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Donnerstag, Pen 27. September 190b

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Neueste Nachrichten

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Hlnaöhängige Tageszeitung

(Gießener Zeitung)

für Oterhesie« und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.

Lnthittt alle «ntlichen Vetanntmachungen der Kroßb. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberdeisen

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Wesentlich erhöht hat sich unsere Auflage

in den'letzten 14 Tagen, weil der Inhalt unseres'Blattes frei von tendenziösen einseitigen Anschauungen ist und weil wir das Sprichwort:

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als für die gesamte Bevölkerung geltend betrachten. Erfreulicherweise konnten wir auch unseren Abonnenten weiter entgegenkommen und wurde ab 1. Oktober auf

45 Pfennig pro Monet

der Abonnementspreis erniedrigt.

folgte durch den ©eneraünfpefteur der Marine Großadmiral von Koester an Bord des FlaggenschiffsKaiser Wilhelm II.", Woselbst die Admirale und Kommandanten der Flotte sich ver­sammelt hatten. Großadmiral v. Koester hat gestern einen Tagesbefehl erlassen, in welchem er sich von der Flotte ver­abschiedet, der er in Gedanken stets anzugehören gelobt.

* Wie bestimmt verlautet, kehrt der preußische Land' wirtschaftsminister u. Pvdbielski in nächster Woche aus dem Urlaub zurück und übernimmt seine Amtsgeschäfte wieder.

* Eine scharfe Resolution gegen die Fleischverteuerung nahtn der in Küstrin tagende brandenburgische Städtetag an. In der Resolution wird die Staatsregierung ersucht, durch Erleichterung der Vieheinfuhr und des Viehtransports der Fleischleuerung nadi Möglichkeit zu steuern.

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** Nachträglich wird bekannt, daß auf den Erzherzog- Thronfolger ein Attentatsversuch gemacht wurde. Am Tage» bevor der Erzherzog-Thronfolger sich zu den dalmatinischen Manövern begab, wurde auf dem Eisenbahnkörper der Staats­bahn in der Nähe von Pola eine Dynamitbombe entdeckt Drei Italiener wurden verhaftet.

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** Die Abreise des bisherigen Generalgouverneurs Prinzen Georg führte zu heftigen Zusammenstößen auf Kreta. Bewaffnete Kretenser versuchten, die Abfahrt des Prinzen zu verhindern. Die internationalen Truppen intervenierten und gaben Schüsse ab, welche von den Kretemern erwidert wurden. Zwei Kretenser wurden getötet, mehrere verwundet.

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Die Lehren des Breslauer Prozesses.

Nach siebentägiger Verhandlung ist der große Aufruhr- Prozeß zu Ende geführt worden, der sich auf die Vorgänge tm Striegauer Platz zu Breslau im April d. I. aufbaute. Das Urteil wurde in später Nachtstunde gesprochen. Es kam R folgenden Resultaten:

Von den 48 Angeklagten wurden 7 völlig freigesproche«, darunter die Frau Feix und der 16 jährige Schlofferlehrling Schimpf. Bezüglich zweier Angeklagten erfolgte Vertagung der Urteilsverkündgung. Von den übrigen 39 erhielten die höchsten Strafen, je 6 Monate Gefängnis, die Angeklagten Schneider und Leuschner; jener soll ein Messer gegen einen Schutzmann gezückt, dieser einen alten Mann ins Gesicht gespuckt haben. Ein Angeklagter bekam fünf Monate, vier je drei Monate Gefängnis zudiktiert, darunter derArbeiterHoffmann. Die anderen Angeklagten wurden zu zwei Monaten bis herunter zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Die einzige Geldstrafe erhielt die Hebamme Fräulein Haase, 15 Mark. Die Ver- urteilungen erfolgten wegen Koalitionszwanges, Beleidigung, ; Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Nötigung oder Auflaufs. Sämtliche Angeklagten wurden, soweit sie inhaftiert waren, I , aus der Haft entlassen.

?Q§ Gericht hat die Verfehlungen vergleichsweise milde amgejehen, wie aus den Strafabmessungen zu erkennen ist. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß etwa das Gericht Milder gewesen wäre, als den Verhältnissen und den nach- 1 gewiesenen Tatsachen entsprach, ebensowenig, daß nicht auch d«s milde Urteil den Einzelnen hart treffen und ihm dem­gemäß hart vorkommen kann. Im großen und ganzen wird man aber überall den Eindruck haben, daß der zuständige Gerichtshof keinen milderndem Umstand übersehen hat und aber die notwendige Wahrung der Staatsautorität und der abhängigen Ordnung nicht hinausgegangen ist.

Es gibt kein schwierigeres Kapitel für Rechtspflege und Polizei, als das Kapitel, das vom Auflauf handelt. Wo eine Menge zusammengelaufen ist, da ist fast regelmäßig an sich .chon die Unordnung gegeben und die Gefahr von Aus- 'chreitungen aller Art ungemein nahe. Das Schlimmste aber ^, daß man nur in den allerseltensten Fällen wissen wird, arer den Auflauf verschuldet hat, und wer, nachdem der Auf- lmuf einmal entstanden ist, Handlungen begangen hat, die sich rlls Gesetzesverletzungen charakterisieren. Beim beginnenden Äuflauf ist die Polizei noch nicht da: sie tritt erst in Tätig­et, sie erscheint erst auf dem Schauplatz, nachdem die Massen juch zusammengeballt haben. Selbstverständlich ist sie gar onM in der Lage, sofort zu erkennen, wer den verursacht hat. Das ist auch im Grunde gleichgültig. Die bloße Tatsache des Auflaufs ist eine Störung, die zu beseitigen die Polizei berufen ist. Die Polizei kann nicht mehr tun, als zunächst die Menge aufzu- scordern, daß sie sich zerstreue. Wer jemals etwas ähnliches rrilebt hat, der weiß, daß die Aufforderung in der Regel ver- ziwlich ist. Es kommen im Gegenteil noch immer mehr Leute jm nicht einmal aus Widerspenstigkeit, nicht einmal immer ruts Luft am Skandal, sondern in der Hauptsache aus Neugierde. Oer gewöhnliche Fortgang ist nun der, daß die in der Mitte befindlichen der polizeilichen Aufforderung gar nicht mehr Ge­horsam leisten können, auch wenn sie den besten Willen dazu haben.

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Ebenso ist es der weitere gewöhnliche Verlauf, daß die Polizei, die für ihre Anordnungen keinen gutwilligen Gehorsam findet, noch verspottet, bedroht und bedrängt wird. Ist das erst geschehen, so ergibt sich beinahe von selbst, daß die Polizei von ihrer Waffe Gebrauch macht, sei es in der Abwehr von Angriffen, sei es zur Aufrechterhaltung von Verhaftungen, die sie vor­genommen hat. Sie wird bei diesen Verhaftungen nicht immer die Rädelsführer herauszugreifen das Glück haben, sondern manches Mal sich an vergleichsweise harmlose Ele­mente halten, die aus bloßer Freude an der Ab­wechselung eines Krakehls einmal besonders laut ge­schrien oder ein Schimpfwort oder Hetzwort vernehm­lich ausgestoßen haben. Sie brauchen nicht die Schlimmsten and nicht die Hauptschuldigen zu sein. Es ist eben ihrPech", daß man sie gefaßt hat, daß man sie nicht losläßt, und daß man sie verantwortlich macht für das, was in der Hauptsache vielleicht nur in ihrer Gegenwart ge­schehen ist. Das ist für den einzelnen, den es gerade trifft, schlimm und bedauerlich, aber es wird sich nicht ändern lassen. Eine andere Art des Vorgehens, des polizeilichen und gericht­lichen Verfahrens ist nicht möglich. Sonst würde jede Menge, die Unordnung anstiftet oder noch viel schlimmere Dinge be­geht, einfach straflos sein, und darin würde ein arger Anreiz zu Verfehlungen liegen.

Man muß sehr optimistisch sein, um lebhafte Hoffnungen zu haben, daß Erfahrungen, wie die des Breslauer Krawall- prozesses, starke und nachhaltige erzieherische Einwirkung auS- üben werden. Aber einige Einwirkung dürfte man doch er­warten. Erwachsene und besonnene Menschen müßten sich sagen, daß eS sich für sie nicht schickt, überall hinzuhorchen und dabeizustehen woetwas los ist", und daß ein solches Verhalten auch mit der öffentlichen Ordnung unvereinbar ist, deren Erhaltung in jedes einzelnen Interesse liegt. Es ist überdies eine grobe Ungehörigkeit, bei jedem Streit sofort und ohne Prüfung Partei zu nehmen; ganz besonders ist es eine grobe Ungehörigkeit, solche Parteinahme unbesehen gegen die Polizei zu richten, die man doch im Falle der eigenen Bedrängnis immer anruft.

Wenn wir nun auch nicht erwarten, daß die menschliche Natur, die einmal Freude am Seltsamen, Auffallenden, Un­gewöhnlichen und Lärmenden hat, von Grund aus sich ändern werde, so find wir doch der Meinung, daß erwachsene Arbeiter, die den Ernst des Lebens kennen gelernt haben, vermeiden werden, ihren Streit auf die Straße zu tragen und mit Ge­walt auszrlsechten. Der Stre ein anerkanntes Mittel im Lohnkampf. Aber wenn es ein Recht ist, zu streiken, so ist es brö zum mindesten ebenso ein Recht, zu arbeiten. Und nwm jemand in der Beschränkung des Stteikrechts eine Ver- iäwnerunfi seines Rechts sehen will, so darf er doch ganz gewiß nicht die Rechtsverkümmerung sich zu Schulden kommen Ui^, die darin liegt, daß er einen anderen an der Aus- üh»g des Arbeitsrechts hindert.

politische Rundschau.

Deutschen Reich.

* Die feierliche Ucbcrgabc des Kommandos der aktiven Schlachtflotte an den Prinzen Heinrich ist gestern (Mittwoch) vormittags in Kiel erfolgt. Die Uebergabe er-

Hfriha.

Abermals hat sich ein Zwischenfall in Marokko er­eignet. Ein hervorragender Eingeborener, El Kasr, der unter französischem Schutze stand, ist ermordet worden. Sein Gut wurde geplündert. Der Mord dürfte neue Vorstellungen seitens der französischen Legation beim Sultan im Gefolge haben.

rJune politische Nachrichten.

Dresden, 26. September. Die Generaldirektion der säch­sischen StaatSbahnen bewilligte eine Million Mark jährlichen Mebraufwand zur Lohnaufbesserung für die gesamte Arbetter- schaft.

Braunschweig, 26. September. Der Regentschaftsrat be­gab sich heute zur Uebermittelung der Landtagsresolution &um Reichskanzler Fürsten von Bülow nach Homburg.

Toulouse, 26. September. Die hier verhaftete Nihilistin gestand, daß sie von einem in Lausanne tagenden russischen Exekutivkomitee beauftragt sei, den Gouverneur von Jeka- terinoslaw zu töten. In Petersburg seien ihr von einem K'osalenoffizier vier Finger zerbrochen worden.

Mailand, 26. September. Der internationale Handels­kammer-Kongreß in Mailand beschloß die Errichtung eines ständigen Ausschusses mit vorläufigem Sitz in Brüssel.

Konstantinopel, 26. September. Wie aus Monastir ge­meldet wird, ist nicht der griechische Metropolit von Kastoria, sondern der Metropolit von Koritza im Wilajet Monastir er­mordet worden.

Washington, 26. September. Das Juftizdepartement ent­schied, daß das kürzlich erlassen; Fleischbeschaugesetz auf in die Vereinigten Staaten verschiffte ausländische Fleischerzeug­nisse leine Anwendung findet.

- ßof und Gesellschaft

*** Die Erkrankung Kais er Franz Josephs zwingt den greisen Monarchen zu ständigem Zimmeraufenthalt. Die Erkältung dauert fort und der Patient hustet ziemlich häufig. An eine Reise kann gegenwärtig nicht gedacht werden, doch arbeitet der Monarch ganz genau so wie in sonstigen Zeiten. Obschon er den Prinzen Christian zu Schleswig- Holstein empfangen hat, sind doch bis auf weiteres alle anderen Audienzen abgesagt.

*** Das Grabdenkmal des Papstes Leo XIII. in der Laterankirche wird Ende Dezember erfolgen. Die feierliche Ueberführung der Leiche wird am Tage, nicht wie bei Pius IX. des Nachts vor sich gehen.

*** Aus Anlaß des 25jährigen Bischofs- jubiläums des Bischofs Korum fand im Dom zu Trier eine kirchliche Feier statt, der zehn Kirchenfürsten, Ober­präsident Freiherr von Schorlemer, Korpskommandeur von Deines und Oberbürgermeister von Bruchhausen beiwohnten. Die Stadt errichtete zu Ehren des Bischofs eine Stiftung hn Betrage von lOOOO Mark zum Schutz verwahrloster Kinder unter dem NamenKorumsstifmng".

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