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Nr. 12.

(L Blatt)

Samstag, den 15 Januar 1910

20. Ialvaanq

^ Erscheint ttgNch außer Donntags.

Nezug-PreiS : vierteljährlich durch die Träger frei leS HauS 1.35 Mk., durch die Post bezogen LUO Mk.

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Deuche Nachrichten

(Birkener HageKLä

N«a»yängige Hageszettung

(Gießener Seitttng)

für Overhessm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

V Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Cb ermessen '

Lokales und Provinzielles

*

Die Groß herzoglichen Herrschas - Gefolge dem Cho-

t e n wohnten am Donnerstag abend mit plmAbend des Richard Wagner-Vereins am Woogsplatz bei.

* * Der Finanzausschuß K a m mer hielt vorgestern wieder zwei

in der Turnhalle

der Zweiten Sitzungen ab. In

der Vormittagssitzung wurden die einzelnen Kapitel des Ministeriums des Innern nächer besprochen und bei verschie­denen Posten erhebliche Abstriche gemacht. Die Nachmit - lllgsitzung fand in Gegenwart der "Regierung statt, von der zugegen waren: der StautSMinister,^ der Finanzminister, der Minister des Innern, die Geheimeräte Dr. Eisenhuth, Best, Dr. Weber und Ministerialrat Süffert. Auch für die nächste Woche sind wieder Doppelsitzungen vorgesehen, um die erste Beratung möglichst bald zu erledigen und damit einen Karen Ueberblick über die ganze Finanzlage zu gewinnen.

* * Die unkündbare Anstellung wurde am 9. Dezember v. I. u. a. den Lokomotivführern Ludwig Hartmann und Georg Hartmann zu Gießen, dem Iommis s arischen EiserubalMas istenjen, Wsenb^hn-ttmeralssi^tent W. Jlge zu Bad-dtauhenn und dem Stellwerksweichenstetter K. Waldschmidt zu Gießen verliehen.

* * Die Hufbeschlagprüfung bestanden im Dezember u. a. Heinrich M ü n ch aus Großen-Buseck und Heinrich Theiß aus Lumda.

* * Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindefchute zu Ober-Ohmen und eine solche zu Nieder-Oh- m e n.

* ! * Nach Ostern beginnt an der A l i c e s ch u l e in Darmstadt der zweite Kursus zur Ausbildung von H a u s h a l t u n g s l e h r e r i n n e n. Meldungen zu biefem Kursus sind bis längstens zum 10. Februar bei den Großh. Kreisämtern einzureichen.

* * Im Groißh. Staatsverlag zu Darmstadt erschienen soeben: Bestimmungen über die Anlegung und den Betrieb von Dampfkesseln. Ferner: Bestimmungen über die L e i ch e n s ch a u, mit ausführlichem Verzeichnis von Kranl- Heiten und Todesursachen. (Anhang zum Heft: Beerdig - ungswesen und Feuerbestattung nach Hessischenr Recht.)

! * ! Kohle np roduklion in Hessen. Im Jahre 1909 wurden an Rohkohlen gefördert 499 473 Ton­nen, verkauft 1041 Tonnen. Aus den verarbeiteten Roh - kohlen wurden — abgesehen vom Schwelereibetrieb der Ge- fverkschast Messel — erzeugt 32 489 Tonnen Braunkohlen­briketts im Werte von 454 846 Mark und 26 936 Tonnen Naßpreßsteine im Werte von 299 022 Mk. Der Gesamt - wert aller im Jahre 1909 geförderten Braunkohlen, sowie der erzeugten Braunkohlenbriketts und Braunkohlenpreßsteine belief sich auf 985 17^ Mk.

*

-st- G> ieße n, 11. Jan. An dem am 6. April 1910 stattfindenden Pferde- und Fohlen markt soll, wie immer, eine Prämiierung erfo gen, für welche ein­schließlich der anläßlich der Feier des 10jährigen Bestehens der Pferdemärkte gestifteten Jubiläumspreise eine Summe von über 3000 Mark zur Verfügung steht, welche für 4 bis 9 Jahre alte zu Markt gebrachte Pferde und 2 bis 3jähr. Fohlen und tragende Stuten bestimmt ist. Die prämiierten Pferde sind bei der anläßlich der Jubiläumsfeier auf bem früheren Radrennplatz auf B i ch l e r s Hardt stattfinden­den Veranstaltung nachmittags 2 Uhr zur Preisverteilung vorzuführen. Daran wird sich die Vorführung von Pferden und Fuhrwerken in Privatbesitz anschließen, welche durch eine Reihe von Ehrenpreisen ausgezeichnet werden sollen. A n nr e l d u n g e n zur Prämiierung haben bei Herrn Weinhändler Schwan spätestens bis Montag, den 4. April zu erfolgen. Der Markt gewinnt dieses Mal eine besondere Anziehungskraft, da anläßlich des 10jährigen Be­stehens mehrere Festlichkeiten geplant sind. Wie man hört, werden Reitervereine mehrere Veranst!altungen mit unter­nehmen und besonders aus der Wetterau ist eine sehr starke Beteiligung am Markt schon jetzt in Erwägung gezogen.

* Gieße n. Zu dem Projekt, die Frankfurter Aka­demie für soziale und Handelswissenschaften unter Anglie­derung einer Reihe von einigen bereits bestehenden wissen­schaftlichen Instituten akademischen Charakters und durch die Errichtung einiger neuen Lehrstühle zu einer Volluniversi­tät umzuwandeln, äußert sich jetzt die „Kreuz-Ztg." in einem Artikel, der durchaus ablehnend gehalten ist. Sie wendet dagegen ei.n, daß eine U n i v e r s i 1 ä 1 in Frank­furt unwirtschaftlich sei, weil selbst dann, wenn die benachbarten Universitäten eine Zahl von Studierenden dorthin abgeben würden, eine Verminderung des Profes- ,orenbestandes an den anderen Universitäten nicht eintreten würde. Die Universität Frankfurt wäre a.so ein Gebilde, dessen Erscheinen nicht gewünscht werden kann; so­wohl vom konservativen Standpunkt, wie allgemein ange­sehen, wäre namentlich auch die mit Sicherhelt zu erwar- tcnbe Schädigung der Universität Marburg in höchstem Maße bedauerlich nicht bloß wegen der großen Summen, die der Staat in diese aufblühende Universität (eit 1866 und noch neuerdings hineingesteckt; hat. Sicherlich dürfte die Errichtung der Frankfurter Universität auch unsere hie­sige Hochlchule in Mitleidenschaft ziehen, wesha b auch die sich daraus für Marburg ergebenden Schlüsse auch für Gie­ßen zutreffen dürften.

-tt- Gießen. (S t a d t t h e a t e r.) Es sei beson­ders darauf hingewiesen, daß die Sonntagnachmittag-Auf führung von Björnsons neuestem Lustspiel „Wenn der junge Weckt blüht" die unbedingt letzte des interessanten Werkes ist. Diese Vorstellung findet gleich der Abendausführung, in der „Preziosa" gegeben wird, bei kleinen Preisen statt. — Für die Aufführung von Ernst Hardts Schauspiel „Tantris der Narr" am Dienstag ist für die Titelrolle Herr Hof- schau pieler Hans Baumeister aus Darmstadt als Gast gemeinten worden. Die Darstellung des viel besprochenen

Werkes dürfte dadurch noch besonderes Interesse gewonnen haben, da die Leistung des Herrn Baumeister als „Tam tris" in Darmstadt sehr gerühmt wird.

* Gießen. Die Bildung eines Hebammen- Vereins ist von den maßgebenden Stetlen in Aussicht genommen. Es ist dies umsomehr zu begrüßen, als die Zuwendungen der Großh. Zentralstelle für Säuglings-und Mutterschuy nur solchen Hebammen zugute kommen können, die einem Hebammenverem angehören.

* Gießen, 13. Jan. Der Mitteldeutsche Kaninchen- und Geflügelzuchtverband hält am 30. Januar bei Gastwirt Dern-Leihgestern feine Haupt­versammlung ab. Es besteht die Absicht, die preußischen u. hessischen Vereine zu je einem Bezirk zusammenzufchließen. Die Bundesausstellung 1910 soll im Frühjahr in Allendorf stattfinden. In Gießen hat sich ein neuer Verein ge^ bildet, welcher dem Verband beigetreten ist.

* Reiskirchen, 13. Jan. Die landespolizeiliche Abnahme der- Erweiterstngsanlagen unseres Bahnhofs soll nächsten Dienstag stattfinden. Die umfangreichen Erweiter­ungsarbeiten sind jetzt fertiggestellt.

* Bad-Nauheim. Im vorigen Jahre sind von der Badedirektion? manche Neuerungen geschaffen.! Es wurde vollendet das Neue K o n z e r t h a u s, während mit dem Bau der neuen Kolonnaden, Kaffee, An­lage von neuen Tennisplätzen 2c. begonnen wurde. Die Fertigstellung dieser Bauten ist für Beginn der kom­menden Saison zu erwarten. Auch die beiden Badehäuser 9 und 10 Süd werden mit Beginn der Saison in Benutz­ung genommen werden können. Für Anlage von Kana­ls a t i o n e n mußten im abgelaufenen Jahre 84 000 M., für Installationen 120 000 Mk. aufgewendet werden. Das Elektrizitätswerk erzeugte 1909: 320 000 Kilowattstunden, während die für die Fernheizung der Badehäufer, Warrn- wasserhereitung, Niederdruckdampfheizung und Wäfchewärm- ung 7 000 000 'Kilogramm Dampf erforderlich waren.

* Friedberg, 12. Jan. Angeregt durch einige auf diesem Gebiete fleißige Forscher, bespricht mon zur Zelt in unserer Slaot vielfach d e Frage eines Neubaues für ein Wetterauer M u s e u m. Die im Druck erschienenen „Friedberger Geschichtsblätter" weisen daraus hin, daß es an der Zeit fei, ein größeres Gebäude zu errichten, das das bereits gesammelte und in kleineren Räumen Untergc brachte, sowie die neuen Funde in einem Wetterauer Mu seum vereinigte, mit dem ein Archiv, sowie eine Bibliothek verbunden wäre.

* Friedberg, 12. Jan. Zur Erweiterung des Bahnhofes werden weitere 300 000 Mk. im neuen Eisen - bahn-Etat gefordert. Die Gesamtkosten — abzüglich eines Betrages von rund 568 000 Mk. für den Erwerb von Grund und Boden aus Dispositionsfonds — betragen 6 382 000 Mark; hierauf sind durch den Etat für 1909 als erste Rate 100 000 Mark bewilligt. Die mitveranschlagten Kosten der Aenderungen der Privalanschlußgleise sind nach Maßgabe der Verträge von den Anschlußinhabern zu erstatten.

* Darmstadt, 11. Jan. In den 6 Jahren 1904 bis 1909 unterzogen sich 69Apotheker-Lehrlinge der Vorprüfung, also durchschnittlich jährlich 11 bis 12. Nur 2 bestanden die Prüfung nicht. Von den 67 Be­standenen erhielten 2 die Note „sehr gut", 49 die Note „gut" und 16 die Note „genügend".

* D a r m st a d t, 13. Jan. Der gestrige H o f b a l l im Alten Palais war von 302 Personen besucht. Außer dem Groß Herzog und der Gr o ß h e r z o g i n waren auch Prinz Hermann zu Solms-Braunfels nebst Gemahlin und Töchtern und verschiedene sonstige Fürstlichkeiten, sowie die hiesigen Diplomaten, die Minister, die Spitzen der Zivil­und Militärbehörden mit ihren Damen erschienen, auüerdem u. a. der zweite Präsident der Kammer Abg. Korell; ferner von Angenrod, Baron von Grunelius mit Gemahlin. Gegen 11 Uhr fand, wie üblich, ein gemeinsames Souper statt. Nach 1 Uhr verließ das Gro^ßherzogpaar den Ball.

Gtadttheater Gießen

Komödie in

Wen sollte es nach dem strengen eine dramatisierte,

„MoraL'.

3 Akten von Ludwig Thoma. Wunder nehmen, daß diese Komödie, die Kunstbegriff keine Komödie ist, sondern

fein pointierte Simplizissimusgeschichte, so reichen Beifall fand? Wer Thoma, den Verfasser der „Lausbubengeschichten" kennt — und wer kennte ihn nicht

aus dem Simplizissimus! — findet ihn hier, ich möchte sagen, eine Dosis? vornehm - geistreicher, künstlerischer. Wie die kleinste seiner Geschichte eingegeben von einem tref- senden Spott, geistreichem Witz, ironischem Lachen, so sicht auch in dieser Komädie kalte Verachtung, beherrscht von sicherstem Witz und feiner Ironie gegen die unmoralische „Moral" der Gesellschaft, die Heuchelei der Sittlichkeitsapo­stel, die mit ihrer Moral über die Straße paradieren und sie dann bei einer — „Person" ausziehen und an den Na­gel hängen. Stil der Handlung, soweit man davon reden kann, und der Personen — Typen — sind nur möglich in einem Jahrhundert des „Simplizissimus"; was ist die Hand­lung ? Die Polizei einer sehr moralischen Stadt — ein Sitd lichkeitsverein sorgt dafür, daß die Träger des Staates für „moralisch gelten" — hat Madame Ninon de Hauteville (vulgo: Hochstädter), die ein sehr gastliches Haus hält, verhaftet und dabei ein Tagebuch beschlagnahmt, das die Namen all der zahlreichen „Gäste" nach Stand, Tag des Besuches, enthält. Bei der Haussuchung durch die Polizei retteten sich der Erbprinz und sein Kammerherr und Ad­jutant Freiherr von Schmettau — in einen Kleiderschrank. Die Polizei, durch einen anonymen Brief aufmerksam ge­macht, muß der „Person" das Handwerk legen: die „Moral" verlangt es. Der Skandal droht; tocnn es zum Prozesse kommt, Madame de Hautville wird schweigen, aber das konfiszierte Tagebuch.... Doch wie wird der übereifrige Assessor von dem Polizeipräsidenten abgekanzelt' die Ge­schichte muß „vertuscht" werden. Sie wird es; Madame de

-WW

Die Tafelmusik wurde von dem Dragonerrcgimcnt Nr. 23 gestellt.

* Mainz, 14. Jan. Die gestrige startbesuchte Gc neralversammlung des M i t t e l r h e i n i s ch e n $ a = brikantenvereins nahm einstimmig eine Resolu­tion gegen die Einführung einer Schiffahrtsabgabe an.

* Heideshei m, 13. Jan. In der R'hcinhessischen Provinzialsichenanstalt wurde in der Nacht zum Donnerstag ein E i n b r u ch s d i e b st a h l verübt. Der Dieb erbrach von der Gartenseite aus ein Parterrefenster des Weiberge bäudes und endwendete einer im Nebenzimmer schlafenden Wärterin aus einem mit Gewalt erbrochenen Koffer 30 M. Die Ermittelungen ergaben Anhaltspunkte dafür, daß der Dieb unter den männlichen Insassen der Anstatt zu suchen ist.

* Nack (Rheinhessen), 12. Jan. Durch die Orts­schelle wurde bekannt gemacht, daß jeder Bürger bis zum 25. März 5 Spatzen zu liefern hat. Ist das nicht mög­lich, so sind für jeden nicht gelieferten Spatz 20 Pfennig zu zahlen. Diese Spatzensteucr stammt aus! dein achtzehnten Jahrhundert. In großen Gemeinden könnte sie sehr leicht den Etat balancieren.

* Weilburg a. L., 12. Jan. An der hiesigen Landwirtschastsschule findet im nächsten Sommer ein Forl bildungskursus für Lehrer aus unserer Provinz statt, der etwas über vier Wochen dauert. Die Kosten trägt zu zwei Dritteln der Staat.

Gta«dtSa«t-rUachk>ch^ea 9er Htaöt Gietze«

Jan.

1.

2.

3.

G' e b o r e n e.

Städt. Taglöhner Heinrich Emil Wißner ein Sohn, Wilhelm.

Müller Karl Renz ein Sohn, Viktor Hugo.

Zahnarzt Ernst Metz eine Tochter, Margot Katha

riiie Mathilde Agathe Anna.

Vizefeldwebel Karl Bernhard ein Sohn.

5. Hilsstelegraphisten Philipp Müller eine Tochter. Lademeister Karl Weber ein Sohn, Adolf. Zimmermann Wilhelm Bechthold ein Sohn, Karl Artur.

3.

5.

5.

5.

Kaufmann Karl August Reinhard Lang eine Toch­ter.

Schuhmacher Wilhelm Schmidt ein Sohn, Karl.

8. Schlosser Karl Reuter ein Sohn, Johann Friedrich.

8. Schremer Johann Horst eine Tochter, Marie.

8. Bank-Prokuristen Gustav Rosenberger eine Tochter, Margarete.

7.

„ 9. Stadtmissionar Friedrich Herrmann ein Sohn,

Heinrich.

„ 10. Zigarrenfabrikanten Fritz Egly eine Tochter. Aufgebote.

Jan. 11. Heinrich Mogk, Schutzmann in Offenbach a. M., mit Lina Schepp in Gießen.

„ 13. Friedrich Karl Bremer, Schriftsetzer in Gießen,

mit Friederike Kreiling in Wieseck.

„ 13. Gustav Junker, Bahnarbeiter in Wieseck, mit Mar­garete Diehl in Gießen.

„ 13. Albert Schultheiß, Taglöhner, mit Katharine Geh­ringer, beide in Grünberg.

„ 13. Ludwig Edel, Bautechniker, mit Luise Rather, beide in Gießen.

Jan. 8.

12.

Jan. 7.

„ 10.

„ 12.

Eheschließungen.

Wilhelm Schermuly, Jnstitutsdiener, mit Luise Buchwald, geb. Bepperling, beide in Gießen.

Ludwig Freyberger, Kaufmann in Wiesbaden, mit Recha Loeb in Gießen.

G e st o r b e n e.

Johann Wilhelm Kühr, Schuhnracher, 50 Jahr alt.

August Bock, Lagerhalter, 53 Jahre alt.

Jean Emil Pitz, 9 Monate alt.

Hautville wird die Stadt verlasserr' — wenn die Kaution und Abfindungssumme von 15 000 Mk. bezahlt wird. Sie wird bezahlt vom — Sittlichkeitsverein, dessen Mitglieder alle in dem Tagebuch, nur zu oft, die Seiten zierten I

Hinter jedem Satz die verächtliche, spöttische Miene: „Seht ihr, das ist eure Moral!" Das ganze ein Pracht - werk dramatisierter Simplizissimuskunst!

Als Typen sehe ich die sämtlichen Figuren des Stückes und als solche müssen sie auch gespielt werden. Im Sinne dieser Auffassung haben unstreitig Rolf Gunolt als<)U- stizrat Dr. Hauser, Curt Gühne als Freiherr von Schmet­tau, Paul Urban als Josef Reisacher, Edgar Pau l y als herzoglicher Polizeipräsident, Ferry D a u b a l als Gymnastalprofessor und Rudolf Goll als Polizeiasseffor glänzend gespielt. Fränzi Koch lieh der Madame de Hau­teville eine vornehm stilisierte, nicht aufdringliche Verkör­perung — so ungefähr im Stil der Reznicek-Bilder —; bap ich es nicht versäume: mein aufrichtiges Kompliment aucy der chicen Toilette! — ,

Karl Marx als Dichter wollte mir nicht recht gefallen in Sprache und Auffassung; ich kenne zwar Thomas ZUkon- tionen nicht genau, glaube aber, daß hier nur die Wayt zwischen zwei Typen bleibt: dem Berliner Dichteriphllofo- phen), der geistreich, überlegen lächelnd, sich in den Salons ausstellen läßt, weil schließlich das Beste die Geschenke am folgenden Tag; oder dem Münchener Dichter, der _ wlopp, mit Dichtermähne und Künstlerschlips, mit Landstraße, âer- dörsern und freier Liebe auftrumpft!

Elly G ühne als „alte Dame" fand ich in Gesten und Sprache ein bißchen zu jugendlich frisch. Unter Hermann Nordens Regie, dessen unwiderstehltche Komv ms Rentier Beermann auf fruchtbaren Boden fiel, wickelten f) die einzelnen Szenen, reicy an fein pointierten, wrv g ,- und geistreichen Stellen, sehr flott und gut ab. ^icyer Beifall nach jedem Akt war der Dank für Dichter und a v

steiler!

§. F. O.