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Eine Messerstecherei im Straßenbahnwagen ist in der Knesebeckstraße zu Nixdorf aus zwei Straßenbahn­beamte verübt worden. Der Schaffner hatte zwei Fahr­gäste zurückgewiesen, weil der Wagen im Innern be­setzt war, und forderte die beiden am, den Vorderperron au besteigen. Unwillig folgten sie der Anordnung, und stellten sich neben den Fahrer, den sie fortwährend hän­selten. Als der Wagen leer war, begaben sie sich in das Wageninnere. Kurz vor der Endstation trat der Schaff­ner in den Innenraum und ging an den beiden vorbei. In diesem Augenblick zog der Nettere, der Schmidt heißt, ein Messer aus der Tasche und stach nach dem Kopse des Schaffners Ein daneben sitzender Herr riß jedoch im letzten Augenblicke den Beamten zurück, so daß der Stich nur die Wange des Schaffners durchbohrte und die Zunge verletzte. Der Fahrer kam darauf seinem Kol­legen zu Hilse und hieb Schmidt mit einer Eisenstange aus den Kopf, so daß er bewußtlos zusammenbrach. Später stellte sich heraus, daß Schmidt geisteskrank ist.

ApachencAttentat auf einen Bankkassierer. Ein fre­cher Raubanfall wurde nach einer Meldung aus Paris in dem Vorort Saint-Denis auf den Kassierer einer Pri­vatbank verübt. Der Kassierer hatte bei der dortigen Filiale der Bank von Frankreich einen Scheck in Höhe von 75 000 Franken etnkassiert und hatte kaum das Ge­bäude verlassen, als er von zwei Apachen hinterrücks überfallen wurde. Die Täter warfen ihm ein Hals­tuch über den Kopf und knebelten ihn. Einer der Räu­ber drückte den Kassierer zu Boden, während der an­dere ihm die Taschen ausraubte. Der Vorgang spielte sich mit Blitzesschnelle ab und wäre auch wohl kaum be­merkt worden, wenn nicht zitfällig zwei Polizisten des Weges gekommen wären. Als die Apachen diese erblick­ten, ließen sie von ihrem Opfer los und suchten das Weite. Es gelang jedoch der. Beamten, die Räuber ein- zuholen und festzunehmen. -lötzlich riß einer der Ver­brecher einen Revolver aus der Tasche und feuerte auf die Polizisten, ohne jedoch zu treffen. Bei dem einen Räuber fand man 47 000 Franken vor. Der übrige Teil des Geldes befand sich noch im Besitz des Kassierers.

Edisons Wahlredemaschine. Der bekannte Erfinder Edison hat, wie man aus Neuyork meldet, die Konstruk­tion einer Wahlredemaschine mit welcher er sich seit längerer Zeit beschäftigte, jetzt vollendet, mid die Er­findung dem Präsidenten Taft vorgeführt. Die Maschine ist eine Kombination von Phonograph und Kinemato­graph. Während durch den Phonographen die Rede deS Wahlkandtdaten reproduziert wird, gibt der Kinemato- araph die Gesten wieder. Edison hat diese Maschine dem republikanischen Nationalkomitee zum Kauf cm- geboten und diesem Komitee für den Fall des Ankaufes baß Monopol für die Benutzung der Maschine zu Wahl- vropagandazwecken zugesichert. Es wird für wahrschein­lich erachtet, daß Präsident Taft sich bei den nächsten Na­tionalwahlen der neuen Erfindung Edisons bedienen wird.

Verhaftete BerlinerTripolisfreiwillige." Vor eini­gen Tagen flüchteten die bei einer Berliner Handels­gesellschaft beschäftigten 17jährigen Hausdiener Witzlau und Max Kauko nach Unterschlagung von 700 Mark. Die beiden jungen Leute wurden in einem Hotel ver­haftet. Sie gaben beim Verhör an, daß sie sich das Geld angeeignet hätten, um nach Tripolis zu fahren und in den Reihen der Würfen gegen die Italiener zu kämpfen. In derKriegskasse" fand man bei ihnen noch 600 jZ und 149 Kronen. Die beidenSchlachtenbumm­ler" werden nach Berlin ausgeliefert werden.

Mysteriöser Vorfall h der Wohnung eines Wei­chenstellers. Der Bahnhofsvorsteher in Golzow an der Ostbahn fand, als er den erfranften Weichensteller Krause besuchen wollte, dessen Wohnung fest verschlos­sen. Ein sofort herbeigeholter Wachtmeister fand eben­falls keinen Einlaß und mußte einen Schlosser holen, der die Wohnung öffnete. Diese war total verqualmt. Die Familie des kranken Bahnwärters, die Frau und zwei Kinder, wurden in den Betten bewußtlos ausge- unden. Dem Manne waren die Beine und Hände ge- esselt. Aus einem in der Stube stellenden brennenden Koksofen entströmten giftige Gase. Die vier bewußt- osen und nicht vernehmungsfähigen Personen wurden osort auf ärztliche Anordnung in ein Krankenhaus be­ordert, in dem sie sämtlich bedenklich danttederliegeu.

Ein Geschenk deS Fürsten Bülow an den Reichs? tag. Der Vorstand des Reichstages idic Präsidenten. Schriftführer und Quästoren) trat am Donnerstag vor Beginn der Plenarsitzung zusammen, um sich mit ei­nem Vorschlag des ehemaligen Reichskanzlers Fürsten Bülow zu beschäftiget!. Fürst Bülow bat nämlich dem Reichstag Mitteilen lassen, daß er eine Kopie seines von Leubach gemalten Bildes dem Reichstag schenken wolle, damit es an passender Stelle aufgellängt werde. Gleich­zeitig gab er bekannt, daß er in feinern Testament das Original des Conbads)Wen Bildes dem Reichstag ver­macht habe Der Vorstand beschloß, das Angebot des Fürsten Bülow mit Tank anzunehmen und ihm den Dank durch den Präsidenten aussprechen zu lassen. Die Kopie soll neben bem Bilde des Fürsten Bismarck im Bundesratssaal aufgehängt und nach dem Tode des Fürsten Bülow durch das Original erß'tzt werden.

Majewski," sagte er, als wenn er zu einem Kinde spräche,ich muß Sie in der Tat achten wegen Ihres rücksichtsvollen Verhaltens. Und das um so mehr, da Sie von jenem Mädchen verraten worden sind. Die Eifersucht, die sie dazu veranlaßt hat, ist ganz haltlos, nicht wahr?"

Gott, Herr Untersuchungsrichter, man macht ja hin und wieder seine Heinen Seitensprünge. Aber im großen und ganzen bin ich ihr doch stets treu gewesen."

Schön. Und Sie haben sie auch unterstützt, nicht wahr?"

Dazu war ich verpflichtet."

Und nun ist sie so undankbar gegen Sie! Sie ver­dient Ihre zarte Schonung gar nicht."

Aber ich ich liebe sie doch immer noch!"

So? Sie sind ein tadelloser Gemütsmensch, das muß man sagen. Das wird Ihnen jedoch nichts helfen. Sie können sich nicht von dem Verdacht der vollen Tä­terschaft rein waschen. Hat jenes Mädchen vielleicht das fehlende Geld?"

Welches fehlende Geld?"

Nun, es sind doch dreißigtausend Mark gestohlen oder vielmehr achtundzwanzigtausend. Wo haben Sie nun die übrigen zwanzigtausend Mark gelassen?"

Der Gefragte starrte vor sich hin.

Haben Sie das Geld etwa vergraben?"

Majewski stieß einen unartikulierten Laut aus.

Oder einem Freunde in Verwahrung gegeben?"

Die unartikulierten Laute des Verbrechers steiger­ten sich rasch zu einem unheimlichen Geschrei, das plötz­lich zu gräßlichem Brüllen anwuchs, als wenn ein wil­des Tier im Käfig sich gegen seinen Bändiger auflehnt. Dabei gewährte er einen Anblick, der auch starknervigen Männern Furcht einzufwßen imstande war. Nur nicht dem an derartige Szenen schon gewöhnten Herrn von Scharffenstein. Er hatte rasch auf einen elektrischen Knopf seines Tisches gebrückt, und sofort sprangen vier

DaS Ende derEakeS". Ein Preisausschreiben mit einer dem besten Verdeutscher des Wortes winken­den Belohnung sollte das undentsche WortCakes" frü­her aus unserm Sprachschatz ausmerzen. Jetzt bat nun der Verband derjenigen Fabriken, die die knusperigen Dinger in die Welt setzen, aus dem englischenCakes" einfachKekS" gemacht. Sämtliche Verbandsmitglicder haben sich verpflichtet, hinfort ihr Erzeugnis nur noch Keks" zu nennen und unter dieser Schreibweise in den Handel zu bringen. Dementsprechend nennt sich der Verband auch bereitsVerband der Keks-Fabrikanten".

Uinderelenv in Großstädten.

Geradezu erschütternde Daten Uber unmenschliche Verbrechen an Kindern und über den Handel mit be­mitleidenswerten Kindern zu den abscheulichsten und schändlichsten Zwecken hat die bekannte ehemalige Stutt­garter Polizemssistentin Henriette Arendt in einem Buche gesammelt, dem sie den TitelKleine weiße Slla- ven" gegeben hat, und das soeben im Buchhandel (Vita, Deutsches Verlagshaus, Berlin) erschienen ist. Wir ent­nehmen diesem Buche nur einige Mitteilungen über die Ausbeutung von Kindern als Bettler und über künstliche Herstellung von Krüppeln im frühesten Kin- desalter, deren mitleiderweckendes Aussehen die Pas­santen zu Almosen veranlassen soll, das von den Pei­nigern dieser Kinder verpraßt wird. Man hat geglanbt, derartige Tatsachen seien Ausgeburten einer Kolpor­tagephantasie und gehörten zu den romantischen Er­zählungen von entsühnen Kindern und dergleichen. Lei­der aber handelt es sich um Wahrheit.

Frau Arendt berichtet beispielsweise nach Angaben eines Berliner Waisenrats nachstehende Tatsachen ans Berlin: Ein Herr berichtet, daß allabendlich ein in Lum­pen gehülltes sechsjähriges schwächliches Mädchen auf der Weidendammer B'ücke in Berlin von einem Orgel- dreher angehalten wird, bei den Vorübergehenden Ga­ben zu erbettel',. Die Recherchen durch Stadlmissionare ergaben, daß das kleine Mädchen von dem Orgeldreher gemietet war Aus eigenen Berichten des Mannes ging er vor, daß das Mitleid der Leute für das frierende Kind so groß war, daß er aus deu Durchschuittsgewiun von zwanzig Mark täglich rechnen sonnte. Seine Häus­lichkeit war wohlhabend zu nennen und feinen Sohn ließ er gut erziehen . . . Ein Ehepaar aus dem Süden von Berlin halte zwei Knaben im Alter von fünf und sechs Jahren. Der älteste war von der Mittler in die @be mitgebrachi worden. Beide Eltern waren gewerbs­mäßige Diebe, die Frau auch Berussbettlerin. Zwei Jahre linkte sie die Stadtmission aus. Dort erkannt, wandte sie sich an eine Metyodtstengemetnde mit dem Wunsche, ihre Kinder getauft zu bekommen. Dies ge­schah auch wirklich, obwohl die Kinder durch Vermitt­lung der Stadtmission schon getauft waren. Sie gab stets an, cheverlassen zu sein, während sie in Wahr­heit mit ihrem Mann zusammen lebte, wenn er nicht im Zuchthaus war. Im November 1898 hatte er eben eine zweijährige Zuchthausstrafe verbüßt, die Frau im Februar 1898 eine acbtzehnmonatige. Die Kinder wur­den systematisch zum Stehlen und Betteln erzogen. Auf ihren Bettelgäugen dnrch Berlin nahm die Frau meist noch ein kleines, elendes, gemietetes Kind mit, umdie Herzen zu erwärmen". Sie hatte sehr viel Glück. fand stets mitleidige Menschen, und Augenzeugen berichten, wie die Familie, während sie nach des Tages Mühen sich es gut schmecken ließ, bei einem nichts weniger als frugalen Abendbrot, wo die geistigen Getränke nicht fehlten, sich über das Mitleid der Leute lustig machte und darüber lachte, wie diese oder jene Dame mit Tränen in den Augen all das Leid und die Not sich erzählen ließ von der armen Frau.

Im Jahre 1904 wurden in Berlin mehrere Kin­derhändler verhaftet, die ausländische kleine Knaben an sich gelockt hatten, angeblich nm sie mit Mäusefallen usw. hausieren zu lassen. Diese Kinder wurden zum Betteln und Stehlen avaehalteu und erbarmungslos mißhan­delt, wenn sie nicht genügend heimbrachten. Das Haupt der Gesellschaft war eht Ungar, der das durch seine kleinen Sklaven" erworbene Geld mit Dirnen ver­praßte. Er unterhielt auch in Potsdam, Magdeburg und Hannover Quartiere, das heißt elende Löcher, wo die Kinder auf faulem Stroh schlafen mußten, und sobald ihm in Berlin Gefahr durch Entdeckung drohte, beför­derte er die Kinder dorthin. Die ganze Gesellschaft wurde schließlich verhaftet und die armen Knaben in ihre Heimat zurückbefördert. Der italienische Soztalpo- Ittifer Ferriani veröffentlicht in einer italienischen Zeit­schrift einen Brief, den er aus Berlin erhielt, vetrefsend das ruchlose Treiben eines Banditen, der zwei Kinder ihren Angehörigen abgekauft hatte. Tagsüber wurden die Kinder mit Strohflechten beschäftigt, und abends mußten sie. wenn sie nicht verhungern wollten, sich in den Straßen Berlins ihre Nahrung durch Betteln ver­schaffen Noch schrecklicher ist das Elend der unglückli­chen Geschöpfe im Ausland, in Paris, London und Brüs­sel, wo sie nicht nur der Bettelindustrie, sondern auch dem Berbrechen und dem Laster erbarmungslos ge­opfert werden.

herkulische Polizisten herein, denen die Kommissare Weide und Bardekow auf dem Fuße folgten.

Majewski warf sich ihnen mit der Kraft der Ver­zweiflung entgegen, aber nach kurzem Kampf war er von der Nebermacht überwältigt und wurde auf dem Stuhle festgehalten. Er knickte jetzt ganz zusammen und winselte einmal über das andere:Ich Habs doch nicht getan, glaubt mir doch, ihr Menschen! Was wollt ihr denn von mir? Gott im Himmel ist ja mein Zeuge, daß ich nur die achttausend Mark genommen habe. Weiter habe ich nichts, aber auch gar nichts gemacht."

Dann fing er an, seine Miene zu verzerren und Ge­sichter zu schneiden.Hahaha!" lachte er gellend,wenn mir Gott nicht helfen will, so hilft mir vielleicht der Teufel? Jawohl! Satan, Beelzebub, hilf mir! Ich will einen Vertrag mit dir machen"

Führen Sie ihn ab!" gebot Scharffenstein mit strengem Blick, und die vier Beamten schleppten den Verbrecher hinaus.

WaS sagen Sie dazu, meine Herren," wandte sich der Richter an die beiden Kommissare,daß dieser Mensch behauptet, nur das bet ihm vorgefundene Geld gestohlen, sonst aber nichts verbrochen zu haben?"

Bardekows Angen leuchteten. Also der Festge­nommene war noch nicht in vollem Umfange geständig! Nun, bann blieb ja immer noch die Frage offen, ob er bei dem Doktor nicht doch auf der richtigen Fährte war! Er warf dem Assessor einen raschen Blick zu, und dieser nickte ihm verstohlen zu.

Solagge wir ihn noch nicht endgültig überführt haben, ist eigentlich kein Grund vorhanden, an seinen Angaben zu zweifeln," sagte er.

Aber dann müßte Loch ein anderer das übrige Geld genommen und den Mord begangen haben!"

Ganz meine Meinung, Herr Rat," gestand Bar- -ekow befriedigt.

Wir tapnen hn Dunkeln," fiel Weide ein,solange

Erblich belastet.

Am DienSmg hat vor dem Wiener Schwurgericht der Prozeß gegen den Dalmatiner NikolanS NiegitS, der am 5. Oktober von der Galerie des österreichischen Abgeordnetenhauses fünf Schüße gegeu die Minister» bank abgeseuert hatte begonnen. Drei von den Schiis- sen schlugen zwischen dem Illstizminister Ritter von Hochcnbnrger und dem damaligen Untcrrtchtsminister, letzigem Ministerpräsidenten Grafen Siürgkb, in die Lehne der Ministerbank ein. Die Schüsse fielen wäh­rend einer Rede des sozialdemokratisch.-n Abgeordneten Schnmeier über die harten Urteile in den TeuernngS- erzessen. Niegus rief, während er losdrückte:Hoch der SozialiSmtts!" Anfänglich wurde die Untersuchung nach der Richtung geführt, ob NjeguS nicht Mitschuldige habe: aber sowohl der Sekretär des Holzarbeiter-Ver­bandes, der ihm in Wien als Führer diente, als auch der sozialistische Abgeordnete durch den er die Galerie­karte erhielt. stellen dem Attentat völlig fern.

Aus Wien meldet man über den Verlauf des Pro- zesses: Das Hauptinteresse der Verüandluug konzen- triert sich außer auf die Verteidigung Wennb der übrigens sehr schlecht Deutsch spricht und mahiWinltcfi durch einen Dolmetscher vernommen werden muh auf die Zeugenaussagen des Ministerpräsidenten Gra­fen Stürgkh und des Iusttzministers Dr. Witter vo? Hochenburaer. die den Schlissen des Attentäters unmit­telbar ausgesetzt waren. Der Angeklagte bekennt f;ch schuldig und beantwortet bann die Fragen über sein Vorleben. Der Vater war ein Säufer, her oft mit dem Revolver in der Wirtsstube umherfchak Die Kinder mußten vor ihm strammstehen. Als bc'- Vater gestor­ben war und die väterliche Strenge nicht mehr mb fte, war er weder von der Mutter iwch vom Vormund zu bändigen und ergab sich dein Trunke. Als Lelnliug wollte er einmal die Werkstätte antteck^n. nm nach Hause geschickt zu werben, weil er Heimweh hatte.

Seiue Konduite beim Militär ist auf. Er wird als gehorsam, willig und von sehr gutem Einfluß auf seine Kameraden geschildert. Er brachte eS 6**8 zum Unter­offizier, geriet aber dann in die sozi<ttdenwlw"sche Propaganden Njeaus hat Konstantins und eine Kovs- operation überstanden. Im Rausche ist er oft zu Er­zessen geueiat und ist auch mehrmals wegen öttentti- cher Gewglttätiakcit durch Qörvernerlcüunn bestraft. Warum er eigentlich nach Wien gereist. weiß er ui Hit recht auzugeben. Irgend etwas weaen der harten Ur­teile in den Teuerungsvrozesserl muhte er unterneh­men. Auch die Bedeutung der Ab^chiedphotog^gohien, die er an seine Freunde auf der Fahr: gesendet hat, wird trotz sehr heftiger Kontroversen zmiswen b^m D"l- metfeh und dem Verteidiger nicht anfgeklärt Vor dem Untersuchungsrichter hat Niegus auch angegeben, daß er auf Ritter von Hochenburger gezielt habe und ihn töten wollte.

Das Urteil.

^ Wien, 1. Dezember. Nach zweitägiger Ver­handlung verurteilte das Schwuroertcht heute nacht den Tischlergesellen Niegus wegeu Mordversuchs an dem Iustizminister Hochenburger zu sieben Jahren schweren Kerkers.

®rofv ^eno^nnteH^hfliinan in N^Un,

Der Konkurs des mohlbekannteu alteingesessenen Berliner Bankgeschäftes Herma im Paasch, dessen Itiba- ber vor kurzem starb, hat eine überraschende Weudnng genommen. Me sich jetzt herausstellt. Hat der verstor­bene Bankier riesige Depokuttterschlagungen verübt, de­ren Höhe zurzeit noch nicht völlig festgestellt ist, die sich aber nach sachverständiaer Schätzung auf 500 bis 000 000 Mark belaufen. Der Bankier Hermann Paasch hatte bereits vor zehn Jahren, als er sich von seinem Kom­pagnon Dietz trennte, mit einer Unterbilanz von 200 ooo Mark zu sümpfen. Seit der Zeit bat^ren bereits die Unterschlagungen ,bte der Bankier, der in der Berliner Finanzwelt sich eines ziemlich guten Rufes erfreute und der Inhaber zahlreicher Orden war, bis zu seinem Tode fortsetzte. Wie sich beranäaefteht hat, spekulierte Paasch, der seinen Geschäftsfreunden .gegenliber sich stets als reeller Geschäftsmann aufspielte und sich scharf gegen jede Spekulation aussprach, an der Londoner Börse in amerikanischen nnd chinesischen Welten, da es in der Berliner Finanzwelt bald ausgefallen wäre, wenn e' seine An- und Verkäufe bei der Berliner Börse vorgenommen hätte. Die Depots seiner Kunden hat der Verstorbene zum Teil bei der Retchsbank, zum Teil beim Mendelssohnschen Baukhause, aber auch in aus- * ländischen Finanzttistituten lombardiert. Ein Teil der Wertpapiere ist nicht ankrufinden. Es ist bisher noch nicht ermittelt, wo die Werte geblieben sind. Pagsch hat durch seine Veruntreuungen auch mehrere Mitglie­der seiner Familie schwer geschädigt, ja sogar ruiniert. So hat er die Einlaaen seiner Schwester und seines Bruders für sich verbraucht und die nicht unbeträcht­lichen Kapitalien beider in Spekulationen verloren.

wir nicht jenes Mädchen festgenommen haben."

Sehr richtig!" bestätigte Scharffenstein.Warum aber spielt dieser Mensch so ganz unvermittelt den wil­den Mann?"

Auch das muß erst untersucht werden, Herr Rat, ob es wirklich eine momentane Geistesstörung war. Ter Verdacht, mit dem ihm entgegengekommen wird, scheint ihn in der Tat sehr zu bedrücken."

Nun, ich werde ihn auf jeden Fall einige Zett von unserem Gerichtsarzt beobachten laffen."

Das geschah denn auch. Aber schon nach acht Tagen war der Physikus Doktor Guhlke vollkommen davon überzeugt, daß Majewski weder den wilden Mann spielte, uoch sonst ein Simulant war, und daß sich in seinem sonderbaren Verhalten nur sein Aerger und seine Wut Luft gemacht hatte. Er berichtete dem Unter­suchungsrichter dieses Ergebnis, wobei Mallmitz und die beiden Kommissare zugegen waren.

Sie meinen also, Herr Doktor," fragte Scharffen­stein,daß dieser Mensch für seine Taten vollständig verantwortlich sei?"

Sicher! Ich hatte auch erst Verdacht, daß er den Mord in einer Art Dämtnerungszustand, wie er aller­dings selten, aber doch zuweilen vorkommt, vollbracht haben könnte. Aber dann müßte er Epileptiker sein oder sonst irgendwelche Störung seiner Psyche und sei­nes Nervensystems zeigen. Das ist aber nicht der Fall, er ist kerngesund."

Blewt also weiter nichts übrig, als zu glauben, daß er wirklich nicht die ganze Tat vollbracht hat, oder daß er nicht alles eingestehen will."

(^iaj vun^MoL)