Nr. 6 (.1 Blatt)
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WezugSpreiS : vierteljährlich durch die Träger frei taS Haus 1.35 Mik., durch die Poft bezogen IJJO ML.
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Samstag, den 8. Januar 1910
Gießener
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Inserate: die U mm breite Penise SV yfewta
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Beilagen werden nach Gewicht und Größe beregnet* ♦
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Neueste Nachrichten
<O1-ß-«-r Gcs-StÄM Auaöhângige Lageszettung (chießener Weitung)
für Overhesien und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.
S Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Obcrheslen •
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Versonatverminderung im hessischen Kaumesen.
Die fortschreitende Einschränkung der staatlichen Bau- tätigkeit macht naturgemäß auch die Verminderung des nichtangestellten staatlichen Aus Hilfspersonals notwendig. Stehen nämlich Baukredtte, aus denen das Aushilsepersonal budgetmäßig zu bezahlen ist, nicfyt mehr oder nur in beschränkterem Umfange zur Ver- fügung, so sind Personalentlasfungen nach den Budgelbe- stiinniungen unvermeidlich. Jni Hauptvoranschlag 1909 unter Kapitel 103 Titel 1 war gegen 1908 eine Ausgabever- minderung von 67 450 Mark, im Hauptvoranschlag 1910 ist gegen 1909 eme weitere Ausgabevennmderung von 71 000 Atari veranschlagt. Während am 1. September 1908 noch 100 Bauaspimmen und geprüfte Techniker verwendet wa- rcn, fallt diese Zahl allmählich und, nachdem zum 1. April 1909 5 davon als Hochbauaufsoher angestellt worden waren, bis jetzt auf 77. Wenn auch bereits bei den Land - tagsverhandlungen über das Budget 1909 die Notwendigkeit einer E i n s ch r ä n k u n g des staatlichen B a u w e- s e n s noch stärker betont wurde als früher, so war doch nach Abschluß dieser Verhandlungen der Umfang weiterer Entlassungen noch nicht übersehbar. Vielmehr musste in Vorbereitung des Budgets pro 1910 zunächst festgestellt werden, ob gewisse größere Bauwesen, über die Verhandlungen im Gange waren, tatsächlich in den Hauptvoranschlag für 1910 ausgenommen werden konnten oder nicht. Alsbald nachdem im Herbst vorigen Jahres hierüber eine Ueber - sicht gewonnen war, wurden im Oktober vorigen Jahres durch einen Referenten der Ministerialabteilung für Bam Wesen sorgfältige Erhebungen bei den einzelnen Bauämtern über den voraussichtlichen Personalbedarf zum 1. April 1910 vorgenommen. Schon hierdurch war das Personal auf die zu erwartenden Maßnahmen vorbereitet. Auf ein Ende Oktober vorigen Jahres eingegangene Eingabe der hessischen Vereinigung mittlerer Baubeamten sand Mitte November eine eingehende Besprechung über bie Verhält - Nisse der Aspiranten mit einer Deputation dieser Vereinigung bei dem Vorsitzenden der Ministerialabteilung für Bau- Wesen statt. Entsprechend den hierbei geäußerten Wünschen mürben alsbald die sämtlichen im Land etwa in Betracht tonunenoen V^horhân uuv Verwaltungen, W n die KUttur- inj pell ionen, Prandversicherungskammer, Städte bürgermei- stereien 2C. auf die Sachlage aufmerksam gemacht und ersucht, gegebenenfalls Bauäipftanlen zu beschäftigen. Be- reits durch Ausschreiben vom 2. Dezember vorigen Jahres teilte die Ministerialabteilung für Bauwesen den sämtlichen ihr unterstellten Behörden mit: „Die derzeitige Verminderung der Bautätigkeit mache es nötig, eine Anzahl der jüngeren Bauaspiranten zu entlassen. Um den Aspiranten das weitere Fortkommen zu erleichtern und mit Rücksicht auf die zur Zeit ungünstigen Anstellungsverhättnisse sei beschlossen worden, den zu Entlassenden sowie auch den älteren von der Entlassung nicht betroffenen Aspiranten durch Beurlaubung unter Wahrung der Disnstattersverhällniffe Gelegenheit zu geben, sich um Stellen außerhalb des Staatsdienstes zu bewerben." Des weiteren wurden in eingehenden Beratungen der Ministerialabteilung für Bauwesen die notwendigen Beurlaubungen der jüngeren Bediensteten mit den dadurch dedingten Verschiebungen der älteren im Dienst zu behaltenden endgültig sestgestellt und zwar sowohl für das akademisch gebildete Aushilseperfonal als auch für die Bauaspiranten. Nach dem Ergebnis dieser Verhandlungen mußte einem seit rund 9 Jahren bei der Ministerialabteilung beschäftigten verdienten Privatarchitekten zum 1. April dieses Jahres gekündigt werden, 6 bereits in der Ver - Wendung befindliche RegierunUsöaumeisterj wurden veranlaßt, zum gleichen Zeitpunkt um Beurlaubung nachzusuchen, endlich ging 28 Aspiranten und 7 Baugehilfen und Technikern, wovon einer 7 Jahre, 12 zwischen 4 und^ 5 Jahren, die anderen kürzere Zeit beschäftigt waren, und 5 Bau - schreibern dio .Nachricht zu, daß sie zum 1. Aprils 1910 (einige zum 1. Juli) aus der Verwendung entlassen bezw. beurlaubt werden müßten. Die entsprechenden Verfügungen wurden über Weihnachten zurückbehalten, mußten aber mit Rücksicht auf die notwendig werdenden Wohnungskündig - ungen vor Neujahr zugestellt werden. Die vorbezeichneten Maßnahmen sind unter der Voraussetzung getroffen, daß die sämtlichen im Hauptvoranschlag für 1910 eingestellten Bauwesen bewilligt werden.
Lokales uuv Provinzielles.
* * Ein großer Hosball fand am Donnerstag im alten Palais statt, zu welchem 298 Personen Einladungen erhalten hatten. Außer dem Großherzogspaar waren u. a. erschienen der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, Fürst und Fürstin zu Solms-Lich, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz Hermann von Stolberg- Wernigerode, die Fürstin-Mutter zu Erbachl Gegen 11 Uhr sand gemeinsames Souper statt. Auch das Großherzogs - paar tanzte lebhaft. Die Musik stellte das Regiment 115.
(:) Für den Denkmalschutz im Großherzogtum Hessen werden im Budget 1910 12 000 Mk. verlangt. Hierfür sollen, wie in früheren Jahren eine größere Anzahl von Gebäuden, Schloß- und Burgruinen vor Verfall bewahrt werden. In Betracht kommen: Die Burgruine Frankenstein, Klosteriapelle zu Lorsch, Schloßruinen zu Alsbach, Auerbach, Starkenburg und Lindenfels, Schloß zu Hirschhorn, Burgruine Schadeck, die Hinterburg bei Neckarsteinach, die Kaiserpfalzkapelle in Wimpfen, Veste Otzberg, vormal. Abtei Seligenstadt, die Wasserburg bei Seligenstadt, Burgruine Staufenberg, Burg zu Friedberg, Kapersburg (Rö- merkastell), Schloßruine Münzenberg, Bürtzruine Lißberg und Ullrichstein, Landskron und Schwabsburg, Wartturm bei Nierstein und andere.
* Der Bund der L a n d w i r t e für Worms-Heppenheim hält am Sonntag, den 16. Januar, nachmittags 3 Uhr, im Wormser Kolosseum eine Jahresversammlung
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ab. Landtagsabgeordneter Schremps von Stuttgart wird über bie Lage im Reich, über Handelsverträge und Schutzzölle sprechen. Außer dem Vorstand des Wahlkreises werden ferner sprechen: Landtagsabgeordneter Korell von Oberhessen, S i e s e r t-Frohnhof i. O. und der stellvertretende Provinzialvorsitzende PH. Wolf- Albig.
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* Gieße n, 6. Jan. Ende Februar begeht der S a - nitätsverein den Tag seines 25jährigenBe- st e h e n s. Am gleichen Tage sind 25 Jahre verflossen, daß der 1. Vorsitzende Julius B r ä u t.i g a m die mühevollen Geschäfte des Vereins geleitet. Der Santtätsverein wird das Doppeljubiläum festlich begehen.
* ) (* G' i e ß e n. Die Werbung skomm issivn des 1. Verlehrstages am 5. Dezember vorig. Jahres hat reiche Arbeit gehabt, da fast die gesamte Gießener Geschäftswelt mit großem Fleiß sich an dem Schaufenster-Wettbewerb be- teiligk hatte. Jetzt hat die Kommission, die aus den Herren Fabrikant Franz Brück, Stadtv. Helm, Oberbürgermeister Meemn, Architekt! Meyer, Weißbindermeister Petri 3, Privatdozent Dr. Rauch und Architekt Seuling bestand, ihre Arbeit beendet und an 225 Ladeninhaber âls Dank für anerkennenswerte Ausstellung Diplome ausgegeben. Die beste Note lautet „vorzüglich", die nächstbeste „sehr gut" und die allgemeine Note „gut". Wie uns mitgeteilt wurde, hat die Note „v o r z ü g l i ch" an eine nicht zu kleine Zahl vergeben werden können.
* )(* Gießen. Der Hessische Landesverband des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat vor kurzem eine Heilstätte für Alkoholkranke in Haus-Burgwald bei Nieder-R'amstadt eröffnet.
* Gießen. Der erste Gautag der Deutschen M o t o r s a h r e r - V e r e i n i g u n g für den Mittel - deutschen Gau findet Ende Februar oder Anfang März dieses Jahres in Gießen statt. Die Vorbereitung zu der Veranstaltung, zu welcher man zirka 600 Fahrer erwartet, werden von der Ortsgruppe Gießen (Gießener Automobilklub) getroffen.
* Alsfeld, 6. Jan. In dem Dorfe R u H l k i r- ch e 11 versuchte der 63 Jahre alte H a i n b u ch seinen 30= jährigen im Bette mit der Axt z u e r s ch l a - 5 v m Rach de/ TUI eckte der alte Mann im den Waid, wo er sestgenommen wurde. Der Stiefsohn mußte in das Kreis rankënhaus nach hier überführt werden, wo er lebensge - jährlich verletzt darniederliegt. Der Sohn wollte sich verheiraten, infolgedessen der Atte 500 Mk. herauszahlen sollte. Um dies zu verhindern, machte er den Mordversuch.
* Butzbach. Der Alice-Frauen-Verein beschloß einen Sanitäts-Kursus abzuhallen. 24 Anmeldungen sind bereits erfolgt. Die beiden Aerzte, Herr Sanitätsrat Dr. Ohnacker und Herr Dr. Küchel haben sich bereit erklärt, den Kursus für Frauen und Mädchen aller Stände in je wöchentlich einer Stunde abzuhalten.
* Bad-Nauheim. Dienstag, den 11. Januar tritt der neugegründete Heimatverein zum ersten Mal mit einer Veranstaltung an die Oeffentlichkeck, bei welcher ein Vortrag des Herrn Dr. Strecker über die am 30. August 1762 stattgefundene Schlacht am Johannisberge gehalten werden wird.
* Friedberg, 6. Jan. Am Predigerseminar beginnt am 13. Januar ein „sozialer K u r s u s". Professor Dr. Stein-Frautfurt spricht über „Psychologie des Arbetterstandes", Prof. Dr. Klumker-Frankfurt über „Be- obachtungsMtten kranker Kinder", Kirchenrat Dr. Schlosser über „Moderne Armenpflege", Dr. Kahn-Frankfurt über „Wohnungsreform und die soziale Versicherungs-Gesetzgebung". Ausflüge und Besichtigungen schließen sich an.
* Friedberg, 5. Jan. Der Großherzog hat den Oberlehrer am neuen Gymnasium zu Darmstadt, Professor Theodor Ritsert, zunr Direktor der Augustiner-Schule ernannt als Nachfolger von Direktor Balser, der, wie mitgeteilt, in Berlin tödlich verunglückt ist.
* D a r m st a d t. Prinz und Prinzessin Reinhard zu Solms-Lich sind gestern hier eingetroffen und haben im Residenzschloß Wohnung genommen; ferner sind eingetroffen die Fürstin-Mutter zu Erbach-Schönberg nebst Prinzessin- Tochter. Im Laufe des Nachmittags trafen noch ein: .Kronprinz und Kronprinzessin von Griechenland. Fürst und Fürstin zu So.ms-Lich, Prinzeß Friedrich Kark von Hessen und Prinz Hermann zu Stolberg-Wernigerode.
* Darmstadt, 6. Jan. Nach Uebernahme des gesamten Risikos der Ausstellung durch den G r o ß h e r z o g hat die ^abiuetiëb^rbUion die Leitung der Ausstellungsgeschäste übernommen und folgende Herren in das Hauptkomttee gebeten: Kunstmaler Adolf Beyer, Prof. Graf von Kalckreuth, Hofrat Alexander Koch, Bei- geordneier Müller, Prof. Albin Müller, Stadtverordneter Stemmer, Oberregierungsrat Dr. Wagner, Leiter der Ausstellung von 1908, Kabinettssekretär Dr. Wehner, Buch - druckereibesitzer Rudolf Wittich und den Direktor der Ka binettsbibliolhek Zobel. Die erste konstituierende Sitzung wird am 10. Januar im alten Palais stattfinden.
* Offenbach, 7. Jan. Der Bund H e s s. S ch u l- r e f o r m e r hielt gestern Abend im Stadtgarten seine erste öffentliche Versammlung ab, in der Oberlehrer Dr. Strecker-Nauheim über die Zwecke und Ziele des Bundes,prach. Er verwarf aus erzieherischen und gesundheitlichen Gründen den fremdsprachlichen Grammatikunterricht in seiner heutigen Form, kritisierte energisch unser gekünsteltes, ausgeklügeltes, unnatürliches Sitzarbeitssystem und verlangte ein der angeborenen Schaffensfreudigkeit des Kindes angepaßte Schulreform. — Die Versammlung war gut besucht, und eine stattliche Anzahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen traten der Ortsgruppe als Mitglieder bei.
* Mainz, 5. Jan. In der am Dienstag statt gefundenen Sitzung der Stadtverordneten erstattete Stadtv. Müller Bericht über die Errichtung von Gartenkolonien. Die Gesamtgröße des Geländes beträgt 36 000 Quadratmeter, doch soll vorerst nur der dritte Teil davon angelegt werden. Die einzelnen Gärten sollen 250—300 Qua
dratmeter groß werden und sollen zum SelbMoikenpreis emschl. Wassers zu 10 Psg. per Quadratmeter zur Verpachtung gelangen, da die Stadt diese Anlage als Woyk fahrtseinr-lchtung betrachte. Die erforderlichen Arbeiten sollen sofort als Notstandsarbeiten in Angriff genommen werden.
* H e i d e s h e i m, 5. Jan. Infolge der wiederholten Angriffe auf militärische Wachtposten hat das Gouvernement Mainz die Wachrposten ermächtigt, bei allen tätlichen Angriffen auch ohne Anrufen von der S ch u ß w a f s e Gebrauch § u mache ii
* Heidesheim, 6. Jan. Am Mittwoch Abend wurde der Spengler Anton Appel aus Heidesheim, der mit einer leeren Fuhre aus bem Heimweg durch den Heides - Heimer Wald fuhr, von zwei Strolchen übersatten. Dem einen versetzte er mit feinem künstlichen Arm einen wuchtigen Hieb auf den Kopf, sodaß dieser flüchtete. Der andere jch.ug den Fußrmann aber mit einem Knüppel nieder, verletzte ihn durch besserstid)e am Kopfe schwer und nahm ihm die Uhr und die Barschast von 8 Mark ab. Erst nach zwei Stunden erwachte Appel aus seiner Bewußtlosig Leit und schleppte sich nach Heidesheim.
* Nieder-Ingelheim, 5. Jan. Prof. Cle - men- Bonn beschäftigt sich soeben mit der Sichtung des in Ingelheim gewonnenen höchst wichtigen Materials. Es ha ben sich durch die Grabungen für die gesamte Kenntnis frühmittelalterlicher P a l a st a n l a g e n neue Gesichts - punkte ergeben. Die Regelmäßigkeit der Gesamtanlage wies eine außerordentliche Aehnlichkett mit dem Grundriß römi scher Bauten größeren Stils auf. Silur wurde, daß die Pfalz in ihrem Grundriß in wesentlichen Punkten den Typ der R ü m e r b a u t e n auf meist. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen wird in einer größeren Publikation über die deutschen Kaiserpfalzen des Mittelalters niebergelegt. Herausgeber ist der vorgenannte timst wissenschaftliche Verein, der unter dem Protektorate des Kaisers steht.
* G a u - O d e r n h e i m, 5. Jan. Als hier eine Frau von ihrem Sohne, der Soldat ist und nach.dem Ur laub wieder in seine Garnison zurückkehren melde, Abschied nahm, wurde sie von einem Schlaganfall betroffen und verschied nlsdatd. - Eure Bekannte dieser Frau, Die in Framersheim wohnt, erlitt einen S ch l a g a n fall, als sie diese Todesnachricht erhielt. Auch diese Frml starb sofort.
* Wetzlar. Mit dem 1. Januar wurde das bisher in Essen belegene freisinnige Parteibüro nach Betzdorf an die Sieg verlegt. Die Wahlkreise Wetzlar-Alten - kirchen, Siegen, WittgensteimBiedenkopf,^ sollen inZMmjt intensiv bearbeitet werden. Auch sollen im Wahlkreis Dil lenburg, wo sich schon eine Anzahl Einzelinitglieder befim den, freisinnige Vereine gegründet werden.
* Weilmünster. Auf der Grube „Erzengel" bei Weinbach explodiere am Dienstag einDampfrohr. Hierbei wurde der Bergmann Heinrich Zmh durch den aus- strömenden Dampf derart verbrüht, daß er in die Klinik nach Gießen überführt werden mußte.
* Homburg. Eine neue und zwar warme Quelle in sicherer Aussicht! Die Erschließung einer neuen und zwar mit höchster Wahrscheinlichkeit warmen Quelle ist endlich in greifbare Nähe gerückt. Ein neuer Experte, Herr Dr. Roth aus Frankfurt, glaubt sicher zu sein, daß man bei etwa 300 Meter Tiefe bereits findig werden würde, und zwar auf eine sehr reiche Quelle. Es darf schon heute als sicher gelten, daß die endgültigen Bohrungen aus städt. Terrain werden vorgenommen werden können.
Aus dem v>erichrssaat.
Gießen, 7. Januar 1910.
In Lauterbach war das Gerücht verbreitet worden, es sei ein Pärchen in einem vielbesuchten Walddistritt bei unsittlichen Handlungen beobachtet worden und man nannte dabei den Lehrer K adel von dorten. Dieser erhielt von einem Oberlehrer Kenntnis von dem Gerücht und er forschte nach dem Urheber. Es stellte sich heraus, daß der Fabrikarbeiter August Döring aus Blitzenrod den Vorfall in einer Fabrik erzählt hat, wobei er den Namen des Lehrers nannte. Die Sache wurde dann in Wirtschaften breitgetreten und auch in besseren Kreisen wurde die Angelegenheit zum Gegenstand der Erörterung. Der Brauereo direktor Ludwig Trapp hatte den Vorfall einem Gericksts- aktuar erzählt und dieser brachte die Sache einem Gerichts- schreiber-Aspiranten. Da Letzterer die Sache weiter erzählte und sich ausdrückte, er glaube so lange an die Richtigkelt der Sache, bis ihm das Gegenteil bewiesen wird und da Trapp seinen Gewährsmann nicht nennen wollte, stellte der Lehrer außer gegen Döring als Urheber des Gerüchts, auch gegen Trapp und den Gerichtsschreiber-Ajpiranten Otto Walter, der am Amtsgericht Lauterbach tätig ist, wegen Beleidigung Strafantrag. Döring blieb bei der Vevhandlung dabei, er habe den Lehrer an den Kleidern ersannt, dagegen mußte als erwiesen angenommen werden, dass vollständig ausgeschlossen ist, daß der Lehrer in Betracht kommen konnte, was dieser auch eidlich in Abrede stelfte. In Anbetracht der hohen Schädigung des Beleidigten, dessen Existenz, Ehre und Familienglück auf dem Spiele mmo, erkannte das Gericht gegen den Urheber des Gerüchts, Döring, gegen den die Staatsanwaltschaft nur eine Woche Gefängnis beantragt hatte, auf einen Monat Gesangnâ die Weiterverbreiter des Gerüchtes, Trapp und Walther, gegen die von der Staatsanwaltschaft je 40 Mark Geldstrafe beantragt war, wurden zu je 100 Mark Geldstras verurteilt, wvbei ausdrücklich hervorgehoben wurde, oass der Lehrer makellos dastehe. _ ___-
Redaktion, Druck und Verlag von Albin Klein, Gießen.