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Freitag, den 28. Dezember 1906

15. Jahrgang

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Gratisbeilage« : Qberhefstfche Aa»ilie«zeit»«g (tLglW und die «1ede«er Eeife«blase« (wöchentlich).

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(Gießener Ungevkutt)

Auabhängige Tageszeitung

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für Obrrhrffeu und die Krche Marburg und Wetzlar; Lökalattzeiger für Gießen und Umgebung.

EnthtÜt alle «ntkcheu BekamUmachuigen der Grohh. Bürgermeisterei Gießen, des Sroßh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oderhessen.

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Die Reich$iag$wablei.

Der Evangel isch e Bund hat eine Kund- grbung, die auf die Reichstagsauflösung und die be­vorstehenden Neuwahlen Bezug nimmt, veröffentlicht. R Die Kundgebung fordert dazu auf, die Säumigen I zu veranlassen, ihr Wahlrecht auSzuüben.Viel zu Diele hoben bisher aus Unmut, und Kleinmut ihre i Stimme nicht in die Wagschale geworfen, jetzt ist es eines jeden unabweisbare Pflicht, ffein Wahlrecht aus- zurüben Zehn entschlossene Männer können Hunderte nur Pflichterfüllung führen, darum soll niemand am klltschcidundstage fehlen." Ferner wird auf die Not- ||kenbi gleit der Einigung^und der Ueberwindung dts zersetzenden FraktionSegoiSmus hingewiesen. Im bevorstehenden WatzVkampfe handle es sich nicht um fümfefftonette, sondern um nationale Fragen.

Die Stichwohlparole des Zentrums wird von der .Köln. Volksztg." dahin auSgegeben:Keinem Sozial- dl molraten und keinem NationaUiberalcn eine Stimme." 2 atz ultramontane Blatt meint, wenn sich die i nutionalliberale Partei in Stichwahlkämpfen zwischen 1 Zentrum und Sozialdemokratie enthalte wie die i Zentrumspartei es bei Stichwahlen zwischen National- : liberalen und Sozialdemokraten tun müsse und tun ' n> erde, so könne die Zentrumspartei ihre sämtlichen , N^andade siegreich gegen den sozialdemokratischen An­sturm verteidigen. Außerdem wird im Vertrauen auf ; bas schwache Gedächtnis der Zentrumsschäfchen etliches ! bon derdiametral entgegengesetzten Weltanschauung" j von Sozialdemokratie und Zentrum 'gefabelt. Dieser augeblich so kolossale Gegensatz hinderte seinerzeit aber nicht das schwarz-rote Bündnis in Bayern, die berühmte IerbrüderungSszene zwischen dem würdigen Geistlichen ^at Schädler und Herrn von Vollmar, also werden sich die feindlichen Brüder wohl auch diesmal finden; d<nn sie gehören zusammen und sind einander wert. Den rationalen Parteien kann das nur recht sein, denn es klärt die Situation und weckt die Indolenten aus zu zähem geschlossenen Kampfe gegen den gemeinsamen lchwarz-rotcn Feind!

Beamtenfang sucht das Zentrum zu treiben. In einem ArtikelBeamtenschaft und ReichstagSwahl" gibt ! dieKöln. Volksztg." Ausführungen derDeutschen Postzeitung" wieder, die namentlich im Hinblick auf die Fleischteuerung eine Besserstellung der Beamten fordern und von einsten Erwägungen der Beamten bei den Züahlen sprechen. Sie rühmt im Anschluß baran die Sparsamkeitspolitik des Zentrums und empfiehlt dies ben Beamten als die für sie geeignete Partei. Auf den Köder werden die Beamten aber jedenfalls nicht beißen.

Der Studentenverband der Universität Kiel hat an die deutsche Studentenschaft einen Ausruf erlassen, in dem es heißt: Der Reichstag ist aufgelöst. Wie wird er beschaffen sein, wenn er wieder zusammentritt? Noch gilt es einen schweren Kampf zu bestehen, ehe deutscher Geist wieder einziehen wird in unjer Vaterland. Der - .Kampf wird gerichtet sein.gegen Zentrum und Sozial­demokratie. Nicht gegen unsere deutschen Mitbrüder katholischen Bekenntnisses wird er sich wenden. Das kann nicht genugsam hervorgehoben werden. Zum Schluß heißt es: Schon zu lange sind unsere deutschen Hochschulen vom Leben unseres Volkes ferngeblieben. Als Fichte an der Berliner Universität seine Reden an die deutsche Nation hielt, war es anders. Damals galt es Deutschlands Befreiung vom Jsch der Franzosen, einen nicht geringeren Feind gilt es heute zu bekriegen Sozialdemokcatie und Zentrum.

Hessen und Hessen Nassau.

Darmstadt. Nachdem eine Einigung über einen ge­meinsamen liberalen Kandidaten im Wahlkreise Darmstadt- Groß Gerau unmöglich geworden ist, haben die National- liberalen als eigenen Kandidaten den Landtags-Abg. Dr. Osann II. aufgestellt. Die Freisinnigen bringen be­kanntlich wieder die Kandidatur Korell. Bei den Einigungsverhandlungen handelte es sich, so schreibt das offizielle Regierungsorgan, dieDarmst. Ztg.", übrigens nicht allein um den Wahlkreis Daimftadt- Groß-Gerau, sondern um alle hessischen Wahlkreise. Sechs davon (Worms, Offenbach, Bensheim, Friedberg, Gießen, Lauterbach) sind in nationalliberalem, einer (Bingen) in freisinnigem Besitz. Bei den Verhandlungen betonte dec Vertreter der Nationalliberalen die prinzipielle Geneigtheit eines einheitlichen Vorgehens und erklärte insbesondere bezüglich Darmstadt-Groß-Gerau, daß die Nationalliberalen von einer Parteikandidatuc absehen wollten und einen unparteiischen Dritten als Kandidat annehmen würden; es wurden insbesondere Landtags­abgeordneter Noack und Professor Kissinger von national­liberaler Seite genannt. Der Vertreter der Freisinnigen, Justizrat Gallus, sagte, daß man sich auf eine Ver­handlung bezüglich der Wahlkreise Worms und Fried­berg nicht einlasse; die Freisinnigen würden unter keinen Umständen für die Vertreter dieser Kreise, £?$! und Oriola« etn treten. Bezüglich des Wahlkreises Gießen be­halte man sich Stellungnahme vor; bei dem Verhalten Heyligenstaedts in der Frage der Verkehrssteuern werde ihm voraussichtlich ein freisinniger Kandidat eutgegengestellt werden müssen. Bezüglich Darmstadts wurde von den Freisinnigen auf einen Beschluß ihres Landesausschusses verwiesen, nach welchem unter allen Umständen Pfarrer Korell aufzustelleu sei. Weiter sollten die National­liberalen den Freisinnigen Schmidt bereits im ersten Wohlgange unterstützen, dann könne man sich über die Wahlkreise Alsfeld und Bensheim vereinigen. Nach allem diesem scheint es, so fügt dieDarmst. Ztg." noch hinzu, den Freisinnigen mit der Einigung nie ernst gewesen zu sein. Die Deutsche Neformpartei (Deutsch-soziale) in Darmstadt beschloß, für den national- liberalen Kandidaten Dr. Osann II. einzutreten.

Weilburg. Hier kandidiert Buchsieb (nationalliberal).

Norddeutschland.

Der Ausschuß der nationalliberalen Partei West­falens erklärte sich mit der Unterstützung der Freisinnigen in den Wahlkreisen Hagen und Altena einverstanden unter der Bedingung des Eintretens der Freisinnigen für die nationalliberalen Kandidaten in den Wahlkreisen Halle i. W.-Herford, Hamm-West, Bielefeld-Hörde, Bochum und Siegen.

Die Nationalliberalen stellten im Wahlkreis Kreis und Stadt Krefeld den Verleger Bacmeister-Elberfeld auf.

Die vereinigten Liberalen proklamierten im Wahl­kreise Weener-Emden Garrels (Frs. Vgg) gegen die Kandidaten der Konservativen und der Sozialdemokraten.

In einer in Otterndorf abgehaltenen Versammlung des Bundes der Landwirte wurde der Direktor des Bundes Dr. Diederich Hahn, gegen den bisherigen nationalliberalen Abgeordneten Böttgec als bündlerischer Kandidat aufgestellt.

Für Gotha ist heute der Erbprinz Ernst zu Hoheu- lohe-Langeuburg als gemeinschaftlicher Kandidat der bürgerlichen Parteien aufgestellt worden.

Friedrich Naumann wird in Liegnitz anstelle von Pohl (freis. Volksp.) kandidieren.

Staatsminister v. Podbielski wird von den Konser­vativen als Reichstagskandidat für die Ostpriegnitz auf­gestellt.

Das Wachstum der sozialdrmokratischen Stimme«: seit 1878. ___________

Süddeutschland.

Der Bund der Landwirte hat auf einer Konferenz des Landesvorstandes der Pfalz für den Wahlkreis Kaiserslautern den zweiten Bundesvorsitzenden Dr. Röficke- Görsdorf und für den Wahlkreis HomburgKuscl den bisherigen Vertreter, Gutsbesitzer Stauffer 2., aufgestellt.

Die Unterwerfung der Bondelzwarts.

Eine gute Weihnachts-Botschaft kam noch rechtzeitig zum fröhlichen Beschluß des Festes aus Süd-Westafrika. Die Nachricht von der Unterwerfung der Bondelzwarts war ebenso erfreulich wie überraschend. Jahrelang haben die kriegerischen Eingeborenen dieser Stammesgenosscnschaft unseren Truppen heftigen Widerstand entgegengesetzt. Jetzt sahen sie das Nutz­lose ihres Beginnens ein und haben die Waffen niedcrgelcgt.

Ihr Anführer Iohannes Christian, der sich mit 155 Mann und 124 Gewehren in Heirachabis dem Oberstleutnant v. Estorff ergab, dürfte mit seinem Entschluß den Anstoß zu weiteren Unterwerfungen geben, zumal die aus britischem Gebiet zurückkehrenden einzelnen Bondelzwarts in die Kapitulation einbezogen sind.

Gute Aussichten.

Die günstige Nachricht aus dem kampfdurchtobten Am- standsgebiet ini fernen Südwest-Afrika wird sicherlich überall im deutschen Vaterlande befriedigt ausgenommen werden. Seit dem Jahre 1903 haben gerade die Bondelzwarts den deutschen Truppen schwere Verluste beizubringen gewußt. S> bildeten unbestritten die Kerntruppe der Aufständischen. Un-.somehr ist ihre Unterwerfung zu begrüßen. Einzelne Banden von anderen Stämmen unter Führern wie Simon Copper und Fielding stehen zwar noch im Felde, doch wird ihre Widerstandskraft aller Wahrscheinlichkeit nach nun nicht lange mehr vorhalten. Die Unterworfenen sollen bei Keet- manshoop und Kalkfontein Lokationen erhalten und dort unter militärischer Aufsicht in Lagern gehalten werden. Die Durchführung der Unterwerfungsbestimmungen wird noch einige Zeit erfordern.

Die Auffassung der Negierung.

In einer offiziösen Verlautbarung äußert sich die Reichs-« regierung zu dem unerwarteten Ereignis. Danach hegt man an den leitenden Stellen in Uebereinstimmung mit dem Oberkommando in Südwestafrila die Zuversicht, daß nun­mehr der Krieg rasch 51t Ende gehen wird und die koloni­satorische Arbeit in den weiten von ihm berührten Gebieten' wieder beginnen kann. Die Regierung ziebi den Schluß, daß die Ablehnung der Forderungen für Südwestafrika im Reichs­tage angesichts der neuesten Entwicklung ein offensichtlicher Fehler der MehrheitsParteien gewesen sei. Der Festigkeit der Verbündeten Regierungen sei es nächst d. r geschickten Kriegs­führung und dem tapferen Ausharren der Truppen zu danken, daß der Süden des Schutzgebietes gegen kleinmütige Bedenken erhalten worden ist. Die oppositionelle Presse, soweit sie schon Stellung nimmt, macht demgegenüber natürlich geltend, daß nun erst recht kein Anlaß mehr vorliege, größere Auf- lvendungen für Südwestafrika, das schon 400 Millionen ge­kostet habe, zu machen.

Jedenfalls ist die vorteilhafte Wendung der Dinge von jedem Gesichtspunkte aus mit Genugtuung aufzunehmen und man darf jetzt mit Fug und Recht der Hoffnung Raum geben, daß unsere südwestasrikanischen Kolonien recht bald einer ge­deihlichen Entwicklung entgegengeführt werden können."

Das Echo in der Porteipreffc.

Die in den Kolonialfragen entschieden auf der Seite der Regierung stehendeKölnische Z e i t u n g" äußert sich wie folgt:Die hocherfreulichen Nachrichten aus Südwest­afrika bedeuten einen ganz wesentlichen Fortschritt zur Her­stellung des Friedens. Nach Ansicht der militärischen Autoritäten glaubt man die Niederwerfung des Aufstandes als in der Hauptsache beendet ansehen zu können. Es sollte nicht Wunder nehmen, wenn das Zentrum versuchen sollte, den Erfolg der deutschen Waffen für die Wahlen aus- zuschlachten und die Bebaupt',mg aufzustellen, daß angesichts dieser Entwickelung die feste Haltung der Regierung unnötig gewesen und die Reitch^lagsauflösung sich nachträglich als vollständig unberechtigte Handlung erwies. Dieser Dar­stellung gegenüber kann nicht entschieden genug entgegen- getreten werden. Allerdings werden jetzt die leitenden politischen und militärischen Kreise darüber einig sein, daß sehr rasch eine starke Verminderung der in Südwestafrika stehenden Drufipenzabl borgenommen werden kann. Doch dies war schon von der R^ichsregiernng in Aussicht gestellt für den Fall die militärische Lage die Verminderung erlauben sollte."

Demgegenüber bemerkt dieKölnische Volks, z e i t u n g" , das führende Zentrmmsorgan des Westens :Die amtlichen südwestafrikanischen Meldungen dürften in Regierungs­kreisen mit sehr gemischten Gefühlen ausgenommen worden sein. Die Nachrichten sind ein scb^ ^nder Beweis für die Richtigkeit der Haltung des Zenv zum Nachtrags-Etat für Südwestafrila."

11878

11881

11884

3887

1890

11893

1898

1903

Bevölkerung in Tausenden

Zahl der Mandate

Für die Sozial­demokratie abge­gebene Stimmen (in Tausenden)

42 727

437

9

45 234

cl2

12

550

24

763

11

46 856

1427

35

49 429

1787

44

52 280

2 107

56

56 367

3 010

77

*** Zu dem gestrigen Artikel:Aufklärung" sei noch richtig gestellt, daß Reg.-Rat Noack Hospitant dec freisinnigen Landtagsfraktion ist und' Oberlehrer Kissinger (früher national-sozial) wohl der national­liberalen Partei jetzt angehöct, aber mehr nach links hin neigt.

politische Rundschau.

Deutscher Reich,

* Dem deutschen Kaiserhause brachte der Schluß der Weihnachtstage ein neues fröhliches Familienfest, die Ver­lobung des Prinzen August Wilhelm von Preußen mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonder- burg-Glncköburg. Die Verlobung fand gestern auf dem J Schlöffe Glücksbura statt.