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Är. 305

Samstag, den 29. Dezember 1906

15. Jahrgang

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genest e Nachrichten

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Nnathängize IagesMung

(Gießener Aeilnng)

fee Kreise Marbrrrs und Wetzlar; LskAlanzeiser für Gießen und eèllmM^^ Grichh. Bikzerrueisterei Gießen, Hes G^ßh. Polizei»mtes Gießen unb anderer Behörden von O

Die Rekbstagswabkn

Die Reichstâgswahlbeweg«ug

in

ist nach der kurzen weihnachtlichen Unterbrechung ein noch lebhafteres Tempo getreten. Je länger der

Dnhlkampf dauert, um so größer werden leider vielfach die Schwierigkeiten, die sich einer doch so dringend j nötigen Verständigung aller bürgerlichen nationalen Sorteien entgegenstellen. Zu den Klagen dec Rechten über nationalliberale Einbrüche in konservative Wahl- .jftenfe gesellen sich solche auS den süddeutschen Bundes­staaten, die jeden Versuch einer Bekämpfung der schwarz» roten Mehrheit durch die nationalen Parteien für aus- ^jWslos erklären.

Etwas ganz ungewöhnliches hat der gegenwärtige jÄihlkampf im Wahlkreise Pyritz.Saatzig gezeitigt. Der >Di tige antisemitische Pfarrer a. D. Krösell, der den Wihlkreis bisher im Reichstage vertrat, wurde nach einer Erklärung des Fraktion-Vorsitzenden der Wirt- ? gastlichen Vereinigung deS alten Reichstages, Lieber- iionn von Sonnenberg, aus der Fraktion der Wirt- sch«ftlichen Vereinigung ausgeschlossen und soll im Full ' seiner Wiederwahl in die Fraktion nicht wieder auf- Étiiommen werden.

Hessen und Hessen-Nassau.

Friedberg. Die Nationalliberalen des Wahlkreises ß8ri.edberg.Budingen beschlossen einstimmig für den bis­herigen ReichStagsabgeordneten Grafen Oriola^Büdes- Heim einzutreten, der auch vom Bund der Landwirte llusrgestellt ist.

Wetzlar. Die Konservativen werden schon im ersten vühlgange für den nationalliberalen Krämer eintreten.

Dillenburg. Im Dill- und Oberwesterwaldkreise hehen bis jetzt folgende Kandidaturen fest: Dr. Burckhardt- Godesberg (christlich-sozial), der bisherige Inhaber des Mandats, und Amtsrichter Dr. Lohmaun-Weilburg (naitonaHtberal.)

Für den Wahlkreis St. GoarshausemMontabaur haben die Sozialdemokraten VetterS-Gießen, für Mar­burg Rob. Dißmanu-Frankfurt als Kandidaten aufgestellt.

* Lieser Wahlkreis ist eine Zentrums-Domänie.

Rorddeutschland.

BouU'Rheinbach. Als nationalliberaler Kandidat Mrde Exzellenz Hamm aufgestellt. Der Wahlkreis purde bisher durch den Zentrumsabgeordneten Spahn vertreten.

SiegemWittgensteiu. Außer Hofprediger Stöcker i mristlich-soz.), kandidiert Gewerke Jokob Kreutz (nat.-lib.) ! für die Freisinnigen kandidiert Arbeitersekretär Ziegler

M ^ ~ Süddeutschland.

Aus Baden. Die Konservativen des 5. badischen Wahlkreises Freiburg-Emmendingen-Waldkirch haben Ilh für die Kandidatur Obktrchen (nat.-lib) gegen das ientrum erklärt. Für die Sozialdesokraten kandi- leren: im 1. Wahlkreis Malermeister Kroh n^ Konstanz, n 2. Wahlkreis Schuhmacher GrahbTriberg, im l Wahlkreis Sattler Müller-Schopfheim.

Karlsruhe. Der in Offenburg abgehaltene außer- i tldentliche Parteitag der badischeu Sozialdemokratie hat ne Resolution angenommen, wonach der Wahlkampf nit gleicher Schärfe gegen alle bürgerlichen Parteien führen sei.

Aus Unterkonten. Im Wahlkreis Schweinfurt- Mfurt Ebern wurde von den Liberalen Rechtsanwalt 1 Werner-Schweinfurt, im Wahlkreis Neustadt a. S. jiffinger-Brückenau von den Liberalen und Demokraten tabrat Varon G. Truchseß in Bundorf aufgestellt.

militärisch-politische Streiflichter.

Wie »erhält e« sich «it dem Schlagwort MarimsmaS?

Ein gesch- Lehrer unserer Zeitung schreibt uns Aarmber:

Als vor kurzem im Reichstage anläßlich der An- fioge des Abgeordneten Bassermann unsere allgemeine Mit. Lage, u. a. unser Verhältnis zu England erörtert müde, ließ die äußerste Linke wieder den Vorwurf er» wem, daß die Vermehrung unserer Flotte von England tlä eine gegen sich gerichtete Drohung angesehen werde. Lenngegenüber seien zwei Stellen aus Reden englischer Lmatsmänner ersten Ranges angeführt, von denen

mindestens der eine Lord Balfour der Präsident des letzten konservativen Ministeriums, in dem Rufe steht, unserem Vaterland nicht besonders hold zu sein. Beide Reden wurden bei Besprechung deö Abrüstungs- antrages des jetzigen liberalen engl. Ministeriums, der auf der Haager Konferenz behandelt werden soll, gehalten.

, LordGoschen, früher wiederholt Minister liberaler Kabinette, mindestens einmal Marineminister, führte im Oberhause aus:Nicht aus eitler Prahlerei, sondern aus Notwendigkeit vermehren Deutschland und die Vereinigten Staaten ihre Seemacht. Die Haager Konferenz wird diese Notwendigkeit nicht leugnen. Mache man doch das Volk nicht weis, daß eine einfache europäische Konferenz genüge, uns zu erlauben, uns jeder militärischen Anstrengung zu enthalten. Es ist nicht die Rolle eines ersten Ministers, dem Lande den Glauben an das Hirngespinst beizubringen zu suchen, daß eine Konferenz in dem Haag die Rüstungen hem- men würde."

Lord Balfour sagte:Ich glaube nicht, daß die in dem englischen Marinebudget angesetzte Minder- auSgabe einen Eindruck auf die Konferenz machen wird. Wie werden Sie ihre Aufrichtigkeit beweisen? In­dem Sie sagen: Es ist richtig, daß wir unsere mili­tärischen Ausgaben vermindert haben; aber wir haben unser Heer um 50% stärker gemacht. Wir haben unsere Ausgaben für die Flotte vermindert; aber unsere Admirale versichern uns, daß wir selbst nach diesen Verminderungen immer noch am stärksten sind. Wie sollen die fremden Diplomaten, die sich nach dem Haag begeben, diese ganze Geschichte glauben. Das ist ein­fach absurd."

Unser politisches Leben ist so vergiftet, daß in ge­wissen sehr großen Kreisen die Aussagen unserer Autoritäten siehe Reichstagsauflösung entweder als falsch zurechtgestutzt oder mindestens als zweifelhaft angesehen werden, wennn sie gerade nicht in den Kram passen. Was sagen unsere über MarinismuS schimpfenden Kreise zu diesen Worten fettetet englischer Parlamentarier, denen man nach ihrer ganzen Ver­gangenheit nicht unterstellen wird, daß sie im Sinne hätten, den Ausbau unserer Flotte in chauvinistischer Weise zu fördern? Sind diese beiden Staatsmänner als engl. Patrioten etwa verletzt durch unsere Bestrebungen, unsere Marine den eigenen Bedürfnissen ent­sprechend auszubauen?

In dem PariserMatin" setzt der französische Chefingenieur der Marine Laubeuf auseinanderund unterstützt seine Worte durch Schiffe in relativen Größen, d ß die engl. Flotte 1910 noch so groß sein wird, als die Flotten Frankreichs, Rußlands und Deutschlands zusammen. Er kommt zu dem Schluß: Es ist uns also völlig unmöglich, in dem Haag ein Jnnehalten in unseren Schiffsbauten anzunehmen.

Wie steht es bei uns?

Politische Rundschau.

Deutsches Reich»

. , * ^n gemeinschaftlicher Sitzung berieten die Mitgliedei ves Braunschweiger Regentschaftsrates und die staatsrechtliche Kommission über die Thronfolgestage für das Herzogtun Braunschweig. Das Schreiben des Herzogs von Cumberlani vom 15. Dezember, in dem dieser seinen Standpunkt dar. Ä^ eingehender Erörterung unterzogen. Bestimmt« Beschlupe wurden nicht gefaßt, vielmehr soll jede Körperschaft gesondert sich über die weiteren Maßnahmen klar werden.

* Aus Anlaß der bevorstehenden Neuwahlen zum Reichs- tag erließ der Preußische Landesausschuß für Fraucn-Stimm- recht einen Aufruf an die preußischen Frauen, in dem inest 2Vm Interesse für die Wahlen aufgefordert werden. Der Austuf will keine politischen Direktiven geben, da der Aus- schütz für Frauen-Stimmrecht den Parteien, den liberalen wie konservativen, den sozialdemokratischen wie den klerikalen offen stunde. Aber die Frauen im allgemeinen werden ersucht ein­zutreten für folgende spezielle Forderungen:Einführung der obligatorischen Fortbildungsschule für alle Knaben und Mäd- freies Vereins- und Versammlungsrecht, allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht auch für Frauen." Das seien Kulturforderungen, zu denen sich jeder frei und gerecht denkende Mann bekennen müßte.

Russland»

** Es scheint sich zu bestätigen, daß neue Schreckenstaten geplant sind. Die sozialrevolutionäre.Partei hob durch über-

wiegende Srimmenmschrheit den anfänglichen Beschluß, ßch während der Dumawnhlen terroristischer 51 he zu entölte*, Dtt, da diese unter den bestehenden Verhältnissen das einzige Kampfmittel gegen die Regierung seien. Gleichzeitig will man in Helsingfors ein Komplott entdeckt haben, das zwischen der Mannschaft eines im Hafen liegenden russischen Kriegsschiffs und den finnischen Revolutionären ausgeheckt wurde. Die Revolutionäre beabsichtigten die Stadt zu bombardieren und zu besetzen, um dort eine Kommune zu proklamieren.

** In Polen hat ein erfolgreicher Raubanfall auf einen ' Bahnhof stattgefunden. Eine bewaffnete Bande bemächtigte : sich der Bahnstation Miedzyrzec, sprengte den Kassenschrank mit Dynamit und raubte 2000 Rubel. Es gelang den Tatern ( zu entkommen. Durch die Explosion wurde der Statius- j raum und der Telegraph vernichtet, verletzt wmbe niemand.

Ferner liegen folgende Meldungen vor: 3

Petersburg, 28. Dezember. Auf Grund einer Mwtci» fnd)ung wegen Waffenschmuggels an der, rurnünisch-rnffischo« * Grenze wurde Fürst Sulchowsky unter dem Verdachte, mit den Revolutionären in Verbindung zu stehen, verhaftet. J n

Omsk, 28. Dezember. Der Gouverneur des Gebie ^s Akmolinsk, Generalmajor Litwinow, ist in der Nähe Regierungsgebäudes von zwei Unbekannten gelotst wk ^.^ frankrctch»

** Eine neue Phase im Kirchenkampf bildet da g <5t>ftC&. m geben des Episkopats in bezug auf die Seminare. I ^ ^eM j ^ Fortbestand zu sichern, beschloß Kardinal Richard § ch reiche Provinzialbehörden die geforderten Forme ^tatea in erfüllen. Die Seniinardirektoren werden auf ^Tnnb des a Gesetzes von 1875 bei der Unterrichtsbehörde d 1 b^tre^ub die Eröffnung einer höheren Un' ^idttsonfklt 4 abgeben. ' j

Hfriha. I - ** Tatsächlich scheint der Sultan von T » T n.»eMte r ^ Versuche zu machen, die Ordnung Herzusicllr /' ^iegsmiâr<^ I Gebbas ist in Tanger eingczogen und ^ den Bichm^t. " der bis dahin von Leuten Iraisulis Den ^cht wurde betetenifcp ' lassen. Raistills Seute haben sich ohne , ^ßi^f. ^h^utft turi'cf-.7 ^ gezogen. Die marokkanischen Beamt ^klären, daß in/ d 1 wenigen Tagen alles >n Oroiiung sc^ werde. Sinifufi foß/ t 5 bereits offiziell seines Postens als Goi â'rueur evthobe» feu^ Z D mr-n. 1.?<

^^ Der englischen Regierung bereitet Hie Sorge/vm'i z ihren kostbarsten Kolonialbesitz gegen bärtig viel Kopfzerbrechen.- ) Die nationale indische Bewegung macht sich stärker xw jen ä k bemerkbar rmd scheint sich jetzt âe bestimmte Organisation 3 * geschaffen, zu haben. In Kalkutta ^â der indische National-l-I kongreß eröffnet. Die am ersten L^rhandlungstagc gchaltenerr 'S Reden gaben der den England mt feindlichen Stimnning des 5 VersammeUeu lebhaften Ausdri ^ Der Vorsitzende Naor^-schj rief zur träftigsten Agitation /behufs Erlangung der Selbst- 1 rtgimmg für Indien auf. / J

Kleine pditifdie JSacb richten»

Brâ, 28. Dezember/. Infolge Kenterns eines Segel­boots ertranken in der Lüderitzbucht (Südwestafrika) bm Hntcrcffi^cre und ein Rc/iter von der Schutztruppe.

D«»O»dt, 27. Dezember. Das Staatsministerium hat m ben »öâjähmgen Sttaatsetat eine Million Mark für Er­höhung der Behälter der hessischen Volksschullehrer eingestevt.

Tecklsiburg, 28. Dezember. Im nächsten Jahre hat die Grafschaft Tecklenburg die 200jährige Jubelfeier der Zu­gehörigkeit zu Preußen. Aus diesem Anlaß finden große > Vcr-anstaltungen statt. Der Kreistag bewilligte 10000 Mark für Ausschmückungszwecke.

Trieft, 28. Dezember. Ueber 6000 Personen veranstaltete« große Straßendemonstrationen für das allgemeine Wahlrecht.

Konstantinopel, 28. Dezember. Infolge der letzten Matroseruneuterei ist der Kommandant des Dardanevle»-> geschwaders, Admiral Hassan Rami, an Stelle Dschelal Paschas! zum Marineminister ernannt worden. . 1 <

In Gis und Schnee.

Der Winter hat Heuer mit außerordentlicher Heftigkeit eingesetzt. Nicht nur in Deutschland ist der Dahnverlehr und, die Schiffahrtsverbindung überall gehemmt, auch aus dem Auslande laufen fortwährend Meldungen ein, nach denen Schnee und Eis die Wege unpassierbar machen und Menschen und Schiffe in Not bringen. Mehrere Unglücksfälle find durch den anhaltenden Schneesturm verursacht worden.

Besonders stark ist die Schweiz heimgesucht worden, in der seit mehreren Tagen furchtbarer Schneesturm herrscht. Die Bahnen im Juragebiet sind unterbrochen, die Posten im Schnee stecken geblieben und Hilfskolonnen sind abgegangen,. um sie aus der fatalen Lage zu befreien. Der Zug Mailand Lausanne blieb in St. Moritz stecken. Die Reisenden und die Post wurden mit zwei Stunden Verspätung mit Expreßzug befördert. Der Expreßzug ParisMailand gelangte nur bis Pontarlier. Der Nachtschnellzug MünchenSt. Gallen, Zürich batte bis St. Gallen sieben Stunden Verspätung, Der