^cns7 j Dem K ^entlid
hMn,
Gießener Jeitnng
Vezugspreis 50 pfg. monatlich
Dientetjätjrlicf) 1^)0 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgcholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. — Erscheint Mittags 3 Uhr. — Die „Jlluftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. — Redaktion: SelterSweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Enthält alle amtt. Bekanntmachungen
der Groszherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Expedition:
des Groszherzoglichen
Polizei-Amtes
Behörden Gberhessens eltersweg 83.
tHaus Brüder Schmidt.)
Anzeigenpreis 15 pfg.
bie 44 mm breite Inseratenteile. — Stellengesuche und Familienanzeigen 10 Pfg. — Die 90 mm breite Zeile im Rekiameteil 50 Pfg. — Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zahitlngs- zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbindlichleit.
Verlag der „Gtestener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 128
Telephon: Nr. 362.
Freilag, den 2. Juni 1911
Telephon: dir. 362.
23. Jahrg
Blut bau*
sich as große tüchtiger r^en« U gen: San-
wieder! sehen sie •um Spies wichen sie j sie gezw.
enWillen hier nur
is leichtest I j el- und h': i ner vonüx hen die sc
1 Geistesfr 1
d, Dr. Feie blutarm ist
1 geholfen.'
itlichun;en.
karte . j
istigen
mb sann1
6 erfolg
Die Lasten der. Landesverteidigung in Deutschland und in Frankreich.
Die Landesverteidigung legt dem Deutschen Reiche schwere Opfer aus, und zwar sowohl durch Steuern auszubringende Geldopfer in der Form der Ausgaben für Heer und Flotte, als auch persönliche Opfer durch die gesetzlich sestgelegte Wehrpflicht. Dieser haben bei uns jährlich weit über 200 000 junge Menschen zu folgen, um in der Armee oder in der Marine 2 bis 3 Jahre bem VateUande nur gegen die Gewährung eines gerade ausreichenden Lebensunterhaltes zu dienen. Wenn deshalb aber die Sozialdemokraten immer wieder Klagen gegen den „Moloch Militarismus" erheben, so übersehen sie, daß wir einmal infolge unserer Lage in der Mitte von Europa zu großen Aufwendungen für die Landesverteidigung dringend verpflichtet sind, und zweitens, daß andere Läiider, die sich vielfach in günstigerer Lage 7'ulden. trotzdem vor weit größeren Aufwendungen für ihre Weltmachtstellung nicht zurückschrecken.
Das gilt besonders von Frankreich, das sich Einschränkungen nach dieser Seite viel eher gestatten könnte, weil es, abgesehen von dem gegenwärtig kaum in Betracht koimmendeni Spanien, sich mit seinen Rüstungen eigentlid) nur gegen seine Ostgrenze zu wenden hat Dessen ungeachtet unterhält jedoch Frankreich ein Heer das sowohl im Frieden wie im Kriege es an Kopfzahl Mit dem deutschen ausnehmen kann, obwohl befanntlid) oie Bevölkerungszahl Frankreichs andauernd im Rückgang begriffen ist und gegenwärtig nur etwa zwei Drittel der Bevölkerung des deutschen Volkes beträgt Naturgemäß ist infolgedessen der auf den Kopf der Bevölkerung entfallende Anteil an den Ausgaben für Heer iind Flotte in Frankreich wesentlich höher als in Deutschland. Schwerer jedoch noch hat Frankreich an der Ver- pstichtung der Landeskinder zum Heeresdienste zu tragen. Es isb gegenwärtig infolge seines andauernden Bevölkerungsrückganges kaum mehr imstande, die für den Heeresdienst notwendigen Menschen zu liefern, trotzdem die Bedingungen für den Eintritt in die Armee andauernd herabgesetzt worden sind.
Im Gegensatze zu dem geburtenarmen Frankreich verfügt Deutschland über einen für kriegerische Zwecke zunächst noch unversiegbaren Menschenersatz. Obwohl bei uns die an die körperliche Tauglichkeit gestellten Bedingungen wesentlich höher sind als in Frankreich, wird doch fast nur die Hälfte der zum Dienst geeigneten jungen Leute tatsächlich in Heer- und Flotte eingestellt. Unter diesen Umständen kann also keine Rede davon sein, daß Deutschlands Aufwendungen zum Heeresdienste irgendwie das Maß des Gebotenen überschreiten. Vielmehr wird man sich ernstlich die Frage vorzulegen haben, ob nicht Deutschland, solange Frankreich daran festhält, ein ebenso starkes Heer aufzustellen wie Deutschland, angesichts seiner bedrohten Lage in Europa genötigt wäre, an eine Verstärkung seiner Truppen zu denken.
Bisher konnte man davon Abstand nehmen, Frankreich nicht mehr in der Lage war, die auf
weil dem
Papier stehenden Truppenmassen aufzubringen. In
folgedessen hatten dort eine Anzahl Regimenter
nicht
die vorschriftsmäßige Stärke, obwohl man in Frankreich nicht davor zurückschreckt, offenkundige Verbrecher und allerlei Gesindel in die Armee einzustellen. Gegenwärtig denkt man aber in Frankreich daran, die Lücken, die im Heere durch die andauernd zurückgehende Geburtenzahl entstanden sind, durch Kolonialtruppen auszufüllen und sowohl die Eingeborenen in Rordasrika stärker zum Heeresdienst heranzuziehen, als auch die in Algier stehenden weihen Truppen allmählich durch Reger aus den westafrikanischen Kolonien zu ersetzen.
Was die Zahl seines kriegstüchtigen Nachwuchses betrifft, [o- TDäre Deutschland mit Leichtigkeit imstande, ein doppelt so starkes Heer auszustellen wie Frankreich. Wenn Deutschland das bisher nicht getan hat, so ist das der beste Beweis für seine friedliche Gesinnung. Deutschland denkt nicht daran, irgend eine andere Macht in Europa zu bedrohen, will aber andererseits naturgemäß stark genug sein, um einen möglichen Angriff von anderer Seite abzuwehren. Wenn die Friedensfreunde in Europa es mit ihren Absichten wirklich ehrlich meinen so mögen sie daher bei. ihren,Ermahnungen ^ eunch- land aus dem Spiele lassen, dessen Rüstungen nur das mindeste dessen darstellen, was Deutschland seiner Sage in der Welt schuldig ist. Viel eher könnte Frankreich den Gedanken einer' Rüstungsbeschränkung erwägen, da es infolge feiner geographischen Lage und noch mehr m-
I folge seiner politischen Bündnisse wahrlich nicht nötig | hat, dieselbe Rüstung zu treiben wie Deutschland.
Zilrung der Giessener Stadtverordneten.
Das akademische Viertel war bereits längst über - schritten, als die Versammlung vom Vorsitzenden, Oberbürgermeister Mecum eröffnet wurde. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Verkauf der alten K l i n i k. Das Thema hatte man bereits in der vorletzten Versammlung angeschnitten, jedoch wurden bindende Beschlüsse damals noch nicht gefaßt.
Neue Gesichtspunkte brachte die gestrige Debatte zwar nicht, wohl zeigte sie aber wieder zur Evidenz, daß unsere Stadtväter nicht, kleine Inleressenpolitik treiben, sondern das Wohl des großen Ganzen nicht aus dem Auge verlieren, eine Erscheinung, die wir bei der Frage der Frankfurter Universitätsgründung bereits mit Genugtuung konstatieren konnten.
Wohl erhob sich eine Stimme gegen den durchaus praktischen Vorschlag, der vom Magistratstisch der Versammlung gemacht wurde, aber dieser Rufer im Gheit — es war der Stadtverordnete Löber — blieb mit seiner Ansicht, die das nackteste Utilitätsprinzip proklamierte allein auf weiter Flur.
Die von demselben Stadtverordneten vorgetragene „verschiedentlich kolportierte Meinung", daß bereits 250 000 Mark für das Gelände geboten feien, wurde in das Reich der Fabel verwiesen.
Was nun den Magistratsvorschlag anlangt, so geht dieser dahin, nicht das ganze Grundstück zu verkaufen, sondern nur das zirka 5000 Quadratmeter umfassende Hintergelände, das Vordergebäude aber als Schmuck - platz der Stadt zu erhalten.
Stadtv. H a u b a ch macht einen Vermittlungs-Vorschlag. Man solle den Verkauf in zweierlei Form ausschreiben, einmal ohne und das andere Mal mit Einbeziehung des Vorgartens.
Wie schon erwähnt, wünscht der Stadtv. Löber, daß das ganze Gebäude verkauft wird. Dieser Stadtteil sei so weit auseinander gebaut, daß auch bei einer Bebauung des Vorgartens noch Licht und Luft übrig bleibe.
Stadtv. Winn ist gegen den Verkauf des Vorgeländes. — Stadtv. Grünewald empfiehlt, dem Beschluß der Vaudeputation beizutreten und sich grundsätzlich gegen jeden Gedanken auszusprechen, der das Vorgelände der Bebauung erschließen will. „Es sei ein Glück für die Stadt, daß sie das Gelände besäße; der Platz mit seinen alten Bäumen müsse der Stadt erhalten bleiben." — Stadtv. Schäfer schließt sich dem Standpunkt seines Vorredners an. Das schöne Terrain dürfe nicht bebaut werden.
Stadtv. R r u m m erklärt sich prinzipiell gegen den Verkauf des Vorgartens. Das Schönheilsinteresse verbiete eine Bebauung. Uebrigens sei der „ganze R u m= mel gegen die Bürgermeisterei", die wegen dieser Angelegenheit in Szene gesetzt worden sei, zu verurteilen. „Es sei verkehrt, einen Stadtteil gegen den anderen auszuspielen."
Stadtv. Eichenauer wünscht aus ästhetischen Rücksichten keine bauliche Ausnutzung des Vorgeländes. Man solle nicht den gleichen Fehler machen wie in Marburg, wo ein Platz von der Gemeinde veräußert und dann durch Bebauung „verschandelt" sei. „Unsere Pflicht und Schuldigkeit ist die Erhaltung des Vorgartens." Sollte sich der Verkauf zerschlagen, so solle man das Gebäude für die Zwecke der Bürgermeisterei verwenden.
Da sich die Debatte.endlos auszudehnen scheint, so wird vom Stadtv. Winn Schluß der Debatte beantragt.
Der Antrag der Vaudeputation wird angenommen, der Antrag des Stadtv. Haubach abgelehnt.
Stadtv. Grünewald teilt außerhalb der Tagesordnung einen Wunsch der Straßenbahnwagenführer mit. Die Schaffner hätten im Vorjahre 10 Tage und in diesem Jahre sogar 14 Tage Urlaub. Die Wagenführer, deren Arbeit aber weit aufreibender sei und deren Ruhezeit durch die Feiertage keine Einschränkung erhalte, wünschen einen Urlaub von 3—4 Tagen. Der Oberbürgermeister sagt wohlwollende Erledigung der einzureichenden Petition der Wagenführer zu.
Auf die anderen, meist kleinen und wenig bedeutenden Vorlagen, nebst einer Reihe von Gesuchen, die keinerlei Anlaß zu Auseinandersetzungen boten, einzugehen, erübrigt sich. -â-
Bus Stadt und Land.
Gießen, den 2. Juni.
Vcriaufstag der (Hrofrberzogln.
Die Vorarbeiten im Steins Garten werden bis Ende der Woche außerhalb des Saales beendet sein, so daß nach den Psingstseiertagen mit der Ausschmückung und Einrichtung der Verkaufsstände im Innern des Gebäudes begonnen werden kann. Schon heute läßt sich ersehen, daß die Anordnung des (Sanken den größtmöglichsten Verkehr gestattet und selbst bei starkem ^Menschen- andrang hinreichende Sicherheit für Aufrechterhaltung der Ordnung vorhanden ist. Mit der Einrichtung der Verkaufsstände sind durchweg hiesige Firmen betraut worden, die in entgegenkommendster Weise sich bereit erklärt haben, ihre Arbeiten zum Selbstkostenpreis auszuführen. Um das Reinerträgnis durch die entstehenden Unkosten nicht zu verringern, trägt der Großherzog die Kosten für die Einrichtung und Ausschmückung der ganzen Verkausstagsanlage. Ein wirklich hochherziges schö nes Opfer. Die Stadt Gießen hat die Saalmiete und die Kosten für die Beleuchtung und deren Anlage übernommen. Sämtliche Mitwirkende stiften kostenlos, entsprechend dem schönen Vorbild des Großherzogspaares und aller übrigen Fürstlichkeiten, die Verkaufsgegenstände und leisten damit einen sehr anerkennenswerten Beitrag. Es darf darum wohl erwartet werden, daß sich niemand beiseite stellt oder seine Taschen verschließt, sondern jedermann nach Kräften sein Scherslein zum Gelingen des Verkaufstages beiträgt.
* D i e Prinz Heinrich Fahrt, die auch durch einen Teil des Kreises Wetzlar führt, hat bis jetzt in England die gewünschte Anzahl Meldungen für die Prinz Heinrich-Fahrt 1911 noch nicht erhalten, während die deutschen Listen längst geschlossen worden sind. In englischen Zeitungen wird der gesellige Charakter der Tour hervorgehoben und das Programm eingehend geschildert, so daß man voraussichtlich die fünfzig Trennungen bald erreichen wird.
* Das große deutsche Bundesschie - h e n in Frankfurt, so wird uns geschrieben, wird sich über drei Wochen erstrecken und mit besonderem Glanze gefeiert werden. Zur Verschönerung des großzügig angelegten Festes sind u. a. ein Festspiel, Konzerte, sportliche Veranstaltungen, größere Schaustellungen 2C. in Vorbereitung.
* Friedberg, 1. Juni. Die Großh. Direktion der Obstbauschule zu Friedberg hat auch in diesem Jahr wieder einen Kursus für Apselweinproduzenten eingerichtet, der vom 19. bis 24. Ium in Friedberg stattsin- det. In diesem Kursus wird eingehend die Erzeugung und Pflege eines edlen Apfelweines sowie die Behandlung fehlerhafter Aepselweine besprochen und im Laboratorium die Untersuchung 2C. praktisch geübt.
-l- D a r m st a d t, 30. Mai. Gestern tagte hier die Hauptversammlung des Verbandes der hessischen Bürgermeister. Der Vorsitzende machte eine Reihe Mitteilungen, insbesondere über die Begebung der Ren- tenquittungen, über die Bestrafung bei Verfehlungen gegen das Personenstandsgesetz, über die Abhaltung und die Stempelabgabe bei Versteigerungen, und erklärte, daß ein neuer G e b ü h r e n 1 a r i s für die Bürgermeister in Aussicht stehe. Oberregierungsrat Graes hielt einen Vortrag über den jetzigen Stand der Fürsorgekasse für die hessischen Gemeindebeamten, wobei er aus- führte, daß bis jetzt alle an die Kasse geknüpften Hoffnungen sich voll erfüllt hätten.
-)(' Dorlar, 2. Juni. Von einer großen Anzahl in Gießen kaufenden Interessenten der Wetzlarer Gegend wird die Einrichtung einer H a l t e st e l l e bei Block Dorlar an der Bahnstrecke Gießen-Wetzlar gewünscht. Dorlar sei wohl eine Station der Linie Lollar-Wetzlar, doch sei der Weg über Abendstern oder Wetzlar nach Gießen mit großen Umständlichkeiten verknüpft. Wiewohl die seitherigen Bemühungen in dieser Richtung erfolglos geblieben sind, beschließt die Handelskammer, im Interesse des Gießener Handelsstandes nochmals bei der Eisenbahnverwaltung vorstellig zu werden.
♦ Marburg, 31. Mai 1911. Die philosophische Fakultät der hiesigen Universität hat den bekannten Großindustriellen Geheimen Kommerzienrat Wilhelm Kalle aus Biebrich zum Ehrendoktor ernannt.
* Marburg, 2. Juni. Der Gastwirt Iohannes Henkel aus Mellnau zog sich bei der Erplosion einer Lampe so starke Brandwunden zu, daß er an den Folgen verstarb.