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Kr. 251

Donnerstag, pen 25. Oktober 190b

15. Jahrgang

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Neueste Nachrichten

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9 Entkräftung zur

^^- der Genesende

Pr Oberhefierl und die Kreise MarbArg und Wetzlar; Lokaltmzelger für Gießen und Uwbimti

Enthält â amtliche, Bekmttümachungen der Kroßh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen nnb andrer ^eftördpn von nh^^

Das neueste.

Em Parlamentarier behauptet imDarmstadter Tägl. Anz." die Bestätigung Eißnerts sei durch daS Ministerium und zwar mit zwei gegen eine Stimme erfolgt.

Der P^ovinzialo,rektor von Starkenburg von Granny wird demnächst in den Ruhestand treten Als sein Nach­folger soll der Offenbacher KreiSrat v. Hombergk in Frage kommen.

Die ReichSlagSersotzwahs in Stade ergab Stichwahl zwischen Reese (notionallib.) und Ebert (Soz.) In HadecS- leben siegte der Däne Hanss n.

Die Stadt Köp-nick erhöhte die Belohnung auf die Ermittelung des Kussmräubers van 500 aus 1000 Mk.

Die Verhandlungen der Elbesch'.ff r in Dresden sind gescheitert. Die Reedereien verlangen zunächst Wiederauf­nahme der Arbeit und wollen alsdann mit ihren Leuten verhandeln.

DaS Schwurgericht Konstanz verurteilte den 22jährigen Maurer Anton Hof zum Tode.

Als Goluchowrkis Nachfolger hat der österreichische Botschafter n Petersburg Baron Aehrenthal das Portefeuille deS Auswärtigen angenommen.

Ginwanderung.

Dtr .Deutschen Reform-Korrespondenz" wird aus Berlin geschrieben:

Anstrengung und je gröfl Krankheit, je größer nachr lieben lind keine hungria men nicht wie gewöhnt durch reichliche Zufuhr v Appetit zur Einnahme dn id, io reichliche Hahms i en das, was die moder rung, die jedem ichmed Bestandteile enthält, die a

Ehe das Reich und ehe der Norddeutsche Bund Pestand, wnnte man bei uns jahraus jahrein die Klage hören, daß die Auswanderung dem Land die besten Kräfte nehme, es der Ver. armung entgegenführe. Den Grund aber für die Erscheinung, die man beklagte, ohne sie abstellen zu können, wurde wenigstens in den Tageblättern und im öffentlichen Gespräch - im Militarismus" gefunden, der das Land erdrücke. Jeder Taler des Militärbudgets galt als Ankläger und als Förderer der Auswanderung.

~, Ä^^n haben sich die Verhältnisse völlig geändert. » ^E'^arbudget ist recht stattlich gewachsen, weit über daS Verhältnis der Geldwertverminderung hinaus, und kein Mensch klagt mehr über seinen Druck. So fest ist die allgemeine Ueberzeugung geworden, die Höhe des Militär- Sin ?^e außerhalb jeder Beziehung zum nationalen âhlstand und könne ihn gar nicht mindern, daß man ohne weiteres jeden für nationalökonomisch minderwertig ^^ Nch zu einer anderen, zu der früher die ganze öffentliche Meinung beherrschenden Anschauung bekannt. ^ISV^ ^ ^ ^b Bevölkerung Deutschlands in un-

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das bekannte Tlährpräpar , derselben ilt versucht ° nackten and) erreicht won»

, J.m aurb läute ^^mg gar pq Die Bevölkerung Deutschlands in UN.

sondern jedem a gewöhnlichem Maße vermehrt. Der lieberschuß der Geburten

i wirklich nährt undd über die Sterb-falle übersteigt bereits die erstaunliche Zahl

MlwrdenundiltesgeW A," WE lahrlich. Und ttotzdem ist Deutschland aus

^ "n L.nnrt die k , M^ Uuvwandernngsland ein Einwanderungsland geworden,

lebe Habrung, ?^è noch von Deutschland sortzieht und fremde Länder zu

..den nährt; he * SSP"<FcberFü3 ^fsucht, das folgt nicht einem all.

a (änlichen w ^» e1'®rang fonbern hat ganz bestimmte Einzelmottve.

nzung der tag"" Da sind Verwandte, die vor Jahren ausgewandert, die in

Schaffung für Jcde . J Sl 3f v^n^ ^^ ^ und nun lockende Einladungen

1 . m:tfpl für gell1^ d ' öa sind Verdrießlichkeit ganz persönlicher Art die

ift.gungsm.ttel Wechstl des Wohnort wünschenswert machen Äbèr

ü el^ ^'^" ^uswandererzug ist nicht vorhanden. Viel- ............................. ttX?®"^ Ero» des mächtigen Menschenzuwachses noch großen Menschenmangel, und die 600 000 der in Deutschland

Das alles klingt rätselhaft. Doch des Rätsels Lösung ist einfach genug: Wir waren ein armes Land und find zu Reichtum gekommen, so daß Ausgaben, die uns früher Seufzer erpreßten, jetzt mit Leichtigkeit von uns getragen werden, auch wenn fie die doppelte und dreifache Höhe erreicht haben. Die deutsche Jndusttie hat fich in wunderbarer Weise entwickelt und beschäftigt immer mehr und mehr Personen, so daß sie bereits angefangen hat, der Landwirtschaft, die keine Fabrik­arbeiterpreise zahlen kann, die notwendigen Arbeitskräfte zu entziehen. Wir exportieren Waren, und darum brauchen wir keine Menschen zu exportieren. Im Gegenteil. Dieses Gegen­teil hat unerfreuliche Begleiterscheinungen. Wir bekommen Slawen und Italiener in nicht unbettächtlicher Zahl ins La d, und das führt zuweilen zu nationalen Unbequemlichkeiten. Es wird auf der einen Seite darüber geklagt, daß die fremd- ländischen Arbeiter den einheimischen die Preise verderben, und wiederum, daß die industrielle Nachfrage die fremdländischen Arbeiter bestimme, weit höhere Lohn­forderungen als bisher zu stellen. Diese Schattenseiten der Einwanderung sollen nicht geleugnet und in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden. Man darf aber auch nicht vergessen, daß die Einwanderung an und für sich schon erhebliche Forderungen bringt. Wie bescheiden immer die Lebensanforderungen der Zuzüglinge sein mögen etwas brauchen sie immer, und so erhöhen sie den heimischen Konsum. Dadurch wird die Jndusttie positiv gestärkt, deren Gedeihen wesentlich davon abhängl, daß sie einen aufnahmefähigen heimischen Markt zu versorgen hat. So hilft der zuziehende ausländische Arbeiter nicht bloß der deutschen Jndusttie in der Erhöhung ihrer Produktionsfähigkeit, sondern sorgt zu- gleich für eine Erhöhung ihres Absatzes. Die heimischen Arbeiter aber haben sich im großen und ganzen über die Konkurrenz der Ausländer auch nicht zu beklagen. Denn in der Regel werden die Ausländer nur in die niedersten Stellungen und Beschäftigungsarten einrücken, sodaß die heimische Arbeiterbevölkerung den bester bezahlten Arbeiten sich zuwenden kann. So bewirkt die Einwanderung ein lang­sames, aber ununterbrochenes Emporsteigen der einheimischen Arbeiter.

Deutschland macht jetzt die Erfahrungen, die Amerika mit der Einwanderung schon früher gemacht hat. Beide haben Gewinn davon, beide find von dem Sättigungspunkt noch weit entfernt.

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

* Der Reichstag hat im laufenden Etat für die Der- brößerung des Nord-Ostsec-Kanals 100000 Mark zur Pro­jektierung bereit gestellt. Es ist nicht nur eine wesentliche Verbreiterung und Vertiefung nicht nur der Schleusen, sondern der Gesamtanlagen des Kanals in Aussicht genommen.

* Von irgend welchen bestimmten Beschlüssen der Re. merung zur Fl-ischtcucning kann wenigstens in bezug auf die Milderung der Grenzsperren noch nicht die Rede sein; die Dinge werden aber dem Vernehmen nach so ernst angesehen, daß man erneute Erörterungen unter den Bundesregierungen über die Fleischteuerungs- und Fleischversorgungsftage für unabweisbar gehalten hat. Diese sind eingeleitet, ihr Er­gebnis aber noch nicht vorherzusagen. Neuerdings beschlosten die Stadtverwaltungen von Köln und Danzig, sich erneut an die preußische Staatsregierung wegen Milderung der Einfuhr- bejttmmungen für Vieh und Fleisch zu wenden.

Oefterrefeb-Ungam«

* An Stelle Goluchowskis ist Freiherr V. Aehrenthal ^zum Minister deS Aeußeren ernannt worden. Freiherr von Aehrenthal hat das Portefeuille angenommen.

Russland»

** Wenn eS auch an größeren Schlägen der Revolu- tionäre fehlt, {o find doch Utberfäöe und Räubereien noch immer an der Tagesordnung. Folgende Meldungen liegen vor:

Tiflis, 24. Ottober. Ein von Kars kommender Postwagen ist von zehn Räubern überfallen und um 29000 Rubel beraubt worden. Die Grenzwache verfolgt die Räuber.

WerchneudinSk, 24. Oktober. Die hiesige Güter- statton wurde nachts von 20 Räubern überfallen, doch schlugen Soldaten von einem bei der Station haltenden Militärzüge die Räuber in die Flucht und nahmen sechs von ihnen fest.

Tschita, 24. Oktober. Beim Revisionsverfahren im Prozeß gegen Mitglieder des Militärverbandes verurteilte das Militärgericht zwei Leutnants zum Verlust der Standes­rechte und Verbannung. Die übrigen Angeklagten wurden zu Ausschließung aus dem Dienst und zweijähriger Festtmgs- Haft verurteilt. Beide Leutnants und ein dritter An­geklagter wurden nach Fällung des Urteils flüchtig.

Petersburg, 24. Oktober. Den Regierungs­behörden der Hauptstädte wurde befohlen, eine neue Registrierung der wohnberechtigten Juden vorzunehmen und alle nicht wohnberechtigten erbarmungslos auszuweisen. Bei den Ausweisungen, die schonungslos vor sich gehen, spielen sich herzzerreißende Szenen ab.

Frankreich.

** Der internationale Pariser Kongreß zur Unter­drückung des Mädchenhandels sprach sich einstimmig zugunsten der Errichtung von Ortsausschüsten und Jnformattonsbureaus an der Grenze und in den Hafenstädten aus. Der Kongreß äußerte ferner den Wunsch, daß die Schiffahrtsgesellschaften den Regierungen auf den Mädchenhandel bezügliche Mit­teilungen liefern möchten.

** Das durch Clèmeneeau neugebildete Ministerkabinet setzt sich wie folgt zusammen: Präsidium und Inneres Clemenceau, Justiz Guyot-Dessaigne, Auswärttges Pichon, Unterricht Briand, Finanzen Caillaux, &rieg Picquart, Marine Thomson, öffentliche Arbeiten Barthou, Handel Doumergue, Ackerbau Ruau, Ministerium für Arbeiten und Gesundheitspflege Viviani, Kolonien Millies-Lacroix. Sämt­liche Mitglieder des neuen Kabinetts mit Ausnahme von Millies-Lacroix traten zu einer Sitzung zusammen. Man regelte endgiltig die Frage der Besetzung der Unterstaats- settetariate. Das Ministerium hat nach den französischen Blättern entschieden radikalen Charakter. Dem Kabinett ge­hören an sechs Radikale bezw. Sozialistisch-Radikale, der gleichfalls zu den Radikalen gehörende General Picquard, zwei unabhängige Sozialisten, zwei Mitglieder der bemo» kratischen Linken und schließlich ein Mitglied der demottatischen Vereinigung.

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** Die Redifbataillone von Durrazo und Firava find ans Nemen zurückgekehrt. Das erste Bataillon hat einen Verlust von 472 Mann, das andere einen solchen von 135 Mann gehabt. Um den seit 14 Monaten rückständigen Sold zu erhalten, veranstaltete die Mannschaft vor der Ent­lassung eine lärmende Demonsttation.

** Nunmehr ist die Kretakrise als überstanden zu be« trachten. Zaimis aelana es. die Parteien miteinander äu

Giessener * <

* * Catern

Nachdruck verboten.

Grimmerger Gallmahd.

O Grimmerg, huch! du edle Stadt, Dou best merr werdh unn lieb, Wann aach die becse Wald bchaabt 's wär Alles norSh'n Grieb."

Unn woas föc Werrer hatt err heut! Kaa Gallbceuh goabs, kaa bies, Nor Sonneschei unn Herbstesduft Bahl wäi im Paredies!--

Der Gallmahd wer dann aach Widder emol glicklich erim unn noach beste Kräfte iwwerschdanne. Es woar derr awwer aach e Werrer, Wäi's däi Grimmerger schont seit 40 Joahr uff däi Gallwoch net hatte. Doas Waas joa ewwe des klaanst Kcend, doaß däi Mähd kaa grüß Bedeuding mehr hawwe gejc freuher, awwer de Gallmahd, der noch groad so grüß unn aach so schih, wäi freuher aach. Woas woar doas e Vecgnieze und e Lostbarkaahd, woas e Menscheschbiel, woaß e Masse Bude, en Cirkus Rosenberg, aach Sahldenzer, unn zwaa Kareffelle, dem Lehmann seiTunnelbah-Unnersee- boot" unn em Krämer von Biedekopp sei zwaaschdöckig, en Kinnemattograf, e Schießbud' unn Gott waas! woas sonst noch all. Unn woaß des Scheenste vom Ganze woar, doaß nor a ahnzig Wördschaft uff'm ganze Festplatz Woar, unn däi is nett richdig frequendird worrde. Dadertför war awwer im Jwwrige deß Ver- gnieze desto greeßer unn Männlein wäi Weiblein hawwe sich minnanner amisierd, so goud wäl's ging. Doa woarn awwer aus alle Himmelsrichdunge die Mensche verdrede unn woas deß allerschöhnste debbei woar, doaß nett ah bees Wördche gefalle is, sonnern Alles hott sich in de greeßte Grenze des Oahnschdands bewegt. Benebst viele ahle Weiwer woarn awwer

aach e Unmasse schiene Mädderchec doa, däi von meiner Seid aus mett besonnerem Jndresse besichdigt worde sinn. Unn weil äich im Besuch von Mahd unn alle sonstige Festlichkeide Spezialist bin, so brass äich bann nadierlich aach de Zockerbäckec von Beuringe, dec mett seine Klacnett die ganz Weld unsicher unn dorch die scheußlich schöne Töne aach Mensche rasend macht. Bei de ehrschde Begrießung Hadd äich eingendlich die Absicht, das fuffzigjährige Juwilläum unserer Begegnnng auf alle meegliche Festlichkäde zu feiern, awwec doa erfuhr äich dann glicklich von seiner Fraa, doaß de Stehk von de Violin, däi err doch immer bei sich hott, abgebroche woar unn doaß deshalb föc deßmoal die mussigalische Toarbiedungene Eischränkung erfoahcn mißte. Kaan Mensch Wooc froher wäi äich, unn unner Verabfolgung von zwaa Nikkel a 10 haww äich mein Zockecbäcker mitte cm Wissegrond stih geloasse.

Vom Zockerbäcker wolle merr noch emol abschwenke zu zwaa blaue Aage, däi cm e wunnervolle Mädche erb- unn eigedhiemlich woarn. Doas woar uch e Poar Aage, e Poar Aage! fast goar net ze beschreiwe! Unn je mehr äich in die Aage geguckt hobb, je mehr de Gedanke in merr erwacht:

Ach, wenn's doch nor alle Doag Gallmahd wer!