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vorbehalten bleibt. Auf Ersuchendes Oberbürgermeisters erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, so­daß nunmehr zur Ausführung des Planes die Geneh­migung des Kreisausschusses eingeholt werden kann.

Zu Punkte 26 waren Baugesuche zu er­ledigen. Die Firma Schäfer & Linden struth beabsichtigt, an der Lahnstraße einen Neubau zu errich­ten. Aus Antrag des Bauausschusses hatte die Ver­sammlung gegen den Bau nichts einzuwenden, doch soll die Fluchtlinie des Hauses um ein geringes hinter die vorgesehene Straßenflucht zurücktreten. A. Deibel hatte auf seinem Grundstück am Neuenweg den Hof­raum überbaut, so daß letzterer nicht mehr die vor­schriftsmäßige Größe auswies. Die deshalb erforderliche Befreiung von dem § 16 der Ortsbausatzung fand auf Befürworten des Ausschusses die Zustimmung der Stadt­verordneten. H. Mühlich will auf seinem An­wesen in der Dammstraße ein aus Holz gefertigtes Hof­tor anbringen. Aus diesem Grund war eine Befreiung von dem § 1 der Polizeiverordnung des Jahres 1897 notwendig, mit welcher die Versammlung einverstanden roar. Georg Haubach gedenkt gleichfalls auf seinem Grundstück ein Tor anzulegen. Sein Gesuch um Er­laubnis dazu wurde jedoch zurückgestellt, da das Aeu- ßere des Tores sich dem Nachbargebäude nicht anpaßt. Edmund Richter war bei der Stadtverwaltung um die Erlaubnis zur Belassung eines Firmenschildes am Hause Friedrichstraße 7 eingekommen, das gegen­über der zulässigen Ausladung von 0,80 Mir. 0,50 Meter vorspringt. Das Gesuch wurde widerruflich ge­nehmigt.

7. Punkt: Ausladung der Erker und Balköne. Es ist in letzter Zeit wiederholt vorgekom­men, daß Erker und Balköne dort, wo keine Vorgärten vorhanden sind, in die Luftlinie der städtischen Straßen hinausragen. Die Stadtverwaltung hat nun beschlossen, in Zukunft von dem nach einer Entscheidung des Reichs­gerichts den Städten zustehenden Rechte Gebrauch zu ma­chen, die Beseitigung der belresienden Anlagen zu for­dern. Im Interesse der Sicherheit der Fußgänge^ bei Unwetter ist diese Neuordnung, mit der sich die Stadt­verordneten einstimmig einverstanden erklärten, nur zu begrüßen.

8. Punkt: Karl W e h r u m besitzt in der Straße bei den Veterinärkliniken ein Eckgrundstück, mit dem eine Straße mit und eine Straße ohne Vorgärten zusam­menstoßen. Des schlechten Eindruckes wegen . schlug W. der Stadtverwaltung vor, die Baufluchtlinie ent­sprechend abzuändern. Die Versammlung beschloß im Sinne des Antragstellers.

9. Punkt: Dr. N i t g e n - Berlin hatte an die Stadtverwaltung eine Eingabe gerichtet, in welcher dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, die Bebauung der Frankfurterstratze durch eine Ortsbausatzung zu regeln und die offene Bauweise vorzuschreiben, um diesem Stadtviertel für die kommende Zeit ein schöneres Aus­sehen zu geben. Die Versammlung lehnte das Gesuch, das der Oberbürgermeister nicht befürwortet hatte, ab.

10. Punkt: Stratzenpslasterung. Bei der StraßeIn Löbers Hof" ist der chaussierte Fahrweg einer Ausbesserung bedürftig geworden. Von einer Ein­walzung wurde der zu geringen Dauerhaftigkeit wegen Abstand genommen und dafür die Belegung der Straße mit Kleinpflaster beschlossen. Die Arbeit verursacht eine

Nicht nur die gesamte Bevölkerung der kleinen Stabt,1 sondern auch einige Auswärtige, welche sich vorübergehend in der Provence aushielten, sanden sich am Verhandlungstage im Sitzungssaale ein.

Einer der letzteren, der Vicomte Heinrich von Servon, ein Schulkamerad des Untersuchungsrichters, bei dem er seit einigen Wochen zum Besuch war, interessierte sich mit der allen un­beschäftigten Parisern eigenen Neugierde, lebhaft für diese ge­heimnisvolle Angelegenheit. Er hatte den Unbekannten bereits im Gefängnis ausgesucht und saß nun in der ersten Reihe des zuhörenden Publikums.

Ter Angeklagte trug nicht das etwas zu spärliche Gewand, in dem man ihn verhaftet, sondern Sträflingskleidung auS grober Wolle. Er mochte etwa 40 50 Jahre zählen und war von mittelgroßem Wüchse. Das Haupthaar und der Voll­burt glänzten noch in tiefem Schwarz. Die wenig regel­mäßigen Züge stießen nicht ab und die braunen Augen hatten einen sanften und intelligenten Ausdruck. Seine von der Sonne gebräunte Haut ließ aus eine Beschäftigung an freier Luft schließen, wie diejenige eines Seemanns oder eines Jägers. Die Hände waren ziemlich ausgearbeitet, seine Sprache richtig und dialektlos.

Diejenigen, welche auf eine dramatische Sitzung gerechnet hatten, wurden sehr enttäuscht.

Der Angeklagte verhielt sich ruhig, stumm, unempfindlich.

Man bestürmte ihn mit Fragen, stellte ihm Fallen, hielt ihm die Folgen seines Starrsinns vor, doch ohne jeden Ersolg.

Selbst als man ihm das Urteil verkündete, welches das höchste Strafmaß für Vagabundierens ein Jahr und einen Tag Gefängnis aussprach, ließ er sich nicht hinreißen, sondern ertrug sein Schicksal in Ergebung.

Da man der Persönlichkeit doch irgend einen Namen ver­leihen mußte, so nannte man ihn kurzweg Jaques, wie es die Gefängniswärter in ihrer Verlegenheit bereits gethan hatten.

Wenige Tage daraus wurde der Verurteilte nach der Zentralstelle eingeliefert, wo er feine Strafe zu verbüßen hatte, und das Drama schien seinen Abschluß erreicht zu haben.

Heinrich v. Servon hatte an dem namenlosen Rätsel Interesse genommen und kam aus den Gedanken, fünfhundert Franken zu deponieren, welche dem Gefangenen bei seiner Ent­lassung aus der Hast eingehändigt werden sollten. Er gab sich dabei der stillen Hoffnung hin, daß der Unbekannte durch den Bericht seiner Abenteuer ihm später seinen Dank beweisen würde. Doch dem war nicht so.

Der Vicomte erfuhr etwa ein Jahr später, daß der Fremdling während der Strafzeit sein Jncognito in keiner Weise verraten hatte und nun in Marseille unter Polizeiauf« sicht ansässig war.

Ausgabe von 1359 Mk., gegen Vèsche die Versammlung nichts einzuwenden hatte.

11. Neue Straßennamen. Die Straßen in dem Gebiet zwischen Mittelweg und Veterinärklinik waren bisher nur mit Nummern versehen. Aus Vor­schlag des Stadtv. Ebel wurde beschlossen, den bei­den Verbindungswegen zwischen Wetzlarer Weg und Frankfurierstraße die früheren FlurnamenAm Steeg" undAm Weiher" zu geben. Der eine Teil der Straße zwischen Mittelweg und der Veterinärklinik soll ferner Glaubrechlstraße" heißen, während der andere den Na­menVuchnerstratze" führen soll.

12. Liebig-Laboratorium. Der Eigen - tümer des Liebig-Laboratoriums hatte bei der Stadt um die Gas- und Wasserleitung nachgesucht. Da seit dem letzten Aufbrechen der Liebigstratze noch nicht zwei Jahre verflossen sind, so war die besondere Genehmig­ung der Versammlung zur Ausführung der Arbeiten notwendig, welche auch erteilt wurde.

13. Das übliche Gesuch des Eisvereins um Ueberlassung der Eiswiesen für den kommenden Winter- für den bisherigen Pachtzins, fand die Zustimmung der Versammlung.

14. Lazarett. Die Stadt hatte sich bereit er­klärt, dem Militärfiskus zu den Kosten der Einfriedig­ung des Lazarettgrundstückes einen Zuschuß von 600 Mark zu gewähren. Die Kosten der Ausführung der Umzäunung erschienen dem preußischen Kriegsministeri­um jedoch zu hoch. Nach dem neuen Plan der Militär­behörde soll nun die Einfriedigung auf Belonfundamen- ten ruhen, wodurch eine Herabsetzung der Baukosten er­zielt wird. Auf Antrag des Oberbürgermeisters wurde beschlossen, den Militärfiskus zu ersuchen, die schönste Seite der Einfriedigung der Ostanlage zuzukehren, welche mit ihrem Strauchwerk einen guten Schutz der Mauer gegen entwaige Beschädigungen bilden würde.

15. Das I u g e n d f e st 1910 schloß mit einem Fehlbetrag von 1564,27 Mk. ab, welcher sich gegenüber dem Defizit der vorletzten gleichartigen Veranstaltung um 100 Mark niedriger stellt. Die Versammlung nahm hiervon Kenntnis.

16. Punkt: Im vorigen Jahre wurde von der Großherzogin eine Zentrale für Mutter- und Säuglings- fürsorge ins Leben gerufen, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens eine segensreiche Tätigkeit im ganzen Groß- Herzogtum Hessen entfaltet hat. Die Stadtverordneten stimmten dem Anträge der Stadtverwaltung zu, dieser Zentrale mit einem Jahresbeitrag von 20 Mark beizu­treten.

17. Punkt: Der Ratsbote Schneider hat des öfteren sein Fahrrad im Interesse der Stadt bei Boten­gängen benutzt. Aus diesem Grunde hat er an die Stadt eine Eingabe gerichtet, die darauf hinausläust, die Unterhaltungskosten seines Rades auf die Stadtkasse zu übernehmen. Dem Gesuch wurde entsprochen.

18. Punkt: An- und Verkauf von G rund- st ü ck e n. Juwelier Reusch hat seinen Neubau in die Fluchtlinie zurückgerückt und hierbei 2% Quadrat­meter von seinem Anwesen an die Stadtverwaltung zwecks Verbreiterung des Settersweges abgetreten. Der hierfür von der Stadt zu zahlende Preis beträgt 150 Mark, welcher die Zustimmung der Versammlung fand.

Punkt 19 der Tagesordnung betraf die

Mes war alter avch alles unv der MWMose gab kein Lebenszeichen von sich. Er schrieb nicht einmal eine Zeile deS Dankes, obwohl das Geld ihm bei seiner Entlassung regelrecht eingehändigt worden war.

Kurze Zeit daraus brach die Februar-Revolution herein, und Heinrich v. Servon hatte diese merkwürdige Angelegenheit bereits vergessen, als er sich, gegen Ende des Jahres 1848, in bei weitem sonderbarere Abenteuer verwickelt sah.

1. Kapitel.

Die politischen Ereignisse, welche die ersten sechs Monate Von 1848 erfüllten, drängten alles Uebrige in den Hinter­grund. Die Anziehungskraft, welche die gerichtlichen Vorfälle auszuüben pflegen, hatte sich gänzlich aus die Straßenkämpse und aus die Vorgänge im Abgeordnetenhause übertragen, und merkwürdige Einzelfälle in den hohen Pariser Gesellschafts­kreisen gingen zu jener Zeit unbeachtet vorüber.

Nach der Februar-Revolution blieben die vornehmen Klub- längere Zeit verlassen, und erst gegen Ende des Sommers begannen die Verehrer des Sports und des Spieles ihre ge­wohnte Lebensweise wieder auszunehmen.

Restaurants und Theater füllten sich von neuem, besonders aber versammelte man sich wieder um den grünen Tisch. Man schien das Versäumte nachholen zu wollen itnb unternahm gewagte Partien mit einem Eiser, der vielleicht auch in der Unsicherheit der Zukunft seine Begründung sand.

Hauptsächlich in einem der bekanntesten Klubs von Paris kannte man allmählich beim Baccarat, im großen, roten Spiel­salon, fabelhafte Summen verlieren und gewinnen sehen.

Beim Anblick des Goldes und der Banknoten, die sich dort anhäusten, hätte man wirklich nicht glauben sollen, daß die Jndustriepapiere täglich sanken und die Pachtsummen und Meten nicht einzutreiben waren.

Das Geld, welches man überall verbarg und den Ge­schäften entzog, zeigte sich verwegen beim Spiel und wanderte zwischen ein und fünf Uhr nachts mit unglaublicher Schnellig­keit von Hand zu Hand.

Eines Tages gegen Ausgang des Monats Oktober, als das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hatte, stellte eins der eisrigsten Mitglieder des Klubs Plötzlich seine Besuche ein.

Es war ein junger, sehr reicher Edelmann, aus Languedoc gebürtig, der den Winter in Paris verbringen wollte und seit einem Monat bedeutende Summen gewonnen hatte.

Zuerst kümmerte man sich wenig um seine Abwesenheit, da die Vertraulichkeit zwischen Spielern kaum die Grenzen des grünen Tisches überschreitet, doch bald vernahm man, daß er auch in seiner Wohnung nicht wieder erschienen war. Seine Familien­angehörigen wurden unruhig unh stellten Nachforschungen an.

Straßenbahn.

a) Die Stadtverordneten-Versammlung hatte am August mit einer schwachen Mehrheit die Aufhebung bei! bisherigen Haltestellen der Straßenbahn am Lindenplatz und am Asterweg beschlossen, an deren Stelle ein neuer Haltepunkt in der Nähe der Zozelsgasse treten, während eine zweite neue Haltestelle an der Vraugaffe eingeführt werden sollte. Auf eine Beschwerde des Nord-Ost-Ver- eins beschäftigte die Angelegenheit noch einmal den Aus-^ schuß für das Elektrizitätswerk, welcher, wie O.-B. Me-I cum unter allgemeinem Beifall mitteitte, eine Aufhebung! des früheren Stadtverordneten-Beschlusses mit der Maß-1 gäbe befürwortete, daß die Haltestelle an der Braugasse, ß die sich einer recht regen Inanspruchnahme erfreut, bei- behalten werden möge. Die Versammlung entschied im Sinne der Kommission. Stadtv. Gabriel: Ich möchte diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne 1 auf den nicht vorteilhaften Platz des Haltestellenschildes auf dem Lindenplatz hinzuweisen. Meiner Ansicht nach würde es sich empfehlen, das Schild an dem Maste der elektrischen Lampe anzubringen. O.-B. Mecum: Das Haltestellenschild fällt sowohl dem vom Kirchplatz kommenden als auch dem aus dem Walltorviertel nach dem Stadtinnern sich begebenden Fußgänger sofort in die Augen. Es erfüllt somit seinen Zweck vortrefflich. Bezüglich der Dauerkarten habe ich eine Reihe von Straßenbahnverwattungen um Gutachten bezüglich ihres Einflusses auf die Einkünfte der Straßenbahnen gebeten. Doch liegen bis jetzt noch nicht sämtliche eingesorderten Meinungsäußerungen vor, so daß ich über die Brauch­barkeit der Dauerkarten noch keine Auskunft geben kann.

b) Der Plan, den 7% Minuten-Verkehr bis jun Schützenhause durchzuführen, hatte schon mehrmals die Stadtverordneten-Versammlung beschäftigt. In der letz­ten Sitzung kam nun ein Beschluß zustande, demzufolge die Stadtverwaltung den Stadtverordneten eine Vorlage über die Durchführung des 7% Minuten-Verkehrs nach dem Schützenhause bei der nächsten Tagung, also heute, machen sollte. Zu diesem Gegenstand führte O.-B. Mecum u. a. folgendes aus: Der 7^ Minuten-Ver­kehr würde nach dem von der Verwaltung des Elektri­zitätswerkes ausgearbeiteten Voranschlag durch die höh­eren Stromkosten, die Anstellung eines neuen Schaff­ners 2C. eine jährliche Ausgabe von etwa 7000 Mack verlangen. Der Finanzausschuß, dem ich gelegentlich seiner letzten Tagung die obige Begutachtung vorlegte, war gleich mir der Ansicht, daß es besser wäre, alles beim Alten zu belassen, weil die Einnahme der Stra­ßenbahn zu dem Ausgabeposten in keinem Verhältnis stehen würde. Ich möchte Sie deshalb bitten, vorläufig eine abwartende Haltung einzunehmen, bis sichere Be­triebsergebnisse vorliegen. Voraussichtiich wird die Stra­ßenbahn für das erste Vetriebsjahr noch einen Zuschuß von über 7000 Mk. erfordern, so daß die gesamte Bei­hilfe der Stadt bei Einführung des 7^ Minutenverkehrs sich auf mehr als 14 000 Mk. belaufen würde. Stadt­verordneter B i e r m e r: Die Durchführung des 7% Minuten-Verkehrs entspricht einem schon lange gehegten Wunsch des Stadtteils an den Kasernen. Da die Stadt Gießen einen Zuschuß von 11 000 Mk. der Omnibus­linie gewähren konnte, wird ihr wohl eine Beihilfe von 14 000 Mk. zur Unterhaltung der doch viel schöneren Straßenbahn nicht zu schwer fallen. Ich stehe aus dem Standpunkt, daß heute unbedingt über die Durchführ­ung ab gestimmt werden muß. Die Bahn wird dann

Herr v. Sieurac, ttes war sein Name, hatte dèn KlÄ eines Morgens um vier Uhr verlassen und seitdem kein Lebens­zeichen mehr von sich gegeben.

Man vermutete, daß er seiner Gewohnheit gemäß, einen Wagen genommen hätte, um sich nach seinem Heim, in dem Foubourg Saint-Germain zu begeben, doch die Kutscher der umliegenden Haltestellen vermochten keine Auskunft zu erteilen.

Nur einer versicherte, daß er in jener Nacht einen Reisen­den, dessen Signalement auf den verschwundenen jungen Mann rngesähr paßte, nach dem Westbahnhof gefahren hätte.

Es ließ sich jedoch kaum annehmen, daß Herr v. Sieurae sich ohne Gepäck und im Ballanzuge nach einem unbekannten Bestimmungsorte auf den Weg gemacht hätte.

Man dachte an Selbstmord, eine Hypothese, die bei einem Spieler gerechtsertigt erscheint, bei Herrn V. Sieurac aber unwahrscheinlich klang, da derselbe sehr reich war und selbst in der Nacht seines Verschwindens eine große Summe gewonnen hatte. Auch wußte man, daß ihn kein anderer Kummer drückte.

Es wäre demnach thöricht gewesen, anzunehmen, daß ein Mensch in dieser Geistesverfassung und Vermögenslage sich nach einer fröhlichen und gewinnbringenden Nacht in die Seine geworfen hätte. Man durste vielmehr an ein Verbrechen glauben, zumal man wußte, daß der junge Mann eine wohlgefüllte Brieftasche bei sich führte.

Doch seit zwei Jahren waren die Räuberbanden, welche in der letzten Zeit der Negierung Louis-Philipps die Straßen von Paris unsicher machten, gänzlich ausgehoben. Man hatte die Ueberbleibsel jener surchtbaren Genossenschaften von Ver­brechern im Jahre 1846 verurteilt und unschädlich gemacht und seitdem unter keiner Art von nächtlichen Angriffen mehr zu leiden gehabt.

Die Nachforschungen, welche von der Polizei in dieser Beziehung angestellt wurden, hatten nicht den geringsten Erfolg. Das einzige Anzeichen, dessen man habhaft wurde, war die Brieftasche des Herrn v. Sieurac, welche man zersetzt und mit Kot beschmutzt in den öden Ländereien, nahe bei der Barrière du Route, auffand. Wir brauchen nicht hinzuzusügen, daß sie leer war.

Hieraus beschränkte sich alles. Man durchstöberte den Fluß und den Kanal, doch ohne den Körper des Gesuchten auszufinden.

Eine Woche lang beschäftigte dieses sonderbare Verschwinden ganz Paris, doch nach Verlauf derselben war es bereits ver­gessen. Wenngleich auch Herr v. Sieurac in seinem Klub ein sehr bekanntes und beliebtes Mitglied war, so verursachte sein vermutlicher Tod doch nicht während einer einzigen Nacht eins Unterbrechung im Baccarat.