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Giekener Jeituna

^^^/ I ^M (Neueste Nachrichte«) ^^^^^* (Gie^euar lageMatt)

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oterteljährlich 1^0 Mk., vorauSzahlbar, frei ins HauS. Abzehalt in unserer Expedition oder in den 3»eig« auagabeüellen vierteljährlich 1,20 Mk. (Erscheint Mittag- 3 Uhr. Redaktion: Telter-weg 83. Kür Aufbewahrung oder Rütkfendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag derGiesteuer Zeitung" G. m. b. H.

Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

Därgermeifterei

sowie vieler anderer

des Greßhsrzoglichen Polizei-Amtes Behörden ®ktrl>effen6

Lxpedltloa: Seltersweg 8Z.

lHauS Bruder Echrnidt.l

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 ww breite Inferatrn-eilr. Etel len­st e fu ch e und ^AMilitnanjeigrn 1 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im X e k l a m e l r i l 60 Vst - Extrabeilagen iverWti nw6 Gewicht unè 9h^r beregnet. »aba« (»mm bei U â< d*rrt run* bei ^eHunf* ziele» (M ley), bei |»i**ü*er Wf*m*wii ihr bei KoârZ i« Meg^dL. Mnyveriehriiten »Nxe Bw*i*6ii*<«it.

Verlag derGiestener Zeitung" G. *. b. H.

Nr 178.

Telephon: Nr. 362.

Dienstag, den 1. August 1911.

Telephon: Nr. 862.

23. Jahrg.

Auf vielfachen Wunsch

unserer Landabonnenten, die während des Sommerquartals wenig Zeit zum Lesen finden, erscheint dieGießener Zeitung" Dom 1. August ab nur wöchentlich dreimal, und zwar Dienstags, Donnerstags u. Samstags.

Der Abonnementspreis beträgt

monatlich 40 Pfennig.

Der Verlag.

Die deutsche Auswanderung.

Die deutsche Auswanderung nach überseeischen Län­dern und zumal nach Nordamerika ist in den letzten Jahren so bedeutend gesurrten, daß sie zahlenmäßig ge­genüber der großen Bevölkerungszunahme in Deutsch­land fast gar keine Rolle mehr spielt, denn die Zahl der Auswanderer aus Deutschland beträgt jährlich kaum noch 50 000 Seelen. Es ist darin der Beweis zu er­blicken, daß die wirtschaftliche und soziale Not in Deutschland nicht besonders groß sein kann, und daß außerdem die Berlockungen des Auslandes in Bezug aus die Ansiedelung von Einwanderern nicht so bedeu­tend sind wie früher. Natürlich kommen in den Zahlen der Auswanderung auch immer noch Schwankungen vor, aber die Zeiten, wo aus Deutschland jährlich ge­gen 150 000 Menschen auswanderten, scheinen gründ­lich vorbei zu sein. Da die Menge der Auswanderer in der Auswanderungsfrage in Deutschland keine Rolle mehr spielt, so muß uns nur noch die Art und Weise interessieren, wie für Auswanderungsluftige die Aus­wanderung am besten in Szene gesetzt wird. Wir ma­chen daraus aufmerksam, daß es in Berlin eine Zen- tralauskunftsstelle für Auswanderer gibt, und daß diese Auskunftsstelle alle Anfragen von Auswanderungslu­stigen für die verschiedensten Auswanderungsgebiete be­antwortet, da ist es dann sehr erfreulich, daß viele An­gehörige des Deutschen Reiches jetzt Lust haben, nicht mehr nach Amerika, sondern nach den deutschen Kolo­nien auszuwandern. So sind im verflossenen Viertel - jähre bei der Zentralauskunftsstelle in Berlin 2623 An­fragen eingegangen, die sich auf die Auswanderung nach den deutschen Kolonien bezogen, und es ist recht schade, daß die Verhältnisse in den deutschen Kolonien sich noch nicht derartig entwickelt haben, daß deutsche Kolonisten, Kaufleute, Handwerker 2C. sich in größerer Anzahl nie­derlassen können. Es ist aber damit zu rechnen, daß, sobald die wirtschaftlichen und sanitären Verhältnisse in den deutschen Kolonien mehr Fortschritte gemacht haben, dann jährlich wahrscheinlich gegen 10 000 Menschen aus dem Deutschen Reiche nach den Kolonien auswandern werden. Es würden sich daraus für die Beziehungen der Kolonien zu dem Mutterlande sehr vorteilhafte Ver­hältnisse entwickeln können, denn die Zentralauskunfts- stelle für Auswanderer in Berlin hat auch festgestellt, daß nur ein kleiner Teil der Auswanderungslustigen über recht erhebliche Vermögen verfügt. Unter den Aus­wanderungslustigen haben die meisten ein Vermögen von 1000 bis 20 000 Mk., es befanden sich unter den Auswanderungslustigen aber auch eine Anzahl Perso­nen, die über viel größere Summen verfügten, sogar über eine halbe Million Mark. Interessant ist es, daß jetzt in Bezug auf die Auswanderung nach Amerika die meisten Deutschen nicht mehr nach Nordamerika, son­dern nach Südamerika auswandern und zwar nach Ar­gentinien und Brasilien. So ist es denn auch gekom­men, daß sich gegenwärtig in der rasch emporblühenden Hauptstadt von Argentinien, in Buenos Aires, bereits 50 000 Einwohner deutscher Abkunft befinden sollen. Im übrigen muß aber erwähnt werden, daß die Aus­wanderung, wenn auch meistens nur von wenigen Per­sonen, tatsächlich jetzt nach allen Ländern der Welt stall­findet, und wird durch diese Erscheinung offenbar be­wiesen, daß die gemeinsamen Interessen des Weltver - kehrs und des Welthandels immer mehr zusammenwach­sen. Die Zentralauskunstsstelle für Auswanderer in Berlin hat daher bei den Anfragen auch die schwierige Aufgabe zu erledigen, über die Aussichten der Auswan­derer in allen Ländern der Erde zu berichten und die seltsamsten Fragen zu beantworten. Sicher ist aber diese Auskunftsstelle die größte Wohltat für alle Auswan­derungslustigen.

Aus Stadt und Cand.

(Sieben, den 1. August 1911.

* Der Finanzaspirant Karl Weid­mann wurde zum Hauptsteueramtsassistenten ernannt.

* A ugu st. Der nach dem römischen Kaiser Au­gustus benannte 8. Monat unserer Zeitrechnung (und 6. Monat der alt-römischen Zeitrechnung) heißt bei den Deutschen auchErntemonat". Mit den wogenden Ge­treidefeldern ist's vorbei; zu Puppen geschichtet steht die Fülle der Halme aus dem Stoppelacker, um nun aus schwankenden Leiterwagenheimgefahren" oderheim - gebracht" zu werden. Das schöne Bild der Aehrenlese rinnen steht vor uns. Drachen segeln durch die Luft. Kartoffelfeuer flackern auf und überziehen mit ihrem Dunst das Gelände. Zwischen dem Laube der Obst - bäume aber lacht das gelb- oder rotbäckige Obst, wäh­rend nun auch bald der Wein am Spalier der Reise entgegengeht. Die Fäden des Altweibersommers ziehen am Wandersmann vorüber. Die Singvögel scharen sich zusammen und unternehmen Probeflüge zum großen Flug nach dem schönen Süden. Stiller wirds bald im Gelände. Der Spätsommer hat eingesetzt.

* Internationale Ballonausstiege. Am Donnerstag, den 3. August, finden in den Mor­genstunden internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebe­nen Instruktion gemäß den Ballon und die Instru - mente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet.

* Ledermesse zu Frankfurt a. M. Man schreibt uns: Die Herbst-Ledermesse beginnt für Sohl­und Oberleder am Montag, den 11. September, und endigt mit Samstag, den 16. September. Das Ein­lagern des Leders in die städtische Lederhalle ist be­reits am Samstag, den 9. September von nachmittags 3 Uhr ab gestattet.

* Die Gültigkeit des seit 1895 bestehenden Aus na hmetarifs für Düngemittel und Rohmaterialien der Kunstdüngerfabrikaüon ist, soweit der Verkehr auf den preußischen und oldenbur­gischen Staatsbahnen, sowie den Reichseisenbahnen in Frage kommt, bis zum 30. April 1817 verlängert wor­den, da die Verhältnisse, die die Einführung dieses Ausnahmetarifes zur Zeit nötig machten, im allgemei­nen noch fortbestehen.

- k- Klein-Linden, 1. Aug. Gestern Mittag um 12 Uhr vernahm man ein heftiges Getöse. Der noch nicht ganz vollendete Erweiterungsbau der Gastwirt - schaftZum Löwen" an der Frankfurterstratze stürzte in sich zusammen und verbreitete eine große Staubwolke. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

- g- R ö d g-e n, 1. Aug. Der aus der Holzmühle bei Rödgen beschäftigte 61jährige Heizer Konrad Müller aus Schwalheim klagte auf seiner Arbeitsstätte über Un­wohlsein und begab sich sodann aus den Weg nach Hause. Er gelangte indes nur in eine benachbarte Hof- raite, wo er einen Herz- und Hitzschlag erlitt, an dem er gleich daraus verschied.

-s- Alss eld, 1. Aug. Die landespolizeiliche Prü­fung zum Bahnbau AlsfeldEifaNiederaula fand am Freitag statt. Geheimrat Rügenberg erläuterte die neue Linienführung, die allgemeine Zustimmung fand. Die Ausführung der Bahn soll bald in die Wege ge­leitet werden. Das I a h r e s s e st des Gustav-Adols- Vereins im Kreise Alsfeld fand Sonntag unter starker Beteiligung der Zweigvereine in Stumpertenrod statt. In dem Festgottesdienst um 2 Uhr hielt Pfarrer Zinn- Herbstein die Festpredigt. Die Nachfeier im Walde be­gann um 4 Uhr, dabei sprachen Pfarrer Bechtolsheimer- Gießen, Pfarrer Rausch-Groß-Felda und der Ortsgeist- liche Pfarrer Scriba. Der gemischte Chor aus Stum­pertenrod und der Posaunenchor aus Ober-Seiberten­rod wirkten mit.

* Büdingen, 1. Aug. Am Samstag nachmit­tag wurde der Landwirt Adam Sauer in Rohrbach beim Fruchtschneiden von einem Hitzschlag getros- fen, dessen Folgen er in derselben Nacht erlegen ist.

-d- Büdingen, 1. Aug. In unserer Nachbarge­meinde Vindsachsen wurde der Arbeiter Georg Ulrich auf dem Felde von einer Fliege am Backen gestochen. 1 Nach zwei Tagen schwoll der Kops, es trat Blutvergif­

tung und nach kurzer Zeit der Tod ein. Der Verstor­bene hinterläßt eine Witwe mit sechs Kin)ern. Einen Rekord im Essen erzielte ein hiesiger Arbiter. Er ver zehrte in einem Sitz 21 Handkäse.

-f- Gleiberg, 1. Aug. Am Samstag wehte die Flagge vom Burgsried der Burg Gleiberg weit in das Lahntal, denn der Gleibergverein hielt aus der Burg seine diesjährige Generalversammlung ab. Um 4 Uhr trafen von Gießen, Wetzlar und den umliegenden grö ßeren Orten etwa 100 Personen ein, darunter der Vor­sitzende des Gleibergvereins, Provinzialdirektor Dr. Usinger, Landrat Sartorius von Wetzlar als Vertre ter der preußischen Regierung, die Mitglieder der Kreis ausschüsse von Wetzlar und Gießen und mehrere Ver­treter der Stadt Gießen. Provinzialdirektor Dr. Usin ger begrüßte die Gäste und hob bekonders mit Dan kesworteu die Verdienste des Iustizrats Schmidt her vor, der jetzt 13 Jahre als 2. Vorsitzender für den Glei bergverein wirke. Den verstorbenen Mitgliedern Kom­merzienrat Heyligenstaedt-Gießen, Landgerichtsrat ,Hcll wig-Eießen und Mettenheimer-Gießen widmete er einen warmen Nachruf. Nach dem Geschäftsbericht zählt der Gleibergverein 141 ordentliche und 8 außerordentliche Mitglieder. Die Herstellungsarbeiten an der Burg sind beendet. Es bleibt nur noch die Neuherstellung des Da ches des Burgfrieds. Die Iahresrechnung für 1910 11 schloß mit einer Einnahme von 3450,50 Mark. Hierzu stifteten der Kreis Gießen 200 Mk., die Stadt Gießen 100 Mk., die Regierungshauptkasse zu Koblenz 500 M., die Kreiskasse Wetzlar 200 Mk., die Rheinprovinz 500 Mk., ein Ungenannter 500 Mk. Die Ausgaben betru­gen 3430,55 Mk.; für Bauten an der Ruine wurden pund 2500 Mk. ausgegeben. Dr. Usinger gab auch einen Rückblick über die Renovierungsarbeiten der letz­ten 10 Jahre und dankte besonders Geh. Kommerzien rat Heichelheim, der das Mobiliar für die oberen Säle stiftete, und Geh. Kommerzienrat Gail für Einrichtung des Balkons. Geh. Iustizrat Schmidt berichtete über die am 15. November stattgehabte Besichtigung der Burg­ruine durch den Generalkonservator der Baudenkmäler im Königreich Preußen, Geheimrat Lutsch, Provinzialkon­servator der Rheinprovinz, Geheimrat Pros. Dr. Cle­men, Geh. Baurat Thielen und Landrat Sartorius. Dic Herren bezeichneten Gleiberg als eine der besterhaltenen Ruinen und Baudenkmäler Deutschlands. Hinsichtlich der geplanten elektrischen Beleuchtung der Burg wurde der Vorstand beauftragt, Mittel zu beschaffen, um ge­legentlich des Anschlusses der Ortschaft Krofdorf-Gleiberg an das Gießener Elektrizitätswerk auch die Burg mit moderner Beleuchtung zu versehen. Der Voranschlag für 1911-12 wurde in Höhe von 1750 Mark genehmigt. Professor Dr. Kaiser-Gießen hielt einen Vortrag über die geologische Entwickelung des Gleiberg". Prof. Dr. Rausch-Gießen erstattete ein Referat überBaugeschicht­liche Führung durch die Burg Gleiberg". Daran schloß sich geselliges Beisammensein. Erst um 8% Uhr waren Versammlung und Feier beendet.

-)(t- Weilburg, 1. Aug. Die Wetterwarte mel­det: Obzwar sich in der Wetterlage noch nichts geändert hat, scheint es, daß die Luft sich für einen Umschwung vorbereitet. Von Südwesten her scheint noch mit einer weiteren Lockerung zu rechnen zu sein, so daß jetzt eine Aenderung des Wetters in Aussicht steht.

*) Biedenkopf, 1. Aug. Die fortschrittliche Volkspartei wählte auf der in Berleburg stattgehabten aus dem ganzen Wahlkreis zahlreich besuchten Vertrau- ensmännerversammlung anstelle des Pfarrer Spieß-Hatz­feld, der die Kandidatur niedergelegt hat, den Mittel - schullehrer und Stadtverordneten Korff aus Frankfurt a. M. einstimmig zum Kandidaten für die nächste Reichstagswahl.

*) Aus dem Kreise Marburg. Um eine Uebersicht zu gewinnen, ob und in welchen Gemeinden des Kreises infolge der langen, regenlosen Witterung Mangel an Futter und Streuvorrat ein- getreten ist, oder eintreten wird, und ob und in wel­chem Umfang es erwünscht erscheint, aus den 2taa1s- waldungen Futter und Streu abzugeben, hat der hie­sige Landrat an die sämtlichen Bürgermeister des Krei­ses die Aufforderung ergehen lassen, sich umgehend über die Futter- und Streuvorräte zu äußern und anzugeben, ob die Notwendigkeit vorliegt, für Angehonge der Ge- meinde Futter und Streu aus dem Staatswalde abzu- qeben. Bei dem zweisellos herrschenden Mangel an Fut- ter und Streuzeug dürfte von dieser Vergünstigung tüch­tig Gebrauch gemacht werden.