Einzelbild herunterladen
 

«c. 29».

Donnerstag den 20 Dezember 1906

15. Iabraanq

MHn H. $*o>Nfliefritiw: Gieße», ©eiter 6»cg 88.

9tftftméMH>W Nr. Mi.

vr«ttSbeU»-r«: Oberhesfische Fawittenzeitnng (tL-ttch) und die Gießener Leisendlase« (wöchentlich).

<Oi*^»»-e <H<4f) HlnaMngige HaseszeUung (Hreßense Bettnng)

für Oberheffe« u»d die Kreye Marburg und Wstzlar; Lokalameiger für Gießen und Umgebung.

-NliM e6t awHi^ni 8*eM**f)wgen der 6»^. Bürgermeisterei Gießen, des Troßh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

WMM^^^MMiwiwwniiwwwm i »W»^-»"»^.y^'^^ llBg^lHW«gBW!^l^-_JBBBB?" ^

Die Reichstagswabkn.

Der Wahlakt

wllzieht sich in der Weise, daß jeder Wähler vom Wahl' Vorstand ein gestempeltes Kouvert erhält, mit dem ec einen abgeschlossenen Raum betritt, um dort seinen Zettel in daS Kouvert zu legen. Erst dann darf der Wahlvorstand den Wahlzettel entgegennehme». Trotz- Lem tfi die geheime Wahl noch nicht völlig gesichert, l a in kleineren Orten die Wahlurnen »st recht mangel­hafter Art sind. In einem Aufsatz in denAnnalen teg Deutschen Reiches" hat der Königsberger Professor K Siegfried auch die Frage der Wahlurnen besprochen und darauf hingewiesem, daß bisher in vielen kleineren Orten als Wahlgefäße Suppenterrinen, Hüte, Bierkrüge, Zigarrenkisten, Hutschachteln verwendet wurden; auch hat man die Wahlzettel s vielfach so aufeinander ge- schichttt, daß man nachher bei dem Abzählen und Oeffnen der Kouverts aus dec Reihenfolge die Art der Abstimmung einzelner Personen feststellen konnte, wenn nebenbei eine Liste geführt wurde, in die die Ab< stimmenden eingetragen wurden Um diesen Uebel­ständen abzuhelfen, hatten die Nationallibecalen im Reichstag einen Antrag eingebracht, wonach für alle Wahllokale von Reichswegen gleichmäßige Urnen Zur Verfügung gestellt werden sollten. Diesmal wird aber nod) nach der alten Methode gewählt, zu der jeder Wahlvocstand seine eigeneUrne1 mitbringen kann.

Hessen «nd Hessen Nassau.

* * Gießen. Sonntag, den 23. Dezember, nach­mittags '/-4Uhr, halten die Bertranen-männer der national­liberalen Partei des Wahlkreises Gießen-Grünberg-Ridda im Cafe Ebel dahier eine Besprechung ab, um den Plan dec Wahlarbeit definitiv festzustellen.

Wie es heißt, hat der bisherige nationalliberale Kandidat für den Wahlkreis Darmstadt-Groß'Gerau, Dr. Stein die Absicht ausgesprochen, nicht mchr zu kandidieren.

Hanau. Amtsrichter Dr. Lucas in Langenselbold, der bisherige Vertreter des ReichStagSwahlkreises Hanau- Gelnhausen-Orb, hat sich wieder bereit erklärt, bei dec bevorstehenden Wahl für die nationalliberale Partei im hiesigen Wahlkreise zu kandidieren.

Norddeutschland.

In Mühlheim-Duisburg hat die nationalliberale DelegiertenVersammlung b schlossen, die Kandidatur Her-n Bassermann anzubieten

Jut Wahlkreis Altena-Iserlohn kandidiert mit Unter­stützung der Nationalliberalen Oberlandesgerichtsrat Mällcr-Köln für die freisinnige Volkspartei.

In Oschatz-Wurzen ist als Kandidat der rechts­stehenden Parteien Prof. Hasse aufgestellst worden.

Im Wahlkreis Landeshut-Jauer wird wiederum der freisinnige Abgeordnete Hermes aufgestellt.

In Plauen ist für die Freisinnigen der Landtags- abgeocdnete Günther aufgestellt woroen.

Die Sozialdemokraten stellten in den sächsischen Wahlkreisen Dresden rechts von der Elbe Kaden, in ! Dresden links dec Elbe Dr. Gradnauer, in Dresden- Land Horn, in Freiberg Schulze, in Oschatz-Grimma ! Lipinski und in Bautzen Höppner wieder als Kandidaten auf. In Döbeln fanbiinert wieder Pinkau.

Der bisherige Abgeordnete Hoffmeister von der freisinnigen Vereinigung hat zu Gunsten des Pfarrers Baumann auf eine Wiederwahl im Wahlkreise Glogau I verzichtet. Der Kreis war relativ sicherer Besitz der Freisinnigen.

In Hamburg stellten die vereinigten Liberalen als ^eichstagskandidaten v. Rappard, Menzel und Dr. Bra­band, der nationalliberale Reichstagswahl-Verein von 1884 Prof. Tr. Vollner, Reimer und Sieverts auf. Eure Einigung ist wegen der gegensätzlichen Stellung der Parteien zur Hamburger Wahlcechtsverschlechterung ausgeschlossen.

Süddeutschlesrd

In Heidelberg stellen die Konservativen den Ober- amtsrichter Freiherrn Laroche. Die Rationaüiberalen sollen den bisherigen Vertreter Beck wieder als Kandidaten auf.

Llldwigshak'k». In einer sozialdemokratrschenVer- iummlung erklärte ter Referent, der frühere Rerchrtags-

abgeordnete Ehrhardt, daß es zu einem Bündnis zwischen dem Zentrum und den Sozialdemokraten nicht käme. Es drehte sich bei den Reichstagswahlen nicht um die Kolonien, sondern um das ReichStagswahlgesetz und das Tabaksmonopol, das kommen soll.

Im badischen Wahlkreise WaldShut-Säâiugen kandidiert der bisherige Zentrumsabgeordnete Pfarrer Schuler.

politische Rundschau.

Deutscher Reich»

* Nach einem Berliner Blatt, das aus guten Quellen geschöpft haben will, werde die Bahn Kubnb-Kcetmanshoop in Südwcsiasrika nicht ohne die Genehmigung des neuen Reichs­tages gebaut. Die Regierung wolle nicht Gelegenheit geben, von einer Verletzung des Budgetrechts durch den Bahnbau zu reden, obwohl die Budgetkommission ihm zugestimmt habe.

* Der Erlaß des preußischen Landwirtschaftsministeriums über das Einfuhrverbot für lebende Schweine aus Dänemark, Schweden und Norwegen ist vielfach mißverstanden worden. Der Zweck des Erlasses war, die von den einzelnen Regierungs­präsidenten erlassenen Verbote der Einfuhr von lebenden Schweinen und Schweinefleisch aufzuheben. An ihre Stelle ist ein einheitliches, auf die Einfuhr lebender Schweine be­schränktes Verbot getreten, so daß nunmehr für die Einfuhr von frischem und zubereitetem Schweinefleisch keinerlei veterinärpolizeiliche Beschränkungen mehr bestehen Damit ist die in der Reichstagssitzung vom 11. Dezember seitens des Reichskanzlers bezüglich der Zu­lassung von frischem Schweinefleisch abgegebene Zusage in vollem Umfange für Preußen erfüllt worden. Die übrigen Bundesstaaten wollen mit ähnlichen Bekanntmachungen .vor­gehen.

* Ein beachtenswertes Nachspiel zum Fall Roeren ist ein­geleitet worden durch einen offenen Brief, den der Bezirks- amtmann a. D. Geo A. Schmidt, früher in Atakpame in Togo an den Herrn Roeren richtet. Im Reichstag wurde Schmidt von dem Abgeordneten Roeren heftig wegen seiner Amtsführung angegriffen. Aus dem Briefe geht hervor, daß Herr Schmidt den Abg. Hoeren ersucht hatte, seine Be­schuldigungen gegen ihn, Schmidt, in der Oefsentlichleit zu wiederholen. Darauf erwiderte Roeren, daß Schmidt zur Klarstellung der Sache die Beschleunigung des Disziplinar­verfahrens gegen sich bei der Kolonialabteilung beantragen solle. Schmidt antwortete, daß keine Disziplinaruntersuchung gegen ihn schwebe, und ersuchte um Bescheid. Roeren müsse hnsfnt, daß die gegen ihn geführten Gerichtsverhandlungen und Disziplinaruntersuchungen durchaus zu Schmidts Gunsten entschieden seien. Die im Reichstag erhobenen Beschuldigungen seien ein Ausfluß der Rache des Beamten Wistuba, gegen den wegen des Verrats von Diensttelegrammen Schmidt An­zeige gemacht habe. Es muß abgewartet werden, was die andere Seite darauf zu sagen hat.

* Nach dem Ergebnis der Nachwahlen zum württem« bergischen Landtag wird das Zentrum künftig die stärkste Fraktion sein. Es wurden in 26 Bezirken gewählt drei Kandidaten der deutschen Partei, vier Kandidaten des Bauernbundes, elf Kandidaten der Volkspartei, zwei Kandidaten des Zentrums, sechs Kandidaten der Sozialdemokratie. Vis jetzt ergibt sich folgendes Stärkeverhältnis: 21 Zentrum, 20 Volkspartei, 12 Bauernbund, 11 deutsche Partei, 11 Sozialdemokraten. Die ergänzenden Landeswahlen nach dem Proporlionssystem finden am 9. Januar statt

* ^on anfcheineno osstzros tniptrierrer Treue nurv uu Nitteilung verbreitet, die Regierung beabsichtige keine zweit lleichstags-Auflösnng. Die Annahme, die Regierung Plan nne zweite Auflösung, sei gründlich verkehrt. Die erste Auf ösung sei gerade im Vertrauen auf die Nation erfolgt Mn der Nation sei es, dies Vertrauen zu rechtfertigen.

* An den Rittergutsbes w von Komierowski ist ein Danktelegrmnm des Papstes gelangt für die Huldigungs- Depesche der großen Polenversammlung in Posen, die sich an Montag mit dem polnischen Schulstreik beschäftigte. Das Telegramm des Papstes hatte folgenden Wortlaut:Der hl. Vater hat mit dankbarem Herzen die Gefühle der An­hänglichkeit, bekundet durch Dich und Deine Genossen, end gegengenommen und erteilt allen Teilnehmern seinen Segen Kardinal Merry del Val." In dem an den Papst gesandter Telegramm erklärten die Polen, daß sie trotz der schwieriger Lage, in der sie sich aus Anlaß des Schulstreiks befände^ treu zu dem päpstlichen Stuhle hielten.

Rufeland»

* * Die Regierung hat nunmehr die Dumawahlen cut den 18. Februar, die Wahlen der Wahlmänner auf der 25. Januar festgesetzt. Ueber die Vorgänge im Reiche liegen folgende Meldungen vor:

Irkutsk, 19. Dezember. In Tschita wurde eint Bombenwerkstatt entdeckt. Zwölf Personen wurden ver­haftet.

Sewastopol, 19. Dezember. Von den 15 Matrosen, welche seinerzeit an der Meuterei auf dem Panzerschiff Potemkin teilgenommen und nach ihrer Rückkehr aus Ru­mänien sich freiwillig dem Gericht gestellt haben, wurde heute einer zu vier Jahren Zwangsarbeit, die übrigen zur Einreihung in Arrestantenabteilungen auf die Dauer von sechs Monaten bis zu zwei Jahren verurteilt.

Petersburg, 19. Dezember. Vizeadmiral Du­bassow (der zweimal aus Lebensgefahr Gerettete) ist zum Admiral befördert worden.

Lodz, 19. Dezember. Heute wurden zwei Bomben auf den Polizcimcister geworfen, der leicht verwundet wurde. Die Kutiche wurde zertrümmert, der Kutscher und ein Dragoner von der Eskorte erlitten Verletzungen.

Italien»

** Ueber die auswärtige Politik Italiens gab der Minister des Auswärtigen Tittoni ausführliche Erklärungen in der Deputiertenkammer. Ueber den Dreibund sagte der Minister, er könne sich voll und herzlich der ebenso warmen, wie wirk­samen Verteidigung anschließen, die Fürst Bülow und Frei­herr v. Aehrenthal dem Dreibund haben zuteil werden lassen. Der Dreibund werde auch ferner die Basis der italienischen Politik bleiben; ihm wolle man treu bleiben. Die Freund­schaft Italiens mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn stehe auf festem Boden. Freundschaftliche Beziehungen mit England zu unterhalten, sei für Italien nötig. Was die angedeutete Möglichkeit eines englisch - deutschen Konfliktes angehe, so glaube auch in Oesterreich, das ebenfalls herzliche Beziehungen zu England unterhält, niemand ernstlich daran. Weiter er­klärt der Minister die Beziehungen zwischen Italien und Frankreich seien freundschaftliche nud herzliche. Solange der Dreibund fortfahre, seine friedliche Mission auszuüben, wie in seinem Charakter liege, und so lange die mit Italien be­freundeten Nationen in der gegènwärügen friedlichen Politik verharren, brauche Italien nicht zwischen dem Bündnis und den Freundschaften zu optieren.

Hmmha»

** Der von Präsident Roosevelt nach San Franzisko zur Untersuchung der Zwistigkeiten zwischen Japanern mit luncriianischen Behörden wegen des Schulbesuchs der iapanijchen Kinder entsandte Handelssekretär Metcalf hat seinen Bericht erstattet. Das Schriftstück ging dem Kongreß zu mit einer Botschaft Roosevelts. Der Präsident stellt den japanischen Schulkindern das Zeugnis auèz daß sie reinlich seien, einen scharfen Verstand und gutes Betragen zeigten. Sodann wird dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Bewohner San Franziskos d^n Japanern gestatten möchten, alle Schulen zu besuchen. Metcalf spricht sich dahin aus, daß es Pflicht der Bundesregierung sei, den Japanern Schutz zu gewähren, wenn die Mèacht der Polizei in San Franzisko dazu nicht lusreiche. -

Kleine politische JNacbricbten»

Berlin, 19. Dezember. In Gegenwart des Kaiser» - a a r e s fand heilte nachmittag die feierliche Einweihung der neuen Heiliggeisttirche in Moabit statt.

Berlin, 19. Dezember. Graf Lanza, der hiesige italienische Botschafter, ist auf sein Gesuch seines Postens enthoben worden. An seine Stelle tritt Albert Pansa als Botschafter in Berlin.

Breslau, 19. Dezember. Zum silbernen Bischofjubiläum des Kardinals Kopp haben nahezu das gesamte preußische Episkopat sowie der Olmützer und Prager Bischof am 8. Januar ihren Besuch angemeldet.

Lübeck, 19. Dezember. Der Senat veröffentlicht eine. Bekanntmachung, nach der die Einfnia von b i Fleisch aus Dänemark, Schweden und Norwegen vonk 20. Dezember d. J. ab gestattet ist.

Hannover, 19. Dezember. Die hannoverschen Welfenkreise beabsichtigen die Absendung einer Dankdeputation an den Herzog von Cumberland wegen der Ablehnung einer Verzicht- leistung auf Hannover.

Ludwigshafen, 19. Dezember. Von zuständiger Seite verlautet, daß ein noch unveröffentlichter neuester Entschluß der bayerischen Regierung für künftig die Zuziehung der Geistlichkeit zu den Fortbitdungsschulprüfungen anordne.

München, 19. Dezember. Um die Beschuldigungen Bebels im Gerichtssaal zurückweisen und als Unwahrheiten erweisen zu können, hat Dr. Peters die Münchener Post, welche ihn in einem ArtikelHänge-Peters" genannt hat, verklagt.

Madrid, 19. Dezember. Das Handelsabkommen mit Deutschland ist unterzeichnet worden. Das Provisorium, das sonst Ende dieses Jahres abgelausen wäre, ist dadurch auf sechs Monate, also bis Ende Juni nächsten Jahres verlängert worden.

Ta- ger, 19. Dezember. Meballa Guebbas, der angeblich 8000 Mann Truppen huben sollte, kam in Elksar mit 3000 an. Davon desertierten 1800, sodaß noch 1200 blieben, die sich jedoch aus Furcht vor Raisuli nicht vorwagen.

Tanger, 19. Dezember. Das diplomatische Korps in Tanger beschloß, vom Sultan von Marokko die Entfernung ic.O . aus dem Gebiet von Tanger zu verlangen.

Peking, 19. Dezember. Amtlich wird bekanntgegeben, daN nach dem Uebereinkommen mir Rußland Cbina als inter-