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Rundschau vom Lage. ptiHMa.

Ordensverleihungen DerReichsanzeiger" gibt die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande an den Prin­zen Heinrich der Niederlande und die Nerleibung des Kro­nenordens erster Klasse an den Neichsbankpräsidenten Ha­venstein bekannt.

Keine Novelle zum Talousteneraesetz. Eine Novelle zum Talonsteuergesetz wird dem Reichstage nicht zugehen, da alle Gesellschaften, die sich im Sommer der Talonsteuer entzogen haben, sich bereit erklärt haben, die hinterzogenen Summen an den Fiskus nachträglich abzuführen.

Politische Friedensarbeit. Nach Berichten Berliner Blätter hat der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie im Herzogtum Altenburg und in der Ortsgruppe Düben des .Kreises Halle Versammlungen abgehalten, wobei Re­solutionen angenommen wurden, die sich für Beilegung der Zwistigkeiten unter den bürgerlichen Parteien aussprechen.

Eruteurlanb für Soldaten. Der Reichstagsabgeordnete Pauli-Cochem (Zentrum) hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, bei der Militärbehörde zu erwirken, daß den Söhnen von Landwirten und hauptsächlich von Winzern, die bei der Fahne weilen, ein Teil ihres Urlaubs währeno der Ernte, den Winzern zur Zeit der Traubenlese erteilt wird.

Die diesjährige Tagung des preußischen Lehrervereins wurde dieser Tage in Magdeburg abgehalten. Sie war von etwa 300 Delegierten besucht. Es wurde davon Kenntnis genommen, daß das preußische Staatsministerium um zeit­gemäße Aenderung des Disziplinargesetzes von 1852 ersucht wurde. Weiter wurde ein Antrag angenommen, wonach der preußische Lehrerverein die Staatsregierung ersucht, zu den Vorberatungen für die Verwaltungsreform auch Ver­treter der Lehrerschaft zuzuziehen. Hierauf beschäftigte man sich mit dem Leherbesoldungsgesetz, das insbesondere im Tarife für die Mietsentschädigung verschiedene Mängel auf­weise.

Ueber die Lage im Rnhrkohlenrevier erklärte der christ­liche Bergarbeiterführer Effert einem Vertreter derRhei­nisch-Westfälischen Zeitung", daß die Bergarbeiterschaft ei­nen für den Ausstand günstigen Augenblick abwarten werde. Es sei nicht ausgeschlossen, daß man eine Zeit wählen werde, in der die politischen Wogen hoch gingen und den Arbeitern Gelegenheit gegeben wäre, ihren Groll auch politisch zu be­kunden. Ein solcher Moment stehe in zwei Jahren bei den Neickstagswahlen bevor.

Die Verteuerung der Lebensverhältnisfe hat den Ver­band deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig veranlaßt, sich mit einem Rundschreiben an die Prinzipale und Direk­tionen der Handelshäuser zu wenden und unter Bezug­nahme auf die Verteuerung der Lebensmittel um die Ge­währung einer außerordentlichen Teuerungszulage für das kaufmännische Personal zu bitten. Dem Rundschreiben sind mehrere statistische Tabellen beigegeben, die nachweisen, daß die Gehaltssteigerungen mit der Teuerung bisher keines­wegs mitgegangen, teilweise sogar erheblich dahinter zurück­geblieben sind.

Eine offizielle Erklärung. Zur Beschlagnahme russischer Depots bei dem Berliner Bankhaus Mendelssohn & Co. schreibt die Nordd. Allg. Ztg. offiziös: Auf Antrag des Hauptmanns a. D. von Hellfeld ist vom Amtsgericht Berlin Mitte auf Grund eines Urteils des kaiserlichen Gerichts ht Tsingtau die Pfändung eines Guthabens der russischen Regierung bei dem hiesigen Bankhause Mendelssohn L Co. verfügt worden. Die russische Regierung hat gegen dieses von ihr als völkerrechtswidrig angesehene Verfahren Be­schwerde erhoben. Vom Ministerium der Auswärtigen An­gelegenheiten ist darauf, wie bereits früher in ähnlichen Fällen gegen den Pfändungsbeschluß der Kompetenzkonflikt bei dem hierfür zuständigen Gerichtshof erhoben worden. Uebrigens hat sich die russische Regierung bereit erklärt, die Ansprüche des Herrn von Hellfeld durch ein Schiedsgericht feststellen zu lassen.

Ein scharfes englisches Dementi. Zu den in der Presse auftauchenden Meldungen über ein angebliches dentsch-enali- fchcs Abkommen über die Rüstungseinschränkungen erfolgt fettens der englischen Regierung ein scharfes Dementi, in dem es heißt:Weder an die britische Regierung noch an

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Irrungen.

Roman von Karl v. Malden.

(Nachdruck verboten.)

Ehe er etwas weiteres sagen konnte, betrat Paula mit schwankenden Schritten und weitaufgerissenen Augen das Zimmer. Sie hatte alles mit angehört. Zuerst hatte sie bei der Kunde von Hermanna's gewaltsamem Tode mit der Anwandlung einer Ohnmacht kämpfen müssen. Endlich ver­mochte sie doch ihre Schwäche zu besiegen und die wenigen Schritte in das Nebenzimmer zu tun. Die Gerichtsbeam­ten erschraken vor dem Anblick des tödlich bleichen und da­bei bräutlich geschmückten Mädchens. Der Amtsgerichtsrat eilte der Schwankenden entgegen und führte sie zu einem Stuhle.Was geht hier vor?" fragte er betroffen.Wer sind Sie, mein Fräulein?"

Ich bin Paula von Roketoff!" erwiderte das junge Mädchen, sich ängstlich an einen Stuhl klammernd.Schützen Sie mich vor jenem Menschen, der durch einen geheueren Betrug den Fürstentitel erschlichen und"

un- hat

Ein heftiger Knall unterbrach Paulats Enthüllungen. Michaelowitsch der auf keine Rettung mehr hoffen konnte, hatte unbemerkt seinen Revolver hervorgezogen und gegen seine Brust abgedrückt. Laut stöhnend krümmte er sich nun in feinem Blute.

Der Amtsgerichtsrat schickte sogleich nach einem Arztes Inzwischen setzte er sich neben Michaelowitsch, der sich bei vollem Bewußtsein befand.

Seien Sie wahr in dieser ernsten Stunde!" sagte der Amtsgerichtsrat in einem sanft emahnenden Tone.Das Verbrechen an Hermanna belastet nicht als einzige Schuld Ihr Gewissen. Professor Nieburg ist durch Sie erschossen worden wir alle wissen es. Bestätigen Sie unsere Ueberzeugung durch Ihr Geständnis, und geben Sie einem fälschlich Angeklagten die Freiheit wieder!"

Man hat den Geh. Kabinettsrat des Mordes ange- klagt, nicht wahr?" stieß der Verwundete mühsam hervor. Frieden mit ihm! Ich pflegte nie Rücksichten zu nehmen, . sobald es sich um Befriedigung meiner Wünsche handelte. Ich ging meine Wege ohne mich zu bekümmern, wie viele Insekten dabei mein Fuß zertrat. Ich raubte und mordete, um zu genießen, nicht um den Anderen Schaden zuzufügen. Das war meine Lebensphilosophie, und meine letzte Hand­lung map dieselbe bestätigen. Her mit dem Schreiber dort, der Papierrolle so fest im Arme hält es gibt zu tun für ihn. Ich scheue mich nicht, laut auszusprechen, was; ich zu tun für gut befunden habe"

Und der Sekretär war auch hurtig bei der Hand, um das Geständnis des Sterbenden niederzuschreiben. Zwei Stunden später war ein Verbrecher weniger auf Erden. Paula trat mit den Kriminalbeamten die Rückreise nach W. an. Im Hause der Baronin wartete ein friedliches Asyl auf die vor Schmerz um ihren Pflegling Hermanna fast Sinnlose. Alex wurde in das Gefängnis geführt.

XXV.

Die Polizei vor der Wohnung des Geh. Kabinettsrates Feldbach war verschwunden. Statt der Unstern, bewaff­neten Manner belagerten elegant gekleideteDamen und vor-

irgend eines ihrer Departements ist auch nur ein Schim­mer von irgendeiner Anregung seitens der deutschen Regie­rung in dieser Angelegenheit heraugetreten. Und es scheint auch keine offizielle Neigung vorhanden zu sein, dieseAn­regung" als irgendwie wichtig anzusehen. In Londoner Re­gierungskreisen wird angenommen, daß die Berliner Nach­richt vermutlich keine überflüssige Erregung in den Kanz­leien Europas erregt haben wird."

Der Wiederansbrnch des marokkanischen Krieges. Als Ursache der neuerlichen Gärung unter den Küsteukabylen um Alhucemas wird die Einsetzung eines maurischen Gou­verneurs, die durch den Sultan geplant war, angenommen. Die Kabylen hielten die Spanier für die Anstifter dieser ihnen mißliebigen Maßnahme, Der Vorfall berührt in Madrid äußerst peinlich, da man den Wiederausbruch des Krieges befürchtet.

Gegen den Zopf. Der Bruder des Regenten in China Tsai Tao hat den Regenten ersucht, den Zopf und die chine­sische Kleidung abzuschaffen. Der Regent hat dies jedoch mit 5er Begründung abgelehnt, daß 5er Zopf eine patriotische Mandschuinstitution ist. Die Mutter des Regenten hat nun ihren Sohn überredet, wenigstens bei der Armee und der Gendarmerie mit der Abschaffung zu beginnen.

Politisches Attentat ht der Türkei. Aus Aemen gelangt die neue Schreckensnachricht nach Konstantinopel, der Gene­ral und Gouverneur dieser Provinz, Hassan Tahsim, wäre ermordet worden. Nähere Nachrichten fehlen noch: auch wird in den offiziellen Kreisen der Mord noch nicht bestätigt. Die Tat wäre vollbracht worden, einige Stunden nachdem Hassan Tahsim die Hauptstadt Sanaa verlassen, auf dem Wege zur Küste des Roten Meeres, als er seinen Urlaub antreten wollte.

Kleine D«»rldite»

Die Kaiserdeputation der Halloren ist in Berlin einge­troffen, um, altem Brauche gemäß, dem Kaiserpaar, dem Kronprinzenpaar, sowie den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses die Neujahrsglückwünsche der Salz­wirker Brüderschaft im Tal zu Halle a. S. zu überbringen.

Ein halbes Jahrtausend im Besitz derselben Familie be­findet sich ein rund 70 Hektar großer Bauernhof im Dorfe Borstel bei Pinneberg. Seit ca. 1400, wo ihn Eler Bahren- steker als Lehen erhielt, dessen Familienname später in Bornholdt umgewandelt wurde, ist er stets in den Händen von Nachkommen eines Eler geblieben und noch heute ver­waltet ihn die Witwe des letzten Besitzers namens Born­holdt. Die vorhandenen Urkunden über den Besitz gehen bis 1400 zurück.

1% Millionen Kilogramm Karpfen. Die diesjährigen Zufuhren an Silvesterkarpfen, die aus Schlesien, der Lau­sitz, Galizien, Frankreich usw. in Berlin eingetroffen sind, werden auf 1% Millionen Kilogramm geschätzt.

Eine französische Zeitung in Berlin. Unter dem Titel Journal d'Allemagne" erscheint vom I. Januar ab in Ber­lin eine französische Zeitung, von der die erste Probe­nummer erschienen ist. Das Blatt hat keine politische, son­dern nur wirtschaftliche Tendenz. DasJournal ü'Alle- magne" ist die erste französische Zeitung in Deutschland

Ein englisches Zeppelin-Luftschiff. In den Werken von Vickers in London geht das erste von der britischen Marine bestellte Luftschiff seiner Vollendung entgegen. Es soll dem Zeppelinballon nachgebildet sein.

Wieder ein falscher Sternickel. Die Meldung von der Verhaftung des Mörders August Sternickel, die gestern aus Neuwied gemeldet wurde, bestätigt sich auch diesmal nicht. Die als Sternickel verhaftete Persönlichkeit ist bereits ge­stern abend wieder ans der Haft entlassen worden. Schon unzählige Male glaubte man des Sternickel habhaft zu sein, aber immer vergeblich.

Der tote Großfürst. Der russische Kreuzer Vogatyr mit der Leiche des Großfürsten Michael an Bord, hat mit Er­laubnis des Sultans den Bosporus passiert. Der Sultan ließ durch einen Vertreter dem die Leiche begleitenden Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch sein Beileid aus­sprechen.

Zugzusammeustoß. Auf dem Rangierbahnhof in Glei- mit stießen zwei Güterzüge zusammen, wodurch mehrere Wagen aus dem Gleise geworfen und zertrümmert wurden. Ein Bremser wurde schwer verfett. Der Moteriakschciden

nehme Herren den Eingang zu dem traulichen Daheim des glücklichen Paares. Jeder wollte der Erste sein, oer dem Geh. Kabinettsrat und seiner schönen Gattin zu ihrer vollständigen Rehabilitierung in der Gesellschaft gratulierte und versicherte, er habe nie daran gezweifelt, daß die Un­schuld der fälschlich Angeklagten endlich doch an den Tag lammen müsse. Feldbach und Elisabeth hörten alle die überschwänglichen Komplimente mit einem heileren, zu­friedenen Lächeln an. Sie wußten am besten, daß selbst ihre nächsten Bekannten fest an ihre Schuld geglaubt hatten.

Zwei Tage nach der feierlichen Freisprechung Felo- bachs und Elisabeths fuhr plötzlich eine königliche Eguipage vor dem Hause des Schwergeprüften vor. Feldbach hatte vom Fenster aus seinen königlichen Herrn erkannt: er eilte ihm entgegen und führte ihn ehrerbietig in seine Wohnung. Ich hätte meinem gnädigen Gebieter schon meine Auf­wartung gemacht, wenn ich sicher gewesen wäre, empfangen zu werden!"

Eben von dieser Unsicherheit wollte ich Sie befreien, mein Ueber Geheimrat!" erwiderte der König gütig. Meine Richter haben sich geirrt in Ihnen, und ich muß bekennen, daß auch mich der böse Schein zum Zweifler an Ihnen machte. Ich habe also viel zu sühnen an Ihnen. Sie müssen entschlief) gelitten haben, und noch mehr diese hel­denmütige kleine Frau! Ich habe Ihnen eine Kleinigkeit mitgebracht, welche Sie an meine Bewunderung unb Ver­ehrung erinnern soll. Ihr König dankt Ihnen, daß Sw chn vor einer ewigen Gewissenspein bewahrt haben!"

O, Majestät ich verdiene von niemandem Dank!" stammelte Elisabeth, als ihr der König einen Brillantring von unschätzbarem Werte an den Finger steckte.Ich habe mir ja meinen Gatten, mein Glück erhalten."

Feldbach mußte dem König noch über die Details jenes verhängnisvollen Mordabends und seiner Haft Aus­kunft geben, und auch Elisabeth hatte so manche Frage über ihre Gedanken unb Empfindungen während ihres un­verschuldeten Kerkerlebens zu beantworten. Hierauf nahm der Monarch Abschied.

Wir bleiben doch die Alten in bezug auf Ihren Dienst bei mir, lieber Geheimrat?" Der König sagte es lächelnd. und lächelnd erwiderte der Geheimrat:Ich werde meinem gnädigen Gebieter niemals meine geringen Fähig­keiten vorenthalten. Aber Euer Majestät muß mir auch et­was Zeit für-den Dienst dieser kleinen Frau übrig lassen Ich muß sie ja vergessen lassen, was sie durch mich gelitten hat, und es ist mehr, als Eure Majestät zu ahnen vermag!"

* * *

Das Geständnis des sterbenden Michaelowitsch hatte nicht nur dem Geh. Kabinettsrat Feldbach Freiheit unb Ebre wiedergegeben, es bezeugte auch, daß Paula die Toch­ter und nun allein noch lebende Erbin des verstorbenen Fürsten Iwan v. .Roketoff war. Alle die ausgedehnten Besitzungen ihres Vaters in Rußland fielen demnach samt einem ungeheueren Barvermögen der jungen Waise anheim. Aber Paula, in einfachen, ja ärmlichen Verhältnissen aus­gewachsen, fühlte sich durch diesen unübersehbaren Reich­tum eher beängstigt als beglückt. Namentlich gewährten ihr die Besitzungen in Rußland nicht die geringste Befriedigung.

ist bedeutend. Die Ursache des Unfalles war falsche Signal« stelluug.

Verhaftete Falschmünzerbande. Die Essener Polizei hob eine aus sechs Personen bestehende Einbrecher- und! Falschmünzerbande aus. Bei ihrer Verhaftung kam es zu einem harten Kampf zwischen Beamten und Verbrechern.

Die Leide« eines Deserteurs. Gestern morgen fanden NotstandSarbeiter in Straßburg in einem Abort einen Soldaten der 11. Kompanie des Württembergischen Infan­terieregiments 126 halb verhungert und erfroren auf. Er gab an, sich am Dienstag von seinem Truppenteil entfernt zu haben in der Absicht, sich das Leben zu nehmen. Der Sol­dat ist gebürtig aus Zuffenhausen bei Stuttga-t.

Einbruch ist ein Gefängnis. Im Ruhrorter Amts­gericht wurde in der vergangenen Nacht ein verwegener Einbruch verübt. Die Diebe gelangten nach Uebersteigen des Eisenzauns durch das Klosettfenster im Frauenavteil in das Gebäude und öffneten mit einem Dietrich das Zim­mer des Gefängnisinspektors. Hier stahlen sie eine Kassette mit 280 ^ Inhalt und zwei Taschenuhren. Von den Tätern fehlt jede Spur.

23 Personen ertrunken. In einer Ortschaft in der Nähe von Karlowitz in Böhmen wollten, wie jetzt bekannt wird, am Weihnachtstage 35 junge Leute zur Weihnachtsmette gehen, wobei sie über einen Fluß setzen mußten. Der Kahn geriet ins Schwanken, lief voll Wasser und sank. 23 Per­sonen fanden den Tod in den Wellen, die übrigen wurden gerettet.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Die Ausstellung des Deutschen Künstlcrbundes in Darmstadt 1910 ist gesichert, nachdem sich der Großherzog bereit erklärt hat, die von dem Künstlerbund verlangte Kaufgarantie von 25 000 ^ zu übernebmen. Die Ausstellung wird voraussichtlich Mitte Mai eröffnet werden und bis Ende Oktober dauern. Sie wird ausschließlich Gemälde und Plastiken umfassen, da zu gleicher Zeit eine Ausstellung von Graphiken in Hamburg stattfindet. Die Ausstellungs­räume auf der Mathilöenhöhe sollen durch Prof. Albin Müller hergerichtet werden. Mährend der Dauer der Aus­stellung sind intime gesellschaftlich-musikalische Unterhaltun­gen geplant. Der Jury der Ausstellung gehören u. a fol­gende Künstler an: Graf Kalckrenth, Habermann Uhde< Stuck, Slevogt, Liebermann, Klinger.

M§ den Kerichtssälen.

Ein wahrer Musterfall von Korrumpierung durch Schundliteratur hat sich in Beuthen zugetragen. Den ver­brecherischen Einfluß der Schunölektüre hat sich der wieder­holt vorbestrafte Bergarbeiter Slomka in Beuthen zunutze gemacht, um eine Art Diebesbande zu bilden und dadurch ein sorgenfreies Leben zu führen. Er machte sich an den Lehrling Guzy heran, der erst 15 Jahre alt war, und schenkte ihm eine Anzahl der Nick Carter-Geschichten, die die Phan­tasie des jungen Burschen aufregten, so daß er bald so weit war, es den Helden dieser Geschichten gleich tun zu wollen. Slomka leitete ihn nun regelrecht an, Einb'-nchsdiebstähse zu begehen, von deren Erlös beide ein fröhliches Leben führen könnten. Der junge Mensch beging denn auch einen Einbruchsdiebstahl, bei dem ihm eine ganze Reihe von Gegenständen in die Hände fiel. Die gestohlenen ©egen* stände wurdenverschärft" und Guzy erhielt von Slomka das Lob, daß er es noch einmal zu einem tüchtigen Räuber­hauptmann bringen werde. Inzwischen hatte Guzy die Schundbücher zweien seiner Freunde, einem Wagenbauer und einem Gärtnerlehrling geborgt und sich diesem gegen­über mit dem Lobe des Slomka gebrüstet. Infolgedessen wurden nun auch diese beiden vom Ehrgeiz gepackt, es Guzy gleich zu tun. Beide organisierten zusammen mit Guzy verschiedene Einbrüche, deren Erlös wieder zu Slom­ka wanderte. Die Verhandlung ergab die Schuld der An­geklagten. Slomka erhielt als Anstifter 3 Jahre Zuchthaus, die drei jungen Leute 5 bezw 3 Monate Gefängnis. Außer­dem erhielten noch zwei Hehler 1 bezw. 2 Monate Ge­fängnis. Die verführten jungen Leute wurden vorläufig ihren Eltern übergeben.

Sie wollte die Baronin nie wieder verlassen, in der sie eine schützende Freundin, ja eine zweite Mutter gefunden hatte. Die Sympathie des Schmerzes vereinte die im Alter so ungleichen Frauen. Beide hatten ja einen herben, einen unersetzlichen Verlust zu beweinen. Einem groß­mütigen Gefühle folgend und auf die Genehmigung gestützt, die der Familienrat zum voraus ausgesprochen hatte, schenk­te Paula ihre russischen Besitzungen an den Fürsten Arnold und dessen minderjährigen Bruder. Fürst Arnold sollte auch das fürstliche Majorat übernehmen damit der Name der Rokeloffs uichtausstarb. Fürst Arnold erinnerte sich mit Rührung an das kleine bleiche Mädchen, welches ihm einst das falsche Brillantkreuz in die Hand gedrückt hatte, als ihm die überraschend freigebige Schenkung zu seinen Gun­sten kund wurde. Er wollte der großmütigen Verwand­ten persönlich seinen Dank aussvrechen. Kaum hatte er das Majorat a ngetreteit und üüch Ungelegenheiten seines jüngeren Bruders geordnet, als er in Begleitung seiner Mutter die Reise nach Deutschland antrat.

Paula empfing ihre Verwandten im Hause der Ba­ronin mit Herzlichkeit. Als der Fürst Arnold, seine Rechte als Vetter benützend, sie feurig auf Mund und Wangen küßte, überzog sich ihr reizendes Antlitz mit einer hohen Purpurröte, und ihr Herz schlug mit einem seltsamen, un­gewohnten Ungestüm. Aber auch in dem jungen Fürsten brachten diese reinen verwandtschaftlichen Küsse eine be­deutungsvolle Revolution aller seiner Empfindungen her­vor. Er fühlte, daß er das Mädchen, welches für ihn ge­boren war, gefunden hatte, und daß sein Schicksal ihn hieß, an ihr festzuhalten fürs ganze Leben. Und ehe er nach fast zweimonatlichem Aufenthalt in Deutschland die Rück­reise antrat, da war er schon vertraut genug mit Paula, um ihr ins Ohr flüstern zu können:Ich gehe, mir meine Sporen und eine ehrenvolle Stellung als Soldat zu er­ringen, denn etwas mag ich doch aus eigenen Kräften tun und nicht alles deiner Großmut verdanken, Kirsine! In einem Jahre aber komme ich wieder. Und wenn du mir treu geblieben bist und mich noch lieb hast, dann werden wir Mann und Frau!"

Und ob ihn Paula noch lieb hatte, als er schon nach zehn Monaten als junger und mit einem Orden ausge­zeichneter Oberoffizier wiederkam! Sie wartete diesmal nicht ab, bis er sie küßte sie lief ihm errötend ent-, gegen und schlang ihre Arme liebkosend um seinen Hals. Drei Monate später folgte sie ihm als Neuvermählte in die russische Heimat. Als Paula mit ihrem Gatten auf der nordwärts führenden Landstraße dahinfuhr, sah sie Ga­leerensträflinge an der Vertiefung des Ablaufsgrabens ar­beiten. Mit einem tiefen Schauder erkannte sie unter ihnen Alex, ihren Kerkernwister in dem Walddorf N., HermannaS unfreiwilligen Mörder. So büßte der Bursche ein Ver­brechen ab, zu dem ihm sein Herr durch eine ungeheuere Versuchung aufgestachelt hatte. Vielleicht dachte er an An- nuschka die er nimmer Wiedersehen sollte, als er mit finsteren Blicken unter seinen Unglücksgefährten die schwere Grabschaufel führte. Paula schmiegte sich scheu an die Schulter ihres Gatten. Der finstere Schatten der Ver-. gangenheit war zum letzten Male mahnend vor die Sonne ihres Glückes getreten. Von da ab gab es nur mehr Licht und Segen für sie im Leben.

Ende.