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Nr. 175 Zweites Blatt.

Samstag, den 28 Juli 1906.

4. Jahrgang

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Exotischer Lekuck.

Heiteres von den französischen Festtagen.

König Sisowath von Kar..oodscha, der eben von Marseille mrS wieder in seine tropische Heimat zurüctgekehrl ist, hat den guten Franzosen vielen Stoff zur Heiterkeit gegeben. Der ^Rummel" begann schon in Marseille, wo man dem Könige eine Spezialitätenvorstellung zeigte. Zuerst Equilibristen, die der König sehr kräftig gebaut fand, dann ein Stückchen Ballett und zuletzt Menuett und Gavotte. Sisowath war sehr erstaunt darüber, daß die französischen Tänzerinnen sich so ins Zeug legten, und meinte, daß sie sehr schwitzen müßten. Die größte Bewunderung des Königs erregte der Kunstpfeifer und Bauch­redner Alexandre, der so großartig den Gesang der Nachti­gall, das Schreien des Esels und das Quieken des Schweines nachmachte. Der König war anfangs ganz fassungslos vor Staunen: als aber die auf den Stühlen stehende vor­nehme Welt zu klatschen begann, klatschte er tapfer mit. Geradezu köstlich war die Szene, die sich abspielte, als Siso­wath seine Tänzerinnen ins Feuer schickte. Die weiße Menge begann laut und vernehmlich zu gähnen. Die einen fühlten durch die seltsame Musik ihr Ohr beleidigt: die anderen wollten diese in grellbunten Stoffen steckenden Puppen, deren ganzes Spiel darin bestand, daß sie sich die Finger verrenkten, nicht als Tänzerinnen gelten lassen. Man hatte sich bei den Worten ^orientalische Tänze" mit Behagen auf etwas anderes vor- vereitet. Als dann die große Enttäuschung kam, stieg das Publikum von den Stühlen und bahnte sich einen Weg zu den Ausgangen. Der König fragte sofort seine Nachbarn, was der plötzliche Ausbruch zu bedeuten habe: man erzählte ihm, daßder Lärm ein in Frankreich üblicher Ausdruck hâchsteu Entzückens sei," worauf er hoch befriedigt gleichfalls den Saal verließ.

Daß der König von Kombadscha im übrigen ganz modern denkt, beweist, daß er sich auch auf Ordensverleihungen vor­bereitet hatte. Vor seiner Landung hatte Sffowath in Paris telegraphisch 200 Muniserophon-Medaillen bestellt, um tüchtige Männer zu belohnen. Er fand aber schon in Marseille so viel braves Volk, daß der ganze Ordensvorrat auf einmal erschöpft wurde. Die Leiter der Kolonialausstellung bekamen pro Familie zwei Medaillen. Der Koch, der das königliche Essen bereitete, wurde auch mit einer Medaille geschmückt; der König wußte, warum er das tat: er konnte dem Küchen­chef kein Trinkgeld geben und zahlte daher mit Orden. Als der König sah, daß man in Frankreich mit 200 Orden nicht auskommen könne, bestellte er noch tausend Stück von der Sorte. DerMuniserophon" wird in diesem Sommer in Frankreich sehr getragen werden; da er sehr praktisch kon­struiert ist, sann man ihn nach Belieben als Spange, als Gürtelschnalle oder als Strumpfbandhalter verwenden. Zu Hause kann der König gegen den Willen des von der franzö­sischen Regierung eingesetzten Palastbuchhalters einer Lieblingstänzerin nicht ein lumpiges Zigarettenetui schenken; in Frankreich aber hat er Hunderte von Orden ver­schleudert, obwohl er wissen konnte, daß man ihm in seinen Staaten die Rechnung dafür vorlegen wird. Bon Frankreich scheint sich Sisowath merkwürdige Begriffe gemacht zu haben: er mochte es wohl für ein verlorenes Land palten, in dem es nicht viel zu essen gibt, da doch sonst

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Gießen, den 25. Juli 1906.

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nicht so viele Franzosen nach Kambodscha kommen würden, um dort von Hühnern und gesalzenem Fisch zu leben. Aus diesem Grunde hatte er auch seine Vorsichtsmaßregeln ge­troffen: Das Schiff, das ihn gen Frankreich führte, hatte an Bord eine ganze Ladung lebender Hühner, große Kisten mit Salzfisch und einen Haufen Holzkohle. Es war eine reizende Szene im Hof der Präfektur von Marseille, als das ganze Personal mobil gemacht wurde, um die entlaufenen könig- Uchen Hühner wieder einzufangen. Die Marseiller aber glaubten in ihrem Unverstand, daß das von Sisowath mitgebrachte Geflügel heilig und zu Opferungen bestimmt sei. Die Re­publik hatte wohl ein politisches Interesse daran, dem exotischen Herrscher das Leben in den Mauern der französischen Haupt­stadt so angenehm und unterhaltend wie möglich zu gestalten. Daher war die Summe von 250 000 Franken für die Auf­nahme des Königs ausgesetzt worden. Jetzt aber, nachdem der König fort ist und man sich den Schaden näher besieht, stellt es sich heraus, daß die Ausgaben für ihn, alles in allem, die recht ansehnliche Summe von einer Million erreichen! Man scheint also in Frankreich sonst keine Sorgen zu haben. Vermutlich wird die prächtige Operettenfigur, die der exotische Herrscher bietet, nun auch in Musik gesetzt. Es wäre schade, wenn sich die Bühne diesen Stoff entgehen ließe.

7 Berliner Pundstagsbriefe. \

Unsere Strohwitwer.

Der völlig Geknickte, der seine bessere Hälfte mit Kind rmd Kegel zur Bahn geleitet und beim Abschied wohl auch eine Träne zerdrückt, aber sofort fröhlich lächelt, wenn der Zug die Halle verlassen hat, ist durchaus keine böswillige Erfindung unserer Witzblätter, lebt vielmehr unter uns, neben uns, über uns. Wir selbstverständlich find anders! Wir gehen abends um zehn Uhr zu Bett und schreiben täglich vor Sehnsucht triefende Briefe. Na, wir überhaupt!"

Der Berliner Strohwitwer ist besser als sein Rus. Wohl freut auch er sich auf die wochenlange Siesta, indessen die Gattin im Seebade weilt; aber er kennt die Genüsse der irdischen Garküche denn doch zu sehr, als daß er sich von ihnen über Nacht verführen ließe. Die sämtlichen Stamm­tische find voll von Gästen, und der Ton ist freier und froher als im Winter; auchtagen" sie länger als sonst wohl und finden vielleicht gar ihre Fortsetzung an anderer Stelle. Die kleinen Hausschlüsselsorgen fehlen. Man hört nichts mehr von Dienstbotenjammer und atmet aus. Ist das nicht ganz begreiflich?

Ab und zu wird ein Bummel unternommen. Zwei oder drei tun sich zusammen und freuen sich schon tagelang vorher, wie Kinder, auf die Nacht. Nie aber bleibt die Enttäuschung aus. Sie sind ja gar zu leicht kenntlich, die braven Stroh­witwer. Wo sie auch hinkommen, anzweideuttge" Ovte: überall stürzt sich das Laster so aufdringlich auf sie zu, daß sie ihm angewidert den Rücken kehren. Mit offenen Augen läßt sich heute auch der verheiratetste Großstädter nicht mehr neppen". Und so wird die Ehemannstugend von denen gerade am meisten geschützt, die ausziehen, ße zu rauben.

Geschäfts Verlegung und -Empfehlung. *

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Hochachtend

Heinrich @pie%

Wagenbauerei mit elektrischem Betrieb.

Nlratl^beilage r ^brrkessiketik Trnnrilien^ctianq (3X roödicntLb

^rernfuredinufdiluf; Nr. 362.

lAote aus Hberkelten)

Viel ärger treiben's die Heimlichen, diesolide" in ihre Klubs" gehen und dort gar bald im ärgsten Spieltaumel aefangen sind. Dort blüht im Sommer daS Leben! Die Statistik des so jämmerlich verkrachtenKlubs von 1900" hat ergeben, daß der Hauptteil der Hunderttausende von Mark betragenden Kartengelder im Sommer eingekommen ist Während die Gattin im Bade weilt, verspielt dersolide" Ehemann, der zum Troste seiner besseren Hälfte im Klub ja vor Verführung sicher ist, sein oder auch ihr Vermögen. Beispiele baben's aelehrl. (Sin Kohlengrossist Berlins schickte vor zwei Jahren seine Frau nach Kissingen. Sie war sehr eifersüchtig und klingelt Nacht für Nacht in demvornehmen" Klub an. Regelmäßig gabMännchen" per­sönlich ihr Antwort, und beruhigt ging sie schlafen. Als sie wiederkam, berichteteMännchen" ihr, daß er in diesen soliden" Nächten 800 ÖOO Mark verloren habe und daß sie nun Bettler seien. Weniger Vorsicht seitens der teuren Gattin wäre also hier sicher mehr gewesen. Das ist nur ein Beispiel; sie ließen sich dutzendweise vermehren.

Der großstädtische Strohwitwer ist besser als sein Ruf, sagte ich. 'Senn er die Gattin hintergehen will, tut er's auch, wenn sie im Städtchen weilt. Jedenfalls ist die gattinnerr- lose (Sommerpause nicht geeignet, aus einem soliden Manne einen unsoliden zu machen. Im Gegenteil. Sie sollten uns hören, die Frauen an der See und im Gebirge, wie täglich nach ihnen die Sehnsucht steigt. Da fehlt dies an der Ord- nung iinb hier an der Bequemlichkeit. Na, Gott sei Dank, in acht Tagen ist .sie" wieder daheim. So kann man'S täglich frören. Sogar poetisch könne« dann die Strohwitwer werden! Ich selbst ertappte mich neulich am Stammtisch habet ®w leis« Schillers Verse über meine Lippen kamen;

.Edrei bis Fran« I Sie flechten und weben HwcnUtscht gissen ins irdische Leben!"

Freilich: ich bi» Junggeselle. 5. Pötter.

Kan 9t und ÖHisfcnfAaft.

PS. Nochmals die Heidelberger Schloßfrqae. Die erste baöitcpe Kammer nahm mit allen gegen zwei Stimmen den Antrag auf Ablehnung der Forderung für W«èeraufbau des Heidelberger Schlosses an. Finanzminister Jecker nab die Erklärung ab, daß die Regierung sich den Beschlüssen des Landtages füge, aber an ihrem grundsätzlichen Stand­punkte festhalten werde; er könne nur wiederholen, daß zur Erhalttmg des Otto-Heinrichs-Baues das Abtragen und Wieder- aufbauen das beste Verfahren sei.

RG. Röntgenstrahlen gegen graue Haare. In der Akademie der Wissenschaften in Paris gab Professor Bonchard bekannt, daß der Professor Dr. Imbert im Hospital in Mont­pellier Experimente mit Röntgenstrahlen gemacht habe, durch die ergrautes Haupt- und Barthaar wieder seine natürliche Farbe gewann. Auf der von dem fressenden Hautwolf ent» stellten Seite, die mit Röntgenstrahlen behandelt wurde, sind Haar und Bart wieder schwarz geworden. Die (Sntbecfung erregt in Gelehrtenkreisen großes Aussehen, da man ihr eint weittragende Bedeutung beimißt.

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Arbeitsvergebung.

Die nachstehenden Arbeiten zur Erbauung einer höheren und erweiterten Mädchenschule sollen

Montag, den 6. August d. Js., vorm. 10 Uhr

öffentlich vergeben werden.

Los II

Tchrrinerarbeiten im Kellergeschoß

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Erdgeschoß

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1- Obergeschoß

Los V

, II Obergeschoß

Los VI

7 Stück äußere eichene

Eingongstüren.

Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vor­druck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Gießen, den 26. Juli 1906.

Städtisches Hochbauamt.

Gerbet.