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Nr. 16.

^ Erscheint tkgNch außer DonntagS.

»»russpreis: vierteljährlich durch die Träger frei taé H«u- 1.35 Mk., durch die Post bezogen 1j66 Mk.

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Donnerstag, den 20. Januar 1910

Gießener

____________ 20 Jahrgang

Inserate: He U mm breite Pettine W ^tm^

Reklame: SV BO >

Beilagen werden nach Gewicht und Größe berrchnM-

Telephon-Anschlnß: »restzen, M, IM.

Deueßs Nachrichten

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Nnabyângige Iageszettung

(Hießener Ieitnag)

für Overhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

K Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhefsen '

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Lokales uns Provinzteues.

* * Die G r o ß h e r z o g l i ch e n H e r f ch a f t e n begaben sich am Dienstag und Mittwoch im Auto nach Schönberg zur Teilnahme an der Vermühlungsseier der Prinzessin Edda zu Erbach-Schönberg mit dem Prinzen Wilhelm zu Stolberg-Wernigerode und lehrten später wie­der ins Neue Palais zurück.

* * Uebertragen wurde am 18. Januar dem Lehrer August Bender zu Münzenberg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vilbel.

* * Der Finanzausschuß der Zweiten st a m m e r hielt am Dienstag Vormittag zunächst allein eine Beratung über den Haushaltsetat ab, in der Abgeord. Best seine Streichungsanträge zum Etat ausführlich be­gründete. Abg. .Dr. Osann machte seine Bedenlengegen den ersten Antrag, alle Beamlenstelten fortan nur aus den Inhaber zu bewilligen, geltend, und er.lärte, daß durch eine derartige generelle Bestimmung die ganze Fortführung der Staatsgeschäfte in Frage gestellt werden tonnte; da­gegen ließe sich den Wünschen des Antragstellers insofern nüyerlommen, als man die Regierung dringend ersuchen könnte, die Notwendigkeit der Beamlenstelten bei der Neu­besetzung im Hinblick aus die bevorstehende Neuorganisation gründlich zu prüfen. Abg. Ulrich beantragte, zu beschlie­ßen, daß für das Jahr 1910 keine neuen Beamtenstellen besetzt werden dürfen. Abg. M o l 1 h a n schlug eine Re­solution an die Regierung vor und verlangte, duß die von derselben zu veranstaltenden Erhebungen zwecks Vereinfach- ung der Staatsverwaltung ohne besondere Kosten ausge - sührt werden. Dieser Forderung schloß sich Abg. Rein­hart an, während sich Abg. B e st mit dem Vorschlag ein­verstanden erklärte, die Konsequenzen seines Antrages auf die Zeit bis zur Durchführung der Verwattungsreorgamsa- tion zu beschranlen. Der Redner machte des weiteren ver­schiedene Vorschläge zu Ersparnissen und meinte, daß man z. B. etwa 300 000 Mt. erübrigen könnte, wenn man die Zahl der wöchentlichen Lehrstunden der Oberlehrer von 21 auf 24 pro Woche erhöhen würde. Die wettere For derung des Abg B e st, daß fortan statt der Diäten und Reise,pesen der Beamten nur die wirklichen Auslagen er­setzt werben sollten, wurde vom Abg. Brauer unter - stützt. Abg. Dr. G u t f l e i f ch dagegen hob hervor, daß die Diäten in Hessen im Vergleich zu denen des Reiches und anderer Bundesstaaten sehr niedrig feien. Dem Aus­schuß ist inzwischen eine Ausstellung der Regierung zuge - gangen, nach der im Falle eines Zuschlags von 10 Prozent für Gehälter bis zu 2000 Mk. und von 5 Prozent für höhere Gehälter eine Gesamtsumme von Mark 2 195 000 erforderlich sein würde. Wenn nur die Gehälter bis zu 2000 Mk. in der vorerwähnten Weise erhöht wür­den, so würde dies rund 750 000 Mk. erfordern. Ueber diese Vorschläge soll in der nächsten am Mittwoch stattfindenden Sitzung beraten werden.

* * Die gemeinschaftliche Sitzung der Finanzausschüsse beider Kammern, in der die Financlage des Landes zur Beratung stand, begann Dienstag nachmittag 3 Uhr im Sitzungszimmer der Ersten Stammer unter dem Vorsitz dos Grafen Erbach-Für­st e n a u. Von der Regierung nahmen Staatsminister Dr. Ewald, Finanzminister Dr. Gnauth, Minister aes Innern Dr. Braun, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Geheimerat Dr. Becker und Ministerialrat Süffert teil. Die Sitzung war streng vertraulich. Abg. Reinhart, der Vorsitz­ende des Ausschusses Zweiter Kammer, erstattete ein Re - serat über die Vorschläge dieses Ausschusses. Der Ausschuß der Ersten Kammer dürfte diese Vorschläge zuerst einmal eingehend unter sich erörtern und alsdann nochmals mit dem Ausschuß der Zweiten Kammer zur Beratung zusam- mentreien.

* * Hess. Landwirtschaftskammer. Die 7. Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen wurde um 10% Uhr in dem Sitz­ungssaal der Zweiten Kammer durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Abg. Bähr eröffnet. Die Jahresrechnung für 1908, die in Einnahme 647 520 Mk. und in Ausgabe

Ltadttheater Grctzen.

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Drama in 5 Aufzügen von Ernst Hardt.

(Schluff-

Im Mittelpunkte des Stückes stand die durch Frau B a u m e i st e r - F e l s e g g verkörperte Gestalt der Isolde; dieses zu höchster Leidenschaft gesteigerte Spiel sehnender Liebe entbehrte nicht des Adels und der Würde und brachte in einer Skala von den Weichesten zu den herbsten, den käl­testen zu den leidenschaftlichsten Tönen auch die Pracht der lyri!chen und epischen Stellen zu starkem Ausdruck. Nur im ersten Akt, wo die Darstellerin übrigens überzeugend und meisterhaft die Wirkung des WortesArund" im Spiel zu erkennen gab, sprach sie zu rasch; auch wenn der Dichterin steigender Haft" bemerkt, muß das gesprochene Wort dem Ohre immer noch verständlich bleiben. Herrlich gesprochen war auch der Schwur am Ende des 2. Attes; wie klang jedes Wort so tief, so rein, so wahr; wahr sind wohl die Worte dem Wortlaut nach, nach dem Sinn schwört Isolde einen falschen Eid. Hier fand Frau Baumeister-Felsegg den Ton, in dem die Wahrheit heiligster Liebe und die Lüge heroischen Trotzes fast ineinander flossen.

Einen Menschen voll heißer Sehnsucht, im Drang un­gestillter Leidenschaft, versteckt in ein Narrenkleid, ließ Herr B a u m e i st e r (vom Hoftheater zu Darmstadt) vor uns aufleben. Narrheit, Liebe, Ritwrlraft blitzten in diesen Worten von wechselndem Tonfal., diesen Mienen ; wie um­faßte im letzten Atte sein Spiel diese Spanne zwischen sehnendem Hoffen seines geängsteten Herzens, seiner Not und dem entsagenden Verzweifeln, schweren, entsagenden Verzichten und Scheiden.

522 307 Mk. beträgt, wurde ohne Debatte genehmigt. Da­ran schloß sich die Aufstellung des Hauptvoranschlages der Landwirtschaftskammer für 1910, welcher in Einnahmen und Ausgaben mit 571 112 Mk. abschließt.

* * Zum Darmstädter Regiments-Ju­biläum hat das Kommando des 2. Großh. Hessischen Leibdragoner-Regunents Nr. 24 eine künstlerische Gedenk - münze von dauerndem Werte prägen lassen, deren Herstell­ung der Münz- und Prägeanstalt Karl Poelleth in Schro- benhauftn (vor Augsburg) übertragen wurde.

-e- Gießen. Zur Feier des Geburtstages des Kai­sers findet am kommenden Donnerstag, nachmittags 1% Uhr, im großen Saale des Gesettschaftsvereins ein Festessen statt. Wir machen darauf aufmerksam, daß bei dem Haus

uB T T t v^u|wuiwv»v»w rt° J k1 7 QV t, pezrell auch für ^patterovst geeignet ist, |o Ware cm ^^?^^^«^?^ ^ ^l dem Haus- | zahlreicher Besuch sehr erwünscht. Auch Nichtmitglieder des

nen^o en ^â^ ^esellschcrftsverems eine Liste zum Cin^eich- j Oberhessischen Obstbauvere iS |mb herzlich eingeladen.

*) (* tieften 19. Jan. Junge Burschen versuch- 4 Friedberg. (Gegenüber dein Abfall der Obst ten gestern einen Automaten aus der Friedrichstraße zu er- ^^L ^ sSifö./^^^ Cbybanvcrcin,

brechen, wurden aber alücklickerweise von einem Schutzmann gedenkt der Ausschuß des ^-bstbauvereins für Oberhessen in

ten gestern einen Automaten aus der Friedrichstraße zu er­brechen, wurden aber glücklicherweise von einem Schutzmann ertappt.

* Gießen. Daß die Eisenbahnverwattung sich der Ausgabe wohl bewußt ist, welche Zug-Zusammenstößen an die Oberleitung stellen, tonnte vor kurzem eme Probe- alarmierung beweisen, durch welche von Gießen aus ein Hilfszug nach Bad-Nauheim beordert wurde, der schon 34 Min. nach Einlaufen der Order den Bahnhoj Gießen verließ und aus dem sich die erforderliche Ausräumungs - Mannschaft, sowie die zum Sanitätsdienst ausgebildeten ......... _

Leute befanden, letztere unter Führung des Bähnarztes Dr. I kirche läutete, flog der Klöppel der großen Z i n ß e r. In Bad-Nauheim wurde der Hilfszug von eini- - ^------°

gen Mitgliedern der Eifenbghn^irettiost Frankfurt a. M. erwartet. Diefe ließen einige Uebungen im Ein- u. Aus laden, sowie im Verbinden von Verletzten vornehmen und sprachen zum Schluffe ihre Befriedigung über das rasche Eintreffen des Hilfszuges, sowie die gute Ausführung ber Uebungen aus.

*) (* Gießen, 20. Jan. Vor einem überaus zahl­reichen Publikum begann gestern Frl. Marie Basser­mann ihre Vorlesungen über Dantes größtes Werk Die göttliche Komödie" mit, der Wiedergabe einer Reihe von Gesängen aus derHölle" und erntete mit ihrer an­fangs zwar etwas schüchternen, später und namentlich am Schluß aber ungemein lebenswahren Darstellung den un­geteilten Beisillll der Zuhörer. Die Vorlesungen werden morgen Freitag mit der Wiedergabe von Gesängen des zweiten Teiles derGöttlichen Komödie", desFegeberges", fortgesetzt werden, um am Samstag mit Rezitationen von Stellen aus demParadies" zu schließen.

-:- Gießen. Valles Frankfurter In­times Theater setzt im Kolosseum sein erfolg­reiches Gastspiel fort und allabendlich ist der Beifall ein großer. Das reizende Ziehrer'sche Wiener Singspiel:Bie­dermeier u. Frau" verbleibt, ebenso der pikante französische Schwank:Der Geldbriesträger" nur noch heute und morgen auf dem Repertoier. Es sollte niemand versäumen, die hübsche Ziehrer'sche Musik, wie auch den musikalisch bunten Teil des Intimen Theaters kennen zu lernen. Für die näch­sten 3 Tage wird das neue Programm im Inseratenteil veröffentlicht werden.

-d- Gießen. Der im Herbst in unserer Stadt ab­gehaltene O b st m a r k t hat gezeigt, daß Gießen eine Stadt ist, welche viel Obst konsumiert. Die Obstausstellung hat aber auch den Beweis erbracht, daß in unserer Stadt, wie in ihrer nächsten Umgebung vorzügliches Obst gezogen Wirb. Wer hätte nicht das herrliche Obst aus Wieseck, Klein-Linden und aus Gießen selbst bewundert. Der Ober- hesslsche Obstbauverein hat bereits seit über 20 Jahren in unserem Kreise und in unserer Stadt die Förderung des Obstbaues mit dem besten Erfolg durchgesührt. Am kom - menden Sonntag wird in einer im Cafe Ebel stattfinden­den Versammlung des Oberh. Obstbauvereins Herr Dr. Hoff­mann aus Friedberg einen Vortrag überDie Förderungs­maßnahmen im Obstbau durch den Oberh. Obstbauverein und sem Zusammenarbeiten mit bet LLMdwiiüfchaftskam- mer" halten. Anschließend findet eine Gratisverlosung von Obstbäumen und Sträuchern für die Mitglieder des Ver-

Die Gestalt, die fast am schwersten zu spielen, soll sie nicht em unklarer Schatten bletoen, ist bie König Markes; Hermann Ba.of lieh chr die ganze Wucht, die Größe und Erhabenheit, die uns sein Schicksal, sein Leiden faßbar machen können. Er leidet unter einer Schuld, die nicht seine Schuld; er ist machtlos in seinem Zorn, in seiner Liebe, seinem Schmerz, machtlos gegen eine Liebe, gegen die selbst Gott lügt. An manchen Stellen nur schlug Bakos leider in den Ton des biedern, manchmal polternden Alten um!

Wenn ich die anderen Rollen betrachte, so habe ich noch die gute Leistung Etty Neys als Page Paranis zu er - wähnen; an einigen wenigen Stellen überwog das Spiel eine gewisse Scheu zarter, zu zarter Zurückhaltung. Warum? Der vierzehnjährige, der kühn den Handelsmännern den Do.ch aui den Rücken setzen will, daß sie vor Angst , her- fliegen sollen wie Störche, der Page, der von seiner Herrin in ritterlicher Liebe träumt, muß schwärmen, schwär­men; darum gefiel mir auch der Vortrag der Darstellerin im Ausdruck und Tonfall sehr gut.

Curt Gühne, als Herzog Tenovalin, in Maske und Spiel gut, sollte den fast verklungenen Ton eines weichen Erinnerns weniger stark im ersten Akt hervortreten lassen; der Herzog bleibt im Grunde doch derTheaterböse­wicht".

Zu nennen wären noch Elly Gühne (Brangäre), Rudolf Goll (Dinas von Lidan) und unter den Sie­chen von Lubin die eine prächtige Figur Edgar Paulys.

Das ziemlich literarisch gestimmte Publikum, das heute eifriger als sonst über ein Stück diskutierte, spendete der Aufführung, die als solche unumwunden Lob verdient, rei­chen Beifall. , ~ _

H. F. Ottavio.

ems aus Gießen und Wieseck statt. Alle Freunde des Obst baues, Gönner und Mitglieder des Oberh. Obstbauvereins sind freundlichst eingeladen, ^m Interesse der guten Sache wäre ein recht zahlreicher Besuch erwünscht.

-d- Heuchelheim b. Gießen. Am kommenden Samstag findet hier abends 7 Uhr eine Versammlung des Ober Hess. Obstbauvereins statt, in welcher Herr Dr. Hoffmann aus Friedberg einen Vortrag:Spalierobst im ländlichen Hausgarten" halten wird. Im Anschluß im bet eine Gratisverlofung von Obstbäumen und Obstgehälzen für die Mitglieder des Oberhessischen Obstbauvereuts (hin. Da gerade Heuchelheim durch die Gunst seiner Lage für Obst, speziell auch für Spalierobst geeignet ist, so wäre ein

einer demnächst hier beabsichtigten Ausschußsitzung Schritte zu tun. Für den Kreis Büdingen ist bekanntlich ein be­sonderer Obstbauverein gegründet worden, wodurch der Provinzverein in seiner Stärke sehr geschädigt wurde.

* Friedberg. Blühende Hyazinthen hat das milbc Wetter in dem Garten der Obstbauschule gezeitigt. Beeren sträucher sieht man nicht selten mit ausbrechenden Knospen.

* Ober-Ingelheim, 14. Jan. Als gestern Vormittag der Glöckner Krämer in der evangelischen Pfarr strebe läutete, sloa der Klövvel der aroken

Glocke heraus und durchschlug den Boden. Krämer kam m t dem Schrecken davon.

* Frankfurt. (Wertvolle Makulatur.) Ein Alt­händler entnahm am Donnerstag von der hiesigen Reichs bank mehrere Säcke mit Makulatturpapier. Am Samstag Vormittag erschienen Angestellte der betreffenden Bank in Begleitung eines Schutzmannes und verlangten die Durch sicht der mit der Makulatur gefüllten und noch nicht ge öffneten Säcke. Da fand sich ein Paket mit 7 0 0 0 0 Mark in 7 0 T a u s e n d m a r l s ch e i n e u vor, die vermißt waren. Der Althändler erhielt 50 Mk. und die Ermächtigung, demnächst von der Reichsbank einen ganzen Wagen Makulatur gratis abzuholen.

Aus dem Gerichtssaal.

GtrafkawMer.

Gieße n, 18. Januar 1910.

Dem Direktor der Ohmtalbafattwerke Franz Joseph Kanitzer in Marburg und dem Betriebsleiter Johann Adolf Hagedorn in Orlenberg ist zur Last gelegt, den Tod des Arbetters Otto Gauß aus Selters durch Fahr.ässigteit her- beigeführt zu haben. An der Kreisstraße Eckarts'oorn Orten berg befindet sich das Steinklopfwerk, von wo aus aus einem Schienengeleise, das sich aus 1%2 Meter hohen Pfeilern befindet, das Material nach der Bahn gebracht wird und zwar mittelst Kippwagen. Als nun zwei Arbei­ter einen geladenen Wagen fortbrachten, brach ein Quer - Holz; einer der Arbeiter konnte sich durch Abspringen retten, dagegen wurde der andere zu Boden geschleudert, der Wa gen fiel auf ihn, zerdrückte ihm mehrere Rippen, die in die Lunge drangen, auch trug er einen Genickbruch davon, der seinen Tod nach einigen Minuten herbeiführte. Die Unter suchung ergab, daß der Bruch des Querholzes auf das schlechte Holz zurückzuführen War; dieses War so morsch, daß man es mit den Händen abbröckeln konnte, wie auch ein anderer Pfeiler durchgefault wgr. So lange das zerkleinerte Material unter den Schienen lagerte, waren sowohl die Längsbalken als auch die Querhölzer gestützt, doch faulten sie darin, wurden aber, wenn der Grus weggebracht wurde, nicht durch bessere ersetzt. Kanitzer als Teilhaber und Di­rektor des Werkes, hat die technische Leitung und die Sache im Großen zu überwachen. Die einzelnen Anordnungen und Maßnahmen im Kleinen hatte Hagedorn kontraktlich über­nommen. Die Zeugen schwächten ihre belastenden Aussagen, die sie in der Voruntersuchung gemacht hatten, sehr ab, auch die sachverständigen Gutachten lauteten günstig für die Angeklagten, sodaß die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage war, Bestrafung der Angeklagten zu beantragen und stellte die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts. Dieses sprach beide frei. Kanitzer wegen Unschuld und Hagedorn mangels Beweises.

Redaktion, Druck und Verlag von Albin Klein. Gießen

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