Gießener Aeiinng
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Verlag der „Wietzener Zeitung" W. m. b. H.
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
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des Großherzoglichen
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Verlag der „Wietzener Zeitung" G. in. b. H.
Nr. 78. (L Blatt.)
Samstag dcu 1. April 1911
Telephon: Nr. 36’2.
23. Jahrg.
Schwarz 6rön.
Schwarz-Grün soll es sein, das Band, an welchem die neue Kriegsdenkmünze zu tragen ist, die der neue Kriegsminister Berteaur beschaffen will. — Was die Farben Schwarz-Grün besagen sollen, kann sich jedes Kind sagen. Trauer und Hoffnung zugleich sollen sie zum Ausdruck bringen. Was sagt nun Berta v. Suttner, was sagen als unsere anderen Friedensschwärmer? Ein schöner Traum ist dahin. Es wär zu schön gewesen, es hat nicht sollen sein. Sonst liegt uns nichts ferner als Spott, aber hier ist er am Platze! Diese Friedensschwärmer kennen nicht die wirklichen Verhältnisse. Wohl ist das französische Volk, besonders das Landvolk, fried- liebend. Aber es ist auch leicht mit fortzureißen von den Hetzadvokaten in Paris. Und von welcher Gesinnung diese gegen uns erfüllt sind, das zeigen uns die Farben Schwarz-Grün, die sie für das Band der neuen Kriegsdenkmünze ausgesucht. Kein Volk in Europa gibt's, welches so wie die Franzosen den Kriegsruhm liebt. Einer ihrer eignen Dichter singt von seinem Volke:
Und weil es denn Geklirr von Waffen liebt, von blanken
Und Trommelschlag und Pulverdampf,
Gabst Du, Napoleon, den Erdball ihm zur Rennbahn ohne Schranken,
"Zum Tagewerke Kampf aus Kampf.
Kein Volk in Europa ist so empsindlich wie die Franzosen, wenn es durch Niederlagen in seiner militärischen Ehre verletzt wird. Das wissen die Machthaber in Paris. Darum tun sie alles, was sie können, das Volk, das friebliebenbe, immer wieder an die Trauer der Nation von 1870 und 1871 zu erinnern, und die nationale Hoffnung zu beleben. — Daher: Schwarz-Grün! — Und nicht bloß sind es die Machthaber. In Frankreich sind alle Gebildeten von Revanche-Gedanken erfüllt. Auch heute noch. Bei uns ist die gebildete Welt vielfach weltbürgerlich angekränkelt, auch heute noch! In Frankreich hörte und hört man die vornehmsten Vertreter der Wissenschast Hetzreden gegen Deutschland halten. So hörte Schreiber dieses den berühmten Forscher P a st e u r seinerzeit bei einer Preisverteilung die berühmten Worte sprechen: Immer muß Frankreich seine Augen nach der Ostgrenze gerichtet halten. Solche Leute imponieren doch ganz anders, als der „deutsche" Schriftsteller Hess e-Wartegg, der allerdings von Geburt Oe- sterreicher ist, der sich jetzt nicht schämt, aufs eifrigste die französische Beschönigung der Mißhandlungen in der Fremdenlegion gutzuheißen und damit das Wohlgefallen der französischen Blätter, sogar "des offiziösen „Temps" erlangt hat. So etwas kann wirklich nur einem deutschen Gelehrten passieren, einem Franzosen und Eng - länder gewiß nicht.
Hätten wir national gesinnten Deutschen nicht schon längst gewußt, wie wir mit Frankreich daran sind, jetzt wüßten wir es ganz bestimmt. Delcassee und Berteaur sind die führenden Geister im Ministerium Monis; bezeichnender Weise der Marineminister und der Kriegs - minister. Diese beiden sind die Männer, die die Lage in Frankreich beherrschen. — Halten wir unser Pulver trocken! Das lehrt uns das schwarz-grüne Band der neuen Kriegsdenkmllnze der Franzosen.
Germanicus.
Bui Stadl und Land.
Gietzen, den 1. April 1911.
* Gießen, 1. April. Der Großherzog hat den außerordentlichen Professor bei der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Dr. med. K. v. Eicken zürn ordentlichen Professor an dieser Fakultät ernannt.
* Gießen, 1. April. Nach einer Verfügung des Justizministeriums tritt vom 1. April ab eine Herabsetzung der Gebühren der Gerichtsvollzieher für amtliche Zustellungen in Kraft. In den Städten Darmstadt, Offenbach, Gießen, Mainz und Worms werden die bisherigen Gebühren der Gerichtsvollzieher von 40 auf 24 Pfg., von 30 auf 18 Pfg. und von 25 auf 15 Pfg. herabgesetzt. Bei den Gerichtsvollziehern in den übrigen Orten der Provinzen Starkenburg und Rheinhessen ermäßigen sich die Gebühren von 40 aus 30, von 30 auf 22 und von 25 auf 18 Psg.
-m- Gießen. Der Stadtverordnete Grünewald betonte in der Sitzung der Stadtverordneten, daß man gegen die Schaffung einer neuen Universität, wie sie in Frankfurt geplant sei, nichts einwenden könne, zumal die Gießener Universität durch diese Neugründung weder in ihrer Existenz, noch in ihrer Blüte bedroht werde. Die vom „Mainzer Jour." verbreitete Nachricht, daß im Gießener Stadtrat geäußert worden sei, eine neue Fabrik
sei der Stadt mehr wert, als die ganze Universität, sei völlig aus der Luft gegriffen. Nicht einmal dem Sinne nach sei eine solche Aeußerung gefallen, wie überhaupt Gießen für seine Universität bis jetzt die allergrößten Opfer stets gebracht hat.
Gießen, 1. April. Der hessische Anwaltsverein ernannte den ältesten hessischen Rechtsanwalt, Geheimen Justizrat Theophil B a i st, anläßlich seines Rücktritts in den Ruhestand zum Ehrenmitglied. Baist, der jetzt im 85. Lebensjahre steht, ist seit 1854 in Gießen als Rechls- anwalt tätig.
-n- Gießen, 1. April. Der erst vor kurzem hier ins Leben getretene Naturheilverein hatte für gestern abend im Hotel Schütz einen Vortragsabend veranstaltet für den Dr. med. Bachem aus Frankfurt a. M. als Redner gewonnen war. Der Referent behandelte das Thema: „Die Naturheilbewegung, was sie erreicht hat und noch erreichen will." An vielen Beispielen aus der Praxis zeigte der Redner die Vorteile der 'Naturheilkunde gegenüber der Medizin. In die aufgelegten Listen zeichneten sich eine Anzahl Personen als Mitglieder ein.
=1= W e r d o r f, 1. April. Der Kriegerverein feiert sein Stiftungsfest am 2. und 3. Juli.
-l- Ulm (Kr. Wetzlar), 1. April. Der ehemalige, jetzt völlig erblindete Musketier Fr. Schöndorf hatte am 20. Dezember 1909 dem Reichstag eine Petition eingereicht, in der er die Anerkennung seines Anspruchs auf Militärinvalidenrente beantrage. Die Pètitionskom- ‘mifjion verhandelte darüber und beschloß, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen, da Petent den Jnstanzenzug nicht erschöpft habe und auch nicht erwiesen sei, daß das Leiden infolge des Militärdienstes eingetreten sei. Daraufhin hat Petent nachträglich den Jnstanzenzug erschöpft und legt nunmehr eine neue Eingabe vor. In derselben bittet er nochmals um Zuer- 'tennung der Rente. Die Kommission des Reichstages für Petitionen hat nun beantragt: Der Reichstag wolle beschließen: die Petition des Friedrich Schöndorf dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen, ob dem Petenten aus Billigkeitsgründen eine Unterstützung gewährt werden kann, über die Forderung des Petenten selbst aus Zuerkennung einer Militärrente, jedoch zur Tagesordnung überzugehen.
* Niedershausen. Kürzlich tagte hier eine Versammlung von Interessenten des beabsichtigten Bahn- baues Löhnberg-Niedershausen-Obershausen-Nenderoth - Beilstein-Herborn. Es wurde ein Komitee gewählt, welches die Förderung dieser Linie energisch betreiben soll.
* Wiesbaden. Die Milchhändler von hier und Umgegend haben beschlossen, falls sich ein Zusammengehen mit den Frankfurter Milchhändlern beim Bezug der dänischen Milch nicht erreichen lasse, den Produzenten den Preis von 17 Pfg. zu bezahlen, ohne eine Preiserhöhung von den Konsumenten zu fordern. Sollte jedoch die Einigung mit Frankfurt erfolgen, so werden die Wiesbadener Händler ihren Lieferanten länger keine Milch mehr abnehmen.
* F r a n f f u r t. Das 2jährige Söhnchen . eines Schneidermeisters stürzte in einen Zuber heißen Wassers und erlitt Jo schwere Brandwunden, daß das Kind nach wenigen Stunden starb.
* Darmstadt. Im Großherzogtum ist anstatt des früheren Lehrermangels jetzt eine erhebliche Ueber- füllung im Lehrerberufe eingetreten. Die jetzt an unsern Lehrerbildungsanstalten zur Entlassung gekommenen Schulamtskandidaten können vorläufig nicht alle zur Anstellung kommen.
* Darmstadt, 1. April. Im Anschluß an die Kammersitzung hielten die größeren Fraktionen noch vertrauliche Besprechungen über ihre Stellungnahme zu den Abänderungsbeschlüssen der Ersten Kammer in Betreff der Wahlrechtsvorlage, des Gemeindeumlagengesetzes rc. ab. Die Wahlrechtsvorlage steht als Punkt 1 auf der Tagesordnung des am Dienstag wieder zufammentre-
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tenben Plenums der Zweiten Kammer; das Gemeinde- ümlagengesetz aber wird die Kammer vor Ostern wohl nicht mehr beschäftigen.
• Hanau. Die Handelskammer stimmte dem Gesetzentwurf wegen Einführung obligatorischer Fortbildungsschulen in Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern zu und empfahl, auch körperliche Uebungen in den Lehrplan mit auszunehmen.
* Landau. „Staatlich geprüfte Blitzableitersetzerin", diesen Titel führt als erste Dame Frau Lina Hornbach. Sie ist Inhaberin eines Dachdeckungs- und Blitzableitergeschäfts und unterzog sich in der Kgl. Kreisoberrealschule in Kaiserslautern einem Blitzableiter- kursus.
-s- Erbach, 1. April. Nicht bestätigt wurde vom hiesigen Kreisamt der zund Beigeordneten gewählte Maurermeister Schwinn in Lützel-Wiebelsbach, da Schwinn Anhänger der sozialdemokratischen Partei ist.
— Ohne Nahrung — kein Gedeihen! Wer viel und angestrengt arbeiten muh, dabei aber nicht genügend zu essen und zu trinken hat, wird bald elend zugrunde gehen.
Ganz ähnlich verhält es sich mit unseren Ackerkulturen. Wenn dieselben uns reiche Ernten bringen sollen, müssen wir sie entsprechend füttern, d. h. wir müssen sie kräftig düngen. Düngen wir unsere Felder nicht reichlich, so werden die Ernten sehr bald immer unbefriedigender ausfallen. In richtiger Weise ausgesührte starke Düngungen verlohnen sich dagegen stets sehr gut. So düngte z. B. Herr Gutsbesitzer Hermann Abicht in Leubsdorf (Thüringen) einen Teil seines Kartoffelfeldes doppelt so stark mit Thomasmehl als wie das übrige Feld; nämlich mit 1000 Kg. pro Hektar. Die Kali- und Stickstoffgabe war dagegen aus beiden Teilen gleich stark. Lediglich durch die Verdoppelung der Thomasmehlgabe, die pro Hektar nur einen Mehraufwand von rund 26 Mk. verursachte, wurden aus diesem Teil vom Hektar über 1000 Kg. Kartoffeln im Werte von etwa 50—60 Mk. mehr geerntet, als wie bei der nur halb so starken Düngung.
Schwüchczustäildc,
Unlust zur Arbeit,
Mangel an Energie.
Dieser Zustand beruht auf einem mangelhaft genährten Körper in dessen Blut die nötigen- Beftandteile fehlen; es liegt häufig ein Mangel an roten Blutkörperchen vor, welche unbedingt notwendig sind, um sich kräftig und frisch zu fühlen. Ein hervorragendes Mittel zur Hebung der Körperkräfte besitzt der Arzneischatz in Leeiferrin, welches die Hauptbestandteile des Blutes und der Aerveusubstanz enthält und auch sehr günstig auf die Berdauuug undAssimilation wirkt,sowie den Appetit hebt. (2t3)
Preis der Flasche M. 3; enthält Ovo-Lecithin 0.5. Eisen als Eisenoxhdhydrat an Zucker gebunden 0.75, aromatische Bestandteile in Cognac und Alkohol 40.0, Rest destilliertes Wasser.
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Universitäts-Apotheke, Gießen und Engel-Apotheke in Frank-
I furt a. Main.