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Nr 192
Telephon: Nr. 382.
Samstag, den 2. September 1911.
T elepho n: 91t. 862.
23. Jahrg.
Sedan!
Nun trennen uns bereits mehr als 40 Jahre von Sedan, von dem leuchtenden Sonnenschein und der hehren Siegesbotschaft, die dem Wort des Dichters Wahrheit verliehen haben: „Vaterland ! in tausend Jahren kam dir solch ein Frühling kaum!" Neue Geschlechter sind seitdem herangewachsen, denen Sedan kein Erlebnis mehr ist, die damals nicht mitgekämpft, nicht mit- erlebt, die nicht unmittelbar die unversiegliche Weihe der wehrhaften waffenfrohen Stimmung der Sedanzeit cm- pfangen unb für baS ganze Sieben behalten Habel Ine frischen, lebendigen Farben schwinden, die Woge der Erinnerung beginnt schwächer zu werden. Es scheint daß wir matt und müde werden. Es droht die èefahr’ U "lr ,unsob-S selbstbewußten Kriegsmutes, der rau- m X J ?tfct ^'egslust entwöhnen, in der allein die mlÄ^Vx“ Weltgeschichte gedeihen. Darum tut es gut, Die Gedaicken an den Sedanruhm zu pflegen an die wunderglerche Sedanherrlichkeit zu wecken und zu schirmen. d
Freuen wir uns heute auch an dem, was dort völlige" wurde, als ob wir es noch einmal lebten! Be- sicgt und zerschlagen das tapfere Heer und der Kaiser der Kaiser gefangen !" Gefangen der Kaiser der Fran- zosen und samt ihm ein ganzes sieggewohntes Heer das sich für unüberwindlich gehalten hatte. Die Kaiser- kröne, die der Erbe Napoleons des Ersten getragen, lag un otaube vor dem Sohne der Königin Luise, die vor hundert Jahren gebrochenen Herzens, aber doch in der Hoffnung auf einstige Vergeltung heimgegangen ist. Halten wir fest an Sedan! Bleiben wir treu den gottergebenen Helden des Sedantages, werden wir stark wie diese in der Pflichterfüllung an Mut und Tapferkeit, stark in der Hingebung für das Vaterland, stark in der Zucht der Waffen und in der Zucht des Herzens und des Geistes: „Allezeit treubereit für des Reiches Herrlichkeit."
Hits Stadt und Land.
Gießen, den 2. September 1911.
* Vom Manöver des 18. Armeekorps. Die Brigadeübungen haben nunmehr begonnen und zwar die der 49. Infanterie-Brigade unter Generalmajor von Branconi bei Mensfelden südöstlich von Diez. Das nun auch auf drei Vrataillone gebrachte Infanterie-Regiment Nr. 168 nimmt von jetzt ab, neben dem Leibgarde-Insa nteriâegiment Nr. 115 und dem Jns.-Ngt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 an den Uebungen der Brigade teil. Die 50. Jnf.-Vrigade (Jnf.-Ngt. Nr. 117 und 118) halten diese Uebungen unter Generalmajor Franke bei Wiesbaden ab. Die beiden Infanterie-Brigaden (41. u. 42.) der 21. Division führen diese Gefechtsübungenebensalls im Unterlahnkreise in der Gegend von Limburg unter ihren neuen Kommandeuren, den Generalmajoren Riedel (zuletzt Rom. des Jnf.-Rgts. Nr. 168) bezw. v. Diringshofen, aus.
* Zum Notstand in der Landwirtschaft. Der Minister des Innern v. Hombergk begab sich nach Gießen, um von dort aus mit dem Provinzialdirektor Dr. Usinger und einigen anderen Sachverständigen im Automobil eine Landesbesichtigung zu unternehmen. Es soll an Ort und Stelle, soweit wie möglid) in 90113 Oberhessen die vorhandene Not in der Landwirtschaft geprüft und festgestellt werden, damit dann beraten werden kann, in welcher Weise den Not- beständen abgeholfen werden kann.
* Preußische Klassenlotterie. Die Erneuerungslose sowie die Freilose zur 3. Klasse der 225. Kgl. Preuß. Klassenlotterie sind^ unter Vorlegung der entsprechenden Lose bis zum 4. September dieses Jahres, abends, bei Verlust des Anrechtes einzulösen. Die Ziehung der 3. Klasse dieser Lotterie wird am 8. September d. Js. ihren Anfang nehmen.
•) Luther in Wetzlar! Unter dieser Losung werden die Tage vom 21. bis 29. Oktober stehen, und nicht nur in der Stadt Wetzlar, sondern im ganzen Kreise und über seine Grenzen hinaus wird diese Losung evangelische Herzen höher schlagen lassen. Eine stattliche Anzahl von Herren und Damen hat sich zusammengetan, um hier in Wetzlar in einer Reihe von Vorstellungen Dr. Hans Herrig's machtvolles „L u t h e r f e st s p i e l" zur Aufführung zu bringen. In all feinem Suchen und Zweifeln, in all seinen Kämpfen und Siegen wird er uns vorgesührt durch Herrn M. Halter aus Hannover, der unter dem Lutherdarsteller unserer Zeit an erster Stelle steht und vor 2 Jahren in Saar druck e n im vergangenen Jahre in Köln Zehntausenden durch sem
Lutherspiel Festtage hehrster Art beschert hat, von denen man dort noch heute mit Begeisterung redet. Anfang Oktober veranstaltet er dasselbe Festspiel in Siegen Ä blctcr l"^e Hinweis heute genügen, um auf die festlichen Tage vorzubereiten.
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< J C & c n’ 11 ^ePL Der langjährige Leiter am ?"lKuamtes Gießen, Baurat Diehm, verläßt D ^âr seinen bisherigen Posten An seine Stelle ttitl Regierungsbaumeisler Hechle c.LauIerbach
i'â Geschossen wurde von Norden X^"^'! in der Richtung aus Obermörlen unb Lan- genheim auf einen dort isolierten Berg. Viele Kuschauer der wÄ ^^rtL66"’ '"^besondere bei Butzbach auf A V^ Hedberg in der Nähe des ha's ^W' Wahrend des Feuerns gerieten plötz- £X. „ Zwitpersonen mitten unter die einschlagenden Geschosse, wo sie verzweifelt hin und her rannten. Fn- folge des Rauches und des Staubes, verursacht durch die einschlagenden Geschosse, konnte man nicht mehr sehen was aus ihnen geworden ist. Das Schießen selbst war das interessanteste, das jemals hier beobachtet wurde, weil außer den beiben Feldartillerie-Regimentern 27 und 63 auch das Fuhartillerie-Regiment, Brandenburgisches Nr. 3, aus Mainz daran teilnahm.
-s- Alsfeld, 1. Sept. An der Bahnstrecke Alsfeld-Fulda sind im Laufe des Sommers ganze Strek- ken der jungen Anpflanzungen (Weißdorn- und Fichtenhecken) durch den Funkenauswurf der Maschinen ver- nichtet worden.
*) Lauterbach, 31. Aug. Hier wurde ein Kind von Wespen derart gestochen, daß eine starke Geschwulst entstand und das Kind nach einigen Tagen starb.
=)(= Schotten, 1. Sept. Die Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs rüsten sich zum Herbstausskug nach Schotten, mit dem das 30jährige Stiftungsfest verbunden ist. Die Anmeldungen sind sehr zahlreich eingelaufen, so daß der morgige Sonntag in Schotten ein Stelldichein von Vertretern fast aller Zweigvereine des V. H. El. sein wird.
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-l- Dillenburg, 1. Sept. Bei der kürzlich statt- gefundenen Entlassungsprüsung am hiesigen Seminar erhielten 31 Zöglinge das Reifezeugnis.
* Weilburg, 31. Aug. Kunstmaler Ohlsen sing in der Weil oberhalb des Wehres einen Hecht, der das stattliche Gewicht von 15 Pfund hatte. Es dürste gewiß eine Seltenheit sein, in der kleinen Weil so große Fische zu finden.
=)(^ Limburg, 31. Aug. Gestern morgen starb plötzlich infolge einer Blutvergiftung, hervorgerufen durch einen Furunkel auf der Hand, der einzige Sohn des Justizrats Rintelen hierselbst. Die Teilnahme an dem Mißgeschick der Familie ist allgemein.
-e- Diez, 1. Sept. Die hessische Division (25), welche zur Zeit in der Umgegend von Diez und Limburg ihre Regiments- und Brigade-Uebungen abhält, hat soeben auch für die größeren Feldübungen einen Flugapparat zur Ausprobierung für den Kundschafterdienst zugeteilt erhalten. Dem Aeroplan ist als Station und Flugfeld der bei Altendiez gelegene große Ererzierplatz zugewiesen worden.
* ) Usingen, 1. Sept. Infolge des Wassermangels sind vom 21. Pionier-Bataillon Abteilungen ab= kommandiert, die im hiesigen Manövergelände Brunnen graben. Die in verschiedenen Dörfern des Kreises schon festgesetzten Einquartierungen wurden wegen Wasser - mangels abgesagt. — Das Abbrennen von Sedansfeuern ist wegen der herrschenden Trockenheit und der damit verbundenen hohen Feuezagefahr von verschiedenen Ortspolizeibehörden untersagt worden.
* Frankfurt, 30. Aug. Der bedeutende Austrieb, besonders von Rindern, darunter Jungrinder in großer Anzahl, der auf dem letzten Monatshauptvieh - markt in Frankfurt a. M. zu verzeichnen war — brachte doch die Notierung am 28. August 1 7 7 6 Rinder, eine Anzahl, die bis jetzt kaum dagewesen — beweist, daß die Landwirte ihren Rindviehbestand infolge der Futternot trotz der Maßnahmen, die behördlicherseits unternommen werden und wurden, ihr zu steuern, nicht zu halten vermögen. Infolge der großen Zufuhr fielen am fraglichen Markttage gegen den Markt am 21. August die Preise für Rinder um 2 Mark pro Zentner, ebenso die für Kälber und Schafe.
* Frankfurt, 31. Aug. Der langgehegte Plan einer neuen T a u n u s b a h n, die den reizvollen Ober-
taunus zwischen Homburg und Königstein für den Verkehr nach Frankfurt erschließen soll, dürste zur bal. digen Ausführung gebracht werden und zwar in der Form der E i n s ch i e n e n b a h n. Der Landrat des Obertaunuskreises. Herr v. Marr, hat mit dem bekannten Verleger und Förderer der Einschienenbahn Idee August Scherl ein Abkommen getroffen, wonach sich'die« ser bereit erklärte, gemeinsam mit einem der vornehmsten Bankinstitute die Gründung einer Taunusbahn-A.-G. zu übernehmen und den Bau und Betrieb der Bahn zu übernehmen, die für den Kreis finanziell außerordent • lich günstig sind. Im September wird die Angelegen • Heil bereits den Kreistag beschäftigen.
* Betzdorf. Die Milchhändler haben den Milchpreis auf 29 Pfg. pro Liter erhöht. Bisher kostete das Liter Milch 24 Pfg. Der Preis für Heu ist um 50 Prozent in die Höhe gegangen.
* Marienberg (Westerwald), 1. Sept. Heute wurde die 6,12 Kilometer lange vollspurige Verbindungsbahn (Nebenbahn) Marienberg Langenbach Erbach (Westerwald) dem öffentlichen Verkehr übergeben.
«escbäMicdrr.
Dünn gesät, stark gedüngt, reichen Erntesegen bringt. Selten hat sich ein Ratschlag »oohl so gut bewährt wie der vorstehende gerade im vergangenen, so außerordentlich trokenen Som- mcr. Aus mangelhaft gedüngten Feldern lvar dies Jahr geradezu eine Mißernte zu verzeichnen. Dagegen hatte bei kräftiger Düngung die Trockenheit besonders dem Wintergetreide nur wenig geschadet.
Literarisches.
Wege z u m Erfolg von Hans G l 0 y. Lehrmeister-Bibliothek Nr. 160. Verlag von Hachmeister & Thal, Leipzig. Preis 20 Pfg., postfrei 25 Pfg. — Die meisten verstehen unter Erfolg nur den Besitz möglichst großer Reichtümer. Sie übersehen, daß man Erfolg nur um des Glückes Willen erstrebt. Glück aber ist ein Zustand des Gemütes und nicht des Geldbeutels. Trotzdem sind materielle Güter ein wichtiges Mittel zum Zweck; denn mit unseren Seelenkräften können wir weder unseren Schneider, noch unseren Bäcker bezahlen, und ohne Geld bleiben unsere idealsten Absichten immer nur Absichten. Geld zu besitzen oder besitzen zu wollen, gereicht darum niemand zur Schande. So ungefähr lehrt der Verfasser obiger Schrift. Sie sollen den Weg zum materiellen Erfolg bahnen und gleichzeitig das Psljänz- chen Innenleben hegen und pflegen. Der Verfasser hat einen scharfen Blick für die Wirklichkeit.
Briefkasten.
R. S. 75. Das Sprichwort: „Eisern Vieh stirbt nie" bezieht sich auf den Pachtvertrag. Uebernimmt ein Gutspächter das Inventar 3um Schätzungswerte mit der Verpflichtung, es bei Beendigung der Pacht zum Schätzuugs- roerte zurückzugewähren, so trägt er die Gefahr des zufälligen Unterganges und zufälliger Verschlechterung des Inventars; wird 3. B. ein dazu gehörendes Pferd durch Blitz getötet, muß der Pächter dasselbe ersetzen. Das in dieser Weise übernommene Inventar nennt man „eisernes Inventar", das zum Inventar gehörende Vieh „eisernes Vieh". Da das Vieh dem Verpächter nicht durch Zufall verloren gehen kann, sagt ein Rechtsspnch- wort: „Eisern Vieh stirbt nie".__
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