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fr. 301. Zweites Blatt.

Samstag den 22 Dezember 1906

15. Jahrgang

géfWOT «. Huptexpedttdm: Gieße», SelterSwe, 88. fttt«fer<4*«MHrt Nr. MS.

VrattSbeilage»: Qberhesfische Familie«zeitu«g (täglich) und die Gießeuer Setfe«blase« (wöchentlich).

Mseße

(Ottßener UngsSAätt)

Unabhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)

für Oberhrssev und die Kreise Marburg und Wetzlur; Lokslauzeiger für Gießen und Umgebung.

nt^Ht aßt «nüichin $et*m*me<^u*9«n der Groyh. Bürgermeisterei Gießen, des Sroßh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. lW^>E»»^MWM^-»,^M^»W»M^MW^»»>»st «' I^^WM^»»"ff" - -L--_g^M*"r^,l«"""^g!^^ ' «'» l1»

stab und fern.

f DaS erste Krematorium in Sachsen ist nunmehr in Chemnitz feierlich eingeweiht worden. Die Verbrennungs- anstatt, die am neuen Friedhof belegen ist, enthält neben dem Krematorium die gesetzlich vorgeschriebene Leichenhalle mit sechs Leichenkammern, großem Aufbahrungsraum und Sezier- raum. Im nächsten Jahre wird ein Urnenhain das .Krema­torium von allen Seiten umgeben. Der Gesamtaufwand fih den Bau beträgt 185 000 Mark, die höchste Summe, die bis­her für ein Krematorium ausgegeben wurde. Die erste Ein­äscherung hat bereits stattgefunden.

f Bräutigam fn Vertretung. In der Marlen-Pfarrkirche m Marburg (Steiermark) fand eine Trauung statt, wie sie teilen vorzukommen p^egt Es wurden getraut Fräulein Ernestine Fink in Marburg mit Stephan Kotz, Tischler, derzeit ai Cleveland (Ohio) in Nordamerika. Der Bräutigam war nur Trauung nicht erschienen, sondern ließ sich durch einen Freund aus Gratwetn Vertreten.

T «cyreckensszene im Irrenhaus. In der Irrenanstalt zy .Hofheim hat der aus Leipzig stammende Geistesttanke Hagey «einen Wärter erschossen und den Arzt Weber nicht unerheblich verletzt. Hagen galt für harmlos. Er erhielt vor acht Tagen die Erlaubnis zu einem Ausflug nach Frankfurt' a. M. Dari hat er den Revolver gekauft, mit dem er die schreckliche Tal verübte.

t Sturmschäden in Frankreich. Heftige Unwetter haben Frantteich heimgesucht; der angerichtete Schaden ist bedeutend. Es liegen folgende Meldungen Vor:

Bordeaux, 15. Dezember. Ein heftiger Orkan hat die gewaltige im Bau befindliche Halle für die Inter­nationale Marine-Ausstellung zum Einsturz gebracht.

F i g e a c, 15. Dezember. Unser Ort wurde von einem starken Unwetter heimgesucht. Die Stadt ist zur Hälfte überschwemmt, der Eisenbahnverkehr zwischen Figeac und Capdenac ist gestört; der Schaden ist bedeutend.

Rochefort, 15. Dezember. Infolge eines durch Unwetter verursachten Kurzschlusses brach im hiesigen Arsenal Feuer aus, durch das Bestandteile mehrerer im Bau be­findlicher Schiffe zerstört wurden.

f Das rätselhafte Verschwinden der Frau des Land­gerichtsrats Sauer in Würzburg hält z. Z. weite Streife in Aufregung. Die 35 jährige Frau hat sich am 11. ds. Mts. in der Absicht aus der gemeinsamen Wohnung entfernt, um Einkäufe zu machen und ist seitdem nicht wieder nach Hause zurückgekehrt. Alle Nachforschungen nach ihrem Verbleib sind bis jetzt resultatslos verlaufen. Auf die Ermittelung der Vermißten hat der Ehemann eine Belohnung von 200 Mar! ausgesetzt.

t Furchtbares Familiendrama. Im Dorfe Schönau (an der sächsischen Grenze) hat der 16 jährige Sohn eines Milch­händlers die Geliebte seines Vaters und deren Kind mit der Holzaxt erschlagen, weil er sich durch das Liebesverhältnis in seinem Erbteile benachteiligt glaubte. Der junge Mensch zündete darauf das Haus an und erhängte sich.

t Aus Schwermut. In Halle a. S. hat die Frau des Direktors des Stadtgymnasiums Profeffor Dr. Friedersdorrff chre 20 Jahre falte Tochter und sich selbst erschossen. Der Vermutung nach dürfte Schwermut der Beweggrund zu der Lat gewesen sein.

t Verhängnisvolle Brandkatastrophe. In einem Hause der Reinickendorfer Straße in Berlin brach ein Wohnungs- brand aus, dem vier Personen zum Opfer fielen. Es sind dies die 77 jährige Privatiere Frau Babè, die 28 jährige Frau des Arbeiters Voelskow, die 23 Jahre alte Minna Corduan und ihre 19 jährige Schwester Ottilie.

43.

t Spielen mit dem Schießgewehr. Der elf Jahre alte Sohn des Bergmanns Lippert in Eisleben nahm beim Spielen aus dem unverschlossenen Schranke seiner Eltern eine Flinte. Nichtahnend, daß diese geladen sei, legte er auf seine acht- jjährige Schwester Luise an und drückte los. Die ganze Schrot- ladung drang in den Kopf des armen Mädchens, das auf der

Ueber die Entstehung der furchtbaren Katastrophe ist bekannt geworden, daß die alte Frau Babè auf dem Korridor mit einer Petroleumlampe hinfiel. Das Petroleum ergoß sich über den Korridor, und durch den Brand, der entstanden war, zog sich ein furchtbarer Qualm in die Wohnstube der Frau und drang nach der zweiten Etage. Der Rauch wurde bald bemerkt, und als die Feuerwehrleute die Tür in das Zimmer der Frau Babè einhieben, schlug ihnen eine furcht­bare (Stichflamme entgegen, die in rasender Geschwindigkeit den Treppenflur hochstieg und hier entsetzliches Unglück an­richtete. Die Stichflamme, die nun mit ungeheurer Gewalt nach den höheren Etagen schlug, erfaßte die herabeilenden, notdürftig bekleideten Personen. Frau Voelskow sowie die in der dritten Etage wohnenden Schwestern Corduan wurden von der Flamme ergriffen und augenblicklich getötet. Das im vierten Stock wohnende Fräulein Smith erlitt eine schwere Rauchvergiftung und geringere Verletzungen durch Brand­wunden. Dem Arbeiter Voelskow gelang es, der Gefahr zu entrinnen.

Vermischtes.

= Auch einSchnellzug". Nun hat auch SttücklirHtza seine Eisenbahn, der erste intrefferbe Zug wurde mit Jubel empfangen. Und das Aufsehen, das er erregte, war wohl­berechtigt! Das Bähnchen eine Lokomotive mit zwei Sandwagen kam nämlich von Friesoythe über die Land­straße, und da auf derselben keine Schienen liegen, mußte man die zur Verfügung stehenden drei Schienenlängen fort­während umwechseln, hinten wegnchmen und sofort vorn wieder hin legen und festmachen. Die ganze Wegstrecke beträgt nur reichlich 15 Kilometer, und man brauchte zu der sonder­baren Fahrt im Zeitalter des Verkehrs gerade drei Wochen!

= Oplumramhende französische Matrosen. In der Hafen. Padt Brest ist eine Opiumhöhle entdeckt worden, die Haupt, sächlich von Mattosen frequentiert wurde, jedoch einen sepa, raten Raum für Offiziere besaß. In Toulon wurden bereits vor einigen Wochen mehrere derartige Häuser geschlossen. Als die Polizei in Brest erfuhr, daß eine Halbweltlerin, die unter dem Namen Fvonne de Centurie bekannt war, in bei Rue Saint Ives eine Opiumhöhle hielt, drang sie während der Nacht in das Haus ein und fand eine Anzahl von Leuten vor, die auf breiten Ruhebetten dem Opium läster frönten. 6ine Untersuchung ist angeordnet, die zur disziplinarischen Maßregelung vieler Offiziere führen dürfte.

' --- Keinen Mut zum Sterbe«. Der 29 jährige HauS. knecht Johann Stöger in Wien wurde in seiner Wohnunz mit einer Lysolflasche in der Hand aufgefunden. Man glaubte nicht anders, als daß er einen Selbstmordversuch verübt habe und berief die Rettungsgesellschast, deren Aerzte Stöcker ins Leben zurückriefen. Er gab an, daß er das Gift nicht ge­tarnten hatte. Er wollte sich allerdings töten und hatte zu dem Zweck schon vor einigen Tagen eine Flasche Lysol gekauft. Er wollte das Gift trinken, aber vor Auftegung wurde ihm schwarz vor den Augen und er stürzte, ehe er den Borsatz ausführen konnte, bewußtlos nieder.

--- El« weiblicher Pferdedieb. Seit langer Zeit wurde das Städtchen Marion im Staate Indiana von einem erst 17 jährigen Mädchen namens Elva Sheriff terrorisiert. Sie zog in Männerkleidern durch die Gegend und galt als eine der gefährlichsten Pferdediebinnen des ganzen Landes. Sie verstand es stets, die wertvollsten Tiere wegzuführen, ohne daß es gelang, ihrer habhaft zu werden. Vor einigen Tagen jedoch wurde sie von einer Patrouille in einem verlassenen Steinbruch überrascht und nach kurzer Gegenwehr bewältigt.

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