Vezugspreis 50 pfg. monatlich uicrtcljnljrlidj 1/50 9NT, oorauSzahlbar, frei ins Haus, ^l bgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig NtlOgabestcllen vierteljährlich 1/20 Mk. — Erscheint Mittags 3 Uhr. — Die „3Uuftr. Weltrundschau^ liegt alle 14 Tage einmal grat i e bei. — »tedaklion. Selters,oeg 8:1. - Zur Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Enthält alle amtt. Bekanntmachungen der Groszherzoglichen des Groszherzoglichen Bürgermeisterei MMPolizei Amtes sowie vieler anderer ^E^ Behörden Gbcrhesscns Expedition: Zeltersweg 83.
Anzeigenpreis 15 pfg.
die 44 mm breite 3 N s era t enzci l e. Stell e N g e s n d) e und F a m i l i e n a n 3 eigen 10 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im R eiln 111 e 1 e i I .*>0 Psg.
Ertrabetlagen werden nach Gewicht und Grügo berechnet. Mtabnti ronnnt bei Überschreitung d^Znhlnngd zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung ober bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbindlichfeit.
Verlag der „Eictzcncr Zeitung,, (6. 111. b. H.
lHauS Brüder Schmidt.)
Vertag der ,,Eicftcncr Zeitung " (0. m. b. H.
Nr. J^2^ Telephon: Nr. 362. Samstag, Den 1. Juli 1911.
r-lepho»: 9lr. 362. 23. JahrH.
neue Uorfcbriften über den Cebrver- trag, sowie über weibliche Lehrlinge.
HK. Bou den Beschlüssen der diesjährigen Plenar- versannnlnng der Hessische«« H a n d w e r k s k a m- m e r verdient ganz besondere Beachtung zunächst die neue Borschrist, daß künftig alle Lehrverträge im Handwerk dreifach (nicht, wie bisher, nur doppelt)) ausgefertigt werden müssen. Das dritte Exemplar ist, ohne hierzu erst eine Aufforderung abzuwarten, mit der Anmeldung an die Handelskammer einzureichen und verbleibt bei deren Akten. (Bisher war der Lehrherr zur Einreichlmg seiner Lehrverträge nur dann gehalten, wenn die Handwerkskammer üpi ausdrücklich hierzu aufsorderte.) Durch diese neue Maßnahme wird eine bessere Kontrolle über den rechtzeitigen Abschluß und die inhaltliche Nichtigkeit der Lehrverträge bezweckt. — Die zweite wichtige Weiterung betrifft die Einbeziehung der weiblichen Handwerkslehrlinge unter die Vorschriften der Handwerkskammer. Die Neichsgewerbeordnung macht reinen Unterschied im Geschlecht, unb deshalb sind an sich die weiblichen Handwerker ohne weiteres den gleichen Vorschriften unterworfen, wie die männlichen. Es hat sich aber als notwendig erwiesen, die fraglichen Vor- [d)riften in vollem Umfange auch auf die weiblichen Handwerker auszudehnen, insbesondere hinsichtlich der Bestimmungen über die Befugnis zum Anteilen von Lehrlingen (Kleiner Befähigungsnachweis), Festsetzung der Lehrzeit, Anmeldung bei der Handwerkskammer, vor- schriftsmüßigem Lehrvertrag 2C. In den Vorschriften der Ha««dwerkskammer zur Regelung des gewerblichen Lehrlingswesens ist daher zunächst ausdrücklich bestimmt, daß diese nunmehr auch in allen Fällen auf weibliche Handwerker Anwendung finden. U. a. ist die Lehrzeit für weibliche Lehrlinge bei Weißnäherinnen, Putzmacherin- iicn und Damenfriseusen auf 2 Jahre, für alle^ übrigen Gewerbe (z. B. Damenschneiderinnen) auf 3 Jahre festgesetzt. Es sei ausdrücklich bernedt, daß die Arbeitgeber weiblicher Lehrlinge gesetzlich verpflichtet sind, diese vorgeschriebene Lehrzeit einzuhalten, nicht aber nach eigenem Gutdünken eine kürzere Lehrzeit zu vereinbaren. Die Lehrherrinnen sind weiter verpflichtet, die Meisterprüfung abzulegen, soweit sie nicht die Befugnis zum Anlernen von Lehrlingen nach Antrag amtlich weiter - verliehen erhalten können. Alle weiblichen Lehrlinge sind binnen 4 Wochen nach Beginn der Lehre bei der Hand- werkskammer anzumelden, zugleich ist ein Exemplar des dreifach auszufertigenden Lehrvertrages einzureichen. Eine 3uivit>crbnnblung gegen vorstehende Vorschriften unterliegt noch der Reichsgewerbeordnung gesetzlicher Strafe.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 1. Juli.
* Die Großherzoglichen Herrschaf - l e n sind Donnerstag nachmittag mit Gefolge aus Lon don in Groß-Gerau eingetroffen und begaben sich im Auto nach Jagdschloß Wolssgarten. — Der E^ b - g r o ß h e r z o g und P r i n z Ludwig sind Freitag in Begleitung der Oberhosmeisterin Freun v. Grancy von Kiel in Wolssgarten eingetroffen.
* Erledigte Lehrerstellen jiiib zur Zeit an den Gemeindeschulen zu 3 ch l i tz, Kr. Lauterbach, ^ß a k e n b o r n = 3 t e i n b e r g, Kreis Gießen und R e b g e h a i n, Kr. Schotten. Mit der lebten stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden. Dem Inhaber sann eine Ortszulage gewährt werden.
* Nachrichten für Handel und I n d u- n r i e Die im Reichsamt des 3nnern zusammengestellten Nachrichten für Handel und Industrie" haben, so wird" uns vom Großh. Ministerium des Innern geschrieben bei weitem noch nid)t die Verbreitung gefunden die ihrer Bedeutung für unser Wirtschaftsleben entspricht- in manchen Kreisen, denen sie zu dienen bestimmt sind, scheinen sie völlig unbekannt zu sem ^ie pnd da- w bestimmt, aktuelle Mitteilungen über bic wirtschaftt. Verhältnisse und über die Zoll- und Handelsgesetzgebung de'-' Auslandes in weitesten Kreisen bekannt zu machen. Der Stoff wird teils den Berichten der Kaiserlichen Kon= iiilii und Missionen und der Handels- und der landw. Sachverständigen, teils den einschlägigen auslandifchen Bu-blifationen entnommen. Besondere Berückpchttgung finden Ausschreibungen und Lieferungen. bie neuerdings in einem besonderen Abschnitt „Absatzgelegenheiten im Ausland", wo and) sonstige Winke für den Absatz deutsche Waren ans ausländischen Märkte)« Ausnahme finden zum Ausdruck gelangen. Füll die „Nachrichten; die zur Zeit in der Woche etwa dreimal in dem Umfang
von je 8 bis 10 Seite«« erscheinen, wird keinerlei Abou | nementspreis erhoben. Jeder Inländer,, der ein fort dauerndes I««teresse an der Publikation bartut, kann sie unmittelbar beziehen. Um ben Bezug der „Nachrich len" nad) Möglichkeit 311 beschleunigen, werden sie neuerdings im Postzeitungswege zugestellt. Anträge auf Ue i berweisung der „Nachrichten" sind jedoch uid)t bei den Boitämtern zu stellen, sonder«« an das Reich samt des Innern, Berlin W. 8, Wilhel«nstraße 74, zu richten. Hierbei ist anzugebe««, ob die einzelnen Nummern bei der Post abgeholt werde«« sollen oder ob die Zustellung ins Haus erfolgen soll. Im letztere«« Falle ist «nitz««tei- len, baj/bas Bestellgeld (etwa 96 Psg. jährlich) von bem Empfänger bei der Postanstalt bezahlt werde«« wird. Einzelne Nummern können auf Antrag unmittelbar zu- gestellt werden.
♦ Wie wir bereits berichteten, veranstaltet der Kaiserliche Automobilklub für die Zeit vom 5. bis 20. Juli eine Zuverlässigkeitsfahrt für sogenannte Tourenwagen der Prinz Heinrich-Fahrt 1911, durch welche auch der Kreis Wetzlar berührt wird. Die Fahrzeuge tommen von Homburg v. d. H., benutze«« die Straßen Weilnrünster-Einhaus unb von Einhaus ab die große Straße ««ach Weilburg. Bei Kilometerstein 51.3 biegen sie nach Braunfels ab und nehmen hier Aufenthalt. Die ersten Wagen werde«« gegen 9 Uhr erwartet.
* Der Presse-Ausschuß des hiesigen G a - belsberger Stenographenvereins hat aus Anlaß des 32. Stenographentages des Hess.-Nass.- Main-Rheingau-Verbai«des, verbunben mit der Jubelfeier des 50jährigen Bestehens des (Babelsberger Steno- graphen=Bercins Gießen (E. V.), eine hübsch ausgestattete Festschrift herausgegeben, die u. a. Beiträge aus der Geschichte des Vereins, ein Mitglie- dervcrzeichnis und das vollständige Prograin«i« für die Festtage vom 1.—3. Juli enthält.
* Das Wetterim Juli. Für den Sommer 1911 wird allgemein viel Hitze vorausgesagt. Auch der 100jährige Kalcnber, der allerdings oft im Stiche z«« lassen pflegt, sagt große Hitze für dieses Jahr voraus; sie soll besonders im August eintreten ! Doch auch zu Anfang Juli sollen heiße Tage kommen mit tägliche«« Gewittern, mitunter Schloße««. Vom 13. bis 28. Juli soll es trübe und kühl sein (hier und da Rege««), jin haltenden Reger« sollen die Tage vom 29. bis 31. Zuli bringen. Für die Witterung der Mondviertel ist vorge- «nerli: Erstes Viertel (3.) Gewitter. Vollmond (11.) abwechselnd Reger« und Sonnenschein. Letztes Viertel (19.) heiter und warm. Neumond (25.) Gewitter und stürmisch.
* Aus d e m Vogelsberg. Auf Anregung des verstorbenen Grafen Friedrich zu ^olms-Laubach setzte im Jahre 1896 im oberen Vogelsberg die Hutwei- denmelioration ein. Es ist bem landwirtschaftlichen Provinzialverein bisher gelungen, mehr als 1500 Morgen Wüstungen in üppige Wieser« und Weide«« mm zuwandeln, wobei 28 Gemeinden beteiligt sind. 4 ic Maßnahmen bestehen darin, daß die Felsblöcke beseitigt und die Erdhügel (Ameisenhaufen) geebnet werden. Es wird nach Bedarf bewässert und entwässert, und vor allen Dinge«« werde«« die seit Jahrhunderte«« ausgesege- neu Flächen endlich einmal und fortgesetzt gedüngt. Der Geldaufwand betrug 114 000 Mark, wovor« die kleinere .Hälfte die Gemeinden beisteuerten, die das vorgelegte Kapital zweifellos in weniger« Jahren durch bessere Vreh- haltung, burch Grasverkäuse zurückgewinnen werden.
* Iulimärkte. 3. Juli Marburg und Dillenburg, 4. Juli Gießen, 5. Juli Wetter, 13. Juli Niar- biiT^ 18. Juli Hatzfeld, Gießen und Attenkirchen, 20. Juli Frankenberg und Haiger, 25. Zuli Battenberg, 26. Juli Bromskirchen und Wetzlar, 27. Herborn.
* ) Gießen, 1. Juli. Brand Unfall. Heute Nacht gegen 12% Uhr ertönten bic Feuersignale durch Die Stabt. Die Wagenremise der Molkerei von Gebr. Grieb, Schanzenstrahe, stand inFlammen. Das Feuer fand reiche Nahrung in den großen Heu- und Stroh - Vorräten. Wie uns mitgeteilt wird, ist die Eirtstehungs- ursache noch nicht bekannt' doch dürfte ^elb)1ei«tzündr«ng ausgeschlossen sein. Das Feuer griff auch auf den Stall über, der geräumt werden mußte. Wagenremise und Stall sind ausgebrannt.
* Butzbach, 1. Juli. Am Mittwoch entgleisten beim Rangieren im hiesiger« Bahnhof drei Güterwagen, die vorher das Wellblechhäuscherr mit der Wage stark angerannl Hallen. Ein Rettungswagen aus Eiehen wcki
bald zur Stelle, so daß die Betriebsstörung bald beho ben werden konnte.
* Bab Nauhei m, 1. Juli. Erpräsident Pro sirio Diaz ist mit Familie zu längerem Kuraufenthalt hier eingetroffen und hat im Park-Hotel Wohnung ge nominell.
* ) Schotten, 30. Juni. Die Bürgermeisterei er ließ einigemal eine Bekanntmachung, daß infolge der trocknen Jahreszeit das Wasser der Sd)ottcner Leitung knapp würde, man solle das Spritzen der Gärte«« un terlassen und mit dem Wasser sparsam umgehen. Daz«« äußert sich ein Einwohner folgendermaßen: Wir sitzen hier im Bogelsberg im Wasser. Bor einigen Jahre,« wurde die Zuleitung zum Hochbehälter, welche schlecht war, hergestelll und ein zweiter Hochbehälter gebaut. Damals schien die Wassermenge ausreichend. Wie ist es aber zu verstehen, daß das Wasser jetzt wieder knapp ist, wo von einer große«, Trockenheit «licht die Rede sein taun und was soll werde««, wenn wirklich große Tro ckenheit eintrete«« sollte ? Große Gemeinwesen suchen sich auf jede Weise mit Wasser selbst für die weite juhinft zu versehen, darum entnehmen sie unserem Vogelsberg sehr große Wassenne«rge«r (Queckbor«« für Gießen, Lauter für Bad-Nauheim 2C.) und viele Gemeinden um und im Vogelsberg haben in letzter Zeit Wasserleitung angelegt. Es ist aber wenigstens für den Laienverstand außer Zweifel, daß bei solch verstärkte«« Abnahmen aus einem Reservoier, wie es der Vogelsberg ist, sich der Wasserstand dieses Behälters [eiikn muß und daß die Quellen, die auf der Höhe des Gebirges und im Be reiche der verftädten Abnahme liegen, zu verjagen bro hen. So scheint es mit den Schotteuer Quellen zu fein, die auf der Feldkrücker Höhe sich befinde«« und bereu na lürlicher Druck wohl in Verbindung mit bem Horlosftal bezw. dem Inheidener Gebiet gebracht werden sann. Sollte sich das bestätigen, dann kann ««ach Inbetrieb setzung des Inheidener Werks die Stadt Schotte«« viel leicht trocken gesetzt werden. Dann hat der Staat bezw. die Provinz unser Wasser verkauft, wofür wir uns neu lich bas elektrische Licht, das mit aus den Ueberschüssen des Wasserverkauss beschafft werden soll, abgetauft haben. Unsere Stabt aber, die sich stets vergrößert, hat die Ver pslichtung, arlsreichend für Wasser zu sorgen und viel leicht mad)t sie keinen Fehler, wei«n sie auf eine andere Seite des Gebirges geht, um Wasser zu holen, etwa aus der Gemarkung Breungeshain. Denn auch in Michel - bad) besteht ein Wassermangel und mit dieser Gemeinde könnte ein gemeinsamer Bezug von ben Ueberschüssen in Breungeshain wohl erfolgen, mit bem gleichen natür liehen Druck, wie von der Feldkrücker Höhe, aber vor - ausfid)tlich mit größerer Konstanz.
* Bübingen, 1. Juli. Die für die Umpslaste- rung der Straßen der Stabt ausgeschriebenen Arbeiten und Steinlieferungen hatten Angebote von 80 000 Mk. bis 145 000 Mk. ergeben. Den Zuschlag erhielt als Mindestfordernde die Firma Zipp in Gelnhausen. — Auf eine Eingabe der Bewohner einer neu angelegten Straße um Ausdehnung der durch die Qrtsschelle ersol genben Verkündigungen auf diese Straße beschloß der Gemeinderat, das Ausschelle«« demnächst ganz e i««z u= [teilen. — Tierarzt Docter hier wurde zum Fiirst- lich Dsei«b«trg-Vüdingischen Hof-Tierarzt anläßlich seiner 20jährigen Praxis am hiesigen Ort ernannt.
- r- H e r b o r n, 1. Juli. Morgen nachmittag findet im fiskalische«« Walde bei der Baumschule am Kreuz - weg ein christlich-soziales Sommerfe [t statt, bei dem die Reichstagsabgeordneten Franz Behrens und Dr. B u rckhardt, sowie ParteisekretärtA I b e r t smeier Vorträge halte«« werden. Abends 8 Uhr ist lliachver- [ammlung in Dillenburg in der „Alten Post".
* Herborn, 30. Juni. Da infolge der Maul- unb Klauenseuche keine Viehmärkte hier und in der Umgegend abgehalten werden dürfen unb die Metzger ihren Bedarf an Fettvieh hier nicht decken können, haben sie sich dänisches Vieh schicken lassen. Da das Vieh aber lebend nur bis Siegen transportiert werden darf, lassen sie das Vieh bort abschlachten.
- m- Limburg. 1. Juli. Der nass. Bauern- verein nahm in seiner Generalversammlung eine Resolution an, daß der Landwirtschaft der bisherige ^jolh schütz erhalten bleibe und dieser gleichmäßig auf alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse ausgedehnt wird.
♦ M ünchhausen, 1. Juli. Hrer pnbet morgen Sonntag, nachm. 2 Uhr, eine ^ oldaten - M i s s i- o ,« s - V e r s a m m lung unter freiem Stimmel statt. Als Redner ist der durch die Herausgabe der „Ieug- nisse eines alten Soldaten an seine Kameraden^ in we«- ten Kreisen bekannte Generalleutnant z. D. -e. Erz. Herr von Viebahn gewonnen.