Nr. 12. (2. Blatt)
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Samstag, den 15. Januar 1910
Gießener
20. Jahrgang
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Kr Overhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalartzeiger für Gießen und Umgebung.
-Enthält alte amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Grohh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen '
Lokales und Provinzielles.
Hessische Statistik.
-k- Die B e s u ch s z i f f e r der T e ch n i s ch e n Hochschu l e zu Darmstadt in dem Sommerhalbjahr 1909 betrug 1133 Studenten und 120 Hörer, von denen 296 aus Hessen stammten, während sie in dem Winterhalbjahr 1909- 1910 nach den vorläufigen Feststellungen auf 1245 Studenten und 148 Hörer stieg, von welchen 276 aus Hessen gebürtig waren.
Die Landesgestüte haben insgesamt 2567 Stuten bedeckt, wovon auf Oberhessen 1444 und auf die Kreise Gießen 173, Alsfeld 497, Friedberg 222, Lauterbach 161, Schotten 106.
Die Zucker-Indu st rie gewann aus 151 454 t. Rüben 21160 t. Rohzucker, während die Zuckersteuer die Höhe von 1 020 944 Mk. erreichte.
Die Zahl der Tabakpflanzen betrug 1255, welche eine Gesamtfläche von 416 Hektar bebauten, wobei die Tabaksteuer einen Ertrag von 3 659 545 Mk. brachte.
Im Jahre 1909 zahlten 323 085 EinSommen- steuerpflichtige der 2. Abteilung (Einkommen unter 2600 Mk.) an Ettchommensteuer 4106 475,50' Mk. und 34 401 Einkommensteuerpflichtige (Einkommen über 2600 Mark) 7 007 852 M.. Zwei Drittel aller Einkommensteuer- pflichtigen — 247 526 Personen — hatte ein Einkommen von unter 1300 Mk. Diese Steuerpflichtigen brachten Mark 2 172 620 aul. Die höchste Steuerklasse — Einkommen über 101 000 Mk. — umfaßt 130 Steuerpflichtige, die 1 511 950 Mark Einkommensteuern zahlten. Die 130 Personen zahlten also nicht viel weniger Steuern als die 247 526 Personen der niedrigsten Steuerklassen. Personen der höchsten Etn- konrmensteuerklasse zahlten die Finanzämter Darmstadt 1 22, Mainz 1 26, Mainz 3 17, Offenbach 1 29 und Worms 1 10; auf die Provinz Starkenburg entfielen 70, auf Oderhessen 14 und auf Rheinhessen 46. Von der gesamten Einkommensteuersumme von 11 114 327,50 Mk. brachten Starkenburg 4 953 900,50 Mk., Oberhessen 1 994 091,50 Mark und Rheinhessen 4 166 335,50 Mark auf. Zieht man die Bevölkerungszahl der einzelnen Provinzen in Betracht, sv ist Rheinhessen diejenige Provinz, die auf den Kops der Bevölkerung die höchste Steuerleistung erbringt.
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!! Von den Berufungen an den H e s s. G e r i ch- 1 e n. Die große Zahl der von der Staatsanwaltschaft eingelegten Berufungen hat den Justizminister zu einem Erlaß veranlaßt, in welchem an die Amtsanwälte die Aufforderung ergeht, eine Berufung nur bei ganz besonderen Gründen einzulegen. Namentlich in geringfügigen Sachen soll der Amtsanwalt besonders sorgfältig prüfen, ob zur Verfolgung der Berufung ein genügendes öffentliches Interesse vorliegt. Diese Verfügung dürfte jedenfalls den gewünschten Erfolg haben und die Anhäufung überflüssiger Berufungen verhindern, welche schon seit längerer Zeit Gegenstand von Klagen gewesen sind.
!;! Vor Beginn der diesjährigen Bauperi- o d e ist es für jeden Baugewerbetreibenden und sonstigen Bauinteressenten von Wichtigkeit, sich mit den Bestimmungen des neuen Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen und mit der Führung des Baubuches bekannt zu machen.
:!: Zur Mäuseplage. Landwirte und Gartenbesitzer führen Klage über den bisher gelinden Winter. Die Vermehrung der Mäuse wird dadurch sehr gefördert. Vor allem haben sich diese Schädlinge auf Saat- und Kleefeldern eingenistet und sie durch ihre Höhlen furchtbar zerstört. Man versäume daher nicht, die Erdgruben und Mistbeete, die als Vorratshalter dienen, aufzudecken, und zu retten, was noch zu retten ist. Falls nicht bald Kälte einsetzt, bei der man mit Erfolg die Mäusehöhlen und Gänge zustampfen kann, so haben wir wieder wie 1907 ein rechtes Mäufejahr zu erwarten.
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* Köppern, 13. Jan. Um das seit einigen Jahren hier bestehende Beamten-Erholungsheim erhalten zu können, findet eine Lotterie statt. Die seit einigen Jahren zu dem Heim umgebaute Teichmühle hat mit ihrer Existenz zu kämpfen.
* Weilburg, 12. Jan. Eine Kommission, Geh. Oberbaurat Böttger und Geh. Oberregierungsrat Prätorius aus Berlin, sowie Regierungsrat von Hundelshausen-Wiesbaden, weilte dieser Tage hier und nahm eine Besichtigung des „Windhoses" vor. Diese Besichtigung soll mit der Errichtung eines Krüppelheims von Seiten des Fürsorgevereins im Zusammenhang stehen.
* R ü d e s h e i m. Das Bismarckdenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück soll 2 000 000 Mark kosten. Bis jetzt sind etwa 320 000 Mark gesammelt.
* Wiesbaden, 12. Jan. Eine Steuer auf Fische hat der Magistrat unserer Stadt beschlossen. Man erhofft daraus eine Einnahme von etwa 150 000 Mark.
■ * Hohensolms, 12. Jan. Späte Ernte. Mit einer in dieser Jahreszeit ungewöhnlichen Arbeit ist gegen
wärtig ein hiesiger Einwohner beschäftigt. Er ist nämlich daran, auf seinem Acker — Kartoffeln auszumachen, welche vom Herbst her noch in der Erde stecken. Dank der bisherigen milden Witterung kann der Mann noch von Glück sagen; denn die oben liegenden Knollen sind zwar teilweise erfroren, die tiefer liegenden dagegen ausgezeichnet.
* Kassel, 12. Jan. Infolge der abnorm milden Witterung der letzten Wochen blühen hier selbst in den höher gelegenen Gärten von Wilhelmshöhe Schneeglöckchen, Krokus und Miesmütterchen. Die Knospen zahlreicher Sträucher stehen unmittelbar vor ihrer Entfaltung.
* Wiesbaden, 12. Jan. Nach vorläufig sestge- stellten Reisedispositionen trifft der Kaiser und! die Kaiserin am 2. Mai zu einem sechstägigen Aufenthalt auf dem Schlosse ein. Während des Aufenthalts des Kaiserpaares werden die „Maifestspiele" stattfinden.
* Limburg. In diesem Jahre kann Limburg eine Tausendjahrfeier begehen. Die hier hoch auf dem Felsen über die Lahn stehende Burg des Saliers Konrad Kurzbold, des mächtigen Grafen im Niederlahngau und neben ihr die Domkirche, das großartige Denkmal der Baukunst, wurde von 910 bis 940 erbaut.
* Fulda, 12. Jan. In den Waldungen der Main- Weser-Bahn und der Strecke Fulda-Bebra legte der heftige Südwest sturm in vergangener Nacht .ilo meterlange Fichtenwälder um und knjickte mächtige Tannen unmittelbar über dem Erdboden ab.
!:! Der a b g e l e h n t e Orden. In Rothenburg bei Görlitz sollte dem Haupttehrer Ebertin, der über 40 Jahre im Schuldienste gestanden hatte, bei seinem Scheiden aus dem Amte eine Auszeichnung verliehen werden. Die Lehrer und der Schulvorstand versammelten sich, und der Kreisschulinspektor pries in einer Ansprache die Verdienste des Scheidenden um die Erziehung der Jugend. Als Zeichen der Anerkennung seiner Tätigkeit durch die vorgesetzte Behörde überreichte er ihm den Adler der Inhaber des Hausoroens der Hohenzollern. Zur allgemeinen Ueber- raschung ert.arte Hauptlehrer Ebertin, daß er den Orden ablehne.
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Förderung des Turnens durch die Negierung.
Im Laufe des Jahres hat die preußische Regierung eine ganze Anzahl Verfügungen und Unternehmungen getroffen, die den Beweis geben, daß man mit allem Ernst an der Reform des gesamten Turnwesens weiter arbeitet, ihm in Schule und Verein eine verliestere, gesundere und wertvollere Entwickelung und eine weite Verbreitung geben will. Diesen Zweck verfolgen zunächst die verschiedenen Kurse: Ausbildungskurse und Fortbildungskurse für Turnlehrer und auch für Turnlehrerinnen, Kurse für Studenten, Kurse für die Turnwarte der Deutschen Turnerschaft, in welchen man täglich auch dem Mädchenturnen einige Zeit schenkt, Kurse für Oberlehrer, Seminarlehrer und Rektoren, die sich auf dem Turn- und Spielgebiet besonders hervorgetan, Regierungs- und Schulräte, die einen tieferen Einblick in die Sache gewinnen wollten. Neuerdings reiht sich ein Fortbildungskursus für Turn- und Oberlehrer der höheren Schulen an, bei welchem zum ersten Mal die „Bewegungslehre" eingefügt werden soll, d. h. es wird wissenschaftlich begründet, wie die Uebungen auszuführen sind, und warum sie nur in dieser Ausführung Erfolge haben können. Es ist das sicher ein großer Fortschritt, der manchem fehlerhaften oder flüchtigen Turnen den Garaus machen wird, gründlicher denken lehrt und das Turnen aus den Niederungen des „Nurbewegens" auf wissenschaftlichere Grundlage stellt. Hoffentlich werden diese Belehrungen auch recht bald den Turnlehrerinnen zu teil, sie werden ihnen ebenso lebendiges J-tteresse entgegenbringen, wie jetzt die zirka 70 Herren, die aus allen Provinzen und auch vereinzelt aus den Bundesstaaten berufen worden sind. — Weiter helfen Verfügungen voran, welche teils die in den einzelnen Kreisen abzuhallenden Kurse zur schnellen und umfassenden Einsührung möglichst aller Schulen in die neueren Turnbesttebungen betreffen, teils immer wieder daran gemahnen, daß das Turnen zum mindesten in den Oberklas- sen aller Mädchenschulen betrieben werden mu^, daß es möglichst bald durchweg nur von weiblichen Lehrkräften erteilt werden möge und ähnliches. Dazu kommt die jüngst erschienene amtliche Schrift: „Anleitung für das Knaben - turnen in Volksschulen ohne Turnhallen", die einem starken Mangel abhilft und einen guten Wegweiser bildet, ja, die selbst dem in der gleichen Lage befindlichen Mädchenturnen, in der rechten Auswahl natürlich, gute Dienste tun kann. Daß man der in der Landesturnanstalt geleisteten, strammen, turnerischen Arbeit von allen Seiten große Beachtung schenkt, beweisen die vielen Gesuche um Zulassung zu den verschiedenen Kursen und auch die Besuche der Schlußturnen von Seiten der Mitglieder des Kaiserlichen Hauses, des Kultusministers, der Militärbehörden, der Führer der Deutschen Turnerschaft 2c. Es bedarf keiner Frage, daß man diese kräftigen Bestrebungen der Regierung überall, besonders in Fachkreisen freudig und dankbar begrüßt, und daß man das feste Eingreifen und die unermüdliche Tätigkeit des Dezernenten im Ministerium, Geheimrat Hinze
HMRHnMMHKB»MM«!*VnBHB*!*mM*fflSQ*HnMI und des Direktors der Landesturnanstalt Dr. Mebow hoch einschätzt.
Aus dem Gerichrssaal. Gtrafkammrr.
Gießen, 14. Januar 1910.
Dem Maurer Heinrich Ritter 1. in Hergersdorf ist zur Last gelegt, einen Krankenschein seiner Tochter, die in Vadenrod bedienstet war, abgeändert und ihn der Kran kenkasse zwecks Erlangung von Krankengeld vorgelegt zu haben. Das Mädchen war an einer Hautkrankheit in der Gießener Klinik behandelt worden und sollte nach einiger Zeit wiederkommen. Während dieser Zeit hielt sie sich bei ihren Eltern Auf. Auf ihr Verlangen stellte ihr der behau delnde Arzt eine Bescheinigung aus, daß sie von dem Tag ihrer Meldung in der Klinik bis zu ihrer Entlassung arbeitsunfähig war. Da sie aber für die Zeit ihrer Unter bringung in der Klinik kein Krankengeld erhalten konnte, hatte sie eine Bescheinigung nötig für die Zeit, während sie sich bei ihren Ellern aufhielt. Eine diesbezügliche abge änderte Bescheinigung legte das Mädchen im Auftrag ihres Vaters der Kasse vor, doch diese wurde zurückgewiesen. Die Verhandlung unter Zuziehung eines Gerichtschemikers als Sachverständigen ergab, daß der Angeklagte die Fälschung begangen hat. Trotz seines Leugnens wurde er zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
Aus dem Lager der Lollatwerke zu Gießen ließ der Lagermeister Hermann Diehl eine Steinpresse transportieren- Die Presse lief auf der einen Seite auf einem Brett und auf der anderen Seite auf einer Pritsche. Die Pritsche erwies sich zu schwach; es brach ein Brett, die Presse schlug um und verletzte den Arbeiter Döpser, daß er besinnungslos liegen blieb. Infolge Anklage verurteilte das Schöffen gericht den Diehl wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 100 Mark Geldstrafe. Der Angeklagte legte Berufung ein, indem er bestritt, daß er einem Unfall hätte voraussehen können, da die Presse schon mehr auf der Pritsche sortbe- wegt worden sei, wobei nie etwas passierte. Auf Grund des Gutachtens eines Sachverständigen konnte sich das Gericht nicht davon überzeugen, daß der Angeklagte in der Lage war, eine solche Folge vorauszusehen. Das Ur teil wurde aufgehoben und es erfolgte Freisprechung.
Dem Arbeiter Karl Strauch aus Steinbach, den man früher für einen Brandstifter in feinem Heimatsort hielt, ist der Diebstahl eines Fahrrades und die Unter - schlaguna einer Uhr zur Last gelegt. Er ist geständig, in Darmstadt, wo er im letzten Herbst gearbeitet hat, ein auf der Straße stehendes Fahrrad mitgenommen und nach Steinbach gebracht zu haben; auch hat er in Lich auf der Straße eine Uhr gefunden, die er nicht ablieferte. Er wurde wegen Diebstahls und Fundunterschlagung zu 8 Monaten und 1 Woche Gefängnis verurteilt, worauf 2 Monate Unter - suchungshaft angerechnet werden.
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Literarisches.
— Eissport im 1 6. Jahrhundert. — Wie unsere Vorfahren vor 400 Jahren sich im Winter unterhielten, darüber gibt, wie das „Buch für Alle" berichtet, der englische Schriftsteller John Stow in seinem im Jahre 1510 erschienenen Werk über Sport u. a. folgendes zum be sten. „Sobald der große Sumpf, der sich bis Moorsield an der nördlichen Mauer der Eitv erstteckt, gefroren ist, so gehen junge Leute in großer Gesellschaft hinaus, um sich dort zu belustigen. Zuweilen stellen sich zwei Leute aus eine bestimmte Entfernung einander gegenüber und rennen mit eingelegten Stöcken einer gegen den anderen los, als gälte es, Lanzen zu brechen; dadurch fällt dann einer oder beide aufs Eis hin, wobei ihr Körper freilich nicht von Stößen verschont bleibt; durch die heftige Bewegung gleiten sie auch nach ihrem Falle noch ein Stück Weges weiter. So üben sich die jungen Leute durch Angriff und gewandtes Ausweichen im nachgeahmten Fechten, damit sie umso tapferer den Anprall auszuhatten vermögen, wenn es einmal zum Ernste kommen sollte."
Der Mensch braucht wenig-,
aber eine Salem Aleikum-Cigarette kann er kaum noch entbehren, wenn er sich an dieses Fabrikat von köst- licnem Aroma u. mildem Geschmack gewöhnt hat. Keine Ausstattung, nur Qualität. Echt mit Firma: • Orientalischi Tabak- und Cigarettenfabrik „Yenidze“
Inh. Hugo Zietz, Dresden.
Ausser in den Preislagen 3*/-, 4, 5 Pfg. auch zu 6, 8, 10, Pfg. d. St.erhältlich.