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Bug dienen Der Motor, der durch die Akkumulatoren ge­speist wurde, entwickelte bis zu 50 Pferdekräften. Mit gro- tzer Leichtigkeit konnte der vollbesetzte Wagen Steigungen nehmen. Sollte sich diese langerwartete Erfindung Edisons bewähren, dann ist sie dazu berufen, eine große Umwälzung auf dem Gebiete des Verkehrswesens vorzunehmen. Die Drähte der elektrischen Bahnen so glaubt man wür­ben bald aus den Städten verschwinden, wenn die Straßen­bahnwagen mit den leichten neuen Akkumulatoren versehen werden können. Edison behauptet, daß die Herstellung einer Straßenbahnlinie mit seinen neuen Akkumulatoren bedeu­tend billiger sei, als eine Anlage mit ständiger Stromzu­führung. Man wird weitere Nachrichten über diese G'r» findung abwarten müssen._________

OeraiiscNts

Ueber das Befinden des Königs Otto von Bayern ist

^rnnf Unr" zu lesen: Das seinerzeit aufgetretene Nierenleiden ist durch sorgsame Pflege längst beseitigt, und ärztlichen Kreisen ist man der Ansicht, daß der jetzt nn 6^ Lebensjahre stehende König möglicherweise noch ein hohes Alter erreichen kann. Das traurige Dasein des Mo­narchen, der seine Zeit seit Jahren meistens am Boden siücnd verbringt, wickelt sich in größter Eintönigkeit â Nicht genug können die Bediensteten b^ aufopfernde Pflege der Umgebung des Königs rühmen. Ihnen selbst ist jede Mitteilung nach außen bei Strafe der Entlastung verboten, sodaß selbst geringfügige Einzelheiten nur schwer in die Oeffentlichkeit gelangen. Die militärischen Persönlichkeiten, die zum Dienst im Schloß Fürstenried beordert und, wüsten sich selbstverständlich ebenfalls zum Schm eigen ^^W Sic sind übrigens von jeder Ehrenbezeigung d.m tränten Könia gegenüber entbunden.

Böse Folgen eines Schülerstreiks. Die Vorgänge Gnesener Gymnasium, wo, wie erinnerlich, drei Abiturs teil dem Direktorenzimmer einen nächtlichen Be,uch av- statteten, um in den Besitz der Prüfungsthemen zu ge- langeu, ziehen weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft will, da bei den betreffenden Gymnasiasten auch entwendete Pru- funggformutnre vorgefnndcn wurden, gegen sie Anklage wegen nächtlichen Einbruchdicbstahls erheben. Auch wurden bei den Betreffenden Briefe von Gymnasiasten aus Schrimm beschlagnahmt, in denen Ratschläge erteilt wurden, wie man sich die Prüfungsthemen leicht und unbemerkt ver- ^^ Die Unglückszeche Holland. Auf Schacht 3/4 der Zeche Holland ist ein Brand nuggebrodjen. Er entstand durch die Unachtsamkeit eines Schießmeisters, der eine Zündschnur in einen alten Bau warf, der eine Dynamitkammer be­herbergt. Die Dynamitkammer geriet in Flammen, uno das Feuer griff auf das Kohleugebirge über. Bei der Ber­gung der Dynamitvorräte explodierte eine Dynamitpatrone, glücklicherweise ohne Schaden anznrichten. Gestern mußten die Mannschaften der Reviere 4 und 7 wegen der. starken Rauchentwicklung feiern. Die Versuche, durch Abdämmung den Brand zu lokalisieren, waren bisher vergeblich: sie. werden fortgesetzt. . .

Das Lächeln des Wahlkandidaten. Von den Leiden uno Freuden des englischen Wahlkandidaten gibt ein Einge­weihter in einem englischen Blatte folgende launige Schil­derung:Abends um 11 Uhr kam der Kandidat in die Ge­sellschaft, auf seinen Mienen wie immer ein seliges Lächeln. Ich bin tot," sagte er müde, mit heiserer Stimme und strah­lendem Lächeln,vollkommen tot": er sank dabei kraftlos in den weichsten Sessel und gähnte, ohne sein Lächeln zu ver- liereil. Wir taten unser Bestes, ihn mit Erfrischnngen zum Leben zurückzurufen. Lächelnd trnuE er und lächelnd begann er seine zwanzigste Rede des TageS.Sie müssen das Lä­cheln entschuldigen," sagte er, immer lächelnd,aber ich wage nicht, es abzulegen. Ich schlafe mit ihm, ich kämme muh lächelnd, lächelnd schreibe ich Schecks. Der fürchterlichste Anfall von Rheumatismus kann nicht den strahlenden Ans­druck meiner Mienen zerstören, und als ich heute zum Zahn­arzt ging, lächelte ich ohne Pause unter den furchtbarsten Schmerzeil der Bohrmaschine. Er b«t mir seine Stimme versprochen. Viermal bin ich heute rasiert worden, immer lächelnd. Ich lege Wert darauf, von jedem Friseur meines Wahlkreises rasiert zu werden. Als ich heute, lächelnd, aus dem Laden meines Freiindes trat, stand der Konkurrent auf der anderen Straßenseite vor feinem Laden, schwang sein Rasiermesser und rief allen Vorübergehenden zu, er würde nicht für mich wählen, wenn er mich nicht rasieren könnte. Der Mann war verrückt oder betrunken. Die Menge gröhlte und jubelte. Aber ich ging lächelnd in seinen Laden. Alles bewunderte meine Kühnheit. Und ich lächelte, indes der Wahnsinnige mich rasierte, mit dem Messer meine Kehle kitzelte und seinen Konkurrenten verfluchte. Ich hoffte nur, daß er mir mein Lächeln nicht für ewig wegrasieren würde. Als ich herauskam, jubelte die Menge. Es scheint, daß der Barbier sein Stimmrecht hat. Da setzte ich mein Extralächeln auf^eine Verstärkung, die ich stets bereit halte und die sehr wirksam ist. Wenn ich durch die Straßen gehe, streue ich Fröhlichkeit rings um mich her. Mit meinem Lächeln ziele ich auf die Herzen der Mütter, die an den Türen stehe, ich begeistere die Kinder, die im Straßen- schlamm Kanäle bauen, sogar kämpfende Hunde werden in­spiriert und verdoppeln ihre Wut. Wenn mein Automobil stecken bleibt, nachdem gerade ein gefährlicher Zusammen­stoß abgewandt ist, begegne ich den Pfiffigen der Menge mit meinem Extralächeln, das immer bereit ist, unbewegt einen Schauer weicher Tomaten oder fauler Eier hinzu- nehmen. Es ist sehr anstrengend, einen Monat lang zu lächeln. Meine Kiefer hören nicht auf zu schmerzen. Jeden Tag wird eg schlimmer. Ich schaudere bei dem Gedanken, wie die Wahlen werden mögen das heißt natürlich, ich lächele dabei. Aber ob ich durchkomme oder durchfalle," so schloß der Kandidat .lächelnd,gleichviel wenn erst das Resultat bekannt ist, so ist das mein letztes Lächeln für den nächsten Monat gewesen."

Eine besondere Zeitung für die Kruppschen Arberter. Das Kruppsche Werk, zu dem acht Kolonien mit rund 5000 Wohnungen gehören, in denen 24 000 Personen wohnen, hat seit dem i. Januar d. I. auch eine eigene Wochenschrift, nämlich dieKruppschen Mitteilungen", die ausschließlich für das Arbeiterheer der Kruppschen Werke erscheint. Tie Zeitschrift, die jeder Arbeiter allwöchentlich erhält. faßt alle für die Angestellten wichtigen Mitteilungen zusammen, die bisher nur durch Plakate bekannt gemacht wurden. Ne­ben dem sachlichen Teil enthält sie auch eine Unterhaltungs­beilageNach der Schicht", die schon längere Zeit erscheint. Schließlich werden auch die lokalen Angelegenheiten der Kruppschen Werke und der Arbeiterschaft darin ausführlich behandelt. Die Kruppschen Anlagen bilden überhaupt voll­kommene Gemeinden für sich. Sie haben eigene Kranken­häuser, eigene Badeanstalten, Konsumanstalren, Speisehäu­ser, Erholungshäuser, Witwenhäuser,' ja sogar eigene Fort­bildungsschulen sind hier zu finden, eigene Industrieschu­len, Bibliotheken, Lesezimmer und anderes.

Die türkischen Nachtwächter. Aus Konstantinopel wird berichtet: Nach der Zersprengung der Zunft der Lastträger folgt jetzt die Umgestaltung der Nachtwächtergilöe. Der oberste Rat der Sicherheitsverwaltung hat beschlossen, alle gegenwärtig dwnsttnenöen Nachtwächter zu entlassen und durch ausgediente Soldaten zu ersetzen. Die neue Organi­sation wird ganz militärisch sein und die Nachtwächter er­halten eine Uniform. Die Aufhebung der Bekdschizunft wird in Konstantinopel namentlich die Fremden freuen, da diese Nachtwächter mit den Dieben unter einer Decke zu stecken pflegten und berüchtigt waren, als Entführer von Kindern, die sie dann gegen eine gute Belohnung wieder zufinden" wußten.

Langlebige Schiffe. Wie alt sind die ältesten noch tm .Gebrauch beftndlichcn Schiffe?. Die Antwort auf diese Frage

ist recht unerwartet, denn wir sind ja gewöhnt, daß infolge der sich gegenseitig überholenden Neuerfindnngcn die gro­ßen Kriegs- und Handelsschiffe schon nach zwanzigjähriger Tätigkeit zum alten Eisen gehören. Es gibt aber tatsächlich eine Reihe von Schiffen, die weit über ein Jahrhundert im Gebrauch sind. DaS älteste davon ist ein dänisches Segel­schiff. das zurzeit 186 Lenze zählt und seit 1723 ununterbro­chen seinen Dienst tut. Kein so hohes Alter wie dieser Methusalem der Schiffe, aber immer noch ein respektables haben zehn kleine Segler der dänischen Handelsmarine. Das älteste wurde 1735, das jüngste 1810 gebaut, sechs davon gehören noch dem 18. Jahrhundert an. Der Tonnengehalt dieser Schiffe schwankt zwischen 14 und 68. Alle diese Seg­ler sind noch im Baltischen Meer und in der Nordsee zu sehen. Sie werden zur Beförderung von Granit und son­stigen schweren Lasten verwendet und sind aus Holz kon­struiert.

Die verkannte Notbremse. Ein ulkigesEisenbahn- idyll" wird aus Mecklenburg mitgeteilt. Ein älterer Ar­beiter von Mirow reiste mit seiner kranken Frau nach Ro­stock, um sie dort untersuchen zu lasten. Hinter Lalendorf hält plötzlich der Zug auf freiem Felde. Die Fahrgäste reiften erschrocken die Fenster auf. und der Schaffner eilt von einem Wagen znm andern, bis er schließlich vor un­serm Landmann steht und ihn verwundert fragt, warum er denn die Notbremse gezogen hat.Wat Notbrems?" ent­gegnet dieser,ick künn hier ken Haken sinnen vör min Rock' dünn hew ick ein hier uphängt. De dünn Band kunut dat awer nicht utholl'n, he ret!" Bei seiner Ankunft in R. wurde der Milletäter einem Verhör unterzogen, bei dem sich bald zeigte daß der Mann wirklich aus Unkenntnis den Hebel der Notbremse zum Kleiderhaken gewählt hatte. Von einer Bestrafung wurde deshalb abgesehen: jedoch die Pro- tokollgebühren im Betrage von 7 Mark mutzte er begleichen. Nu vör so'n Puppenspill heww ick sieben Mark betahlen müßt" schloß der Mann nach seiner Rückkehr r Eiltet sei nen Bericht.

Ein niedliches Polizeistückchen hat sich in einer hanno­verschen Provinzialstadt ereignet. Das Haupt der dortigen Polizeiverwaltung, ein wegen seiner Gerechtigkeit und Menschenfr-nndlichfeit M^btft H"rr wandert eines Taaes durch die Straßen d^r Stadt und sieht da vor einem Wirts­hause ein Geivann stebeu. dessen Pferd nicht abaesträngt ist. Der Bl-sitzer hatte dwS unterlassen, weil er weiß, daß sein Pferd. daS auf beiden Auge" blind ist. einen Senkrücken und den Hahnentritt hat, ohne Peitsche nicht von der Stelle geht. Jedoch, es liegt eine Uebertretung vor, der Polizeigewaltige zitiert den Besitzer und läßt sich auch durch den Einwand, daß es aus den anw'ssihrten Gründen mit dem Durchbrennen des edlen Gaules keine Not habe, nicht von einer Anzeige abbringen. Da es sich aber mm einen armen Teniel handelt zieht er gleichzeitig das Portemonnaie und drückt dem Manne 3 Ji zur Deckuna bn* Strafe in die Hand. Dann wird ein Strafbefehl ausgefertigt. Als das Polizei- hanvt nach 14 Tagen fra^t. ob die Anaeleuenbeit erledigt ist- erhält er von seinem Beamten promvt die Antwort:Ja­wohl, Z. hat einen Tag Haft abgesehen!"

Pon den geretteten Veraleuten.

Anschaulich und ergreifend hat der Fahrhauer Schüvp sein Erleben im Schacht geschildert. Er erzählte: Wir waren kräftig bei der Arbeit. Es ging aufs Ende der Schicht zu. ' Plötzlich gabs int Gestein ein verdächtiges Knistern und Rollen, dem ein furchtbarer donnerähnlicher Knall folgte. Im selben Augenblick erloschen unsere Gru­benlichter. Instinktiv sprangen meine Kameraden und ich zur Seite Wir duckten uns an die nur 75 Zentimeter hohe südliche Mauer. Das war unser Glück, denn wie wir nach bem ersten Schrecken durch Tasten feststellen konnten, war das Gebirge über uns hereingebrochen und nur eine etwa ein Zentimeter dicke Eisenplatte bildete über uns ein schützen­des Dach. Zu unser aller Freude tam keiner von uns unter den Bruch geraten. Wir lebten! Aber diese Freude wurde bald verdränat durch die bange Sorge über unser ferneres Schicksal. Unsere Kameraden würden gewiß mit aller Kraft an unserer Befreiung arbeiten. Aber kamen sie nicht viel­leicht zu spät? Wer konnte es wissen! Der erste Gedanke, den wir bei ruhigerem Ueberlegen hatten, eilte zu unseren Angehörigen, zu Frau und Kind. Und bei diesen Gedanken überkam uns eine große Verzweiflung. Anfangs haben wir unaufhörlich

geweint und aebetet

Aber schließlich kam doch die Hoffnung in uns zurück und mit der Hoffnung unser gesunden Bergmannsmut. Um meine Kameraden und mich selbst aufzurichten, sagte ich: Es ist doch ein reines Wunder, das der liebe Gott an uns getan hat. Er hat nicht gewollt, daß wir verunglücken, sonst hätte er nicht das schöne Gewölbe geschaffen, das uns schützt. Gott wird uns auch weiter schützen und für unsere Rettung sorgen!" Das schöne Gewölbe, von dem ich sprach, war allerdings, wenn mans bet Lichte besieht, alles andere als schön. Wir saßen in dem engen Loch eng aneinander- gepreßt in zusammengekauerter Stellung. Aber es bot uns doch Schutz und Obdach. Es dauerte nicht lange, da hörten wir, daß man an unserer Rettung arbeitete. Unser Mut hob sich. Um die Zeit zu kürzen, unterhielten wir uns. Der eine und andere machte auch wohl einen Scherz. Galgenhumor, setzte Schüpp lächelnd hinzu. Während der ganzen Zeit unserer Gefangenschaft haben wir deutlich hören können, daß unsere Kameraden am Werk waren. Ab unb zu hörten wir sogar ihre Stimmen; besonders die Stimme oes Schachtsteigers, der unermüdlich tätig war, konnten wir deutlich erkennen.

Erneute Todesangst befiel uns, als der zweite Schachteinbruch erfolgte. Wir glaubten uns endgültig verloren und sagten: Jetzt ist es mit uns vorbei! Denn wir fürchteten, daß der Druck des Gebirges die Eisenplatte zerbrechen würde. Aber dann hörten wir wieder, wie die Befreiungsarbeit fortgesetzt wur­de, und wir schöpften neue Zuversicht. Wir konnten ganz deutlich hören, wenn Steine in den Schacht fielen ober wenn Holz zum Verhauen heruutergctassen wurde. Bös wurde unsere Lage dadurch, daß wir

kein Brot

bei uns hatten. Auch an Trinkbarem fehlte es. Eine mit­gebrachte und angetrunkene Flasche Wasser war uns, als das Unglück geschah, entfallen und lag unten im Sumpf. Ach, Ivie, oft haben wir in den vier Tagen sehnsüchtig an diese Flasche Wasser gedacht: denn der Durst ist ein schlimmer Geselle. Wir versuchten, ihn zu verscheuchen, indem wir an bent nassen Gestein leckten. Leider fandest wir bald, daß das Sickerwasser kalkhaltig und salzig, also wenig ge­eignet war, den Durst zu vertreiben. Wir mußten deshalb auch auf diese einzige Labung verzichten. So haben wir denn zwischen Furcht und Hoffnung, stets schlaflos, die Zeit des Wartens in unserem Verließ zugebracht. Endlich, endlich drang der

erste Lichtschimmer zu uns herein. Jetzt wußten wir, daß unsere Rettung nahe war. Wir fielen uns vor Freude um den Hals und weinten. Die Oeffnung, die uns jetzt mit unseren Rettern verband, wurde größer und größer. Schließlich war sie groß genug, um einen Menschen zur Not durchzulassen. Die Zeit, die bis dahin verstrich, tft uns nicht mehr lang geworden, wußten wir doch, daß es nun bald, zu Tage ging, dem schönen hellen Sonnenlicht entgegen. Der ergreifendste Ein­druck, schloß Schüpp seine Darstellung, war für unv der, als wir den Dübeln entstiegen waren, festen Boden unter uns fühlten und das Tageslicht sahen. Es war ein wunder­bares Gefühl. Wir hätten vor Freude §ufammenbrea)en mögen . - r »

Die Sintflut in Hransteicb.

Die Hochwafserkatastrophe in Frankreich übertrifft selbst die große tteberschwemmung vom Jahre 1876 Der bitt* sie allein in Paris angerichtete Schaden beträgt viele Millionen. Das Hochwasser der Seine ist in Paris im Steigen begriffen. Der Tanne! der Orleansbahn ist unter Wasser; die Kais und die ihnen benachbarten Straßen sind überschwemmt. Der Verkehr auf der Untergrundbahn und zahlreichen Straßenbahnen ist unterbrochen In der Nähe des Justizpalastes ist gestern vormittag ein Erd- r 11 t s ch cingetrcten. Die Kellerräume des Palais Bourbon in beiten sich die Maschinen für die Beleuchtungsanlage be­finden, stehen ebenfalls unter Wasser. Die Ucberschwenp. mutigen in der Provinz dauern an I- einem Dorfe in der Nähe von Reims fiub 10 Häuser eingestürzt. Ganz Ehalons für Saone steht unter Wasser. Zwei Personen fiub bei den Rettungsarbeiten ertrunken Viele Leute haben sich aus die Dächer der Häuser geflüchtet und rufen verzweifelt um Hilfe. Dampfboote sind zur Hilfeleistung abgesandt worden.

Eine Folge der Ueberschwemmung in Frankreich dürfte die sein, daß es in Paris an T r i n k w a s s c r f e h l t Der Betrieb der Wasserwerke ist vollständig eingestellt worden da das Wasser in den Maschinenraum eingedrungen ist* anderseits enthalten die Wasserreservoirs nur sehr'geringe Vorräte an Trinkwasser. Die Behörden haben umfassende Maßregeln getroffen, damit die Straßenreinigung mit Was- scrspülung bis auf weiteres eingestellt wirb. Alle Hpdranten in den Straßen sind geschlossen worden. Ferner sind An­ordnungen ergangen, mit dem Wasser sparsam umzugehen. Man glaubt, trotz alledem, daß die Wasservorräte nicht mehr sehr lange anhalten werden.

Heute übermittelt der Draht noch folgende Hiobsposten:

Paris, 25. Januar. In der Rue de blanc steht das Wasser 80 Zentimeter hoch. 200 Personen sind dort von jedem Verkehr abgeschnitten. Aus sechs am Seineufer lie­genden Häusern wurden die Bewohner mit Hilfe von Booten gerettet. Ebenso sind viele andere Straßen überflutet. Un­gefähr 2000 Personen in den östlichen Vororten haben ihre Häuser verlassen und sind in Paris eingetroffen. In Jv- ryport soll ein fünfstöckiges Haus eingestürzt sein. Dort sollen Verluste an Menschenleben zu beklagen sein. In Bordeaux ist ein heftiges Gewitter niedergegangen und hat großen Schaden angerichtet. Ein im dortigen Telegraphen­amt ausgebrochenes Feuer konnte glücklicherweise sofort ge­löscht werden.

H Paris, 25. Januar. Da die SMcrrüunie der Kammer überschwemmt sind, brannte während der gest­rigen Sitzung der Kammer das elektrische Licht nicht. Die Tribünen wurden mit Lampen und der Saal mit Gas­flammen beleuchtet. Der städtische Tetephonverkehr ist durch die Ueberschwemmung an vielen Stellen zerstört. Die tele­graphische Verbindung mit Oesterreich-Ungarn, Spanien und Portugal ist unterbrochen.

$«£ Paris, 25. Januar, 9 Uhr morgens. Die Seine ist die ganze Nacht hindurch weiter gestiegen. In zehn Stadt­bezirken sind die Kellerräume überschwemmt. Am Orleans­bahnhof und in den angrenzenden Straßen wurde das Pflaster durch eingedrungcue Wassecmassen gespreigt. Die Straße, in der sich die deutsche Botschaft und das deutsche Konsulat befinden, steht ebenfalls unter Master. Infolge der verminderten Zufuhr steigen die Preise für Lebensmittel gewaltig.

Müucbrkbten und neustes.

Die englischen Wahlen.

6-5' London, 25. Januar. Bis heute früh 3 Uhr waren gewählt: 221 Unionisten, 201 Liberale, 34 Arbeitermrlciler, 61 Nationalisten. Der Gewinn der Unionisten beträgt so­mit 103 Stimmen.

Die Gärung in Indien.

Kalkutta, 25. Januar. In einem Verschwörer-prozeß gab während deS Verhörs vor dem Gerichtshof ein junger Bengale einen Pistolenschuß auf einen Polizeibeamten ab. Der tödlich Getroffene war nn der Untersuchung der Ver­schwörung hervorragend beteiligt. Der Mörder entzog sich seiner Feststellung durch die Flucht. Aus der Straße warf ec gegen einen ibn verfolgenden berittenen Polizeibeamten eine Bombe, die jedoch nicht explodierte. Das Attentat er­folgte im Gebäude des ObergerichtshofeS. Der erschossene Polizeibeamte war ein mohammedanischer Geheimpolizist, der sich in der Untersuchung gegen die Verschwörer bcfoiu I : ders hervorgetan hatte. Ter Täter, ein geborener Hindu, ' wurde später verhaftet.

Der neue Komet. M

Berlin, 25. Januar. Nach der in der Astronomie üb- Uchen Methode wird der neue Komet zunächst die Bezeich­nung K. 1910 A. erhalten. Ueber seine endgültige Bezeich­nung wird man sich später einigen. Gewöhnlich führen die Kometen den Namen desjenigen Astronomen, der zuerst Die. Vahnelemente berechnet. Eine vorläufige Bahnbestiminun.g liegt auch bereits vor. Taricach wird der Komet im Laufe dieses Monats noch erheblich an Helligkeit gewinnen und ' Ende Januar die doppelte Lichtstärke wie jetzt zeigen. Es' bestätigt sich also die Annahme, daß der fremde Welten- b 11 mutier noch eine astronomische Sehenswürdigkeit ersten Ranges werden wird, dessen Glanz sich binnen kurzem weit; hin über den Abendhimmel erstrecken wird, denn seine Be­wegung ist ungemein schnell und nach Norden gerichtet, jo­daß ec also aus dem Abendduukel heraustreten wird.

Weitere Unwettermeldungen.

6»£ Kiel, 25. Januar. Seit gestern mittag sind in stanz Schleswig-Holstein gewaltige Schneemassen m ct) er gegangen. Der Eisenbahn- und sonstige Verkehr erleidet große Stö­rungen und zumteil Unterbrechnstgen. Die Schneefalle uno»^ das Sturmwetter dauern an.

Mord in der Nähe von Berlin

Berlin, 25 Januar. Der Heizer Emil Leonhard wurde in einem Graben bei dem Torse Hohenbruch ermordet auf- / gefunden. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde ein, Arbeitskollege des Ermordeten feftgeuommen.

Brand eines Garbiblagerg. o ;

Duisburg, 25. Januar. Infolge Hochwassers geriet oa» Earbidlager der Firma Zietfchmann im Kaijerhafen: m, Brand und entzündete große Holzstapel. ^er schaden wuo auf 100 000 Ji geschätzt.

Elektrisch betriebene Bahnen.

Dessau, 25 Januar. Tic Arbeiten zur Behandlung des Projektes einer Elektrisierung der Bahnstrecke Magdeburg< Zeât-Leipzig-Hnlle sollen im Frühjahr begonnen werden.

Raubmord.

«anen. 25 Januar. Im Walde bei Wcnacrn <Kr-'- ©aaen) wurde die Leiche eines. Ll^-Wjätzrm-n unbekannten Mannes gefunicu, dem die rechte Schlate eingeichlagen wa. Nach derHagcuer Zeitung" liegt mutmaßlich Raubmorc

Ansskhrcitungcn gaMischcr Ttiidcntc!,. .

Lemberg, 25 Januar. Vor der Filiale eiuer Ber­liner Schuhfabrik veranstaNeten.Studenten eine stürmische Demonstration. Sie schlugen unter denRu,en. .. -W mit den preußischen Gatten" die großen.^'^eMcibcn em . 1 und erzwangen die Sperrung des Lokales. Die DemoMI stranten, die unausgesetzt ni c-chnuihrufe gegeu da^ preu^ ., ßische Enteignungsgeietz und Hochrufe auf den Bot)W« preußischer Waren ansbrachen, wurden schließlich von der Polizei zerstreut. .

Di- EisenbahukaLastrophe in Amerika.

Montreal' - Januar. Nach den letzten FeststelllMgbN sind bei £ - (i ir.'ubafiiifattw unweit Spannch Rlve< über 60 Personen getötet und 80 verletzt worden.