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Gießener JeiLnng

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Verlag der „GieHcucr Zeitung,, G. m. b. H.

Enthält alle amtt. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Dürgermeistereil

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen

Polizei-Amtes

Behörden Gberhessens

Expedition: Zeltersweg 83.

lHauS Brüder Schmidt.)

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Nr. 155»

Telephon: Nr. 362.

Mittwoch, den 5. Juli 1911.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

hessischer Landtag.

Die Zweite Kammer der Stände trat ge­stern unter dem Vorsitz des zweiten Präsidenten Korell zu ihrer Schlußsitzung zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Präsident des 30jährigen Abgeordnelen-Iubiläums des 1. Präsidenten Haas und der goldenen Hochzeitsfeier des Abg. Schönberger. Hier­auf erfolgte die Vereidigung des neu eingetretenen Mit­glieds, Justizrats E r ü n e w a l d-Gießen. Die Regie­rungsvorlage „Summarische Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Staatsschuldenverwaltung für das Rechnungsjahr 1907“ wurde ohne Debatte genehmigt Der seinerzeit zurückgestellte Antrag der Abgg. Ulrich u Genossen, die nationale Einheitsschule be­treffend, wurde abgelehnt und der Antrag des Aus - sch uffes, den Antrag für erledigt zu erklären, angenom­men. 9

Die Verständigungsverhandlungen zwischen den Fi­nanzausschüssen der beiden Ständekammern über die Differenzpunkte bezüglich des Gemeindeumla- g en - Gesetzentwurfes sind nunmehr zum Ab­schluß gelangt. Montag nachmittag traten die beiden Finanzausschüsse zu einer gemeinschaftlichen Beratung zusammen. In dieser Sitzung ist nun über die hauptsächlichsten Differenzpunkte eine V e r st ä n d i- g u n g erzielt worden, und zwar auf der Grund­lage der Vermittelungsvorschläge der Regierung. Die weitere Behandlung der Sache wird in der Weise er­folgen, daß sich heute zunächst die erste Kammer mit den Kompromißvorschlägen beschäftigt, die die Beratung Und Abstimmung darüber als ersten Punkt der Tagesord - nung zur Erledigung bringen wird. Gleich darauf wird dann auch die Zweite Kammer in die Beratung über diese Abänderungen eintreten, womit dann wohl die Verhandlungen über die Gemeindeumlagenreform end­gültig zum Abschluß kommen werden.

Hus Stadt und Land.

Gietzen, den 5. Juli.

• Das 4. Abonnements-Konzert findet morgen abend in Steins Garten unter Mitwirkung des Posaunenvirtuosen Paul Weschke, König!. Kammer-Virtuos und Lehrer an der Kgl. akad. Hoch­schule für Musik in Berlin, statt.

* Fluglag in Herborn. Mit dem Grade - Flieger Oswald Kahnt, der in Haiger bereits mehrere Flüge mit seinem Grade-Eindecker aussührte, schweben z. Zt. Verhandlungen, um denselben für Herborn zu gewinnen. Falls die Verhandlungen zu einem Ergeb­nis führen, dürfte der Luftschiffer hier gelegentlich des Feuerwehrtages und zwar am Montag, den 10. Juli, Aufstiege unternehmen.

* Preußische Klassen-Lotterie. Die Ziehung der 1. Klasse findet am 11. und 12. Juli statt.

•

* Gießen, 4. Juli. Die General-Ver­sammlung des Oberhessischen Obstbau- Vereins wurde durch den Vorsitzenden, Kreisrat Schliephake-Friedberg, eröffnet. Dr. Hoffmann-Friedberg erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorgeht, daß der Verein *mit Zufriedenheit auf die Erfolge des ver­flossenen Vereinsjahres zurückblicken kann. Die Versamm­lung beschloß, im Laufe des Sommers einen Ausflug nach Oberzwehren zu unternehmen, um die dortigen als mustergültig bekannten Obstbauanlagen zu besichtigen. Die anwesenden Landtagsabgeordneten gaben das Ver­sprechen ab, dafür Sorge zu tragen, daß auch in Zu­kunft der Oberhessische Obstbauverein durch die hessische Landwirtschaftskammer Unterstützung erfahren werde. Gartenbauinspektor Denk aus Frankfurt a. M. hielt dann einen interessanten Vortrag über die Krankheiten und Schädlinge der Obstbäume und deren Bekämpfung.

Gießen. Cafe Amend. Es ist Herrn Amend gelungen, den beliebten und bekannten Opern - sänger Herrn Plate, für einige Abende ab Montag, den 3. Juli d. Js., zu verpflichten. Derselbe ist ein vorzüglicher Liedersänger und wird neben der ausge­zeichneten Santori'schen Kapelle eine willkommene Ab­wechslung bieten.

-o- Lollar, 5. Juli. Der Gesangverein „Lieder­tafel" veranstaltet am 9. und 10. Juli ein großes San­ge r- u n d V o l k s f e st, verbundert'mit Wertungs- singen, an dem 14 auswärtige Vereine teilnehmen werden. Der Eintritt zu dem Volksfest, bei dem auch der aus unserem Ort stammende Pistonvirtuos Loms

Kümmel vom Hofthcatcr-Darmstadt Mitwirken wird | ist frei.

4= Atzba d), 4. Juli. Samstag nachmittag um

^hr fand hier die Einweihung der neuen Schule statt, welche in der einen Hälfte des historischen früheren Zusttzgebäudes eingerichtet ist. Bisher hat dieser Teil zu Fabrikzwecken gedient, während in dem anderen Teil schon länger eine zweiklassige Schule mit Lehrerwohnun- gen besteht. Neben der Schul- und Kirchenvertretung hatte sich die Gemeinde vollzählig, wie auch zahlreiche wajte aus den Nachbargemeinden eingefunden Weiter waren erschienen Landrat Dr. Sartorius, Bürgermeister Braun-Krofdorf, der Kreisbaumeister, Architekt Müller Kreisausschußsekr. Wieser, Krcissparkassendirckl. Schla- vach u; a. Dre Feier wurde eingeleitet mit den beiden ersten Strophen des Siebes: „Lobe den Herrn, den mäch- ligen König der Ehren". Dann hielt Herr Pfarrer Soh- Nius die Festrede. Redner ging auf den früheren und jetzigen Zweck des Haufes und die Bedeutung der Schule für Zeit und Ewigkeit ein und sprach den Wunsch aus daß in dieser Schule zu allen Zeiten, gegenüber dem ledigen Zeitgeiste, der an Stelle des Alten immer Neues setzen wolle, ein Geist herrschen möge, der festhätt an dem alten, ewigwährenden Eotteswort, wie es die Bi­bel lehrt und der nicht allein bestrebt ist, die Jugend zu brauchbaren Gliedern der Gesellschaft heranzubilden, son­dern der auch auf die ewige Bestimmung des Menschen bedacht nimmt. Es wurden nun von der Ober- und Mittelklasse noch je ein Lied gesungen. Dann über­reichte der Kreisbaumeister dem Bürgermeister Braun die. Schlüssel, der sie an Herrn Pfarrer Sohnius mit einer kurzen Ansprache weitergab, die in dem Wunsche gipfelte, es möge aus diesem Hause ein Geschlecht her­vorgehen, das bestrebt sei, dem Worte nachzukommen - Habt die Brüder lieb! Fürchtet Gott! Ehret den Kö­nig ! Pfarrer Sohnius öffnete nun die Schule im Na­men des dreieinigen Gottes, worauf dann eine Besich­tigung des Innern durch die Anwesenden stattfand. Das Ergebnis dieser Besichtigung war der ungeteilte Beifall und Anerkennung der inneren Einrichtung. Die Schul­kinder wurden durch die Verteilung der üblichen Schul­wecken erfreut.

- an- A tz b a ch, 5. Juli. Am Sonntag feierte der „Lahn-Dünsberg-Turnerbund" das 6. V u n d e s f e st, mit dem gleichzeitig die Weihe der neubeschafften Fahne verbunden war. Am Vorabend wurde das Fest durch einen Fackelzug eingeleitet, dem ein Kommers folgte. Sonntag vormittag wurden auf dem Festplatz die Ein­zelwetturnen abgehalten; nachmittags fand ein Umzug statt, nach dessen Beendigung Bürgermeister Braun- Krofdorf die Festrede hielt. Frl. Groh überreichte im Namen der Jungfrauen die neue Fahne. Es folgte nun das Turnen der Musterriegen und die Freiübungen, an denen 158 Turner teilnahmen. Bei dem Einzelwettur- nen erhielten u. a. Preise: W. Schmidt-Waldgirmes, W. Göttmann-Allendorf, K. Weller-Atzbach, H. Krieger-Al­lendorf, Schlierbach-Rodheim, E. Verger-Allendorf, Hild, Stumpf, Schäfer, Peter, sämtlich aus Reiskirchen, Becht- hold-Rodheim, Jung-Waldgirmes, Schmidt und Lang- Rodheim, Schauh-Atzbach, Steinmüller-Bieber.

- d- Büdingen, 5. Juli. Am Sonntag fand hier das 50jährige Jubiläum unseres Turnvereins, verbun­den mit dem 14. Kinziggauturnfest, statt. An der Feier nahmen zirka 50 Vereine teil. Zur Vorführung gelang­ten allgemeine Stabübungen, Wettspiele und Turnen der Musterriegen. Montag nachmittag fand eine Nachfeier statt, bei dem zirka 300 Schulkinder sich im fröhlichen Spiel tummelten.

* Herborn, 4. Juli. Am Sonntag sprach Ge­neralleutnant v. Viebahn vor 3—4000 Personen auf der Soldatenmissionsversammlung in Münchhausen. In bewundernswerter Weise hatten die Münchhausener die Bewirtung der Gäste vorbereitet.

- e- Weilburg, 5. Juli. Das von der hiesigen Ortsgruppe des Vereins für nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung schon seit Jahren angestrebte Heimat-Museum ist nun gesichert. Die Stadt stellte Mit­tel zur Verfügung, und auch die großherzoglich lurem- burgische Verwaltung hat ihre Unterstützung zugesagt.

* Limburg, 5. Juli. Die 42. Infanterie-Bri­gade hält ihre Uebungen vom 31. August bis 5. Sep­tember bei Limburg ab und ihre Manöver vom 6. bis 9. September bei Grävenwiesbach.

* Marburg, 4. Juli. Hier fand am Sonntag das 12. hessische Athleten-Verbandsfest statt, bei dem es nicht ohne Unfälle abging. So erlitt beim Steinstoßen ein Athlet einen Knöchelbruch, während von zwei Teil­nehmern an den Ringkämpfen einer eine Quetschung

und der andere einen Beinbruch davontrug.

Darnlstadt, 5. Juli. Hier wurde am Sonn­tag der Hessische Schneider- und G e nas­se n s ch a f t s t a g, mit dem das 25jährige Jubiläums fest der Schneider-Jnnung-Darmstadt verbunden war, abgehattcn. Es wurden folgende Vorträge gehalten: „Tuchversandgefchäfte an Private und deren Bekämpf­ung", „Belebung des Genossenschaftswesens" und „Lehr­lingswesen".

* ) Frankfurt, 4. Juli. Das schreckliche Vor kommnis in der ^chwarzwaldstraße zu 9t i e d e r r a d hat die dortige Einwohnerschaft in gewaltige Aufregung versetzt. Während des ganzen Tages war gestern ' die Straße belebt, und am Abend wurde der Zudrang so stark, daß die Polizei sich genötigt sah, die Schwarz waldstrahe oben und unten abzil sperren, nur de­ren Bewohner dursten passieren. Als Frau Schreiber am Nachmittag sich auf der Straße zeigte, wurde sie von der Schuljugend verfolgt und mit Steinen geworfen, sodaß sie aufs Polizeirevier flüchten mußte.

* ) F r a n k f u r t a. M. 28. Bundesfest des Deut­schen Radfahrerbundes 4.—13. August in Frankfurt a. M. Der Festausschuß, der unermüdlich bestrebt ist, das vom 4.—13. August stattfindende Bundesfest.in jeder Beziehung zu einem glanzvollen Feste zu gestalten, hat eine weitere bedeutende Attraktion hierfür gewonnen. Fräulein Kätchen Paulus, die bekannte Frankfur­ter Luftschifferin, wird während des Vundessestes mit ihrem Fesselballon täglich Passagiersahrten unter­nehmen, außerdem werden noch an 2 zu bestimmenden Tagen, Freifahrten mit Vallonverfolgung statt­finden. Auch der Festzug, der eine ganz gewaltige Aus­dehnung erfahren dürfte, ist nunmehr von dem Festzug- Komitee, unter Mitwirkung der Frankfurter Künstler - schaft und unter dem Vorsitze des Herrn Prof. Körner und Prof. Bender in großen Zügen sestgelegt. Am Rad­fahrer Blumen-Korso dürsten sich zirka 350—400 Ver­eine aus allen Gauen Deutschlands, sowie eine große Anzahl fremdländischer Vertretungen beteiligen und wird dieser Teil des Festzuges allein schon ein glänzendes, farbenprächtiges Bild abgeben. Nach dem Radfahrer - Korso kommen alsdann die Frankfurter anderen sport­lichen Korporationen, die sämtlich ihre Beteiligung zu- gesagt haben, ferner die Schützen mit ihrem eigenen Musikkorps, dann die Innungen, Krieger- und anderen Vereine. Der dritte Teil des Festzuges besteht aus dem Automobil-Vlumen-Korso. Hier hat sich der Frankfur­ter Automobilklub in Verbindung mit dem Hessischen u. Wiesbadener Automobilklub in den Dienst der Sache gestellt und wird hierdurch auch dieser Teil des Fest­zuges ein glänzendes Bild abgeben. Bekanntlich sind sämtliche Automobilfahrer, die an der Kraftfernfahrt des Deutschen Radfahrer-Bundes nach Frankfurt teilnehmen, und für welche Preise in Höhe von 2500 Mk. ausge­worfen sind, verpflichtet, sich auch an b^n Automobil - Vlumenkorso zu beteiligen. Man rechnet daher auf eine Beteiligung von zirka 100 blumengeschmückten Autos. In dem ganzen Zug sind zirka 10 bis 12 Militärkapel­len verteilt. Die Aufstellung erfolgt in Sach­senhausen, mit der Spitze nach der Gutzkowstraße, führt über Brückenstraße, Deulschherrnkai, Obermain - brücke, Anlage, Zeil, Vibergasse, große Bockenheimerstr., um das Opernhaus Herum, Goethestraße, Rohmartt, Kaiserstraße, Vahnhofsplatz, Hohenzollernstraße nach der Festhalle und dürfte eine Ausdehnung von über vier Kilometern haben.

Literarisches.

Griebens Reiseführer.

Band 9: „L o n d o n". 13. AusL (Mk. 3.50). Der Band „London" ist einer durchgehenden Umarbeitung unterzogen worden. Eine wichtige Neuerung bildet das Kapitel „Sport", das über die englischen Sportverhalt- nissè Ausschluß gibt. Das Kartenmaterial ist ebenfalls genau revidiert und um 2 neue Pläne „Hauptteil der City und des West-Central" und „Plan der Untergrund­bahnen" erweitert worden.

Band 62: „N ü r n b e r g". 14. Aust. (60 Pfg.) Der vorzügliche Griebenführer „Nürnberg" ist unverändert in 14. Auflage erschienen.

Band 156: „Cassel und Wilhelmshohe (80 Pfg.). Cassel und Wilhelmshöhe ist ein neuer Grieben, der sich durch seine augenfälligen Vorzüge sehr schnell seinen Freundeskreis schaffen wird. Ern Stadt­plan und eine Karte von Wilhelmshöhe sind dem em­pfehlenswerten Führer beigegeben. Alle drei Bände und in der Verlagsbuchhandlung Alb. E o l d f ch m r d t, Berlin W. 35, erschienen.