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Glâner Zeitung

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vierteljährlich 1^0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag früh. DieHumoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Herausgeber: Albin Klein & Otto Fischer.

Enthält alle amtt. Bekanntmachungen der Großherzoglichen MIZ des Großherzoglichen Dür germeistereiEMP o li zei - Amtes sowie vieler anderer vWD Behörden Gberhessens Expedition: Seltersweg 83.

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Rainn, auSwärtS 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im R e k l a m e t e i l 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50° o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitnng deSZahlungS- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbindlichkeit.

(Haus Brüder Schmidt.)

Gesamtleitung: Albin Lilein.

Nr. 4.

Telephon: Nr. 362.

Donnerstag den 5. Januar 1911

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Zur Entlassung der hcss. Banaspirantcn schreibt uns der Verband der mittleren Baubeamten in Hessen:

Am Neujahrstag tagten die mittleren hessischen Bau­beamten in einer außerordentlichen, sehr zahlreich besuch­ten Hauptversammlung in Frankfurt a. M., um zu der neuerdings von der hessischen Regierung verfügten Ent­lassung sämtlicher noch im Dienst befindlichen Staats- dienstanwärter Stellung zu nehmen.

Wie bekannt, sind im vorigen Jahre durch die fast vollständig lahm gelegte staatliche Bautätigkeit in Hessen zirka 40 Vauaspiranten aus staatlicher Verwendung ent­lassen worden. Nun erhielten in diesen Tagen, durch eine allgemeine Verfügung Großh. Ministeriums an die staatlichen Bauämter, sämtliche noch im Dienst befind­lichen 38 Vauaspiranten wenn auch in weniger schar­fen Form als im vorigen Jahre ihre Kündigung. Die in der Presse und auch vom ganzen hessischen Volk einstimmig verurteilte Regierungsmaßnahme ist umso be­dauerlicher und härter, daß sie Staatsdienstanwärter mit 613 Jahren Dienstzeit und im Alter von 3147 Jahren trifft. Es wurde allgemein die Ansicht kund, daß eine gleiche harte Maßnahme noch nie eine hessische Ve- amtengruppe betroffen hat und ein derartig harter Fall noch in keinem anderen Bundesstaat zu verzeichnen war.

Die von der Regierung veröffentlichte, objektiv ein­seitige Erklärung in derDarmstädter Zeitung" vom 22. Dezember 1910, worin man den Bauaspiranten vorhält, daß diese schon vor Jahren vielleicht schon etwa vor 610 und noch mehr Jahren? einsehen mußten, daß die staatliche Bautätigkeit einmal ganz aushören würde und sie dieserhalb aus Anstellung im Staats­dienste nicht zu rechnen hätten, erregte allgemeinen Un­willen. Wie bitter ist jetzt bei den Betroffenen die Ent­täuschung, durch alle Staatsdienstanwärter 10 und noch mehr Jahre für einen s a st sündhaft niedren Ge­halt dem Staat seine besten Jahre und Kräfte geopfert zu haben und hiernach noch entlassen zu werden. Was nützen alle schönen und fürsorgenden Worte der Regier­ung, wenn ihnen die Tat fehlt. Wie kann man ver­stehen, daß die Regierung nicht die Macht und das Recht hat, in die Selbstverwaltungsbestimmungen der Kreise wenn nötig durch Gesetzesänderung einzugreifen und die gekündigten Staatsdienstanwärter im Kreis - dienste, anstelle des hier sehr zahlreich vorhandenen, viel jüngeren und ungeprüften Personals, zu verwenden? Es wurde allgemein der Ansicht Ausdruck verliehen, daß die Kündigungsverfügung hätte unterbleiben müssen, und, daß der Regierung vornehmste Ausgabe die ge­wesen wäre, bei den Kreisverwaltungen, den Kuliurin­spektionen, der Kgl. Preußischen und Eroßh. Hessischen Eisenbahnverwaltung 2C. vorstellig zu werden und die Beamten in andere Dienstzweige zu überweisen, anstatt sie ihrem Schicksal und sich selbst zu überlassen. Die Versammlung ist einstimmig der Hoffnung, daß die Kün­digungsverfügung vom 2. Dezember 1910 zurückgezo­gen wird und die überflüssigen Beamten der Vauabteil- ung in geeigneter Weise anderweitig verwendet werden.

Zum Schlüsse wurde nachstehende Resolution einstim­mig angenommen und der Vorstand der Vereinigung mittlerer Baubeamten beauftragt, diese Großh. Mini­sterium und der Kammer /der Landstände zu unterbreiten:

Die am 1. Januar 1911 zu Frankfurt a. M. ta­gende zahlreich besuchte außerordentliche Haupiver - sammlung der Vereinigung der mittleren Baubeam- ten Hessens erblickt in der angekündigten Entlassung der seit 613 Jahren im Staatsdienst beschäftigten Bauaspiranten, zu einer Zeit anhaltenden wirtschaft­lichen Tiefstandes und während gleichzeitiger Weiter- beschästigung von 43 ungeprüften Technikern in staat­lichen Baubetrieben und Baubetrieben der Kreisver­waltungen, eine unberechenbare Schädigung der von der Kündigung Betroffenen sowohl, als auch des ge­samten mittleren Baubeamtenstandes. Die Ver­sammlung hofft, daß die Großh. Regierung ernstlich bestrebt ist, Schaden hier abzuwenden und, daß Maß­nahmen getroffen werden, die ausgekündigten Staats- dienstanwärter in staatlichen Betrieben sowohl als auch in den unter der Oberaussicht des Staates stehenden und mit staatlichen Mitteln unterstützten Baubetrieben der Kreise, unterzubringen und nach und nach dekret- mäßig anzustellen. Sie richtet an die Großh. Regier­ung und an die Hohen Kammern der Landstände wiederholt und dringlich die Bitte, eine Aenderung des Kunststraßengesetzes von 1896 dahingehend her­beizuführen, daß die Kreisstrahenmeisterstellen verstaat­licht werden, damit die Anstellung aller mittleren Bau­beamten nach einheitlichen Grundsätzen geregelt wer­den kann und ältere Anwärter dieser Stellen nicht übergangen werden."

Hus der Heimat.

Giehe n den 5. Januar

* Das Hess. Volksschulwesen ersordert im Jahr 1911 einen Gesamtaufwand des Staates von 2 781 510 Mark, 68 400 Mk. mehr als im Vorjahre. Im Jahre 1908 gab es in Hessen 982 Volksschulen, da­von 414 in der Provinz Oberhessen, 369 in der Pro­vinz Starkenburg und 199 in der Provinz Rheinhessen. An Lehrkräften waren tätig: 2973 Lehrer und 467 Leh­rerinnen. Die Schulen wurden besucht von 96 907 Knaben u. 98 485 Mädchen, zusammen 195 392 Kinder.

* Beförderung von Kranken auf der Eisenbahn. Der preußische Eisenbahnministev hat angeordnet, daß künftig für die Beförderung eines Kran­ken auf der Eisenbahn sechs Fahrkarten zweiter Klasse zu lösen sind, wozu noch ein Ertrazuschlag von 7 Pfg. pro Achse und Kilometer für die Zeit kommt, während welcher der Wagen vor und nach dem Transport des Kranken zu seinem Bestimmungsort leer läuft.

* D)er Finanzausschuß der Zweiten Kammer trat unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Osann zusammen, um zunächst in eine allgemeine Be­sprechung der Finanzlage mit Rücksicht aus das neue Staatsbudget einzutreten. Es wurde allseitig der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß eine Besser­ung in allen Gebieten zu konstatieren ist, so daß man mit Vertrauen auf eine günstige Weiterentwicklung an die Beratung des vorliegenden neuen Slaatsvoranschla- ges herantreten kann. Da durch den Tod des Abgeord­neten Reinhart eine Neueinteilung der Referate notwen­dig ist, wurde diese vorgenommen.

-o- Paketeinsammlung durch die P o st. Es ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzu­sendende Pakete aus Bestellung aus den Wohnungen ab­holen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten:Paket abho­len bei (Name und Wohnung)" unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Pa- ketbestellfahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. von dem Hause des Absenders abgeholt. Das Verfahren ist ein­fach und bequem und besonders solchen Personen zu em­pfehlen,- denen ein Dienstbote nicht zur Verfügung steht.

* D a r m st a d t. Die Besetzung des durch den Tod des Frhrn. v. Gagern freigewordenen Gesandten- p o st e n s in Berlin wird, wenn man den hier umlau­fenden Kombinationen Glauben schenken darf, eine Um­bildung des hessischen Ministeriums zur Folge haben. Es heißt, daß als Nachfolger v. Gagerns in erster Li­nie der Minister des Innern v. Hombergk zu V a ch in betracht komme. An seiner Stelle würde Fi­nanzminister Braun wieder das Ministerium des In­nern übernehmen. Nach einer anderen Lesart soll Fi­nanzminister Braun, der sich augenblicklich zur Erholung auf Urlaub befindet, selbst nach Berlin gehen. Für den so oder so freiwerdenden Finanzministerposten wird ne­ben dem wegen seiner finanzpolitischen Qualifikation prädestinierten Geh. Rat Dr. Becker, der Oberbürger­meister einer rheinhessischen Stadt genannt.

? Krofdorf. Durch die erfolgte Zusammenlegung der Feldmark Krosdorf-Eleiberg, insgesamt 2000 Hektar, konnte bereits in dem abgelaufenen Jahr eine rege Bau­tätigkeit hier einsetzen. Für das neue Jahr sind u. a. auch öffentliche Gebäude, eine Kgl. Försterwohnung und eine Schule, in Aussicht genommen. Durch Geländeaus­tausch zwischen Fiskus und Gemeinde hat letztere an der Straße nach dem Kgl. Forst eine Parzelle von 25 Aar abgetreten zur Erbauung eines Forsthauses. Zwischen Krosdorf-Gleiberg wird für beide Orte eine gemeinsame Schule, einstweilen zu drei Klassen, errichtet. Krosdorf zählt 5 Klassen aber nur 4 Lehrer, dazu gilt auch Glei­berg schon seit Jahren als die stärkste einklassige Schule des Bezirks.

(* Lauterb ach. 3m vergangenen Sommer wurde in Altenschlirf eine der Kirchenglocken durch eine neue ersetzt. Diese stürzte nun kürzlich in den Turm herab und wurde stark beschädigt.

* Sprendlingen b. Langen. Ein junger Bur­sche war in der Neujahrsnacht damit beschäftigt, in einer Wirtschaft einen Feuerwerkskörper anzuzünden, als plötz­lich die Polizei eintrat. Er steckte den bereits brennen­denFrosch" in die Tasche, in der er noch mehrere der­artige Körper hatte. Im Nu explodierten dieselben und rissen dem bedauernswerten Menschen die eine Seite aus.

* Braunfels. Der Zar hat dem Kriegsveler- anen Friedrich H e ß, der 44 Jahre in fürstlichen Dien­sten stand und am 1. Oktober in den Ruhestand trat,

zu Weihnachten ein Andenken zugehen lassen. Heß hatte bei dem Zarenbesuch im Herbst im Schloß die Wache.

* Frankfurt a. M. Zum Zwecke der Hebung des Frankfurter Fruchtmarktes wurde beschlossen, wöchent­lich einen zweiten großen Fruchtmarkt abzuhalten, und zwar regelmäßig Mittwochs.

* Gelnhausen. Die Stadt verkaufte den Schös- ferpark um 150 000 Mk. an dieNeue Badegesellschast zu Gelnhausen".

* Gelnhausen. Der Dienstag nachmittag die Station Meerholz durchlaufende Frankfurt-Berliner D- Zug Nr. 5 überfuhr bei Meerholz ein mit Holzstämmen beladenes Auhrwerk. Der Fuhrmann wurde verletzt, 1 Pferd getötet, der Wagen zertrümmert. Der Zug blieb intakt.

* Braubach. Die hiesigen Gastwirte sind nun ebenfalls mit dem Wein aufgeschlagen, und zwar um 20 Pfg. pro Liter.

* Grävenwiesbach. Im hiesigen Gemeinde­wald wurde ein Baumriese, die sogn.Meineidsbuche" gefällt, die eine Holznutzung von 20 Rm. Scheit-, 4 Rm. Knüppelholz und 200 Wellen lieferte.

* Mainz. Am Samstag besuchte eine hiesige Da­me, geziert mit dem modernen großen Hut, an dem sich ebenso lange Hutnadeln befanden, ein Warenhaus. Im dichten Gedränge wendete die Dame ihren Kopf, wobei eine andere Frau durch die langen Hutnadeln 2 mäch­tige Risse im Gesicht erhielt. Das Blut rann der Ver­letzten in Strömen vom Gesicht herab. Die Fahrlässig­keit der Dame, deren Namen festgestellt wurde, dürfte sie teuer zu stehen kommen.

* W ö l l st e i n. Beim Sammeln der Sauerwurm- Puppen stellte sich heraus, daß die meisten tot sind. Hof­fentlich ist das ein gutes Zeichen für die Abnahme der Plage.

Aus dem Oericbtsfaal. Strafkammer.

Gießen, 3. Januar 1911.

Das Schöffengericht hatte den Uhrmacher Heinrich Gondner von Hungen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu 6 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er einen Jungen von Villingen, der sein Kind auf der Straße angesahren hatte, mißhandelt und dessen Rad demoliert hat. Der Angeklagte bestritt die Mißhandlung, wie auch die Sachbeschädigung und focht das Urteil an. Die Sache stellte sich bedeutend roher heraus als am Schöffengericht, so daß auf eine höhere Strafe erkannt worden wäre, wenn die Staatsanwaltschaft auch Be­rufung eingelegt hätte.

Der Taglöhner Georg Flautze und seine Ehesrau sind wegen Entführung angeklagt. Die Frau war früher mit einem Schreiner zu U l r i ch st e i n verheiratet. Nach der Scheidung heiratete sie nach Saarbrücken. Die Kin­der wurden dem Manne zugesprochen, der sie in ver­schiedenen Familien unterbrachte. Im letzten Herbst ka­men die Angekiagten nach Wohnseld in die Schule, wo es ihnen unter Täuschung des Lehrers gelang, das 12jährige Mädchen mitzunehmen. Sie kleideten es um und brachten es trotz Sträubens bis zur Bahnstation Mücke, wo ihnen das Kind durch einen Gendarmen ab­genommen wurde. Die Frau bekam 10 und der Mann 5 Tage Gefängnis.

In der Vollerschen Metzgerei in Gießen stahl der Taglöhner Georg Wienhold aus Grünberg ein Paar Stiefel, die er verkaufte. Er ist rückfällig. Urteil: 3 Monate Gefängnis, abzüglich 5 Wochen Untersuchungs­haft.

Beim Schächten hingen die Metzger Salli Stern aus Geiß-Nidda und Markus Grünebaum aus N i d- d a ein Kalb an den Hinterfüßen auf, statt die Vor - richtung zu gebrauchen. Sie erhielten Strafbefehle über je 4 Mark, deren Einspruch am Schöffengericht verwor­fen wurde. Auf Berufung des Grünebaum wurde des­sen Strafe auf 1 Mark ermäßigt.

Die Privatklage des Kaufmanns Wilhelm Homber- ger in G i e ß e n gegen Fritz Drullmann in Wetzlar, die sich wegen der Preise bei der Hundeausstellung ver­uneinigt und sich gegenseitig verklagt hatten, wurde zu­rückgenommen, da beide Teile ihre Ausdrücke widerrie­fen. Am Schöffengericht sind beide für straffrei erklärt worden. __________________

Gestorben.

Georg Friedrich, Gießen, Steinstraße 75. - Beerdig­ung 5. Januar, 3 Uhr.

Theodore Güth Witwe geb. 3fterling, 69 Jahre alt, Gießen, Ludwigsplatz 3. Beerdigung 6. 3an., 3 Uhr.