Gießener Jettnng
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Verlag der „Giestener Zeitung" G. m. b. H.
Enthält alle amtt. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer
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Nr. 205»
Telephon: Nr. 362.
Dienslag, den 3. Oktober 1911.
Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg.
Parteipolitischer.
Reichstagswahlen 1912.
— Hanau. Die Vertreter des Nationalliberalen Vereins und der Fortschrittlichen Volkspartei für den Neichstagswahlkreis Hauau-Geluhausen-Orb wollen den nationalliberalen Kandidaten Baurat Wohlfahrt als gemeinsamen liberalen Kandidaten aufstellen.
Hessische Landtagswahlen 1911.
§ Die Nationalliberalen in Offenbach a. M. haben beschlossen, die Kandidatur dem Syndikus der Handelskammer, Dr. Joseph Cratz, anzutragen.
§ Mainz. Die Fortschrittliche Volkspartei beschloß in seiner letzten Sitzung einstimmig, bei der nächsten Landtagswahl einen eigenen Kandidaten auszustellen.
Hu$ Stadt und Land.
Gießen, 3. Oktober 1911.
n Zum theologischen Ehrendoktor wurde von der Universität Ehristiania aus Anlaß ihres 100jährigen Jubiläums der Professor der hessischen Landesuniversität D. Hermann Gunkel gewählt.
n Aus dem Kongreß für Innere Mission, der z. Zt. m Stettin tagt, ist die theologische Fakultät der Universität Gießen durch Dekan Prof. D. S ch i a n vertreten.
n Der Lic. Paul E l a u e hat einen Ruf als außerordentlicher Professor nach Jena erhalten.
n Geh. Justizrat Dr. Entfleisch hat sein Amt als elfter Vorsitzender der hessischen Anwaltskammer lang m gelegt- Er gehörte dem Vorstände 32 Jahre
n Am Sonntag vormittag fand im Gewerbehause die U e b e r r e i ch u n g d e r M e i st e r b r i e s e an die Prüflinge statt, die sich den letzten Meisterprüfungen unterzogen hatten. Mit diesem feierlichen Schlußakt haben 62 Handwerker sich den Titel „Meister" für ihren Beruf erworben. Der 1. Vorsitzende der Meisterprüfungskommission für die Provinz Oberhessen, Baumeister Traber, begrüßte die zahlreiche Feswersammlung, insbesondere die Vertreter der Regierung und der Handwerkskammer, streifte die Verhältnisse des Handwerks im Mittelalter, betonte den Wert der heutigen Meisterprüfungen und teilte mit, daß die Anforderungen an das Handwerk und damit an die Meister immer größer werden. Dieser Befähigungssteigerung konnte sich auch die Prüfungskommission nicht verschließen und hat an die Prüflinge z. T. sehr scharfe Bedingungen gestellt; so daß ein Prüfling schon gleich zu Beginn der Prüfungen zurücktrat mit der allerdings lobenswerten Offenheit, daß er für die ihm gestellten Aufgaben sich nicht genügend vorbereitet fühle. Regierungsrat Welcker gab den Jungmeistern das Sprichwort: „Rast ich, so rost ich" mit auf den Weg. Gewerberat Falck- Mainz, der Vorsitzende der Hess. Handwerkskammer ermahnte die Prüflinge für eine gute Ausbildung der Lehrlinge besorgt zu bleiben und auch selbst durch Weiterbildung im Beruf und Betätigung an öffentlichen Angelegenheiten für das Handwerk zu wirken. Das Handwerk verlangt tüchtige Männer. Kaufmann Röhr überbrachte die Glückwünsche der Handelskammer Gießen und Professor Dr. Krausmüller die des Gewerbevereins Gießen mit der sehr beachtenswerten Ermahnung, daß sich die Jungmeister den in ihren Wohnorten bestehenden gewerblichen Vereinigungen anschliehen sollten. Architekt Huhn, der stellv. Vorsitzende der Prüfungskommission, ermahnte die Prüflinge zu einer geordneten Geschäfts - sührung, Stadtv. Petri zur Kollegialität zu ihren anderen Berufsmeistern, dann würde manches anders werden. Baumeister Traber sprach dann kraft seines Amtes 62 Kandidaten, die 25 verschiedenen Berufen angehören und in 31 Orten Oberhessens wohnen, zu geprüften Meistern und die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Huhn und Keßler teilten daran anschließend die Meisterbriefe unter Handschlag an folgende Herren aus:
Schuhmacher: Ad. Schütz-Butzbach, Jak. Krausgrill-Niederweisel, Jul. König-Bad-Nauheim, Konrad Ratz-Gambach, Ludwig Hill-Gießen. Schneider: Jak. Kurtz-Lauterbach, Dönges-Bleichenbach, Heinrich Rausch-Maar. Buchbinder: Eg. Häuser =* Gießen. Ta 1 tler: H. Köhler-Hungen. Maler- u. Weißbinder: Gustav Schmidt-Gießen. Spengler u. Installateure: O. Pfeffer-Grünberd, Ernst Adam-
Gießen. I n st a l l a 1 e u r: Hrch. Pirr-Großen-Linden. Spengler: Heinrich Deis-Nieder-Florstadt. Friseure: E. Stutzenstein-Gießen, Gg. Hclfenbein-Lau- terbach. Rud. Leim-Alsfeld. Schriftsetzer: Bernh. Munk-Gießen. Buchdrucker: E. Kloos-Nidda. B ä- ck e r: O. Reuter-Gießen, Aug. Noll-Gießen, W. Ulrich-Dorheim, W. Schmidt-Büdingen, E. Nagel-Büdingen. S ch o r n st e i n f e g e r: H. Büttner-Nieder-Wei- sel. Vackosenbauer: Eg. Martiny-Gießen. Bildhauer: M. Berle-Gießen. Maurer: Joh. Balser' Bettenhausen. Zimmerer: K. Müller-Gießen, F. Meuser-Büdingen, Joh. Vogel-Gelnhaar. Schreiner: W. Vetter^Kloppenheim, Ludwig Schepp-Hausen, L. Hof-Bersrod, K. Müller-Alsfeld, W. Bender-Gießen, W. L. Arnold-Beuern. Steinmetzen: P. Mülles Treis a. d. Lda. Glaser: K. Gaul-Büdingen. M e tz- g e r: H. Vuschmann-Ober-Rosbach, K. Christ-Homberg a. d. O., K. Duchardt-Alsfeld, Aug. Lein-Büdingen, Jul. Aulmann-Gießen, Joh. Duchardt-Lauterbach, W. Reitz-Gießen, M. Weghorn-Gießen, Wilhelm Methfeffel- Büdingen, Ludw. Schmidt-Büdingen, Joh. Schnell- Lauterbach, Aug. Vest-Nauheim, Wilhelm Hartmann - Stockheim, Christ. Albert-Büdingen. Schlosser: Fr. Vourgois-Gießen, Adam Kircher-Gießen, Daniel Schäfer-Grünberg. Schmiede: Hch. Meidt-Lang-Göns, R. Wittich-Nieder-Gemünden, Ludw. Weinmann-Holzhausen v. d. Höhe. Kupferschmiede: Hartmann Falkenhainer-Alsseld.
Nach dieser offiziellen Feier fand im Case Ebel ein Festessen statt, das alle Beteiligte noch gemütlich einige Stunden vereinigte.
n Bei dem Großh. Staatsministerium wie auch bei dem Neichsbankdirektorium ist die Handelskammer Gießen wegen Umwandlung der Reichsbank- nebenstelle in eine Reichsbankstelle vorstellig geworden.
n Zum Winterfahrplanentwurf der Biebertal- b a h n hat die Handelskammer Gießen den Wunsch ausgesprochen, daß der ein über den anderen Sonntag um 9 Uhr abends von Gießen nach Bieber zur Beförderung des Fahrpersonals abgehende Zug in den Fahrplan ausgenommen und die Abfahrtszeit auf etwa 11 Uhr festgesetzt wird.
n Einem Anträge der Handelskammer entsprechend, hat die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. die Abfahrt des Zuges 532 Fulda — Alsfeld vom 1. Oktober d. Js. ab auf 11.02 Uhr nachmittags festgesetzt, wodurch der gewünschte Anschluß an den Zug D 87 (Fulda an 10,54 Uhr nachmittags) hergestellt wird.
n Die Handelskammer Gießen ist von neuem wegen Einlegung eines neuen Zuges auf der Strecke Gießen— Fulda vorstellig geworden.
n Vor der Meisterprüfungskommission für Oberhessen bestanden in diesem Jahre 64 Hand - werker aus 22 Berufen die Prüfung. Seit dem nunmehr zehnjährigen Bestehen der Kommission haben im ganzen ihre Prüfung als Meister 623 Handwerker aus den verschiedensten Berufen abgelegt. — Nächsten Sonntag vormittag erhalten die Jung-Meister der letzten Prüfung im Gewerbeschulhaus zu Gießen ihren Meisterbrief.
n Gegen das Urteil des Schwurgerichts wird der zum Tode verurteilte Erbe Revision beim Reichsgericht einlegen. Beim Verlassen des Sitzungssaales machte Erbe seinem Groll gegen seine ehemalige Geliebte Kath. Wolf Luft, der er unflätige und drohende Worte zurief. Die während der Verhandlung bis zuletzt bewahrte Fassung hat Erbe vollständig verloren; er weint und schluchzt wie ein Kind.
n Die letzten Aufführungen der Oberammergauer Passionsspiele, die wiederum mit größter Begeisterung ausgenommen und von vielen Hunderttausenden besucht wurden, gaben den Anlaß dazu, über diese herrlichen Darstellungen neue Lichtbildserien zu schaffen. Dieselben werden uns mit Vortrag des Herrn Ingenieur Haal aus Mainz vorgeführt (siehe Inserat) und wird hoffentlich niemand diese Gelegenheit, welche uns so leicht nicht mehr geboten wird, versäumen. Der ausgezeichnete Dichter und Schriftsteller Rudolf Greinz. schreibt kurz: Eine weihevolle Stunde, in der Sie mir Ihr Oberammer - gauer Passion vermittelten, wird mir immerdar unvergeßlich bleiben. In Gießen findet die Aufführung am Mittwoch, den 4. und Donnerstag, den 5. d. Mts. im Saale des Hotel Einhorn statt, und zwar nachmittags 5 Uhr für Schüler und abends 8% Uhr für Erwachsene. Der Vorverkauf für die Abendvorführungen befindet sich in der Musikalienhandlung Ehallier.
o Heuchelheim. Ein hiesiger Einwohner reiste nach Koblenz und ertränkte sich dort im Rhein.
o Aus dem Vogelsberg. Für Verbessern« gen der Hutweiden sind vom Hess. Staate im Rech nungsjahr 1910 insgesamt 18 357.12 Mk. Meliorations- kosten aufgewendet worden. Die Zahl der Gemeinden betrug 9, davon 5 im Kreise Lauterbach und 4 im Kreise Schotten.
o Bermuthshain. Die hiesige Bürgermeisterwahl ist einem Fuhrwerksbesitzer aus Salz recht ver hängnisvoll geworden. Er hatte au dem Zechgelage nach der Wahl teitgenommen. Auf der Heimfahrt stürzte er zwischen hier und Ober-Moos von seinem beladenen Wagen und zog sich erhebliche Verletzungen zu. Erwürbe bewußtlos nach Bermuthshain zurückverbracht.
s Darm st ad 1, 1. Okt. Der weit über Hessens hinaus bekannte Inhaber der hiesigen Hosmöbelfabrik J. Gluckert, Kommerzienrat Julius Glucker t, ist gestern abend infolge eines aus einer Erholungstour im Süden erlittenen Unfalls g e st o r b e u. Der Verewigte stand im 62. Lebensjahre. .
s Darm st ad t. Geheimerat Haas hat in voll - ständiger körperlicher und geistiger Frische die Geschäfte wieder übernommen.
s Worms. Die 28 Jahre alte, von ihrem Manne getrennt lebende Ehefrau Peter Schüttler hat sich in ihrer elterlichen Wohnung erschossen.
s Neu-Isenburg. Der Tagelöhner Georg
Heilbronn wurde wegen Totschlags
7 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren teilt.
seiner Ehefrau zu Ehrverlust verur-
Winzer bemächtigt
! Aus Rheinhessen. Der
sich an vielen, Orten eine große Aufregung, die die Händler die Preise für Portugieser Trauben stark herunterdrücken. Sie treten zahlreich den bereits bestehenden Winzergenossenschaften bei, und in anderen Gemeinden werden neue Genossenschaften gegründet, um die gutgeratenen Trauben nicht zu Schleuderpreisen abgeben zu müssen. An einzelnen Orten ist es wegen des niedrigen Angebots sogar zu Tätlichkeiten zwischen den Bauern und Händlern gekommen.
! Vom Mittelrhein. Das verkaufte Schwein. In einem mittelrheinischen Orte verkaufte die Frau eines Landwirtes an einen Metzger ein Schwein. Der Ehemann der Verkäuferin schrieb darauf dem Metzgermeister folgende Bestätigung: „Teile Ihnen hierdurch mit, daß ich mit dem Verkauf meiner Frau einverstanden bin, ich überlasse Ihnen das Schwein für 65 Pfg." Für den Spott brauchte er keine Sorge zu tragen.
! Ober-Ingelheim, 27. Sep. In einem benachbarten Dorfe sind einem Landwirt von seinem eigenen Sohne nach und nach sämtliche Enten von der Straße gestohlen worden.
! Mainz. Dem Schlosserlehrling Heinrich Claß- mann von hier ist die für besonders fleißige und tüchtige Handwerkslehrlinge der Staatseisenbahnwerkstätten gestiftete Medaille in Silber verliehen worden.
Wichtige Worte an unsere Frauen.
Frauen ohne zeitweilige Beschwerden gibt es wenige. Von Kindheit bis zum Alter scheint Leiden ein Teil der Frau zu sein. Vielfach hört man sagen, „ich bin nicht mehr so stark wie früher und fürchte, daß ich so nie mehr sein werde." Es liegt dies in dem Blutzustande, welcher seine richtige Beschaffenheit nicht hat und dadurch das Nervensystem sowie der ganze Körper mangelhaft gespeist wird.
Frauen und Mädchen in den Uebergangsjahren unterliegen vielen Störungen, welche speziell auf das Blut und die Nerven zurückzuführen sind, und kann Leciferrin nicht hochgenug geschätzt werden. Leciferrin ist ein Präparat, welches von anerkannt vorzüglicher Wirkung ist, um das Blut in einen gesunden, kräftigen Zustand zu versetzen, dessen Cirkulation zu heben, sowie die Nerven zu kräftigen und den ganzen Körper widerstandsfähig zu machen. Vielfach erprobt und von Autoritäten verordnet.
Leciferrin (Ovo-Lecithin-Eisen) kostet Mk. 3 — die Flasche. Beim Einkauf achte man genau auf das Wort Leciferrin. In Apotheken erhältlich, ganz sicher von: Universitäts - Apotheke Gießen und Engel-Apotheke in Franlfurt a. Main.