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und die Anwendung des Brennstoffausnahmetarifes auf die Bezüge der Eisensteingruben befürwortet.

d) Schwedischer Eingangszoll für Zigarren. Der gegen­wärtige schwedische Eingangszoll für Zigarren von 4 Kro­nen pro 1 Kg. (etwa 2728 Mk pro Mitte Zigarren) läßt die Ausfuhr deutscher Zigarren nach Schweden noch eben lohnend erscheinen. Die Handelskammer Hanau hat nun angeregt, darauf Hinzuwirten, daß dieser Zollsatz in einem künftigen Handelsvertrag mit Schweden sichergestellt oder ge­gebenenfalls noch ermäßigt wird. Die Handelskammer hat sich bereit erklärt, sich einem Vorgehen der interessierten Han­delskammern anzuschließen.

e) WiederhersteUungl der Verladerampe aus Statidn Abendstern. Im Interesse der erwerbstätigen Kreise des Biebertales ist die Handelskammer bei der Kgl. Eisenbahn- direktion Frankfurt a. M. dahin vorstellig geworden, daß die Verladerampe auf Station Abendstern, die im Jahre 1908 nach Erweiterung des dortigen Bahnhofs abgebrochen worden war, baldigst wiederhergestellt wird.

f) Zu der Frage betreffend die Konkurrenzklausel, sieht die Handelskammer mit Rücksicht darauf, daß die hessischen Handelskammern' zu dieser wichtigen Frage gemeinstem Stellung nehmen werden, davon ab, bindende Beschlüsse zu fassen.

2. Eingänge.

a) VerdingungTW esen: Da sehr vielfach in den Sub - Missionsbedingungen Vorschriften enthalten sind, die ganz unzweckmäßig sind und oft auch seitens der Lieferanten in dem geforderten Umfange gar nicht eingehalten werden kön­nen, hat es sich der deutsche Handelslag zur Aufgabe ge­macht, die in Betracht kommenden Behörden unter Mitteil­ung von Beispielen unzweckmäßiger Bedingungen auf diesen Mißstand aufmerksam zu machen und um Abhilfe zu er­suchen. Zur Unterstützung dieses Vorgehens ersucht die Han­delskammer die Interessenten ihres Kammerbezirktz, ihr Bei­spiele solcher unzweckmäßigen Submissionsbedingungen mög­lichst im Original einzureichen und dabei deren Unzweck - Mäßigkeit zu erläutern.

Lokales.

Gießen, 25. August 1910.

* * Empfangen wurde vom Großherzog am 24. August u. a. der Oberst von Lindequist, Kommandeur des 1. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 74.

* Militärisches. Zum Oberleutnant wurde befördert der Leutnant der Reserve Haasen (Crefeld) des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116. Der Abschied bewilligt: Cramer (Gießen), Ltn. der Landwehr- Inf. 2. Aufgebotes.

* * Aus Anlaß des heutigen Ludwigslages haben zahlreiche öffentliche Gebäude geflaggt.

* S t r a ß e n p ft a st e r u n g. Nachdem vor kurzem die Löwengasse mit Vulkanolpflaster versehen worden ist, hat den gleichen Belag nun auch die Wolkengasse erhalten. Die Pftasterarbeiten auf der Licherstraße haben begonnen. Das in den Straßen von Gießen vorhandene Kleinpfla­ster bedeckt nunmehr 43 000 Quadratmeter.

* Die Lesehalle des Lesehalle-Vereins gab im Juni 2153 Werke aus, von denen 1184 auf Erzählungen

Gerichtet.

16) Familienroman von Franz Wichmann.

Zu ihm?" murmelten ihre Lippen.Nein, ich kann nicht, niemals! Ins Elend denn! Vater," wandte sie sich in der Tür noch einmal um,dieses Wort hat einen Abgrund zwischen uns geöffnet, den die Liebe nicht mehr überbrücken kann! Jetzt muß ich gehen!"

Mit abgewandtem Gesicht und ausgestrecktem Arm stand der Unbeugsame da.Geh!" war alles, was über seine Lippen den Weg fand, und noch einmal:Gehl"

7. Kapitel.

In Aurichs Gartenrestaurant, dem größten und beliebtesten Etablissement der Hauptstadt, herrschte auch heute wieder das bewegte Leben und Treiben, das sich an schönen Sonntagnach­mittagen hier stets zu entwickeln pflegte.

Es war in der Tat ein prächtiger Aufenthalt unter den großen, schattigen Bäumen, zwischen denen sich üppige grüne Anlagen mit anmutigen Bosketts und lauschigen Lauben hin- zogen. (Gerichtet 30 Nr. 8.)

überall, wo sich ein freier Platz bot, waren Tische, Stühle und Bänke aufgestellt, und doch schienen sie dem immer neuen Andrang von Vergnügungslustigen kaum zu genügen.

Als die Musikkapelle im Hintergründe des Gartens ihre feierlichen Weisen begonnen hatte, strömten von aller Seiten auf den verschlungenen, vielfach sich kreuzenden, mit feinstem Kies bestreuten Fußwegen immer neue Scharen heran, unb die Kellner, die mit fliegenden Fräcken und weißen Servietten in nervöser Hast ab und zu sprangen, vermochten nur allmählich alle Wünsche der Hungrigen und Durstigen zu befriedigen.

Auf den breiten Stufen, die von dem langen, einstöckigen Wirtschaftsgebäude in den Garten hinabführten, blieb eine schlanke junge Dame stehen und wandte das blondlockige Haupt nach einer älteren Frau zurück. Beide waren sauber und neit, doch im Gegensatz zu den übrigen Besuchern des Gartens nur schlicht unb einfach, beinahe ländlich gekleidet.

Die Jüngere ließ eine Weile ihre hellen Augen suchend über das Menschengewimmel zu ihren Füßen hingleiten.

Sie sind nirgends zu sehen, Tante," sagte sie dann. .,Werden sie denn auch wirklich kommen?"

Meiner Seel'," erwiderte ihre kleine, lebhafte und trotz ihrer grauen Haare jugendlich bewegliche Begleiterin,du wirst doch nicht zweifeln, Klara, wenn ich dir's sage? Deine Mutter hat mir's im Vertrauen mitgeteilt, daß sie bei schönem Wetter sicher herauskommen."

entfielen. Die Umgegend lieh aus der Bibliothek 74 Bü­cher.

* Vom Tage. Am Dienstag stahl auf der Stein­bacher Straße ein Radfahrer von einem Milchwagen einen Korb mit Brötchen. Der Dieb war von einem Straßen - wart, welcher den Vorgang bemerkt hatte, zwar angehalten, entschlüpfte aber unter Zurücklassung des Fahrrades, das, wie später die Untersuchung ergab, einem Wiesecker Bürger entwendet worden war.

* D i e 4 Verschollenen, die auf ihrer Reise in die Vogesen nichts von sich hören ließen, haben nun­mehr nach Gießen eine Karte gesandt und ihren Eltern den Aufenthaltsort angegeben.

* Versauft wurde für 57 000 Mark das Grund­stück Hillebrandstraße 2 von dem bisherigen Eigentümer Pfaff an Rentier Spitz.

* Verhaftung. Der Gießener Polizei gelang am Montag auf der Post die Festnahme eines Erpressers, der von Gießen aus an wohlhabende Leute in Maar und Lau­terbach Miefe gesandt hatte, in denen er sich als Krimi­nalkommissar bezeichnete und weiter angab, daß gegen den Adressaten ein Strafverfahren eingeleitel worden sei, das aber gegen die Zahlung einer Summe von 300 Mk. in postlagernder Sendung nach Gießen von ihm sofort unter­drückt würde.

* Festnahme. Bekanntlich brach vor mehreren Mo­naten der Arbeiter Schuhmacher, der wegen Sittlichkeitsver- brechens in Gießen verhaftet wurde, aus dem Gießener Po^- lizeigefängnis aus. Dieser Tage ist nun seine Festnahme in Frankfurt a. M. geglückt.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

* W i e s e ck. Auf dem Kirchweihfest führte ein zwi­schen Militär und Zivilisten ausgebrochener Wortwechsel zu Tätlichkeiten, in deren Verlauf beide Parteien Verletzungen davonttugen.

* Laubach. Hier wurde Fräulein Thekla Köhler, die Schwester des vor mehreren Jahren verstorbenen Me- dizinalrals K. in Gießen, zu Grabe gebracht. Für ihre aufopfernde Krankenpflege in den Jahren 1870-71 wurde ihr das Verdienstkreuz verliehen.

* H e r s f e l d. Zwei hiesige Handwerksmeister ha­ben eine Flugmaschine konstruiert und ein Modell dieser Maschine nahezu fertiggestellt, sodaß hier in nächster Zeit Flugversuche unternommen werden können.

* Grünberg. Die mit Recht so gefürchtete Schwei­neseuche ist hier austzebrochen.

* Heinß b. Alsfeld. Auf der Besitzung des Guts­pächters Hillebrecht brach ein großes Feuer aus, das mehrere Stallgebäude vernichtete, in denen 100 Pferde der 10. und 11. Eskadron des bei Alsfeld manövrierenden Jä­ger-Regiments zu Pferde Nr. 2 aus Langensalza eingestallt waren. Bei dem Brande sind 9 Pferde umgekommen; eine große Anzahl Pferde wurde verletzt und wird wahrschein­lich getötet werden müssen. Bei den Rettungsarbeilen ist der Jäger zu Pferde Helm verbrannt.

* Muschenheim b. Lich. Unser Dorf steht zur Zeit im Zeichen der in Kürze stattfindenden ^Bürgermeister^ Wahl. Es sind zwei Kandidaten aufgestellt: der seitherige Bürgermeister Herr Becker und Herr Karl Roth. Von bei­den Seiten wird eine rege Agitation entfaltet.

* * Ter Abg. Köhler-Langsdorf veröffent­licht folgendesEingesandt":

Daß es gerade der Darmstädter Automobilklub gewe­sen sei, der die bekannten10 Gebote für Fuhrleute" ver­öffentlichte, und daß dieser dabei mit Polizeiunterstützung

Das junge Mädchen mußte diesen Worten wohl oder übel Glauben schenken.

Freilich," sagte sie, indem sie begann, die steinerne Treppe weiter hinabzuschreiten.Ottos Geburtstag wurde ja daheim in Grünwald immer mit einem Ausflug gefeiert. Und hier in Der Stadt werden sie auch nicht zu Hause bleiben mögen, wenn auch der Bruder fern ist. Ach Gott, es muß ja schreck­lich sein, wenn es so aussieht, wie du sagst!" fügte sie schmerz­lich hinzu.

Frau Baumert, die Witwe des früh verstorbenen Bruders der Försterin Reiner, eines kleinen Beamten, die sich des armen, verstoßenen Mädchens, dessen einzige Zuflucht sie gewesen war, seit Monaten liebevoll angenommen hatte, folgte Klara mit ihren kleinen, trippelnden Schritten und ließ dabei ihren Mund keinen Augenblick still stehen.

So schlimm ist es ja nicht," mehle sie.Einfachheit ist gottlob ja noch keine Schande! Vielleicht wird es jetzt, da sie alles verkaufen müssen, sogar wieder wohnlicher bei ihnen. Die gute alte Zeit kannte auch keinen Luxus bei unsereinem!"

Klaras Brust hob ein quälender Seufzer. Wie ein schwerer Druck lag es auf ihr, wie der Alpdruck kommenden Unglücks.

Das junge Mädchen und ihre grauhaarige Begleiterin hatten die unterste Stufe der Treppe überschritten und wurden sogleich in den Menschenstrom mit hineingerissen, der unter den breitblättrigen Kastanien auf dem freien, runden Platz auf- und niederwogte. Um einen geeigneten Platz zu finden, ließen sie sich von der bunten Woge weitertreiben.

Klara knüpfte an der Tante letzte Worte an:

Die gute alte Zeit! Ach, ja, davon sprichst du so ost, Tante! Ist sie denn wirklich einmal gewesen und wird sie jemals wiederkommen?"

Sie entdeckte plötzlich nahe einem Seitenweg zwischen zwei entfernteren, von dichtem Grün verhangenen Lauben noch einen freien, runden Tisch mit einigen Stühlen.

Das trifft sich gut, fetzen wir uns rasch, Tante," sagte sie, «Hier können sie uns nicht entgehen, von diesem Platz übersteht man alles!"

Frau Baumert war es zufrieden und griff nach dem nächsten Stuhl, ohne deswegen ihrer Zunge Stillstand zu ge­bieten.

Ei, gewiß," antwortete sie auf Klaras vorhergehende letzte Äußerung,ich habe sie noch gekannt, Kind, die gute alte Zeit! In meiner Jugend war alles anders. Da lief man nicht bloß dem Vergnügen nach, es gab auch noch keine Pessimisten und Anarchisten und wie die Bösewichter heutzutage alle heißen. Damals- war es noch eine Freude und eine Ehre, zu arbeiten!"

Der Kellner, der mit einer erwartungsvollen Miene an den Tisch trat, schnitt ihren Redestrom für einen Augenblick ab.

gehandelt habe, war mir nicht bekannt, als ich meinen Ar­tikel gegen den Automobilunfug schrieb. Ich hatte in ver­schiedenen Zeitungen, zuletzt in derHungener Landpos?, diese10 Gebote" bemerkt, und daran Aergernis genommen' Denn wer gibt diesen Leuten das Recht, uns Bauern und ton Fuhrleuten Vorschriften zu machen? Oder bilden sie sich schon ein, darum, weil die deutschen Fürsten auch Statt mobil fahren, dairum stelle der Automobilklub schon feine staatliche Einrichtung und Autorität dar? Nur gemach: Quod licet Jovi, von licet bovi und dann die Revolver stelle! Welcher Esel hat denn nicht längst schon gemerkt, daß das einzig und allein nichts weiter sein sollte, als eine Persiflage,^ eine Verspottung /der10 Gebote für Fuhr - leute?" Wer kann so dumm und voreingenommen sein, ow zunehmen, ich hätte im Ernst empsohlen:Gehe aufs Kreis­amt, erwirb dir einen Waffenpaß" (der doch erst nach Fest­stellung der Personalien und des Zweckes verlieren wird), und hernach einen tüchtigen Revolver"; und dann bet Ulkdaß du dich wehren kannst, wenn das moderne Un­geziefer dich überfällt". Die ältesten Kühe lachen darüber, wenn sie hören, das hätte ich alles in tätlicherem Ernste ausgesagt. Nun, derselbe Staatsanwalt, der den Automo bilmord zu Dietzenbach zu untersuchen hat, soll ja auf An­trag des Darmstädter Automobilltzubs auch denErnst" die ser Sache prüfen. Interessant ist mir noch, daß bei Darmstädter Automobilklub überhaupt sich der Sache ange­nommen hat. Wen habe ich denn in Wirklichkeit angegrif­fen? Die anständigen Automobilisten? Wo steht das ge schrieben? Von einerübermütigen Faulenzerbande", die im Auto daherrast, habe ich gesprochen. Der Darmstädtei Automobilklub wird doch diese Leute nicht mit seinem blan ken Schilde decken wollen? Wäre es der Fall, er würde keine Lorbeeren dabei ernten.

Ich möchte noch bemerken, daß es sonderbar anmutet, wenn man hört, die Polizei habe an Autofahrten teilgenom­men, um einen Ueberblick über die Verhältnisse des Fuhr Verkehrs auf den Straßen zu gewinnen. Warum setzt sich denn der Herr Polizeikommissar nicht auch einmal auf einen Bauern-, Mist- oder Frachtwagen, um auch einmal die Sache von der anderen Seite aus zu bettachten? U. A. w. g.

K ö h l-e r - L a n g s d o r f.

* Ruppertsburg. Der Schneidermeister Wag­ner von hier verunglückte bei der Rückkehr von einem Aus­flug nach dem Jägershaus bei Schotten dadurch, daß er über die Horloffbrücke bei der Friedrichshütte stürzte. Er erlitt einen Bein- und einen Schädelbruch.

* Münzenberg. Bei der Bürgermeisterwahl da­hier wurde Herr Beigeordneter Wetz mit 146 Stimmen ge­wählt. Herr Otto Enders erhielt 42 Stimmen.

* * Wetzlar. Zum dritten Mal seit seinem Be­stehen veranstaltet der Rhein-Mainische Verband für Volks­bildung in Frankfurt a. M. eineVolksakademie". Vom 25. September bis 5. Oktober wird, wie bereits am 11. August kurz gemeldet, in Wetzlar eine kleine Schar ideal gesinnter Männer und Frauen aus allen Volksschichten und aus den verschiedensten politischen und religiösen Parteila­gern in Form einer Hausgemeinschaft zusammenleben, nm sich in eingehenden Diskussionen über die Probleme bet Volkserziehungsarbeit klar zu werden. Die einleitenden Vorträge zu den Diskussionen liegen in den Händen be­währter Volkspädagogen. So hat u. a. Herr Professor Dr. Natorp aus Marburg fünf Vorträge überPestalozzis Ge­danken zur Volkserziehung" übernommen. Die ständigen Mitarbeiter des Rhein-Mainischen Verbandes werden von ihren Erfahrungen aus der Praxis berichten 2C. Mit bei Volksakademie sind außerdem eine Reihe von Beispiel-Ver-

Vrrngen Sie Kaffee, aber mit recht viel Zucker!" befahl Frau Baumert und wandte sich dann von neuem an ihre Nichte.Ja, ja, damals fiel es noch niemand von uns ein, unehrbare Getränke zu trinken, aber heutzutage ist es ja modern, daß die Damen in öffentlichen Lokalen Bier trinken wie die Mannsbilder."

Klara benutzte die Pause, die die Tante machen mußte, um Atem zu schöpfen, auch ihrerseits zu einer Bemerkung.

Ach, Tante, alle Sehnsucht nach bet guten alten Zeit ver- mag doch nichts daran zu ändern, daß wir in einer neuen leben!" sagte sie.Wenn es nur möglich wäre, daß der Vater mir verziehe! Vielleicht gäbe es dann noch eine Rettung! Denn er ist gut und schwach, so rauh er auch tut; die Mutter aber hat ja nur Gedanken für Otto. So wird auch das letzte dahingehen!"

Freilich, freilich," mußte Frau Baumert zugeben,aber cs wird schon noch wieder gut werden, wenn sie nichts mehr haben. Armut ist eine gute Schule auch noch für die ältesten Kinder dieses Lebens!"

Du bist eine unverbesserliche Optimistin, Tante!" meinte Klara. (Gerichtet 31 Nr. 8.)

Und du mußt nicht alles glauben, was die bösen Menschen sagen, Kind!" gab die Tante ihr zurück.

O, davon kann nicht die Rede sein!" entgegnete Klara. Seitdem du mich so liebevoll bei dir ausgenommen hast, lebe ich ja so still und einsam, daß ich fast nichts mehr von der Welt höre und sehe. Aber hast du nicht selbst gesagt, daß alle Verwandten und Bekannten darüber reden?"

Aber, Mädchen," wich die Alte dieser Frage aus,wer wird denn gleich ein jedes Wort so auf die Goldwage legen?"

Nein, nein," sagte Klara dringender,es gelingt bir nicht mich zu täuschen. Ich weiß, ich fühle es, daß es so ist, wie du mir, vielleicht ungewollt, verraten hast. Seine Kollegen ver­achten ihn, man weist mit Fingern auf ihn, die Vorgesetzter betrachten ihn mit Mißtrauen oder mit Mitleid, und er er fühlt das alles und ist zu schwach, sich aufzuraffen. O, mein armer, unglücklicher Vater!"

Frau Baumert gab sich alle Mühe, das schmerzlich erregte Mädchen zu beruhigen.

Du lieber Himmel, wer wird denn wegen der paar Schulden ein solches Aufheben machen!" suchte sie zu begütigen.

Es sind ja nur Heine Geschäfte, in denen man ihnen keiner Kredit mehr geben will. Und überdies hat Otto nur noch cir halbes Jahr zu dienen. Dann hören die großen Ausgaber von selber auf, der Bruder wird eine Stellung finden und bei Vater kann für sich und die Mutter allein sorgen Da werden die kleinen Schulden, die dann noch da sind, sich schon leichl tilgen lassen!"

Klara schüttelte ernst das Haupt.

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