Nr. 20,____________________
* Br^tini t» gNch außer DonntagS.
Wezug-Pret- : vierteljährlich durch die Träger frei ta» $wA 1.35 Mt., durch die Post bezogen 1^60 Mk.
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Dienstag, den 25. Januar 1910
Gießener
20. Jahrgang
Inserate: die 44 mm breite Petit-eile St WaueP, Reklame: „ 90 „ „ „ V0 „ V
Beilagen werden nach Gewicht und Grütze berechn«-
Telephon-Anschluß : GieHa», Nr. MB.
Weuefle Nachrichten
:" „ fliegt»«« Vcg-Sks«) Nnaöyângig« ILs«^ett»«g (chietzener Seitnng)
für Oberheffeu und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzelger für Gießen und Umgebung.
I Enthält «He amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhefsen -
Lotaies und Provinzielles.
* * Der Großherzog empfing gestern vormittag 11 Uhr im Neuen Palais den Professor Riegel.
* * Erledigt: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besehende ^ehrerstelle an der Gemeinde,chule zu Stangenrod. Mit der Stelle ist Organisten- und Lek- tordienst verbunden.
* * V o m Finanzausschuß. Das der Zen - trumspartci angehörende Mitglied des Finanzausschusses Abg. M o> l t h a n hat infolge von Differenzen dem Vorsitzenden des Ausschusses erklärt, daß er nach Beendigung der Budgetberatungen aus dem Finanzausschuß austreten werde.
* * Der Zweiten Kammer gingen folgende Drucksachen zu: Vorstellung der Veroände mittlerer Verwaltungs- und Justizbeamten des Großherzogtums Hessen, betr. Teuerungszulage und Revision der Besoldungs - ordnung. Ferner Vorstellung der Großh. Bürgermeisterei Lampertheim betr. 1. Grrüytmi^ einer Effenvahnschtion bei dem Bahnwärterhaus Wr. 10 an der Kreuzung der Worms—Lampertheimer Eisenbahnlinie mit der Worms — Bürstadter Landstraße; 2. Gründung einer bäuerlichen Ansiedelung aus dem im nördlichen Teil der Gemarkung Lam- perthelur in der Nähe dieser Station gelegenen staatlichen Domanialeigentum. Dann: Weitere Anträge des Abg. Best zum Staatsbudget für 1910. Schließlich: Vorstellung der hessischen Lehrermnenvereine betr. Neuregelung der Lehrer- innengehalte, und Vorstellung der 1. Bureaugehilsen bei den Großh. Kultur-Jnipettionen, betr. Regelung ihrer Ge- Hattsverhättnisse.
* * Die R e i ch s b a n k bleibt anläßlich des Ge - burtstages des Kaisers am Donnerstag den 27. Januar r on 12 Uhr ab geschlossen.
* * Die Hess. Handelskammern haben durch ihren Vorort, die Handelskammer Mainz, im Anschluß an die Verhandlungen des letzten Hessischen Handelskammer - tages nochmals eine ausführlich begründete Eingabe an den Ersten Ausschuß der Zweiten Kammer der Land- stände in Angelegenheiten des G e m e i n d e u m l a g e n- g e s e tz e s gerichtet. Die Eingabe befaßt sich speziell mit der Gewerbesteuer und schließt mit der Bitte, alte Anträge aus weitere Bevorzugung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes und des landw. Betriebskapitals als ungerechtfertigt avzulehnen, inbezug auf die Gewerbesteuer aber den Vorschlägen des Handelstammertages entsprechen zu wollen,
! —! Die Lage des Arbeitsmarktes hat sich leider im Monat Dezember noch weiter verschlechtert, als nämlich die kommunalen Arbeitsnachweise nur 5924 Stellen vermittelten, welche Zahl in dem Vormonat 7126 betrug. Im Verein damit hat sich auch die Zahl der ver- sicherungspslichtigen Mitglieder der Ortskrankenkassen in Hessen und den benachbarten Gebieten vermindert. U. a. hatte die Gießener Ortskrankenkasse bei einer Gesamtzahl von 4463 Versicherten am 1. Dezember 1909 bis zum 1. Jan. 1910 den Verlust von mehr als 200 Mitgliedern zu beklagen, der doch auch nur auf das ungünstige V;rhältnis des Arbeitsmarktes zu den offenen Stellen zurückzuführen sein dürfte. Um so erfreulicher muß darum die gute Beschäftigung in der Lederwarenbranche, Schuh- und Automobil-Industrie genannt werden, welche auch in dem Vormonat, wie wir schon berichteten, ein günstiges Bild zeigten. Bei den anderen Gewerben haben sich die Verhältnisse in dem Monat Dezember noch ungünstiger gestaltet. So hat die M e - t a l l i n d u st r i e immer noch keine Besserung zu verzeichnen und zählt eine Menge Arbeitsloser, die teilweise schon viele Monate ohne Arbeit sind. Auch in der H o l z - I n- d u st r i e ist von einer Besserung der Lage des Arbeitsmarkles noch nichts zu spüren. Wenn in der Metall- u. Holzindustrie die Beschäftigung eine schlechte ist, so gilt dasselbe naturgemäß auch vom Bauhandwerk. Trotz des bis jetzt sehr milden Winters ruht fast die ganze Bautätigkeit. Das Bekleid ungsgewerüe war annähernd zufrieden - stellend beschäftigt, konnte aber stets mit Leichtigkeit genügend Arbeitskräfte erhalten. Im Nahrungsmittel- gewerbe fanden im Berichtsmonat infolge des Festes eine Anzahl Kräfte wenn auch nur vorübergehend, Beschäftigung. Im Buchdruckgewerbe trat nach anfäng - licher Besserung der Geschäftslage in den ersten Tagen des Monats, noch vor den Festtagen wieder eine Verschlechterung ein, so daß sich am Schlüsse des Berichtsmonats gegen den Vormonat die Zahl der Arbeitslosen etwas vermehrt hat. Dieselbe Erscheinung trat auch bei dem B u ch b i n- dergc werbe zu Tage. Einer Einstellung von Arbeitskräften, allerdings fast ausschließlich zur Aushilfe bis Weihnachten im größeren Umfange, folgte dann am Ende des Monats wieder ein Rückschlag. Neueinstellungen von land- w i r t s ch a f 1 l. Arbeitern erfolgten leider sehr wenig. Auf dem D i e n st b o 1 e n m a r k 1 e scheint die Spannung zwischen Angebot und Nachfrage nicht mehr so groß zu sein, denn in verschiedenen kleineren Städten ist die Nachfrage nach Dienstboten geringer geworden. Obwohl das Weihnachtsfest in verschiedenen Gewerben den Geschäftsgang belebte, führte dies doch nur zu einer intensiveren Beschäftigung der Arbeiter, da die durch das Fest bedingte Mehrarbeit meistens durch Ueberstunden geleistet werden konnte. Im allgemeinen ist also von einer Besserung der Lage des Arbeitsmarltes noch wenig zu merken.
!! Religions Übertritte in Hessen. Zur evangelischen Landeskirche sind im Großherzogtum im Jahre 1908 übergetreten im ganzen 177 Personen, davon von der röm.-kath. Kirche zusammen 135; von anderen christlichen christlichen Konfessionen (Freiprotestanten, Altlutheranern, A'ltkatsholiken, Baptisten re.) zusammen 25; sonstige (solche, die seither zum Judentum gehörten oder konfessionslos waren) zusammen 17. Dagegen sind aus der evangelischen Landeskirche im ganzen 200 Personen ausgetreten; davon zur römisch katholischen Kirche 15, zu anderen christlichen Konfessionen (Frei Protestanten, latcholisch-apostolische Ge - meinde, Baptisten, Menontten rc.) 133, zu anderen Reli
gionen (Judentum) 3; ohne Uebertritt traten aus 49 Personen.
!!! Um an Zündhölzern zu sparen, wird künftig eine Anzündlaterne jbei dem Betriebßmaterivlien - Hauptmagazin in Erfurt in Vorrat gehalten, die gleich - zeitig als Signalhandlaterne für das Bahnstjeigschaffnev-, Fahr-, Rangier-, Slations- und Weichenstellerpersonal dient.
-kp- P o st d i e n st. Wie uns milgeleilt wird, sind am 27. Januar (Kaisers Geburtstag), die Postschalter nur in demselben Umfange wie an Sonntagen geöffnet, auch findet nur eine einmalige Briefbestellung und kerne Paket- und Geldbestellung statt. Telegramme werden von 1—8 Uhr nachmittags auch beim Postamt 2 angenommen.
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* Gießen, 25. Jan. Der Schneefall hielt gestern bis Mittag an, um dann nach einer mehrsttindigen Pause von neuem einzusetzen und bis zum Abend anzuhallen. Leider wurden die Schneemassen während der warmen Mittagsstunden in den Slraßen der inneren Stadt teilweise in Wasser verwandelt und die teilweise vorhandene Glätte dürste wohl manchen Bürger zu Fall gebracht haben. Nicht dringend genug kann wohl aus diesem Grund jedem Hausbesitzer geraten werden, vor den Türen, auf den Treppen 2c. Sand zu streuen. Die Straßen der äußeren Stadtteile hatten dagegen ihre weiße Decke nicht verloren. Dieselben dürften, da auch heute wieder bis in die zehnte Morgenstunde hinein der Schnee in dichten Flocken fiel, den zahlreichen Kindern noch weitere Gelegenheit zu Schlittensahrten bieten, welche gestern dem Siraßenbild ein ganz besonders festliches Gepräge gaben. Denn allenthalben aus den Straßen mit Gefälle wurden von den Kindern die Schlitten zu den Rodelfahrten benutzt, während namentlich in den Vormittagsstunden des gestrigen Tages sich für das Schnceballwersen zahlreiche begeisterte Anhänger, Jung und Alt, sanden. Die Straßenbahn mußte zum ersten Mal ihren sogenannten Salzwagen einstellen. Die Straßenreinigung wurde in einigen Straßen der inneren Stadt schnell durchgeführt.
* Gieße n, 25. Januar. Die Ankunft der für die Ausstellung des K u n st v e t e i n s bestimmten Bilder dürste erst in 8—14 Tagen ersolgen, sodaß sich die Eröffnung der Ausstellung noch etw«as verzögern muß.
* Giieße n, 25. Jan. In der Nacht zum 22. Jan. wurde in der Bahnhofstraße ein Einbruch verübt, bei welchem den Dieben eine größere Geldsumme in die Hände siel.
* ) (* Gießen, 25. Jan. Die Steinkohle.n- Bezugsgesellschaft hielt gestern Abend im Restaurant Schipkapaß ihre Generalversammlung für das abgelaufene Geschäftsjahr 1908—09 ab. Der Vorsitzende D i ck o r e erstattete den Jahresbericht und zwar zum 13. Male seit Bestehen der Gesellschaft. Das abgelau- sene Geschäftsjahr ist ein normales gewesen. Bezogen wurden im ganzen 95 895,96 Zentner ist gleich 471 Doppel - Waggon Kohlen (1908: 409) und darunter waren z. B. 48 Waggon AnthrazittEierformbriketts (1907 waren es von dieser Art Feuerungsmaterial nur 4 Waggon). An Stelle des verstorbenen Kohlenaufsehers Merkel ist dessen Stellvertreter Döll definitiv angestellt worden. Seit 1. Oktober 1909 ist die Kohlenabfuhr vertraglich der Firma Helmold und Plank übertragen worden. Der RechnungsPrüfungsausschuß hat am 14. Juli 1909 die Rechnungen, Kasse und Belege geprüft und alles in größter Ordnung gefunden. 12 Vorstandssitzungen sind abgehatten worden. Ende des Geschäftsjahres 1907—1908 betrug der Mitgliederbestand 1143, zugegangen sind 247, abgegangen 115, sodaß die Gesell - schaft jetzt 1275 Mitglieder hat. Der Veremsrechner, Kanzleirat S ch i f f n i e, erstattete ausführlich den Rechenschaftsbericht; die Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit Mark 137 031,48. Unter den Einnahmen sind enthalten 134 592,63 Mark Mttgliederbeiträge und in den Ausgaben für Kohlen 75 231,25 Mk., für Frachten 29 936,40 Mk., für Oktroi 3650 Mk., für Wiegegeld 970,51 Mk., für Fuhrlohn 5181 Mark, für Einbringerlohn 2595,73 Mk., für Rückzahlung der zuviel gezahltes Mitgliederbeiträge 16 311,04 Mk., für Verwaltungskosten 2777,88 Mk. und für den Reservefonds Mk. 377,67. Der Bestand des Reservefonds ist auf 2693,44 Mk. angewachsen. Einstimmig wurde dem Rechner für seine gewissenhafte Arbeit Dank und Entlastung. Dem Vereinsboten Bosoll bewilligte man 80 Mk. Remuneration. Bei der nachfolgenden Vorstandswahl wurden die ausscheidenden Mitglieder Büchsenmachermeister D i ck o r e , Bureauvorsteher Noll und Kanzleirat Jäger einstimmig wiedergewählt und an Stelle des nach Kassel verzogenen Geschäftsführer Sporrer der Buchbindermeister Bourgeois neu gewählt. Unter Punkt Verschiedenes erfolgte eine rege Aussprache über den Brennwert der einzelnen bezogenen Kohlenarten und noch andere für den Verein wichtige Anregungen wurden gegeben. Die Sitzung wurde nach nahe dreistündiger Tauer und nachdem dem Vorstand aus der Versammlung noch der Dank für seine gewissenhafte Arbetts - Leistung geworden, gegen 12 Uhr geschlossen.
* * Aus die gestrige Notiz unter „Heuchelheim" erkalten wir folgende Berichtigung: Es ist unwahr, daß der Spürhund, anstatt der Spur des Täters zu folgen, einem Hasen nachlief. Er verfolgte vielmehr ganz glatt, nach Ansicht des Geschädigten Herrn Fabrikannt Sack, zweifellos auch die richtige Spur, aus dem Garten desselben, einen Feldweg entlang über zwei Siege, bis an die Bahnstation Abendstern, wo' sie jedoch, wie es meistenteils auf den viel begangenen Straßen der Fall ist, verloren ging. Es scheint diese Entstellung der Tatsachen von dem betreffenden Einsender nur aus Gehässigkeit erfolgt zu sein.
* Darmstadt, 23. Jan. Ein Erdbeben ist gestern aus verschiedenen Erdbebenstationen registriert worden. Wie die seismische Station Ingelheim mitteilt, ist nach ihren Feststellungen der Herd des Erdbebens im südwestlichen Teile von Island zu suchen. Das Erdbeben war so stark, daß die Zeiger am Seismographen wiederholt an die Anschläger anstießen.
* Friedberg. Ueber die Hess. G c m einde st e u e r r e f o r m erstattete der Syndikus der hiesigen Han dclskammer, Rechtsanwalt und diotor Stahl Bad 9iauheim, vor kurzem in einer zahlreich besuchten öffentlichen Versaunn lung ein etwa einstündiges Referat. 9tach angeregter Dls fuffion, an der sich insbesondere, Landtagsabgeordneler Damm beteiligte, wurde eine Resolution angenommen, die den abermaligen Versuch der Regierung, eine Neuregel ung der Gemeindesteuern herbeizusührcn, begrüßt und sich mit den Grundzügen des Gesetzentwurfs, ohne im ein;el neu alle Bestimmungen zu billigen, einverstanden erklärt.
* Bad-Nau hei m, 22. Jan. Die Ortsgruppe Bad-Nauheim des O b e r H. O b st b a u v e r e i n s hätt am 9. Februar ihre diesjährige GeneralversamnUung, ver bunden mit Gratisverlosung von Obstbäumen im Saale des Gasthauses „Zum Ritter" ab. Ferner findet am 19. Febr. d. Js. durch Oekonomieral Spieß, Direktor der Großy. Obstbauschule in Friedberg, ein Vortrag über „Düngung der Obstbäume" und „Obstbaumschädlinge, sowie deren Bekäinps ung" statt.
* Mainz. Ein interessanter Prozeß kommt demnächst an der hiesigen Zivilkammer des ^andge richts zur Verhandlung. Ein Mitglied des Sladttheaiers Hai gegen den Kritiker eines hiesigen Blattes Schaden Er satzklage angestrengt, da es durch eine schlechte Kritik in seiner Existenz geschädigt sei.
* Main z, 23. Jan. In den nächsten Tagen wer den die Verhandlungen zwischen den Delegierten der De mokratischen und der Dcutschlreisinnigen Partei zum Zwecke der Vereinigung der beiden Parteien stattfinden.
* Jngenheim, 24. Jan. Die Filiale unserer Firma Gustav B o e h m in Schanghai ist am Mittwoch mit dem ersten Sud Seife in Betrieb genommen worden.
* Bingen. (Handelskammer.) In der er sten Sitzung am 11. Januar erfolgte die einstimmige Wiederwahl des alten Präsidiums: Vorsitzender Kommerzienrat Coblenz, erster stellvertretender Vorsitzender Kommerzienrat Vogt und zweiter stellvertretender Vorsitzender J. Landau.
* Nieder-Saulheim. Bürgermeister Brückner erhielt aus Anlaß seines 25jährigen Amttzjubiläums das Verdienstkreuz Philipps des Großmütigen.
* Aus Nassau. (W e st e r w a l d - B a h n e n.) In der „Franks. Ztg." wird von einem Stenner des östlichen Westerwaldes besonders warm für das Bahnprojekt Hai - ger-Driedors-Biskirchen eingetreten und u. a. ausgeführt: „Die Gegend, auf die sich das jetzige Projekt bezieht, ist sehr reich an Bodenschätzen; die Dörfer Dons - bach, Langenaubach, Breitscheidt Flanunersbach, Güstern Hain (zusammen nahezu 4000 Einwohner) besitzen große La ger an Kalkstein, Basalt, Eisenerzen, Braunkohlen u. a. m. In Breitscheid ist schon feit 10 Jahren eine große Fabrik feuerfester Produkte im Betrieb. Mit dem Ausbau der Linie Weidenau-Haiger würde durch die Weiter führung der Stichbahn Haiger-Gusternhain nach Driedorf (fünf Kilometer) dem ganzen nordöstlichen Westerwald für seine Bevölkerung und namentlich seine reichen Bodenschätze und landwirtschaftlichen Produtte durch die natürliche Aus- gangspsorte über Haiger das naturgemäße Absatzgebiet in den Industriegebieten von Sieg, Lenne, Weser geschaffen werden." Dann wird aus die Verhältnisse im Ulmtal hingewiesen und gesagt: „Auch hier muß die Bevölkerung zum großen Teil abwandern, weil die reichen Bodenschätze an Erzen und anderen Mineralien wegen Mangel an Verkehrsmitteln nicht ausgebeutet werden können. Es ist daher zu begrüßen, daß die Eisenbahnverwaltung jetzt dem Projekt näher tritt und daß Vorarbeiten für die beiden Stichbahnen bereits fertig gestellt sind. Nur wäre zu wünschen, daß man auch gleich die ganze Linie ins Auge faßte, damit über Driedorf die Verbindung mit Lahn und Rhein hergestellt würde. Wie die Bahn jetzt gebaut ist, würde sie immerhin ein Torso bleiben. Jedenfalls sollte den Vorarbeiten bald die Ausführung folgen, die für die dortige Bevölkerung, namentlich die Industrien des irördlichen Teiles. eine Lebensfrage ist. Für die Rentabilität der Bahn sind die Aussichten durchaus günsttg."
* Nassau. In der Stadtvcrordneten-Versammluna machte Landrat Duderstadt von Diez die Mitteilung, daß die gesamten Hochwasserschäden im Februarv. I. 130 456 Mk. kosteten. Von diesem Betrage habe der Staat und der Bezirksverband je ein Drittel übernommen.
* Battenberg. In dem benachbarten Reddighausen hat sich vor kurzem ein 12jähriger Knabe an einem Zwet- schenbaum erhängt.
* Kassel. Die von der Kurhessischen Zenlrumspar- tei in Umlauf gesetzte Petition gegen die Einführung der weltlichen Schulaufsicht durch Rektoren hat in 13 Kreisen 17 660 Unterschriften erhalten und ist bereits an den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangele- genhetten abge,andt worden.
* Frankfurt. Generalmajor von Besser, der Befehlshaber der 42. Jnfanteriebrigade in Frankfurt a. M. bat, wie wir hören, seinen Abschied erbeten. Den Posten des Brigadekommandeurs erhält wahrscheinlich Prinz Fried rich Karl von Hessen, der jetzige Oberst des 81. Regiments.
* Frankfurt a. M., 24. Jan. Heute früh starb hier im Alter von 82 Jahren der Schriftsteller Dr. Franz Rittweger. Er war ein geschätzter Kenner der Frankfurter Kunstgeschichte Außer verschiedenen historischen Arbeiten schrieb er auch mehrere Schauspiele, Schwänke und dergleichen und die vaterländischen Ereignisse' hat er gern mit einem bemerkenswerten Wort in Versen oder Prosa be- gleitet.
* Gelnhausen. In Verbindung mit dem hier betriebenen Sol-Sprudelbad soll ein Schüler-Genesungsheim errichtet werden. _ §
Redaktion, Druck und Verlag von Aldin Klein. Gießen.