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Gietzenev Jettung
Sezugspreis 40 pfg. monatlich vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mk., durch die Post 1/50 Mt. frei ins Haus. — Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Zwei Extrabeilagen: „Humoristische Blätter" und die „Neue Lesehalle", liegen wöchentlich einmal gratis bei. — Redaktion: SelterSweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Telephon: Nr. 362.
OrtSstraße h "und $lDa”. «I0;4® Mk.
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SS M der Bor.
Enthält alle amtt. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
des Großherzoglichen
Polizei-Amtes
sowie vieler anderer ^^^ Behörden Gberhessens Expedition: Seltersweg 85.
Druck und Verlag der Gicstcncr Vcrlagsdruckcrei (Albin Klein).
Donnerstag, 13. Oktober 1910
Nr. 134.
21. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Die Friedhöfe sind vom 16. Oktober bis 15. No vember 1910 von morgens 8 bis abends 6 Uhr g »öffnet.
Gießen, den 12. Oktober 1910.
Bürgermeisterei.
Mecum.
^laßenmeister. bahn.
Werden aus gende Sonder-
6orm., Oil-ck- 10“, Münker in 11”, Lich
itaqè, Nieder- 12-b, Wings. 242, @M^
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Devolution in Portugal.
In Lissabon hat sich, wie dies stets zu geschehen pflegt, der Pöbel an die Fersen der revolutionären Partei geheftet und sucht nun durch Plünderungen und Gewalttaten auch für sein Interesse zu sorgen. Die Regierung kann diesem Treiben nicht sofort mit voller Schärfe entgegentreten, da sie nicht weiß, wie sie die Straßenelemente noch nötig hat. . Die reichen Klöster reizen natürlich in erster Linie die Gier ' des Mobs; sie sind daher auch erstes Ziel seiner Angriffe. ■ Von den Insassen der Lissaboner Klöster wurden nur we- : nige verletzt; um so größer ist der Schaden, der durch die brutale Vernichtung unersetzlicher Bücher, Handschriften 2C. angerichtet wurde. Vorgestern abend herrschte an bestimmten Punkten der Stadt große Erregung über die durch den , Widerstand der Klöster hervorgerufenen Zwischenfälle. Die 1 Polizei traf daher Vorkehrungen, um das Volk an dem : Eindringen in die Klöster und Kirchen zu verhindern. In ■ der Stadt und ihrer Umgebung dauern die Verhaftungen verkleideter Ordensleute fort, die sich auf der Flucht befinden.
Das Amtsblatt der neuen Regierung veröffentlichte ei- ' neu auf den alten portugiesischen Gesetzen beruhenden Er- i laß über die Austreibung der Mitglieder der Gesellschaft Jesus und aller Mitglieder der religiösen Kongregationen fremder Nationalität.
Wie aus Gibraltar gemeldet wird, schickte König Manuel vor Verlassen des Landes an den Ministerpräsidenten einen eigenhändigen Brief, in welchem er erklärt, daß er, durch Umstände gezwungen, sich einzuschiffen, seinem Volke zu sagen wünsche, daß er sich nichts vorzuwerfen habe. Von ganzem Herzen hoffe er, das Land werde ihm (berechtig - kett widerfahren lassen, und werde seine Gefühle verstehen. Seine Abreise stelle keineswegs den Akt einer Abdankung dar.
Ter italienische Kreuzer „Regina Helena", der die Kö- nigiir-Mutter Maria Pia und den Jnfanlen Alfonso nach Italien bringen soll, ist in Gibraltar eingetroffen. Nach ihrer Abreise wird sich der König und die Königin-Mutter nach Englarck) begeben.
----- ■■ im ■l■^m!■Km^ff*r,ga?^^lln n —---
Die Jubiläumsfeier der Universität in Derlin.
Die offiziellen Veranstaltungen zur 100jährigen Jubelfeier der Universität begannen am Montag, abends 7 Uhr, mit einem Festgottesdienst im Dom. Das mächtige Gotteshaus war von einer glänzenden Versammlung, die überwiegend akademischen Charakter trug, zu der aber auch die städtischen und staatlichen Behörden, sowie das Heer Vertreter entsandt hatten, bis auf den letzten Platz gefüllt. In den Repräsentattonsräumen der Universttät versammelte sich sodann ein glänzendes Auditorium, um den ersten offiziellen Empfangsabend zu begehen. Man sah u. a. den Kultusminister Vou Trott zu Solz sowie die sämtlichen Vertreter der auswärtigen und ausländischen Universitäten. Der Rektor Erich Schmidt, unterstützt von Geheimrat Kahl, machte die Honners. Bald nach 8 Uhr langte der von Moabit kommende Fackelzug vor der Universität an. Nach dem Gaudeamus igitur, das gemeinsam von den Teilnehmern an dem Fackelzuge gesungen wurde, brachte Stud. Heil von der Landsmannschaft „Normannia" auf Rektor und Senat ein dreifaches Hurra aus. Prof. Erich Schmidt banste als Rektor mit einer warmempfundenen Ansprache.
Bei dem eigentlichen Festakt am Dienstag in der Aula des Bibliotheksgebäudes hielt der Kaiser eine Ansprache, in der er u. a. folgendes sagte:
»Die Gründung der Universität Berlin war einer der Schritte, welche der Wiedergeburt der Monarchie nach schwerer Krisis vorausgingen. Die Berliner Universität war nicht von vornherein, was sie nach der Absicht ihrer Gründer werden sollte, aber Fichte, Schleiermacher und Savigny wirkten an ihr und so wurde sie nach weniger Zeit doch bereits ein Mittelpunkt des geistigen Lebens jener Zeit. Heute ist diese Bedeutung international anerkannt. Aber noch ist das Ziel der Universito literarum, wie es der Plan Wilhelm v. Humboldts anstrebt, auch für Berlin nicht voll verwirklicht. Die Entwicklung des Forschungswesens hat nicht Schritt gehalten mit der Unterrichts-Universität unb der Akademie. Wir müssen daher eine Stätte schaffen, wo der Gelehrte ohne Notwendigkeit eines Lehrauftrages der Forschung leben kann. Mir sind bereits jetzt ansehnliche Mittel zwischen 9 und 10 Millionen zur Verfügung gestellt worden, mit welchen ich Forschungsinstitute ins Leben zu rufen gedenke. Möge die UniyeMät auch weiterhin des schönen Vorrechtes walten, die echte Wissenschaft zu fördern."
Zar und Kaiser.
(Nachdruck verboten.)
Der Zar weilt seit nunmehr sechs Wochen in Deutschland. Beim Betreten deutschen Gebietes hatte er, wie dies üblich, ein Telegramm an den Kaiser gerichtet und ein Telegramm vom, Kaiser erhalten. Ueber diesen Telegramm- Wechsel hinaus hört man nichts mehr von einer Berührung der beiden Souveräne. Es tauchten zwar eine ganze Reihe von Gerüchten über angeblich in Friedberg oder Homburg geplante Begegnungen, zu denen auch der König Georg von England kommen sollte, auf; aber alle diese Gerüchte er wiesen sich als unwahr und wurden dementiert. Nun besteht aber kein Zweifel mehr darüber, daß im Lause des Novembers eine Begegnung der beiden Monarchen, wie sie ihren freundschaftlichen Beziehungen entspricht, stattfindet — und zwar in Potsdam. Die Wahl des Platzes bringt eine kleine Ueberraschung. Der Zar war seit 1903 nicht mehr in Potsdam. Daß er jetzt nach Potsdam kommt, beweist, daß er auf das Fortbestehen der freundschaftlichen Beziehungen, welche durchaus persönlicher und herzlicher Natur sind und die ihn von jeher entsprechend der Tradition der Väter mit dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verbindet, Werl legt und einen Besuch in Potsdam einer Begegnung in Hessen vorzieht. Damit hat also das Rätselraten ein Ende und alle seinen Kombinationen, die eine Störung dieser freundschaftlichen Beziehungen der beiden Herrscher nicht ungern sehen würden, haben das Nachsehen.
Natürlich handelt es sich bei der Begegnung in Potsdam um keinen offiziellen und hochpolitischen Besuch. Der Besuch hat, wie man aus der Ankündigung schließen kann, einen mehr privaten Charakter. Er unterstreicht, daß die persönlichen Beziehungen der beiden Herrscher die gleichen geblieben sind und bleiben sollen und daß weder Preßfeh- den noch sozialdemokratische Versammlungen daran bisher etwas ändern könnten.
Auf den aktuellen Gang der Politik wird die Pots- danr-Mgegnung schwerlich auch einen äußerlich merkbaren Einfluß haben. Unsere Beziehungen zu Rußland sind zeit- | weise freundschaftlicher gewesen als heute, sind aber auch ! heute durchaus korrekt. Iswolsky ist Botschafter in Paris geworden und kann dort mit anderen ehemaligen Ministern, i Tittoni und Schoen, aber mit mehr Grund zur Unzufriedenheit mit sich selbst, über die Politik der letzten Jahre nachdenken. Möglich, sogar wahrscheinlich, daß mit ihm ein Element der Beunruhigung aus der Zentralleitung der rus- । fischen Politik ausgeschieden ist und daß dieses Ausscheiden 1 sich auch in der Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen fühlbar machen wird. Sein voraussichtlicher Nach folger, Stolypins Schwager, Herr Sassonow, soll ein „nationaler Politiker" sein und eine solche Politik zu verfolgen beabsichtigen. Damit wird Wohl gemeint sein, daß er sich mehr nach rein russischen Interessen als nach den in West- emopa wehenden Winden richten wird. Indessen soll man fich durch diesen Ausdruck nicht etwa verleiten lassen, anzu- nehmcn, der neue Minister plane eine Abkehr von England und von der durch die englischruffische Entente bedingten Richtlinien der russischen Politik. Eine solche Abkehr, so sehr sie vom ruffischen Standpunkt aus verständlich wäre, ist nicht wahrscheinlich. Trotz seines unbestreitbaren Reich tmns und trotz des ebenso unzweifelhaften wirtschaftlichen Aufschwungs, der in Rußland seit ein bis zwei Jahren wieder eingesetzt hat, bleibt Rußland finanziell aus Paris angewiesen. Es liegt auf der Hand, daß Frankreichs En- lentegenosse, auch wenn er bisher selbst den finanziellen i Bedürfnissen Rußlands nur sehr wenig entgegengekommen ! ist, vqn-, diesem Zustand profitieren wird, und Frankreich seinerseits alles daran setzen wird, die englischrussischen Beziehungen ^möglichst gut zu erhalten.
Somit wird wohl Alles im Wesentlichen beim Alten bleiben. >^Das schließt aber nicht aus, daß man in Petersburg anfängt, einzusehen, daß es nicht im russischen Interesse liegt, wenn der Draht zwischen Berlin und Petersburg abreist und daß die Auftechterhaltung guter Beziehungen zu Deutschland nicht bloß ein Erbstück russischer Politik, sondern eines ihrer wichtigsten Gebote ist.
Unzeigenpreir 15 pfg.
die 44 mm breite Peritzeile ober deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Rekln m cteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit öO^/o Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grütze berechnet. Rabatt kommt bei Überschreitung des ZahlungS- zieles (30 Tages, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.
Telephon: Nr. 362.
Sodann nahten sich die Rektoren aller preußischen Universitäten zur Gratulation, in ihrem Namen sprach der derzeitige Rettor der Universität Greifswald. Ihnen folgten die anderen Universitäten des deutschen Reiches, für die Prof. v. Schubert-Heidelberg sprach. Der Rektor der Universität Wien überbrachte die Glückwünsche der Universitäten Oesterreich-Ungârns. Weiter sprachen Vertreter der schweizerischen Univertsitäten, der ©nippe der romanischen Universitäten — für die ein Franzose und ein Italiener ; sprach —, der englischen, der niederländischen, der skandi- I navisthen, der slawischen, griechischen und japanischen Uni1 versitäten. Weiter gratulierten die technischen Hochschulen, die Akademie der Wissenschaften und andere Institute.
An den Festakt schloß sich ein Festbankett, das mehr als 600 Personen vereinte und an dem u. a. auch Prinz Rup- j recht von Bayern und Prinz August Wilhelm von Preußen teilnahmcn. Abends fand auf Befehl des Kaisers im Schauspielhaus als Festvorstellung die Aufführung von „Figaros Hochzeit" statt. In der Hostoge wohnten der Kaiser, Prinzessin Viktoria Luisy, Herzog und Herzogin Johann Albrecht, Prinz Ruprecht von Bayern, sowie die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Joachim der Vorstellung bei, während die übrigen Teile des Hauses von den Ehrengästen der Universität, den Professoren und der Studentenschaft besetzt waren.
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Streik der franMfchen Eisenbahner.
Ganz plötzlich haben am Montag die Angestellten der französischen Nordbahn, die freilich schon seit längerer Zeit unzufrieden waren, den Beschluß gefaßt, noch in derfelben Nacht in den Ausstand zu treten, und dem Beschluß ist die Tat auf dem Fuße gefolgt. Mit überraschender Schnelligkeit verbreitete sich der Ausstand überall. Auf allen Stationen der Nordbahn stockte der Verkehr. Der Postdienst nach England und Deutschland wird von der Postverwatt- ung durch Automobile aufrecht erhalten. Am Abend des Dienstag beschlossen auch die Angestellten der übrigen E i s e n bi a h n - ,L i n i e n in den Ausstand zu treten. Auf der dem Staate gehörenden Westbahn wurde noch in derselben Nacht der Betrieb eingestellt, während auf der Ost-, Mittelmeer- und Orleansbahn am gestrigen Morgen die Arbeit niedergelegt wurde.
Die Regierung ließ als wirksamstes Gegenmittel gegen den Streik sämtliche militärpflichtigen Eisenbahner für 21 Tage zu den Fahnen einberufen.
Uarlamentarisches.
Ter Notstand der rheiuhessischen Winzer.
Die Abgeordneten Molthan, v. Brentano und Genossen haben eine dahingehende dringliche Anfrage an die Regierung gerichtet, die folgenden Wortlaut hat: Sind der Gr. Regierung der totale Fehlherbst des Jahres 1910 und die dadurch verschärfte Nottage des hessischen Winzerstandes in ihrem vollen Umfang bekannt? W'as gedenkt Gr. Regierung zur Linderung der unverschuldeten Not dieses seit Jahren um seine Existenz ringenden Erwerbsstandes zu tun ? Ist die Gr. Regierung nicht gewillt, durch Sleuernachlaß Und finanzielle Unterstützung der notleidenden Bevölkerung zu helfen? (Nach einer soeben eingegangenen Nachricht aus dem sogenannten goldenen Ingelheimer Grund, wo der Weinbau sonst auf hoher Blüte stand, haben dort die kleineren Winzer ihre diesjährige Traubenernte statt wie früher auf dem Wagen in großen Bütten in diesem Jahre in Henkelkörben zum Verkauf den großen Firmen gebracht. Ist das kein Notstand? D. Red.)
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Der Abg. Dr. Wolf-Gonsenheim hat eine Anfrage an die Regierung gerichtet, welche sich gegen die Ausübung ärztlicher Privatpraxis des Direktors der Hebammen-Lehr- anstalt in Mainz wendet.
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An die Zweite Kammer ist eine Regierungsvorlage gelangt, welche gegen den Verkaus des Gutes „Boxheimer Hof" in der Gemarkung Bürstadt, das zum Familieneigentum des Gr. Hauses gehört, an den seitherigen Pächter Stellung nimmt.
Der Hansabund
erläßt folgenden Aufruf an die Angehörigen des Deutschen Gewerbestandes: „Das Präsidium des Hanfa-Bundes hat einmütig eine umfassende
i Wahlsondssammlung
für den Hansabund beschlossen. Tie nationalen Aufgaben des Hansabundes sönnen nur erreicht werden, wenn der Teussche Reichstag und die Parlamente der Bundesstaaten immer mehr durchsetzt werden von Angehörigen der im