Hietzener JeiLung
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Str. 105.
Telephon: Nr. 362.
Freitag, den 5. Mai 1911.
Telephon: Str. 362.
23. Jahrg.
Dem Kronprinzen!
Morgen betritt Kronprinz Wilhelm die Schwelle eines neuen Lebensjahres. Innige Glück- und Segenswünsche aus allen Gauen unseres deutschen Vaterlandes begrüßen an diesem Festtage den künftigen Erben der Kaiserkrone. Es gehört zur Eigenart des monarchischen Lebens auf deutschem Boden, daß die Festtage der Herrscherhäuser vom Volke wie Familienfeste begangen werden. Aus dem Herzen kommt der Anteil, den das deutsche Volk an den Geschicken des Hohenzollernhauses und besonders auch an der Entwicklung seines Kronprinzen nimmt. Mit ihren angestammten Fürsten und deren Familien fühlen sich die Deutschen wie kein anderes Volk der Erde in unverbrüchlicher wechsel eiliger Xreuc verbunden. Unser Volk in seiner weit überwiegenden Mehrheit weiß noch immer, welch unvergleich - lich hohes Besitztum ihm in den Hohenzollern und seinen Fürstengeschlechtern verliehen bleibt, und darum em- psindet es Familienglück auf dem Throne wie eigenstes persönliches Glück.
Mehr als zuvor ist Kronprinz Wilhelm im verstossenen Lebensjahre in die Oefsentlichkeit getreten. Durch dle Art, wie dies geschehen ist, hat sich sein Anspruch aus die herzliche Teilnahme und Anhänglichkeit des Volkes noch sester begründet, zumal es gleich ihm seine Gemahlin, die Kronprinzessin Eecilie, verstanden hat, die Herzen allerwürts zu erobern. Wie sich unser Kronprinz bisher betätigt hat, das bezeugt durchaus die kerngesunde Tüchtigkeit seiner Persönlichkeit und gibt Bürgschaften einer verheißungsvollen Zukunft. Mit gutem Recht war es als ein^ erfreuliches Zeichen gedeutet wor- bcn, daß den ersten Schritten, die der Kronprinz nach Abschluß seiner Erziehung in die Oeffentlichkeit getan hatte, zögernde, vorsichtige Zurückhaltung zu eigen schien, wie sie der Natur schlichter Bescheidenheit und ruhiger, maßhaltender Besonnenheit entspringt. Der älteste Kaisersohn hat inzwischen erkennen lassen, daß er auf seinem Werdegänge zu charaktervoller Selbständigkeit heranreift. So legte er mit erfrischender Entschiedenheit und Offenheit im vorigen Jahre als er im August an die Lehrer der Königsberger Universität eine Ansprache richtete, ein edles Bekenntnis echter deutscher Gesinnung mit den denkwürdigen Worten ab. „Wir (die deutsche Jugend) sehnen uns nach Betonung unseres deutschnationalen Volkstums im Gegensatze zu den internationalisierenden Bestrebungen, welche unsere gesunde völkische Eigenart zu verwischen drohen." Wer sich also zum deutschen Volkstum bekennt, gibt Gewähr, daß er die Voraussetzungen mitbringt, um die Aufgaben, die ihm dereinst als Träger des deutschen Kaisertums gestellt sein werden, in rechtem Geiste zu erfüllen.
Die große Reise des letzten Jahres wird ferner dazu beigetragen haben, das Urteil und die Erfahrung des künftigen Kaisers und Königs auf dem unerschütterlichen Grunde deutschen Sinnes und Strebens zu weiten, zu klären, zu vertiefen. Was der Kronprinz draußen in fremden Ländern geschaut, gelernt und geprüft hat, bient der Vorbereitung für seinen verantwortungsschweren Beruf auf der höchsten Höhe menschlichen Wirkens. Insbesondere gilt dies von den Besuchen des Kronprinzenpaares in Rom und in Wien. Alle Berichte stimmten darin überein, daß es dem deutschen Kronprinzen und seiner Gemahlin gelungen ist, in den Hauptstädten der beiden uns verbündeten Dreibundstaaten von Herzen kommende Anerkennung zu erwerben und so unserem Reiche Freundschaft und Bundesgenossenschaft aufs neue zu sichern.
Sonnenhastes Glück strahlt und leuchtet über dem Leben unseres Kronprinzen. So ungetrübt, so rein und hell ist kaum jemals das Kronprinzentum eines früheren Hohenzollernfürsten verlaufen. Möge unseres Kronprinzen Laufbahn auch ferner reich gesegnet bleiben!
Reicbstagswablvorbereitungen.
Die konservative Vereinigung für den Regierungsbezirk Wiesbaden stellte am Mittwoch in Wiesbaden für den 2. nassauischen Wahlkreis den Regierungspräsidenten Dr. von Meister auf. Man hofft, daß durch die Zugehörigkeit des Kandidaten zur Reichspariei, wie durch seine ganze Persönlichkeit den Zusammenschluß aller monarchisch-nationalen Wähler herbeizuführen und so den Sieg des Bürgertums zu sichern, v. Meister hat die Kandidatur angenommen.
Hus Stadt und Land.
Greß en, den 5. Mai 1911.
* * Die gestern abgehaltene Stadtverordne- len-Versammlung hatte 28 Verhandlungsgegenstände zu besprechen, von denen aber vier von der Ta
gesordnung abgesetzt wurden. Gleich zu Anfang entspannen sich zwei interessante Debatten. Es wurde Protest erhoben gegen die Beschuldigung, die Handelskammer hätte in Verkehrssragen ihre Pflicht nicht getan. Atan erinnerte an die Zugverbindung nach Westfalen, welche man auf Betreiben der Handelskammer erhalten habe. Auch den beiden projektierten Bahnen durch das Bieber- und K l e e b a ch t a l hätte man stets das größte Interesse entgegengebracht. Von Seiten der Stadt hätte man ebenfalls die Bahnangelegenheit nach Kräften gefördert, und es sei nicht zu verstehen, wie man sowohl die Handelskammer als auch der Stadt den Vorwurf machen könne, diese für Gießen so wichtige Fragen stiefmütterlich behandelt zu haben.
Durch die vom B ü r g e r v e r e i n am 28. April im Hotel Einhorn gefaßte Resolution, welche der Versammlung mitgeteilt wurde, kam man auf die G r ü n- dung der Universität in Fra nksurt zu sprechen. Einige Stadtväter waren der Ansicht, daß die Frankfurter Universität der Gießener großen Schaden bringen würde. Dagegen wurde von anderer Seite betont, daß man eine so wichtige Sache nicht von kleinlichen Gesichtspunkten aus betrachten solle. Jede Vermehrung der Bildungsstätten sei mit Freuden zu begrüßen, und man solle weiter nicht vergessen, daß Konkurrenz auch hinsichtlich der Bildungsstätten von Vorteil sei. Als sog. A r^b e i t s u n i v er s i t ä 1 hätte Gießen einen Ruf, und Studenten, denen es um ein ernsthaftes Studium zu tun sei, würden nach wie vor die hiesige Universität aussuchen. Selbstverständlich müsse auch von der Stadt Gießen und ebenfalls von dem hessischen Staate etwas getan werden, daß die altberühmte Universität auch nach Errichtung einer weiteren Universität in ihrer nächsten Nähe ihre Anziehungskraft bewahre.
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Samstag (Sonntag) 6. (7.) Mai
Hessisch.Blumentag!
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Es werden nun eine Anzahl kleinere Punkte erledigt. Längere Zeit wird über das Vaugesuch des Herrn Horn, Marktstraße 4, debattiert. Schließlich wird in namentlicher Abstimmung die Dispens mit 16 gegen 14 Stimmen erteilt.
Ferner genehmigt man die Weiterbelassung des Gebäudes Ecke Frankfurter- und Liebigstraße für Zwecke der Ohrenklinik bis zum 1. April 1914, mit dem Zusätze, daß eine nochmalige Fristverlängerung ausgeschlossen sei. — Die Mittel zur Beschaffung von Einrichtungen im Schlachthaus zur Brauchbarmachung bedingt tauglichen Fleisches werden bewilligt. — Weiler erfüllt man den Wunsch der Luftschiffer, Luftballons aus der städtischen Gasanstalt mit Gas füllen zu dürfen. Die Kosten, welche durch die Anlage entstehen, wurden vom Gaswerk mit 1025 Mk. berechnet. Die Summe übernimmt die Stadt. Für das Kubikmeter Gas sind 9 Pfennig zu zahlen. Die Stadt stellt aber die Bedingung, daß in der Zeit vom 25. November bis 25. Dezember, wo die Stadt selbst viel Gas braucht, kein Gas abgegeben wird. Der Vertrag wegen Versicherung der Straßenbahnwagen soll gekündigt werden. Für einen Wagen stellt sich die Prämie jährlich auf 50 Mark, und da 16 Wagen in Betrieb gestellt werden, so müßte ein Betrag von 800 Mk. pro Jahr gezahlt werden. Da aber bei Kollisionen mit anderen Wagen Schäden unter 100 Mark die Stadt selbst zu zahlen hat und die Fahrer gut eingefahren sind, so hat die Stadt infolgedessen noch keinen Pfennig an Versicherung erhalten. Aus diesen Erwägungen heraus beschließt man die Kündigung der Versicherung. — In zirka 14 Tagen wir das F r e i- b a d eröffnet, und es werden für die Frauen folgende Badezeiten festgesetzt: Montag, Mittwoch und Freitag von 2—5 Uhr nachmittags. — Die letzten Punkte, Erlaubnis zu Gastwirischastsbeineben 2C., werden ohne Debatte genehmigt.
♦ Sonderfahrt nach dem Bodensee. Die Ortsgruppe Mainz des Deutschen Lustflottenvereins veranstaltet vom 25. bis 28. Juni er. einen Ausflug nach dem Bodensee, unter Einschluß des Besuchs der Zeppelin-Luftschiffwerft, Friedrichshafen.
* Das Ausführungsgesetz z u m Viehseuche n g e s e tz wurde vom Abgeordnetenhaus nach längerer Debatte einer Kommission überwiesen. Sämtliche Redner sprachen sich für eine stärkere Heranziehung des Staates zu den Entschädigungskosten für Viehver
lufte aus, die der Landwirtschaftsminister ablehnte. — Der Antrag Hammer auf Verschärfung derB e- st i m m u n g c n gegen d i e W a n d e r j a g e r ist nach kurzer Debatte, in welcher sich auch der Rcgicrunas- veltrclcr für eine solche aussprach, angcnoinnien. Der "" rag Hammer aus Besteuerung der Konsumvereine wurde ebenfalls an eine Kommission verwiesen.
.... ?cr Hessische Richterverein hält seine diesjahrlge ordentliche Hauptversammlung Samstag den 27 Mal, vormittags 11 Uhr, in Mainz im Kasino Hof zum Gutenberg statt. Aus der Tagesordnung stehen u. a ein Referat des Landgerichtsrat Schudt über .Die Vorbildung der Juristen" mit anschließender Diskussion.
-b- Die I n 1 e r n a t i o n a l e Hygiene-Aus- |t e 11 u n g in Dresden (6. Mai bis Ende Oktober) wird in ihrer wissenschaftlichen Abteilung eine Sondergruppe Alkoholismus aufweisen. In 11 Unterabteilungen will diese Gruppe die Attoholfrage aus Grund wissenschaftlicher Forschungen und Erhebungen in deii verschiedenen Kulturländern mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands durch graphische Tabellen, Waiid- karlen, Literaturwerke, Bilder, Präparate, Modelle 2c. Zur Anschauung bringen. Um allen Besuchern eine rasche Orientierung in der Gruppe Alkoholismus und das Ver ständnis der wissenschaftlichen Darstellungen zu ermöglichen, hat die Gruppenleitung für die ganze Dauer der Ausstellung zwei mit der Älkoholfrage vertraute Führer, die täglich mehrere Führungsvorträge halten werden, angestellt. Ueberdies wird ein reich illustrierter Spezialkatalog „Alkoholismus und Volksgesundheit", herausgegeben von der Geschäftsstelle des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, Berlin W. 15, das Studium der Gruppe und die nachherige Verarbeitung des Geschauten erleichtern.
* Der Rhein-Main-Gastwirte-Ver- band hielt am Mittwoch in Pfungstadt seinen 28. Delegiertentag ab. Eine Anzahl Anträge der Vereine G i e- ß e n, Mainz und Darmstadt, welche die Boykottierung nicht von Streiks betroffener Wirtschaften, die Festsetzung eines Prozentgehaltes seitens der Bierbrauereien, die Führung des Weinbuches, die Interessenvertretung der Gastwirte, den Flaschenbierhandel, Kostgebereien 2C. betreffen, wurden genehmigt. Die Vorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Als Ort der nächsten Delegiertenversammlung wurde hierauf Erbach i. Odw. bestimmt.
* Gießen. Oberlehrer Professor Dr. Friedrich Kraft ist mit Wirkung vom 1. April 1911 an auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.
-o- G i e h e n, 5. Mai. Zu dem in heutigem Inseratenteil enthaltenen offiziellen Programm für den Vlumentag wird noch folgendes bemerkt: Für die Zwecke des Blumenverkaufs sind 3 Vezirksstellen errichtet, und zwar für den 1. Bezirk Asterweg 9, für den 2. Bezirk das Torhäuschen am Stadttheater, für den 3. Bezirk das Bahnhofsgebäude. An diesen Stellen können die Verkäuferinnen ihre Bestände an Blumen 2C. ergänzen sowie Wechselgeld erhalten. Die Verkäuferinnen, die die eingehenden Beträge in geschlossenen Büchsen sammeln, sind an einer rotweißen Armbinde mit der Aufschrift „Hessischer Blumentag" kenntlich. Nur diejenigen, die das offizielle Abzeichen tragen, sind zum Verkauf berechtigt. Um den Verkäuferinnen das Geld - wechseln zu ersparen, wird gebeten, sich im Voraus mit Nickelmünzen zu versehen. Die Bank für Handel und Industrie sowie die Mitteldeutsche Kreditbank halten einen reichlichen Vorrat von Nickelmünzen zum Wechseln bereit. Ebenso haben die genannten Banken das Zählgeschäft freundlichst übernommen. Es ist dabei die Einrichtung getroffen, daß jederzeit festgestellt werden, kann, wieviel jede einzelne Dame vereinnahmt hat. Für die Konzerte und Tanzvergnügen in Steins Garten und auf der Liebigshöhe wird ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. für die Person erhoben. Selbstverständlich fließt der Reinertrag den Zwecken des Blumenlags zu.
* Wetzlar. Gestern ist der bekannte Rentner Jean Kessel im Alter von 59 Jahren gestorben. Er war Gründer des nach seinem Namen bekannten Hotels.
* Marburg, 4. Mai. In Gemünden ist durch einen hiesigen Kriminalbeamten ein des Raubmordversuchs an dem Techniker Mauß dringend verdächtiger Mann festgenommen worden. Bei einer in der Wohnung der Braut des Verhafteten vorgenommenen Haussuchung fand sich ein Revolver, den der Verdächtige ohne Wissen des Mädchens dort aufbewahrte. In der Trommel des Revolvers befanden'sich zwei abgeschossene Patronen.
* D a r m st a d t. Am 8. Mai, vormittags 10% Uhr, findet hier im Nathaussaale die Ersatzwahl eines Landlagsabgeordneten für den Stadtwahlbezirk Darmstadt an Stelle des Oberbürgermeisters Dr. Gläffing, der sein Amt niederlegte, statt.