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Mng Georg als Kläger.

Ein Londoner Sensationsprozetz.

Ein außerordentlicher Prozeß fand am Mittwoch vor dem Obersten Lord der Justiz in London statt. Als Kläger trat öer regierende König von England auf, nicht als Staatsoberhaupt ,sondern als Privatmann, Beklagter ist ebn gewisser Edward Mylius. Den Klagegrund bilden ver­leumderische Ausstreuungen, die Mylius in einem in Pa­ris erscheinenden Blättchen namens „Liberator" veröffent­licht hat. Seit Jahren hat in England das Gerücht kursiert pnd ist in manchen Kreisen geglaubt worden, daß König Georg als Prinz eine morganatische Heirat ge­schloffen habe; daß seine Frau, von der er nie geschieden sei, zur Zeit seiner Verheiratung mit der Prinzessin Mary von Teck am Leben war und er daher mit der Königin in Bigamie lebe. Nach seiner Thronbesteigung im vorigen Jahre ist diese Geschichte wieder viel herumerzählt worden, und bereits damals wurde von dem Hofe nahestehenden Personen, vermutlich mit Genehmigung des Königs, dem Märchen nachdrücklich widersprochen! .

Der „Liberator" erscheint in Paris in unregelmäßigen Zwischenräumen. Seine Aufgabe ist die Verbreitung re­publikanischer Ideen und die Bekämpfung der Monarchie. In diesem Blatte erschienen Ende vorigen Jahres mehrere Artikel von Mylius. In dem ersten, dessen Ueberschrift lautete: „Geheiligte Bigamie", wird mit aller Bestimmt­heit behauptet, der Mann, der fetz König von England sei, habe 1890 auf Malta eine Tochter eines britischen Admi­rals Seymour rechtmäßig geheiratet und von ihr Nach­kommenschaft. Als er durch den Tod seines älterem Bru­ders der Thronerbe wurde, habe er seine Frau im Stich gelästert. Diesen und einen ähnlichen Artikel hat der Ver­fasser Mylius dann in England auch zirkuliert und unter anderem au die Mauer eines Postamtes geheftet.

Mylius wurde im Dezember verhaftet und da er die ihm auserlegte Kaution von 20 000 Pfund nicht stellen konnte, bis zur Verhandlung in Haft behalten. Vor Beginn der Verhandlung forderte der Angeklagte, daß der König per­sönlich voi Gericht erscheine, was der Lord-Oberrichter av- wies. Mylius vcteiüigte sich selbst. Für den König erschie­nen die Kronanwälte, namens deren General Isaacs die Anklage begründete. Er hob ausdrücklich hervor, daß kei­nerlei republikanische Aeußerungen oder sonstige politische Angriffe des Mylius zur Klage ft ibn den, sondern nur der behauptete Sachverhalt. Man habe die Anklage nicht wegen hochverräterischer Ausstrenungen, sondern wegen gewöhn­licher Verleumdung erhoben. Der König fordere bloß sein Recht als Mann, Gatte und Vater, wie jeder Bürger. An Mylius' Behauptungen sei nicht der Schatten einer Wahr­heit. Dabei habe der König den Nachteil, nicht wie andere Kläger, als Zeuge erscheinen und durch seinen Eid den An­geklagten zur Verurteilung bringen zu können. Nach dem Gesetz sei dies dem König unmöglich, selbst wenn er es wolle. Es müsse deshalb der Beweis erbracht werden, daß der behauptete Sachverhalt unwahr sei.

Als Zeugen wurden darauf Admiral Seymour, der frühere Kommandeur der britischen Mittelmeerflotte, dessen fetzt verheiratete Tochter Frau Napier sowie Seymours Söhne vernommen. Es wurde sestgestellt, daß Admiral Seymour das Kommando in Malta erst übernahm, als der König bereits die Königin geheiratet hatte, nämlich im Jahre 1893. Ein Beamter der Admiralität wies aus den Logbüchern der Schiffe, auf denen der König diente, nach, daß dieser zwischen: 1888 und 1901 nie in Malta war. Fer­ner erschien der Kronanwalt von Malta und beeidete, daß er sämtliche auf Malta geführten Trauregister von 1886 bis zum 6. Juli 1893, an welchem das Königspaar heiratete, durchsucht habe, ohne den Namen des Königs oder den einer Miß Seymour zu finden.

Der Angeklagte machte zu seiner Entlastung keinerlei sachliche Angaben, sondern forderte nur heftig das Erschei­nen des Königs. Er sprach dem Gericht die Kompetenz ab und setzte sich dann unter Protest nieder. Die Jury fand Ism einstimmig schuldig und er wurde zn zwölf Monaten Gefängnis verurteilt.

(Sitte ÄolonUUreise des Kronprinzen.

Auf Grund der Mitteilungen des Staatssekretärs des Reichsmariucamts in der Kommission wird der Korrespon­denz , $eer und Politik" aus Hofkreisen versichert, daß man mit ziemlicher Bestimmtheit auf eine Reise des Kronprinzen in die deutschen Kolonien wird rechnen können. Die Reise ist übrigens schon früher an maßgebender Stelle erörtert worden, bevor die näheren Bestimmungen über die Kron- prinz^ureise nach Ostasien getroffen wurden. Es hat sich aber hei ausgestellt, daß neben den Schwierigkeiten der Zeit­einteilung auch noch andere Bedenken dem Plane vor der Hand entgegenstehen. Selbstverständlich ist über den Ter­min, sowie über nähere Einzelheiten der Reise noch nicht das geringste festgesetzt, zumal der Kronprinz noch unter* weaS ist. Es ist nur zu sagen, daß sowohl der Kaiser wie and) derKronprinz von jeher einer Reise des Kronprinzen in die Kolonien geneigt waren, und daß dieser Plan jetzt nach vorzeitigem Abbruch der Asienreise eifriger erwogen wird und seiner Verwirklichung näher geführt worden ist. Man wird auuedmeu dürfen, daß entgegen anderen Meldungen eine Wiederholung der Ostasienreise unterbleibt.

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Der Hamiljenschmuc! der Wallutjeffr.

Kriminalroman von Freifrau G. v. S ch l i p p e n b a ch.

23) • (Nachdruck verboten.)

Die glückliche Ehe Mit Jegor Wallutjeff ver­scheuchte vollends alle Schatten, die sich einst über das Gemüt des jungen Mädchens gelegt hatten, und seit der Geburt ihres Knaben meinte Marie oft, daß es kein glück­licheres Los auf Erden geben könne, als das ihrige.--

Die Trauerfeier verlief mit all dem Pomp, der bei solchen Gelegenheiten durch die Etikette vorgeschrieben war. E^n zahlreiches Trarergefolge füllte die Schloß­kirche. in deren Mitte der Metallsarg, welcher Anastasias sterbliche Hülle barg, von herrlichen Treibhausblumen umgeben, stand. Die Bauern der beiden gräflichen Güter versammelten sich vor dem Schloß. Die Dorfältesten hat­ten um die Ehre gebeten, ihre gütige Herrin zur letzten Ruhestätte tragen zu dürfen, denn Anastasia Pawlowna war allgemein beliebt gewesen. Sie sorgte — als sie noch unter den Lebenden weilte, für ihre Untergebenen, nahm sich der Armen an und besuchte sie, sobald sie in Malkowa weilte, was jeden Sommer geschah; denn die Ruhe des einsamen, waldumrauschten Stammsitzes der Familie tat der alten Dame unendlich wohl nach dem anstrengenden geselligen Leben in der Zarenstadt. Nur die letzten Jahre mußte Gräfin Anastasia arg Gesundheitsrücksichten die ausländischen Bäder und Luftkurorte besuchen; sie blieb ihrem geliebten Malkowa fern. Und nun kehrte sie für immer zurück, um ihr Grab neben dem des ihr im Tode vorangegangenen Gatten zu finden.

War nicht der Mörder Andreis indirekt auch der Mörder der Mutter Jegors gewesen? Ohne jenes grau­sige Verbrechen hätte sie wohl noch leben können. Der Sohn dachte es, und mehr als je wünschte er, daß Clairons Bemühungen, den Raubmörder zu entdecken und der ge­rechten Strafe zu überliefern, von Erfolg gekrönt jein möchten.

Kundseba« vom Cage.

Politisches.

Vorbereitungen für die Mittelmeerreise des Kaisers. Wie in Kiel verlautet, werden die Kaiserjacht „Hohen- zollern" und ihre Begleitschiffe im Laufe dieses Monats die Ausreise nach Venedig für die Mittelmeerreise des Kaisers antreien.

Die gemeldete Ablehnung der Besteuerung der Vun- desfürsten durch die Reichswertzuwachssteuer, die die dritte Lesung des Gesetzentwurfes im Reichstag brachte, ist, wie der „Frankf. Eeneralanz." erfährt, ohne beson­deren Wert. Die Vundesfürsten lehnen entschieden ab, sich einem vom Reichstag ausgeübten Zwang zu fügen. Es schweben jedoch, nachdem der König von Preußen seine Bereitwilligkeit zur freiwilligen Zahlung der Wertzuwachssteuer erklärt hat, tatsächlich Verhandlungen, um eine freiwillige Verzichtleistung sämtlicher Bundes­fürsten auf das Steuerprivileg in aller Bälde durchzu­führen. Bedingungslose Voraussetzung hierfür ist jedoch, vaß der Reichstag ablehnt, einen Zwang auszuüben und daß er die Verfassungsrechte der Bundesfürsten nicht an­greift.

Der Oberprüfident von Westfalen, Freiherr von der Recke, wird demnächst sein Abschiedsgesuch aus Ge- undhcitsrückstchten einreichen. Freiherr von der Recke ist eit dem 2. September 1899 Oberpräsident von Westfalen. Vorher war er bekanntlich vier Jahre lang preußischer Minister des Innern.

Unstimmigkeiten im Seniorenko-roent des preußischen Abgeordnetenhauses werden von Berliner Blättern mit­geteilt. Danach ist es dem Abgeordneten Hobrecht, dem Vorsitzenden des Seniorenkonvents, in letzter Zeit unmög­lich gewesen, eine Sitzung dieser in der Geschäftsordnung nicht vorgesehenen, aber durch den parlamentarischen Brauch eingeführten Körperschaft zustande zu bringen, da die Konservativen ihrer Ankündigung gemäß infolge der letzten Zusammenstöße der Sozialdemokraten mit dem Präsidenten den Sitzungen fernbleiben, solange ihr ein Sozialdemokrat angehört.

Keine Oeffnung der belgischen Grenze. Eine erneute Eingabe mehrerer niederrheinischer Städte und Korpora­tionen auf Oeffnung der belgischen Grenze für Einfuhr von beschränkten Mengen lebenden Schlachtviehes ist, wie aus Cöln gemeldet wird, vom preußischen Landwirtschafts- Minister abermals abschlägig beschieden worden un­ter der Berufung auf seine früher im Reichstage abgegebe­nen Erklärungen. In interessierten Kreisen will man sich nunmehr mit einer Immediateingabe an den Kaiser wenden.

Eine Konferenz über wichtige militärische Eisenbahn- fragen hat am Dienstag nach der Germania im Berliner Generalstabsgebäude stattgefunden. Die sog. Linienkom- mandanten, verschiedene Generalstabsoffiziere aus dem Reiche und die Präsidenten der Eisenbahndirektionen wa­ren hierzu eingetroffen. Ueber die Einzelheiten der Ver­handlungen wird Schweigen beobachtet.

Der bayerische Bauernbund in Franken, der einst mit großen Hoffnungen ins Leben gerufen wurde, hat sich voll­ständig aufgelöst. Ein Teil des Bundes ist dem Deutschen Bauernbunde beigetreten und bildet eine Abteilung Bayern. Ein anderer Teil hat in einer Generalversamm­lung in Kissingen den Anschluß an den Bund der Land­wirte beschlossen.

Der deutsche Konsul Freudenberg in Colombo, der Hauptstadt Ceylons, ist, wie von dort gemeldet wird, ge­storben. Konsul Freudenberg hat vor wenigen Wochen erst den deutschen Kronprinzen in Colombo empfangen. Freudenberg ist seit 1873 in Colombo. Anfänglich befaßte er sich nur mit dem Kaffeeexport nach Europa; jetzt hat das Haus Freudenberg & Co. auch eigene Fabrikanlagen zur Herstellung von Cocosöl und Knochenmehl. Das deut­sche Vizekonsulat in Colombo wird von einem Sohne des Verstorbenen verwaltet; er dürfte nunmehr der Nachfol­ger seines Vaters werden.

Eine neue Nusjenanleihe in Frankreich? Die „Pe­tersburger Telegraphenagentur" ist zu der Erklärung er­mächtigt, daß das Gerücht, an der Pariser Börse stehe die Emission einer russischen Eisenbahnanleihe im Betrage von .1200 Millionen Francs bevor, jeder Begründung entbehrt. Die russische Regierung beabsichtigt nicht, Kreditoperatio­nen vorzunehmen, und bedarf nicht einer solchen. Ebenso steht für die nächste Zeit keine Staatsanleihe zu Eisen­bahnzwecken bevor.

Kleine nachrichten.

Zum Bürgermeister in Windhuk. dem Regierungssitz unserer fübweftafrifanifdjcn Kolonie, das kürzlich dazu

Die treue Jrinja war mit dem Grafen in Walkowa eingetroffen; sie sollte dem persönlichen Dienste Maria's beigegeben werden, denn so hatte die Verstorbene es oft geäußert. In aufrichtigem Schmerze stand das der Fa­milie treu ergebene Fräulein unter den Leidtragenden.

Das Erbbegräbnis lag etwa vier Werst von dem Schlosse entfernt, mitten im dichten Walde. Hier ruhten viele Generationen des alten russischen Magnatengeschlechts, das feinen Adel auf Iwan des Graufamen Regierung zu- rückführte.---

Die sterbliche Hülle der Gräfin Anastasia Pawlowna war nun der Mutter Erde wiedergegeben; die Nachbarn und Freunde verabschiedeten sich von Jegor und Maria. Die junge Frau hatte sich tapfer gehalten. Jetzt aber, wo sie allein ist, und die festen Mauern des Schlosses sie umfangen, bricht sie kraft- und mutlos zusammen; sie weint herzbrechend und klammert sich an ihren Mann.

„Du mugt schlafen," sagt der Graf, „ich werde Dir ein Schlafpulver eingeben."

Sie ist so müde und nervös, daß sie willenlos gehorcht.

Bald decken die langen Wimpern die dunkelblauen Augen. Jegor sitzt ueber! dem Bett. Krampfhaft hält sein junges Weib seine Hand umklammert, als ob sie sich fürchtete. Einige Male versuchte er, sich zu entfernen, aber jedes Mal erwachte Maria.

„Geh' nicht fort," flehte sie halb im Schlaf.

Und er bleibt; er hält treue Wacht, bis seine- Frau wirklich fest und tief schläft.

Dec Graf tritt an das Fenster seines nebenanlicgen- den Schreibzimmers und blickt hinaus. Es ist eine mond­helle Nacht. Wie gespenstische Schatten ragen die das Schloß umgebenden hohen Bäume empor. Und plötzlich ertönt wieder das unheimliche Geheul der Wölfe aus dem Walde herüber. Der Schnee, der in den letzten Tagen gefallen ist, hat die Erde an manchen Stellen fußhoch be­deckt. Die wilden Nauebtiers hullgern; sie suchen gierig

tidergegangen ist, die Selbstverwaltung einzusnyren, ist -er Danziger Stadtrat Houtermcons gewählt worden.

Bei der Bestattung Singers, die am Sonntag mittag vom Hause der Vcrlagsanstalt „Vorwärts" in Berlin aus erfolgen soll rechnet man auf eine Beteiligung von zirka 50 000 Personen. Die Ordnung im Zuge wird durch von der Partei gestellte Ordner aufrecht erhalten.

Ein Mietcrschutzverein, der durch Aufstellen schwarzer Listen, durch gemeinsame Regelung der Vertragsbeding­ungen usw. den Hausbesitzern gegenüber die Interessen der Mieter wahimehmen will, hat sich in Worms gebildet.

Eingestellte Brauereibetricbc in Bayern. Die dem reichsten Manne in Bayern, Freiherr von Cramer-Klett, gehörige Klosterbrauerei Wessobrunn in Oberbayern hat, weil sie den Bierpreis nicht erhöhen wollte, den Betrieb ein­gestellt. Ebenso hat Graf Freysing in Moß schon vor einiger Zett den Betrieb eingestellt.

Das größte Unterseeboot der Welt, das französische Boot „Mariotte", mit einer Wasserverdrängung von 1100 Tonnen, ist am Donnerstag in Cherbourg vom Stapel ge­laufen.

In große Aufregung wurden in vergangener Nacht die Reisenden des D-Znges Berlin-Bromberg versetzt. Ein Reisender wurde plötzlich irrsinnig, kobte und schrie, entle­digte sich sämtlicher Kleidung und rannte nackt auf dem Seitengange des stark besetzten Wagens hin und her. Als der Zug in Bromberg eintraf, wurde der Unglückliche aus dem Wagen entfernt und in das Krankenhaus gebracht. Der Mann ist ein russischer Rechtsanwalt.

Eine überraschende Entdeckung machten Möbelträger in Steglitz bei Berlin. Eine in der Schloßstraße dort woh­nende Rentiere zieht nach Leipzig um. Als nun am Mitt­woch die Möbelträger ein Sofa auf der Straße anseinan- dernahmen, um es besser verpacken zu können, fielen drei Tausnidmarkscheinc heraus. Die Besitzerin hatte das Geld vor Jahren im Sofa versteckt und es inzwischen — verges­sen! Tie ehrlichen Möbelträger erhielten eine anständige Belohnung .

Ein schweres Brandnuglück ereignete sich Donnerstag früh tu der Rauchstraße im Berliner Tiergarten. In der dort belegenen Villa eines Rentiers brach durch Unvor­sichtigkeit ein Brand ans, bei dem der Rentier lebensge­fährliche Brandwunden davontrng, sodaß er nach dem Kran­kenhaus geschafft werden mußte. Vier junge Mädchen, die infolge starker Verqualmung die Treppe nicht mehr passie­ren sonnten, flüchteten auf das Dach eines Wintergartens und wurden vom hier aus durch die Feuerwehr über Lei­tern in Sicherheit gebracht.

Opfer des Eissports. In Wartenbnrg (Bez. Magde­burg) ertranf ein 14jähriges Schulmädchen bei der Rettung feiner im Eise etngevrochenen Schwester. In Eidelstedt bet Hamburg brachen zwei Brüder beim Schlittschuhlaufen ein und ertranken.

Der Plan zu einem großen Ncntb in der MoSkaner Kirche zur Erscheinung der heiligen Jungsrau, die enorme Reichtümer besitzt, wurde den Behörden verraten. Die Diebe wurden bei der Arbeit überrascht. Einer von ihnen wurde im Altarraum verhaftet.

Die Opfer des Erdbebens auf den Philippinen. Nach neueren Angaben beträgt die Zahl der bei dem jüngsten vulkanischen Ausbruch auf den Philippinern und der damit verbundenen Springwelle ums Leben gekommenen Per- sonen etwa MO. .

M§ den ^rkbtssäkn.

Eine Gerichtsentscheidung über den Impfzwang. Das preußische Oberverwaltungsgericht hatte zu der für viele Eltern überaus wichtigen Frage Stellung zn nehmen, ob Eltern verpflichtet find, ihre Kinder impfen zu lassen. Der Kaufmann T. war in Strafe genommen worden, weil er seine Tochter nicht hatte impfen lassen; in letzter In­stanz war er aber freigefprodjen worden. Alsdann erhielt er die polizeiliche Aufforderung, sein Kind impfen zu lassen, andernfalls würbe die Polizeibehörde die Impfung auf Kosten deS T. ausführen lassen. Nach fruchtloser Beschwerde erhob T. Klage und betonte, ein Impfzwang bestehe nicht; der Zwang in dem Entwurf des Jmpfgesctzes sei durch den Reichstag Beseitigt worden. Das Oberverwaltungsge­richt wies jedoch die von T. erhobene Klage ab und führte n. a. aus, es habe unzweifelhaft in der Absicht des Gesetz­gebers -gelegen, einen Imp fz w a n g einzuführen. Die Po­lizeibehörde könne die Impfung auf Kosten des Vaters durch einen Arzt vornehmen lassen, wenn der Vater nicht dafür sorge, daß sein Kind geimpft werde. Abweichend von anderen Oberlandesgerichteu nimmt ferner das Kammer- gericht an, daß ein Vater nicht nur einmal, sondern wieder­holt verurteilt werben könne, falls er sein Kind nicht impfen lasse. Nur in dem Falle brauchen Eltern ihre Kin­der nicht impfen zu lassen, wenn damit im einzelnen Falle eine Gefahr für Leben und Gesundheit verbunden sei. Auch besteht ein Impfzwang nur für Kinder, nicht aber für er- wachsene Personen.

Uemiscbtn.

Mit 150 909 Mark Schulden verschwunden. Das nächt­liche Berlin ist um eine bedeutende Attraktion ärmer ge­worden. Ein findiger Unternehmer aus Wien hatte, um einem „dringenden Bedürfniffe" abzuhelfen, das alte

nach Beute. In mehr als einen Stall der entfernt lie­genden Bauerngehöfte brachen sie ein, und sogar ein klei­nes Kind versuchten sie zu erwürgen. Zum Glück ver­scheuchte der Vater die Bestien noch rechtzeitig.

Jegor Wallutjeff hat dies erfahren, und sein Jäger­herz regt sich mächtig. Er muß noch ungefähr eine Woche auf dem Gut Walkowa bleiben, um mit seinen Verwaltern noch manches zu ordnen. Der Graf will auf vie Wolfsjagd gehen; sein sicherer Schuß hat noch selten gefehlt, er hofft, einige Wölfe zu erlegen. Eine große, dunkle Gestalt, läuft da soeben über den Platz vor dem Schloß. Sie ist zu groß für einen Hund; grünliche Augen funkeln aus dem Kopf. Einige Sekunden bleibt das Untier stehen; es ist ein riesengroßer Wolf. Des Grafen Hand zuckt nach der doppelläufigen Flinte, die an der Wand hängt; aber er sagt sich, daß er den Schlaf seiner Frau nicht stören darf, und gerade an dem heutigen Trauertage widerstrebt es ihm, seiner Jagdleidenschaft nachzugeben.

„Na warte," murmelte er leise, „ich kriege Dich schon noch."

Er meint damit den Wolf, der sich leise davonschleicht.

Die Bestie muß wohl nichts gefunden haben, was ge­eignet gewesen wäre, ihren Hunger zu stillen. Ihr wil­des Geheul erklingt nach einer Weile schauerlich aus dem Walde. Weiter und weiter dringt es herüber, bis es in der Ferne erstirbt.

„Jeger'" ruft Maria ängstlich.

Er eilt zu ihr und beruhigt sie, dann legt auch er sich zur Ruhe.

Am liebsten wäre die Gräfin schon am Tage nach der Beerdigung zurückgereist; aber Wallutjeff bat sie, noch zu bleiben, bis er die dringendsten Geschäfte geordnet hatte. Alle Tage bekamen die Eltern eine Depesche aus Petersburg von Lisaweta Borissowna; der kleine Alexei war gesund und munter. Durch diese guten Nachrichten beruhigt, blieb Maria in Walkowa; die Stille des Waldes tat ihren Nerven gut. (Forts, folgt.) ,