Gießener Weitung
Bejugspreis 40 Psg. monatlich
vorauszahlbar, vierteljährlich 1/20 Mk., durch die Post 1,50 Mk. frei ins Haus. — Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Zwei Extrabeilagen: „Humoristische Blätter" und die „Neue Lesehalle", liegen wöchentlich eiutnal gratis bei. — Redaktion: Seltersweg 83. - Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Telephon: Nr. 362.
Nr. 93
ecStrabe und Liefer-
ien während
1 Unterzeichn bleibst )utb| g der Herzender Auf.
!S 10 Uhr
Bersteigerung von Wochenmarttvlätzen
Samstag, den 9. Jul i, vormittags 11 Uhr, werden auf dem Kanzlcibcrg einige zum Verkauf von Beeren und Obst bestimmte Plätze versteigert.
Gießen, den 5. Juli 1910. Bürgermeisterei.
J. V.: Keller.
Bekanntmachung
Die deut Herrn Fritz Eccarius erteilte Zulassung zur Ausführung von Anlagen im Anschluß an das städt. Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk ist crlofchen.
Gießen, den 6. Juli 1910.
Bürgermeisterei Gießen.
J. V.: Keller.
Vorbehalten.
les Eicken
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Terrain der zen erfocder- n auf Grund ermit öffent' nferem Amt, nulare dort-
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Bekanntmachung.
Zur A b st i m m u n g über den Antrag der Maler- u. Weißbinder-Jnnung (freie Innung) aus Errichtung einer Zwangsinnung für das Maler-, Lackierer- und Weißbinderhandwcrk im Bezirk der Stadt Gießen ist eine Liste der beteiligten Handwerker ausgestellt, die in der Die Ersatzwahl ia Marienberg und die nächsten Reichstagswahlen in Sachsen.
(Nachdruck verboten.)
Bekanntlich haben sich die Freisinnigen und National- liberalen dahin geeinigt, daß beide Parteien gemeinsam für die bevorstehende Rcichstagscrsatzwahl in Sayda-Marien - bcrg einen fortschrittlichen Bewerber aufstellen. Dafür haben sich die Freisinnigen verpflichtet, in dem benachbarten Wahlkreise Annabcra bei den nächsten Neichstagswahlen gleich im ersten Wahlgange den nationalliberalen Bewerber zu untcrsttitzcn, während sie bei den Wahlen von 1907 einen eigenen Kandidaten ausgestellt hatten.
Die Mmachung über diese beiden Wahlkreise dürfte wohl für die nächsten Neichstagswahlen im Königreiche Sachsen typisch werden. Es ist anzunehmen, daß sich die Na- tionallibcralcn und die Fortschrittliche Volkspartci im ganzen Lande über gemeinsame Kandidaturen einigen werden. Dies ist nicht nur für diese beiden Parteien, sondern vom bürgerlichen Standpunkte überhaupt wünschenswert, denn je geringer die Zahl der in einem Wahlkreise ausgestellten bürgerlichen Bewerber ist, desto größer ist die Hoffnung auf einen Sieg über die Sozialdemokratie.
Hingegen ist zu befürchten, daß eine Verständigung zwischen allen bürgerlichen Parteien über gemeinsame Kandidaturen in den verschiedenen Wahlkreisen bei den nächsten Neichstagswahlen im Königreiche Sachsen in viel geringerem Umfange erfolgen wirv als 1907. Dafür spricht schon der Vorgang bei der Ersatzwahl in Sayda-Marien - bcrg. Dort waren nicht nur bei den Wahlen von 1907, sondern auch 1903 und 1898, also dreimal hintereinander, die bürgerlichen Stimmen nur für einen Kandidaten abgegeben worden. Diesmal werden sich die Antisemiten, für die wohl auch die konservativen Stimmen abgegeben werden dürften, und die liberalen Parteien gegenubcrstehen. Bei den Wahlen von 1907 bestand nicht nur in diesem Wahlkreise, sondern auch in einer ganzen Reihe anderer zwischen den bürgerlichen Parteien volle Einigkeit, beim in nicht weniger als 12 von den 23 sächsischen Wahlkreisen wurde ein gemeinsamer bürgerlicher Bewerber ausgestellt; die wenigen Stimmen, die das Zentrum für seine 10 Kandidaten in diesen Wahlkreisen ausbrachte, kamen nicht in Frage.
Der Erfolg dieser Einigkeit, die auch in den Kreisen, in denen von vornherein mehr als ein bürgerlicher Bewerber ausgestellt war, wenigstens bei den Stichwahlen eklatant hcrvorlrat, war ein ganz überraschender. Während die Sozialdemokraten bei den Wahlen von 1903 sämtliche säch- fischcn Wahlkreise bis auf einen in ihren Besitz brachten und also mit einem gewissen Rechte Sachsen als das „rote Königreich" bezeichnen konnten, erhielten sie 1907 nur ,6 Sitze, also nur ein Drittel der sächsischen Mandate.
Wenn also jemals, so hat sich hier der Wert der bürgerlichen Einigkeit erprobt. Troch dieses unwiderleglichen Beweises des handgreiflichen Nutzens des geschlossenen Vorgehens der bürgerlichen Parteien ist, wie schon erwähnt, für die nächsten Neichstagswahlen nicht auf eine derartige । Einigkeit zu rechnen. Dazu ist leider die Erbitterung zwi- i d?u bürgerlichen Parteien zu groß, obwohl gerade die sächsischen Konservativen bei der Reichsfinanzreform für ! drc Erb,chaftssteuer gestimmt haben, so daß ihnen also keine I Schuld an dem Scheitern des Blocks beizumessen ist. Die allgemeine große Verstimmung afocr, die zwischen den Konservativen und den liberalen Parteien besteht, muß naturgemäß ihre Wirkung auch auf ein einzelnes Land ausüben. Diese Tatsache trat denn auch schon bei den sächsischen Land- tagswahlcn hervor. Nicht nur daß überall Konservative u. Liberale sich entgegentreten, sondern sogar bei den Stichwahlen unterstützen die bürgerlichen Parteien in vielen Wahl- *rcHen einander sehr lässig, so daß die Sozialdemokraten noch bei den Stichwahlen eine ganze Reihe von Wahlkrei- wn zu erobern vermochten. Tann kam cs während der Wintcrscssion des sächsischen Landtages wiederholt zu uncr-
Enthält alle amtl. Bekanntmachungen der Großhcrzoglichcn ^^ des Großherzoglichen Dürgermeisterei'WM Polizei -Amtes
sowie vieler anderer Behörden Gberhesfens Expedition: Seltersweg 85.
Truck und Verlag der Gießener Vcrlagsdruckcrci (Albin Klein)'
Samstag. 9. Juli 1910
Amtliche Wekanntmachungen.
Zeit vom 9. bis 16. d. Mls. auf Zimmer Nr. 2 der Bürgermeisterei zur öffentlichen Einsicht ausliegt.
Alle Handwerker, die dahier das Maler-, Lackierer- oder Weißbindcrhandwerk betreiben, werden hiermit a u f g c f o r d c r t, sich innerhalb dieser Offenlegungsfrist für oder gegen die Errichtung der Zwangsinnung schriftlich oder mündlich zu äußern. Tie mündlichen Aeußerungen werden an der vorbezeichneten Stelle innerhalb der Tienst- ftunben entgegengenommen. Es sind nur solche fristzeilig eingehenden Aeußerungen giltig, die sich bestimmt für oder gegen die Errichtung einer Zwangtzinnung aussprechcn.
Der Kommissär: Keller, Beigeordneter.
Bekanntmachung.
Die Heberollen-Auszüge über die für's 1. Vierteljahr 1910 an die Versicherungsanstalt der Hessen-Nassauischen Bâutzcwcrksberufsgenossenschaft zu zahlenden Prämien liegen vom 9. d. Mts. an 14 Tage zur Einsicht der Beteiligten im Bürgermcistereigebäude, Zimmer 2, aus.
Gießen, den 6. Juli 1910.
G r o ß H. Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Keller.
quid(id)cn Szenen zwischen den Konservativen und den Liberalen.
Aus alledem geht hervor, daß in beiden Lagern die Stimmung nicht sehr günstig für eine Verständigung ist. Man muß sich also aus die Hoffnung beschränken, daß wenigstens bei den Stichwahlen die bürgerlichen Parteien sich nachdrücklich untcrsttitzcn und nicht wie bei den letzten Landtagswal,lcn durch Lässigkeit oder gar durch bösen Wil len der Sozialdemokratie noch weitere Mandate verschaffen werden. Man muß ohnehin schon befürchten, daß die Sozialisten diesmal schon bei den Hauptwahlen eine Anzahl von Siegen erringen werden. Eine gegenseitige Unterstützung der bürgerlichen Wähler bei den Stichwahlen aber hat zur notwendigen Voraussetzung, daß der Kampf zwischen den bürgerlichen Parteien vor der Hauptwahl in anständigen und maßvollen Formen geführt wird. Tie kürzlich stattgehabte Ersatzwahl in Friedberg-Büdingen ist ein warnendes Beispiel dafür, wie die bürgerlichen Parteien nicht gegeneinander kämpfen dürfen. Dort hat der zu einer traurigen Berühmtheit gelangte „Ab^riftsdrckcl" dkr Sozialdemokratie Hunderte von bürgerlichen Stimmen zngcführt. Durch eine so schmutzige gegenseitige Bekämpfung des Bürgertums werden zahlreiche Wähler überhaupt von der Wahlbeteiligung abgeschrcckt, andere gehen zur Sozialdemokratie über.
Beide bürgerlichen Gruppen, die antisemitisch-konservativen Wahlagitatoren und die Verfechter der liberalen Kandidatur, tragen also bei der Ersatzwahl in Marienberg eine schwere Verantwortung. Denn das Beispiel, das sie geben, wird von hoher Bedeutung für die nächsten allgemeinen Neichstagswahlen im Königreiche Sachsen sein. Hoffentlich sind sie sich dessen bewußt und kämpfen gegeneinander, wenn cs denn schon sein muß, zwar mit scharfen, aber doch mit sauberen Waffen.
Die Aufwendungen des Deutschen Reiches für die soziale Gesetzgebung.
Die bevorstehende Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf landwirtschaftliche Arbeiter, Dienstboten, unständige Arbeiter und die im Wandergewerbe beschäftigten Personen, sowie die geplante Hinlerbliebenenvcrsicherung werden naturgemäß die Aufwendungen für unsere Arbeiterversicherungen weiterhin sehr erheblich steigern. Um über diese Aufwendungen ein klares Bild zu bekommen, sind sowohl die in Zukunft neu entstohenden Kosten, wie die für den jetzigen Umfang bereits entstandenen Ausgaben berechnet w-orden. Hiernach ergibt sich in vollen Millionen folgende jährliche Belastung:
Invalidenversicherung
228 Millionen
jetzige Krankenversicherung
332 Millionen
neue Krankenversicherung
60 Millionen
Unfallversicherung
172 Millionen
Hinterbliebenen-Versicherung
67 Millionen
Das sind insgesamt 859 Millionen
Berücksichtigt man hierbei den jährlichen Zuwachs der Bevölkerung, so ergibt sich, daß schon in sehr naher Zeit die jährlichen Aufwendungen für die soziale Gesetzgebung eine Milliarde erreichen werden. Seit dem Inkrafttreten unserer sozialpolitischen Gesetze waren nun bis zum Ende des Jahres 1907 von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Reich Gesamtaufwendungen von über 8 Milliarden gemacht worden. Rechnet man hierzu nach dem gegenwärtigen Stand der Versicherung jährliche Aufwendungen von 732 Millionen, so ergibt sich, daß die Gesamtkosten unserer sozialen Gesetzgebung bis zum Ende dieses Jahres die Summe von 10 Milliarden schon erheblich übersteigen.
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21. Jahrg.
Bekanntmachung.
In den Wagen der städt. Straßenbahn wurden in der I Zeit vom 6. bis 29. Juni l. J. nachstehende Sachen ge- . sunden:
3 Herrcnrcgenschirmc, 4 Damcnschirme, 1 Kinderfpa - zierstock, 1 Steinguttopf, 2 Portemonnaies mit Inhalt,
1 leinenes Band.
Tie Gegenstände können in bem Bureau der unterzeichneten Verwaltung, Wcstanlagc 51, abgeholt werden.
Gießen, den 30. Juni 1910-
Elektrizitätswerk und Straßenbahn der Stadt Gießen Stolte.
Bekanntmachung
Die unterm 6. Juni 1910 angeordnete Sperre der Südanlage, von Bismarck- bis Goethcstraße, wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 6. Juli 1910.
Großherz ogl. Polizeiami.
Gebhardt.
Parlamentarisches aus Hessen.
Ter Sonderausschuß der Zweiten Kammer für die Vcr- waltungsgcsctzrevision war am Tsnnerstag noch einmal zu einer Schlußberatung vor den Sommcrscrien zusammen, an an der auch die Herren Minister des Innern von HombergV und Geheimrat Best Teilnahmen. Tie Sitzung galt der Fertigstellung der beiden vom Ausschuß durchbcratcnen Gcsctz- entwürse über die S t ä d t e o r d n u n g und die L a n d- g c m e i n d e o r d n u n a, bei denen noch über eine Anzahl zurückgcstcllter Punkte nach Anhörung der Regierung Beschluß gefaßt wurde. Tie beiden Regierungsvorlagen sind somit vom Ausschuß vollständig erledigt worden, und den Ausschußberichterstattern, für die Städteordnung Abg. Tr. G l ä s s i n g, für die Landgemeindeordnung die beiden Abgeordneten S 1 ö p l e r und Uebel, liegt nun die Aufgabe ob, die umfangreichen Referate darüber für den Truck fertig zu machen, was noch verfchicdcne Wochen Zeit und Mühe tosten wird. Tie Zweite Kammer wird darnach voraussichtlich schon im Frühherbst wieder eine Reihe von Ple- narberatungen abhalten und die beiden Gesetzentwürfe cnd- giltig beraten und erledigen, so daß sie, wenn ihnen die Erste Kammer keine Schwierigkeiten bereitet, mit Schluß der gegenwärtigen 34. Kammertagung Gesetzeskraft crlan- I gen bürsten.
Lokales.
Gießen, 9. Juli 1910.
* * Ter Großherzog hat dem Pfarrer Hermann S a ck-Bosènheim die evangelische Pfarrstelle zu Nieder-Weisel übertragen.
* * Ue-b ertragen wurde dem Schulamtsaspiran- ten August Mer z-Lang-Göns eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Fränkisch-Crumbach.
* * Verliehen wurde vom König von Preußen dem Oberstabsarzt a. T. Dr. Paul R a d ü n z-Gießen, bisherigen Regimentsarzt des 7. Lothringischen Infanterie- Regiments Nr. 158, der Rote Adlerorden 4. Klasse.
!-! Kreisschulinspektor Kleinschmidt hat seinen Abschied eingereicht. Seminar-Oberlehrer Professor Alles- Friedberg wurde zum Schulinspektor des Kreises Gießen ernannt.
* Provinzial-Ausschuß. In seiner letzten Sitzung beschloß der Provinzialâusschuß in der Angele- : gcnhcit der Gcländcerwerbskosten für die Bahn Lollar- Londorf den Beitrag der Stadt Gießen auf 89 625 Mark festzusetzen.
* Konferenz. Auf der Konferenz der evangelischen Geisttichcn Oberhessens hielt Pfarrer Freundlieb-Vilbel einen äußerst beifällig aufgenommenen Vorttag über „Evolutionstcheorie und Christentum".
-tt- Stadttheater Gießen. (Operettengastspiel am kommenden Dienstag.) Ta Johann Strauß's Operette „W jener Blut" drei erste Sängerinnen verlangt, so wird neben den Damen Brill und Rosârita noch Fräulein Alma Wallee vom Emser Kurtheater Mitwirken und Zwar in der Paraderolle der Pepi Steininger. Tie Tame steht von der Operettensaison des Emser Personals her hier noch im allerbesten Andenken.
-p- Gewerbliche Revisionen zu Gießen im 2. Vierteljahr 1910. In den Monaten April, Mai und Juni wurden in Gießen gewerbepolizeiliche Revisionen der nachstehend verzeichneten Arten vorgenommen: 1. 29 Benzinlager in bezug auf Lagerung und Aufbewahrung. Anstände ergaben sich nicht. 2. Tie Warenhäuser bezüglich Lagerung der Ware, Beleuchtung und Notausgänge. 3. Verschiedene Petroleumlüger mit Rücksicht auf die besonderen polizeilichen Bedingungen bezüglich Lagerung. 4. Die Tröd- lergeschäste in bezug auf vorschriftsmäßige Führung der Geschäftsbücher. Anstände ergaben sich nicht. 5. Ter Verkauf von Obst auf Privatplätzen Sonntagsnachmittags nach gesetzlichem Ladenschlüsse. 6. 26 Steinbrüche und Gräber-