteljährlich 1,20 Mk., vorauSzahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. auSgabesleUen vierteljährlich 90 Pfg Erscheint TienStagc«, Donnerstags, SamStagS. Redaktion: EelterSweg 83. Air Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag derGietzeuer Zeitung" G. nt. b. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großhei'zoglichen

Polizei - Amtes

Behörden Gberhesseirs

Expedition: Seltersmcg 83.

lHauS Brüder Schmidt.)

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Verlag der ,,Wicf;cncr Zeitung" W. m. b. H.

Nr 180

Telephon: dir. 362.

Samstag, ben 5. August 1911

Telephon: Nr. 362.

23 Jahrg.

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Die andauernde große Hitze hat für das wirtschaft liche Leben schon sehr große ^Nachteile gebracht. 9tatür- lich hat die Landwirtschaft in erster Linie unter dem tro­ckenen Wetter zu leiden, denn die Wiesen und Kleefel­der sind verdorrt, den Rüben und Kartoffelfeldern fehlt es an der nötigen Entwickelung, der Gemüsebau ist auch schwer geschädigt und von den Obstbäumen fallen wegen der großen Trockenheit die Früchte halb reis ab. In einigen Gegenden Deutschlands, zumal auf dem sandigen Boden in Brandenburg, ist sogar die Ge­treideernte von der sengenden Hitze geschädigt worden, sodaß man schon jetzt sagen kann, daß der Gesamtscha- den, den die deutsche Landwirtschaft von der Hitze die­ses Sommers haben wird, sich mehr als 1 Milliarde Mark belaufen wird. Dazu kommen aber noch andere schwere Schädigungen für die Landwirtschaft, denn wenn nicht bis spätestens zum 15. August reichlicher Regen eintritt, so wird auch die Landwirtschaft und Viehzilcht in Deutschland unter einem großen Futtermangel zu lei­den haben. Da kann es schon kommen, daß die Land­wirte ihren Viehbestand durch Notschlachtungen und Massenverkauf verringern müssen, aber dadurch wird der Landwirt nur Schaden und das ganze Söolf seinen Nutzen haben, denn die Fleischpreise werden trotz billi­ger Viehpreise hoch bleiben, aber nach der Verringerung der Viehbestände wird erst recht eine große Fleischteu- erung eintreten und dem wirtschaftlichen Leben Nachteil bereiten. Die große Hitze erzeugt aber noch andere Not­stände. Der Wasserstand der schiffbaren großen Ströme ist so gesunken, daß die Flußschiffahrt wahrscheinlich in der nächsten Woche auf den meisten Flüssen eingestellt werden muß. Ganz besonders nachteilig wird dies für die an deg Flüssen liegenden Städte und deren Ge­schäftsverkehr. Selbstverständlich werden auch viele In­dustrien, besonders die Mühlenindustrie, von dem Was­sermangel schwer in Mitleidenschaft gezogen. Bei der großen Hitze kommen auch fast jede Woche in Deutsch­land Waldbrände vor und fügen den Forsten, die be­kanntlich gegen Feuersgefahr nicht versichert sind, uner­setzlichen Schaden bei. Die übermäßige Erwärmung des Flußwassers hat auch in vielen Flüssen dazu geführt, daß unter den Fischen eine Art Beulenseuche ausgebro­chen ist, und daß deshalb die Fische massenhaft abster­ben. Diese Fischkrankheil hat aber auch noch die Ge­fahr, daß die Menschen unter Umständen auch durch den Genuß des Fleisches kranker Fische krank werden können. Die anhaltende Trockenheit hat auch ferner schon in sehr vielen Städten und Dörfern Wassermangel erzeugt, und selbst in den Städten, die großartige Wasseranlagen be­sitzen, wie z. B. in Leipzig, muß der Wasserverbrauch eingeschränkt werden, damit nicht ein vollständiger Was­sermangel eintritt. So ist die andauernde Hitze zu einer öffentlichen Notlage geworden, und es ist dringend zu wünschen, daß der Himmel in den nächsten Tagen seine Schleusen öffnen und der Wassernot ein Ende bereiten wird.

preise zu ermitteln, aus deren Grundlage die Vergebung der Arbeiten erfolgen soll. Inzwischen werden die zum Anschluß bereiten 100 Gemeinden sich der Provinz ge genüber auch noch vertraglich zu verpflichten haben. Der hierfür vorgesehene, vom Provinzialausschuß gebilligte und auch vom Ministerium bereits genehmigte Nonnal vertrag wird in Kürze den interessierten Gemeinden zu gehen. Je schneller der Abschluß der Verträge erfolgt, die im großen und ganzen die Bedingungen enthalten, zu denen die Gemeindeverwaltungen in den hierüber ge pflogenen Verhandlungen sich verpflichtet haben, um so eher wird mit Ausführung der Arbeiten begonnen rver den können, da erst nach der Unterzeichnung der Der träge das Projekt über die Fernleitungen ausgestellt werden kann.

* Prüfung. Am 1. und 2. August fand an der Abt. 2 des Alice-Schulvereins (Seminar für Hanswirtschaftslehrerinnen) die staatliche Prüfung der Seminariistinnen in Gegenwart des Regierungsvertre- ters Herrn Professor Dr. Alle s, Kreisschulinspektor, unb der aus Mitgliedern des Vorstandes bestehenden Prüfungskommission statt. Sämtliche junge Mädchen, 9 an der Zahl, bestanden mit gutem Erfolge in Theorie und Praris.

Die Trichinenschau in unserem Schlacht - Hof wird seit etwa 14 Tagen mit dem vom Schlacht - Hofdirektor Garth-Darmstadt, einem geborenen Gießener, erfundenen Trichinoskop ausgeübt. Während früher ein Beamter zur Untersuchung von 4 Schweinen eine Stunde Zeit brauchte, wird durch den neuen Apparat in der Stunde an 20 Schweinen die Beschau vorgenommen. Dabei werden die Augen des Beamten weniger ange­strengt als früher, da der Sipperat das Objekt bedeutend vergrößert.

* F ü r die Herstellung elektrischer Straßenbeleuchtung bewilligten die Stadt - verordneten 22 000 Mk. Sie soll zunächst für die Haupt' straßenzüge der Altstadt vom Bahnhof aus eingerichtet werden. Ferner wurden 27 000 Mk. bewilligt zur Ein­richtung einer automatischen Gassernzün- d u n g für die Straßenlaternen. Der Betrag wird in 3% Jahren an Gehältern für Laternenwärter erspart. Dem neuen Gemeinnützigen Bauverein Gießen wurde von der Stadt an der Licherstrahe unmittelbar in der Nähe des Stadtwaldes ein größeres Sauquartier zur Errichtung von Kleinwohnung s-bauteck über­lasten, welches groß genug und so ausdehnungsfähig ist, daß darauf ein ganz neuer Stadtteil erstehen kann.

O b st u n b G e m ü s e v e r w e r 1 u n g s - k u r s e. Der Landwirtschaftskammerausschuß für £ber Hessen wird in der nächsten Zeit durch Obstbaulehrer Wiesner in Lang-Göns vom 15.17. August und in Treis a. d. Lda. vom 22. bis 24. August Cbft und Gemüseverwertungsknrse abhalten.

* Das Ende der großen Hitze? Die Wetterdienststelle Weilburg meldet, daß jetzt endlich die Bahn frei sei für die ozeanischen Tiesdruckwirbel. Ein plötzlicher U m s ch l a g zu N e g e n w e t 1 e r ist aber kaum 311 hoffen, da über dem östlichen Deutschland und über dem westlichen Rußland die Luft temperajuren noch zu hohe sind. Dagegen ist ein lang samer und a l l m ä h l i g e r U e b e r g a n g zu küh­lem, trübem Wetter mit Regensällen wahrschein­lich.

* Leihgestern, 5. August. In dem Gruben seld Grenza, Gemarkung Lützellinden, fand man beim Bohren mächtige Eisen- und Manganerzlager.

=00 SM b b a, 5. Aug. Dem Lokomotivführer Karl H i l g ä r t n e r wurde aus Anlaß seiner am .1. Aug. d. Is. erfolgten Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" verliehen.

-h- Ehringshausen (Kr. Alsfeld), 5. August. Dem Oberbriesträger Ludwig Haberkorn wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür lang jährige treue Dienste" verliehen.

*) Darmstadt, 4. August. Infolge der gro- ^cu Hitze fällt die 1 Uhr-Post hier bis auf weiteres aus. Auch viele größere Bureaus haben nachmittags zeitig geschlossen.

* Offenbach, 5. Aug. Der Schulvorstand faßte den einstimmigen Beschluß, die Einführung der Pskicht- fortbildungsschule für Mädchen zu empfehlen. Nicht nur die gewerblichen Arbeiterinnen, sondern auch die weib lichen Dienstboten sollen in diese Schule einbezogen wer­den; ganz besonders soll die hauswirtschaftliche Bildung der Schülerinnen in Betracht kommen.

* Mainz, 5. August. Nicht weniger als 2 2 5 Journalisten aus Europa und überseeischen Län dern haben sich zum Katholikentag angemeldet.

läge, verfügt, ert, der kann.

Sommerferien in zweiter Aus - Der preußische Kultusminister hat allgemein daß, solange die außerordentliche Hitze andau- Unterricht in den Schulen ausgesetzt werden

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Reicbstagswablvorbereitungen.

Friedberg, 4. Aug. Die FortschrittlicheVolks- partei unseres Wahlkreises wird den nationalliberalcn Reichstagskandidaten Strack, für den sonst alle bür­gerlichen Parteien eintreten, n i ch 1 unterstützen, son­dern einen eigenen Zählkandidaten aufstellen.

Berleburg, 4. Aug. Die Fortschritt!. Volks- partei für den Wahlkreis Siegen-Wittgenstein-Biedenkopf stellte an Stelle des zuerst ausgestellten Kandidaten Pfr. Spieß aus Bottenhorn, den Frankfurter Stadtverord­neten Lehrer Korf als Reichstagskandidaten auf. In dem Kreis wurde bekanntlich bei der Ersatzwahl durch das Zusammenwirken von Nationalliberalcn, Freismm- gen, Sozialdemokraten, Zentrumsleuten und Gelben Ge­werkschaftlern der nationalliberale Berghauptmann Vo­gel gewählt. Dies einträchtige Zusammenarbeiten durfte eben so leicht nicht wieder vorkommen.

Hus Stadt und Eand.

Giehen/ den 5 August 1911.

Die Ueberlandzentrale für Ober­hessen ist sowohl seitens des Staates wie der Pro­vinz soweit gefördert worden, daß schon in der nach Hen Zeit öffentliche Ausschreibungen erfolgen werden, um für die einzelnen Arten von Arbeiten die Einhetts-

* Sonderzüge. Zur Bewältigung des Per­sonenverkehrs anläßlich der Katholiken-Versammlung am 6. August in Mainz fährt u. a. auch ein Sonderzug von Gießen. Abfahrt 5.45 vorm., mit Aufenthalt in Butzbach 6.17 bis 7.02, Nieder-Wöllstadt 7.13 bis 7.14, Vilbel Nord 7.30 bis 7.32, Bockenheim 7.51 bis 7.52, Goldstein 8.04 bis 8.10, Mainz Hp,bf. an 8.55. Der Hauptbahnhof Frankfurt wird nicht berührt. Die Rück­fahrt erfolgt Mainz Hptbf. 10.09 abends, an Gießen 1.05 nachts.

* Wegen der herrschenden Maul- und Klauen­seuche ist laut Beschluß der Landwirtschaftskammer die Kreis-Ackerbau- und Obstausstellung, die im Oktober hier stattfinden sollte, aufgehoben worden. 6k soll im nächsten Jahre abgehalten wer­den.

* Die Voruntersuchung gegen den Chauf­feur Wilhelm Erbe aus Frankfurt a. M. und gegen den Schmied Heinrich Wolf und dessen Schwester Käthe Wolf aus Nieder-Mörlen wegen der Ermor­dung der Ehefrau Walther in Nieder-Mörlen, ist nun­mehr abgeschlossen worden. Die Akten sind bereits der Staatsanwaltschaft in G i e ß e n zur Erhebung der Anklage zugestellt worden. Wie man erfährt, hat die Untersuchung ergeben, daß gegen Erbe und Wolf die Anklage auf Raubmord und gegen die Käthe Wolf auf Beihilfe hierzu erhoben werden muß. Die Schwurgerichtsperiode, die sich auch mit der Nieder - Mörlener Bluttat zu besassen hat, beginnt am 25. Sep­tember.

* Die Promenaden-Konzerte, die durch die sehr starke Inanspruchnahme der Regimentskapelle bei Vereinsfestlichkeiten in letzter Zeit unterblieben stnd, werden nach dem Manöver wieder regelmäßig abge- halten.

-m- Ulm (Kr. Wetzlar), 5. Aug. Pfarrer Stuhl ist aus Anlaß seines Ueberlrittes in den Ruhestand von Sr. Majestät dem König der rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden.

-0- R 0 d h e i m, 5. Aug. Morgen findet hier ein großes kirchliches Fest statt, zu welchem Generalsuper - intendent Professor Maurer-Wiesbaden sein Erscheinen zugesagt hat. Während im Sormittagsgottesbienft Mis­sionszögling Schlaudrost, ein Sohn unserer Gemeinde, ordiniert wird, ist für den Nachmittag am nahen Laun- scheidsberg ein Missionssest vorgesehen.

-r- Marburg, 5. Aug. Ein trauriger Unglücks­fall ereignete sich im nahen Vauernbach. In der all­gemeinen Aufregung, die bei einem Landwirt das plötz­liche Verenden zweier wertvoller Milchkühe in der ge­samten Familie des Mannes Hervorries, vergaß man, auf das 2jährige Söhnchen zu achten. Als man schließ­lich nach dem Kleinen suchte, fand man dessen Leiche in dem Gartenbrunnen.

* Frankfurt, 4. Aug. Die Feuerwehr wurde am Mittwoch bis nachmittags 6 Uhr zu nicht weniger als 7 Brandstellen gerufen. Obschon es sich meist um kleinere Brände, z. B. in Kellern u. dergl. handelte, gab es doch infolge der Hitze und Trockenheit für die Wehrmänner überall schwere Arbeit. Ein Korpsbefehl ordnet an, daß während der großen Hitze von 10 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags keine militärischen Uebungen außerhalb der Ka­serne abgehalten werden. Der neue Zeppelin- kreuzerSchwaben" wird am 11. oder 12. August von Baden-Oos aus eine Fahrt nach dem Taunus un­ternehmen und hierbei Frankfurt seinen ersten Besuch ab­statten. .

-u- Frankfurt, 5. Aug. Frankfurt hat sich zu Ehren des Bundestages und seiner zahlreichen Gäste in ein schmuckes Festkleid geworfen. Von staatlichen ^und auch vielen städtischen Gebäuden grüßen stolz im Winde flatternde Fahnen. Die Hauptversammlung des D. R. B nahm Freitag vormittag unter zahlreicher Betem- qunq der Delegierten aus allendeutschen Gauen im Kaufmännischen Vereinshaus ihren Anfang. Neben der Genehmigung des Rechenschaftsberichts sowie des.em- gen des Bundes-Sortausschustes beschäftigte sich die Versammlung mit verschiedenen Anträgen, u. a. oetr. die Jugendfürsorge im D. R. B.