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Zweites Blatt

Samstag, Pen 27. Oktober 190b

15. Jahrgang

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(Gießener Magevtertt)

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Aeiinng)

für Oberhefsen und die Kreye Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des T^oßh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

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Hm Scheidewege.

(Politische Wochenschau.!

Zechenbefitzer und Bergarbeiter im Ruhrrevier stehen ein­ander gleichsam gewappnet gegenüber. Sie wollen mit ein« ander verhandeln, sie wollen zum Frieden kommen, zu güt« lieber Verständigung; doch einstweilen steht zwischen ihnen noch einPrinzip". Die Arbeiter verlangen, daß der so­genannte Siebenerausschuß ihre Gesamtvertretung darstelle, und daß die Bergwerksbesitzer mit ihm die Vereinbarung über die allgemeinen Arbeitsbedingungen treffe. Die Zechen­besitzer wieder halten daran fest, daß die nach der jüngsten Berggesetznovelle eingeführten Arbeiterausschüsse die wahren Arbeitervertretungen seien, und daß jeder Bergwerksbesitzer nur mit den eigenen Arbeiterausschüssen zu tun habe. Für beide Ansichten lassen sich gute Gründe anführen. Formal ist in diesem Falle das bessere Recht unzweifelhaft auf Seiten der Zechenbesitzer. Die Bergarbeiter stehen ge­wissermaßen am Scheidewege. Sie müssen wählen, ob sie lieber rein praktischen Erwägungen Gehör geben oder einer Theorie zu Liebe sich den Fährnissen und dem Elend eines Streiks auSsetzen wollen. Daß die Theorie gerade im Bergwerksberuf leicht versagt, hat sich eben jetzt in recht drastischer Weise gezeigt: Das Verbot der Schichtverlängerung und der Ueberschichten war ersonnen worden, um die Bergarbeiter gegen Ueberarbeitung, namentlich unter Tage, zu schützen. Das war jedenfalls vortrefflich gemeint und theoretisch klug aus­gedacht. In der Praxis aber haben die Bergarbeiter vor­gezogen, die Bergwerke zu verlassen, die solche soziale Für­sorge eingerichtet hatten, und sich den Gruben zuzuwenden, die ihnen gestatteten, durch Ueberarbeit einen überhohen Lohn gl gewinnen. Möglich, daß hierbei die augenblickliche Teuerung des Fleisches und anderer Lebensmittel mitgewirkt hat. Diese Teuerung ist vorhanden. Es fragt sich nur, ob sie vermeidlich ist, und ob die Vorschläge zu dieser Ver­meidung ausführbar sind, ohne Deutschland einem Schaden ruszusetzen, der größer ist als der Schaden, den man eben jetzt vermeiden will. Die Regierung ist in einer üblen Lage. Wie immer sie beschließt, einen Teil der Nation wird sie gegen sich haben. Sie steht am Scheidewege; sie muß wählen, ob sie auf dem einmal eingeschlagenen Wege verharren, oder ob sie umkehren will.

Am Scheidewege steht auch der Herzog von Cumberland; richtiger: der Braunschweiger Landtag hat ihn durch ein Ultimatum an den Scheideweg gestellt. Binnen drei Monaten muß er sich entschließen, durch die erforderlichen Verzicht­erklärungen sich in Braunschweig regierungsfähig zu machen. Im anderen Falle wird über Braunschweig von zuständiger Seite anderweitig und endgiltig verfügt werden.

Den Scheideweg hat, nicht ganz freiwillig, Prinz Alexander von Hohenlohe gefunden. Wegen der unvorsichtigen Ver­öffentlichung der Memoiren seines Vaters hat er sich in den einstweiligen Ruhestand begeben müssen. Die Publikation der Memoiren hatte keine Tendenz, keine böse Absicht, sie war nur die etwas unbebaute Ausführung eines vermeintlichen, in Wahrheit mißverstandenen väterlichen Willens. Prinz Alexander ist durch den Lärm, den er erregt hat, inzwischen ausreichend belehrt. Sicher bedauert er selbst am meisten das Aufsehen, zu dem . er Anlaß gegeben hat.

Das Aussehen wird übrigens schnell vorüvergeyen, von der Erregung wird bald. keine Spur mehr vorhanden sein. Schon das Auftreten des jetzt gefangenen Hauptmanns von Köpenick hat ausgereicht, die öffentliche Aufmerksamkeit abzulenken. Das rasche Urteil übertreibt, das ruhige Urteil neigt zur M^.de. Hätte man vor Jahresftist geglaubt, daß die Begegnung der Gräfin Montignoso mit ihren Kindern, den Prinzen von Sachsen, sich so still vollziehen würde, wie jetzt in München geschehen?

In Frankreich und in Oesterreich hat sich während der vergangenen Woche ein Kabinettwechsel abgespielt, ebenso in den Vereinigten Staaten von Amerika. Herr Clemenceau hat durch die Ernennung des Generals Picquart zum Kriegsminister die nationalistisch und anttrepublikanisch gesinnte Generalität in des Wortes eigentlichster Bedeutung auf den Scheideweg, auf den Weg des Abschieds gestellt. Das zeugt unter allen Umständen von mutiger Entschlossenheit. Ob der Mut Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. In Oesterreich bedeutet der Ministerwechsel kaum mehr als einen Namenswechsel. Ob Graf Goluchowski, ob Baron Aehrenthal es ist der näm­liche Faden und dieselbe Nummer. Bedeutungsvoller ist, daß die eisleithanische Wahlreform sich der Verwirklichung zu nähern scheint. Sie wird mit so vielen Kautelen gegen spätere hinterlistige Aenderungen umgeben, daß eine Ver­steinerung eintreten müßte, wenn die Kautelen wirklich vor­hielten.

Daß Rußland gleichfalls eine Ministerkrise haben sollte, wäre nicht weiter verwunderlich gewesen. Es ist aber nicht dazu gekommen. Und die Finanznöte find noch gar nicht so groß. Man braucht etwa 100 bis 150 Millionen für den Tagesbedarf. Für solche Kleinigkeit braucht man Europa «icht zu bemühen, die findet man schon in Rußland selbst. W«rn der Zar an den Klosterpforten mit fteundlicher Ent­schiedenheit anklopft, so tut sich ihm manches wohlversehene Schatzkümmerchen auf. Dabei handelt es sich keineswegs um Sequestration und gewaltsame Wegnahme; nein, nur um ein ordnungsmäßiges Geschäft. Die Würdenträger der orthodoxen Kirche, die Klöster und Sttftungsvorstände würden das Ge­schäft längst gemacht haben, wenn sie nicht an viel höhere Zinsen gewöhnt wären, als der russische Staat seinen euro­päischen Gläubigern bietet. Von solchen eindringlichen Ge­wohnheiten läßt man nicht gern.

Marokko steht am Scheidewege. Ihm hat die Konferenz von Algeziras Selbständigkeit verbürgt, aber zugleich be­stimmte Verpflichtungen auferlegt. Jene Selbständigkeit und diese Verpflichtungen hängen unzerreißbar zusammen. Wenn der Sultan von Marokko die Verpflichtungen unerfüllt läßt, so hat er die Selbständigkeil verwirkt. Er hat die Wahl Lei ihm selbst liegt die Entscheidung.

Vermischtes.

= Glückliche Klingcuberger! Die verhältnismäßig reichste deutsche Stadt ist unstreitig Klingenberg a. M. Dort zahlen die Einwohner nicht nur keine Steuern, sondern jede Bürger, familie erhielt jetzt für das Jahr 1906 aus dem Erträgnis der reichen Gemeindenutzungen, welche namentlich in Ton­lagern und Forsten bestehen, einen Extrazuschuß von 400 Marl in bar ausgezahlt.

1 = Humorvolles Gerichtsurteil. Das Polizeigericht in

Brentford hat vor kurzem ausdrücklich die Entscheidung gefällt, daß es jedermann gestattet sei, den Himmel anzusehen. Der Maler Hughes war angeklagt worden, auf der Straße stehen geblieben zu sein, die Sterne angeschaut und dadurch eine Verkehrsstörung verursacht zu haben. Der Polizeimann setzte auseinander, daß sich ein Menschenhaufen um den Mann gesammelt habe, der den Himmel so interessiert anschaute, und er die Verkehrsstauung nicht anders beseitigen konnte als durch Verhaftung des Sternguckers. Das Polizeigericht erklärte jedoch, daß Hughes nicht schuldig befunden werden könne. Er hatte ein gutes Recht, den Himmel anzusehen, und wenn eine Anzahl von Menschen ihn bei seiner Beschäftigung näher bettachten wollten, so sei das nicht seine Schuld.

Wenn Aerzte und Apotheker streiken. Ein sonderbarer Ausstand steht in Athen bevor: die Aerzte und Apotheker der Stadt haben in einer öffentlichen Versammlung erklärt, daß der gesamte Athener Aerzte- und Apothekerstand bald am Hungertuche werde nagen müssen. Die meisten Athener Aerzte befinden sich tatsächlich in einer sehr schlechten wirt­schaftlichen Lage, weil die Zahl der Polikliniken, in welchen die Patienten umsonst oder gegen eine geringe Entschädigung behandelt werden, von Tag zu Tag größer wird. Die Jünger Aeskulaps und ihre Helfer wollen nun in den Arrsstand treten, wenn die Regierung nicht die Neugründung von Polikliniken verhindert und den Aerzten gestattet, in Zukunft für einen Krankenbesuch statt 2 Drachmen 3 Drachmen zu liquidieren. Obwohl mehrere Aerzte die Drohung mit dem Ausstande be« kämpften mid für eine unwürdige Waffe erklärten, wurden die dahingehenden Anträge doch zum Beschluß erhoben, und so dürfte der klassische Boden von Athen demnächst den merk­würdigsten Ausstand sehen, der je dagewesen ist.

Die Eingeborenen Australievü teilen anscheinend das Schicksal der Indianer Amerikas, der Neuseeländer und der Eskimos, sie sterben langsam aus. In den letzten Jahren hat man zwar im nördlichen Westausttalien und im Nord- tereHorium eine Zunahme der eingeborenen Bevölkerung fest- ß*nt, und ein Ueberschuß der Geburten über die Todes- e wird auch aus den Eingeborenenreservaten Südaustraliens berichtet. Trotzdem glaubt man, daß die Möglichkeit einer Rettung der Rasse bezweifelt werden müsse. Eine große Schuld an der Verminderung der Zahl der Eingeborenen in früheren Zeiten wird gewöhnlich den älteren weißen An­siedlern zugeschrieben, die die Schwarzen sozusagen gejagt, niedergeschossen und vergiftet hätten. Was das Aussterben der Tasmanier anlangt, so sei dies schon Tatsache gewesen, lange bevor die Insel Selbstverwaltung erhielt. ,^. -____j

= Des Exkanzlers Urteil über Gerhart Haupttnann. In des Fürsten Hohenlohe soeben veröffentlichten Memoiren findet sich auch so inendeseigenartige" Urteil über Gerhart Hauptmanns ergreifendes TraumstückHannele". Der Fürst schreibt:Heute abend imHannele". Ein gräßliches Mach­werk, sozialdemottatisch- realistisch, dabei von ttankhafter, sentimentaler Mystik, unheimlich, nervenangreifend, überhaupt scheußlich. Wir gingen nachher zu Borchardt, um uns durch Champagner und Kaviar wieder in eine menschliche Stimmung zu versetzen".

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Bekanntmachung.

Die unterm 26. September 1906 angeordnete Sperre des Schiffeubergerwegs von Ltcher- bis Bergstraße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 24. Oktober 1906.

Großh Bolizeiamt Gießen.

Herberg.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Liebigftraße zwischen Ludwig- und Frankfurterstraße von heute an bis auf Weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt.

Gießen, den 24. Oktober 1906.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Herberg.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Arankfurterftraße zwischen Veterinäranstalt und Hillebrandstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt.

Gießen, den 24. Oktober 1906.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Herberg.