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Freitag, den 21. Dezember 1906

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15. Jahrgang

Gratisbeilage» : Qberhesflfche Aamilie«zeitn»g (tLgliD und die Gietze»er Ge1fe»blafe» (wöchentlich).

xftbfl tu Himvtertzedtti«!: Gieße», SelterSweg 83. Atr»spr«cha»schl»ß Nr. HS.

(Hi-ß»«er <®ag#ßfcff)

NuaShängige Hagesjeilunz

(Gießener Bettung)

für Oberhrsfr«> die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger' für Gießen und Umgebung.

Lnchüt alle amtlichen Betam^machuPtzen dar Grotzh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberyessen.

Die Reicbstagswabkn.

Nativ vaüiberale Wahltaktik.

Wie aus Berlin gemeldet wird, steht die national- rale Partei auf demselben Standpunkt wie die chspartei. Ihr Zentral Vorstand hat zur Frage allgemeinen Taktik bei den Reichstagswahlen lenbe Resolution angenommen: Der Zentralvorstand I artet von den nationallibernlen Wählern, daß sie Haupt- und Stichwahl ihre Stimme so abgeben N ihre Wahlbündnisse so abschließen, daß die Ver- ung des deutschen Reichstages durch Zentrum und zialdemokratie soweit als nur möglich eingeschränkt > vom deutschen Volk der Druck einer Vorherrschaft klerikalen und revolutionären Partei endlich ge- mmen werde. Deshalb bittet der Zentralvorstand, icall den Wahlkampf von vornherein so zu führen, $ wenigstens in den Stichwahlen ein Zusammen- jen gegen jene beiden Parteien erleichtert wird.

Rorddeutschlaud.

Herborn. Die Sozialdemokraten stellten den Kauf- onn Trott-Haiger auf.

Wildungen Für unseren Wahlkreis ist von national- fetaler Seit Dr Boettcher aufgestellt worden, während er Bund dec Landwirte für die Kandidatur Richlhoseu hrtritt.

Eschwege.SchmalkaldeN'Witzeuhauseu. Der Bund der Landwirte und die Konservativen unterstützen den Deutsch - sozialen Raab.

GoSlar. An Stelle des bisherigen nationalliberalen Abgeordneten Fabrikanten Horn, der aus Gesundheits- cüÄsichten eine Kandidatur ablehnte, kandidiert Amts­richter Könue-Zellerfeld.

Nordhausen. Die Freisinnigen haben ihren bis­herigen Abgeordneten Dr. Wiemer aufgestellt, die Sozial­demokraten den Expedienten Glocke aus Berlin. Auch die Nutionalliberalen sind mit einer Kandidatur (Rechts­anwalt Senger) hervorgetreten.

Braunschweig. Die nationalen Parteien nominierten den bisherigen Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalt v. Damm

Sachsen. Ein Zusammenschluß aller bürgerlichen Karteien im Königreich Sachsen ist in Vorbereitung. Die gemeinsame Wahlparole soll ausschließlich die Wiedergewinnung der sächsischen Wahlkreise für das Bürgertum bilden.

Leipzig-Stadt. Der Stadtverordnete Rechtsanwalt Dc. Junck wurde als liberaler Kandidat nominiert.

Erfurt. Die Sozialdemokraten haben den Redakteur Schulz aufgestellt. Die bürgerlichen Parteien unter­handeln wegen eines gemeinsamen Kandidaten.

Halberstadt-Oschersleben-Wernigerode. Die National- liberalen stellen den bisherigen langjährigen Vertreter hnfpan auf. _

Schlesien. Soweit bis jetzt feststeht, werden in fünf oberschlesischen Wahlk. eisen das Zentrum und die Polen eigen« Kandidaten aufstellen. Die Polenblätter jähren eine äußerst scharfe Sprache gegen das Zentrum.

Durch den Tod erledigt waren 2 Sitze: Dreesbach (Soz.) und Breuer (Zentr.); durch Niederlegung des Mandats 1 Sitz (Raab, Wirtschaftliche Vereinigung.) *

Fünfhundrxt-anseud Mark

sollen am 15. Dezember bei der Deutschen Bank in Berlin unter der Spitzmarke .,pro patriau eingezahlt fein zur Verwendung der Agitation bei den Reichstags­wahlen gegen Zentrum und Sozialdemokratie.

ernst gemeint gewesen, und sie ist es auch heute nicht. Gerade ' daß in dem jetzigen Unterhaus zum ersten Male etwas sozia­listisch angehauchte Arbeitervertreter sitzen, macht es im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß eine Mehrheit des Unterhauses einen ernsthaften Ansturm auf das Oberhaus zugeben würde. Schwerwiegende politische Beschlüsse werden hier nicht ab irato gefaßt.

politische Rundschau.

Deutscbee Reich»

D e Parteien im Reichstag.

Nachstehend geben wir unsern Lesern eine Zu. sammenstellung, die die Stärke der Fraktionen im ver­flossenen Reichstag zur Zeit der Auflösung nachweist.

Es zählten Fraktionen ff

die des der der der

Zentrums Sozialdemokraten Deutsch Konservativen Nationalliberalen

dec Reichspartei Deuuchfleisinnige Volkspartei j Fraktion der Polen

Wirtschaftliche Vereinigung r o

(davon Deutsch-Sozialeb, Christl.-Sozrale 2, Bund dec Landwirte 3, Bayrischer Bauern­bund 3, Braunschweiger Welfe 1)

Freisinnige Vereinigung Msaß-Lothrinaec Wilde (bei keiner Fraktion) Deutsche Reformpartei

103

78

52

51

22

20

16

14

10

9

7

6

Mitgl.

ff

,/

ff

//

394 Mitgl.

Das Oberbaus in Gefahr ?

-er. London, 19. Dezember.

Das Oberhaus ist wieder einmal in Gefahr. Der ganze Witz, über den das ftöhliche Altengland gebietet, ist gegen das Haus der Lords aufgeboten. Die bissigsten und grimmigsten Scherze über die Vertreter gesetzgeberischer Erbweisheit werden ersonnen oder neu in Umlauf gesetzt, und durch die Vereinigten Königreiche wird die Forderung laut, daß man die Institution der Peers abschaffen müsse, wenn nicht England vor der ganzen Welt sich lächerlich machen und die Möglichkeit jedes Fortschritts einbüßen sollte. So und noch viel kräftiger kann man es in den Zeitungen lesen und in den Volksversammlungen hören. Man geht mit den Lords gar nicht glimpflich um. Das Lerikon der Verachtung, in dem britischen Jnselreich ohnehin nicht klein, schwillt durch den Zorn gegen das Oberhaus zu unheimlichem Umfang an, und die Kunst der Rede, die sich aus dem Lande Shakespeares zu verlieren drohte, hat mit der frischen Aufgabe einen frischen Aufschwung erfahren; denn Zeitungs- und Volksredner wett­eifern miteinander im eleganten wie im derben Ausdruck der Mißbilligung gegenüber den Lords. Man follie es kaum für möglich balten, daß so großer Zorn aus so kleinem Anlaß entspringen kann. Das Schulgesetz, das von dem Unterhaus angenommen war und von dem Oberhaus mit großer Mehr­heit verworfen worden ist, hat gar keine prinzipielle Be­deutung. Es ist ein Opportunitäts- und Gelegenheitsgesetz, das nach einem oder zwei Jahren genau so zurecht käme wie heute. Doch die Größe eines Zorns steht nicht immer im richtigen Verhältnis 311 der Bedeutung seines Anlasses. Allerdings darf man in der Regel hoffen, daß auch der große Zorn, der aus einem geringfügigen Anlaß hervorgegangen ist, leicht verraucht. So wird es hier gehen. Gerade die Heftigkeit, mit der sich alles gegen das Oberhaus Iven bet, wird bewirken, daß der Zorn schnell verlodert. Alle die Schmähungen, die in biefcn Tagen gegen das Oberhaus und feine Mitglieder, gegen die gesamte Peerschaft laut geworden sind, werden in wenigen Wochen völlig vcrgesseii sein. Hat man doch längst vergessen, daß genau dieselben sieben schon früher gehalten sind, mehr als einmal und sogar mit besserer Be­gründung. Das Haus der Lords fruchtet sich nicht, denn es weiß ganz genau, daß es auf der Grundlage einer ganz außerordentlichen Beliebtheit besteht. In keinem Lande der Welt ist der Adel bei dem Volke so beliebt wie in England. Man verhehlt sich hier durchaus nicht, daß die Vertreter des englischen Adels keineswegs Lauster an Einsicht und Scharfblick sind, daß sie ein volles Maß von Fehlern haben; aber man liebt sie mit allen ihren Fehlern nnb sympathisiert mit ihnen. Das Erlöschen eine* historischen Hauses gibt Anlaß zu nationaler Trauer, und das Auf­blühen neuer Geschlechter wird mit Freude begrüßt. Alle mehr oder weniger schlechten Witze über die zur Lordschaft aufgeftiegenen Bierbrauer und Groß- Warenhändler sind nur der scherzhafte Ausdruck für das auf­richtige Gefühl innerer Zusammengehörigkeit zwischen Voll und Adel. Damit ist nicht gesagt, daß etwa das Oberhaus in der Meinung des Volkes dem Unterhaus gleichstünde. Das Unterhaus repräsentiert den Willen der Nation, das Oberhaus nur den Willen der oberen Zehntausend. Das Volk aber ist politisch geschult genug, auch den abweichenden Willen der oberen Zehntausend zu respektieren. Freilich macht sich der Zorn über solche Abweichungen, sobald die Abweichung hinderlich wird, in derben Worten und selbst in Drohungen Luft. Die Drohungen sind aber nicht ernst gemeint. Weiß man doch, daß das Oberhaus schließlich nachgibt, sobald erwiesen ist, daß der Wille der Nation auf ein bestimmtes Ziel gerichtet und nicht davon abzubringen ist. Hat die Nation durch das Unterhaus zweimal ge­sprochen, so gibt das Oberhaus in der Regel nach. Sein Nein" hat also nur eine ausschiebende Wirkung, legt dem Unterhaus und der Bevölkerung nur die Verpflichtung auf, sich eine Sache wiederholt zu überlegen. Auch weiß das Oberhaus, daß die mit dem Unterhaus in notwendiger Uebereinstimmung befindliche Regierung über das unwider­stehliche Mittel des Peerschubs verfügt, wodurch eine große Minderheit sehr leicht zur Mehrheit werden kann. Im vorliegenden Fall freilich ist die Mehrheit, die das Schulgesetz verwarf, zu stark gewesen, als daß ein Peerschub in den üblichen Grenzen helfen könnte. So viele reiche Bierbrauer, die das Oberhaus jetzt auf­nehmen müßte, gibt es gar nicht. Der Zorn wird in kurzer Zeit vorübergegangen sein. Er hat sich in früheren Zeiten schon manchesmal beruhigt, sogar bei Widersprüchen, die sich auf größere Dinge bezogen. Kein Anzeichen spricht da­für, daß es jetzt anders sein"wird. Beharrt das Unterhaus auf seinem Volum, so wird das Oberhaus nachgeben. Die Drohung mit einer Abschaffung des Oberhauses ist niemals

* Die gegen die Kolonialbeamtcn Götz, Schneider und Wistuba schwebende Voruntersuchung wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses ist abgeschlossen. Auf Grund der Unter» suchungsergebnisse hat Oberstaatsanwalt Jsenbiel bei der zu­ständigen Strafkammer den Antrag gestellt, die Angeschuldigten außer Verfolgung zu setzen. Das gegen den früheren Kolonial- beamten Pöplau gleichfalls schwebende Verfabren soll dagegen auf Antrag des Oberstaatsanwaltes zur Eröffnung des Haupt­verfahrens führen.

* Schon vor einiger Zeit ist ein Hilfsarbeiter für land­wirtschaftliche Arbeiten im Reichsamt des Innern angestellt worden. Früher wurde die Regelung landwirtschaftlicher Angelegenheiten den Einzelstaaten überlassen, während in Zukunft anscheinend auch das Reich in dieser Beziehung ein­greifen will. Im Etat wird ein neuer Posten zu besonderen Berichten über die Landwirtschaft ausgeworfen; wie der Ab- satz landwirtschaftlicher Erzeugnisse gefördert, wissenschaftliche,' technische und ähnliche allgemeine Bestrebungen auf dem Ge­biete der Landwirtschaft unterstützt werden sollen, wird in einer besonderen Denkschrift dargelegt.

* In einem halbamtlichen Fachblatte wird zu der Frage der Personentarif-Reform bestätigt, daß im Verkehr mit den deutschen Ost- und Nordsee-Bädern die Ausgabe von Rückfahrkarten mit 45 tägiger Giltigkeit beibehalten werden soll, doch werden die neuen Tarifsätze eingerechnet, und es wird daher Freigepäck nicht gewährt. Die Beibehal­tung der Rückfahrkarten ist auf dringende Anträge der Bade­oerwaltungen und im Hinblick auf den Wettbewerb des Dampferverkehrs erfolgt. Die Rückfahrkarten werden, wie bisher, zur wahlweisen Benutzung der betreffenden Dampfer- stellen und zu mehrfacher Fahrtunterbrechung auf diesen be­rechtigen.

* Aus Paris Tam endlich gestern eine Aufklärung über die von derNationalzeitung" wiedergegebene Notiz aus.den Hohenloheschen Memoiren, die sich mit der Geldaffäre zwische» Papst Leo XIII. und dem deutschen Kaiser beschäftigte.

In der veröffentlichten Fassung erschien die Reminiszenz sofort unglaubwürdig. Jetzt läßt sich derMatin" von seinem römischen Mitarbeiter melden, die Geschichte müsse auf eine Entstellung gewisser Verhandlungen zurückgeführt werden, die über die Rückerstattung der im Kulturkampf nicht ausgezahlten Bischofsgehälter an den Papst gepflogen worden seien. Der Papst habe den Empfang dieser Gelder aber ab­gelehnt. Dies sei die einzige Geldangelegenheit, die jemals zwischen dem Vatikan und Deutschland geschwebt habe.

* In Hamburg gab kürzlich ein Unteroffizier auf einen flüchtenden Deserteur scharfe Schüsse auf offener Straße ab. Aus diesem Anlaß hat der Hamburger Senat an das preußische Kriegsministerium das Ersuchen gerichtet, Anordnungen über den Gebrauch von Schußwaffen zu treffen, die eine Gefähr-^ dung des Publikums ausschließen.

Oesterreich-Ungarn»

** Die so lang umstrittene Wahlrcform kann jetzt als gesichert gelten, da das Herrenhaus sich mit Bezug auf die Reichsratswahl-Ordnung der Fassung des Abgeordnetenhauses anzuschließen gewillt ist. Der Ministerpräsident Beck konferierte bis Mitternacht mit den Obmännern des Abgeordnetenhauses und des Herrenhauses. Es wurde vollständige Einigung erzielt. Das Grundgesetz der Wahlreform wird erst nach Weihnachten vom Herrenhaus erledigt werden.

Russland»

** Aus den verschiedenen Teilen des Reiches liegt wiederum eine Blutenlese von Nachrichten über Gewalttaten aller Art vor.

Kiew, 20. Dezember. Im Dorfe Kocenovka drangen der Gemeindevorsteher und sein Adjunkt, welche den Bauer Fialko suchten, in das Gehöft desselben ein. Fialko zer­trümmerte mit einer Axt dem Adjunkten den Schädel und verwundete den Vorsteher durch einen Geilwurf am V.ctf^ Eine Menge von 300 Bauern lief auf das Geschrei des Vorstehers zusammen und erschlug den Fialko.

Slonim (Provinz Grodno», 20. Dezember. 21 Ge­fangene, die in einem Bahnzuge befördert wurden, schossen während der Fahrt mit Revolvern nur die Begleitmann­schaften. Zwei von diesen wurden getötet, drei verwundet. Sechs der Gefangenen sprangen aii5 dem Zuge. Die Flüch­tigen werden verfolgt.

C h a b a r o w s k, 20. Dezember. Tschunchusen drangen in den letzten Tagen in einen Bahnung der Ussuribalm und griffen die Reisenden an. Ein Soldat wurde getötet, ium Chinesen erlitten Verwundungen.

Charkow, 20. Dezember. Ein ' : ^be fm d aus der Straße eine Metallbüchse, die er einem Arbeiter braute.