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Nr. 18.

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Samstag, den 22. Januar 1910 20 Jahrgang

* Erscheint tLgNch außer DonntagS. Bezugspreis : vierteljährlich durch die Träger frei taS Hm»s 1.35 Mk., durch die Post bezogen UX) Mk.

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(hisstener ULzeSka«) NnaKhängige UageszNtung (Hießener Ieitungj

für Overhessm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

A Enthält dk amtlichen Bekanntmachungen der

Zur hessischen Finanzlage.

In den Erörterungen über die Frage, wie im Staats- Haushalt Ersparnisse gemacht werden könnten, ist u. a. auch geäußert worden, die für die Erhebung der Staatsgefälle im Jahre 1900 geschaffene Einrichtung der Unlerer­heb st e l l e n sei außerordentlich teuer. Auch in dem An­trag der Abgeordneten H aas und Genossen, betreffend die Organisation der Staatsbehörden und die Vereinfachung der Verwaltung des Staates (Landtagsdrucksache Nr. 279), wird auf jene Einrichtung Hingewie,en und der Meinung Ausdruck gegeben,die vor Jahren angeblich zur Bequem­lichkeit des Publikums geschaffenem Untererhebstellen be lasten das Land mit mehr als 150 000 Mark jährlich". Bei dieser Sachlage erscheint es wohl angebracht, einige Zah­len über die finanzielle Wirkung einer Aufhebung der gan­zen Einrichtung und der sich daraus notwendig ergebenden Maßnahmen zu bringen, um ein objektives Urteil darüber zu ermöglichen, inwieweit dabei auf erhebliche Ersparnisse für die Staatskasse gerechnet werden könnte.

Im Haupivoranschlag für 1909 sind an Ausgaben für Vergütungen der Untererheber vorgesehen 1 7 8 0 0 0 Mk. Dazu kommt der Umlagebeitrag, den der Staat für die Für­sorgekasse für die Beamten der Landgemeinden beigetretenen Untererheber zu zahlen haben wird und der für 1909 schätz­ungsweise aus rund 10 000 Mark zu veranschlagen ist. Diese beiden Beträge mit zusammen 188 000 Mark würden also bei Aufhebung der Untererhebstellen nicht zu verausgaben sein.

Zur Zeit bestehen 375 Untererhebstellen im Lande, welche die Erhebung in rund 700 Gemeinden 2C. besorgen. Ihre Aufhebung würde naturgemäß den Bezirkstassen, die dann die gesamten Staatsgefälle ausschließlich und unmit­telbar zu erheben hätten, eine außerordentlich große Büro- Mehrarbeit, überdies aber auch minbeftenâ 700 mal 6 ist 4200 auswärtige Dienstgeschäfte allein für dre Erhebung der direkten Staa ^steuern mehr bringen, da sich die Beamten ja doch mindestens zur Erhebung jedes der 6 Steuerziele einmal in jede Gemeinde begeben müßten. Dazu käme in den Gemeinden, in denen Domanialgefäll c zu vereinnahmen sind, ein besonderer Termin im Jahre für diese Erhebung. Gerade der Wegfall aller dieser Arbeiten hat es bei Ein­führung der neuen Kasseorganisation vornehmlich ermöglicht 18 bestehende Distriktseinnehmereien aufzuheben und von der Einrichtung von 6 neuen Distriktseinnehmereien, die man da- mals an sich als notwendig erkannt hatte, abzusehen. Nimmt man bei der inzwischen eingetretenen Bevölkerungsvermehr­ung auch nur an, daß bei Aufhebung der Untererhebstellen die,e 24 Bezirkskassestellen neu errichtet werden müßten, so würde das, da an Ausgabe an Gehalt für 47 Bezirks- lassierer in 1909 zusammen 165 100 Mk. vorgesehen sind, eine Mehrausgabe an Gehalt bedeuten.

Eine Aufhebung der Uniererhebstellen würde aber, wie dieDarmst. Ztg." schreibt, der Staatskasse vielleicht nur eine Ersparnis von «Höchstens (188 000 162 227) - 25 773 Mark bringen. Ihr steht gegenüber der für das Publikum und insbesondere die ländliche Bevölkerung in der derma- ligen Einrichtung gelegene Vorteil, daß Zahlungen an die Staatskasse und Empfangnahme von Geldern aus dieser in denkbar einfachster und billigster Weise erfolgen können, so­wie der für die Landgemeinden aus dieser Einrichtung sich ergebende mittelbare Nutzen, daß sie dadurch ein besser ar­beitendes und besser bezahltes Personal an Gemeinde-Ein­nehmern zu gewinnen und zu erhalten in der Lage sind. Die Entscheidung darüber, ob jene vielleicht für die Staats­kasse zu erwartende Ersparnis den Verlust dieser Vorteile

Stadttheater Gießen.

Die Hosta'^dtsZHerr« von Bredow."

Schauspiel in 5 Auszügen nach W. Alexis von Kory Towska.

Ein bunter Ausschnitt aus dem so viel bekannten Mei- sterwerll des klarblickenden Schlesiers, der frei von allem un­klaren Getue der Romantik in einer Zeit, wo sich alles für Victor Hu-gosNotre Dame" begeisterte, ohne teibft einer der kunstvollsten Erzähler zu sein, zum erstenmale das deut­sche Mittelalter dichterisch für und in uns aufzuerwecken wußte! Hier läßt Kory Towska (Pseudonym für K. E. Rosenbaum), die schon durch heitere Verse und Lustspiele mehr oder minber nicht bekannt ist, ein zusammenge- drängtes, an manchen Stetten eigene Wege einschlagendes SchauspielDie Hosen des Herrn von Bredow" vor uns erstehen. Wir spüren Rittertum und Mittelalter, und vor allem wir spüren die große Kluft zwischen Adel und Bür­gertum, den Haß zwischen Ritterblut und Krämerblut. Aus falschem Schwanken, treuherzigem Anlehnen an seine Ritter, denen der Fürst ein Stein im Wege selbstsüchtiger Wünsche, festigt sich in siegender Größe die Gestalt des Markgrafen von Brandenburg. Ueber dem Ganzen liegt was dem Roman fern ist ein Schein weicher Romantik, je­doch ohne störend ausdringlich zu wirken. Wer den Roman noch nicht kennt, lese ihn und vielleicht läßt ihm die Phantasie die Hauptgestalten des Wer.es, in dem die elens ledernen Hosen des Herrn von Bredow eine so wichtige Rolle spielen, lebendig werden I

Die Regie Curt Gühnes bot einige wohlgelungene Szenenbilder; vor allem fiel angenehm auf, daß die große Ratsszene im 3. Akte durch bewegtes Spiel gut zur Gelt­ung kam. Nur einen Fehler muß ich rügen, den man attzu oft immer wieder mit ansehen muß 1 Mit vollen Zügen wird ein Becher Weins geleert, und doch muß er sich's ge fallen lassen, daß man ihn, ohne ihn inzwischen gefüllt zu haben, noch drei oder vier Mal bis zur Neige austrinkt. Aehnlick wird der Krug oder die Kanne beim ersten Ein - schenken völlig geleert und doch werden mit der leeren Kanne noch so viele andere Becher gefüllt!

>ßh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes für Bevölkerung und Gemeinden aufwiegen würde, mag zu­nächst der Bevölkerung selbst und den Landständen anheim­gestellt bleiben.

Lokales und Provinzielles.

* * Die Gro ßherzoglichen Herrschaften folgten am Donnerstag Abend einer Einladung des Staats- ministers Dr. Ewald zum Bull.

* * Der Großherzog hat am 15. Jan. b. Js. dem Wirklichen Geheimerat D. Adolf Buchner zu Dann- stadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Kreuz - Medaille 1. Klasse erteilt.

* * Vorgestern abend sand bei dem Staatsminister Dr. Ewald ein Abendessen mit nachfolgendem Tanz statt, an dem über 200 Gäste Teilnahmen. Der Großherzog und die Großherzogin beehrten das Fest mit ihrer Gegenwart.

* * U ebertragen wurde am 17. Januar b. J. dem Schulamtsaspiranten Heinrich Kilian aus Mainz die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Meiches, Kreis Schotten.

* Gießen. An der Universität habilitieren sich in den nächsten Tagen der Assistent Dr. Anton Thies von der chirurgischen Klinik, der aus Friedeburg stammt, mit einer am Montag, den 24. Januar stattfindenden Probe­vorlesung über Radiotherapie, und Lic. theol. Dr. phil. August Freiherr v. Gall mit einer Probevorlesung am Dienstag überErgebnisse und Ausgaben der heutigen alt- testamentlichen Wissenschaft."

*) (* Gießen, 22. Jan. Das morgen Sonnlag, Nachnuttag pünktlich um 5 Uhr beginnende Volk s- Konzert in der Neuen Aula wird dem Vorverkauf der Eintrittskarten nach recht gut besucht werden. Es empfiehlt sich daher, bei Reiten sich einzufinden; die Saalöffnung ist darum schon aus 4% Uhr angesetzt. Eingang findet nur von der Ludst) igstraLe aus statt.

G i e ßen. Valles Frankfurter Inti­mes Theater wird heute Samstag im Kolosseum zwei Novitäten zur Darstellung bringen, welche das größte In­teresse erwecken dürften. In erster LinieNach dem Mas- lenbaKe". Ein Dialog in einem Aufzuge von A. Neid - Hardt nach Rezniczeks Bild:Die G'fchamige". Dann der französische! Schivank'Die keusche Toinette". Ferner ein englisches Ballet und neue Vorträge von Hans Fredy, denen sich solche von Fritzi Krantz, Mia Cassatie und Waller Ren- nard anschließen.

-wk- Gießen. Auf den Artikel vom 19. b. Mts. betreffendBrand", schickt uns die FirmaHassia"-Pneuma- likwerke folgende Richtigstellung: Es handelte sich absolut um keinen Fabrikbrand, den der Wächter Strack von der Wach- und Schließgesellschaft in unserer Fabrik entdeckt hat, sondern lediglich um das Nachglühen von Kesselschlacke auf der Halle, welche zirka 45 Meter von dem Fabrikgebäude entfernt ist, mithin keinen Schaden anrichten konnte^ Außer­dem waren wir zur Zeit, als der Wächter kam, noch in un­serem Kontor tätig und hatten auch schon vorher das Nach­glühen der Schlacke bemerkt.

-l- Klein-Linden. Die Bevölkerungsziffer wird bei der nächsten Volkszählung eine höhere Stufe erreichen als dies im letzten Jahre der Fall war. Während nämlich im letzten Jahre die Zahl der Geburten 62 aufwies, hat sich dieselbe jetzt auf 82 erhöht. Erfreulicherweise ist da­gegen die Tolcnzahl bedeutend zurückgegangen, indem nur 10 Beerdigungen stattfanden. In gleichem Verhältnis wie

Wenn ich mich frage, wem ich bei der heutigen Aus­führung unter den Hauptdarstellern den Preis zuerkennen soll, so fällt mir die Entscheidung schwer.

Karl Marx stellte einen großzügigen, edlen Fürsten, einen Markgrafen, erfüllt von dem hohen Adel seiner Würde im Kamps mit sich selbst und den Ränken seiner widerspen­stigen Ritter überzeugend dar. In dem, der seinem Her­zen am nächsten steht, dem Geheimen Rat von Lindenberg die Rolle war in Curt Gühnes Händen sohr gut auf­gehoben wogt Adelstolz und Ritterstolz am herrischsten aus; in ihm ersteht die Verkörperung des märkischen Raub ritterlums, gegen dessen geheime Ränle, kühn-trotzige Auf­lehnung der Aèarkgraf doch triumphiert.

Gottfried von Bredow, ein fideler, alter Kerl, Haus­tyrann und Haudegen, zugleich aber auch bieder und fast spießbürgerlich- güt - einer von den acken, kernigen Süttern verlor in dem Schauspiel selbst, mehr aber noch durch Hermann Ba o f s sonst prächtiges Spiel sein wackeres Juntenum zu Ungunsten einiger stark komischen Züge.

Unter den märkischen Edelleuten verdient Hermann Norden besondere Erwähnung, der mit der Rolie des Hans von Schweenichen sehr gut zurecht kam; für einen Dar­steller ausgesprochen komischer Rollen ist es immer eine schwierige, ja oft sehr heikle Aufgabe, ernste Rollen zu spie­len, ohne Heiterkeit zu erregen. Ich habe den Fall erlebt, daß der Komiker eines Ensembles, der als Ritter oder Of­fizier eine Todesnachricht zu vermelden hatte, mit seinen Worten helles Lachen erregte. Um so verdienstlicher, wenn es nicht geschieht.

Auch Rudolf Goll als v. Otterstädt zu nennen, will ich nicht vergessen.

Lore Scholz, eine im Ensemble eifrig beschäftigte und bedeutende Kraft, spielte Bredows Welb nicht zu grob und nicht fein, nicht übertrieben hausmüttertich, hütete sich wohl, diese besonders im Roman prächtige Gestalt in eine leere, possenhafte Lustfp elsigur zu verzerren.

Reiche, warme Töne fand Fränzi Koch für das mäd- chenhasic Wesen Evas, Bredows Tochter kurz: ein deut­sches, märkisches Kind, mit weicher Stimme, reichem Her­zen, srohen, freien Augen. Wie ein lang verwehter Klâng aus ferner Kindheit traf ihr Gebet (4. Akt) mein Ohr, so voll und zart und rein!

Gießen und anderer Behörden von Oberheflen '

Tod und Leben steht die Anzahl der Zugezogenen zu den Weggezogenen; erstere überragen um das fünffache die leh teren. Infolge dieses Zuwackyes wird unsere Gemeinde bei der im nächsten Dezember ftaufuibcnbcn Volkszählung eme Seelenzahl von etwa 2000 aufweften können. Neuvamen sind für das jetzige Jahr wenige oder vielleicht gar lenic in Aussicht genommen, obgleich Wohnungen hier nicht leer stehen.

* * Holzhei m. Die Viehkasse hielt kürzlich ihre Jahresversammlung ab. Die Jahresrechnung 1909 war zur Prüfung vorgelegt worden. Nach derselben betra gen die Einnahmen 18 800 Marl und die duögabcn 18 100 Mark, mithin wurden 700 Mark Ueberfcyuß erzielt. xm der nachfolgenden Vorstandswahl wählte man wieder einstimmig die Mitglieder Adam Laur, Raumann Schmidt und Fried rich Schneider. Die Kasse hat schon manchen unterer Ein Wohner vor Schaden bewahrt.

Anhaltende f r o ft f r c i c W i t t e r u n g ist vielen Landwirten zustatten getommen, um die Felder noch vor Winter für bic Frühjahrskutturen in rauhe Furche zu legen. Soweit es noch nicht geschehen, ist es hoch an der Zeit, diese sowie die Wiesen, Viehweiden, Klee uub Lu zernefeldcr jetzt zu düngen. Bei den diesjährigen billigen Thomasmehipreisen verdient dieser Phosphorfänredünger ganz besondere Beachtung. Auch bei Sommergetreide steht die Thomasmehlpyosphorsäure ber wasserlöSUchen Phos Phorfäure an Wlrtfani.eit nicht nach.

St««desa«t-At«qr»ch>e« »er smot «ießén.

Geborene.

Jan. 12. Fuhrmann Hermann Lewerenz eine Tochter.

12. Glasermeistcr Wilhelm Schmitt ein Sohn, Fried­rich Otto.

12. Spengler Karl Schneider ein Sohn, Otto, Leon hard.

13. Kellner Alexander Hermann Herr ein Sohn, Jean Heinrich.

16. Taglöhner Karl Schneider ein Sohn, Karl.

17. Lokomotivheizer Wilhelm Julms Geller eine Toch ter, Hildegard Emilie Charlotte.

18. Taglöhner Anton Lehna eine Tochter.

18. Arbeiter Johannes Arnold ein Sohn, Georg Jean.

Aufgebote.

Jan. 18. Lorenz Schmitt, Maurer, mit Katharine Habicht, geb. Linn, beide in Gießen.

19. Johannes Leinhos, Taglöhner, mit Rosa Schrau der, beide in Großen-Linden.

20. Theodor Hallmayer, Kaufmann in Gießen, mit Christine Luise Krauth in Ludwigshafen a. Rh.

Eheschließungen.

Jan. 15. Heinrich Weimar, Bäckermeister in Gießen, mit Katharine Elisabethe Hilberg in Wetter.

Gestorbene.

Jan. 14. Frieda Klingspor, geb. Buderus, 33 Jahre alt.

15. Marie Hammel, 11 Jahre alt.

15. Marie Röding, geb. Schultheis, 61 Jahre alt. 15. Gustav Windecker, Kaufmann, 75 Jahre alt.

18. Emilie Pimper, geb. Balser, 89 Jahre alt.

19. Lehna (ohne Vornamen), 1 Tag alt.

19. Max Alefelder, Zugführer, 45 Jahre alt.

,, 20. Luise Noll, 58 Jahre alt.

20. Ludwig Kröck, Taglöhner, 70 Jahre alt.

Redaktion, Druck und Verlag von Aldin Klein, Gießen.

Zum erstenmal in einer größeren Nolle, als Hans Jür­gen von Bredow, schus Kurt Goldberg eine nicht un­klare Gestalt, der zwar hie und da eine zartere ^tuancier- ung fehlte, die immerhin beachtenswert ist. Wird der kühne Junker, in dem so urplötz.lch das Ritterblut erwacht, nach­dem er die Hosen seines Oheims so schlecht beschützt hat, die Nachricht, daß es der Kurfürst ist, den er mit der ersten besten Lanze niederstvßen wollte, so gleichgültig ausnah­men, auch wenn chn der gut zur Darstellung gebrachte jugendliche Trotz, die bis zu Leichtsinn gesteigerte Offen­heit und Ehrlichkeit beherrschend Ter junge Darsteller wird gut daran tun, auf seine Aussprache acht zu geben, und die Töne runder und feiner zu bilden, damit jedes Kleben oder Verschwommenheit des Tones vermieden werde. Um mit einer Bejahung zu schließen, so sei anerkannt, daß sein Spiel der edlen, feurigen Ritterlichkeit, im ganzen, der fast verträumten Zurückhaltung in den ersten Szenen nicht ent­behrte.

Ein Kabinettstück seiner Charakterisierungs- und Ver - Wandlungskunst gab Edgar Pauly als Klaus Hedde­rich; dem Künstler ist es gegeben, die eigne Persönlichkeit völlig in anderen Gestalten aufgehen zu lassen.

Toch möchte ich jeden Schauspieler, der es mit der Kunst ernst meint, vor leerer Pose, angelerntem, äußerlich Angeklebtem, Mechanischem warnen; übermäßige Formstu­dien führen zur erkalteten Manier ! Er wachse über die Form hmaus; denn Menschenbeobachtung, Innerlichkeit, Er­lebnis sind die Grundpfeiler echter Kunst. Ich kenne ein kaum erschienenes (bei Erich Reiß, Berlin-Westend) Büch­lein: Mimik von Alfred Auerbach, daß ich zu ernstem Studium nicht warm genug cmpseh.en kann; nicht weil cs doziert, vorschreibi Mimik läßt sich nicht lehren, wenn sie nicht zur bloßen Form erstarren will sondern wett es anregt, wecken will.

Noch eines will ich hier nicht versäumen; einem auf­merksamen Theaterbesucher wird immer die Verschiedenheit desTheaterkusses" an verschiedenen Theatern, am selben Theater in verschiedenen Stücken und zwischen verschiedenen Darstellern auffallen. Einige wirklich beherzigenswerte Be- mertungen gab Theodor Lessing 1908 in Nr. 5052 der Schaubühne"; vielleicht liest sie jemand.

; H. F. Ottavio.