Gießener Weitung
Vezugspreis 40 Psg. monatlich vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mk., durch die Post 1,50 Mk. frei ins Haus. — Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Zwei Extrabeilagen: „Humoristische Blätter" und die „Neue Lesehalle", liegen wöchentlich einmal gratis bei. — Redaktion: Settersweg 83. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
T e l e p ho n: Nr. 362.
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei^
sowie vieler anderer ^
des Großherzoglichen
Polizei-Amtes
? Behörden Gberheffens
Expedition: Zeltersweg 85.
Druck und Verlag der Giessener VcrlagSdruckerci (Albin Klein).
Anzeigenpreis 15 psg.
die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auSwärtS 20 Pfg. ; die 90 mm breite Petitzeile im Reklamctcil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50° o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht unb Größe berechnet. Rabatt kommt bei Neberschreitung deS Zahlungs- zielcs (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Playvorschriften ohneBerbindlichkeit.
Telephon: Nr. 362.
Nr. 100.
Dienstag, 26. Juli 1910
21. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
1 I Igendfest.
M Das diesjährige I u g e n d s e st, zu dem etwa 3900 ■ Minbcr angemcldct worden sftld, soll Donnerstag, den 28. b. Mts. im Philosophenwald abgehallcn werden. Ter Fcstzug stellt sich nachmittags 2 Uhr in der Ost- und Süd anlagc auf, und nimmt seinen Weg durch die Kaiser-Allee nach dem Festplatz. An den Eingängen zum Festplatz wird zur Bestreitung der Kosten von allen nicht zum Zuge gehörenden Festteilnehmern ein Eintrittsgeld von 30 Pfennig erhoben. Im Vorverkauf, der bis zum 28. Juli, mittags 12 Uhr, dauert, werden Eintrittskarten zu 25 Psg. abgegeben. Vorverkauf s-stcllen sind eingerichtet bei E. Balser, Mäusburg 11, F. Kühn, Seltersweg 36, W. Klee, Marktplatz, L. Fuhr, Sonnenstrabe 25 und Christian Franz, Plockstraße 8. Die vorher gelösten Karten sind an den Kasicnstellen im Walde vorzuzeigen.
Gießen, den 21. Juli 1910.
Für den Festausschuß: Keller, Beigeordneter.
Bekanntmachung.
Die am Jugendscst teilnehmenden Schülerinnen der HöhNcir imb Erweiterten Mädchenschule versassnmcln sich Donnerstag, den 28. Juli, um 1% Uhr nachmittags aus dem Hose der Bürgermeisterei.
Gießen, den 21. Juli 1910.
Für den Festausschuß: Keller, Beigeordneter.
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Der gegenwärtige Stand
der Reichs-Versicherungs Grdnung.
Die Kommission hat, wie bereits gemeldet, ihre Be- j rakungen mit der Erledigung des zweiten Buches der Vorlage, das die Krankenversicherung behandelt, vorläufig abgeschlossen. Es ist eine nicht unerhebliche Anzahl von Beschlüssen gefaßt worden, deren Abänderung ins Auge gefaßt werden muß, soll die Zustimmung des Bundesrats erfolgen. Daneben sind aber auch geradezu Lücken entstanden, deren Ausfüllung seitens der Kommission sehr große Schwierigkeiten bereiten wird, gar nicht zu gedenken der offensichtigen Lückenbüßer, die man trotz allseitiger Erkenntnis ihres provisorischen Charakters ausgenommen hat, um nur zu einem Ende der ersten Lesung überhaupt zu gelangen.
Die Ablehnung, der selbständigen Versicherungsä-nttcr dürfte wahrscheinlich nicht bei der Regierung aus Widerstand stoßen. Dagegen wird eine entschieden ablehnende Haltung des Bundesrats in Sachen der Abschiebung der Kosten dieser „Abteilungen für Arbeiterversicherung" an die Einzel - staaten zu erwarten sein, vielleicht auch gegen die Ablehnung der Lândcsversicherungsämtcr.
Ob die Heraussetzung der Einkommens- grenze für die Versichcrungspflicht von 2000 aus 2500 Mark angesichts der lebhaften Klagen aus Aerztekreisen und der rechnerisch noch sestzulcgenden Verwaltungsmehrkosten von der Reichsregierung angenommen werden wird, ist 5 um mindesten unsicher. Widersprechen wird diese unzweisel- Haft der Bestätigung der Beschlüsse der Kommission auf Ein- führung einer obligatorischen Gewährung von Hebammendiensten, ärztlicher Geburtshilfe und Stillgeld auch an vcr- sichcrungsfreic Frauen der Versicherten, da hieraus etwa 30 Millionen Mark Mehrkosten zu erwarten sind. Und es ist nicht einmal sicher, ob sie der gesetzlichen Zubilligung derselben Leistungen an vcrsichcrungspflichtige Frauen, für die der Entwurf nur die Möglichkeit satzungsgemäßer Gewähr ung vorsah, ihre Zustimmung geben wird.
In einer der Kardinalsragcn, der Neuordnung des Kran- kenlasscnwcsens, hat man dem Regierungswillen nicht entsprochen, indem man statt der geforderten Hälftelung der Beiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der bisher geltenden Verteilung der Beiträge stehen geblieben ist und natürlich auch alle aus ihr entspringenden Vorrechte der Arbeiter bei der Wahl zu den Kranken- laffcnvorständen bcibehaltcn hat. Die im wesentlichen erfolgte Annahme der Regierungsvorschläge für die Wahl des Vorsitzenden kann einen ausreichenden Ersatz für die Verschlechterung des Gesetzes nicht bieten.
Die gefährliche Lücke hinsichtlich der Betriebs- k r a n k e n k a s s e n, die durch Ablehnung des § 257 entstanden ist, wird äußerst schwierig auszufüllen sein. Die hner vorgeschriebene Mindestzahl der Versicherungspflichtigen, ■ Me zur Gründung einer solchen Kasse ausreichen sollen, j
Bekanntmachung
Tas 2. Ziel Gemeindesteuern und Kanalgebühren, die Beiträge zur Land- und Forstwirtschaftlichen Bcrussgenos scnschaft, sowie die Beiträge zur Landwirtschaftskammer, können innerhalb der nächsten 10 Tage noch ohne Kosten bezahlt werden.
Gießen, den 25. Juli 1910.
Stadtkasse Gießen. Mäser.
Bekanntmachung.
Dem Adam Schaumburg ist heute die Konzession als Dienstmann mit der Nummer 19 erteilt worden.
Gießen, den 20. Juli 1910.
Großherzogliches Polizeiami. Gebhardt.
Betreffend: Ausgießcn von Abwässern in den Straßenrinn stein.
Bekanntmachung
Nach § 3 bot Polizeiverordnung, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die stöbt. Kanalisation betreffend, vom 1. August 1904 ist das Ausgießen von Abwässern in den Straßenrinn st ein verboten. Diese Bestimmung, gegen die vielfach verstoßen wird, bringen wir mit dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis, daß die Schutzmannschaft angewiesen ist, hieraus ein besonderes Augenmerk zu haben und gegebenenfalls einzuschreftcn.
Großherzogl. Polizeiamt. Gebhardt.
wurde durch die. Mehrheit aus Zentrum und Konservativen auf 100 festgesetzt (Regierungsvorlage 500 mit der Ermäßigung auf 250 in besonderen Fällen). Tann über fanden sich Zentrum, Polen, Fortschrittliche Vollspartei und Sozialdemokratie zusammen, um jede Einrichtung einer Be triebskrankcnkasse von der Zustimmung der Arbeitnehmer in geheimer Absttmmung abhängig zu machen. Und als nun der ganze Paragraph mit diesen Abänderungen zur Beschlußfassung gestellt wurde, lehnten ihn Freisinn und Sozialdemokratie wegen der geringen Mindestzahl, die sic aus 1000 hatten festsetzen wollen, die Rechte und die Na- tionaliiberalen wegen der geheimen Abstimmung ab; nur das Zentrum fand an ihm noch Wohlgefallen. Aber ohne die Mtriebslrankenlasse ist das Gesetz für die Regierung unannehmbar, eine Einigung der Parteien andererseits ist vorderhand nicht in Aussicht, da diese auch .heute noch aus ihren eben bezeichneten Standpuntten stehen.
Fast ganz offen geblieben ist die Regelung des Verhältnisses der Aerzte zu den Krankenkassen. Alle Beschlüsse zu diesem Kapitel sind mit vollem Bewußtsein der Kommission nur als Vorläufig gefaßt, da sich eine gänzliche Umarbeitung des betreffenden Abschnittes des Entwurfs als notwendig erwiesen hat. Was dabei herauskommen wird, muß abgewartet werden.
Ebenfalls als noch nicht endgültig erledigt möchten wir die Apolhckersrage ansehen, da der mit einer Stimme Mehrheit angenommene Antrag der Konservativen eine allen Beteiligten gerecht werdende Lösung unseres Erachtens wenigstens nicht gebracht hat.
Die oevorsiehende Militärvorlage.
(Nachdruck verboten.)
In einer Erörterung über die zu erwartende Militär- vortage hebt die „Deutsche Tageszeitung" an zwei Stellen — an einer davon mit fettem Truck — hervor, daß diese Forderung zweifellos auf das sich beschränken würde, was unbedingt notwendig wäre. Auch werde die I beanspruchte Verstärkung der Armee wohl nicht mit einem j Male durchgeführt werden, sondern, wie bei dem letzten Quinquennat, auf 5 Jahre verteilt werden. Sollte eine solche maßvolle Heeresforderung nicht bewilligt werden, dann sonnte die Regierung mit gutem Gewissen an das Volk appellieren.
Auch wir sind überzeugt, daß die neue Heeresforderung sich auf das unbedingt notwendige beschränken wird. Dafür sprechen persönliche und sachliche Momente. Ter gegenwärtige Reichskanzler und ebenso der gegenwärtige Staatssekretär des Reichsschatzamtes sind Männer, die zu großen Anforderungen eines Ressorts nachdrücklichsten Wi- verstand entgegensetzen. Sie haben schon bei der Aufstell- ' ung des vorjährigen Reichshaushalls ihren ernsten Willen bewiesen, einen Einklang zwischen Einnahmen und Aus - gaben herzustellen. Sie werden deshalb nicht für Forderungen zu haben sein, die das Gleichgewicht des Etats zu zerstören geeignet wären. In sachlicher Hinsicht ist ein wei
Bekanntmachung.
In den Wagen der stöbt. Straßenbahn wurden in der Zeit vom 1. Juli bis 20. Juli b. J. nachstehende Gegenstände gefunden:
2 Paar gelbe Handschuhe, 1 gestrickter Damenbeutel m. Inhalt, 1 schwarzes Tamenhandtäschchen, 1 grauer Knabenllberzieher, 1 blaues Kinderjäckchen, Badcwäsche, 1 Herrenschirm und 2 Bücher.
Die Sachen können auf dem Bureau der unterzeichneten Verwaltung, Westanlage 51, abgeholt werden.
Gießen, den 21. Juli 1910.
Elektrizitätswerk und Straßenbahn der Stadt Gießen Stolte.
Bekanntmachung.
Die Eindeckung des Wasserturmcs für die Schlachthos- ; erweitcrung soll
Samstag, den 30. Juli d. I s., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden.
Zeichnungen, Muster, Arbcitsbeschrcibuug unb Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin an uns einzureichcn.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, 23. Juli 1910.
S 1 ä d t. Hochbauamt.
Gerbel.
ses Maßhaltcn bei der neuen Heeresforderung gUs milftär- technischen Gründen möglich aus finanzpolitischen schlechthin notwendig. Wir sind also überzeugt, daß die Hceresvcr- mchrung der Kopfzahl nach auch nicht annähernd 1 Proz. der Bevölkcrungsvermehrung ausmachcn wird.
Die Aussichten der Bewilligung einer solchen maßvollen Vorlage durch den Reichstag sind so günstig, wie sie kaum je gewesen sind. Die Konservativen haben sich Forderungen für die Stärkung unserer Wehrkraft noch nie versagt und sie stehen solchen Ansprüchen, die sich auf die Wehrkraft zu Lande beziehen, innerlich ganz besonders wohlwollend gegenüber, während sie für die Flotte lange nicht so viel Sympathieen übrig haben. Sie werden sich also für die bevorstehende Heeresvermehrung mit sehr viel mehr Energie einsetzen, als etwa für eine neue Flottenfor- berung im Jahre 1912. Tie Mittelparteien, Reichspartei und Nationalliberale, betrachten zwar nicht die Armee als bevorzugtes Schoßkind gegenüber der Marine — oh er umgekehrt —, aber ihre Zustimmung zu einer maßvollen Heeresvermehrung ist also unbedingt sicher anzunehmen.
In der Geschichte des Zentrums finden wir wiederholt eine ablehnende Haltung gegenüber Heercsforderun- gen; wir erinnern an die beiden kritischen Tage, den 14. Januar 1887 und den 6. Mai 1893. Diesmal aber erscheint die Zustimmung des Zentrums aus zwei Gründen sicher: einmal dürste das Zentrum sich an dem 13. Dezember 1906 eine Lehre genommen haben, denn wenn ihm die damalige Reichslagsauflösung auch nicht direkt geschadet hat, so wurde doch die klerikal-sozialistische „Abwehrmehrheit" zerstört. Zweitens aber ist das Zentrum jetzt eifrig bemüht, sich „oben" beliebt zu machen — man denke nur an die Hervorhebung von Thron und Altar in der Einladung zum diesjährigen Katholikentage — und „oben" macht man sich nicht durch die Verweigerung militärischer Forderungen beliebt.
Auch die Fortschrittliche Vollspartei wird sich gegenüber einer bescheidenen Heeresforderung kaum ablehnend verhalten. Sie hat im letzten Jahrzehnt zu Forderungen der Wehrkraft eine ganz andere Haltung eingenommen, als im ersten Menschenalter nach der Reichsgründung unb sie wird sich von dieser sachlichen und positiven Haltung auch nicht durch die Artikel des Herrn Gädke abbringen lassen. Sie wird voraussichtlich den Kriegsminister als einen besseren Sachverständigen ansehen und sie wird auch um so eher zur Bewilligung bereit sein, als ein erheblicher Teil der Forderung aus die technischen Truppen sich beziehen dürften.
Nach alledem kann man gewiß sein, daß die Herres- forderung nicht nur bewilligt werden wird, sondern sogar von einer Mehrheit, wie sie so groß im Reichstage noch kaum je vorhanden gewesen ist. An eine Auflösung des Reichstages aus Anlaß der Militärvorlage ist also schlechthin nicht zu denken. Auch sonst dürfte diese Frage kaum irgendwelchen Einfluß auf. die nächsten Reichstagswahlen chou rPm UU301 'ihsm)siq usqrscu uschvgx slsiE usqn§nv