Hietzener Jeitung
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Verlag der „Giestener Zeitung,, G. m. b. H.
iHaus Brüder Schmidt.)
Verlag der „Gtchencr Zeitung^ G. in. b. H.
Nr. 154.
Telephon: Nr. 362.
Dienstag, den 4. Juli 1911
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Die preussische Regierung über die Wahlrechtsreform.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." bemerkt in ihren Rückblicken zu der Verhandlung über den sreisinnig-sozialde- nlokratischen Antrag wegen'des Wahlrechts: „Auch wenn dieser Antrag nach dem Wunsche der Antragsteller bereits zu Beginn der Session zur Verhandlung gekommen wäre, bezweifeln wir, da er die erhoffte Aktion der Regierung zur Folge gehabt hätte. Denn in den Voraussetzungen für das Gelingen einer solchen Aktion hat sich seit dem Scheitern des früheren Reformversuchs nichts geändert. Ein sachlicher Erfolg war von dem An- ' trag nicht zu erwarten. Durch die Abstimmungen wurde wieder nach der negativen Seite festgestellt, daß die Abgrenzung der Wahlkreise der nach Vevölkerungszahl, sowie die Uebertragung des Reichslagswahlrechts und dabei insonderheit die Einführung des gleichen Wahl - rechts von der Mehrheit des Abgeordnetenhauses ab- gelehnl werden. Verschiedentlich ist eine Aufklärung darüber vermißt worden, ob und inwiefern sich die Stellung der Regierung zum preußischen Wahlrecht durch ihre Stellung zur elsaß-lothringischen Verfassungsreform veränderte. Die Antwort hierauf ist vom Reichskanzler bereits im Reichstage bei der Einführung der reichslän- difchen Verfassungsgesetze gegeben worden. Der Reichs - kanzler hat damals ausgeführt, daß die Ordnung des Wahlrechts in einem Bundesstaate oder im Reichsland völlig unverbindlich ist für die Gestaltung des preußischen Wahlrechts."
Aus Stadt und Cand.
Giehen, den 4. Juli.
* Bau des neuen Amtsgerichts-Gebäudes. Wie wir bereits berichteten, ist von den beiden Landtagsabgeordneten Justizrat Grünewald unb Reh- Alsfeld an die Zweite Rammer ein Antrag gestellt, den für Gießen bereits beschlossenen neuen A m t s g e r i ch t s b a u nicht auszuführen, weil zur Zeit ein Bedürfnis nicht vorliegt. Am vergangenen Freitag weilte in dieser Angelegenheit Justizminister Dr. Ewald hier und verhandelte mit Bauinspektor Land - mann, dem die Ausführung des Baues übertragen ist. Der Minister empfing auch Vertreter des nördlichen Stadtteils, in welchem das Amtsgericht seinen Platz erhalten soll, er verhandelte auch mit dem Stadtverordneten Wilhelm Löber, dessen großes Wiesengelände unmittelbar dem Bauplatz für das Amtsgerichtsgebäude gegenüberliegt, und daher durch dessen Bau zu 12—14 wertvollen Bauplätzen umgewandelt werden wird. Ein Antrag des Nordostvereins an die Bürgermeisterei, um Einberufung einer dringlichen Sitzung der Stadtverordneten, um mit dieser gegen den in der Zweiten Lämmer gestellten Antrag Grünewald-Reh Stellung nehmen zu können, wurde von der Juristischen Lommission ab gelernt, obgleich sich Landlagsabgeordneter Grünewald in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter dem Anträge der Nordöstler anschloß. Der ablehnende Bescheid wurde damit begründet, daß die Frage, ob für Gießen ein weiteres Gerichtsgebäude nötig sei oder nicht, nicht von den Stadtverordneten, sondern von der Staatsregierung und von dem Landtag zu beurtei- len sei. „
*) Der Gau 3 der deutschen M o 1 o r s a h r e r- Vereinigung hielt Sonntag im Hotel Schütz einen außerordentlichen G a u 1 a g ab. Der 1. Vorsitzende des Gaus, Lack Wessel-Frankenberg, berichtete über den 8. D. M.-V.-Tag in Naumburg, über die neuen D. M.-V.-Satzungen und die erforderlichen Abänderungen der Gaufatzungen. Auch die Pflasterzollfrage wurde in den Lreis der Erörterungen gezogen. ZN Bayern bestehen heute nicht weniger als 160 Orte die den verkehrsfeindlichen Pflasterzoll erheben An Beffp^e- len wurde gezeigt, wie schwer die Lraftsahrer durch den Zoll belastet werden. So kostet z. B. bte einfache Route von der bayrischen Grenze über Würzburg, Nürnberg, München, Reichenhall dem Lraftsahrer genau gerechnet an Pflasterzollgebühren 19 Mack. Um diesen Betrag sährt man die ganze Strecke ^ Schnellzug 2. Klasse. Noch auffallender werden diese Vergleiche aut kurzen Strecken, insbesondere auf solchen, welche m der Nähe Nürnbergs, im Eldorado des Pflasterzo ls dem Aussluasveckehr dienen. Fährt man zum Beispiel von Nürnberg nach Wendelstein, das sind 18 Kilometer von Nürnberg, so zahlt man 1,08 Mk. Pflasterzoll, wahrend die Eisenbahnfahrt nur 0,40 Mk. kostet Außerdem mm in fast allen Pflvsterzollorten der Zoll erhoben ohne
Rücksicht auf die Dauer des Aufenthaltes in den betr. Orten und ebenso auch noch einmal bei der Rückfahrt durch einen solchen Ort am gleichen Tage. Der Lrast - sahrer erfährt also durch den Auto-Pflasterzoll fortgesetzte B e l ä st i g u n g e n und V e r k e h r s b e h i n - derung, weiterhin materielle V e l a st u n g in nicht zu unterschätzender Höhe. Die Versammlung war sich darin einig, daß der Kampf gegen den Zoll mit allen Kräften geführt werden müsse./— Sonntag, den 9. Juli, findet eine Picknickfahrt nach der Tiefenbach auf der Strecke Marburg— Gießen unweit Lollar statt. Sollte das Wetter ungünstig sein, so wird die Fahrt aus den 23. Juli verschoben. Am 16. Juli ist eine G a u f a h rt festgesetzt; Ziel ist Hotel Schütz in Lauterbach.
* Eine der besten Wandermanegen, Zirkus Blumenfeld-Guhrau, wird vom 28.—30. d. Mts. auf Oswalds Garten einige Vorstellungen geben.
* WissenschaftlicheVallonausstiege. Am Donnerstag, den 6. Juli d. Js., finden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballon - aufstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet.
* Pakeieinsammlung durch bie P ost. Es ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzusendende Pakete auf Bestellung aus den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten: „Paket abzuholen bei (Name und Wohnung) unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Paketbestellfahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hause des Absenders abgeholt. Das Verfahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zu empfehlen, denen ein Dienstbote nicht zur Verfügung steht.
* Preußische Klaffenlotterie. Nur noch wenige Tage und die erste Ziehung nimmt wieder ihren Anfang. Wlllch günstige Aufnahme der neue Plan beim Publikum gefunden hat, beweistider Umstand, daß die Generallotteriedirektion, bei der letzten Lotterie mit ihren Losen vollständig geräumt hat, und auch diesmal erfreuen sich die Lose einer regen Nachfrage.
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-e- Llein-Linden, 3. Juli. Unter sehr starker Beteiligung fand gestern das 20jährige Jubiläum des Gesangvereins „A r i o n", verbunden mit einem G e - s a n g w e t t st r e i t, statt. Der Ort prangte anläßlich der Feier im schönsten Festschmuck. Samstag abend wurde ein F a ck e l z u g durch das Dorf veranstaltet, darauf schloß sich ein Festkommers auf dem Festplatz an. Sonntag vormittag fand im Saale „Zur Deutschen Eiche" der Gesangweltstreit statt. Die gesanglichen Leistungen fanden lebhafte Anerkennung. Um 2 Uhr wurde der Festzug aufgestellt, an dem etwa 30 Vereine leil- nahmen. Auf dem Festplatz hielt Lehrer Boßler die Festrede, Frl. Marie Germer überreichte eine von den Jungfrauen gestiftete Fahnenschleise. Um 6 Uhr fand die Preisverteilung statt, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Stadtklasse: 1. PreisBrodt'scherMännergesangverein Hanau, 2. „Gemütlichkett"-Giehen, 3. Maschinenbauer Gesangverein Gießen. 2. L a n d k l a s s e, Ll. 1: 1. Preis „Heiteckeit"-Annerod, 2. „Jugendgrund"-Wieseck. RI. 2: 1. Preis „Lonkordia"-Münchholzhausen, 2. „Teu- tonia"-Heuchelheim, 3. „Uhland"-Weilmünster und „Har- monie"-Lubach, 4. „Hilaria"-Holzhausen, 5. „Emttachl"- Ehckngshausen. Ll. 3: 1. Preis „Harmonie"-Reiskirchen, 2. Männergesangverein-Lützellinden. Beim Ehrenpreis- sinrgen siegten: 1. Brodt'scher Mänsrergesangverein Hanau, 2. „Heiteckeit"-Annerod, 3. „Ein1rachl"-Ehringshau- sen, 4. „Harmonie"-Reiskirchen.
* Grünberg, 4. Juli. Am 14. und 15. Juli findet hier die 5. Hauptversammlung des Lehrer- turnvereins für Hessen statt.
*) Bad-Nauheim, 3. Juli. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde ein Antrag des Militärvereins „Haffia" angenommen, wonach sämtlichen Veteranen aus 64, 66 uni) 70=71 anläßlich der 40jähr. Fnedensfeier eine Ehrenspende von je 25 Mark bewilligt wurde.
-r- Friedberg, 3. Juli. Die Wetteckalbahn Bad Nauheim—Griedel—Lich—Grünberg erfreut sich einer stets zunehmenden Personenfrequenz; hauptsächlich hat
I der Güterverkehr, aus der neuen Strecke einen ungeahm icn Aufschwung genommen. Für den jetzt beginnenden 3 t c V n f u1 r 11) e r Well-Rosenversand ist die Güterhalle zu klein geworden. Die Eisenbahndirektion beabsichtigt daher, in Lürze die Halle bedeutend zu vergrößern. Welche Bedeutung ben Steinsurther Rosen kulturen zuzusprechen ist, geht daraus hervor, daß nicht weniger als 800—900 hessische Morgen zum Versand angepflanzt sind. Das meiste Land ist zum Preise von 60—80 Mark pro Morgen gepachtet. Noch vor drei Jahren brachte dasselbe Land durchschnittlich 30 Mark ein.
F r i e d b e r g, 3. Juli. Am Freitag sand hier eine Sitzung des Einigungsausschusses der bürgerlichen Parteien statt, die für die Neichstagswahlcn als Rain bibaten Amisgerichtsrat Strack- Gießen nominierte. Die Vertreter der nationalliberalen Partei, des Zen - trums und des Bundes der Landwirte erklärten sich bereit, den Vertrauensmännern ihrer Organisationen die Landidatur Strack zu empsehlen. Strack wird im Falle seiner Wahl der nationalliberalen Fraktion als Hospitant beitreten.
-h- Schotten, 3. Juli. Unter zahlreicher Beteiligung sämtlicher Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs und der Bevölkerung der näheren und weiteren Umgebung fand Sonntag das alljährlich wiederkehrende Hoherodskopffest statt. Ganz besonders stark waren die Ocke Gießen, Nidda, Lauterbach, Büdingen, Frankfurt, Offenbach und Hanau vertreten. — Das auf dem Ho- herodskopf neu errichtete Landhaus Jäger-Gießen ist bereits unter Dach und Fach, und auch das zweite Llub- Haus ist nunmehr von den Zimmerleuten aufgeschlagen.
*) Braunfels, 4. Juli. Die Startfolge für die Prinz Heinrich-Fahrt 1911, die am 5. Juli in Homburg unter gemeinsamer Leitung des Laiserlichen Auto mobilklubs und des Royal Automobile Clubs beginnt, ist jetzt festgestellt. Im ganzen beteiligen sich 66 Wagen. Die Startnummer 1 führt Prinz Heinrich von ^reu^en, die Startnummer 2 der Herzog von Lonnaught. Es folgen dann abwechselnd die deutschen und englischen Wagen. Als Unparteiische für die englischen Wagen haben deutsche Offiziere der Armee und Marine, für die deutschen Wagen englische Offiziere der Armee und Marine gemeldet.
* Frankfurt, 4. Juli. In der Verzweiflung zum Mörder geworden ist der Wagner Schreiber in Niederrad. Der Mann kehrte Sonntag Nacht unerwartet von einer Montage aus Berlin zurück, traf zu Hause seine 5 Linder im ungefähren Alter von 2 bis 12 Jahren, jedoch ohne die Mutter an. Als er hörte, daß seine Frau mit ihrem Liebhaber in einem Tanzlokal Nieder- rads weilen sollte, begab er sich dorthin, ließ sie herausbitten und machte Lärm, als sie seiner Aufforderung nicht Folge leistete. Der Wirt wehrte ihm den Eintritt und als alle Versuche vergebens waren, kehrte er nach Hause zurück. Gegen 4 Uhr morgens hörten die Nachbarn ein Lärmen und Schreien. Als sie hinzueilten, kamen die beiden ältesten Linder blutüberströmt die Treppe herunter und an der Treppe lag sterbend ein weiteres Lind. Die beiden Lleinsten aber lagen bereits tot, über und über mit Messerstichen bedeckt, im Bett. Der Mann wurde gleich verhaftet, während die Frau der Polizei erst gegen 7 Uhr in die Hände siel. Sie hatte anderwäcks genächtet und kam nichtsahnend gegen 7 Uhr nach Hause. Die zwei schwerverletzten Linder wurden ins städtische Lrankenhaus geschafft.
♦) Mainz, 1. Juli. Das goldene Wappen von Hessen. Dieses klassische Rennen kommt am 9. Juli aus dem Mainzer Spockplatz zum Austrag und zwar als Dauerkonkurrenz in Läusen hinter schweren Motorschrrtt- macher-Maschinen. Drei gute Fahrer werden das Rennen bestreiten. -________
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